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July 10 2015

02mydafsoup-01
// mit bester Empfehlung - oAnth

Vortrag "Die Eurokrise - Warum versagt die Wissenschaft?" von Prof Heiner Flassbeck am 01.07.2015 an der FU Berlin im Rahmen des Kurses "Finanzkrisen und Geldsystem".
Im Vortrag wird insbesondere auf die Währungsunion, Handelsungleichgewichte und Lohnstückkosten eingegangen.
Der Kurs wird mitorganisiert von den Kritischen Wirtschaftswissenschaftlern Berlin unter Kursleitung von Prof. Klaus Peter Kisker. Weitere Infos zum Kurs hier:

http://www.kriwis-berlin.org/finanzkrisen-u-geldsystem/

June 23 2015

02mydafsoup-01

October 08 2014

Scheren, schor, geschoren (st.) vs. scheren, scherte, geschert (schw)

Ich schor ein Schaf, da war es kahlgeschoren. Du scherst dich nicht darum, dann scher dich doch zum Teufel. Wie hängen die Verben ›scheren, schor, geschoren‹ und ›scheren, scherte, geschert‹ zusammen? Inhaltsverzeichnis: ▶ 01:05 Verbpärchenschema im Deutschen: Schwimmen und schemmen, trinken und tränken, dringen und drängen -------------------------------- ▶ 06:42 Urindogermanisch sker- 'schneiden, abschneiden, kratzen, scheren' → scheren, schor, geschoren, englisch to shear, sheared (shore), sheared (shorn) -------------------------------- ▶ 10:42 Urindogermanisch sker-H- 'trennen, teilen' → skor-ā 'Teilung, Trennung' → Schar, engl. share → scheren, scherte, geschert: ausscheren, sich zum Teufel scheren -------------------------------- ▶ 15:23 Urindogermanisch sker-s- 'Wolle krempeln' → scherren, schor, geschorren → scharren, scharrte, gescharrt -------------------------------- ▶ 16:48 scheren, schor, geschoren → scherender Schmerz → sich um etwas scheren -------------------------------- ▶ 19:00 Falsche Etymologie bei Duden: scerōn 'scherzen'

http://www.belleslettres.eu/video/scheren-geschoren-geschert-gescharrt.mp4



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September 27 2014

William Dampier – Freibeuter der Wissenschaft [Astrodicticum Simplex]

Dieser Gastartikel ist ein Beitrag zum ScienceBlogs Blog-Schreibwettbewerb. Alle eingereichten Beiträge werden im Lauf des Septembers hier im Blog vorgestellt. Danach werden sie von einer Jury bewertet. Aber auch alle Leserinnen und Leser können mitmachen. Wie ihr eure Wertung abgeben könnt, erfahrt ihr hier.


Dieser Beitrag wurde von Dampier eingereicht.
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William Dampier – Freibeuter der Wissenschaft

Versuch einer umständlichen Beschreibung von Freibeuterei und Wissenschaft im Zeitalter der Entdeckungsreisen im Allgemeinen und des Lebens und Wirkens von William Dampier im Besonderen.

William dampier (npg 538)

William Dampier ist eine der faszinierendsten Gestalten aus der großen Zeit der Entdeckungsreisen. Er gilt manchen als der größte Seefahrer zwischen Drake und Cook, er war der erste, der die Welt dreimal umsegelte. Er war Freibeuter, Abenteurer und Bestsellerautor. Und er war Naturforscher, ein Mann der Wissenschaft!

In diesem Artikel soll es um den jungen Dampier gehen, und um seine erste Reise, wo er mit wechselnden Freibeutercrews die Welt umsegelte und sein erstes Buch schrieb: A New Voyage Round the World (1697). Es hätte auch „Per Anhalter um die Welt“ heißen können.

Dampier war ein echter Forschergeist, der nur ein paar Jahre die Lateinschule besucht hat, und trotzdem einer der einflussreichsten Naturforscher seiner Zeit wurde. Als besessener Tagebuchschreiber notierte er jedes Detail, beschrieb Menschen und Tiere, Inseln und Länder. Er beschrieb als erster die Banane und den Flamingo, die Brotfrucht und das Faultier, das Barbecue und die Essstäbchen.

He is cited over 80 times in the Oxford English Dictionary, notably on words such as “barbecue”, “avocado”, “chopsticks” and “sub-species”. That is not to say he coined the words, but his use of them in his writings is the first known example in English.
(Wikipedia)

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Genauso akribisch verzeichnete er Inseln und Küstenlinien, beschrieb Buchten, Wasserstellen, Ankerplätze und die lokale Bevölkerung (so vorhanden). Hier erscheinen seine Berichte streckenweise wie ein Reiseführer, und sie mögen vielen, die in seinen Spuren wandelten, als solcher gedient haben.

In nautischer Hinsicht am einflussreichsten war sicher sein Werk A Discourse of Winds (1705), in welchem er erstmal die Wind- und Strömungsverhältnisse auf allen Meeren der damals bekannten Welt zusammenfasste.

Seine Forschungsberichte und sein Kartenwerk sollten noch Generationen später als Standardwerke gelten und beeinflussten fast alle seine berühmteren Nachfolger wie James Cook, William Bligh und Admiral Nelson bis ins neunzehnte Jahrhundert hinein: noch Humboldt, Darwin und Sir John Franklin hatten in ihrer Bordbibliothek selbstverständlich ihren Dampier mit dabei.

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Wie alles anfing

Auf dem einen erhaltenen Portrait schaut er uns skeptisch und reserviert an, ohne Allonge-Perücke, ohne die parfümierte Arroganz, die den damaligen Gemälden zu eigen war, mit offenem schulterlangen Haar; ein sehr englisches Gesicht – er könnte ohne weiteres auch ein Glamrocker der 70er Jahre sein. So als Typ erscheint er mir moderner als zum Beispiel sein abergläubischer Zeitgenosse Isaac Newton …

Geboren 1652 im englischen Somerset, aus einfachen Verhältnissen stammend, mit sechzehn schon Vollwaise, schien früh schon das Fernweh in ihm zu erwachen. Seine Vormundschaft (wir wissen nicht, wer es war) entsprach dankenswerterweise diesem Wunsch:

“ … having removed me from the Latin school to learn writing and arithmetic, they soon after placed me with a master of a ship at Weymouth, complying with the inclinations I had very early of seeing the world.”

Der junge William heuert als Matrose an. Eine seiner ersten Reisen führt ihn erstmals über den Atlantik, nach Neufundland. Dort allerdings geht ihm das miese Wetter auf die Nerven, und er sehnt sich nach wärmeren Gefilden (eine Neigung, die auch späterhin seine Entscheidungen als Navigator beeinflussen sollte – siehe weiter unten). Bald bekommt er ein Angebot für eine lange tropische Reise und fährt vor dem Mast nach Bantam und zurück.

“ … the offer of a warm voyage and a long one, both which I always desired, soon carried me to sea again.”

