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January 16 2014

Netzveranstaltungen in Berlin: Die stumme Masse, Einbruch der Dunkelheit, Afterglow

Internet-Konferenzen haben Konjunktur. Gleich drei Veranstaltungen finden in den nächsten zwei Wochen allein in Berlin statt: „Netzkultur: Die stumme Masse“ im Haus der Berliner Festspielen, „Einbruch der Dunkelheit“ in der Volksbühne Berlin und schließlich das diesjährige Transmediale-Festival mit „Afterglow“.

Foto:  © Ali Ghandtschi / Berliner Festspiele

Foto: (c) Ali Ghandtschi / Berliner Festspiele

Den Anfang machen die Berliner Festspiele mit der Bundeszentrale für politische Bildung am Samstag, dem 18. Januar. An diesem Tag findet der zweite Teil der „Netzkultur“-Reihe unter dem Motto „Die stumme Masse“ statt. Darin geht es um Netzcommunities, Social Media und um die Frage, wie Nutzer das Netz mitgestalten können. Es gibt Vorträge und Panels unter anderem mit Angela Richter (Regisseurin), Joseph Farell (Wikileaks), Paula Hannemann (change.org), John Ngo über Web-Communities und Geert Lovink (Internettheoretiker) und ein Konzert von Koenigleopold.

Der erste Teil fand am 30. November 2013 statt und war betitelt „Technologie-Evolution – Wo wir herkommen“ (die Dokumentation ist online). Der Termin für den nächsten Teil ist der 22. Februar.

Foto: “Metro Sleepers”, © Yanidel

Foto: „Metro Sleepers“, (c) Yanidel

Das Wochenende drauf – am 25. und 26. Januar – folgt die Konferenz „Einbruch der Dunkelheit“ in der Volksbühne Berlin.

Gäste wie Jacob Appelbaum, Evgeny Morozov, Dietmar Dath, Bruce Sterling, Federico Ferrari, Urs Stäheli, Eleanor Saitta, andcompany&Co. und viele anderen diskutieren Fragen wie „Wann sind Sicherheitstechnologien sinnvoll, wann werden sie gefährlich? Ist ein Verlangen nach Geheimnis und Dunkelheit angesichts der technischen Entwicklung nur ein anachronistischer Reflex? Erfordert eine demokratische Kultur freier Individuen nicht gerade die Einrichtung von Schutzräumen des Privaten und Ungeteilten?“.

Daneben gibt es ein Workshop-Programm, in dem man sich zum Beispiel mit Anonymisierungstechniken, aber auch mit „Geek Mental Health“ beschäftigen kann. Die Konferenz wurde konzipiert von Krystian Woznicki von der Berliner Gazette.

Transmediale 2014 – Afterglow, Artwork: The Laboratory of Manuel Bürger

Den vorläufigen Abschluss bildet die Transmediale unter dem Titel „Afterglow“. Das jährliche Medienfestival findet in diesem Jahr vom 29. Januar bis zum 2. Februar 2014 statt – wie in den vorherigen Jahren im Haus der Kulturen der Welt.

Die dazugehörige Konferenz (30. Januar bis 2. Februar 2014) verläuft entlang der drei Themenstränge „Hashes to Ashes“, „Afterglow of the Mediamatic“ und „Will You Be My Treasure?“ und „untersucht die gegenwärtige Situation der digitalen Kultur, ausgehend von der Metapher Afterglow. Im Fokus stehen Überlegungen zu den geopolitischen, infrastrukturellen und körperlichen Folgen der exzessiven Digitalisierung, die in den vergangenen drei Jahrzehnten stattgefunden hat.“

Gäste sind unter anderem Jacob Appelbaum, Laura Poitras, Mike Stubbs, Benjamit Bratton, Kate Crawford, Olia Lialina und viele mehr.

January 09 2014

„Geistiges Eigentum“ – Schutz oder Hindernis? Workshop in Essen

„Heute sind immer mehr Autoren, Bibliothekare, Verlage und nicht zuletzt auch Wissenschaftler mit dem Problem konfrontiert, dass der bestehende Schutz des ‚geistigen Eigentums’ und die verschiedenen neuen Vertragsvarianten ihre digitale Textproduktion und -distribution eher behindern als schützen.“ So die These des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“, der morgen in Essen stattfindet.

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Foto: neelaka, CC by

Organisiert von Thomas Ernst vom Fachbereich Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, werden sich Akademiker und Praktiker in dem Workshop mit den Fragen beschäftigen,  die aus dem digitale Wandel resultieren: Wie lassen sich eigenständige Werke noch als solche abgrenzen, wenn zum Beispiel Texte intermediale Verbindungen eingehen, durch Hyperlinks in einen sich wandelnden Raum über sich hinausverweisen, User Generated Content integrieren oder auf ihre kontinuierliche Modifikation angelegt sind?

Wie sinnvoll ist der Schutz von Werken noch, wenn die digitale Kopie ungekannte Potenziale zur schnellen und identischen Vervielfältigung von Inhalten bereithält und jeder heutige Schutz morgen schon wieder umgangen werden kann? Inwiefern ist die Rede vom Urheber angesichts einer neuen Intensität der kollektiven Textproduktion noch zeitgemäß und die Grenze zwischen Urheber und Leser zum Beispiel in Crowdsourcing-Projekten nicht ohnehin bereits aufgelöst?

Livestream, Hashtag, Blog

iRights.info ist Medienpartner des Workshops, der am morgigen Freitag, dem 10. Januar von 13 bis 19 Uhr im Bibliothekssaal des Campus Essen stattfindet, und auch als Livestream übertragen wird  (öffnet externen Player – bei Problemen die URL im VLC-Player öffnen):

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-28422/NdgE_Live.asx

Der Hashtag für Feedback ist #ndge; der Workshop wird vom Weblog Digitur – Literatur in digitalen Medien begleitet, das von der studentischen Webredaktion des MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ gestaltet wird.

Programm

12:30 Ankunft und Anmeldung

Eröffnung des Workshops ‚Nach dem geistigen Eigentum?‘

13:00 Prof. Dr. Rolf Parr (Universität Duisburg-Essen):Grußwort des Studiengangleiters ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ 13:10 Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen):Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht

Praktische Potenziale und (rechtliche) Probleme des digitalen Publizierens

13:30 Dirk von Gehlen (Leiter Social Media/Innovation, Süddeutsche Zeitung; Crowdfunder):War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen 14:15 Kaffeepause 14:45 Klaus-Peter Böttger (Vorsitzender EBLIDA – European Bureau of Library, Information and Documentation Associations; Leiter der Stadtbibliothek Essen):Warum das Urheberrecht ein Problem für die ‚Onleihe‘ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?

Interdisziplinäre Lösungsansätze zu (rechtlichen) Problemen des digitalen Publizierens

15:30 Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht, Humboldt-Universität zu Berlin):‚Geistiges Eigentum‘ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft 16:15 Kaffeepause 16:45 Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven mit
  • Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr);
  • Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen);
  • Matthias Spielkamp (Redaktionsleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt);
  • Dorothee Werner (Leiterin Unternehmensentwicklung, Grundsatz- und strategische Fragen beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels);
  • Moderation: Dr. Thomas Ernst
18:30 Ausklang des Workshops im Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18,  45127 Essen

Ort

Universität Duisburg-Essen
Campus Essen
Bibliothekssaal
Universitätsstr. 9-11
45117 Essen

Zwischen den Gebäuden R09 und R11, siehe auch: Anfahrtbeschreibung.

November 26 2013

Lizzy Jongma: Das digitale Publikum ist für Museen wichtig

Lizzy Jongma ist Datenmanagerin am Rijksmuseum in Amsterdam. Sie rät Kultureinrichtungen zur Öffnung digitalisierter Bestände auch für kommerzielle Nutzung, weist der Mediathek Europeana eine wichtige Rolle zu, auch für Open Data, und setzt auf langfristige Effekte, die das digitale Publikum den Museen und Sammlungen bringt.

Anlässlich der Konferenz „Zugang gestalten“* befragt iRights.info die Expertin für die Online-Präsentation von kulturellem Erbe zu den Herausforderungen der Digitalisierung.

iRights.info: Das staatliche Rijksmuseum hat Teile seiner Bestände digitalisiert und zur freien, auch kommerziellen Nutzung bereitgestellt. Welche Hürden mussten dafür genommen werden?

