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January 28 2013

Fanfiction: 50 Shades of Copyright

Vor etwa zwei Wochen berichtete der Guardian, dass Bluemoose Books – ein kleiner Verlag aus Yorkshire – versucht hatte, auf dem Trittbrett des BDSM-Bestsellers „50 Shades of Grey“ ein paar Pfund zu verdienen. Der Plan war, eine unautorisierte Biographie des fiktionalen Millionärs Christian Grey – Frauenschwarm und Held des Romans – zu veröffentlichen und damit den Verlag zu sanieren. Als Bluemoose Books diese Neuigkeit ankündigte, wurde der Verlag mit Anfragen von weiteren Verlagen aus dem In- und Ausland überschüttet – ja sogar Hollywood soll angerufen haben, um die Rechte zu kaufen.

Nur hatte Bluemoose Books vergessen, die Rechteinhaber von „50 shades“ – die Autorin E.L. James und ihren Verlag – zu fragen, ob das okay wäre. Und als dann einige Tage später ein strenger Anruf von Random House kam, in dem von Urheberrechtsverletzung die Rede war, musste der Verleger seine Pläne aufgeben. „Eine Woche lang war ich fast Millionär“, sagte er dem Guardian.

Was ist nun daran so spannend? Nun, die Tatsache, dass die „Shades of Grey“-Trilogie selbst auf einer solchen Appropriation beruht. Und das ist nicht einmal ein Geheimnis: „50 Shades of Grey“ war ursprünglich ein sogenanntes Fanfiction und trug den Titel „Masters of the Universe“.  Snowqueen Icedragon – so nannte sich die „50 Shades“-Autorin E.L. James, als sie im Twilight-Fandom aktiv war – hatte sich die Charaktere aus der Vampir-Romanze „Twilight” (deutsch „Biss zum Morgengrauen“ usw.) genommen und ihnen ein etwas  aktiveres Sexualleben verpasst.

Fanfiction-Autoren übernehmen bekannte Figuren aus Filmen, Fernsehserien oder Büchern und schreiben mit ihnen eigene Geschichten. Das kann unterschiedliche Formen haben: Die Original-Geschichte kann etwa aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt werden oder die Fan-Autorin denkt sich einen eigenen Plot aus und behält nur Charaktere und Setting. Weiter vom Original entfernen sich sogenannte Alternative-Universe-Geschichten. Hier übernimmt die Autorin nur die Figuren mit ihren Eigenschaften und Eigenheiten und versetzt sie in ein Setting ihrer Wahl.

„Master of the Universe“ gehört zu diesem Subgenre. Der Vampir Edward wurde zu Edward, dem Millionär mit gewissen Neigungen, und Bella – blieb Bella. Zunächst jedenfalls. Fanfiction lebt davon, dass die Figuren wiedererkennbar sind und MotU – wie „Master of the Universe“ von den Fans genannt wurde – bildete keine Ausnahme.

MotU war lange im Netz kostenlos zugänglich und hatte sehr viele Anhänger, die Woche für Woche auf die Fortsetzung warteten und tausende von Kommentaren schrieben. Nach einer Weile im Netz zog E.L. James die Geschichte aus den Fan-Archiven zurück, so die Aussage ihrer Agentin, weil es Beschwerden wegen der Sex-Szenen gab. Sie änderte die Namen der Figuren (so wurde aus Bella Anastasia und aus Edward Christian) und veröffentlichte sie zuerst bei einem australischen E-Book-Verlag als eigenes Werk, bevor dann Random House darauf aufmerksam wurde. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Die Trilogie hält sich seit Monaten an der Spitze der Bestseller-Listen auf der ganzen Welt.

Wie Fanfiction urheberrechtlich zu beurteilen ist, ist eine Frage, über die sich die Juristen die Köpfe zerbrechen. In den angelsächsischen Ländern fällt Fanfiction zumeist unter die Fair-Use-Klausel. Sie erlaubt unter gewissen Bedingungen, fremde Werke zu benutzen. Eine dieser Bedingungen ist, dass man mit dem bearbeiteten Werk keinen finanziellen Gewinn macht.

Nun hat in der iRights.info-Redaktion noch niemand das Werk gelesen (jedenfalls gibt es keiner zu), aber Leser, die beide Versionen gelesen haben, sehen Gemeinsamkeiten, so etwa das Blog „Dear Author“. Auch bei Galleycat kann man einen Blick in die ursprüngliche Version von „50 Shades of Grey“ werfen.

Inzwischen gibt es natürlich auch Shades-of-Grey-Fanfiction. Und wer weiß, ergibt sich daraus der nächste Besteller. Die Verlage suchen inzwischen im Netz aktiv nach neuen Büchern,  vor allem in den USA. Viele Neuerscheinungen in diesem Jahr waren ursprünglich Geschichten, die zuvor im Netz veröffentlicht worden sind. So hat die 16-jährige Emily Baker ursprünglich „One Direction“-Fanfiction geschrieben (für die älteren Leser: One Direction ist eine britische Boyband, die gerade von überwiegend weiblichen Teenagern weltweit angehimmelt wird). Im Oktober wurde bekannt, dass sie vom Penguin-Verlag das Angebot bekommen hat, ihre Geschichte „Me, Myself, and One Direction“ als Buch zu veröffentlichen.

Letztendlich ist das eine interessante Aussage über die Produktion von Texten und Geschichten. Der Schriftsteller Jonathan Lethem schreibt in seinem Essay „The extasy of influence“ (auf Deutsch gekürzt: „Autoren aller Länder, plagiiert Euch“): „Jeder Text ist vollkommen eingesponnen in Zitate, Bezüge, Echos und kulturelle Sprachen, die ihn in ein riesiges stereophones Gewebe einarbeiten. [...] Der Kern, die Seele – sagen wir ruhig: die Substanz, der tatsächliche werthaltige Stoff – allen menschlichen Ausdrucks ist das Plagiat.“ Fanfiction-Autoren nehmen die uns umgebende Medienwirklichkeit und machen sie zu ihrer eigenen – eine Art moderner Folk-Tradition. Der Erfolg von Fanfiction ruft nun wieder die traditionellen Verlage auf den Plan, diejenigen, die eigentlich immer die Originalität und Authentizität von Literatur verteidigen.

Die geplante Biografie von Christian Grey von Bluemoose Books ist eigentlich auch nur Fanfiction. Der Unterschied war wohl, dass der Verleger sie nicht anonym im Netz veröffentlicht hat, sondern damit Geld verdienen wollte. Er überlegt nun, ob er nicht ein Buch über den Fall schreiben soll. Ein Buch über das Buch über das Buch. Dafür dürfte er eigentlich nicht verklagt werden können, glaubt er. Sicher ist er sich aber nicht.