Später soll er Verwalter auf einer Plantage auf Jamaica werden, dort scheint er aber nicht lange klarzukommen (bitterböse Beschwerdebriefe seines Vorgesetzten sind erhalten), und schifft sich bald wieder ein, um auf einem kleinen Handelssegler Jamaica und die Karibik kennenzulernen.

Von dort verschlägt es ihn zu den Blauholzfällern von Campeche, die auf Yucatan unter härtesten Bedingungen Urwaldriesen schlagen und an Händler verkaufen. Das waren besonders harte Jungs, vom Erscheinungsbild sicher vergleichbar mit den ursprünglichen Bukanieren von Hispaniola. Dampier lebt ein Jahr unter ihnen, bis ein Hurrikan das Holzfällercamp dem Erdboden gleichmacht.

In diesem Milieu mag er erste Kontakte zu Freibeutern gehabt haben, er macht noch ein paar Handelsfahrten, aber eines Tages kommt er in einen Hafen, wo ein Freibeuterkapitän gerade eine Mannschaft zusammenstellt. Dampier und seine Kollegen lassen ihren Käptn im Stich und heuern an.

Natürlich war auch Dampier, wie alle jungen abenteuerlustigen Menschen, darauf aus, irgendwo vielleicht sein Glück zu machen, aber er betont mehrfach (und man glaubt es ihm gern), dass sein eigentlicher Antrieb die Neugier war, die Lust zu reisen, neues zu entdecken – und zu beschreiben. Schon früh begann er Tagebuch zu führen, und mehr als einmal zeigte sich, dass er seine Manuskripte als seinen wichtigsten Schatz betrachtete.

Einmal, bei der Durchquerung der Urwälder von Darién, erdachte er einen sinnvollen Transportbehälter: ein Bambusrohr, an beiden Enden mit Wachs versiegelt, hielt die Manuskripte bei diesem Gewaltmarsch durch den Dschungel und über reißende Flüsse immer schön trocken. Und als er ein andermal bei den Nikobaren mit seinem Kanu kenterte, legte er eine mehrtägige Pause ein, um seine Papiere am Feuer zu trocknen.

Er scheint insgesamt kein Draufgänger gewesen zu sein, eher ein umsichtiger Reisender, der auch von vornherein eine Veröffentlichung seiner Berichte plante, der soviel wie möglich von der Welt sehen und davon berichten wollte.

Warum wissen wir heute so wenig über ihn?

Das mag daran liegen, dass keine wichtigen Orte nach ihm benannt wurden. Ein paar Inselchen und ein Kaff im Nordwesten Australiens, eine Meerenge in Papua-Neuguinea, das war’s. (Hätte er damals Australien südwärts umrundet, würde Sidney heute vielleicht Dampier heißen – seine starke Abneigung gegen kaltes Wetter ließ ihn die wärmere Route nehmen. Die Gegend um Sydney wurde dann fast hundert Jahre später von Cook „entdeckt“.)

Vielleicht, weil er sich auch als Freibeuter betätigt hat?

Exkurs: Dampier und die Freibeuterei

Die Freibeuterei muss in der damaligen Zeit – noch vor dem goldenen Zeitalter der Piraterie – kein Hinderungsgrund für Ruhm und Ehre gewesen sein.

Auch Francis Drake fuhr als Freibeuter und wird noch heute zu den großen Briten gezählt. Die Grenzen zwischen Piraterie und einem bürgerlichen Leben waren durchlässig. Henry Morgan wurde im späteren Leben zum Vizegouverneur von Jamaica ernannt. Woodes Rogers – unter dem auch Dampier auf Kaperfahrt gesegelt ist – brachte es zum Gouverneur der Bahamas. Dort bekämpften sie nun die Piraterie und brachten so machen alten Kollegen an den Galgen (am erfolgreichsten waren aber letztlich die weitreichenden Amnestieprogramme, die viele Piraten zur Aufgabe ihres Berufes bewegten).

Andere erreichten ihre Begnadigung, weil sie ihrem Land einen Dienst erwiesen. So brachte Bartholomew Sharp eine Sammlung von unschätzbaren Seekarten mit nach England, die er von den Spaniern erbeutet hatte (auch da war Dampier dabei), woraufhin ihm König Charles II vollen Pardon gewährte.

Dampier selbst kehrte nach seiner ersten Weltreise nach England zurück und schrieb sein Buch, welches zum Bestseller wurde und die Royal Society wie auch den Hof des Königs auf ihn aufmerksam machte. Er wurde nie wegen Piraterie belangt und bekam sogar ein eigenes Kommando für eine Forschungsreise, aber dazu später mehr.

Dampier hat mit seinen Freibeuterfahrten nie hinterm Berg gehalten, hat diese Tätigkeit allerdings auch nie glorifiziert sondern ebenso nüchtern beschrieben wie seine Naturbeobachtungen. (Zitat sinngemäß: „Es war ein besonders hübsch gelegenes Städtchen mit einer schön geschmückten Kirche. (…) Als sie uns das Lösegeld verweigerten, brannten wir es nieder.“)

Allerdings war die Freibeuterei auch häufig zumindest halblegal – das hing vor allem davon ab, ob Krieg oder Frieden herrschte. Im Krieg (meist gegen Spanien) wurden vom Englischen König selbst Kaperbriefe ausgegeben, die Kapitäne ermächtigten, die Handelsschiffe des Feindes aufzubringen. Kaperfahrten waren zu der Zeit echte, seriös durchgerechnete Wirtschaftsunternehmen, der Gewinn wurde zwischen der Krone, der Besatzung und den Investoren geteilt. In solchen Zeiten war es durchaus ehrenvoll, als Freibeuter seiner Majestät zu fahren.

Nur leider kam immer wieder der Frieden dazwischen. Bestandteil nahezu jedes Friedensvertrages war auch eine „Ächtung“ der Freibeuterei. Aber natürlich gingen die Freibeuter nicht brav nach hause und machten was anderes, viele von ihnen machten einfach weiter, auch wenn sie jetzt außerhalb des Gesetzes standen – ein Gesetz, das in der Karibik eh nur begrenzte Gültigkeit hatte – das Gebiet war zu groß und zu weit weg und bot Millionen von Schlupfwinkeln und Verstecken. Spanien hatte sich sowieso längst überdehnt und konnte das Gebiet nie vollständig kontrollieren; Großbritannien hatte mit Jamaica gerade mal einen Fuß in die Tür bekommen; Karibische Provinzgouverneure handelten fröhlich mit den Piraten und boten Unterschlupf und Unterhaltung.

Dazu kam, dass die Royal Navy in Friedenszeiten immer Personal abbaute und tausende junger, tatkräftiger und abenteuerlustiger Seeleute in die Arbeitslosigkeit entließ. Jede Phase des Friedens ließ also die Piraterie erst recht aufblühen – bis wieder ein Krieg ausbrach, die Kaperbriefe wurden erneuert und man konnte wieder im Dienste für König und Vaterland kapern gehen. Viele Seeleute fuhren mal bei Händlern, mal bei Freibeutern, und so manche Schiffe waren beides zugleich.