Lizzy JongmaLizzy Jongma: Die erste große Herausforderung betraf uns selbst: Wir mussten uns von unseren gewohnten Denkweisen verabschieden und auch von unseren Geschäftsmodellen, die auf dem Bilderverkauf beruhten. Die zweite Herausforderung waren all die rechtlichen Fragen, die wir zu berücksichtigen hatten. Das heißt, wir mussten buchstäblich alle Gesetze lesen, die für Museen maßgeblich sind, und wir mussten unseren kompletten Bestand durchgehen. Wir können ja nur das copyright-freie Material benutzen. Zurzeit haben wir zahlreiche Debatten mit Entleihern. Sie haben zwar keine rechtliche Handhabe, doch einige wollen keine Kunstwerke mehr ausleihen, wenn wir von diesen hochaufgelöste Bilder online stellen.

iRights.info: Wie reagieren die Politiker, die für Museen zuständig sind?

Lizzy Jongma: Mit den Politikern ist es schwierig. Einerseits loben sie uns für die Öffnung unserer Bestände ins Digitale und preisen unser Vorgehen gerne an. Andererseits ändern sie die Urheberrechtsgesetze nicht. Bei Kunstwerken geht es ohnehin schon sehr streng zu, was die Prüfung der Rechtslage betrifft. Für uns bedeutet die jetzige Situation, dass wir zwar die großen Kunstwerke des goldenen Zeitalters zeigen können, doch unsere Sammlungen des 20. Jahrhunderts bleiben fürs Digitale praktisch gesperrt und damit unsichtbar. Ich befürchte, zukünftige Generationen erfahren niemals etwas über die moderne Kunst des 20. Jahrhunderts, weil sie im Internet nichts dazu finden werden.

iRights.info: Mit der Beteiligung an der digitalen Mediathek Europeana sind Sie auf europäischer Ebene aktiv – wie beurteilen Sie dieses Projekt?

Lizzy Jongma: Europeana hat uns beim Implementieren der öffentlichen Lizenzen (CC Zero) und bei vielen rechtlichen Diskussionen enorm geholfen. Wir wollten unsere Bestände öffnen und sie unterstützten uns bei der Wahl der Lizenzen. Sie berieten uns auch bezüglich der Wahrung unserer Rechte. Zudem nutzt Europeana zahlreiche Bilder von uns für ihre Facebook- und Pinterest-Auftritte und das sorgt für sehr viele Besuche auf unsere Website. Insofern ist die Europeana ein wichtiger Partner für das Rijksmuseum.

iRights.info: Hat die Europeana das Potenzial, noch mehr für Open Access zu leisten?

Lizzy Jongma: Ja, die Europeana hat großes Potenzial, Open Access voranzubringen. Die europäischen Kultureinrichtungen sollten sich ihr mehr zuwenden, denn sie hat großartige Pläne. Die Botschaft der Europeana ist, dass die alten Geschäftsmodelle des Bilderverkaufs im digitalen Zeitalter nicht mehr funktionieren und wir uns öffnen müssen, um von zukünftigen Generationen gesehen zu werden. Doch diese Botschaft muss noch tiefer ins Bewusstsein der Kulturinstitutionen eindringen.

iRights.info: Erfährt die Europeana europaweit genügend Aufmerksamkeit und Unterstützung?

Lizzy Jongma: So betrachtet muss ich sagen: nein. Allerdings kümmern sie sich dort auch um zu viele Projekte gleichzeitig.

iRights.info: In Deutschland erklärten vor kurzem fünf bedeutende Kultureinrichtungen, ihre Sammlungen für Open Access zu öffnen – allerdings erlauben sie kommerzielle Nutzung nur gegen Entgelt. Auf diese Weise wollen sie ihre Aufwände für die Digitalisierung refinanzieren. Was halten Sie davon?

Lizzy Jongma: Damit schließt man sich von Anbietern wie Wikipedia, Facebook, Pinterest, Twitter und so weiter aus. Wir hingegen wollen, dass man unsere Sammlungen auch auf diesen kommerziellen Plattformen sieht und benutzt. Dafür mussten wir auf unser alleiniges Recht zur kommerziellen Nutzung verzichten. So büßen wir zwar Umsatz ein, weil wir die Bilder nicht mehr verkaufen. Doch Einbußen hatten wir zuvor auch schon, durch Piraterie. Wenn man beispielsweise nach Johannes Vermeers’ „Dienstmagd mit Milchkrug“ (Het Melkmeisje) googelt, stößt man auf tausende Webshops, die das Werk auf Leinwand oder in anderer Form anbieten. Doch für uns zählen die langfristigen Effekte. Gerade weil unsere Sammlungen offen zugänglich sind, kommen die Leute von überall auf der Welt, um unser Museum zu besuchen. Und weil wir die digitalisierten Werke frei anbieten, melden sich viele, die uns fördern und bei der Digitalisierung finanziell unterstützen wollen.

iRights.info: Was sind aus Ihrer Sicht die drei dringlichsten nächsten Schritte, um den Zugang zu den digitalen Archiven der Gedächtnisorganisationen zu verbessern und zu erweitern?

Lizzy Jongma: Wir brauchen mehr solche Entwicklungen wie im Rijksmuseum. So können andere Einrichtungen sehen, dass man durch die Freigabe digitaler Sammlungen relevant ist und gewinnen kann. Zudem ist mehr Aufklärung darüber erforderlich, wie wichtig das digitale Publikum für Museen ist. Es gilt, Sammlungen nicht hinter komplizierten Suchwerkzeugen zu verstecken und keine niedrig aufgelösten Bilder auf die Website zu stellen. Die jeweiligen Kultureinrichtungen müssen technisch kompetenter werden, etwa bezüglich der Darstellungsqualitäten digitaler Bilder und der beschreibenden Meta-Informationen über ihre Sammlungen. Auch sollte sich die Zusammenarbeit zwischen Institutionen und Politik verbessern. Wir alle können so viel voneinander lernen, etwa von erfolgreichen Praxisbeispielen. Nicht zuletzt ist mehr Geld für das Digitalisieren notwendig, wobei dieses wiederum Hand in Hand mit den zuvor genannten Entwicklungen gehen muss.

iRights.info: Angenommen, es gibt 2015 und 2020 weitere „Zugang gestalten“-Konferenzen, wo werden wir europaweit Ihrer Meinung nach stehen?

Lizzy Jongma: Das ist sehr schwer zu sagen. In drei Jahren wird die digitale Welt wohl komplett anders aussehen als heute. Es ist zu hoffen, dass noch mehr Einrichtungen offenen und freien Zugang bieten und dass wir dann noch viel mehr über die Qualität der digitalen Sammlungen reden. Denn momentan sind wir zwar alle dabei, unsere Bestände zu öffnen, doch wir denken zu wenig über die Qualität und die Brauchbarkeit der offen zugänglichen Daten nach. Ein großer Teil der verfügbaren Werke ist technisch und visuell unzulänglich und enthält kaum verwertbare Beschreibungsdaten. Darüber hinaus interessiere ich mich sehr für semantische Verknüpfungen. Denn bisher ist das Freigeben eine sehr isolierte Angelegenheit: Man öffnet seine Sammlung und das war’s. Viel interessanter finde ich die zusätzlichen Informationen und die Beziehungen, die sich in den digitalen Räumen herstellen lassen. Ich hoffe also, dass wir schon bald unsere Sammlungen noch besser miteinander vernetzen.

* Die Konferenz „Zugang gestalten. Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe“  findet am 28. und 29. November in Berlin statt. iRights.Lab gehört zu den Veranstaltern. Als eine der zahlreichen Referenten geht Lizzy Jongma näher auf die Open Data-Strategie und die offene Datenbank-Schnittstelle (API) ein, die sie – neben vielen weiteren Projekten und der Website – für das Rijksmuseum in Amsterdam betreut.

October 08 2013

iRights auf der Frankfurter Buchmesse

FBM Datum dt CMYK 150x150Bei der morgen beginnenden Buchmesse in Frankfurt/Main ist iRights in zwei Podiumsdiskussionen vertreten, zur Zukunft der „Deutschen Digitalen Bibliothek“ sowie zu „digitalen Vermittlungsformen für Kulturinstitutionen“.

Auf Einladung des Bibliotheken-Fachmagazins „b.i.t. online“ sowie von „Fachbuchjournal“ und „Library Essentials“ diskutieren am morgigen Mittwoch (9. Oktober) sechs Experten die Zukunft der „Deutschen Digitalen Bibliothek“. Sie fragen und besprechen, was bei diesem bundesdeutschen Kultur-Großprojekt noch geht, ob „Stillstand oder Fortschritt“ herrscht. Auf dem dafür in Halle 4.2 am Stand P 99 eingerichteten „b.i.t. Sofa“ sitzt auch Paul Klimpel, Leiter des iRights.Labs Kultur, zudem Bernhard von Becker (Beck Verlag), Frank Frischmuth (Deutsche Digitale Bibliothek“, Steffen Meier (Eugen Ulmer Verlag) Uwe Müller (Deutsche Nationalbibliothek), Moderator ist Rafael Ball, Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg und Chefredakteur von b.i.t. online.