Reposted bykrekk krekk

January 15 2013

GEMA nach Hause – Verloren zwischen Club und Youtube

Alle schimpfen auf die GEMA: Die Internet-User, weil sie keine Youtube-Clips sehen dürfen, die Club-Besitzer, weil die Tarife teurer werden, viele Musiker, weil sie den Verteilungsschl

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November 13 2012

October 04 2012

Content-ID: Youtube schraubt an Copyright-Prüfungen

Foto: Fred Seibert, CC BY-NC-ND, flic.kr/p/9p9oE2

Das Filtersystem Content-ID soll Urheberrechtsverletzungen auf der Plattform Youtube verhindern, sorgt unter anderem wegen Fehlalarmen bei Nutzern und Produzenten aber immer wieder für Ärger. Jetzt gibt es zwei Änderungen am System, wie das Youtube-Unternehmensblog am Mittwoch mitgeteilt hat.

Zum einen sollen die Nutzer bessere Widerspruchsmöglichkeiten gegenüber Rechteinhabern haben, wenn das System einen Treffer meldet: Kurz gesagt gibt es nun eine Art Berufung. Wenn ein Nutzer der Sperrung eines Videos durch mutmaßliche Rechteinhaber widerspricht, gibt es für diese nun zwei Optionen. Sie können es beim Widerspruch belassen oder eine formale Beschwerde im Rahmen der DMCA-Verfahren einleiten. Zuvor war die Möglichkeit zum Widerspruch eingeschränkt (gut erläutert ist das bisherige Verfahren in der Infografik bei fairusetube.org).

Daneben sollen Fehlalarme dadurch reduziert werden, dass unsichere Treffer des Systems einen manuellen Review-Prozess durchlaufen, die Videos also nicht gleich gesperrt werden. Auch sei der Algorithmus in den letzten Monaten verbessert worden und die Trefferquote damit erhöht, heißt es in dem Beitrag.

Erst vor kurzem hatte die – versehentliche – Sperrung des NASA-Videos von der Marslandung der „Curiosity” neue Diskussionen über das Rechtemanagement bei Youtube ausgelöst. Nach amerikanischem Urheberrecht sind NASA-Videos als amtliche Werke zwar gemeinfrei, doch sobald ein großes Fernsehstudio das Material verwendete, führte das zu Sperrungen für Dritte, weil die freien Inhalte nun in geschützten Videos enthalten waren.

Die Electronic Frontier Foundation schrieb anlässlich dessen über die Probleme des Content-ID-Systems im Vergleich zum offiziellen DMCA-Verfahren:

Unfortunately, the robots behind that copyright enforcement machine have the tendency to shoot first and ask questions later, even when it ends up silencing real — human — speech. (…)

Content ID, by contrast, is an opaque and proprietary system where the accuser can serve as the judge, jury, and executioner. There is an official dispute mechanism — and where it’s effective it can be easier than a DMCA counter-notice — but in cases where a user runs into a dead-end she has little recourse.

Die jetzt angekündigten Veränderungen wirken wie eine Reaktion genau darauf – auch wenn die NASA-Diskussion im offiziellen Statement nicht auftaucht und die Diskussion darüber schon lange geführt wird.

Die Tendenz zur algorithmischen Rechtsdurchsetzung bleibt dennoch problematisch. Systeme wie Content-ID sind vor allem für große Rechteinhaber komfortabel – wie das Beispiel des NASA-Videos zeigt, führen sie zu ihrer Bevorzugung „by default”. Das algorithmische Modell dahinter bleibt simpel, es basiert auf dem Abgleich aller Inhalte mit einem Katalog von Rechteinhabern. Für Informationen, die sich aus dem Kontext ergeben – zum Beispiel auch zulässige Nutzungen nach amerikanischem Fair Use – bleibt das System blind. Immerhin könnte die Einführung einer manuellen Kontrollschleife nun die Probleme verringern. Doch darüber hinaus hat sich mit den Erkennungs-Systemen ein privates Rechtsdurchsetzungs-Modell etabliert, das rechtsstaatlichen Verfahren zunehmend vorgelagert ist. Daran wird sich so schnell nichts ändern.

July 01 2012

Wikimedia kürt Gewinner für die besten Artikel 2012

Der seit langem verstorbene deutsche Verleger und Buchhändler Johan Heinrich Zedler hätte zumindest wohlwollend genickt, wenn nicht sogar laut applaudiert, als heute in Berlin die nach ihm benannten „Zedler-Preise“ für freies Wissen vergeben wurden. Von der Wikimedia Deutschland gestiftet und von der Jury ausgewählt, wurden folgende herausragende Beiträge prämiert:

In der Kategorie I: Wikipedia-Artikel des Jahres gewann der Artikel “Nuklearkatastrophe von Fukushima“. Er fasst die Ereignisse um die Unfallserie im japanischen Atomkraftwerk zusammen.

In der Kategorie II: Community-Projekt des Jahres erhielt das Wikipedia-Portal österreichischer Denkmallisten den Zedler-Preis. In Zusammenarbeit mit österreichischen Behörden konnte eine umfassende Liste der Denkmäler des Landes für Wikipedia und das freie Medienarchiv Wikimedia Commons dokumentiert werden.

In der Kategorie III: Externes Wissensprojekt des Jahres wählte die Jury: VroniPlag Wiki – kollaborative Plagiatsdokumentation

Es wurden ebenfalls zwei Sonderpreise durch die Jury vergeben. Ausgezeichnet wurden der Wikipedia-Artikel Pizzakarton sowie die Aktion Blume der Woche, ein “virtueller Dankesgruß eines Wikipedia-Autoren für die Leistungen anderer freiwilliger Helfer der freien Enzyklopädie”.

Bilder zur Preisverleihung finden sich hier.