Die Siedler und Kolonisten der Karibik machten gute Geschäfte mit den Piraten, die ja auch ihre Beute irgendwo versaufen wollten und Handelsgüter aus aller Welt im Angebot hatten. Viele Gouverneure kleiner Karibikinseln gaben selbst Kaperbriefe heraus, und auch wenn deren Gültigkeit eher zweifelhaft war, waren sie doch gefragte Dokumente. Piratenkapitäne betrieben sogar einen schwunghaften Handel mit ihnen, auch Blanko-Kaperbriefe waren im Umlauf, wo sich jeder selbst eintragen konnte, um sich zumindest einen Anschein von Legitimität zu bewahren.

Their licences were known as Letters of Marque (…), issued and controlled by admiralties. Letters of Marque were impressive documents, festooned with seals and dressed in impenetrable legalese.
(Gill, S. 73)

„Kaperbriefe waren beeindruckende Dokumente, behangen mit Siegeln und in undurchdringlichem juristischen Kauderwelsch gehalten …“

Einige redeten sich sogar erfolgreich damit heraus, sie hätten in der Ecke der Welt wo sie gerade unterwegs waren, nichts von dem Friedensschluss mitbekommen (was auch tatsächlich nicht abwegig war).

Natürlich kann man das alles als Rechtfertigunsversuche von Kriminellen abtun, aber die ganze Welt war damals äußerst gewalttätig. Bei der Royal Navy waren Körperstrafen Gang und Gäbe, bei sehr kurzen Rationen und schmalem Sold, in London wurden kleine Jungs gehenkt, wenn sie ein Brot oder einen Shilling gestohlen hatten. Öffentliche Folter und Hinrichtungen gehörten zum Kulturprogramm Londons.

In jenen Zeiten, in denen von britischer Fairness noch keine Rede sein konnte, war es nur ein gradueller Unterschied, ob man zur Handelsmarine ging oder Pirat wurde. Oder, wie Bartholomew Roberts es ausdrückt: der Preis für ein Piratenleben ist allenfalls, dass man beim Hängen kurz ein langes Gesicht macht.

„In honest service there is thin rations, low wages and hard labour; in this [Piraterie], plenty and satiety, pleasure and ease, liberty and power; and who would not balance creditor on this side, when all the hazard that is run for it, at worst, is only a sour look or two at choking. No, a merry life and a short one shall be my motto.“
Bartholomew Roberts

(Gill, S. 80)

Ein weiterer Grund für Dampier, als Freibeuter zu fahren, mag die enorme Mobilität der Piratenschiffe sein, die Spontaneität und Unerschrockenheit, mit der die Mannschaften sich die Welt erschlossen.

Diese Freiheit des Reisens war in der Handelsmarine nicht zu finden, in der Royal Navy schon gar nicht. Wo sonst könnte ein junger Mann, der vor allem die Welt sehen will, fast nach Belieben das Schiff wechseln, und sogar die Richtung mitbestimmen? Ebenso klar ist aber, dass man bei Freibeutern nicht einfach als Passagier mitfahren konnte – man musste schon selbst Freibeuter sein und voll mitziehen. Dampier scheint sich in militärischen Dingen nicht besonders hervorgetan zu haben, hat aber sicher an Überfällen etc. teilgenommen. Das schildert er auch recht unbefangen – eine moralische Bewertung bleibt er uns schuldig.

Das Goldene Zeitalter der Piraterie, als sich die Outlaw-Nation der „Enemies of all Mankind“ bildete, brach erst etwas später an und hatte seinen Höhepunkt nach Dampiers Tod. Die Freibeuterei war jedenfalls kein Grund, warum Willam Dampier heute nahezu vergessen ist.

Vielleicht eignet er sich einfach nicht als Held.

Wer war William Dampier?

Sich der Persönlichkeit Dampiers anzunähern ist schwierig. In seinen Schriften hält er sich sehr zurück und verrät nur mittelbar das ein oder andere über sich selbst.

Sein Schreibstil ist nüchtern und erfrischend unbarock. Weitgehend frei von Vorurteilen und Aberglauben, sind seine Berichte auch im englischen Original noch heute sehr gut zu verstehen, was für Texte seiner Zeit nur selten der Fall ist. Zuweilen zeigt er, dass er durchaus empathiefähig ist, etwa wenn er sehr liebevoll die Begegnung schildert, als sich zwei Indios das erste mal seit Jahren wiedersahen (Der eine hatte auf derselben Insel festgesessen wie Alexander Selkirk, aber das ist eine andere Geschichte …). Überhaupt scheint er die Indios (welche die Freibeuter oft begleiteten) mit Respekt zu behandeln und als Persönlichkeiten ernst zu nehmen.

Natürlich war auch Dampier nicht frei vom Rassismus seiner Zeit, Sklaven wurden beispielsweise ganz natürlich als Ladung (und eben auch als Beute) angesehen.

Einmal kam Dampier auf eine glorreiche Idee, als sie gerade eine Ladung von tausend Sklaven vor der Küste Ecuadors gekapert hatten. Er wusste von einer früheren Reise, dass es im Dschungel von Darién (Landenge von Panama), Goldminen der Spanier gab, die diese wegen der feindlichen Indios aufgegeben hatten. Diese Indios waren aber den Freibeutern gute Bekannte und Verbündete. Man solle doch also mit diesen tausend Sklaven die Minen wieder in Betrieb nehmen, dann könne man Freibeuter aus aller Welt anlocken und an dieser strategisch wichtigen Stelle einen Freibeuterstaat gründen. Aus irgendwelchen Gründen wurde dieser Vorschlag nicht weiter verfolgt. Die „Beute“ wurde zurückgelassen.

Schon der junge Dampier war ein sehr guter Navigator, und sein Urteil zählte durchaus etwas unter den Freibeutern, wie viele kleinere Episoden belegen, in denen es um die weitere Fahrtroute oder die (Ab)wahl eines Anführers ging. Er hat aber selbst nie einen Kommandoposten als Freibeuter gehabt.

Er schien sich eher zurückzuhalten, möglicherweise war er ein ziemlicher Eigenbrötler. In den Journalen seiner Mitreisenden wird er so gut wie nie erwähnt. (Viele haben damals Tagebuch geführt. Der große Hans Sloane hat viele davon gesammelt und der Nachwelt erhalten. Hier seien Lionel Wafer und Basil Ringrose erwähnt, die mit Dampier (und hunderten anderen) den Treck durch Darién und die anschließenden Kaperfahrten unternahmen, und deren Tagebücher erhalten blieben.)

Spätere Dokumente legen nahe, dass Dampier auch ein ziemlicher Stinkstiefel sein konnte.
Bei seinen eigenen Kommandos hatte er kein glückliches Händchen. Vieles ging schief, sicher nicht alles seine Schuld, aber vielleicht war er auch, trotz seiner unbestrittenen Fähigkeiten, einfach nicht zum Kommandanten geboren.