Die Deutsche Digitale Bibliothek wurde 2007 ins Leben gerufen und ist ein gemeinsames Vorhaben von Bund, Ländern und Gemeinden. Ziel ist, jedermann freien Zugang zum (digitalisierten) kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Deutschlands zu eröffnen. Mit generellen Herausforderungen einer solchen „digitalen Gedächtniskultur“ befasst sich Paul Klimpel seit längerem intensiv. Jüngst stellte er sein Buch „Was bleibt – Nachhaltigkeit der Kultur in der digitalen Welt“ vor, das bei iRights.media als E-Book und in gedruckter Form erschienen ist.

Die Diskussion beginnt am 9.10. um 12 Uhr in Halle 4.2, Stand P 99.

Ebenfalls morgen veranstaltet die Willi Baumeister Stiftung eine Podiumsdiskussion zum Oberthema „Kunst und Digitalisierung“, an der iRights.Media-Verlagsleiter Phillip Otto teilnimmt. Für ihn und Felicitas Baumeister (Willi Baumeister Stiftung), Jens Redmer (Google) sowie Jörg Dörnemann (epubli) geht es auf dem Podium um konkrete Erfahrungen mit digitaler Kunstvermittlung, neuen Verlagslösungen und Lizenzmodellen. Moderatorin der Veranstaltung ist Julia Schmitz vom KUNST Magazin, nach der Diskussion gibt es Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum.

Anlass der Diskussionsrunde ist die Veröffentlichung der Monografie „Willi Baumeister: Schöpfer aus dem Unbekannten“ der Kunsthistorikerin Brigitte Pedde, die vor der Podiumsrunde eine Einführung in das Werk gibt. Das Kunstbuch erscheint als digitales Werk und im „Open Access“. Das meint hier, sämtliche Abbildungen sind in hoher Auflösung frei im Internet verfügbar, auch Schulen und Universitäten können kostenlos auf Baumeisters Werk zugreifen und die Materialien für ihre Arbeit verwenden.

Die etwa einstündige Podiumsrunde findet am 9. Oktober um 18 Uhr im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse statt.

September 25 2013

Unikate oder Reproduktionen? Künstler lässt zwei Roboter in Echtzeit mitzeichnen

Wenn am morgigen Donnerstag um 11 Uhr der Wiener Künstler Alex Kiessling den Stift für das Projekt „Long Distance Art“  in die Hand nimmt, dann ist er dabei nicht allein. Und er zeichnet auch nicht allein.

Bei der Schöpfung seines Kunstwerks werden Kiessling Zuschauer in der Ovalhalle des Wiener Museumsquartiers Live beobachten. Zudem übertragen zwei Livestreams seine Arbeit nach London an den Trafalgar Square und nach Berlin an den Breitscheidplatz (wo die Gedächtniskirche steht) jeweils von 10 Uhr bis 18 Uhr. Auf diesen beiden zentralen und belebten Plätzen stehen auf eigens dafür aufgebauten Bühnen nicht nur große Monitore, sondern ebenfalls jeweils ein ausgewachsener Industrieroboter und eine Leinwand. Denn die Roboter zeichnen in Echtzeit und via Satelit mit, was Kiessling in Wien entwirft, Strich für Strich und millimetergenau. Auf diese Weise soll „Long Distance Art“ entstehen, so der Titel des Projekts, veranstaltet vom offiziellen Wiener Tourismusverband „Wien-Tourismus“.

Für „Long Distance Art“ erfassen zahlreiche Sensoren alle Bewegungen des Künstlers. Die in Echtzeit „getrackten“ Daten werden via Computer und Satellit an die 2,8 Meter großen und 435 Kilo schweren Roboter in London und Berlin übertragen. Die Roboter des Herstellers ABB heißen offiziell „IRB 4600“ und erledigen im Industriealltag eher unkreative Tätigkeiten, wie Paletten stapeln oder Schweißarbeiten.

Doch bei diesem Auftrag darf IRB 4600 einen Zeichenstift führen, weil er, laut Pressemitteilung zum Projekt, zu den akkuratesten seiner Klasse gehöre und trotz seiner starken Beschleunigungsleistung sowie der hohen Maximalgeschwindigkeiten zu äußerst präzisem Arbeiten im Stande sei. Das befähigt ihn offenbar dazu, als eine Art robotischer Avatar nun auch Kunst zu schaffen. Wobei was genau machen die Roboter – produzieren oder reproduzieren?

Ein Künstler, zwei Roboter, drei Unikate?

„Da die Proportionen und Materialien modifizierbar sind, entstehen am Beispiel von zwei Robotern gleichzeitig drei Originale vom selben Urheber“, meint Alex Kiessling. Es entstünden also nicht etwa zwei identische Kopien einer Zeichnung, sondern drei Unikate. Doch könnten die vom IRB 4600 geschaffenen Werke nicht dennoch, etwa urheberrechtlich, Duplikate sein, nur eben in Echtzeit geschaffen? Eine Art Äquivalent zum Live-Mitschnitt eines Konzerts oder einer Theater-Aufführung? Ist der Datensatz, der während des Zeichnens übertragen wird, technologisch gesehen eine Aufzeichnung, die nur schneller als der Schall und wenig verzögert zum Ereignis wiedergegeben wird?

Und was, wenn sich bei der Datenübertragung Störungen einschleichen und zu Artefakten bei den robotischen Unikaten führen, die der Künstler weder wollte noch künstlerisch gutheißt? Alex Kiessling hat sich darauf gefasst gemacht: „Spannend sind für mich die Abweichungen, die durch die minimale Unterschiedlichkeit der Roboter zu erwarten sind.“ Doch wie weit spielt er wirklich mit, wenn Übertragungsfehler seine Kunst verzerren oder die Roboter, warum auch immer, irgendwas anderes fabrizieren. Distanziert er sich davon, lässt er das Werk zerstören oder überlässt er dem Londoner IRB 4600 das Urheberrecht? Der wüsste damit wohl nichts anzufangen und möchte lieber wieder schweißen.

Schon Kraftwerk träumten von Telepräsenzkunst

Stanisław Lem hätte an diesem Projekt vermutlich seine Freude gehabt.Von Robotern als ferngesteuerten, telepräsenten Stellvertretern schreiben Science-Fiction-Autoren schon länger. Die Band Kraftwerk näherte sich dem Thema mit dem Konzeptalbum „Man Machine“, später mit 3D-Animationen auf der Leinwand und armwedelnden Torso-Robotern auf der Bühne. Sie hatte schon in den 1980er Jahren den Traum, irgendwann einmal Konzerte in mehreren Städten der Erde gleichzeitig zu spielen: An einem Ort die Band selbst und auf den anderen Bühnen vertreten durch echtzeitgesteuerte Technoide.

Nicht ferngesteuert, aber doch ganz und gar Roboter, trat im Mai dieses Jahres der Android „Sim Gishel“ vor Dieter Bohlen in einer Casting Show auf. Zwar noch etwas bewegungsarm, aber durchaus musikalisch.

Es wird sich also morgen zeigen, ob die „Long Distance Art“-Aktion nur als Experiment und teures Werbe-Vergnügen des Wiener Tourismusverbandes in die Kunst-Technik-Geschichte eingeht oder als Meilenstein des neuen Genres „Telepräsenzkunst”. Kann sie für Künstler und Kunstvermarktung neue Perspektiven in der Unikatisierung und Verkäuflichkeit von technisch (re-)produzierten Werken eröffnen oder die Kunst-Epoche der Robotik einläuten? Auf jeden Fall stellt sie urheberrechtliche Fragen neu – jedenfalls aus der Perspektive von IRB 4600.

September 23 2013

Offener Brief: Kulturschaffende möchten Rezensionen über ihre Arbeit kostenlos nutzen

Zeitungskritiken über die eigene Arbeit auf die Webseite zu packen, ist für viele Künstler selbstverständlich. Dabei beachten sie oft nicht das Urheberrecht der Artikel-Autoren. Eine Abmahnwelle hat nun Künstler zusammengebracht, die diese Praxis rechtlich legalisieren wollen.  