June 09 2012

Europa geht gegen ACTA auf die Straße

Heute findet in Europa wieder ein “Anti-ACTA-Aktionstag” statt. ACTA – vier Buchstaben die für eine Zeitenwende in der öffentlich wahrnehmbaren Diskussion um die zukünftige Ausgestaltung des Urheberrechts stehen. Insbesondere die Generation unter 30 findet sich plötzlich mit Schildern in der Hand auf Demonstrationen gegen etwas wieder, was nur die wenigsten noch vor einem halben Jahr auf dem Schirm hatten. Es ging um andere Dinge des Alltags, nun geht es um die gefühlte Grundfrage wer darf wann und vor allem was mit meinem digitalen Leben machen? Doch der Protest ist weit mehr als ein Gefühl, obwohl dies noch der maßgebliche Antrieb des Protestes ist. Es geht auch um Inhalte, um sehr komplizierte Inhalte.

iRights.info und Wikimedia Deutschland haben deswegen zusammen eine sachliche Aufklärungs- und Informationsbroschüre aufgelegt. In der kostenlos und unter einer CC-Lizenz veröffentlichten Broschüre “ACTA – Der Big Bang der Netzpolitik” erklären wir um was es bei den Protesten überhaupt geht und welches die Kritik an ACTA ist. Die iRights-Autoren Matthias Spielkamp und Alexander Wragge zeichnen den Verhandlungsprozess und die Ziele des Übereinkommens nach – anschaulich dargestellt anhand einer umfangreichen Analyse und einer Zeitleiste. Zudem werden die potentiellen Auswirkungen eines solchen Vertrages für Entwicklungs- und Schwellenländer wie auch für die Bürgerinnen und Bürger in Deutschland erläutert. Beachtung finden auch sogenannte “Chilling Effects”, insbesondere für Projekte die auf Open Content setzen. ACTA steht beispielhaft für strukturelle Bestrebungen das Internet stärker zu kontrollieren und zu regulieren, wer dabei möglicherweise unter die Räder kommt ist ebenfalls Thema der Broschüre – soviel sei hier schon verraten, Demokratie und Transparenz sind dabei.

Alle Informationen zur Broschüre, wie auch die Broschüre selbst, finden sich hier bei iRights.info.

Informationen zum “Anti-ACTA-Aktionstag” finden sich im “StoppACTA-Wiki” der Kampagne. Wo überall Demonstrationen stattfinden kann man sich hier grafisch aufbereitet in der “Google Protest Map” ansehen. Bei YouTube haben die Demo-Organisatoren zudem ein Mobilisierungsvideo eingestellt.

Weitere Informationen finden sich in den ausführlichen Broschüren “Warum ist ACTA so umstritten?” und zum “Internetkapitel 27″ des Vereins Digitale Gesellschaft. Letzterer hat auch die Kampagne “Kontaktiere deinen Europaabgeordneten” ins Leben gerufen.

Und wenn Sie sich fragen wer eigentlich heute demonstriert, hier findet sich ein Imagevideo.

May 18 2012

Zapp: Sehenswertes Video zu der Reduzierung der Urheberrechtsdebatte auf Kampagnen

Hier auch nochmal der sehenswerte Beitrag des NDR-Magazins ZAPP zur aktuellen Sommerloch-kompatiblen Kampagnenpolitik in der aktuellen Urheberrechtsdebatte:

April 05 2012

Drei Perspektiven auf zentrale Begriffe der Debatte ums Urheberrecht

Mit freundlicher Genehmigung des Autoren Falko Löffler veröffentlichen wir hier nun ein kleines Lexikon des Urheberrechts aus der Perspektive verschiedener Protagonisten. Die oftmals diametral unterschiedliche Bewertung einzelner Begriffe und Begriffskomplexe ist ein wichtiger Teil des Problems in der aktuellen Debatte rund um urheberrechtliche Fragen im Netz. Das Lexikon ist zuerst im Blog Weisses Rauschen erschienen:

Die Sicht vieler Piraten

Contentmafia, die:
Böse Menschen, die etwas der Öffentlichkeit vorenthalten, das eigentlich dieser gehört, und die sich erdreisten, mit Kulturgut Geld verdienen zu wollen. Gleichzusetzen mit Geiselnehmern.

Eigentum, geistiges, das:
Eine veraltete Vorstellung, dass jemand etwas Kraft seiner Gedanken herstellen kann und es ihm dann gehört – auch wenn es in eine konrete Form gegossen wird, z.B. Buch, Film, Musik.

Flattr:
Eine einfache Möglichkeit, von allen Menschen auf diesem Planeten kleine Summen Geld zu bekommen. Etwas, das jeder kennt und alle auch exzessiv nutzen.

Internet, das:
Etwas, das gleichberechtigt mit der Menschenwürde ist.

Kreative, die:
Mittel zum Zweck, um überhaupt Kultur real werden zu lassen. Jammern dauernd.

Kulturflatrate, die:
Der Heilige Gral des Kulturschaffens und mehr als adäquater Ersatz des klassischen Urheberrechts. Wird die Kulturflatrate eingeführt, können über nacht alle von ihrer Kultur leben und die -> Contentmafia gehört der Vergangenheit an.

Netzgemeinde, die:
Ein diffamierender Kampfbegriff der -> Contentmafia.

Tauschbörse, die:
Ein Hort der Demokratie, der Meinungsfreiheit, der Vielfalt. Etwas, das unbedingt verteidigt werden muss.

Die Sicht vieler Verwerter

Contentmafia, die:
Ein diffamierender Kampfbegriff der -> Netzgemeinde.

Eigentum, geistiges, das:
Ein Hort der Demokratie, der Meinungsfreiheit, der Vielfalt. Etwas, das unbedingt verteidigt werden muss. Allerdings nur, solange mit den -> Kreativen auch Buy-out-Verträge geschlossen wurden.

Flattr:
Wer?

Internet, das:
Eine gewaltige Anlage aus Röhren, in denen Disketten mit gestohlenen Sachen verschickt werden.

Kreative, die:
Mittel zum Zweck, um überhaupt Kultur verkaufen zu können. Jammern dauernd.

Kulturflatrate, die:
Ein babylonischer Schöpfungsmythos, der von Wissenschaftlern widerlegt wurde.

Netzgemeinde, die:
Eine amorphe Masse zwielichtiger Gestalten, die jederzeit zu Diebstahl, Überfällen und Vergewaltigungen bereit ist.

Tauschbörse, die:
Dort sind böse Menschen, die etwas stehlen, was eigentlich den Verwertern gehört, und die sich erdreisten, mit Kulturgut kein Geld verdienen zu wollen. Gleichzusetzen mit Raubrittern.

Die Sicht vieler Kreativer

Contentmafia, die:
Mittel zum Zweck, um überhaupt ihre Kultur verkauft zu bekommen. Jammert dauernd.

Eigentum, geistiges, das:
Etwas, das gleichberechtigt mit der Menschenwürde ist.

Flattr:
Ein Button, der hier und da im Internet auftaucht, meist neben Twitter- und Facebook-Buttons. Muss also auch so ein soziales Netzwerk sein. Nutzt niemand.

