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July 26 2010

FOERSTER, Friedrich Wilhelm, deutscher Pädagoge, Psychologe und Pazifist, 1869-1966

“…Foerster setzte sich kritisch mit der deutschen Kriegspolitik während des Ersten Weltkrieges und der Frage der Kriegsschuld auseinander. Wegen seiner politischen und ethischen Anschauungen wurde er von nationalistischen Kreisen massiv angegriffen, worauf hin er 1920 sein Lehramt niederlegte. Als sein Hauptwerk gilt das 1905 veröffentlichte Christentum und Klassenkampf….” Wikipedia 20100727

“…Friedrich Wilhelm Foerster war der Begründer der politischen Bildung Deutschlands im 20. Jahrhundert, er vertrat als erster den Gedanken freiheitlicher politischer Bildung, zu deren Konsequenz demokratische politische Bildung und Demokratisierung durch politische Bildung gehörte. Für Foerster bedeutet “Erziehung” die Anleitung zu sozialem Denken und Handeln, ” Erziehung ist das Feld konsequenter Anwendung von Sittlichkeit und Religion auf alle Lebensgebiete, Politik nicht ausgenommen.”, alle Bildung ist Lebenshilfe. …” (kirchenlexikon.de - 2010727)

Band XXVII (2007) Spalten 445-451 Autor: Bernhard Josef Stalla

FOERSTER, Friedrich Wilhelm, deutscher Pädagoge, Psychologe und Pazifist, * 2.6. 1869 in Berlin als Sohn des Direktors der Berliner Sternwarte und Universitätsprofessors für Astronomie Wilhelm Julius Foerster (1832-1921) und seiner Ehefrau Ina Foerster geb. Paschen (1835-1908); † 9.1. 1966 in Kilchberg bei Zürich. Foerster studierte Philosophie, Nationalökonomie und Physiologie an den Universitäten in Freiburg im Breisgau und Berlin. Seine 1893 verfaßte Doktorarbeit trägt den Titel “Der Entwicklungsgang der Kantischen Ethik bis zur Kritik der reinen Vernunft”. Von 1894 bis 1897 war Foerster Herausgeber für die von seinem Vater Wilhelm Julius Foerster begründete Zeitschrift “Ethische Kultur”. Im Jahre 1898 habilitiert er an der Universität Zürich mit der Schrift “Willensfreiheit und sittliche Verantwortlichkeit. Eine sozialpsychologische Untersuchung”. In den Jahren 1898 bis 1912 war Foerster als Privatdozent für Philosophie und Moralpädagogik an der Universität Zürich und der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich tätig. 1913 und 1914 war er außerordentlicher Professor für Ethik und Sozialwissenschaften an der Universität Wien. Von 1914 an war er als ordentlicher Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität in München tätig, wo er Pädagogik und Philosophie lehrte. 1917 wurde Foerster überzeugter Pazifist. Von Kurt Eisner wurde er zum Bayerischen Minister in der Schweiz ernannt, vom Bundesrat aber nicht anerkannt. Foerster warf Deutschland Verantwortung in der Kriegsschuldfrage vor und setzte sich für einen Friedensvertrag ein; Foerster setzte sich kritisch mit der deutschen Kriegspolitik während des Ersten Weltkrieges und der Frage der Kriegsschuld auseinander. Wegen seiner politischen und ethischen Anschauungen wurde er von nationalistischen Kreisen massiv angegriffen, woraufhin er 1920 sein Lehramt niederlegte und den Lehrstuhl für Pädagogik an der Universität München gezwungenermaßen aufgab. Als sein Hauptwerk gilt das 1905 veröffentlichte “Christentum und Klassenkampf”. Im gleichen Jahr ging er zurück nach Zürich und siedelte 1926 nach Frankreich über. Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in Deutschland im Jahre 1933 wurden auch Foersters Werke öffentlich verbrannt. Im dritten Feuerspruch der Studierenden bei der Bücherverbrennung am 10.5. 1933 in Berlin wurde F. als “Gesinnungslump und politischer Verräter” bezeichnet. In seiner Schrift “Die tödliche Krankheit des deutschen Volkes”, die in der Schweiz und in Frankreich erschienen war, hatte er eindringlich vor dem Naziregime gewarnt. Nach der Besetzung Frankreichs durch die Deutsche Wehrmacht im Jahre 1940 flüchtete er nach Portugal und emigrierte in die USA. Er lebte bis 1963 in New York und kehrte schließlich in die Schweiz, nach Kilchberg nahe Zürich zurück, wo er seine letzten Lebensjahre in einem Sanatorium verbrachte. In seinem Werk setzte sich Foerster mit ethischen, politischen, sozialen, religiösen und sexuellen Themen auseinander und forderte eine Reform der Erziehung auf christlicher und ethischer Grundlage an. Dabei sah er die Charakter-, und Willensbildung und die Schulung des Gewissens als oberstes Ziel der Erziehung an. 1953 erschienen seine Memoiren unter dem Titel “Erlebte Weltgeschichte. 1869-1953″. Friedrich Wilhelm Foerster war der Begründer der politischen Bildung Deutschlands im 20. Jahrhundert, er vertrat als erster den Gedanken freiheitlicher politischer Bildung, zu deren Konsequenz demokratische politische Bildung und Demokratisierung durch politische Bildung gehörte. Für Foerster bedeutet “Erziehung” die Anleitung zu sozialem Denken und Handeln, ” Erziehung ist das Feld konsequenter Anwendung von Sittlichkeit und Religion auf alle Lebensgebiete, Politik nicht ausgenommen.”, alle Bildung ist Lebenshilfe. Die Intention von Bildung besteht in der Menschwerdung des Menschen, die Charakter-, Willens- und Gesinnungsbildung, sowie politische Bildung beinhaltet. Für Friedrich Wilhelm Foerster gründen Pädagogik und Politik in Moral und Ethik auf christlicher Grundlage. Für das Leben und die Erziehung fordert er den “notwendigen ethischen Ausgleich einander entgegenstehender Rechte”, einen Ausgleich, über den jederzeit nur unser Gewissen entscheiden kann. Für Foerster besteht das Erziehungs-, Bildungs- und Lebensziel in der Nachfolge Christi, mit diesem Grundmotiv, das sich in den meisten seiner pädagogischen Werke wieder findet, weist er darauf hin, daß Christus als Erzieher und Lehrer den Menschen den Weg in der Welt weist. In seinen 30 Büchern und etwa 6000 Aufsätzen hat Foerster eine internationale Bedeutung und Wirkung erreicht. Sein Beitrag zum pädagogischen Menschenbild unseres Jahrhunderts hat der Erziehungswissenschaft fruchtbare Anregung und Förderung verliehen. Durch seine politische Einflußnahme und Mitgestaltung des gesellschaftlichen Lebens, durch seine kompromißlose Stellungnahme zu politischen und ethischen Kernfragen, sowie durch seine stetige Arbeit für Frieden und Gerechtigkeit, hat Friedrich Wilhelm Foerster in einer durch zwei Weltkriege erschütterten Epoche, eine vorbildhafte Wirksamkeit für die deutsche Pädagogik im In- und Ausland entfaltet.