Mit einem offenen Brief haben sich vor einer Woche knapp zwanzig „Kulturschaffende, Kulturvereine, Journalisten und Kulturfreunde“ zum einen an „Zeitungsverleger und entsprechende Rechteinhaber“, zum anderen an die breite Öffentlichkeit gewandt. Sie setzen sich darin dafür ein, „dass Künstler und Kulturvereine Artikel aus der Tagespresse sowie Hörfunk und TV – Beiträge, in denen über ihre Arbeit berichtet wird, vollständig oder in Auszügen auf ihren Webseiten genehmigungsfrei dokumentieren dürfen. Die Quelle ist hierbei anzugeben und möglichst zu verlinken.“

Diese Forderung nach einer Art freiwillig vereinbarten Ausnahmeregelung, die das Urheberrecht von Journalisten und Autoren sowie die Nutzungsrechte von Verlagen beträfe, bezieht sich auf einen aktuellen Anlass: Ein scheinbar systematisch an zahlreiche Künstler versandtes Abmahnschreiben der Bremer Anwaltskanzlei Dr. Schenk, die offenbar im Auftrag des Musikverlag-Inhabers (B-Note) und Journalisten Boris Hellmers-Spethmann handelt.

Dieser Abmahnung von Ende Juli zufolge sollen die Sängerin Scarlett O’ und der Liedermacher Michael Zachcial (Die Grenzgänger) jeweils mehrere tausend Euro dafür bezahlen, dass sie eine mehrere Jahre alte Pressekritik aus der Syker Kreiszeitung für ihre Pressearbeit verwendeten. Die Künstler möchten nicht zahlen, in erster Linie weil sie die Abmahnung unverhältnismäßig finden. Sie entschlossen sich aber, nicht mit den Anwälten zu verhandeln, sondern gingen mit dem Sachverhalt an die Öffentlichkeit.

Zu den Erstunterzeichnern und Unterstützern gehören bekannte Künstler, darunter Schauspieler Axel Prahl, Regisseur Andreas Dresen und Intendant Steffen Mensching (Theater Rudolstadt), die Musiker Manfred Maurenbrecher, Barbara Thalheim und Uwe Hassbecker (Silly). Bis heute unterzeichneten den offenen Brief bereits über 3.000 Menschen (Stand: 23.9., 14 Uhr). Auf der Facebook-Gruppe „Abmahnungen“, die ergänzend zum offenen Brief eingerichtet wurde, entwickelten sich engagierte und zum Teil heftige Diskussionen zwischen Künstlern und Künstlerkritikern. So äußert der freie Journalist Hardy Prothmann zwar Verständnis für das Anliegen und verurteilt jegliche Abmahn-Abzocke, doch die Forderung, dass Künstler alle Presseberichte über ihre eigene Arbeit kostenlos nutzen dürften, käme für ihn einer Enteignung seiner Arbeit gleich; er plädiert daher die Praxis individueller Nutzungsverhandlungen zu angemessenen Vergütungen.

Grundsätzlich sind die Abmahnungen rechtens: Eine Nutzung eines in einer Zeitung veröffentlichten Artikels, als urheberrechtlich geschütztes Werk, ist nur mit Zustimmung der Rechteinhaber erlaubt. Diese Rechte können je nachdem entweder durch den Urheber, zum Beispiel den Autor, oder durch entsprechenden Rechteinhaber, in der Regel Verlage, Sendeanstalten oder Produktionsfirmen, vergeben werden. Interessanterweise erklärte übrigens der betreffende Kreiszeitung Verlag Michael Zachcial gegenüber, er distanziere sich von diesen Abmahmungen.

Auf ihrer Internetseite schildert Scarlett O’ den Vorgang ausführlich: Der Autor des betreffenden Artikels unternahm gar nicht erst den Versuch, sie anzusprechen, um den Artikel von der Webseite zu nehmen, sondern ließ gleich durch die Kanzlei den Nutzungswert für den Artikel festsetzen – 1.900 Euro im Jahr. Insgesamt beträgt die Forderung 7.600 Euro für einen Lokalzeitungstext. Auch die Höhe eines Vergleichsangebots legte die Kanzlei fest: pauschal 600 Euro plus 869 Euro Anwaltskosten. Bei Nichtzahlung droht sie mit einer Gerichtsverhandlung.

Mit genau den gleichen Zahlen gingen weitere Abmahnschreiben der selben Kanzlei bei zahlreichen weiteren Musikern ein, darunter bei Michael Zachcial, aber auch bekannten Künstlern wie Peter Kraus. Letzterer ermunterte die beiden Initiatoren ausdrücklich, diesen Fall von Abmahnwesen bekannt zu machen und als Anlass zu einer öffentlichen Diskussion zu nehmen.

Die jüngst durch den Bundesrat abgesegnete Gesetzesänderung zur Deckelung des Abmahnwesen greift in diesem Fall nicht. Sie gilt nur für Privatpersonen, die Werke nicht für ihre gewerbliche oder selbstständige Arbeit nutzen. Künstler sind in diesem Sinne jedoch gewerblich tätig – die Verwendung der Artikel für die Pressearbeit ist daher eine anders gelagerte Urheberrechtsfrage.

Netzpolitik.org kommentiert, dass dieser offene Brief zeige, dass es Bewegung in der Urheberrechtsdebatte gebe. Mit 3.000 Unterzeichnern in nur acht Tagen ist der Zuspruch erstaunlich hoch. Erst vor einigen Wochen machte die Initiative „Art but fair“ auf die prekäre Situationen von freien Musikern und Schauspielern an Theatern und Musicalbühnen aufmerksam. Auch hier gab es beim beim Publikum und in der Öffentlichkeit großes Interesse.

August 14 2013

Heute Ausstellungseröffnung zum Wettbewerb Copy ‘n’ Paste online und in Lüneburg

Das Post-Media Lab an der Leuphana Universität Lüneburg hat zusammen mit iRights.info in diesem Jahr den Wettbewerb “Copy ‘n’ paste – das Urheberrecht als kreative Herausforderung” durchgeführt. Viele Projekte wurden eingereicht und die Jury hat ausgewählt. Heute ist die analoge und digitale Ausstellungseröffnung mit den Gewinnern des Wettbewerbs.

Die Gewinnerinnen sind drei Frauen: Jule von Hertell mit ihrem Projekt “Videomixtape”, Monika Jarecka mit “Cool Clear Water” und Ulrike Wilkens mit ihrem Werk “G-Cloud”. In der Ankündigung zur Veranstaltung wird das Projekt beschrieben und die Gewinnerinnen gewürdigt:

Im Rahmen des Wettbewerbs „CopyNPaste“ haben sie sich allesamt in origineller Weise mit den neuen Bedingungen von Copyright und digitalen (Rechts-)Regimen und den neuen Bedingungen kultureller Produktion auseinandergesetzt. In unterschiedlichen Formaten – von analogen Raumarbeiten, die das digitale in den gelebten Raum übersetzen, über Videocollagen bis hin zu semi-fiktionalen Arbeiten auf mehreren Monitoren – wird der »digital shift« – also die generelle Verschiebung in eine digitale Kultur, wie die EU jüngst konstatierte – auf jeweils persönliche Weise reflektiert und bearbeitet. Das Projekt CopyNPaste, welches das Post-Media Lab erstmals im Frühjahr im Rahmen der Konferenz »Video Vortex« öffentlich vorstellte, nimmt damit die Spannungen auf, die durch die Allgegenwärtigkeit von digitalen Objekten und Werkzeugen im Rahmen alltäglicher Kulturpraktiken entstehen. Zentrales Anliegen ist es, diese neuen globalen Realitäten zurück in den Raum regional verorteter Kulturproduktion zu spiegeln und aus regionaler Perspektive zu befragen.

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Ab 18 Uhr findet heute die feierliche Eröffnung der Ausstellung statt. Dies in zweierlei Hinsicht:

Die preisgekrönten Projekte werden an diesem Tag gleich in zweifacher Form vorgestellt: als »Realausstellung« für eine regionale Öffentlichkeit in der Musikschule Lüneburg; sowie in Form einer virtuellen Ausstellung für die globale Netzöffentlichkeit. Integraler Bestandteil dieses Doppelkonzeptes ist eine Videodokumentation von 2Spot, die die Künstlerinnen in der Produktionsphase begleiteten und in der die Erstellung der Werke sowie zusätzliche thematische Ein- und Ausblicke für eine virtuelle Ausstellungs- und Dokumentationsumgebung festgehalten wurden.

Philipp Otto, Redaktionsleiter von iRights.info, war Mitglied der Jury und wird heute auch im Rahmen der Ausstellungseröffnung ein paar Worte sagen. Weitere Informationen zur Eröffnung der Ausstellung finden sich auf der Website des Post-Media Labs. Hier gibt es auch den Flyer zur Eröffnung (PDF-Format) sowie nochmal einen Rückblick auf den Wettbewerb. Alle Lüneburgerinnen und Lüneburger sind zur analogen, alle anderen zur digitalen Eröffnung recht herzlich eingeladen.

