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February 10 2014

Open Science Radio erklärt Open Access

Das Open Science Radio ist ein Podcast von Matthias Fromm und Konrad Förstner, der sich schon länger mit dem freien Zugang zu wissenschaftlichem Wissen beschäftigt. Jetzt haben sich die Macher etwas grundsätzlicher mit dem Thema beschäftigt.

Herausgekommen ist eine ausführliche Sendung, die die Geschichte der Open-Access-Bewegung rekapituliert, grundlegende Ansätze und Projekte vorstellt und unterschiedliche Lizenzen und Geschäftsmodelle erläutert.

Wer einmal etwas ausführlicher ins Thema Open Access einsteigen will, dem kann man die zweistündige Folge (MP3, Feed) nur empfehlen.

Reposted byreturn13towser

January 21 2014

Open-Access-Publizieren mit dem universitätsweiten Repositorium Phaidra

Die Archivierungsplattform Phaidra wird seit 2008 an der Universität Wien verwendet, um digitale Objekte über Sprach- und Ländergrenzen online zur Verfügung zu stellen. Sandra Blumesberger beschreibt das Projekt.

U-TonEin Debattenbeitrag im Rahmen der Sendereihe „U-Ton. Urheberrecht im Digitalen Zeitalter“.

Phaidra (Permanent Hosting, Archiving and Indexing of Digital Resources and Assets) wurde von der Universitätsbibliothek Wien gemeinsam mit dem Zentralen Informatikdienst der Universität entwickelt und ist derzeit an mehreren in- und ausländischen Institutionen, unter anderem am Fonds zur Förderung wissenschaftlicher Forschung (FWF) in Verwendung.

Das Programm basiert auf der Open-Source-Software Fedora, die für die Archivierung digitaler Objekte entwickelt wurde. Phaidra macht eine langfristige Sicherung wertvoller digitaler Inhalte möglich und ist seit 2008 online. Objekte in allen Formaten können – mit einem dauerhaften Identifier, Lizenzen und Klassifikationen versehen – archiviert werden.

Mit diesem Repository ist es ebenfalls möglich, sehr rasch und sicher zu publizieren. Sämtliche MitarbeiterInnen, Studierende und Personen, die einen Account der Universität Wien besitzen, haben die Möglichkeit, Objekte, versehen mit einem Zeitstempel und erläuternden Metadaten, zu archivieren und, soweit rechtlich möglich, weltweit freizugeben. Wertvolle Sammlungen, Archivmaterialien, Bücher, Bilder, Texte, Videos und Audiodokumente können sehr rasch verfügbar gemacht werden.

Weiterverwendung erlaubt

Die angegeben Lizenzen garantieren jede Weiterverwendung, die der „Owner“ – so wird jene Person genannt, die das Objekt in Phaidra hochlädt – des Objekts wünscht. Aber auch die Verwendung von offenen Standards und Schnittstellen erlaubt es, die Objekte in andere Kontexte zu stellen (mehr unter phaidraservice.univie.ac.at).

So wurden zum Beispiel im Rahmen des EU-Projekts Europeana Libraries zahlreiche Bilder des Instituts für Kunstgeschichte, Nachlassmaterialien, Bücher, Inkunabeln, Videos der Universitätsbibliothek und Materialien des Universitätsarchivs für alle zugänglich ins Internet gestellt.

Das Projekt „E-Books on Demand“ ermöglicht es, rechtefreie Büchern über das für Phaidra entwickelte Betrachtungsprogramm digital bereit zu stellen. Phaidra-User haben zusätzlich die Möglichkeit, mit dem in Phaidra angebotenen Phaidra-Importer selbst Bücher zu erstellen und über den Bookviewer anzubieten.

Phaidra ist eingebunden in die EU-Projekte OpenAIRE und OpenAIREplus. Das bedeudet, dass österreichweit alle Personen, die in einem Forschungsprojekt im Rahmen des FP7-Rahmenprogramms der EU tätig und vertraglich verpflichtet sind, ihre Ergebnisse offen zugänglich zu publizieren, Phaidra nutzen können.

Rechtefragen behindern Verfügbarkeit

Die Möglichkeit, die Objekte mehrsprachig beschreiben zu können, vermindert weitere Barrieren; ein weltweiter Austausch von wissenschaftlichen Informationen ist deshalb garantiert. Dennoch hat diese Freiheit Grenzen, nämlich dann, wenn die Rechte an einem Objekt nicht geklärt sind.

Laut den Nutzungsbedingungen von Phaidra dürfen nur Objekte archiviert werden, an denen der Owner die Rechte besitzt. Bei multimedialen Objekten, bei denen von allen Beteiligten die Rechte eingeholt werden müssten, kann dies ein langer Prozess sein.

Bei Materialien, die in der Lehre eingesetzt werden, besitzen die LehrveranstaltungsleiterInnen nicht immer sämtliche Rechte. Das bedeutet, dass diese Materialien nicht in Phaidra archiviert werden dürfen. Auch Sicherheitskopien von Objekten, deren Rechte nicht gänzlich geklärt sind, dürfen nicht in Phaidra archiviert werden. Eine Lockerung der derzeitigen Gesetze würde die Verbreitung des Open-Access-Gedankens sehr unterstützen.

Während in den Naturwissenschaften bereits einige Modelle des Open-Access-Publizierens in Verwendung sind, sind die Vorbehalte in den Geisteswissenschaften zum Teil noch sehr groß. Hier bedarf es eines Umdenkungsprozesses – die Werkzeuge wären jedenfalls schon vorhanden.

Susanne Blumesberger ist Germanistin und seit 1999 Mitarbeiterin des Projekts „biografiA. Datenbank und Lexikon österreichischer Frauen“ am Institut für Wissenschaft und Kunst an der Unversität Wien und seit 2007 zuständig für Customer Management für Phaidra, das digitale Langzeitarchivierungssystem der Universität Wien.

Four short links: 21 January 2014

  1. On Being a Senior Engineer (Etsy) — Mature engineers know that no matter how complete, elegant, or superior their designs are, it won’t matter if no one wants to work alongside them because they are assholes.
  2. Control Theory (Coursera) — Learn about how to make mobile robots move in effective, safe, predictable, and collaborative ways using modern control theory. (via DIY Drones)
  3. US Moves Towards Open Access (WaPo) — Congress passed a budget that will make about half of taxpayer-funded research available to the public.
  4. NHS Patient Data Available for Companies to Buy (The Guardian) — Once live, organisations such as university research departments – but also insurers and drug companies – will be able to apply to the new Health and Social Care Information Centre (HSCIC) to gain access to the database, called care.data. If an application is approved then firms will have to pay to extract this information, which will be scrubbed of some personal identifiers but not enough to make the information completely anonymous – a process known as “pseudonymisation”. Recipe for disaster as it has been repeatedly shown that it’s easy to identify individuals, given enough scrubbed data. Can’t see why the NHS just doesn’t make it an app in Facebook. “Nat’s Prostate status: it’s complicated.”

January 14 2014

January 08 2014

Four short links: 8 January 2014

  1. Launching the Wolfram Connected Devices Project — Wolfram Alpha is cognition-as-a-service, which they hope to embed in devices. This data-powered Brain-in-the-Cloud play will pit them against Google, but G wants to own the devices and the apps and the eyeballs that watch them … interesting times ahead!
  2. How the USA Almost Killed the Internet (Wired) — “At first we were in an arms race with sophisticated criminals,” says Eric Grosse, Google’s head of security. “Then we found ourselves in an arms race with certain nation-state actors [with a reputation for cyberattacks]. And now we’re in an arms race with the best nation-state actors.”
  3. Intel Edison — SD-card sized, with low-power 22nm 400MHz Intel Quark processor with two cores, integrated Wi-Fi and Bluetooth.
  4. N00b 2 L33t, Now With Graphs (Tom Stafford) — open science research validating many of the findings on learning, tested experimentally via games. In the present study, we analyzed data from a very large sample (N = 854,064) of players of an online game involving rapid perception, decision making, and motor responding. Use of game data allowed us to connect, for the first time, rich details of training history with measures of performance from participants engaged for a sustained amount of time in effortful practice. We showed that lawful relations exist between practice amount and subsequent performance, and between practice spacing and subsequent performance. Our methodology allowed an in situ confirmation of results long established in the experimental literature on skill acquisition. Additionally, we showed that greater initial variation in performance is linked to higher subsequent performance, a result we link to the exploration/exploitation trade-off from the computational framework of reinforcement learning.

January 02 2014

Auch 2014 wird Open Access auf der Tagesordnung stehen

Zehn Jahre nach der Berliner ­Erklärung über den ­offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen ist Open Access im politischen Raum angekommen. Ein Zweitveröffentlichungsrecht im Urheberrecht soll zukünftig die Position von Forschenden gegenüber Verlagen stärken. Doch es gibt weiter viel zu tun.