Werke: Der Entwicklungstand der Kantischen Ethik bis zur “Kritik der reinen Vernunft” Berlin, 1894. Ethische Aufgaben in der sozialen Bewegung. Berlin, 1894. Die Arbeitslosigkeit und die moderne Wirtschaftsentwicklung. Berlin, 1897. Willensfreiheit und sittliche Verantwortung. Berlin, 1898. Technik und Ethik. Eine naturwissenschaftliche Studie. Leipzig, 1903. Jugendlehre, Ein Buch für Kinder, Lehrer und Geistliche. Berlin, 1904, Neuauflagen Zürich, 1922, Mainz, 1959. Lebenskunde. Ein Buch für Knaben und Mädchen. Berlin, 1905, Neuauflage Mainz, 1953. Sexualethik und Sexualpädagogik. Eine neue Begründung alter Wahrheiten. München, 1907. Neuauflage Recklinghausen, 1952. Christentum und Klassenkampf. Gesichtspunkte und Anregungen zur sozialen Arbeit und zur Verständigung der Klassen. Zürich, 1908. Schule und Charakter. Beiträge zur Pädagogik des Gehorsams und zur Reform der Schuldisziplin. Zürich, 1908, Neuauflage Hrsg. von Franz Pöggeler, Recklinghausen, 1953. Lebensführung. Berlin, 1909. Neuauflagen Zürich, Leipzig, 1922, Mainz, 1954. Schuld und Sühne. Grundfragen des Verbrecherproblems und der Jugendfürsorge. München, 1910, Neuauflage Trier, 1961. Politische Ethik und politische Pädagogik. Mit besonderer Berücksichtigung der kommenden deutschen Aufgaben. München, 1910. Autorität und Freiheit. Betrachtungen zum Kulturproblem der Kirche. München, 1910. Die Grundlagen der christlichen Pädagogik. Vortrag, gehalten auf dem Deutschen Evangelischen Schulkongreß in Kassel 1912. Berlin, 1913. Strafe und Erziehung. München, 1912. Das österreichische Problem. Vom ethischen und staatspädagogischen Standpunkt. Wien, 1914. Erziehung und Selbsterziehung. Hauptgesichtspunkte für Eltern und Lehrer, Seelsorger und Jugendpfleger. Zürich, 1917. Foerster, Seyffert und Richard Für und wider die allgemeine Volksschule. Leipzig, 1918. Christus und das menschliche Leben. München, 1918, Neuauflage Recklinghausen, 1953. Weltpolitik und Weltgewissen. München, 1919. Zur Beurteilung der deutschen Kriegsführung. Berlin u. Stuttgart, 1919. Mein Kampf gegen das nationalistische und militaristische Deutschland. Gesichtspunkte zur deutschen Selbsterkenntnis und zu Aufbau eines neuen Deutschland. Wiesbaden, 1920. Worte von Friedrich Wilhelm Foerster. Hrsg. von H. Peine. Berlin, 1921. Zentralismus oder Föderalismus. München, 1922. Angewandte politische Ethik. Anmerkungen zum Verständnis der gegenwärtigen Weltlage. Bd. 1-2 Wiesbaden, 1922-1924. Jugendseelsorge, Jugendbewegung, Jugendziel. Zürich, 1923. Religion und Charakterbildung. Psychologische Untersuchungen und pädagogische Vorschläge. Zürich, 1923; Alte und neue Erziehung. Luzern, 1935; Europa und die deutsche Frage. Luzern, 1935; Ewiges Licht und menschliche Finsternis. Luzern, 1935; Erlebte Weltgeschichte 1869-1953; Memoiren. Nürnberg, 1953; Politische Ethik. Die ethischen und religionssoziologischen Grundlagen des Verhältnisses von Mensch und Gesellschaft. Recklinghausen, 1954; Politische Erziehung. Freiburg i. Br. 1959; Deutsche Geschichte und politische Ethik. Recklinghausen, 1963; Hauptaufgaben der Erziehung. Freiburg i. Br. 1959; Die jüdische Frage. Das Mysterium Israels. Freiburg i. Br. 1959; Moderne Jugend und christliche Religion. Freiburg i. Br. 1960; Friedrich Wilhelm Foerster Schriften zur politischen Bildung. Besorgt von K.G. Fischer. Paderborn, 1964. Friedrich Wilhelm Foerster: Manifest für den Frieden: eine Auswahl aus seinen Schriften (1893-1933) Hrsg. von Bruno Hipler Paderborn, 1988; Max, Pascal (Hrsg.): Grundprobleme der Ethik. Eine Auswahl aus den Werken Friedrich Wilhelm Foersters. Hannover, Stuttgart: Ibidem-Verlag, 2006 (Herrn Univ.-Professor Dr. Dr. h. c. Franz Pöggeler zum 80. Geburtstag am 23. Dezember 2006).

Bibliographie: Werke von Friedrich Wilhelm Foerster. In: Erlebte Weltgeschichte 1869-1953. Memoiren. Nürnberg, 1953, 715-717; Bibliographie der Bücher Foersters in: Friedrich Wilhelm Foerster Schriften zur politischen Bildung. Besorgt von K.G. Fischer. Paderborn, 1964, 133-138.

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