August 11 2013

Mit dem Urheberrecht Fotos von Speisen verbieten: ein Sommermärchen

June 25 2013

Technoviking: Ein Internet-Mem vor dem Berliner Landgericht

Das Youtube- und Internet-Phänomen „Technoviking“ ist ein kurioser Fall – vor wenigen Tagen war es einer für das Berliner Landgericht. In seinem Urteil wägt das Gericht pragmatisch zwischen Persönlichkeitsrechten und der Freiheit der Kunst ab. Doch es zeigt, wie limitiert die Mittel des Rechts bei Internet-Phänomenen sein können.

Es ist eines dieser kuriosen Phänomene, die so nur das Internet hervorzubringen vermag: Da tanzt bei der 2000er Fuckparade in Berlin ein Teilnehmer mit nacktem Oberkörper, in Bermuda-Shorts und Springerstiefeln gezirkelte Bewegungen zum Techno-Beat, was ein ihm vorausrollender Videofilmer aufzeichnet. 2006 erstellt dieser Videokünstler eine rund dreiminütige Sequenz daraus, lädt sie bei Youtube hoch und nennt den ihm unbekannten Protagonisten im Titel „Technoviking“.

Innerhalb von zwei Jahren entwickelt sich der Clip zu einem mehr oder weniger weltweiten Youtube-Hit und zum Internet-Mem: Die Nutzer reichen und empfehlen ihn munter weiter, die Abrufzahlen erreichen sechsstellige Dimensionen. Doch das ist es erst der Anfang von viel, viel mehr.

Die Viking-Welle rollt

Ab Herbst 2008 erlaubt der Video-Künstler – Matthias Fritsch – auf seiner Youtube-Präsenz Werbeschaltungen und erzielt so nicht unerhebliche Einnahmen. Zudem richtet er bei der Plattform Cafepress einen Technoviking-Shop ein, um dort T-Shirts, Tassen und Weiteres mit dem Konterfrei des Tänzers anzubieten. Nach und nach tauchen Adaptionen des durchaus markanten „Techno-Wikingers“ im Web und in Computerspielen auf: Als von Game-Engines gesteuerte Machinima-Animationen, in Bestseller-Spielen wie Grand Theft Auto oder World of Warcraft, durch Fans nachgestellt.

Der „Cameo“-Auftritt in den Games oder Nachahmungen verläuft stets nach gleichem Muster: Mitten aus einer Menschen-Menge heraus hat plötzlich eine Figur einen Kurzauftritt, die im Aussehen und den Tanzbewegungen dem „Technoviking“ enstpricht, und dies stets zu genau der Musik aus dem ursprünglichen Video. Damit ist der Technoviking endgültig eine verselbständigte und virtualisierte Kunstfigur.

Bald prangen computeranimierte Klone auf weiteren Merchandise-Artikeln, die Zugriffszahlen bei Youtube gehen in die Millionen. Der drahtige Technoviking und seine Moves sind Web-Kult.

Der Tänzer meldet sich und verlangt eine Unterlassungerklärung

Für den Videokünstler Fritsch hat diese wahrhaft universale Dynamik eine eigene Faszination, er versammelt die vielen Adaptionen seines Videos in einem „Technoviking-Archive“, das er mehrfach ausstellt und im Web zeigt. Eigenen Angaben zufolge bemühte sich Fritsch, den Protaganisten zu finden, blieb dabei aber erfolglos. Ende 2009 meldet sich dann der Strassentänzer von sich aus beim Videokünstler.

Er verlangt von Fritsch, das fragliche Video nicht mehr weiter zu verbreiten. Fritsch willigt ein, nimmt das Video auf seinen Kanälen von den Servern. Etliche, von Dritten angefertigte Klones des Videos hingegen bleiben online, ebenso die ständig wachsende Zahl an Adaptionen. Anfang 2012 sendet der Tänzer einen Mahnbescheid an Fritsch. Darin fordert er zweieinhalbtausend Euro „Lizenzeinnahmen“, wogegen Fritsch Widerspruch einlegt.

So kommt es zur Klage, mit der der Tänzer die Zahlung von Schadensersatz in Höhe von rund 13.000 Euro und Entschädigung (Schmerzensgeld) in Höhe von 10.000 Euro fordert. Nach der Verhandlung vor dem Berliner Landesgericht hat dieses Ende vergangener Woche sein Urteil gefällt und begründet. iRights.info veröffentlicht hier das Urteil (PDF).

Nutzung nicht „abgenickt“: Tänzer hat berechtigten Anspruch auf Unterlassung der Verbreitung

In der Sache zeigen sich die Richter pragmatisch, sie betonen den Ausgleich zwischen dem Persönlichkeitsschutz und der Freiheit der Kunst. Gleichwohl offenbart die sieben Seiten umfassende Urteilsbegründung wichtige Erkenntnisse für die gegenwärtigen Debatten um Remix-Kultur, Meme und Netzwerkeffekte.

Aus Sicht des Landgerichts hat der Tänzer einen berechtigten Anspruch darauf, die Verbreitung des Videos untersagen zu lassen, ebenso wie die der T-Shirts und weiteren Merchandise-Artikel mit seinem fotografischen Bildnis. Obwohl er die Kamera gesehen und die Aufzeichnung seines Auftretens wahrgenommen habe, sei dies keine explizite Einwilligung gewesen, die Bilder zu veröffentlichen und zu verbreiten, so das Gericht. Das Gegenargument des Künstlers, der Tänzer habe den Dreh per Blick in die Kamera „abgenickt“, erkennt das Gericht nicht an;

Das passive Schauen in die Filmkamera bzw. deren Wahrnehmen sind noch lange keine konkludente Billigung einer Filmfertigung und damit auch keine stillschweigende Einwilligung (…).

Das bedeutet: Um auf der sicheren Seite zu sein, hätte sich Fritsch eine Einwilligung einholen müssen, vor oder auch während der Aufnahmen. Er hätte klar stellen müssen, dass die Aufnahmen ins Netz gestellt werden sollen. Wer keine Einwilligung einholt, verletzt also das Recht am eigenen Bild. Das gilt auch dann, wenn Aufnahmen zu künstlerischen Zwecken gemacht werden, so das Landgericht Berlin.

Keine Kunst, nur handwerkliche Abbildung

In seiner Begründung geht das Gericht auch auf den Kunstbegriff ein, der für die Einordnung des Videos und damit für das Urteil durchaus eine Rolle spielt. Auch wenn das Video als Kunst deklariert und später für künstlerische und wissenschaftliche Zwecke benutzt worden sei, so enthalte es doch Motive, die der Beklagte nicht selbst geschaffen, sondern in der Realität vorgefunden habe. Zudem seien die Bilder nicht individuell verfremdet oder gestaltet, würden daher über bloße handwerkliche Abbildung nicht hinausgehen.

„Mangels besonderer kunstgerechter Bildbearbeitung tritt der Persönlichkeitsrechtschutz in den Vordergrund“, so das Gericht. Zudem könne sich der Videokünstler auf seine Kunstfreiheit nicht mehr uneingeschränkt berufen, weil er durch Youtube-Einnahmen kommerzielle Interessen verfolge. Der Fall zeigt damit auch, wie Kunst und ihre Verbreitung im Internet bewertet werden: Solange kreative Beiträge in der Masse untergehen, passiert meist nichts. Doch sobald sie richtig bekannt werden, droht das Damoklesschwert des Rechts.

„Kläger wollte aus der Mediatisierung seiner Person im Wortsinne Kapital schlagen“

Die Klage des Tänzers auf Schmerzensgeld von mindestens 10.000 Euro weist das Gericht jedoch zurück. Die Argumentation des Klägers lautete, der Videofilm und die nachfolgenden Medienerscheinungen hätten negative Auswirkungen auf sein Berufsleben, weil er als selbständiger Messebauer immer wieder auf Technoviking angesprochen würde. Das Gericht hingegen führt in seiner Begründung an, der Kläger hätte deutlich gemacht, dass er es mit der Genugtuung nicht so ernst nehme.

Dass der Kläger sich, gemessen am Zeitpunkt der Kenntnisnahme von der Berichterstattung (2009) mit der Geltendmachung der Geldentschädigungsforderung nahezu drei Jahre Zeit gelassen hat, zeigt, dass es ihm nicht um die zeitnahe Beseitigung der Folgen der Berichterstattung ging.

Auch die Entschädigungsklage sei erst aufgekommen, als der Beklagte seinen Widerspruch einsetzte.