Nach einem Kriegsgerichtsprozess gegen ihn lieferte er sich mit seinen Feinden, zum Gaudium der Londoner Gesellschaft, einen zähen Kleinkrieg in dem sich alle Beteiligten gegenseitig mit Prozessen, Schmäh- und Verteidigungsschriften überzogen. Ein eher unschönes Kapitel in dieser spannenden Geschichte.

Deswegen habe ich mich mit der späten Zeit noch nicht so recht beschäftigt, das ist mir alles zu muffig und spießig. Ich mag die Geschichten, die sind wie frische Seeluft, den Aufbruch ins Ungewisse zu einer Zeit, wo es noch wirklich etwas zu entdecken gab.

Ich finde diese ganze Epoche wahnsinnig spannend, es ist unglaublich, wie viele abenteuerliche Lebensläufe es damals gab. Und William Dampier ist immer eine meiner Lieblingsfiguren in dieser großartigen Geschichte gewesen, vielleicht weil er sich von niemandem etwas sagen ließ, weil er sein Ding machte, weil er schon damals ein klassischer Globetrotter war, der die Welt nahm wie sie ist, dem es einfach ums vorankommen ging, ums Umherstreifen, Gucken und Staunen über diesen wunderbaren Planeten.

Quellen

Natürlich zuerst seine eigenen Schriften. Ich habe eine gekürzte Ausgabe auf Deutsch hier liegen (Freibeuter 1683-1691), ansonsten gibt es alle Texte auch online (z. B. als Microfiche-Faksimile bei archive.org)
https://archive.org/search.php?query=creator%3A”Dampier%2C+William+1652-1715″

Werke:

A New Voyage Round the World (1697)
Voyages and Descriptions (1699)
A Voyage to New Holland (1703)
A Supplement of the Voyage Round the World (1705)
The Campeachy Voyages (1705)
A Discourse of Winds (1705)
A Continuation of a Voyage to New Holland (1709)

Die meisten Zitate sind aus:
Anton Gill: The devil’s mariner. A life of William Dampier, Pirate and Explorer, 1651–1715. Michael Joseph, London 1997, ISBN 0-7181-4114-8.

Folgende Biographie habe ich selbst noch nicht gelesen, werde das aber baldmöglichst tun:
Diana Preston, Michael Preston: A Pirate of Exquisite Mind. The Life of William Dampier – Explorer, Naturalist and Buccaneer. Corgi Books, London 2005, ISBN 0-552-77210-0.

Zeitleiste

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défense européenne : soixante ans de retard

#défense européenne : soixante ans de retard
http://www.taurillon.org/defense-europeenne-soixante-ans-de-retard

Le centenaire de la Première Guerre mondiale, débutée en 1914, a attiré une grande attention, et pas uniquement celle des historiens. Les parallèles avec la situation actuelle, qui voit se multiplier les crises et les véritables conflits — sur le territoire européen même — sont aussi faciles que rapides. Mais un autre anniversaire, moins conflictuel mais non moins amer pour le continent européen, mérite d’être remémoré : il y a soixante ans, le 30 août 1954, l’Assemblée nationale française décidait de ne pas ratifier le traité instituant la Communauté Européenne de Défense (CED).

Actualité

/ Sécurité, défense

#Sécurité

September 26 2014

September 24 2014

Die Welt zu Gast bei Feinden

Der Sammelband „Soldat Ram Singh und der Kaiser“ untersucht das Leben indischer Kriegsgefangener und Intellektueller in Deutschland zwischen 1914 und 1918.
Rezension von Behrang Samsami (23.09.2014)
zu Ravi Ahuja; Heike Liebau; Franziska Roy (Hg.): Soldat Ram Singh und der Kaiser. Indische Kriegsgefangene in deutschen Propagandalagern 1914 - 1918.
Draupadi Verlag, Heidelberg, 2014.
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September 23 2014

Heise titelt heute, Microsoft habe sein Security-Team ...

Heise titelt heute, Microsoft habe sein Security-Team zerschlagen. Da kann ich zufällig ein Wort mitreden, weil ich mit denen häufiger zusammengearbeitet habe. Es ist richtig, dass die Abteilung Trustworthy Computing aufgelöst wird, und dass einige Leute gefeuert wurden. Einige Leute sind auch gefeuert worden (das funktioniert in großen US-Firmen so, dass sie bei Entlassungen bemüht sind, einen gewissen Prozentsatz aus allen Abteilungen zu feuern, damit sie am Ende sagen können, seht her, das hat alle betroffen; auch die Geschlechter und Nationalitäten sind dann statistisch proportional betroffen). Was die da inhaltlich gemacht haben, bleibt aber bestehen, nur halt organisationell als Teil von anderen Abteilungen. Das heißt aber auch, dass die insgesamt weniger Einfluss haben, was ich für einen Fehler halte. Ich erwähne sowas hier normalerweise nicht, aber wenn der Chef von TwC meinen Namen tweetet, dann kann ich mal eine Ausnahme machen fand ich :-) Ein US-Kollege, der damals auch in Stunde 0 mit dabei war, hat diese Gedanken dazu gebloggt, denen ich mich nostalgisch anschließen möchte. Microsoft hat immer viel Häme gekriegt für ihre Softwarequalität, aber die haben unter dem Strich für sich und die ganze Industrie mehr geleistet als alle Regierungen zusammengenommen — selbst wenn man die Unsicherheitssteigerungsleistungen der Geheimdienste rausrechnet.

Die Security-Industrie hat insgesamt schon was bewegt in den letzten 10 Jahren, auch wenn sich das immer wie ein Kampf gegen Windmühlen anfühlt. Ein Gutteil des Hebels in großen Firmen kam daher, dass man sagen konnte, schaut her, selbst Microsoft hat es geschafft, dafür einen Prozess zu etablieren!

Nun kann man natürlich sagen, hey, Microsoft hat immer noch kritische Fehler in ihrem Code. Die müssen immer noch einmal im Monat Patch-Tag machen und da sind immer wieder furchtbare Dinge bei. Stimmt. Aber bei Microsoft wissen wir immerhin, dass sie selber nach Fehlern bei sich suchen und die aktiv auszumerzen versuchen. Bei anderen wissen wir, dass sie darauf warten, dass jemand von außen Fehler meldet, und dann fixen sie sie — vielleicht.

Reposted fromfefe fefe

September 21 2014

Allgemeine Zeitung

Autor: Cotta, Johann Friedrich von
Erschienen 1872
BSB-Signatur 4 Eph.pol. 50-1872,12

URN: urn:nbn:de:bvb:12-bsb00085285-8
URL: http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0008/bsb00085285/images/

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September 09 2014

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July 21 2014

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Every black child in grade school is taught Adolph Hitler killed six million Jews and is the worst human being that ever lived. On the other hand our children are taught “The Right Honorable” Cecil Rhodes the founder of the De Beer diamond company in South Africa who killed ten times that number of Africans is a hero and a statesman and if they study hard and do well in school they may be eligible to win Rhodes Scholarships the oldest and most celebrated international fellowship awards in the world. They don’t mention the scholarships are paid for with the blood of their ancestors.