Vor zehn Jahren wurden die „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ von führenden Wissenschaftsorganisationen verabschiedet. In dem visionären Statement wird das Potenzial des Internets für die Wissenschaft skizziert. Zentrales Anliegen der Erklärung: Publikationen und Forschungsdaten sollen über das Netz entgeltfrei zugänglich und offen nachnutzbar gemacht werden.

Die „Berliner Erklärung“ war 2003 eine Antwort auf einen dysfunktionalen Publikationsmarkt, in dem die finanziellen und rechtlichen Bedingungen der Informationsversorgung durch Verlage diktiert werden. Ein Zustand, der die Innovationsfähigkeit der Wissenschaft bis heute bremst. Denn Wissenschaft lebt von Kommunikation. Der Zugriff auf die Ergebnisse der Scientific Community ist eine unabdingbare Grundlage für den wissenschaftlichen Fortschritt.

Doch selbst die reichsten Hochschulen der Welt, wie die Universität Harvard, sind nicht mehr in der Lange, die ständig steigenden Kosten für wissenschaftliche Zeitschriften zu tragen. Open Access, der offene Zugang zu qualitätsgesichertem wissenschaftlichem Veröffentlichen, will diese Situation überwinden. Für jeden Interessierten soll es möglich sein, die Ergebnisse der öffentlich geförderten Forschung zu rezipieren. Darüber hinaus eröffnet Open Access der digitalen Wissenschaft neue Möglichkeiten im Umgang mit Wissen und Information.

180 Open-Access-Repositorien nur in Deutschland

Auch wenn noch immer viele wissenschaftliche Ergebnisse auf kostenpflichtigen Verlagsplattformen versteckt sind, hat sich seit der Verabschiedung der Berliner Erklärung einiges getan. Nach einer Studie der Europäischen Kommission sind bereits bis zu 50 Prozent der wissenschaftlichen Publika­tionen frei im Netz verfügbar. Alleine in Deutschland werden 180 Open-Access-Repositorien an wissenschaftlichen Instituten betrieben. Auf diesen Datenbanken werden­ Publikationen, die in einer Verlagsveröffentlichung erschienen sind, nach einer Embargoperiode von sechs oder zwölf Monaten frei zugänglich gemacht.

Darüber hinaus gibt es eine rasant wachsende Zahl von Open-Access-Zeitschriften. Der Betrieb dieser Zeitschriften wird häufig von wissenschaftlichen Einrichtungen finanziert. Daneben gewinnt das Geschäftsmodell der Publikationsgebühr an Bedeutung. Hier zahlt eine Förder­organisation oder die Institution des ­Publizierenden eine Gebühr bei der Veröffentlichung eines begutachteten Artikels an den Verlag. Dank offener Lizenzen wird nicht nur der freie Zugang, sondern auch die Nachnutzung der Artikel in digitalen Forschungsumgebungen ermöglicht.

Die Wissenschaftsverlage haben den Wunsch nach Open Access längst erkannt. So kaufte zum Beispiel die renommierte Nature Publishing Group im Februar 2013 den von Forschenden gegründeten Frontiers-Verlag. Alleine der Wissenschaftsverlag Springer betreibt mittlerweile über 400 Open-Access-Zeitschriften. Und das Open-Access-Journal PLOS ONE ist mit 23.400 Artikeln im Jahr 2012 das größte wissenschaftliche Publikationsorgan.

Mit dem Wachstum von Open Access wird auch das Geschäftsverhältnis zwischen Wissenschaft und Verlagen auf neue Beine gestellt. Anliegen der Wissenschaft ist es, den Transformationsprozess von Subskription zu Open Access aktiv zu gestalten und den sich formierenden Open-Access-Publikationsmarkt im Sinne der Wissenschaft zu realisieren.

Politik entdeckt Open Access

Der Blick auf das Jahr 2013 zeigt, dass Open Access längst ein wissenschaftspolitisches Thema ist. Die US-Regierung erließ im Februar eine Verordnung, nach der die öffentlichen Forschungseinrichtungen Open Access in ihren Statuten verpflichtend verankern müssen. Publikationen müssen bis spätestens zwölf Monate nach Erscheinen auf einem Repositorium frei zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus soll auch die Nachnutzung der Forschungsdaten, die Grundlage der Publikationen sind, verbessert werden. Ähnliche Entwicklungen gibt es auf europäischer Ebene. Auch im kommenden Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 der EU wird Open Access verpflichtend verankert werden. Alle Publikationen, die ab 2014 in Horizon 2020 entstehen, müssen frei zugänglich gemacht werden.

In Deutschland hat die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ Anfang 2013 empfohlen, Open Access verpflichtend in der Forschungsförderung zu verankern. Auch die Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung betont in ihrem Jahresgutachten 2013 die Bedeutung von Open Access für die Innovationsfähigkeit Deutschlands. Denn der freie Fluss von Wissen und Information ist ein potenzieller Wachstumsmotor.

Vor allem urheberrechtliche Fragen

Laut einer 2013 veröffentlichten Studie zahlt sich Open Access in Deutschland auch volkswirtschaftlich aus, da zum Beispiel der Transfer der Forschungsergebnisse in die Wirtschaft verbessert wird. Vor diesem Hintergrund haben die G8-Staaten im Juni 2013 angekündigt, Open Access verstärkt fördern zu wollen. Die deutschen Wissenschaftsorganisationen arbeiten bereits seit 2008 in einer gemeinsamen Initiative an der Förderung von Open Access. 2013 hat etwa die Helmholtz-Gemeinschaft eine Open-Access-Richtlinie verankert und damit auf die genannten Empfehlungen reagiert.

Da aufgrund der jungen Geschichte des Themas Open-Access-Zeitschriften noch nicht in allen Disziplinen etabliert sind, gilt es aktuell, insbesondere die freie Zugänglichmachung von Publikationen über Open-Access-Repositorien zu fördern. Hier werden Forschende häufig mit urheberrechtlichen Fragen konfrontiert: Wann darf welche Version des Artikels auf das Repositorium gestellt werden? Um Forschenden Rechtssicherheit bei diesen Fragen zu geben, wurde 2013 nach langer Debatte ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht im Urheberrecht verankert.

Ein wichtiger Schritt, der jedoch nur wenige zufriedenstellt, da der enge Anwendungsbereich des Gesetzes an den Anforderungen der Wissenschaft vorbeigeht. So beschränkt sich die Regelung auf Publikationen, die im Rahmen der außeruniversitären und der drittmittelgeförderten Forschung entstehen. Diese Einschränkung wurde vom Bundesrat und den Wissenschaftsorganisationen als Diskriminierung von Forschenden an Hochschulen kritisiert. Die Länder haben bereits Nachbesserungen gefordert.

Die Diskussion um Open Access wird also auch 2014 auf der Tagesordnung stehen. Bis zur Realisierung der in der Berliner Erklärung beschriebenen ­Vision einer offenen Wissenschaft ist weiterhin noch viel zu tun. Packen wir es an.

Foto: Privat

Foto: Privat

Heinz Pampel arbeitet für das Open-Access-Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft am Deutschen Geo­Forschungszentrum GFZ. Er bloggt auf wisspub.net über Open Access und verwandte Themen der digitalen Wissenschaft.

Dieser Text ist im Rahmen des Heftes „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ erschienen. Sie können es für 14,90 EUR bei iRights.media bestellen. „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ gibt es auch als E-Book, zum Beispiel über die Affiliate-Links bei Amazon und beim Apple iBook-Store, oder bei Beam.

November 29 2013

Börsenverein: Offen verstecker Streit um Open Access

Ein heftiger Streit über den Umgang von Wissenschaftsverlagen mit Open Access bewegt derzeit den Börsenverein des deutschen Buchhandels. Die als Positionspapier formulierte Anregung, mit der Wissenschafts-Community neue Wege beim freien Zugang zu gehen, sorgt für Widerspruch.

Auslöser der Kontroverse ist ein Positionspapier (PDF), das der Verleger-Ausschusses des Börsenvereins vor gut einer Woche per Pressemitteilung veröffentlichte. Deklariert als „Meinung“, plädieren darin die Verfasser für einen „Neuanfang“ bezüglich der Rolle der Verlage beim „Zugang zu wissenschaftlichen Informationen“. Viele Verlage seien bereits in der Realität angekommen, würden Open Access als Publikationsmodell nutzen, heißt es in dem Papier, das zugleich fünf Herausforderungen an die Branche formuliert, etwa betreffend Qualitätssicherung und Referenzierbarkeit, Open Access in den Geisteswissenschaften und sinnvoller Finanzierungsmodelle.