Dem Kläger geht es also darum, aus der Mediatisierung seiner Person im wahrsten Sinne des Wortes Kapital zu schlagen, nicht aber Genugtuung für eine (-mit einer Persönlichkeitsrechtsverletzung einhergehende nachvollziehbare-) Kränkung zu erlangen.

Videokünstler Fritsch muss zahlen – und startet Crowdfunding-Kampagne

Für Videokünstler Fritsch bedeutet das Urteil in Sachen Technoviking zweierlei: Zum einen muss er an die 10.000 Euro bezahlen für Lizenzzahlungen, hinzu kommen Anwalts- und Gerichtskosten. Um diese aufzubringen, ist bereits eine Crowdfunding-Kampagne in Aktion.

Zum anderen darf er das Video sowie die Standbilder daraus nicht mehr im Original benutzen, sondern nur in solchen Versionen, bei denen der Protagonist weitreichend unkenntlich gemacht ist. Eine Verpixelung des Gesichts sei dabei nicht ausreichend, so das Gericht, denn es würden weiterhin Statur, Frisur, Haaransatz des Klägers erkennbar sein. Bei den Comic- und digital bearbeiteten Bildern, die Fritsch zeigt oder auf die er verweist, überwiege hingegen die Kunstfreiheit der jeweiligen Produzenten, so die Richter. Gerade hier zeigt sich, wie unsicher die Lage für Kunst in digitalen Medienwelten ist, wenn im Zweifelsfall Richter darüber entscheiden, wo deren Grenzen liegen.

Vor allem demonstriert das Urteil, wie limitiert die Mittel sind, die das Recht bei Internet-Phänomenen bietet. Obwohl jetzt wahrscheinlich das ursprüngliche Technoviking-Video vom Künstler verändert und verfremdet werden muss, spricht alles dafür, dass das Video – und vor allem die tausenden Adaptionen – weiterhin im Netz zu finden sein werden.

Dagegen kann man kaum etwas machen. Die Wirkung individueller rechtlicher Maßnahmen verpufft im Netz meist angesichts der Vielzahl an Fundorten und Quellen. Und das ganz besonders bei kulturellen Beiträgen, die sehr beliebt sind und daher oft geteilt und weiterverteilt werden. Dieser Tanz geht also weiter.

April 30 2013

Hans-Peter Feldmann: Kunstausstellung / Johnen Galerie, Berlin

Johnen Galerie participated in Gallery Weekend Berlin 2013 with a solo show with works by German conceptual artist Hans-Peter Feldmann. The exhibition Kunstausstellung represents the methodology the artist has developed within the last years. The show includes two installations: Dreigruppen (Trianda); mostly forgotten or unknown artists, mainly paintings from the 19th and early 20th century. Feldmann arranges three images of different traditional subject-matters and techniques. Each viewer may perceive and interpret these constellations in his or her own way. Thus images of clearly defined theme and content are integrated in a network of open and complex relationships. Furthermore the exhibition includes works where the author actually remixes portraits, scenes with small interventions: red noses, crossed eyes and black eyes add a strikingly modern and humorous accent to the dusty and solemn images.

In this video, gallery owner Jörg Johnen introduces us to Hans-Peter Feldmann’s and oeuvre and the artist’s current exhibition.

Hans-Peter Feldmann was born in Düsseldorf in 1941. His works have been shown in numerous exhibitions, lately at Deichtorhallen, Hamburg (2013), Serpentine Gallery, London (2012), Solomon Guggenheim Museum, New York (2011), Pinakothek der Moderne, Munich (2010), Kunsthalle Düsseldorf (2010) and Konsthall Malmö (2010). He lives and works in Düsseldorf.

Hans-Peter Feldmann: Kunstausstellung at Johnen Galerie Berlin (Germany). Interview with Jörg Johnen, April 26, 2013. Video by Frantisek Zachoval.

PS: Watch Hans-Peter Feldmann’s solo presentation within the framework of the exhibition The Endless Renaissance at Bass Museum in Miami Beach.

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April 29 2013

Richard Hughes at Anton Kern Gallery, New York

This video provides you with a walkthrough of British artist Richard Hughes’ solo show at Anton Kern Gallery in New York. Hughes was born in 1974 in Birmingham. He studied at Staffordshire University and Goldsmiths College London. Hughes lives and works in London. The current show at Anton Kern Gallery is Richard Hughes’ third solo exhibition at the gallery. It’s dominated by large sculptures that recall insect legs and seem to be made of lamp posts. The show runs until May 18, 2013. A Richard Hughes monograph was launched at the opening. More information is available after the break.

Richard Hughes. Solo exhibition at Anton Kern Gallery, New York. April 12, 2013. Video: Shimon Azulay.

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Exhibition text:

For his third solo show at Anton Kern Gallery, UK-based artist Richard Hughes has turned the gallery into a stage for a magic dance performed by a street gang of enchanted lamp posts, ice-cream-wafer-like garden walls and broken memorial statues found in the most dilapidated and dark corners of (British) suburbia. With his first artist monograph freshly published by JRP Ringier and two recent solo exhibitions at Tramway Art Space in Glasgow and Firstsite in Colchester, England, Hughes’ work is at the center of public attention.

Richard Hughes is known for his exceptional skill to turn ordinary, sometimes slightly repulsive objects that might be found in a hovel of a rooming house or unceremoniously dumped by the side of the road — bleak monuments to abused domestic or public spaces — into narrative sculptures. Their placement in a gallery space instantly invites questions as to its recent history, use, and function, or imminent action. Upon closer inspection, all objects reveal themselves as casts, meticulously crafted replicas of every-day things injected with an element of fantasy. The beauty within this ostensibly abandoned world lies in the moment of surprise when materials reveal themselves as “fakes.” This is the moment when hidden images and cultural memories become visible and intelligible, when the vernacular becomes a universal language. Hughes’ sculptures are not ready-mades. As facsimiles of common objects it’s not the object that is transformed but its reappropriated meaning and ability to reconfigure the object for the viewer. Gradually, these objects-turned-sculptures reveal their inherent capacity to tell stories, to evoke narratives that are charged with everyday-life experience and humor.

Richard Hughes has had solo exhibitions at Tramway, Glasgow (2012); Sculpture Court, Tate Britain (2006); The Showroom, London (2004); and is currently presented at Firstsite, Colchester, UK, in an exhibition entitled Time is over, time has come. His work has been exhibited internationally, including presentations at the François Pinault Collection, Punta della Dogana, Venice (2009); the Schirn Kunsthalle, Frankfurt (2008); and the Museum Abteiberg, Mönchengladbach, Germany (2006). Hughes was selected for the 55th Carnegie International, Carnegie Museum, Pittsburgh (2008); the fourth Liverpool Biennial (2006), and the British Art Show 6 (2005). He was nominated for the Beck’s Futures award in 2006 and was the recipient of the EAST International award in 2003.

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March 09 2013

Lita Albuquerque and Mollie McKinley at Spring/Break Art Show 2013

In this video, the artists Lita Albuquerque and Mollie McKinley talk about their collaboration for Spring/Break Art Show 2013 in New York. Their project is curated by Natalie Kovacs.

Interview with Lita Albuquerque and Mollie McKinley at Spring/Break Art Show 2013. New York, March 5,2013.

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March 06 2013

Spring/Break Art Show New York 2013: New Mysticism

Spring/Break Art Show in an old schoolhouse in Mott Street, New York, is a curator-driven art fair. The fair is in its second year. For 2013, the title is New Mysticism. 22 curators show work by more than 80 artists, who, according to the organizers, explore how digital semiotics, the internet and technology at large, combined with the old relics of 20th century visual culture, inform a new formal intuition. This video provides you with a walkthrough on the occasion of the preview on March 5, 2013.

Spring/Break Art Show: New Mysticism. Preview, March 5, 2013.

PS: Coming soon: Interview with the artists Lita Albuquerque and Mollie McKinley.

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Steve Turner Contemporary: Proyecto Basurto

Proyecto Basurto is an exhibition project conceived by the Los Angeles-based gallery Steve Turner Contemporary. Proyecto Basurto is a pop-up exhibition in Mexico City, featuring works by seven artists: Parker Ito, Edgar Orlaineta, Sarah Rara, Pablo Rasgado, Javier M. Rodriguez, Rafaël Rozendaal and Fabiola Torres-Alzaga. The exhibition is held in the historic Edificio Basurto, a landmark 1944 art deco apartment building in Colonia Condesa.

Steve Turner Contemporary: Proyecto Basurto. Interview with Steve Turner, February 22, 2013.