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// oAnth 2014-07-21

IMHO it depends too much on the context, by which you might feel yourself compelled to use those comparisons of atrocities, whether such a confrontation of disgusting characters is insightful or just horribly misleading - be aware, for it would most likely end as a rhetoric gate opener to revanchism.
Reposted fromevilmel evilmel

July 10 2014

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Growing Up Privileged in Apartheid, Colonial Israel - Shir Hever on Reality Asserts Itself (1/5) | TRNN 2014-07-09




Shir Hever is an economic researcher in the Alternative Information Center, a Palestinian-Israeli organization active in Jerusalem and Beit-Sahour. Hever researches the economic aspect of the Israeli occupation of the Palestinian territory, some of his research topics include the international aid to the Palestinians and to Israel, the effects of the Israeli occupation of the Palestinian territories on the Israeli economy, and the boycott, divestment and sanctions campaigns against Israel. His work also includes giving lectures and presentations on the economy of the occupation. He is a graduate student at the Freie Universitat in Berlin, and researches the privatization of security in Israel. His first book: Political Economy of Israel’s Occupation: Repression Beyond Exploitation, was published by Pluto Press.

[...]

HEVER: I was born in Jerusalem, and I was born into a lefty household, a critical household. And the most important thing that I think my parents taught me and raised me with is this idea that I have to be aware of my own privileges and to take responsibility for them, because Israeli society is extremely divided and extremely hierarchical, and I am lucky to have been born male, white, Jewish, Ashkenazi, so in all of these categories in which I had an advantage, and my parents told me this is an unfair advantage.

[...]

JAY: Now, just because it’s an interesting kind of historical note, there’s kind of two types of Zionist fascists. There are Zionists who are simply very aggressive against Palestinians and people called them fascists, and then there are Zionists who loved Mussolini.

HEVER: Yeah, I’m talking about the second kind. I’m talking about real—people who really adopt this kind of Zionist—or this kind of fascist ideology that the state is above everything, and that we all have to conform to a certain idea, and that we should find our great leader. So that kind of Zionism is not mainstream, actually, and it’s not in power. In many demonstrations that I had the chance to go to, people tend to shout that fascism will not pass.But, of course, when you look at it from a more academic point of view, there’s a difference between fascism and other kinds of repressive regimes, and I would say Israel is a colonial regime, a colonialist regime, in which there’s apartheid, there’s very deep entrenched repression.

But in a colonialist system there’s always fear. And you grow up with this fear also. You always know—.

JAY: Did you?

HEVER: Yeah, yeah. I mean, when I would go to certain areas or when I took a taxi with a Palestinian driver, then even my closest family would get nervous about it. And then it made me wonder: how come you taught me that everybody’s equal but you’re still afraid of Palestinians?

[...]

(M)y close family, my immediate family, they were very supportive of my opinions. And we had many political debates at home—sometimes arguments, but in the end I think for the outsider it doesn’t seem like we’re that much far apart. When you go a little bit further to the extended family, then that’s a whole different story. And most of the family on my mother’s side stopped speaking with me after I decided not to go to the army. And so, yeah, my mother’s parents, who were fighters in the Palmach, they had a completely different worldview and a very Zionist right-wing perspective in which they believe that all of these policies against Palestinians were completely justified.

JAY: And your grandparents, were any of them—when did they come to Israel? Did you have direct family that were killed during World War II?

HEVER: Yeah. So this is actually the exact—the interesting intersection of two stories, because my mother’s side of the family came to Palestine before the Holocaust, before the Second World War, and participated in the Nakba against Palestinians. And my father’s family—.

JAY: So they came during the ’30s or ’20s?

HEVER: Yeah, over some time, but yeah. And my father’s family came right after the war. They escaped from the Nazis in Poland. And the vast majority of the family in Poland was exterminated by the Nazis. So they escaped to the Soviet Union, where they lived pretty harsh years during the war. And then the family scattered again, and that part of the family that chose to go to Palestine, to Israel, happened to be my side of the family.

[...]

HEVER: That is a concept called Hebrew labor, and it was done very openly and without shame because there was at that point of time no concept that such structural and comprehensive racism against a particular group of people is something that Jews should also be worried about. I mean, it wasn’t something that was even in people’s minds so much, because Palestinians were part of the scenery, part of the background, and not treated as the native inhabitants of Palestine. But it has to be said also that during those fights it wasn’t—even though it was a colonial situation, in which Zionists were supported by foreign powers in coming and colonizing Palestine, it wasn’t clear if they were going to succeed or not, and it wasn’t clear until 1948 whether they would succeed or not. So from the personal stories of these people, they saw themselves as heroes or as overcoming a great adversity, and not as people who had all their options and decided that here’s a little piece of land that we want to add to our collection. From their point of view, this was their chance to have their own piece of land, and when looking at the colonial powers, the European colonial powers operating all of the world, they didn’t think that what they were doing was so strange or peculiar.

[...]

HEVER: And during the ’90s there was—the Oslo process began. There was a coalition between Yitzhak Rabin from the Labor Party and Meretz, which was the part that they supported. Meretz was the liberal party for human rights, but still a Zionist party. And this coalition started to negotiate with Yasser Arafat and to start the Oslo process. But at the same time, they would implement these policies that were just completely undemocratic and—for example, to take 400 people who were suspected of being members of the Hamas Party without a trial and just deport them. And at that point my parents had a kind of crisis of faith and they decided not to support his party anymore. And I would say this is the moment where Zionism was no longer accepted.

[...]

HEVER: I think the moment that I made that choice is actually much later, because it’s possible to have all these opinions but still play the game and go to any regular career path. But after I decided not to go into the army and after I decided to go to university, in the university I experienced something that changed my mind.

JAY: But back up one moment. You decide not to go into the army. (...) That’s a big decision in Israel.

HEVER: Well, I was again lucky to be in this very interesting time period where Netanyahu just became prime minister, and he was being very bombastic about his announcements, and a lot of people started doubting the good sense of going into the army. So it was a time where it was relatively easy to get out. At first I thought, I will go into the army, because I went to a very militaristic school. My school was very proud of all the intelligence officers that used to come out of it. So I thought, okay, I don’t want to be an occupier, I don’t want to be a combat soldier in the occupied territory, but if I’ll find some some kind of loophole that I can be a teacher or do some kind of noncombat work for the army, I’ll do that.

[...]