Internet, das:
Etwas, wo man Bücher kaufen kann, ohne extra in die Stadt gehen zu müssen, und wo man mit anderen Urhebern im Chor fluchen kann, dass alles nicht mehr so ist wie früher.

Kreative, die:
Ein diffamierender Kampfbegriff der -> Netzgemeinde. Oder der -> Contentindustrie. Gelegentlich auch stolzes Selbstverständnis.

Kulturflatrate, die:
So was wie ein DSL-Anschluss. Aber wohl für Bücher. Wie soll das denn funktionieren?

Netzgemeinde, die:
Alle im Internet außer den Kreativen.

Tauschbörse, die:
Eine einfache Möglichkeit, von allen Menschen auf diesem Planeten Kulturgüter zu stehlen. Etwas, das jeder kennt und alle auch exzessiv nutzen.

April 02 2012

Save the Date: Einladung zum ersten Urheber-Nutzer-Dialog

Wir sind der Überzeugung, dass beide Interessengruppen grundsätzlich auf der gleichen Seite stehen und ein gemeinsames Interesse an der Ausgestaltung und Weiterentwicklung des Urheberrechts haben. Werke werden geschaffen, damit sie gesehen, gelesen, gehört und genutzt werden. Nutzer sind nicht Gegner, sondern der Adressat von Werken. Nutzer sind gleichzeitig immer öfter auch Urheber und Urheber sind immer gleichzeitig Nutzer. Leider wird die Diskussion um das Urheberrecht in den letzten Jahren in Form von Kampagnen und öffentlichen Angriffen sehr polarisierend geführt. Wir meinen, dass es Zeit ist, aufeinander zuzugehen und einem gemeinsamen Weg zu suchen, um Lösungen zu finden, die allen Seiten gerecht werden.

Der Urheber-Nutzer-Dialog soll in einem konstruktiven Rahmen das gegenseitige Verständnis für unterschiedliche Einschätzungen und Ansätze fördern, Vertrauen aufbauen, Vorurteile und Ängste abbauen. Es geht darum, die gemeinsamen Interessen an einer vielfältigen Kultur- und Kreativlandschaft herauszustellen, Nutzungsmöglichkeiten für Werke zu verbessern und Vorstellungen zu entwickeln, wie Urheber finanziell und rechtlich besser abgesichert werden können.

Auf dem ersten Treffen wird gesammelt: Die Beteiligten können ihre Standpunkte deutlich machen und gemeinsam eine detailliertere Agenda entwickeln. Das Verfahren und die Rahmenbedingungen des Dialoges werden gemeinsam vor Ort entwickelt. Es dient auch dazu, Schlüsselthemen zu identifizieren, um die weitere Arbeit vorzubereiten. Das erste gemeinsame Treffen wird öffentlich sein, spätere Treffen können – um eine vertrauensvolle Atmosphäre zu schaffen – auch im kleineren, nicht-öffentlichen Kreis stattfinden.

Zum ersten Urheber-Nutzer-Dialog sind Künstler, Kreative, Vertreter von Urheberverbänden, Nutzer und Vertreter von Nutzerinitiativen und -einrichtungen eingeladen. Die Teilnehmer bringen ihre Erfahrungen, Kenntnisse und Kompetenzen zusammen, um Gemeinsamkeiten und Unterschiede zu beleuchten und daraus Handlungsmöglichkeiten jenseits bestehender Gräben zu entwickeln. Voraussetzung zur Teilnahme ist die Bereitschaft, konstruktiv über Lösungen zu diskutieren, wie ein ausgleichendes Urheberrecht in Zukunft aussehen soll.

In diesem Sinne laden wir zum ersten Treffen am

11. Mai 2012 von 14 Uhr bis 17 Uhr in der Homebase (Köthener Str. 44, 10963 Berlin).

Zur besseren Planung bitte wir um Anmeldung zur Veranstaltung an: otto@irights.info

Mit freundlichen Grüßen
Philipp Otto

für das Team von iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt

April 01 2012

Bundesregierung will Deutschland zu einem “digitalen Leuchtturm” machen

“Deutschland geht voran, als Land der Dichter und Denker nehmen wir Kreativität ernst und haben das Urheberrecht nun grundlegend modernisiert” so Regierungssprecher Steffen Seibert gestern am Rande der Pressekonferenz zur Einweihung des “Bundesamtes für verwaiste Werke” gegenüber Journalisten. Wie bereits im vergangenen Jahr hat die Bundesregierung zur Massendigitalisierung abermals 1,6 Milliarden Euro im Etat bereitgestellt.

Seibert betonte, nach Jahren des Kalten Urheberrechtskrieges zwischen herkömmlichen und modernen Strategien um mit der Digitalisierung umzugehen, wolle die Bundesregierung nun als “digitaler Leuchtturm” auch Vorbild für die anderen Staaten in Europa sein. Der EU-Kommissionspräsident Barroso ließ dazu umgehend verlauten, dass gründlich geprüft werde, ob diese Form der Ankurbelung des Arbeitsmarktes für Archivare, Bibliothekswissenschaftler und Programmierer gegen europäisches Wettbewerbsrecht verstoße. Mit einem Ergebnis der Prüfung sei binnen fünf Jahren zu rechnen.

Letzte Woche hatten zudem Bundestag und Bundesrat mit überwältigender Mehrheit der Gesetzesvorlage des Bundesministeriums der Justiz (BMJ) zur umfassenden Novellierung des Urheberrechts zugestimmt. Mit der baldigen Veröffentlichung im Bundesgesetzblatt wird dem kulturellen Wandel umfassend Rechnung getragen. Total-Buyout-Verträge für Urheber fallen zukünftlich als sittenwidriges Rechtsgeschäft unter Paragraph 138 BGB. Auftraggeber die weiterhin den Urhebern alle Rechte wegnehmen wollen, haben mit Strafzahlungen bis zu 200.000 Euro zu rechnen. Zudem wird im Urheberrechtsgesetz eine neue Schranke zur transformativen Werknutzung eingeführt. Private Nutzer müssen nun bei dem Einsatz vom Mash-Up- und Remix-Techniken und der anschließenden Veröffentlichung der neu geschaffenen Werke nicht mehr damit rechnen, dass sie aufgrund von Urheberrechtsverstößen verfolgt werden. Weitere 42 neue Regelungen und Anpassungen werden in das Urheberrechtsgesetz eingeführt. Eine Übersicht dazu findet sich auf der Webseite der Bundeskanzlerin.