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March 05 2013

How Do I Look? Group Show at Roots & Culture Contemporary Art, Chicago

The group show How Do I Look? at the art center Roots & Culture in Chicago presents drawing, photography, video, and sculpture by the artists Edie Fake, Erin Leland, Aay Preston-Myint, Michael Sirianni, Latham Zearfoss. The press release explains that “the five artists in this show are together concerned with the physical construction of interiority, the confinement to oneself that nevertheless has a public appearance, and among other things, the richness of erotic encounters and their spatial dynamics. Employing sidelong glances, coded gestures and secret language, both in tactics of display and in attitude, the artworks of How Do I Look? continue both the feminist project of de-neutralizing domestic space and the queer project of de-pathologizing promiscuity. As a collection of encounters, How Do I Look? elicits desire from fluid erotics enacted relative to public disclosure, through the evocative interplay formed in moving from the openness of light to the cloaking of darkness. How Do I Look? is at once a self-obsessed trifle and an ever-prescient interrogation: “How do you see me? How do I see everything else?”. The exhibition runs until March 23, 2013.

Roots & Culture is a nonprofit contemporary art center. The mission of Roots & Culture Contemporary Art Center is to provide exhibition opportunities for leading-edge emerging artists and to develop the city of Chicago’s cultural community as a center for art production and a destination for artistic discourse.

How Do I Look? Group Show at Roots & Culture Contemporary Art, Chicago. Opening reception, January 22, 2013. Video by Francisco Cordero-Oceguera.

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March 01 2013

Michelle Grabner: DRAFT / Autumn Space, Chicago

DRAFT is the first exhibition of artist Michelle Grabner’s work at Autumn Space Gallery in Chicago. In this show, Michelle Grabner presents five large scale works and an edition. Included in the exhibition are a monochromatic woven gesso relief and a collaborative sculpture with Michelle Grabner’s husband Brad Killam.

Michelle Grabner is a Professor and Chair of the Painting and Drawing Department at The School of the Art Institute of Chicago. She is represented by Shane Campbell Gallery, Chicago and runs The Suburban and The Poor Farm with her husband Brad Killam. She will co-curate the 2014 Whitney Biennial at the Whitney Museum of American Art. Her work is included in the permanent collections at the Walker Art Center, Minneapolis; Museum of Contemporary Art, Chicago; MUDAM – Musée d’Art Moderne Luxemburg; Milwaukee Art Museum, Milwaukee, Wisconsin; Daimler Contemporary, Berlin; Smithsonian American Art Museum, Washington DC, and the Victoria and Albert Museum, London.

Michelle Grabner: DRAFT / Autumn Space, Chicago. Opening, February 23, 2013. Video by Francisco Cordero-Oceguera.

PS: Watch also: Brad Killam and Zach Cahill: Five Drills / Performance at NADA Cologne 2012.

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February 25 2013

Gutai: Splendid Playground. Retrospective at Guggenheim Museum, New York

Splendid Playground is the title of a retrospective at the Guggenheim Museum in New York that highlights the work of Japan’s avant-garde collective Gutai. Gutai (具体) was founded by Yoshihara Jirō in 1954. From 1954 until 1972, the Gutai group totaled 59 Japanese artists, who explored new art forms combining performance, painting, and interactive environments. The name “Gutai” literally means “concreteness” and stands for the direct engagement with materials its members were experimenting with. One of the major works on display is Motonaga Sadamasa’s Work (Water) (1956/2011), a large scale sculptural installation made of polyethylene tubes filled with brightly-colored water that the artist recreated for the rotunda of the Guggenheim museum. This video provides you with a walk through the exhibition. More information on the exhibition is available after the break. The exhibition Gutai: Splendid Playground at the Guggenheim Museum in New York runs until May 8, 2013.

Gutai: Splendid Playground. Retrospective at Guggenheim Museum, New York. Opening, February 14, 2013. Video by Shimon Azulay.

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Excerpt from the press release (English):

(NEW YORK, NY – February 11, 2013) — From February 15 to May 8, 2013, the Solomon R. Guggenheim Museum will present Gutai: Splendid Playground, a retrospective of the Gutai Art Association (1954–72), the radically inventive and influential Japanese art collective whose innovative and playful approaches to installation and performance yielded one of the most important international avant-garde movements to emerge after World War II. Based on fifteen years of research, Gutai: Splendid Playground provides a critical examination of both iconic and lesser-known examples of the collective’s dynamic output over its two-decade history and explores the full spectrum of Gutai’s creative production: painting, performance, installation art, sound art, experimental film, kinetic art, light art, and environment art. Gutai: Splendid Playground is the first North American museum exhibition devoted to the Gutai group and offers a comprehensive interpretation of the convention-defying movement.

Comprising approximately 145 works by 25 artists and spanning two generations of Gutai artists, Gutai: Spendid Playground is organized into six chronological and thematic sections presented along the Guggenheim ramps:

Play: An Uninhibited Act
Concept: Can a Piece of Cloth Be a Work of Art?
Network: To Introduce Our Works to the World
The Concrete: The Scream of Matter Itself
Performance Painting: Pictures with Time and Space
Environment: Gutai Art for the Space Age

The exhibition also includes documentary films of the group’s historic outdoor exhibitions and stage events and offers a focus on their eponymous journal as a platform for international artistic exchange. A centerpiece of Gutai: Splendid Playground is a site-specific commission of Work (Water) (1956/2011) by the late Motonaga Sadamasa. Prior to his death in 2011, Motonaga reimagined his iconic early Gutai outdoor installation, made of plastic tubes filled with colored water, for the Guggenheim rotunda.

Gutai: Splendid Playground is co-curated by Ming Tiampo, Associate Professor of Art History, Carleton University, Ottawa, and Alexandra Munroe, Samsung Senior Curator of Asian Art, Solomon R. Guggenheim Museum. Assistance was provided by Asian Art Curatorial Fellow Lyn Hsieh.

Gutai: Splendid Playground is supported in part by the Henry Luce Foundation.

Additional funding is provided by the National Endowment for the Arts, The Japan Foundation, the E. Rhodes and Leona B. Carpenter Foundation, Mitsubishi Corporation (Americas), the W.L.S. Spencer Foundation, Tokio Marine Holdings, the United States–Japan Foundation, and the Dedalus Foundation, Inc.

The Leadership Committee for Gutai: Splendid Playground is gratefully acknowledged for its support: Hauser & Wirth, Yoko Ono Lennon, Axel Vervoordt Gallery, Rachel and Jean-Pierre Lehmann, Cindy and Howard Rachofsky, Tina Kim and Jae Woong Chung, Marianne Boesky Gallery, Richard Roth, and those who wish to remain anonymous.

Exhibition Overview
The Gutai Art Association was founded in 1954 by the influential artist, teacher, and critic Yoshihara Jiro in the town of Ashiya, near Osaka. The group spanned two generations, totaling fifty-nine artists over its eighteen-year history. The name “Gutai” literally means “concreteness” and captures the direct engagement with materials its members were experimenting with around the time it began.

Against the backdrop of Japan’s World War II militarism and defeat, the American Occupation, and Japan’s postwar reconstruction as a democratic state, Yoshihara directed Gutai as an experimental environment for his protégés to explore the potential of their creative free will. Yoshihara’s call “Do what no one has done before!” pushed Gutai to break through borders between painting and performance, object and process, and between art, the ordinary public, and everyday life. He championed art making as an act of freedom, a gesture of individual spirit, a rite of destruction to create something new. Unbridled invention led the Gutai artists to experiment with new methods and materials: they painted with watering cans, remote-control toys, homemade cannons, and bare feet; made ephemeral site-specific works using the sky, water, sand, lightbulbs, and torn paper screens; and staged exhibitions in public parks, on the beach, and in bombed-out ruins. Gutai artists gained critical attention for their use of the body and for their experimentation with technology and nature.

The Gutai group grew out of both a rich local cultural context and critical engagement with international contemporaries. The local context, arising from the cosmopolitanism of the Kansai region, included prewar modernism, theater design, traditional Japanese festivals, children’s art education, and avant-garde calligraphy. The international context included Abstract Expressionism, Art Informel, Gruppe Zero, Happenings, and environment art—all movements with which Gutai intersected both at home and abroad. Gutai: Splendid Playground seeks both to examine Gutai’s aesthetic strategies in the cultural, social, and political context of postwar Japan and to further establish the group in an expanded, transnational history and critical discourse on modern art.