And I used to support the Oslo process, because I used to read the Israeli newspapers, and it seemed like Israel is being very generous and willing to negotiate, when in fact—. But my mother, I said that she was working for the government. She would bring me some documents about the Oslo process, and there I would be able to read about the water allocation and about land allocation and say, well, this is certainly not a fair kind of negotiation. But then, when the Second Intifada started, it was repressed with extreme violence by the Israeli military, by the Israeli police. And that was also a moment in which I felt that even living in Israel is becoming unbearable for me. But there’s always kind of the worry, is it going to get to the next step? I think this immediate tendency to compare it with the ’30s in Germany is because it’s a Jewish society.

[...]

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oAnth :

Palmach

https://en.wikipedia.org/wiki/Palmach

The Palmach (Hebrew: פלמ"ח, acronym for Plugot Maḥatz (Hebrew: פלוגות מחץ), lit. “strike forces”) was the elite fighting force of the Haganah, the underground army of the Yishuv (Jewish community) during the period of the British Mandate for Palestine. The Palmach was established on 15 May 1941. By the outbreak of the Israeli War for Independence in 1948 it consisted of over 2,000 men and women in three fighting brigades and auxiliary aerial, naval and intelligence units. With the creation of Israel’s army, the three Palmach Brigades were disbanded. This and political reasons led to many of the senior Palmach officers resigning in 1950.


Meretz

https://en.wikipedia.org/wiki/Meretz#Ideology

Meretz defines itself as a Zionist, left-wing, social-democratic party. The party is a member of the Socialist International and an observer member of the Party of European Socialists. It sees itself as the political representative of the Israeli Peace movement in the Knesset – as well as municipal councils and other local political bodies.
In the international media it has been described as left-wing, social-democratic, dovish, secular, civil libertarian, and anti-occupation.

Hebrew Labor

https://en.wikipedia.org/wiki/Hebrew_labor#Terminology


"Hebrew labor" is often also referred to as “Jewish labor” although the former is the literal translation of “avoda ivrit”. According to Even-Zohar the immigrants of the Second Aliyah preferred to use the word “Hebrew” because they wanted to emphasize the difference between their “new Hebrew” identity and the “old Diaspora Jewish” identity. For them the word “Hebrew” had romantic connotations with the “purity” and “authenticity” of the existence of the “Hebrew nation in its land”, like it had been in the past.

    Related to the concept of “Hebrew labor” was the concept of “alien labor”. Ben-Gurion wrote about the settlers of the First Aliyah: “They introduced the idol of exile to the temple of national rebirth, and the creation of the new homeland was desecrated by avodah zara”. According to Shapira avodah zara means both “alien labor” and, in a religious sense, “idol worship”. Along with bloodshed and incest this is one of the three worst sins in Judaism. Application of this concept to the employment of Arab workers by Jews depicted this as a taboo.



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via http://seenthis.net/messages/274764

January 27 2014

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Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs verwandelte die Deutschen in ein Volk von Dichtern. Nach einer Schätzung des Literaturkritikers Julius Bab gingen im August 1914 täglich etwa 50 000 Kriegsgedichte in den Redaktionen von Zeitungen und Zeitschriften ein. An der «poetischen Mobilmachung», so Babs Ausdruck, beteiligten sich auch die professionellen Schriftsteller. Euphorische Gesänge, die Deutsche und Österreicher beim Gang in die Schlacht beseligen sollten, sind überliefert von Richard Dehmel, Gerhart Hauptmann, Rainer Maria Rilke, Hugo von Hofmannsthal, Rudolf Alexander Schröder (um nur die bekanntesten zu nennen). In Prosa sekundierten ihnen Epiker wie Thomas Mann und Alfred Döblin, Philosophen wie Max Scheler und Paul Natorp, Theologen wie Ernst Troeltsch und Adolf von Harnack, Soziologen wie Georg Simmel und Werner Sombart.

[...]
Deutsche und englische Lyrik im Krieg: Kriegserlebnis und Dichtung | Manfred Koch - Literatur und Kunst Nachrichten - NZZ.ch - 2014-01-25

July 25 2013

02mydafsoup-01
Alle regierenden Parteien wussten dies und müssen sich über die langfristig verhehrenden politischen und entwürdigenden Konsequenzen klar gewesen sein, wohlweißlich, ohne darüber jemals dem Volk Rechenschaft gegeben zu haben; die sogenannte Kanzlerakte und die himmelschreiende Tatsache, dass sich einige CDU/CSU-Abgeordnete am Anbeginn der Regierungszeit Willy Brandts zu einer geheimdienstlich agierenden Einheit als parlamentarischer Ableger des BND bzw. BAVerfS erklärten (die Einheit bestand bis zum Amtsantritt Helmut Kohls), gibt jene zynisch-anbiedernde Haltung der deutschen politischen Klasse zu erkennen, die sich bis heute nahtlos fortsetzt.    

March 01 2013

Eine allzu lange unterschätzte Gefahr

Olaf Sundermeyer erzählt in seinem Buch „Rechter Terror in Deutschland“ eine erschreckend lange „Geschichte der Gewalt“.

zu Olaf Sundermeyer: Rechter Terror in Deutschland. Täter, Opfer und der hilflose Staat.
Verlag C. H. Beck, München, 2012.


Rezension von H.-Georg Lützenkirchen (28.02.2013)

Der Skandal des Umgangs mit rechter Gewalt in Deutschland liegt darin, dass diese Gewalt lange Zeit überhaupt nicht angemessen wahrgenommen wurde. Gerne wurde sie kleingeredet, es war dann von wahlweise bedauernswerten oder erschreckenden Einzelfällen die Rede, oft wurde ein rechtsextremer Hintergrund nicht wahrgenommen und die Tat ging als ‚normale‘ Gewalttat in die Statistik ein. Eine verfehlte Extremismustheorie, die rechte und linke Gewalt gerne gleichsetzte, verhinderte zudem den Blick auf die spezifischen Bedingungen rechter Gewalt in Deutschland. Nicht auf dem rechten Auge blind war der Staat, er war schlicht nicht informiert.

Entsprechend groß war der Schock, als 2011 die rechte Terrorgruppe „Nationalsozialistischer Untergrund“ (NSU) eher zufällig aufgedeckt wurde. Über zehn Jahre war das Trio Uwe Mundlos, Uwe Bönhardt und Beate Zschäpe sowie das sie unterstützende rechtsextreme Netzwerk unerkannt geblieben. In dieser Zeit verübten sie mehrere Gewalttaten, zwischen 2000 und 2006 ermordeten sie in verschiedenen Städten neun Menschen, allesamt Menschen mit Migrationshintergrund. 2007 erschossen sie in Heilbronn eine Polizistin.