Seibert betonte, dies sei kein Sprung ins kalte Wasser, dies sei der Sprung in eine leuchtende Zukunft. Und weiter: “Bereits die Erfindung des Buchdrucks durch Gutenberg hat uns gelehrt, dass nur die Adaption und Gestaltung von modernen Kulturtechniken die Zukunftsfähigkeit und die Innovationen in unserem Land sicherstellen kann. Wir waren viel zu lange viel zu zögerlich. Das ändert sich nun.”

March 09 2012

Prof. Holznagel: Medienpolitik ungleich Netzpolitik, Urheberrecht reformieren

Das Urheberrechtsgesetz wird zu restriktiv ausgelegt und ist damit kaum geeignet, die Interessen der Öffentlichkeit angemessen abzubilden. Zu diesem Ergebnis kommen die beiden Münsteraner Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Bernd Holznagel, Direktor des dortigen Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht, sowie sein Kollege Dr. Pascal Schumacher.

In ihrem Blog “digital constitution” haben sie einen spannenden Beitrag veröffentlicht, der auch in der Zeitschrift Funkkorrespondenz erschienen ist. In diesem schildern die beiden Autoren, wie eine zeitgemäße Medienordnung aussehen könnte. Sie berücksichtigen dabei den grundlegenden Strukturwandel der Medien durch das Internet, der eine klare Trennung von Medien- und Netzpolitik zur Folge hat. Ziel der Neuordnung muss laut den Autoren die Ausbalancierung dieser beiden gegensätzlichen Bewegungen sein. Dabei behandeln sie in einem Abschnitt ihres Artikels auch den Bereich des Urheberrechts.

Kritik üben Prof. Dr. Bernd Holznagel und Dr. Pascal Schumacher vor allem an der Ausgestaltung des Urheberrecht in seiner jetzigen Form. Besonders die Interessen der Nutzer würden dabei nicht ausreichend berücksichtigt. Grund dafür sei die dominierende Rolle der Verwertungsindustrie in der Medienlandschaft. Als besondere Konfliktfelder nennen die Rechtswissenschaftler die Ausweitung des Schutzumfanges auf Software und Datenbanken, das Rechte-Buyout bei Urhebern durch Verlage und die Ausdehnung von Schutzfristen.

Dieser medienpolitische Zustand stehe im Konflikt zum an Bedeutung gewinnenden Politikfeld der Netzpolitik. Das Internet spiele dabei eine besondere Rolle. Durch die Möglichkeit der schnellen Interaktion untereinander, verlören klassische Medien an Bedeutung. Internet-Dienste wie Blogs, Facebook oder Twitter sind heutzutage maßgebend für die eigene Meinungsbildung. Klassische Medien können mit den Vorteilen der direkten Kommunikation und der schnellen Verbreitungsgeschwindigkeit von Nachrichten über das Internet, nicht mehr mithalten, so die Autoren.

Mumbai und New York seien dafür Musterbeispiele. Via Twitter informierten Augenzeugen die Weltöffentlichkeit über den Terroranschlag von Mumbai am 26.11.2008 und die Notlandung eines Airbus auf dem Hudson River in New York im Januar 2009. Bevor auch nur die erste Nachrichten-Agentur über einen der beiden Vorfälle berichtete, gab es schon Tausende von Tweets auf Twitter, die erste Fotos und Videos von den Ereignissen zeigten.

Die technischen Möglichkeiten der Digitalisierung, verändern nicht nur unsere Verhaltensweisen, sondern auch die Bedingungen und Voraussetzungen, in denen das Urheberrecht in unserer Gesellschaft wirkt. Die Folge ist dem Artikel nach ein Konflikt der Netzpolitik mit der Medienpolitik, um den Schutzumfang eines moderneren Urheberrechts. Dies erkläre auch, warum die ARD und das ZDF sich für ACTA ausgesprochen haben und eine Privatisierung der Rechtsdurchsetzung fordern, wie Markus Beckedahl auf Netzpolitik.org kritisierte.

Die ARD-Vorsitzende Monika Piel, sowie ZDF-Intendant Prof. Markus Schächter und weitere Vertreter der Deutschen Content Allianz forderten in einer Pressemitteilung „die Bundesregierung gemeinsam dazu auf, das ACTA-Abkommen zum Schutz vor Internetpiraterie ohne weitere Verzögerung wie bereits beschlossen zu unterzeichnen und mit größerem Nachdruck als bisher eine zukunftsorientierte Reform des Urheberrechtes sowie dessen Schutz im digitalen Zeitalter in Angriff zu nehmen.“ Die Forderungen des öffentlichen Rundfunks sind für die meisten Netzpolitiker nicht akzeptabel, bedeutet ACTA für sie nicht den Schutz von Werken im digitalen Zeitalter, sondern die Einschränkungen der Freiheit im Internet.

Prof. Dr. Holznagel und Dr. Schumacher sind sich sicher, dass es ohne einen Dialog zwischen den beiden Parteien keine Lösung für den Konflikt geben wird. Eine Neuordnung der jetztigen Verhältnisse sei aber zwangsläufig notwendig. Ein Kompromiss scheint aber nicht zum Greifen nah zu sein. Die Proteste gegen ACTA und für ein modernes Urheberrecht, sowie die drastischen Reaktionen der Verlegerverbände auf Kritik am Koalitionsbeschluss über das Leistungsschutzrecht und Forderungen zeigen, wie verhärtet die Fronten zwischen Gegnern und Befürwortern einer Modernisierung des Urheberrechts sind.

February 09 2012

Knapp 2 Millionen Nutzer unterzeichnen Petition gegen ACTA

Die Proteste gegen das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) mobilisieren aktuell insbesondere auch in Europa soviele Menschen wie noch nie, wenn es um urheberrechtliche Gesetzesverschärfungen und geplante Überwachungsmaßnahmen des Internets geht. Nach den Protesten gegen die Gesetzesverschärfungen SOPA und PIPA in den USA erlebt das politische Europa nun ebenfalls das erste Mal eine hoch frequentierte Gegenbewegung.

Auf der Plattform avaaz.org haben bereits knapp zwei Millionen Menschen eine Petition gegen das ACTA-Abkommen unterzeichnet. In der Petition an die Abgeordneten des EU-Parlamentes heißt es: “Als besorgte Bürger der Welt rufen wir Sie dazu auf, für ein freies und offenes Internet einzustehen und die Ratifizierung des Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) abzulehnen. Das Internet ist ein wichtiges Mittel für den weltweiten Gedankenaustausch und die Förderung von Demokratie. Zeigen Sie echtes globales Führungsverhalten und schützen Sie unsere Rechte.” Im Sekundentakt erhöht sich aktuell die Zahl der Unterzeichner.