Von diesen Formulierungen wie auch von der Veröffentlichung des Papiers selbst – es erschien anlässlich des zehnten Jahres der Berliner Erklärung zu Open Access  – zeigten sich einzelne Börsenvereinsmitglieder überrascht bis überrumpelt. Sie erklärten die Position als nicht abgestimmte Einzelmeinung, monierten eigenmächtiges Vorgehen. Das berichtete die FAZ am vergangenen Freitag (allerdings nur in der Druckausgabe). Mehr noch: Der Hamburger Verleger Manfred Meiner forderte wegen des vermeintlich isolierten Vorgehens des Verleger-Ausschuss-Vorsitzenden Matthias Ulmer öffentlich dessen Rücktritt.

Putschversuch und drohende Spaltung?

Dies veranlasste die FAZ dazu, von einem Putschversuch und drohender Spaltung des Börsenvereins zu schreiben. Seitdem sind der Börsenverein und seine Publikationsplattform Börsenblatt darum bemüht, den Streit auf der formalen Ebene zu lösen und die Diskussion intensiver inhaltlich zu führen. In mehreren Beiträgen und Kommentaren auf der Börsenblatt-Website  meldeten sich Beteiligte und Mitglieder zu Wort. So vermutet beispielsweise Meiner, dass der Verleger-Ausschuss dafür eintrete, Open Access solle künftig ohne Alternative bleiben. Dies wäre eindeutig eine „Kehrtwende in der Sache“, so Meiner.

Von einer solchen Verordnung zu Open Access oder auch Gleichschaltung sei überhaupt nicht die Rede, entgegnet dem der Geschäftsführer des De-Gruyter-Verlages, Sven Fund, in einem Interview mit dem Börsenblatt:

„Für mich ist die entscheidende Frage, welche Grundhaltung Verleger einnehmen: bestandswahrend oder kundenorientiert. Denn es ist die Nachfrage der Kunden – also beispielsweise der Bibliotheken –, die Open-Access-Publikationen wünschen.“

Seiner Auffassung nach sei Open Access auch keineswegs von der Verlagsgröße abhängig:

„Auch kleinere Verlage entscheiden sich für diesen Weg, weil sie sehen, wie sich die Marktbedingungen verändern. Auch sie fragen sich, wie man am besten mit der Wissenschaftler-Community und den Wissenschaftsorganisationen zusammenarbeitet. Open Access ist weltweit eine Realität der Wissenschaftskommunikation, je nach Disziplin wichtiger oder weniger wichtig. Von ihrem Verband können die Verleger Offenheit für Kundenbedürfnisse und die Innovationsfähigkeit ihrer Branche erwarten. Genau das hat der Verlegerausschuss in seiner ,Opinion‘ zum Ausdruck gebracht.“

Doch auch diese Stellungnahme des De-Gruyter-Chefs blieb nicht ohne Widerspruch. Kommentatoren werfen Fund ein aggressives Vorgehen in der Wissenschafts-Community vor. Er versorge sich durch Verlagszukäufe mit Erstveröffentlichungslizenzen zu Projekten, die maßgeblich durch Forschungsgelder finanziert seien – zum Nachsehen kleiner Verlage. Gleichwohl sind wieder andere Kommentatoren der Überzeugung, auch kleine Verlage müssten Open Access praktizieren, weil sie sonst mehr und mehr von der Wissenschaftsgemeinde ignoriert würden

Meinungsbildungsprozess in Verband und Öffentlichkeit führen

Mit einem weiteren Versuch, diese Wogen zu glätten, meldete sich vor drei Tagen der erst kürzlich ins Amt gewählte Vorsteher des Börsenvereins, Heinrich Riethmüller, per Pressemitteilung zu Wort. Dort verteidigt er zwar das Papier des Verleger-Ausschusses als eine „der Zukunft zugewandte Positionierung“. Doch er will die Veröffentlichung offenbar nicht als eine Art Dekret verstanden wissen, sondern als Anregung zur Diskussion über neue Wege, die Verlage gehen sollten:

 „Der Verband muss bei der Formulierung dieses neuen Weges den unterschiedlichen Wissenschaftsfakultäten mit ihren spezifischen Interessen Rechnung tragen. Diesem Anspruch sind wir beim Thema Open Access bisher nicht vollständig gerecht geworden. Jetzt kommt es darauf an, dass wir den Meinungsbildungsprozess in großer Offenheit und Sachlichkeit im Verband und der Öffentlichkeit weiter führen“, so Riethmüller.

Allerdings: öffentlich findet die Diskussion bisher nur auf der Website des Börsenvereins beziehungsweise des Börsenblatts statt. Anfragen von iRights.info an die Protagonisten des Streits blieben bisher alle unbeantwortet. Die Pressesprecherin des Börsenvereins, Claudia Paul, teilte uns mit, dass sich der Börsenverein zu Open Access in einem internen Diskussionsprozess befinde und es deshalb dazu öffentlich nichts zu sagen gebe.

November 19 2013

Fünf öffentliche Kultureinrichtungen unterzeichnen Berliner Erklärung zu Open Access

Heute treten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und vier weitere öffentliche Kultureinrichtungen der „Berliner Erklärung zu Open Access“ bei. Damit schließen sich nun auch renommierte deutsche Archive der international anerkannten Deklaration an – zehn Jahre nach deren Verabschiedung. Eine kommerzielle Nutzung ihrer Werke wollen die Einrichtungen allerdings nur gegen Bezahlung zulassen.

Neben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) unterzeichnen heute auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, das Bundesarchiv, das Deutsche Archäologische Institut und die Stiftung Jüdisches Museum Berlin die Erklärung. Damit schließen sich diese von Bund und  Ländern finanzierten Einrichtungen den bisher rund 450 Unterzeichnern aus aller Welt an – und dem erklärten Ziel, die Nutzung von digitalisiertem Kulturerbe in Wissenschaft und Bildung zu erleichtern.

Die Berliner Erklärung wurde am 22. Oktober 2003  von Open-Access-Aktivisten aus Wissenschaft und Gesellschaft ins Leben gerufen; seitdem hat sie international schnell an Unterstützung und Bedeutung gewonnen. Wenn sich jetzt auch fünf wichtige deutsche Gedächtnisorganisationen dazu bekennen, sollte das die Deklaration weiter aufwerten. Die 1957 gegründete Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat mit ihren 2.000 Mitarbeitern und fünf Einrichtungen, die alle Sparten der kulturellen Überlieferung repräsentieren, eine besondere Stellung: Sie ist der bundesweit größte Arbeitgeber im Kulturbereich und gilt international als eine der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art.

Nicht für kommerzielle Nutzung

Der Zeitpunkt des Beitritts ist bewusst gewählt: Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums der Berliner Erklärung findet heute und morgen eine weitere Folgekonferenz statt, die „Open Access Berlin 2013“ (bereits ausgebucht). Als einer der über 20 Redner ist Herrmann Parzinger angekündigt, Präsident der SPK. Er machte bereits im Vorfeld deutlich, dass die SPK in einem wichtigen Punkt von der Berliner Erklärung abweichen wird. In den Best-Practice-Empfehlungen der SPK heißt es:

Die Nutzung der Digitalisate für kommerzielle Zwecke erfolgt gegen Entgelt auf Basis von Creative Commons-Lizenzen.

Denn diese Einschränkung mit dem Gedanken der Berliner Erklärung vereinbar ist, ist seit ihrer Veröffentlichung durchaus umstritten.

Konkret heißt es in der Berliner Erklärung:

„Die Urheber und die Rechteinhaber solcher Veröffentlichungen gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird. (Die Wissenschaftsgemeinschaft wird, wie schon bisher, auch in Zukunft Regeln hinsichtlich korrekter Urheberangaben und einer verantwortbaren Nutzung von Veröffentlichungen definieren)“.

Weshalb Parzinger mit den Empfehlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz von diesem Gedanken bewusst abweicht, erläuterte er kürzlich in einer Pressemitteilung der SPK:

„Die Digitalisierung ihrer Bestände ist die große Zukunftsaufgabe für Kultureinrichtungen wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die neben die klassischen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln tritt. Dazu gehört es selbstverständlich auch, dieses Wissen allen Interessierten zugänglich zu machen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, setzen wir erhebliche Ressourcen ein und halten es deshalb für angemessen, für kommerzielle Nutzungen eine Gebühr zu erheben.“

Ob die Open Access-Bewegung dieser Refinanzierungs-Argumentation folgt, dürfte abzuwarten sein. In der Pressemitteilung äußert Parzinger die Hoffnung, mit den Empfehlungen weitere öffentliche Kultureinrichtungen davon überzeugen zu können, dass diese der Berliner Erklärung beitreten und die Prinzipien des Open Access anwenden.

Open-Access-Button ist online

… ein Bookmarklet zur Dokumentation von durch Paywalls verweigerten Zugriffen auf wissenschaftliche Literatur.