Gutai artists perceived early on that the canvas had become a contested arena internationally, and inspired by Yoshihara’s ethic of originality and individualism, they literally leapt through the picture plane in their search for new forms of art. During their first phase (1954–61), Gutai constructed self-expression as an assertion of the individual against the mass-conformist legacies of wartime totalitarianism. Not only did they lead by example, performing powerful acts of self-expression, but they sought to develop the autonomy of others—of their audience, the general public, and especially of children—by provoking them to think, create, and imagine for themselves. The exhibition features Tanaka Atsuko’s interactive sound-art installation Work (Bell) (1955 [refabricated 1993]), where visitors activate a cacophony of bells ringing sequentially across the Guggenheim’s Ramp 2; and “performance paintings” by Murakami Saburo, Shimamoto Shozo, and Shiraga Kazuo. For Shiraga, painting with his feet enabled an unmediated encounter with the material and a direct bodily form of artistic expression, seen in such paintings as Untitled (1957) and Wild Boar Hunting II (1963) and in his performance Challenging Mud (1955), where the artist “painted” with his entire body in a pile of grit, directly engaging with raw matter.

During the group’s second phase (1962–72), Gutai assessed and experimented with new technologies, seeking ways to counter the perceived dehumanization caused by Japan’s rapid growth and evaluating its cultural impact. The exhibition highlights artists from this later period of Gutai production, who have long been neglected in scholarship, such as Imai Norio, Imanaka Kumiko, Kikunami Joji, Matsuda Yutaka, Matsutani Takesada, Mukai Shuji, Nasaka Senkichiro, Nasaka Yuko, and Yoshida Minoru. Exploring the relationship between art, its environment, and the viewer, Gutai’s intermedia works incorporate optical illusion, light projection, and movement. Artists frequently motorized their sculptures, turning exhibition spaces into dens of screeching, pulsing, machinelike organisms. Yoshida‘s erotic machine-sculpture Bisexual Flower (1970) mines the psychedelic effects of this approach.

During the group’s lifetime, Gutai artists showed on four continents and distributed their magazine, the Gutai journal, to contacts around the world. In 1962, Yoshihara established the Gutai Pinacotheca, which became the center of the group’s activities, functioning as an exhibition space and a site for international engagement. In 1958, the Gutai group was featured in their first exhibition in the United States, at the legendary Martha Jackson Gallery in New York. It was not until 1965, however, when Gutai was included in a show at the Stedelijk Museum in Amsterdam on the Nul and Zero movements that Gutai’s role as a pioneer of intermedia experimental art was fully recognized. Long misunderstood abroad as a painting movement by virtue of the group’s 1957–65 collaborations with French Informel critic Michel Tapié, the full spectrum and historic contexts of Gutai’s highly innovative cross-genre approaches to art making within an international context have remained understudied.

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February 21 2013

Ferdinand Hodler at Fondation Beyeler

Ferdinand Hodler is considered as the best-known Swiss painter of the 19th century. Hodler is known for his portraits and nature and landscape images, especially those of the Swiss mountains and lakes. Hodler’s paintings had a major influence on Switzerland’s picture and perception of itself. At the same time, he was one of the most important representatives of the transition from the 19th century to modernism. The Fondation Beyeler in Riehen (Basel, Switzerland) currently presents a comprehensive exhibition of the late work of Ferdinand Hodler. The show has been organized in conjunction with the Neue Galerie in New York and is curated by Ulf Küster (Fondation Beyeler) and Jill Lloyd (Neue Galerie). In this video, Ulf Küstler provides us with a guided tour of the exhibition. He presents highlights of the show and talks about the life and work of the artist. (This video is an excerpt. The full-length versions in English and German language are coming soon on this page. They are already available on Fondation Beyeler’s YouTube channel.).

The exhibition at Fondation Beyeler, which focuses on the late work of the Swiss painter Ferndinand Hodler, comprises some 80 works and includes loans from renowned Swiss and American private collections and major national and international museums. The show is complemented by a extensive supporting program such as lectures, readings, and a dance performance.

Ferdinand Hodler at Fondation Beyeler. Tour with curator Ulf Küster, February 6, 2013.

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February 20 2013

Jake & Dinos Chapman: Chicken / PinchukArtCentre, Kyiv (Ukraine)

The exhibition Chicken by Jake & Dinos Chapman at the PinchukArtCentre in Kiyv (Ukraine) presents the specially produced new installation The Sum of all Evil, that represents a synthesized reflection upon the central themes such as the Holocaust, violence, and death. The Chapman brother’s fascination with sharp subversive humor and unbridled aggression is apparent throughout their work. The Sum of all Evil is an enormous miniature scenery, which is composed of four encased dioramas. It is a continuation to Chapman’s’ earlier epic nine-part installations, Hell (1999-2000) and Fucking Hell (2008). Jake & Dinos Chapman: Chicken brings together many of the artist’s most celebrated works: early iconic sculptures such as The Chapman Family Collection (2002), Sex I (2003) and From the Blackened Beyond (2011). In this video we attend the opening reception of the exhibition, and Eckhard Schneider, (General Director of the PinchukArtCentre) provides us with an introduction to the exhibition. Finally, Jake & Dinos Chapman talk in detail about the work The Sum of All Evil. The show runs until April 21, 2013.

Jake & Dinos Chapman: Chicken at PinchukArtCenter, Kyiv (Ukraine). Interview with Eckhard Schneider, Jake & Dinos Chapman, February 15, 2013. Video by Frantisek Zachoval.

PS: Watch also: Tony Oursler: agentic iced etcetera. Solo Show at PinchukArtCentre in Kyiv, Ukraine.

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Eckhard Schneider, General Director of the PinchukArtCentre:


“Jake and Dinos Chapman’s work continually verges on the breaking of taboos. It can be extremely offensive in its use of black humor and subversive jokes, addressing issues of violence, war, the Holocaust, genetic manipulation and death in all their inhumanity. It seems they are always ultimately concerned with generating a moral panic. The selection of work in this case fulfills such claims in a very specific manner, in that they will be premiering a new work, Sum of All Evil, which references the Babi Yar massacres in Kiev.”



PinchukArtCentre is an international center for contemporary art of the 21st century in Kyiv, the capital and largest city of Ukraine. It was opened in 2006 by the Victor Pinchuk Foundation. Jake Chapman was born in 1966 in Cheltenham and Dinos Chapman in 1962 in London. They live and work in London. They have exhibited extensively, including solo shows at the The State Hermitage Museum, St Petersburg (2012); Museo Pino Pascali, Polignano a Mare (2010); Hastings Museum (2009); kestnergesellschaft, Hanover (2008); Tate Britain, London (2007); Tate Liverpool (2006); Kunsthaus Bregenz (2005); Museum Kunst Palast Dusseldorf (2003); Modern Art Oxford (2003) and the P.S.1 Contemporary Art Center, New York (2000); upcoming in November 2013 will be a solo show at the Rudolfinum, Prague. Group exhibitions include the 4th Moscow Biennale of Contemporary Art (2011); the 17th Sydney Biennale (2010); Meadows Museum, Dallas (2010); Rude Britannia, Tate Britain (2010); Bundeskunsthalle, Bonn (2010); Hareng Saur: Ensor and Contemporary Art, S.M.A.K, Ghent (2010); the National Centre of Contemporary Art, Moscow (2009); Kunstverein Hamburg (2009); British Museum, London (2009); Palais des Beaux Arts de Lille (2008); Haus der Kunst, Munich (2008); ICA, London (2008); Annenberg Courtyard, Royal Academy of Arts, London (2007); Museum of Contemporary Art Kiasma, Helsinki (2006) and the Turner Prize exhibition, Tate Britain (2003).

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PinchukArtCentre представляє першу персональну виставку в Україні Джейка та Діноса Чепменів під назвою «Курча». Проект побудований довкола нової масштабної інсталяції художників «Усе зло світу» (2013), що формує цілісний погляд на головні теми творчості братів – Голокост, жорстокості та смерть. Також, виставка включає в сеье відомі арт-об’єкти Чепменів, гостре почуття гумору та неприборкана агресія яких провокують конфлікт та піддають сумніву табу, що існують у сучасному світі.

February 18 2013

Lichtenstein. A Retrospective. Tate Modern, London

With the exhibition Lichtenstein. A Retrospective, the Tate Modern in London currently presents a full-scale retrospective of one of the great American artists of the 20th century. The show brings together 125 of Roy Lichtenstein’s most definitive paintings and sculptures. Lichtenstein is known for his works based on comic strips and advertising imagery. His paintings are colored with his signature hand-painted Benday dots. Lichtenstein. A Retrospective showcases key paintings such as Whaam! (1996), Drowning Girl (1963), and Look Mickey (1961). This video takes you on a walk through the exhibition on the occasion of the press preview.

Lichtenstein. A Retrospective. Tate Modern, London (UK). Press preview, February 18, 2013.

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