Netzpolitik.org hat einen kleinen Einstieg in ACTA sowie eine Übersicht über die europaweiten Demonstrationen gegen ACTA am kommenden Samstag veröffentlicht.

December 16 2011

The winner takes it all….WissensWert 2011 – Preisträger stehen fest!

Eine junge ambitionierte schwedische Popband sang einst: “The judges will decide / the likes of me abide / spectators of the show / always staying low / the game is on again / a lover or a friend / a big thing or a small / the winner takes it all”. Dies war keine Eintagsfliege, schon wieder ist es geschehen: vorbildliche und sehr spannende Projekte rund um freies Wissen und den Zugang zu Wissensressourcen erhalten den WissensWert-Preis 2011. Die Entscheidung der Jury ist nun öffentlich. Folgende Projekte dürfen nun den Schampus aufmachen:

Open-Access-Medienimporter für Wikimedia Commons
Zeitreise in OpenStreetMap – oder: OSM in der 4. Dimension
CC PLAY – Spiel die Commons
Open (Citizen) Science durch mehr öffentlich verfügbare Genotypisierungen
Barrierefreie YouTube OER-Videos

Letzgenanntes Projekt hat zudem eine kreischende und Feuerzeug schwenkende Community hinterlassen und zusätzlich den mit 2.000 Euro dotierten Publikumspreis abgeräumt. Die einzelnen Würdigungen finden sich im Wikimedia-Blog. Als Mitglied der Jury wünsche ich nun allen Gewinnern ein glückliches Händchen bei der Durchführung der Projekte.

November 23 2011

Top Ten und Ranking der Facebook-Seiten öffentlich-rechtlicher Rundfunksender – für Fernsehsender, Hörfunksender, Hörfunkwellen, Radiosendungen & Fernsehsendungen

Welche Facebook-Seiten der Öffentlich-Rechtlichen bekommen die meiste Aufmerksamkeit? Diese viel gesuchte Information konnte man bisher nur für Hörfunksender finden, und für sie war auch nur eine eingeschränkte Auswertung und Analyse möglich. Ein (möglichst) vollständiges Ranking der Facebook-Seiten und einen Vergleich bestimmter Seiten gibt es nun hier.

Da die Auswertung neu ist, sind noch keine Zeitreihen verfügbar, etwa für das Wachstum der Fans; diese werden aber im Lauf der Zeit ergänzt. Obwohl die Daten (halb)automatisch aktualisiert werden, wird es bis auf Weiteres nur einmal im Monat eine neue Fassung geben, da sie immer von einer Auswerung begleitet sein soll.

Jeder, der die Daten manipulieren möchte, etwa um einen bestimmten Ausschnitt zu sortieren (z.B. “nur Inforadios”), kann sich eine Kopie der Tabelle im gewünschten Format herunterladen und entsprechend bearbeiten.

Es wäre auch möglich gewesen, die Tabellen (in Kopie) so bereit zu stellen, dass jeder sie direkt im Web bearbeiten kann. Dabei besteht aber das Risiko, dass sich durch falsche Bedienung (etwa das Sortieren nur einer Spalte) Fehler einschleichen, die zum einen nicht sofort auffallen, zum anderen teils schwer zu beheben sind.

Diese Auswertungen und ihre Darstellung befinden sich im Beta-Stadium (wir wollen hoffen, dass es kein “perpetual beta” wird). Zum einen fehlen noch zahlreiche Seiten, vor allem aus dem nahezu unüberschaubaren Universum der ARD. Wir bitten daher explizit um Zusendung der Adressen, aber auch Anmerkungen, Kritik und (vor allem) konkrete Verbesserungsvorschläge an assistenz [bei] iRights [punkt] info. Fehlende Seiten können auch direkt in diese Google-Tabelle eingetragen werden. Spalten B, C und D bitte freilassen; unter ID bitte den Teil der URL eintragen, der nach der Domainendung kommt (z.B. von der URL https://www.facebook.com/sportschau nur den Teil sportschau). Vielen Dank!

Top Ten der Facebook-Seiten aller öffentlich-rechtlichen Sender, Redaktionen & Programme

Liste aller Angebote (derzeit noch unvollständig)

Zur Google-Tabelle “Facebook-Seiten aller öffentlich-rechtlichen Sender, Redaktionen & Programme”

Top Ten der Facebook-Seiten öffentlich-rechtlicher Fernsehsendungen

Liste aller Facebook-Seiten öffentlich-rechtlicher Fernsehsendungen

Zur Google-Tabelle “Facebook-Seiten öffentlich-rechtlicher Fernsehsendungen”

Top Ten der Facebook-Seiten der öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramme

Liste aller Facebook-Seiten öffentlich-rechtlicher Hörfunkprogramme

Zur Google-Tabelle “Facebook-Seiten der öffentlich-rechtlichen Hörfunkprogramme”

Top Ten der Facebook-Seiten der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender

Liste aller Facebook-Seiten öffentlich-rechtlicher Fernsehsender

Zur Google-Tabelle “Facebook-Seiten der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender”

June 29 2011

May 20 2011

May 13 2011

Presseschau zum Gutachten “Verbraucherschutz im Urheberrecht”

Nach der heutigen Vorstellung des Gutachtens “Verbraucherschutz im Urheberrecht” des Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv), verfasst von iRight.info-Redakteur Till Kreutzer, gibt es inzwischen bereits eine Vielzahl von Pressemeldungen. Wir haben hier nun eine erste kleine Übersicht zusammengestellt:

Sueddeutsche.de, Heise Online, etc. via DPA-Meldung: Verbraucherschützer machen sich für Privatkopie stark

N-TV: Verbraucherschützer fordern: Privatkopie muss möglich sein

Tagesspiegel: Ein Herz für Kinder

Netzpolitik.org: Studie: Verbraucherschutz im Urheberrecht

Golem: Verbraucherschützer wollen Gesetzesänderung pro Privatkopie

Gulli.com: Verbraucherschützer für Privatkopie und Recht auf Wiederverkauf digitaler Werke

WinFuture: Verbraucherschützer fordern Recht auf Privatkopie

Deutschlandradio: Auf der Website und als Audio-Datei: Mehr Rechte für Nutzer – Verbraucherschützer für verändertes Urheberrecht

Weitere Hinweise auf Presseberichte oder Blogartikel bitte in den Kommentaren hinterlassen, wir ergänzen diese dann.