Der heutige Start des Services „Open Access Button” scheint in Deutschland etwas untergegangen sein, deswegen hier ein kurzer Verweis darauf. Wer sich unter openaccessbutton.org kostenlos registriert, kann ein Bookmarklet für die Lesezeichenliste seines Browsers herunterladen. Damit kann dann jederfrau und -mann fürderhin jedesmal, wenn man bei der Nutzung wissenschaftlicher Literatur auf eine Paywall trifft – sprich: keinen Zugriff auf benötigte wissenschaftliche Literatur hat, weil die eigene Einrichtung sich den Zugang nicht leisten konnte – diese Behinderung durch Klicken des Bookmarklets öffentlich kenntlich machen.

Das Ereignis wird dann auf einer öffentlichen Karte eingeblendet – inklusive Namen des Nutzers, der sich in seiner Recherche blockiert sah, sowie einer URL und gegebenenfalls eines weiteren Identifiers auf die verweigerte Information. Unterstützt werden die Browser Chrome, Firefox, Internet Explorer, Safari sowie der iPad-Browser. Die Entwicklung des Tools geht zurück auf eine Initiative von David Carroll und Joseph McArthur, sie wurde im Rahmen eines „BMJ Hack Weekends” vorangetrieben.

Die Zahl der berichteten Paywall-Hürden ist noch überschaubar – alles andere wäre angesichts der Tatsache, dass das Bookmarklet noch keinen ganzen Tag verfügbar ist, überraschend. Dennoch kann der Button ein sehr nützliches Werkzeug werden, um die Behinderung der Wissenschaft, die Closed Access mit sich bringt, zu dokumentieren. Dazu müssen zahlreiche  Wissenschaftler das Bookmarklet nutzen. Vielleicht ergibt sich diese Nutzung wie von selbst, wenn die konventionellen Wissenschaftsverlage ihre Pläne durchsetzen können und es ihnen gelingen sollte, einige eigentlich Open-Access-freundliche US-Gesetzesinitiativen zu untergraben – wie SPARC berichtet durch die Implementierung äußerst ausgedehnter Embargos für die Verfügbarmachung von Dokumenten nach dem Green-Road-Modell für Open Access.

Mehr zum Open Access Button in …

Dieser Beitrag ist ein Crosspost von Scinoptica. Lizenz: CC BY.

November 01 2013

Open Access in Berlin: Zwei Gespräche und eine Ausstellung der Max-Planck-Gesellschaft

Soll das Wissen in Museen und Sammlungen frei im Netz zugänglich sein? Dieser Frage widmet sich die Berliner „Science Gallery” der Max-Planck-Gesellschaft mit einer rund vierwöchigen Veranstaltungsreihe. Begleitend zu einer ständigen Ausstellung finden zwei Podiumsdiskussionen statt.

Museen, Archive und Bibliotheken sind die traditionellen Orte, Wissen zu speichern. Was bedeutet „Open Access“ für sie? Welche Regeln und Regelungen wären notwendig? Aus Anlass des zehnten Jahrestages der „Berliner Erklärung“ gibt es in der Max Planck Science Gallery am Berliner Gendarmenmarkt vom 25. Oktober und bis zum 23. November die Reihe „30 Tage für Open Access“. Matthias Spielkamp, Projektleiter bei iRights.info, moderiert die Podiumsgespräche. (Eintritt frei, Anmeldung erbeten bei <mpgberlin at gv.mpg.de>).

Am 4.11.2013 um 19 Uhr heißt esKulturgut im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit. Was bringt Open Access Museen und Sammlungen?“. Es diskutieren Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Jürgen Renn, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte:

Mit Open Access verbunden sind nicht nur praktische Probleme der Datenerfassung, sondern auch die Angst, dass die neue digitale Museumswelt in Konkurrenz tritt mit dem Original. Wo bleibt die Aura des Objekts? Kommen Besucher noch ins Museum, wenn alles digital verfügbar ist? Viele Museen stellen sich der Herausforderung und beginnen digitale und analoge Präsentationen kreativ miteinander zu verbinden. Was ist zukunftstauglich? Welche Rolle spielt das Museums in einer digitalisierten Welt, und kann Open Access den Wert von Sammlungen als Wissensspeicher auch unterstützen?

Am 18.11.2013 um 19 Uhr geht es um die Frage, ob Open Access die Position der Bibliotheken stärkt oder noch mehr Arbeit auf sie zukommt: „Who’s afraid of red tape? Open Access for a next generation science library”.

Vielfach sind die Bibliotheken noch nicht einmal auf dem aktuellen Stand der Technik angekommen. Zu wenige Ressourcen, schwierige Sammlungsgeschichten und die zunehmende Flut von Publikationen lassen die angestammten Wissensspeicher oft als Nachzügler erscheinen.

Darüber sprechen Jens Vigen, Leiter der Forschungsbibliothek am Forschungszentrum CERN und Richard E. Luce, Dekan der Bibliotheken der University of Oklahoma.

Seit dem 25.10.2013 ist in der Science Gallery auch die ständige Ausstellung „Wissen für alle” zu sehen. Sie handelt von der Welt des wissenschaftlichen Publizierens, der Globalisierung von Wissen und der Entwicklung der Open-Access-Bewegung. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr, Montag und feiertags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Bildungsministerium: „Das Urheberrecht muss der Wissenschaft dienen”

Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hat sich in den letzten Jahren in der Diskussion um Open Access zurückgehalten. Nun gibt es erfreuliche Nachrichten: Eine Website wirbt seit heute für Open Access.

Unter dem Motto „Open Access: Das Urheberrecht muss der Wissenschaft dienen” informiert das Ministerium über Open Access und stellt die Ergebnisse seines strategischen Dialogs zum Thema „Wissenschafts- und innovationsfreundliches Urheberrecht für die digitale Wissensgesellschaft” unter einer offenen Lizenz (CC-BY-ND) zur Verfügung (PDF).

Bereits im Juni hat das BMBF im Rahmen des G8 Science Ministers Statement den offenen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen und Forschungsdaten gewürdigt. Zur Rolle des Wissenschaftsministeriums beim Thema Open Access heißt es auf der neuen Website:

Aufgabe der Forschungs- und Innovationspolitik ist es, Rahmenbedingungen zu schaffen, die die Entstehung von Wissen, seinen Austausch und seine Zirkulation fördern. Ein ungehinderter Wissensfluss ist Grundvoraussetzung für exzellente und innovative Forschung, aber auch für den Transfer der Ergebnisse in Produkte und Dienstleistungen – zum Nutzen der gesamten Gesellschaft. Daher setzt sich auch das Bundesministerium für Bildung und Forschung für mehr Open Access ein.

Auch wird das Zweitverwertungsrecht für wissenschaftliche Autorinnen und Autoren beworben. Die Regelung in Paragraf 38 Absatz 4 Urheberrechtsgesetz tritt zum 01.01.2014 in Kraft. Über die Regelung wurde sieben Jahre lang gestritten. Zukünftig hat „[d]er Urheber eines wissenschaftlichen Beitrags, der im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung erschienen ist, [..] auch dann, wenn er dem Verleger oder Herausgeber ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt hat, das Recht, den Beitrag nach Ablauf von zwölf Monaten seit der Erstveröffentlichung in der akzeptierten Manuskriptversion öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies keinem gewerblichen Zweck dient. Die Quelle der Erstveröffentlichung ist anzugeben. Eine zum Nachteil des Urhebers abweichende Vereinbarung ist unwirksam.“ (Bundesgesetzblatt vom 8.10.2013)

Vielen Vertreterinnen und Vertretern aus der Wissenschaft geht die Regelung nicht weit genug. Auch die Länder fordern weitere Anpassungen. In einer Pressemitteilung des Bundesrats zur Billigung des Gesetzes heißt es:

Der Bundesrat macht in einer begleitenden Entschließung jedoch zugleich deutlich, dass die von ihm in den vergangenen Jahren formulierten Anforderungen an ein wissenschaftsadäquates Urheberrecht noch nicht vollständig aufgegriffen wurden.

Das Aktionsbündnis „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft” gibt konkrete Handlungshinweise. Es hat diesen Monat zehn Forderungen an die künftige Bundesregierung gegen den “Reformstau beim Wissenschaftsurheberrecht” veröffentlicht.

In ihren Wahlprogrammen haben sowohl Union als auch SPD eine stärkere Förderung von Open Access angekündigt. So kündigte z.B. die Union an, bei einem Wahlsieg „zusammen mit der Wissenschaft eine sogenannte ‚Open-Access-Strategie’“ entwickeln zu wollen (PDF). Und die SPD stellte in ihrem Programm die Arbeit an einem „bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht“  (PDF) in den Fokus.

Spannend wird nun sein, welche konkreten Maßnahmen im Koalitionsvertrag aufgegriffen werden.