Warum? Olaf Sundermeyer leitet sein Buch „Rechter Terror in Deutschland“ mit der Antwort eines ehemaligen NPD-Funktionärs ein: „Die haben ja das umgesetzt, von dem die meisten anderen in der Szene nur träumen, weil sie selbst zu feige sind, es ihnen gleichzutun. Aber grundsätzlich sehnen viele eine Endlösung für Ausländer herbei.“ Denn Rechtsextremisten fühlen sich in einer „permanenten Notwehrsituation“. In ihrer Logik sind ‚Ausländer‘ Beweis für eine bedrohende Überfremdung; Linke und andere „Gutmenschen“ leisten dieser Überfremdung Vorschub und bedrohen damit zudem die „weiße Rasse“. Überall Bedrohung, gegen die man sich mit Taten statt Worten wehren muss. „Und Taten“, so schreibt Sundermeyer, „sind Gewalttaten“. Sie gehören zum Rechtsextremismus – den Sundermeyer als eine Ideologie beschreibt, „die von der Ungleichwertigkeit der Menschen ausgeht und Gewalt als Mittel der Politik sieht“. Diese Ideologie, so stellt Sundermeyer klar, speist ebenso die rechtsextremen Terrortaten wie „beispielsweise die Politik der NPD“. Die Ziele sind die gleichen, nur dass die NPD sie zuweilen mit „strategischer Rücksicht auf die Anerkennung, die sie für Wahlen benötigt“, zurückhaltender formuliert. Dankenswert klare und richtige Aussagen, die der Autor hier trifft.

Sundermeyers „Geschichte der Gewalt“ beginnt in den 1980er-Jahren. Als markantes Datum steht das „Oktoberfestattentat“ in München, bei dem am 26.September 1980 13 Menschen ums Leben kamen – unter ihnen auch der mutmaßliche Attentäter. Bis heute ist der Hintergrund dieses Anschlages nicht vollständig aufgeklärt. Spuren führen aber zur „Wehrsportgruppe Hoffmann“. Deren ehemaliger „Chef“ Karl Heinz Hoffmann ist nach wie vor in der rechten Szene aktiv. Sundermeyer berichtet von einem bizarren Besuch bei Hoffmann, der ihm die „wahren Hintergründe“ des Attentats in München zu erläutern versucht. In Hoffmanns Wehrsportgruppe waren jedenfalls viele, die mit Gewalttaten auffielen. Der Autor nennt sie alle. [...]

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February 24 2013

"History and Identity in the Late Antique Near East", edited by Philip Wood

Egypte actus's curator insight, Today, 8:23 AM

 

History and Identity in the Late Antique Near East gathers together the work of distinguished historians and early career scholars with a broad range of expertise to investigate the significance of newly emerged, or recently resurrected, ethnic identities on the borders of the eastern Mediterranean world. It focuses on the "long late antiquity" from the eve of the Arab conquest of the Roman East to the formation of the Abbasid caliphate. The first half of the book offers papers on the Christian Orient on the cusp of the Islamic invasions. These papers discuss how Christians negotiated the end of Roman power, whether in the selective use of the patristic past to create confessional divisions or the emphasis of the shared philosophical legacy of the Greco-Roman world. The second half of the book considers Muslim attempts to negotiate the pasts of the conquered lands of the Near East, where the Christian histories of Hira or Egypt were used to create distinctive regional identities for Arab settlers. Like the first half, this section investigates the redeployment of a shared history, this time the historical imagination of the Qu'ran and the era of the first caliphs. All the papers in the volume bring together studies of the invention of the past across traditional divides between disciplines, placing the re-assessment of the past as a central feature of the long late antiquity. As a whole, History and Identity in the Late Antique Near East represents a distinctive contribution to recent writing on late antiquity, due to its cultural breadth, its interdisciplinary focus, and its novel definition of late antiquity itself.

Oxford University Press, USA, April 1, 2013, 272 pages

 

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Contents via http://scholar.qsensei.com/content/1t9yw6 ;

 

Sophronius of Jerusalem and the end of roman history / Phil Booth -- Identity, philosophy, and the problem of Armenian history in the sixth century / Tara Andrews -- The chronicle of Seert and Roman ecclesiastical history in the Sasanian world / Philip Wood -- Why were the Syrians interested in Greek philosophy? / Dan King -- You are what you read: Qenneshre and the Miaphysite church in the seventh century / Jack Tannous -- The prophet's city before the prophet: Ibn Zabala (d. after 199/814) on pre-Islamic Medina / Harry Munt -- Topoi and topography in the histories of al-?ira / Adam Talib -- "The crinkly haired people of the black earth"; examining Egyptian identities in Ibn 'abd al-?akam's futu? / Hussein Omar -- Forgetting Ctesiphon: Iran's pre-Islamic past, ca. 800-1100 / Sarah Savant -- Legal knowledge and local practices under the early Abbasids / Mathiew Tillier.

 



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February 13 2013

Reorganizing a vast Archive: ITS - SPIEGEL ONLINE

By David Crossland in Bad Arolsen, Germany

 

Global Web of Memory

Reorganizing the database is one of the tasks of Susanne Urban, the ITS head of research, who joined the archive in 2009 after working in Yad Vashem, Israel's official memorial to the Holocaust. She says she expects the archive to reveal a plethora of "mosaic stones" to complete the picture of the genocide rather than alter it.

"Here you keep getting confronted with the global aspect of the Holocaust and survival, you see how it started in Germany, spread across Europe and with the documents about the survivors we see how a web of memory has spread across the whole world. Here you get an overview over everything. What makes it so harrowing is that you don't just get one aspect, you get them all. You sense this monolith that was built of pain and sorrow."

The work may be fascinating, but it can also be exhausting and saddening. Urban has only two research assistants on temporary contracts, which she says isn't enough.



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Die „Banalität des Bösen“

Margarethe von Trottas Film über Hannah Arendt.
Von Alexandra Pontzen (13.02.2013).

Margarethe von Trotta hat ihrer filmbiografischen Galerie von ‚starken Frauen‘, nach Gudrun Ensslin, Rosa Luxemburg und Hildegard von Bingen, ein weiteres Porträt hinzugefügt, das der vor den Nazis 1941 nach New York geflohenen  und ebendort 1975 verstorbenen deutsch-jüdischen Philosophin Hannah Arendt.

Unter dem verkürzten Titel „Hannah Arendt“ – auf den Zusatz des Originaltitels „Ihr Denken veränderte die Welt“ wurde in der deutschen Präsentation eher verzichtet (er hätte auch zu sehr an den in der DDR gängigen, auf Lenin gemünzten Spruch „Er rührte an den Schlaf der Welt“ erinnert) – erlebte der Film im Beisein der nordrhein-westfälischen Ministerpräsidentin und dreier ihrer Ministerinnen am 8. Januar in Essen seine deutsche Erstaufführung und gelangte ab dem übernächsten Tag in die deutschen Kinos. Kaum ein deutsches Feuilleton lässt sich finden, das dem Werk nicht seine Aufmerksamkeit und Reverenz erwiesen hätte – und beides, soviel vorweg, dürfte sich mindestens ebenso doppelter politischer Korrektheit, feministisch wie historisch grundierter, wie seinem filmkünstlerischen Rang verdanken.

[...]