Neue Studie: “Verbraucherschutz im Urheberrecht” – Gutachter Till Kreutzer im Interview

Am heutigen Freitag stellt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf einer Pressekonferenz die von iRights.info-Redakteur Till Kreutzer geschriebene Studie “Verbraucherschutz im Urheberrecht” vor. Vorweg es enthält äußerst spannende Vorschläge für neue urheberrechtliche Regelungen, die erstmals die Interessen der Nutzer und Verbraucher umfangreich berücksichtigen. Um einen schnellen Einstieg zu ermöglichen antwortet Till Kreutzer hier auf die wichtigsten Fragen.

Frage: Heute wird die von dir für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erstellte Studie “Verbraucherschutz im Urheberrecht” der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir sind gespannt, was steht also drin?
In der Studie werden die aus Sicht des Verbraucherschutzes drängensten Fragen untersucht. Die Studie besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält eine Analyse ausgewählter Aspekte im Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Urheberrecht (z.B. zur Kopiervergütung, Kulturflatrate, User-Generated-Content usw.). In Teil 2 werden konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet, wie Defizite durch nationale oder EU-rechtliche Neuregelungen behoben werden können.

Aufgrund deiner Analyse, welches sind die größten Probleme im Urheberrecht wenn man die Interessen der Verbraucher ins Visier nimmt?
Ein großes Problem ist der kreative Umgang der sogenannten “Prosumer” mit urheberrechtlich geschütztem Material in eigenen Schöpfungen, wie Mash-Ups, Remixes, Home Videos etc. Nach der Untersuchung sind solche Kulturtechniken in der Regel untersagt, wenn der Nutzer nicht alle Rechte an den einbezogenen Inhalten “klärt”. Eine Rechteklärung ist aber viel zu aufwändig und teuer, um von “Laien-Urhebern” oder auch professionellen Künstlern der Remix-Culture realisiert zu werden. Daher wird in der Studie eine gesetzliche Lösung in Form einer neuen Schrankenbestimmung für “transformatives Werkschaffen” vorgeschlagen, nach der solche Handlungen per Gesetz zulässig sind. Eine solche Regelung müsste zunächst im europäischen Recht verankert werden.

Ein weiteres drängendes Problem ist die Weiterveräußerung von unkörperlichen Werkexemplaren. Nach geltendem Recht ist es aufgrund des so genannten Erschöpfungsgrundsatzes erlaubt, körperliche Werkexemplare (wie Musik-CDs oder Blueray-Discs) weiterzuverkaufen, wenn sie im regulären Handel erworben wurden. Für unkörperliche Kopien, wie z.B. Musikdownloads von iTunes oder eBooks, gilt das allerdings nicht. Da der Handel sich zunehmend auf den Online-Vertrieb verlegt, stellt sich die Frage, mit welcher Begründung die Erwerber auf dem Markt mit unkörperlichen Werken schlechter behandelt werden können, als beim Erwerb und Weiterverkauf von Tonträgern oder Büchern. M.E. gibt es hierfür keine Rechtfertigung, so dass in der Studie eine (europäische) Regelung vorgeschlagen wird, mit der den rechtmäßigen Erwerbern von urheberrechtlich geschütztem Material eine “allgemeine Weiterveräußerungsbefugnis” eingeräumt wird, die unabhängig davon gilt, ob die Kopie körperlich oder unkörperlich ist.

Weitere wichtige Problemfelder liegen bei der Privatkopierregelung, die nach den letzten Gesetzesreformen so kompliziert geworden ist, dass sie kein Verbraucher mehr verstehen kann. Auch die Abmahngebühren bei Tauschbörsenfällen und anderen Urheberrechtsverletzungen im Internet sind nach wie vor ein drängendes gesellschaftliches Problem. Zu diesen beiden Bereichen werden ebenfalls Neuregelungen vorgeschlagen.

Überlagert diese Berücksichtigung der Interessen der Verbraucher nicht die der Urheber? Es heißt doch “Urheberrecht”? Oder siehst du da vergleichbare Interessen?
Zum einen ist es normal, dass das Urheberrecht zwischen kollidierenden Interessen abwägen muss. Wenn Interessen von Verbrauchern als wichtiger einzustufen sind als die der Urheber (und der Verwertungswirtschaft), muss ihnen Vorrang gewährt werden. Das gebietet schon die Verfassung. Zum anderen ist es keineswegs so, dass die Interessen von Nutzern und Urhebern generell gegenläufig sind. Im Gegenteil: Jeder Urheber ist gleichzeitig Nutzer, meist auch umgekehrt. Das zeigt sich deutlich am Thema transformative Werknutzung. Die meisten Urheber bedienen sich bei ihren Schöpfungen auch der Werke anderer (in unterschiedlichem Maß und unterschiedlicher Ausprägung). Die von mir vorgeschlagene Regelung ähnelt dem Zitatrecht, ist hiermit verwandt. Dass solche Nutzungen zulässig sind, dient gleichermaßen den Urhebern wie den Nutzern.

Welche Aspekte berücksichtigst du, die bislang noch nicht oder viel zu selten in der Diskussion um die Neugestaltung des Urheberrechts gefallen sind?
Die oben genannten Aspekte des transformativen Werkschaffens und der Weiterveräußerungsbefugnis werden bislang noch kaum diskutiert. Zu letzterem gibt es zwar Rechtsprechung, die sich aber nur auf den Sonderfall der “Gebrauchtsoftware” im Unternehmenseinsatz bezieht. Über das gleich gelagerte Verbraucherschutzthema wird dagegen ersichtlich nicht diskutiert. Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Untersuchung einen bedeutenden Stellenwert einnimmt, ist die Frage nach der vertraglichen Abdingbarkeit von urheberrechtlichen Nutzungsfreiheiten. Werden digitale Werkexemplare online vertrieben, geschieht dies heute fast immer unter Einsatz von Nutzungs- oder Lizenzbestimmungen, mit anderen Worten, Allgemeinen Geschäftsbedingungen. In diesen legen die Anbieter fest, was der Erwerber mit seiner Musik, seinen Filmen oder Computerspielen machen darf und was nicht.

Die Anbieter gestalten ihre Vertragsbedingungen natürlich so aus, dass sie selbst hieraus den (vermutet) größtmöglichen Nutzen ziehen. Gesetzlich gewährte Nutzerbefugnisse wie die Privatkopierregelung werden hierin oft eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen. Nach geltendem Recht ist das möglich, was zu einer Art Privatisierung des urheberrechtlichen Interessenausgleichs führt. In der Studie schlage ich vor – um diesen Effekt zu verhindern, der sich allein zulasten der Nutzer und Verbraucher auswirkt – urheberrechtliche Schrankenbestimmungen wie die Privatkopie “unabdingbar” auszugestalten. Würde dem gefolgt, wären Regelungen, die Privatkopien verbieten oder einschränken unwirksam und müssten nicht beachtet werden.