Zuerst erschienen bei wisspub.net, Lizenz: CC BY.

September 20 2013

Abmahnbremse, verwaiste Werke, Zweitveröffentlichungen: Bundesrat winkt Gesetzesänderungen durch

Abmahnungen sollen für Nutzer nur noch 155,30 Euro kosten, Bibliotheken und andere Einrichtungen können Werke ohne klaren Rechtsinhaber online stellen, Wissenschaftler ihre Artikel frei im Netz veröffentlichen. Der Bundesrat winkte heute Änderungen am Urheberrecht durch. Doch überall lauern gewichtige „Wenns” und „Abers“.

Zwei Tage vor der Bundestagswahl hat der Bundesrat heute mehreren Gesetzesänderungen zugestimmt, die die schwarz-gelbe Koalition auf den Weg gebracht hat. Die Regierung hatte sich Zeit gelassen: Die Deckelung der Abmahnkosten hing lange fest; von weiteren, als „Dritter Korb” angekündigten Reformen blieb kaum etwas übrig. Zwar hatten die Länder an den neuen Regelungen Kritik geäußert, am Ende aber stimmten sie diesen nun zu. Drei Regelungen haben damit den Weg durch den Bundesrat genommen.

1. Die Abmahndeckelung

Um die Abmahnindustrie beim Filesharing einzudämmen, will das „Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken” die Kosten deckeln: Der Streitwert bei der ersten Abmahnung wird auf 1000 Euro begrenzt, Nutzer müssten dann höchstens 155,30 Euro zahlen, sofern es beim außergerichtlichen Verfahren bleibt. Landet der Fall vor Gerichten, gilt die Regel nicht.

Weitere Änderungen kommen hinzu: Der „fliegende Gerichtsstand” bei Urheberrechtsabmahnungen wird eingeschränkt. Bislang konnten sich Abmahner ein für sie als günstig bekanntes Gericht aussuchen; jetzt wird der Wohnort des beklagten Nutzers maßgeblich sein. Pauschalsummen sind in Filesharing-Abmahnungen nicht mehr erlaubt: Was Anwaltsgebühr und was Schadensersatz ist, müssen die Abmahner einzeln aufschlüsseln. Bei Missbrauch soll der Nutzer einen Gegenanspruch erhalten.

Wenn & Aber: „Besondere Umstände”

Ganz neu ist die Idee der Abmahndeckelung nicht. Tatsächlich ist eine ähnliche Regelung schon seit 2008 in Kraft. Auch diese sollte Abmahnungen eindämmen, blieb aber de facto wirklungslos. Die große Koalition hatte die Anwaltskosten sogar auf 100 Euro begrenzt – in „einfach gelagerten Fällen mit einer nur unerheblichen Rechtsverletzung außerhalb des geschäftlichen Verkehrs”. Doch was im Gesetz als Ausnahme erschien, wurde zur Regel: Die Gerichte sahen Filesharing-Fälle meist nicht als „unerheblich” an und unterstellten „gewerbliches Ausmaß”.

SPD, Linke und Grüne kritisieren, auch das neue Gesetz weise Hintertüren auf. Denn die 1000-Euro-Regel zum Streitwert gilt nicht, wenn „dieser Wert nach den besonderen Umständen des Einzelfalles unbillig“ ist, wie es im Gesetz heißt. Auch wo urheberrechtlich geschützte Werke für „gewerbliche oder selbständige berufliche Tätigkeit” verwendet werden, gilt sie nicht. Der Bundesrat wollte das eigentlich ändern. Seine Vorschläge: 500 Euro Streitwert, keine Hintertür für besondere Umstände; sonst werde das Problem nicht behoben, sondern lediglich in neuem Gewand fortgeschrieben – heißt es in einem Beschluss im Mai (PDF). Nun stimmte er dennoch zu.

2. Verwaiste und vergriffene Werke

Für Digitalisierungsprojekte wie die Europeana und die Deutsche Digitale Bibliothek ist es ein häufiges Problem: Sie können Werke, deren Rechteinhaber nicht bekannt oder nicht mehr auffindbar sind, nicht nutzen. Sie dürfen sie daher weder digitalisieren noch online stellen. Die Bundesregierung setzt mit der Regelung für verwaiste Werke eine EU-Richtlinie um, die letzten Herbst beschlossen wurde. Öffentliche Einrichtungen wie Archive, Bibliotheken oder öffentlich-rechtliche Sender dürfen verwaiste Werke nun im Netz verfügbar machen, sofern sie „sorgfältig” nach Rechteinhabern gesucht haben. Auch vergriffene Werke, die vor 1966 erschienen sind, werden von der neuen Regelung umfasst. Die Rechte für diese Werke werden bei Verwertungsgesellschaften gebündelt, auch für solche, bei denen das ursprünglich nicht vereinbart war.

Wenn & Aber: Wer ist dabei, was ändert sich?

Die Grundzüge des Gesetzes sind durch die EU-Richtlinie vorgegeben, für wesentliche Änderungen durch die Koalition war es damit bereits zu spät. Eine der Kritiken: Die Regelung hält den Kreis der „privilegierten Institutionen”, die die Werke nutzen dürfen, klein. Kommerzielle Nutzungen – darunter in der Wikipedia – sind nicht erlaubt. In der Praxis werde sich an den Problemen von Archiven, Bibliotheken und Museen wenig ändern, schrieb etwa Paul Klimpel bei iRights.info. Die Änderungswünsche des Bundesrats im ersten Durchgang beschränkten sich auf Details (PDF).

3. Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler

Auch das Zweitveröffentlichungsrecht für Wissenschaftler wurde bereits seit vielen Jahren diskutiert. Haben Wissenschaftler die Rechte für Veröffentlichungen an einen Verlag abgetreten, dürfen sie ihre Artikel nicht gleichzeitig auf der Website der Universität oder bei einem Online-Repository anbieten. Das neue Zweitveröffentlichungsrecht erlaubt Wissenschaftlern diese Nutzung unter bestimmten Bedingungen. Es beschreitet damit die sogenannte „Green Road“ für Open Access. Bei der „Golden Road” steht bereits die Erstveröffentlichung in einem Journal unter Open-Access-Konditionen.

Wenn & Aber: Nicht für alle, ein Jahr warten

Mit der jetzt verabschiedeten Regelung hat sich die Koalition wenig Freunde gemacht: Gleich von zwei Seiten schlägt ihr Widerstand entgegen. Während Wissenschaftsverlage ihr Geschäftsmodell bedroht sehen und mit der Wissenschaftsfreiheit argumentieren, sehen sich in der Wissenschaftscommunity viele mit Minimalfortschritten abgespeist. Das „Aktionsbündnis Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft“ forderte zuletzt sogar, ganz auf die Regelung zu verzichten. „Eine Ablehnung des Bundesrats zum jetzigen Zeitpunkt eröffnet die Chance, in der nächsten Legislaturperiode das Zweitverwertungsrecht neu zu formulieren und in einen größeren Kontext zu stellen”, hieß es in einer Erklärung. Das stieß jedoch auch auf Kritik; nicht alle Wissenschaftsorganisationen unterstützen die Position.

Kern der Kritik aus der Wissenschaft: Das neue Recht gilt nicht für alle Wissenschaftler, sondern nur für Arbeiten aus drittmittel-finanzierter und außeruniversitärer Forschung, sofern öffentliche Gelder dahinterstehen. Wenn aber das Zweitveröffentlichungsrecht von der Drittmittel-Quote der Einrichtungen und Fachbereiche abhänge, dann entstehe eine Dreiklassengesellschaft, kritisierte der Bundesrat im Mai (PDF) und wollte das Recht auf alle Wissenschaftler an öffentlich finanzierten Hochschulen ausweiten.

Ebenfalls sollte die Embargofrist von 12 auf 6 Monate verkürzt werden, neben Zeitschriftenartikeln auch Sammelbände von der Regel umfasst sein. Am Ende empfahl der Rechtsausschuss dennoch die Zustimmung, wenn auch mit zusätzlicher Forderung nach wissenschaftsfreundlicheren Regelungen. Dem hat sich der Bundesrat nun angeschlossen.

September 13 2013

Bundesrat: Ausschüsse kritisieren Zweitveröffentlichungs-Entwurf – und empfehlen Zustimmung

Der Rechtsausschuss sowie der Ausschuss für Kulturfragen des Bundesrates erheben ihren Zeigefinger, da die Gesetzesänderungen der Koalition beim Zweitveröffentlichungsrecht nicht weit genug gingen. Gleichzeitig legen sie dem Bundesrat die Zustimmung nah.

