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Pierre Bourdieu

Algerische Skizzen

Suhrkamp Verlag, Berlin 2010

ISBN-10 3518585525
ISBN-13 9783518585528
Gebunden, 523 Seiten, 32,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Bernd Schwibs, Achim Russer und Andreas Pfeuffer. Pierre Bourdieu kam Mitte der 1950er Jahre zum ersten Mal nach Algerien, und zwar als Soldat im Algerienkrieg. Nach Abschluß seines Militärdienstes führte er hier erste Feldforschungen zur Kultur der Berber in der Kabylei durch, die seine späteren großen soziologischen und wissenschaftstheoretischen Arbeiten nachhaltig geprägt haben. Erschüttert von der systematischen Zerstörung einer ganzen Kultur durch das französische Kolonialregime hatte Bourdieu in Algerien gewissermaßen sein Erweckungserlebnis als ethnologisch geschulter Soziologe. Insbesondere sein Entwurf einer Theorie der Praxis ist direkt durch die Algerienerfahrung beeinflußt worden.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 06.11.2010

Mit großem Interesse hat Robin Celikates diese Texte Pierre Bourdieus über Algerien gelesen, die aus seiner Sicht recht nachvollziehbar die Wandlung des jungen Ethnologen zum Soziologen und damit einen entscheidenden Entwicklungsschritt in der Bildungsgeschichte dieses bedeutenden Soziologen des 20. Jahrhunderts nachvollziehbar machen. Entstanden sind die Arbeiten zum Strukturwandel der algerischen Gesellschaft zwischen 1959 und 2003 und entscheidend durch Bourdieus Zeit erst beim Militär und ab 1957 als Dozent für Philosophie in Algier geprägt. Beeindruckend findet der Kritiker besonders, wie Bourdieu in seinen "empirisch und zugleich narrativ dichten Schilderungen" den französischen Kolonialismus als eine "das gesamte Leben durchdringende Herrschaftspraxis greifbar" werden lässt. Mit Bedauern registriert der Kritiker auch, dass in frühen Texten noch eine "dichterische Dimension" spürbar ist, die später dann im "fester gefügten Kategoriennetz seiner Theoriesprache" verloren gegangen sei.

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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.09.2010

Als neuerliche Chance dem großen Soziologen Pierre Bourdieu beim Verfertigen seiner Theorie zuzusehen, sieht Joseph Hanimann diesen Band. Der Rezensent folgt dem Autor zu den kabylischen Bauern ins Algerien der 50er Jahre und stellt fest, wie sehr Bourdieus Blick von gängigen Sichtweisen und Kategorien, moralischer oder politischer Natur, abweicht, indem er Feldforschung betreibt, mit Begriffen experimentiert und die algerische Landbevölkerung nicht sozialromantisch als rückständig begreift, sondern als "explosive Kraft". Für Hanimann sind das Zeitzeugnisse mit Aktualität. Zusammen ergeben sie allerdings kein Geschlossenes: Weil dies nicht Bourdieus Arbeitsweise entspricht, aber auch weil Auswahl und Anordnung der Aufsätze nicht überzeugen, wie Hanimann kritisch anmerkt.

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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.09.2010

Andreas Eckert hat die nun erschienene deutsche Ausgabe von Pierre Bourdieus in und über Algerien verfassten Texte gelesen und findet sie aus zwei Gründen sehr erhellend. Zum einen bekomme man hier einen Eindruck von der Basis von Bourdieus "Sozialtheorie". Zum anderen aber bietet das Buch "faszinierende Einblicke in die spätkoloniale Gesellschaft" des Landes. Bourdieu war 1955 als Soldat nach Algerien gekommen und begann hier nach seiner Zeit beim Militär mit seinen soziologischen und ethnologischen Forschungen, erfahren wir. So hat er sich beispielsweise besonders mit den Berber-Gesellschaften oder mit den durch die französische Kolonialmacht in "Umsiedlungslager" aus ihren dörflichen Gemeinschaften gerissenen Bauern befasst, erklärt der Rezensent. Er hätte es begrüßt, wenn auch einige von Bourdieu selbst geschossene Fotos von diesen Lagern abgedruckt worden wären, ansonsten aber dessen in diesem Band versammelten Algerieneindrücke mit großem Interesse gelesen.

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