Was würde die Umsetzung deiner Vorschläge in der Praxis bedeuten?
In vielerlei Hinsicht würde hiermit dem Umstand Rechnung getragen, dass sich die Zeiten, Nutzungsgewohnheiten, Verwertungsmethoden und Märkte mit kulturellen und Unterhaltungsgütern ändern. Die bislang sehr schlechte Position der Nutzer und Verbraucher würde hierdurch gestärkt, es würde mehr Rechtssicherheit beim Umgang mit geschütztem Material (gerade im Internet) hergestellt und die verbraucherrelevanten Regelungen im Urheberrecht würden deutlich vereinfacht.

Was passiert nun mit der Studie? Wird diese auch dem Gesetzgeber für die anstehenden Beratungen des Referentenentwurfs für den 3. Korb und den darauf folgenden gesetzgebungsprozeß vorgelegt?
Die Studie wird veröffentlicht werden (online) und auch gezielt an interessierte Kreise verschickt. Es wäre schön, wenn sie Denkanstöße oder sogar Aktivitäten von Seiten der Politik hervorrufen würde.

Danke für die Beantwortung der Fragen!

May 10 2011

Twitpic, Twitter und “konkludente Verträge”

Ohne es zu wissen, schließen wir tagtäglich Verträge ab. Die Nutzung von Online-Diensten wie Twitpic, zur Veröffentlichung eigener Fotos bei Twitter, ist dabei in den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGB) geregelt. Fast niemand macht sich die Mühe diese im Einzelnen durchzulesen. Bei Facebook und anderen Online-Diensten haben wir uns schon lange daran gewöhnt und ignorieren, selbst wenn dies widerwillig geschieht, die weitreichenden Rechteabtretungen die wir tagtäglich beim Hochladen von Informationen vornehmen. Die öffentliche Diskussion darüber, ob das in Ordnung ist oder nicht, verflacht immer relativ zügig.

Nun hat es Twitpic erwischt. Das Unternehmen hat einen Deal mit einer Fotoagentur bekannt gemacht. Dieser sieht vor, dass alle von Nutzern bei Twitpic hochgeladenen Bilder kommerziell verwertet werden. Bei Spiegel Online heißt es dazu “Wenn das mal nicht einen Sturm der Entrüstung hervorruft: Der Twitter-Fotodienst Twitpic, über den man Fotos hochladen und über eine kurze Adresse in Twitter-Botschaften einbinden kann, hat einen exklusiven Deal mit der britischen Fotoagentur “Wenn” geschlossen. Künftig sollen Fotos, die Stars über Twitpic ins Internet stellen, weltweit vermarktet werden.” iRights.info-Redakteur Till Kreutzer hat zur Problematik von Rechteabtretungen durch AGB den sehr lesenswerten Text “Freiwild oder Artenschutz: Ausbeutung durch AGB” geschrieben. Gerade auch für den aktuellen Fall von Twitpic findet man hierin sehr wertvolle Informationen. Schwerpunkt des Artikels ist die Rechteabtretung im Verhältnis zwischen Urheber und Auftraggeber bzw. Verwerter. Leseempfehlung!

May 03 2011

Musik und Internet: Willkommen im rechtsfreien Raum

So lautet der zugespitzte Titel des Editorials der aktuellen Mai-Ausgabe der Musikzeitschrift “melodie & rhythmus” (m&r). Neben lesenswerten Beiträgen und Geschichten über viele Musiker und die Entwicklung sowie die Rahmenbedingungen der Szene, liegt der Schwerpunkt des Heftes auf dem Umgang mit Musik im Internet.

Im Interview “Philipp Otto: Verwerter vertreten die Interessen der Verwerter” erläutere ich dabei gegenüber m&r unter anderem, wie mögliche Konfliktlösungen im Dreiklang zwischen Urhebern, Nutzern und Verwerten aussehen können. In einer Antwort im Interview heißt es dazu: “Die Musikindustrie muss den Nutzer als Kunden ernst nehmen und ihm solche Angebote machen, die er auch haben will. Dazu gehört, dass die gekaufte Musik kostengünstig, sowie frei von technischen Restriktionen ist und dass der Kunde nach eigenem Belieben über sie verfügen kann. Im privaten Bereich brauchen wir eine komplette Entkriminalisierung.”

Im Schwerpunkt finden sich weitere spannende Artikel. Volker Grassmuck, iRights.info-Gründer und langjähriger iRights.info-Projektleiter beschreibt in seinem Essay “Vom Kopf auf die Füsse. Für eine Kulturwende” die grundlegenden Merkmale der digitalen Revolution und ihre praktischen Auswirkungen auf neue Formen der Nutzung, der Produktion und der Distribution von digital verfügbaren Kulturgütern. Er erläutert dabei auch, warum die “Remix-Dissertation” von Karl-Theodor (ff.) zu Guttenberg etwas anderes ist, und von uns anderes wahrgenommen wird, als beispielsweise andere Remix-Culture-Werke.

Daneben gibt es das Interview “Ich verstosse gegen deutsches Recht” mit Mashup-Germany a.k.a. Ben Stiller, einem der bekanntesten Mashup-DJs in Europa über seine Kultur, seine Werke und seine Probleme mit Major Lables wie Warner Music und notwendige Veränderungen im Urheberrecht. Im Beitrag “Die Robin Hoods der Musik” werden Netlabels als neue und unmittelbare Form der Verbreitung von Musik vorgestellt. Im Artikel “Geisterjagd – Musik im Internet und ihre Legenden” geht es ebenfalls um neue Formen und die Geschichte der Nutzung von Musik.

Der Schwerpunkt wird abgerundet durch eine Fotoreportage über Künstler im Netz und einem Gespräch mit Ernst-Christian Zander, Musikchef von Radio Fritz des rbb, über die Wege die der Sender geht, um seine Inhalte auch im Netz möglichst vielen Hörern zugänglich zu machen. Zu guter letzt findet sich im Heft noch ein Gespräch mit Ruben Jonas Schnell, dem Gründer des in Hamburg beheimateten Radios ByteFM.

Das aktuelle Heft von m&r ist ab 09. Mai am Kiosk und im Abo erhältlich. Die Inhalte finden sich, leider nur angeteasert, auch auf der Website von m&r.

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Schweinderl