Am 20. September wird es im Bundesrat um Urheberrechtsreformen gehen. Eine vom Bundestag beschlossene Gesetzesvorlage für ein „Gesetz zur Nutzung verwaister und vergriffener Werke und einer weiteren Änderung des Urheberrechtsgesetzes” wird das Gremium dann erreichen. Der Rechtsausschuss und der Ausschuss für Kulturfragen haben nun Empfehlungen an den Bundesrat vorgelegt.

Darin kritisieren die Ausschussmitglieder, das vorgesehene Zweitveröffentlichungsrecht für wissenschaftliche Autoren sei zu eng gefasst, zudem ändere sich an den kleinteiligen Regeln für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke in Bildungseinrichtungen nichts. Im Wortlaut heißt es in der Empfehlung an den Bundesrat, er möge folgende Haltung einnehmen:

„Der Bundesrat erwartet von der neuen Bundesregierung, dass in Abstimmung mit den Ländern umgehend nachhaltige Regelungen für die Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke im Intranet von Schulen, Hochschulen und Forschungseinrichtungen erarbeitet werden; dabei sollte eine, die bisherigen Regelungen in den §§ 52a, 52b und 53a UrhG ersetzende und möglichst allgemein gefasste Schrankenbestimmung angestrebt werden.“

Diese Forderung nach einer generellen Bereichsausnahme für Wissenschaft und Bildung ist gewiss auch vor dem Hintergrund zu sehen, dass die Bundesländer für Bildung und Forschung zuständig sind und diese über ihre jeweiligen Kultushaushalte finanzieren müssen. Das Interesse der Länder trifft mit dem der Bildungseinrichtungen an umfassenderen Schrankenregelungen zusammen, während der Bund womöglich eher auf die Interessen der deutschen Verlagswirtschaft eingeht.

Länder zu weitergehenden Änderungen bereit

Zum Zweitveröffentlichungsrecht – zuletzt auch beim Urheberkongress in Berlin heftig umstritten – solidarisieren sich die Ausschussmitglieder im Grunde mit den Positionen, die das Aktionsbündnis Urheberrecht und das Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht vertreten. Der Bundesrat hatte weitergehende Änderungen bereits gefordert (PDF), die Ausschüsse verweisen auf seine Haltung:

„Der Bundesrat stellt fest, dass § 38 Absatz 4 Satz 1 UrhG-neu, dessen Anwendungsbereich sich zumindest im Wege einer verfassungskonformen Auslegung auch auf das gesamte, an den Hochschulen beschäftigte wissenschaftliche Personal erstrecken muss, dem begünstigten Personenkreis ein vertraglich nicht abdingbares Recht auf Zweitveröffentlichung eröffnet. Der Bundesrat bekräftigt seine Auffassung, dass eine dem europäischen Stand der Diskussion entsprechende Gesetzesfassung eine in der Regel sechsmonatige Embargofrist sowie eine Anwendung der Norm auch auf nur einmal jährlich erscheinende Sammlungen vorgesehen hätte; … “

Unterm Strich stellen der Rechtsausschuss sowie der Ausschuss für Kulturfragen der Gesetzesvorlage des Bundestages also eine schlechte Quittung aus. Nach dem Motto: Gute Idee, aber mangelhaft und nicht zeitgemäß umgesetzt. Doch mit ihrer Empfehlung an den Bundesrat, keinen Vermittlungsausschuss einzuberufen, raten sie dem Bundesrat indirekt dennoch, die Gesetzesvorlage durchzuwinken. Folgt der Bundesrat der Empfehlung, stimmt er also einem Gesetz zu, dessen Reformvorhaben er sofort wieder reformiert sehen will.

Ob das noch politischer Pragmatismus oder schon praktizierter Irrationalismus ist, hängt wohl dem Blickwinkel des Betrachters ab.

June 28 2013

Zweitveröffentlichungsrecht: Die Richtung stimmt, die Details enttäuschen

Gleichsam in letzter Minute hat der Bundestag am Donnerstag ein Zweitveröffentlichungsrecht für wissenschaftliche Urheber beschlossen. Heinz Pampel bewertet den Beschluss aus Sicht der Wissenschaft und die weiteren Aussichten für Open Access.

Der Bundestag hat gestern mit der Mehrheit von Union und FDP die Einführung eines Zweitveröffentlichungsrechts beschlossen. Der Wortlaut des Beschlusses ist wie folgt: Zukünftig hat

Der Urheber eines wissenschaftlichen Beitrags, der im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln geförderten Forschungstätigkeit entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung erschienen ist, [..] auch dann, wenn er dem Verleger oder Herausgeber ein ausschließliches Nutzungsrecht eingeräumt hat, das Recht, den Beitrag nach Ablauf von zwölf Monaten seit der Erstveröffentlichung in der akzeptierten Manuskriptversion öffentlich zugänglich zu machen, soweit dies keinem gewerblichen Zweck dient. Die Quelle der Erstveröffentlichung ist anzugeben. Eine zum Nachteil des Urhebers abweichende Vereinbarung ist unwirksam.“ (BT-Drucksache 17/13423)

Enttäuschend ist, dass die Änderungswünsche der Wissenschaftsorganisationen und des Bundesrates am Zweitverwertungsrecht nicht berücksichtigt wurden. Problematisch ist insbesondere der enge Anwendungsbereich des Gesetzes:

So fokussiert das verabschiedete Zweitveröffentlichungsrecht nur auf Publikationen, die im Rahmen der außeruniversitären und der drittmittelgeförderten Forschung entstehen. Diese Einschränkung wurde vom Bundesrat und von der Allianz der Wissenschaftsorganisationen als Diskriminierung von WissenschaftlerInnen an Hochschulen kritisiert.

Auch geht eine Embargofrist von zwölf Monaten an den Bedürfnissen der mathematischen, naturwissenschaftlichen und technischen Fächer vorbei. Weiter sind Artikel in Sammelwerken, die nicht zweimal jährlich erscheinen, ausgeschlossen. Darüber hinaus darf nur die Manuskriptversion eines Artikels auf dem Repositorium veröffentlicht werden.

Diese Einschränkungen im Zweitverwertungsrecht wurden bereits Anfang des Monats in einer Anhörung im Rechtsauschuss erörtert. Dort sprach sich die Mehrheit der ExpertInnen für eine Verankerung des Zweitveröffentlichungsrechts aus und kritisierte die vorgesehenen Beschränkungen.

Oppositionsanträge abgelehnt

Anträge der Oppositionsparteien, die stärker auf die Bedürfnisse der Wissenschaft fokussiert waren, wurden in der gestrigen Plenardebatte abgelehnt. Begrüßenswert ist, dass Union und FDP begleitend zum Zweitverwertungsrecht noch einen Entschließungsantrag auf den Weg gebracht haben, der das Thema umfassender angeht. Aus Sicht der Verlagsseite handelt es sich bei diesem Antrag um „ideologische[n] Ballast”, desen Umsetzung „auf eine Gängelung der Wissenschaftler hinausläuft.“

Linke und SPD kritisieren die unbefriedigende Umsetzung des Zweitveröffentlichungsrechts in öffentlichen Stellungnahmen: Der Berichterstatter der SPD-Bundestagsfraktion spricht von einem „Trauerspiel“ und einem „untauglichen Gesetz“. Für die Linke ist es „unverständlich, dass dieses Vorhaben so lange in Schubladen schlummerte und nun keine Zeit mehr für eine fundierte Weiterentwicklung bleibt.“ Die Grünen hatten bereits im April die Benachteiligung wissenschaftlicher AutorInnen an den Universitäten kritisiert.

Alle wollen weitere Schritte

Spannend wird nun die Diskussion im Wahlkampf werden: Das Thema Open Access ist in allen Parteiprogrammen verankert. Die Union will bei einem Wahlsieg „zusammen mit der Wissenschaft eine sogenannte ‚Open-Access-Strategie’ entwickeln“ (PDF), die FDP will Open Access in den Förderungsrichtlinien verankern (PDF), die SPD will weiter an einem „bildungs- und wissenschaftsfreundliches Urheberrecht“ arbeiten (PDF), die Grünen wollen neben der Förderung von „Open Access und Open Data im Wissenschaftsbereich“ „eine umfassende Wissenschaftsschranke“ einführen sowie Open Access „zur verpflichtenden Bedingung“ bei der Forschungsförderung machen (PDF). Die Linke stellt Offenheit als Paradigma der „modernen“ Wissenschaft in den Fokus und möchte durch eine „verpflichtende Open-Access-Veröffentlichung“ „Wissen, das mit Steuermitteln erarbeitet wurde“ grundsätzlich offen zugänglich machen.