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"A Crisis Of The State? The End Of The Post-Westphalian Model" by Carlo Bordoni

Carlo bordoniBefore we delve into the reasons for the crisis of the state it is necessary to clarify the meaning of ‘nation’. Nation has a cultural connotation and its distant origins are historically much older than state: it is still recognisable as a nation even when its borders have not been marked out and, at least formally, it is still not a state with its own laws. A population that is recognised as a nation feels free in the territory in which it lives and does not need to set limits on their freedom of movement within that space that they feel belongs to them.

And yet a country can continue to exist only if it exists as a state, that reinforces its identity and ensures precise territorial limits, because while the idea of “nation” is a feeling, the state – more pragmatically – needs a territory in which to take root. According to Jürgen Habermas, on the other hand, “national community does not precede the political community, but it is the product of it” (The Postnational Constellation: Political Essays, Polity Press, 2000, p. 76). A statement which is partially accepted, if we admit that the idea of nationality can mature only within a state, which, however, does not take into account the presence of a core of national feeling (although not institutionalised) on which to build a state.

State and nation go together and support each other, but something began to change in the late seventies and subsequent decades, in correspondence to the dissolution of modernity.

The anthropologist Arjun Appadurai was the first to report that the concept of nation is entering a crisis (Modernity at Large: Cultural Dimensions of Globalization, University of Minnesota, 1996), because it is the very cultural identity that is first damaged by the change taking place. What is called into doubt is the idea of the national community, based on the same language, same customs, same religion, same culture.

The opening of borders is preceded by a cultural openness that upsets the age-old certainties. The idea of nation endures while the presence of linguistic, religious or political minorities is “confined” temporarily or geographically in “enclaves” in ghettos, in refugee camps or in shelters. Then, when the diasporic communities begin to see recognition of their rights as citizens with full rights, and then demand recognition of their “diversity” with respect to the obligation to integrate (the customary path towards equality), the ‘unity of the nation begins to crumble.

Already in the nineties, Appadurai talked about post-national states, where diasporic communities are no longer occasional or temporary events, but long-lasting ones built into the system, which have become an integral part of the culture and history of a country. The term post-national better defines the earlier concepts of multinational and international, that remain fairly strongly related to economic, legal and practical dependence with the state as reference, until the entire system is weakened.

We live in a constant state of crisis, and this crisis also involves the modern state, whose structure, functionality, effectiveness (including the system of democratic representation) are no longer suited to the times in which we live.

There are many critical issues facing the modern state and the causes are many: some induced by deep historical and cultural changes that took place between the end of the twentieth century and the beginning of the third millennium, others by political and economic choices that led to consequences in people’s daily lives, further exasperating the distance from the institutions.

In the first place, the end of the post-Westphalian model. It appears crucial to an understanding of the present condition starting from the loss of meaning of this model of balance between states, which has stood for centuries and has been the cornerstone of international relations. The Treaties of Westphalia (Münster and Osnabrück) in 1648 (then essentially reconfirmed by the statute of the United Nations) have established some basic principles on which to base the rights and limits of the modern state, the new civil system that was born from the ashes of feudalism and that Hobbes represented as metaphoric in Leviathan: a form of monstrous strength made up of all the men who gathered together and recognised each other in a superior unity.

Based on the principle of limited sovereignty, the post-Westphalian model recognises in the modern state absolute and indivisible sovereignty over its territory and ownership in international relations, of which it is the sole subject.

If for a long time the state and nation have been able to live together, united on a historical and legal level by the insolubility of the fundamental principles that modernity assured, it was thanks to the agreements made in the Treaties of Westphalia, at the end of the long religious war, that had shattered Europe for thirty years. Since then, modern states, in the form that we have known for centuries, have standardised the so-called “post-Westphalian model”, which sets down the rules of universal stability and recognises the full sovereignty of a state within its own borders.

In the third millennium, it is the very post-Westphalian model that enters into crisis, dragging with it the crisis of the modern state, which is determined not only by the opening of borders, but by the inability demonstrated in maintaining its commitments to its citizens. In this phase, it is the “internal” boundaries that create problems. Security, defence of privilege, identity, recognition and cultural traditions, which once coincided with the boundaries of the post-Westphalian state, are now altered, uncertain, liquid. They are no longer reliable.

The dissolution of geographical or temporal limits imposed on diasporic communities determines the well-known phenomenon of the turnaround: if in the past it was the majorities that enclosed the minorities in “enclaves”, now it is the same majorities that shut themselves inside the “gated communities”, guarded by private security guards, by electronic control and security systems; jealous of the privacy that is no longer guaranteed on the outside.

Now it is clear how this model entered into crisis with the development of globalisation, whose explosive force has erased the boundaries between states and undermined any claim of absolute sovereignty. But the consequences of globalisation are not limited only to undermining the rules of international relations; they have led to a further upheaval, removing the power and raising it to a higher level. Now it is distant and spread on a global level, thus separated from politics, with which, up to now, it had been intimately linked. Hobbes’s Leviathan, deprived of its operating arm, is reduced to a mutilated body that wallows in its impotence. It gets agitated, argues and proclaims, but can not do anything even when it has made momentous decisions because the operational side is the responsibility of others. This no longer belongs to it.

The separation of politics and power is lethal to the modern state. Especially if it is a democratic state, whose constitution has promised its citizens to let them take part in common decisions that but now are taken by bodies that are non-democratically appointed or controlled from the bottom. The tragedy of the modern state lies in its inability to implement at a global level the decisions taken locally. The citizen, for example, elects their representatives to the European Parliament, who, in turn, elect committees and subcommittees, where executive decisions are taken by the last organisational bodies, formed on the basis of a series of institutional changes, the complexity of which should be a guarantee of impartiality and independence.

If it were just a matter of bureaucracy, complicated by the presence of more than one body, the system would still retain some form of democracy, although there is no direct relationship (no feedback, no opportunity to reply) between the last of the voters of a small European country and the drafter of a Community regulation. The problem is more serious, from the moment when the most important decisions on an economic, financial and developmental level are taken not by institutional bodies, as required by a democratic system, though it be a rather loose network, but by groups of power, by holding companies, multinationals, lobbies and the so-called “market”, that is by a summation of personal actions, technical consequences, emotional reactions, political will and particular interests that overlap in a very confusing manner and determine the fate of millions of people without any liability. Everything seems to happen because this is how the world turns and no one is able to oppose it. Not the people taking to the streets, protesting, whose only result is, at best, to sensitise public opinion that is otherwise distracted by an excess of information. Not even the nation-state, which does not have the instruments needed to operate at global distances and never had, since the issue had never been raised before.

Before being physical, political, legal and economic, in compliance with the post-Westphalian model, borders have always maintained that balance of strength and relationships which now no longer exists.

The crisis of the state coincides with the crisis of the post-Westphalian model, whose certainties have been swept away by the opening of borders, by increasingly more rapid exchanges of communications, by an economy at a global or supranational level and, not least, by a culture which is no longer at a local level, and is deeply influenced by suggestions, information, and comments from all over the world. The global village of McLuhan was created (or is being created) thanks to economic and cultural exchange, but at the expense of system-states that it is no longer in line with the changing times.

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