Mit Blick auf diese Vorhaben der Parteien ist das Zweitveröffentlichungsrecht, so der Börsenverein, ein „schlechtes Vorzeichen für die kommende Legislaturperiode, in der sich das Ringen um ein akzeptables Urheberrecht für den Bereich Bildung und Wissenschaft wohl fortsetzen wird.“ Aus Sicht der Wissenschaft bleibt zu hoffen, dass die Befürchtungen der Verlage eintreten und so zukünftig deutlich mehr Dynamik in die Diskussion kommt. Mit den Vorgaben der Internet-Enquete gibt es eine parteiübergreifende Vorstellung zur weiteren Umsetzung von Open Access. Diese gilt es im Dialog mit der Wissenschaft zu realisieren.

Zuerst veröffentlicht bei wisspub.net. Lizenz: CC BY.

Reposted bypaket paket

June 19 2013

16-Jähriger entwickelt Krebstest dank Open-Access-Material

Der 16-Jährige US-Amerikaner Jack Andraka hat einen neuen Krebstest entwickelt, der bei 100prozentiger Trefferquote rund 168 Mal schneller und 400 Mal empfindlicher sein soll als bisherige Testmethoden, bei einem  26.000stel der Kosten. Die National Institutes of Health (NIH) präsentieren den Forschungserfolg des Zehntklässlers als direkte Folge von Open Access, da er offenbar vollständig auf frei verfügbaren Forschungsergebnissen beruht.

Der neue Schnelltest für Bauchspeicheldrüsen-, Eierstock- und Lungenkrebs befindet sich in klinischen Tests und ist das Projekt, mit dem der Schüler den International Science and Engineering Fair 2012 gewonnen hat. Der internationale vor-universitäre Forschungswettbewerb wird von Intel gefördert; auch Jugend forscht gehört als deutscher Ableger dazu.

Im Videointerview mit Francis Collins, Direktor der NIH, berichtet Andraka, wie er anhand von Suchbegriffen Material gesichtet und sich durch die Verweise der verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen gearbeitet habe. Dabei sei er immer wieder auf Paywalls gestoßen, die bis zu 40 US-Dollar pro Zugriff verlangt hätten. Er habe dann per Suchmaschine oft frei zugängliche Fassungen der Publikationen bei PubMed.gov finden können, dem Open-Access-Verzeichnis der NIH. Alle durch die NIH geförderten Forschungsvorhaben müssen ihre Ergebnisse spätestens 12 Monate nach Erscheinen bei PubMed für den Zugriff freigeben.

Beide sind sich am Ende einig, dass das am 9. Mai 2013 von US-Präsident Obama erlassene Dekret zur standardmäßigen Öffnung aller Regierungsinformationen und die damit verbundene Open-Data-Policy (PDF) in die richtige Richtung weisen. Obama hat darin formlos festgelegt, dass Daten- und Informationsmaterial der Regierungsstellen der USA unter freien Lizenzen, in freien Formaten und in maschinenlesbarer Form frei gegeben werden sollen. Alles andere solle die Ausnahme sein.

April 15 2013

Wochenrückblick: Online-Videorekorder, verwaiste Werke, Filesharing-Entscheidung

Der Bundesgerichtshof entscheidet erneut im Streit über Online-Videorekorder, das Kabinett beschließt Urheberrechtsänderungen bei verwaisten Werke und Zweitveröffentlichung, die BGH-Entscheidung zur Elternaufsicht beim Filesharing liegt jetzt vor. Außerdem im Wochenrückblick: Das Bundesverfassungsgericht ordnet Plätze für ausländische Medien im NSU-Prozess an, der Bundesgerichtshof erlaubt Einwilligungen in Werbeanrufe per AGB.

Bundesgerichtshof entscheidet erneut über Internet-Videorekorder

Der Bundesgerichtshof hat am Donnerstag entschieden, dass das Angebot der Internet-Videorekorder Shift-TV und Save-TV in das Recht der Privatfernsehsender RTL und Sat1 auf Weitersendung ihres Programms eingreift. Offen blieb allerdings, ob die Fernsehsender den Anbietern der Online-Videorekorder eine Lizenz einräumen müssen. Nach § 87 Abs. 5 UrhG können Sendeunternehmen verpflichtet sein, Dritten Lizenzen einzuräumen. Auf diesen Zwangslizenzeinwand hatten sich die beklagten Betreiber berufen, weshalb die Instanzgerichte hätten prüfen müssen, ob die Voraussetzungen dafür vorliegen. Da dies nicht geschehen war, verwies der Bundesgerichtshof den Streit zurück an das Oberlandesgericht Dresden.
Zur Pressemeldung des BGH.
Hintergründe bei Telemedicus.
iRights.info zu den Hintergründen des Streits.

Kabinett beschließt Gesetz über verwaiste Werke und Open Access

Die Bundesregierung hat sich vergangene Woche auf einige Änderungen des Urheberrechtsgesetzes geeinigt, die Regelungen zu verwaisten Werken und einen vorsichtigen Schritt in Richtung Open Access vorsehen. Mit dem Gesetzesentwurf soll die Richtlinie der Europäischen Union über verwaiste Werke in deutsches Recht umgesetzt werden. Danach sollen Werke, deren Urheber nicht mehr auffindbar sind, durch bestimmte Organisationen wie Bibliotheken und Bildungseinrichtungen genutzt werden dürfen, wenn diese eine sorgfältige Suche nach den Urhebern durchführen. Außerdem sollen wissenschaftliche Werke, die überwiegend aus öffentlichen Geldern finanziert wurden, im Internet zweitveröffentlicht werden dürfen.
Die Meldung zum Beschluss der Bundesregierung bei Heise online.
Eine Besprechung einer früheren, weitgehend identischen Version des Gesetzesentwurfes.
Analyse der Regelungen zu verwaisten Werken bei iRights.info.

Bundesgerichtshof zur elterlichen Aufsicht bei Filesharing

Bereits im November letzten Jahres hat der BGH über die Haftung von Eltern für ihre Kinder beim Filesharing entschieden. Vergangene Woche hat der BGH nun die Entscheidungsgründe im Volltext veröffentlicht. Als Inhaber eines Internetanschlusses haften Eltern demnach nur, wenn sie ihre elterliche Aufsichtspflicht verletzen. Dabei seien Eltern jedoch nicht verpflichtet, ihre Kinder ohne konkreten Anlass lückenlos zu überwachen. Die Anforderungen an die Aufsichtspflicht richteten sich nach der Vorhersehbarkeit des schädigenden Verhaltens. Wer sein Kind über rechtmäßiges Verhalten im Internet aufkläre, müsse nur dann weitergehende Maßnahmen zur Überwachung seiner Kinder einsetzen, wenn es konkrete Hinweise darauf gebe, dass eine solche Belehrung bei dem eigenen Kind nicht ausreicht.
Urteilsbesprechung bei Telemedicus.
Die Entscheidung Az. I ZR 74/12 – Morpheus – im Volltext.

Verfassungsgericht ordnet Plätze im NSU-Prozess an

Das Oberlandesgericht München muss im anstehenden Prozess um die NSU-Terrorzelle zusätzliche Plätze für Pressevertreter ausländischer Medien schaffen. Das hat das Bundesverfassungsgericht im Wege einer einstweiligen Anordnung in der vergangenen Woche entschieden. Türkische Pressevertreter hatten sich in ihren Rechten verletzt gesehen, weil sie bei der Vergabe für das beschränkte Platzkontingent während des NSU-Prozesses leer ausgegangen waren. Das Oberlandesgericht München hatte die Plätze nach dem „Windhundprinzip” an die Journalisten vergeben, die sich am schnellsten akkreditiert hatten. Ob dieses Vergabeverfahren verfassungsgemäß war, ließ das Verfassungsgericht jedoch offen. Es wägte lediglich die Folgen seiner Entscheidung ab.
Der Beschluss des Verfassungsgerichts im Volltext.
Eine Besprechung der Entscheidung von Jens Ferner.

BGH zur Einwilligung in Werbeanrufe bei Geschäftsbedingungen

Vergangene Woche hat der Bundesgerichtshof eine Entscheidung vom November 2012 im Volltext veröffentlicht, in der er sich mit der Frage befasst, ob eine Einwilligung in Werbeanrufen auch im Rahmen von Allgemeinen Geschäftsbedindungen (AGB) erfolgen kann. Dies sei möglich, so der BGH. Der Gesetzgeber habe ein Opt-In-Prinzip für Werbeanrufer an Verbraucher vorgesehen. Dies setze voraus, dass „im modernen Geschäftsleben praktikable Möglichkeit besteht”, eine erforderliche Einwilligung auch einzuholen. Soweit der BGH bisher anderes entschieden habe, halte er an dieser Rechtsauffassung nicht mehr fest.
Die Entscheidung des BGH Az. I ZR 169/10 im Volltext.
Ausführlich bei Thomas Stadler.

Lizenz dieses Artikels: CC BY-NC-SA. Foto: Horia VarlanCC BY

Reposted byhexxe hexxe

April 02 2013

Four short links: 2 April 2013

  1. Analyzing mbostock’s queue.js — beautiful walkthrough of a small library, showing the how and why of good coding.
  2. What Job Would You Hire a Textbook To Do? (Karl Fisch) — notes from a Discovery Education “Beyond the Textbook” event. The issues Karl highlights for textbooks (why digital, etc.) are there for all books as we create this new genre.
  3. Neutralizing Open Access (Glyn Moody) — the publishers appear to have captured the UK group implementing the UK’s open access policy. At every single step of the way, the RCUK policy has been weakened. From being the best and most progressive in the world, it’s now considerably weaker than policies already in action elsewhere in the world, and hardly represents an increment on their 2006 policy. What’s at stake? Opportunity to do science faster, to provide source access to research for the public, and to redirect back to research the millions of pounds spent on journal subscriptions.
  4. Turn the Raspberry Pi into a VPN Server (LinuxUser) — One possible scenario for wanting a cheap server that you can leave somewhere is if you have recently moved away from home and would like to be able to easily access all of the devices on the network at home, in a secure manner. This will enable you to send files directly to computers, diagnose problems and other useful things. You’ll also be leaving a powered USB hub connected to the Pi, so that you can tell someone to plug in their flash drive, hard drive etc and put files on it for them. This way, they can simply come and collect it later whenever the transfer has finished.

March 14 2013

02mydafsoup-01

http://woerterbuchnetz.de/

March 13 2013

Open Access: Fachgesellschaften in der Kritik

Die Fachgesellschaften der wissenschaftlichen Disziplinen tun sich mit dem freien und offenen Zugang zu Publikationen häufig schwerer als so mancher Großverlag. Ein Boykott-Aufruf gegen die „Association for Computing Machinery” könnte nun einen Wandel anstoßen.

Wissenschaftliche Fachgesellschaften dienen im Allgemeinen der politischen und wissenschaftspolitischen Interessensvertretung ihrer Community. Teils finanzieren sie sich durch Verlagstätigkeiten, wie etwa die American Mathematical Society, die American Chemical Society oder die Association for Computing Machinery (ACM), die 1947 gegründete, erste wissenschaftliche Gesellschaft für die Informatik.

Auch wenn Open Access weithin als ein der Wissenschaftskommunikation förderliches Distributionsmodell angesehen wird, tun sich Fachgesellschaften mit dem offenen Zugang zu wissenschaftlichen Publikationen oft schwer und vertreiben ihre eigenen Produkte im Subskriptionsmodell, bei dem für die Nutzung der wissenschaftlichen Literatur gezahlt werden muss. Daher rufen Informatiker nun unter dem Motto „Tear Down This Paywall“ zum Boykott der ACM auf und orientieren sich dabei am aufsehenerregenden Elsevier-Boykott.

„Widerspruch zur Wissenschaftsethik”

Die Initiative wird mit dem traditionellen Open-Access-Argument untermauert: Es sei inakzeptabel, für die Nutzung wissenschaftlicher Literatur zu zahlen, deren Erstellung und Begutachtung unentgeltlich von Wissenschaftlern erbracht wurde. Der von Verlagsseite häufig vorgebrachte Einwand, man erbringe kostengenerierende Leistungen durch das Setzen der Artikel, entfällt bei der ACM, da Publikationen von den Autoren durch Verwendung des Satzsystems LaTeX camera ready, also druckfertig erstellt werden. Überdies betont die Initiative, andere Fachgesellschaften aus der Informatik und verwandten Fächern publizierten bereits im Open Access, so etwa die USENIX, die Association for Computational Linguistics oder Neural Information Processing Systems (NIPS).

Wer den Boykottaufruf unterzeichnet, kann versichern, nicht in ACM-Journals zu publizieren, keine Reviewer-Tätigkeiten für diese zu übernehmen und kein ACM-Mitglied zu werden bzw. die Mitgliedschaft zu beenden. Vorangetrieben wird der Protest von Alex Rudnick, einem Informatikstudent an der Indiana University. Zwar erlaubt es die ACM Autoren teilweise, angenommene Publikationen auf Servern der eigenen Einrichtungen wiederzuveröffentlichen, dennoch, so der Initiativruf, stehe das praktizierte Geschäftsmodell im Widerspruch zu den wissenschaftsethischen Ansprüchen der ACM, „sowohl professionellen und öffentlichen Interessen durch offenen Austausch von Informationen und durch die Förderung der höchsten professionellen und ethischen Standards“ zu dienen.

Journals müssen finanziert werden

Bislang findet der Boykott gegen die ACM jedoch eher im Stillen statt, er scheint fast im Sande zu verlaufen: Seit Bekanntmachung am 16. Februar unterzeichneten nur 371 Personen den Aufruf [Stand 10.03.2012]. Möglicherweise wird die ACM auch, anders als der Branchenriese Elsevier, nicht als größere Bedrohung der Wissenschaftskommunikation wahrgenommen. Und verglichen mit den häufig als zu hoch monierten Subskriptionsgebühren der ACS gilt die Preisgestaltung der ACM als moderat. Dies mag die eher bescheidene Unterstützung des Aufrufes erklären.

Dennoch weist er eine gewisse Symbolik auf und lässt die Frage aufkommen, warum es global agierenden und kommerziellen Verlagskonzernen offensichtlich leichter fällt, sich mit dem Open Access Geschäftsmodell zu arrangieren als Fachgesellschaften, die in aller Regel Non-Profit-Organisationen sind. So kaufte die Nature Publishing Group vor anderthalb Wochen den Open-Access-Verlag Frontiers auf und Verlagshäuser wie beispielsweise Springer Publishing und Wiley unterhalten mit „Springer Open” und „Wiley Open Access” entsprechende eigene Portfolios.

In vielen, vor allem kleinen Fachgesellschaften aber besteht die größte Motivation der Mitgliedschaft im kostenfreien oder vergünstigten Bezug der Journals der Gesellschaft. Werden diese unter Open-Access-Konditionen verfügbar gemacht, entfällt dieser Anreiz zur Mitgliedschaft. Zudem müssen auch Open-Access-Journals finanziert werden. Ein gängiger Finanzierungsbaustein sind Autorengebühren, die Wissenschaftler im Falle des Erscheinens eines eingereichten Textes an das Journal entrichten. Sind diese Gebühren in der Disziplin nicht akzeptiert, wird es den Gesellschaften kaum ohne weiteres gelingen, sie zu etablieren.

Werbung, Sponsoring, Spenden

Das Zögern in Sachen Open Access findet sich unter anderem auch in den deutschen informations- und bibliothekswissenschaftlichen Verbänden, die ihre Publikationen nicht offen herausgeben und daher von der Community barsch kritisiert werden. Es existiert in Deutschland derzeit mit Libreas nur ein einziges informations- oder bibliothekswissenschaftliches Open-Access-Journal, obwohl gerade Bibliotheken sich als Träger des Open-Access-Gedankens verstehen und sich von diesem – verglichen mit den Kosten des Subskriptionsmodells – Ersparnisse erwarten.

Dass Open Access auch in kleinen Communities florieren kann, beweist die Vereinigung Österreichischer Bibliothekarinnen und Bibliothekare (VÖB). Sie publiziert ihre Mitteilungen seit Ende 2010 zu Open-Access-Bedingungen und das recht erfolgreich: Das Journal wird gar in der internationalen und multidisziplinären Datenbank Scopus ausgewertet – ohne sich über Publikationsgebühren zu finanzieren.

Letztlich können Open-Access-Journals andere Einkommensquellen nutzen. Unter anderem solche, die schon Subskriptionsjournals kennen, wie Werbung oder Sponsoring. Auch Spenden oder E-Commerce durch die Verknüpfung mit Onlineshops, wie es der Online-Ableger des Spektrums der Wissenschaft vormacht, könnten einen Beitrag leisten.

Anstoß für Fachgesellschaften

Gleich welche Option gewählt wird: Der Schritt zum Open Access erfordert für Fachgesellschaften die Schaffung anderer Lockmittel als den kostenlosen Bezug einer Printzeitschrift: So stellte die Gesellschaft für Medizinische Ausbildung (GMA) ihr Journal erfolgreich auf Open Access um, nutzte dafür die Plattform German Medical Science und führte dennoch Autorengebühren ein. Diese muss aber nur entrichten, wer nicht Mitglied der Gesellschaft ist; Mitglieder dürfen entgeltfrei publizieren. Auch wenn der ACM-Boykott floppen sollte, könnte er wissenschaftliche Fachgesellschaften zumindest dazu zu veranlassen ihre Positionen zu Open Access auf den Prüfstand zu stellen.

Dieser Beitrag erschien zuerst auf Ulrich Herbs Blog scinoptica.com, Lizenz: CC BYFoto: mibuchatCC BY-NC-SA.

March 07 2013

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