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January 17 2014

Krystian Woznicki: „Wie könnte Selbstermächtigung in Zeiten der digitalen Kontrolle aussehen?“

Am 25. und 26. Januar findet in der Volksbühne Berlin die Konferenz Einbruch der Dunkelheit statt, organisiert von der Kulturstiftung des Bundes. Sie ist eines von mehreren Events, die in Berlin zum Thema Netz in nächster Zeit stattfinden. Kurator des Programms ist Krystian Woznicki. Wir befragten ihn zu den Motiven der Konferenz, und wollten wissen, welche Wirkungen sie erzielen kann.

iRights.info: Sie kuratieren „Einbruch der Dunkelheit“. Warum halten sie diese Veranstaltung jetzt für notwendig?

Krystain Woznicki ist Gründer und Herausgeber der Online-Zeitung Berliner Gazette sowie als Buch-/Autor und Veranstaltungs-Kurator tätig.

Krystain Woznicki ist Gründer und Herausgeber der Online-Zeitung Berliner Gazette sowie als Buch-/Autor und Veranstaltungs-Kurator tätig.

Krystian Woznicki: Die durch die Snowden-Enthüllungen entfachte Debatte bietet eine einmalige Chance, wichtige gesellschaftliche Themen breitenwirksam zu diskutieren. Die Konferenz sieht Überwachung in einem breiteren Kontext als die bisherigen Diskussionen. Bislang wird das Thema weitgehend auf eine staatsrechtliche und verfassungsrechtliche Perspektive reduziert. Dieser Fokus ist zu eng gesetzt.

iRights.info: Was kann man Ihrer Auffassung nach mit solchen Veranstaltungen erreichen?

Krystian Woznicki: „Einbruch der Dunkelheit“ versucht die gesellschaftliche und kulturelle Dimension von Überwachung ins Blickfeld zu rücken. Was nützen die besten Gesetze, wenn die große Mehrheit in Deutschland keinen ausgeprägten Sinn für die aktuelle Konditionen von Privatheit hat? Was nützen transparentere Geheimdienste, wenn rundum digitalisierte Selbstausleuchtung unter anderem in sozialen Netzwerken zu einer neuen gesellschaftlichen Norm wird? Die Konferenz, die ich gemeinsam mit dem Berliner Gazette-Team kuratiert habe, versucht erforderliche Gesetzes- und Lifestyle-Korrekturen zusammenzudenken.

iRights.info: Man könnte bei Betrachtung des Programm sagen, es hat etwas von „zu den Bekehrten predigen“ – oder weshalb könnte die Veranstaltung eine größere Öffentlichkeit erreichen?

Krystian Woznicki: Hier kommen verschiedene Sektoren und Akteursgruppen zusammen, die sonst nicht miteinander an einem Tisch und teils eher aneinander vorbei reden: digitale Welt, Academia, Kultur, Subpolitik. Dieses grenzüberschreitende Moment ermöglicht den Blick über den Tellerrand, über Insider-Kreise hinaus.

iRights.info: Es ist ein sehr umfangreiches Programm, das viele interessante Ergebnisse erwarten lässt. Werden diese weitergehend genutzt oder veröffentlich?

Krystian Woznicki: Die Konferenz wird auf Video dokumentiert: Live-Videos von den öffentlichen Programmpunkten einerseits, ausführliche Interviews mit ausgewählten Speakern andererseits – in beiden Fällen ist DCTP.TV der Partner.

iRights.info: Wie erklären Sie eigentlich den Veranstaltungstitel? Was hat „Einbruch der Dunkelheit“ zu bedeuten?

Krystian Woznicki: Überwachung wird als ein Ausleuchtungsjob betrieben: Alles soll ins Licht gerückt, sprich: datentechnisch erfassbar gemacht werden. Dem stellt die Konferenz das vernachlässigte Gegenteil gegenüber. „Einbruch der Dunkelheit“ ist nicht zuletzt ein Was-wäre-wenn-Szenario und lädt zu einem Trockenschwimmen ein: wie könnte Selbstermächtigung in Zeiten der digitalen Kontrolle aussehen?

Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Nikola Richter, Kuratorin der ähnlich gelagerten Veranstaltung Netzkultur – Die stumme Masse, die ebenfalls in Kürze in Berlin stattfindet.

Mit Kreativität gegen das digitale Misstrauen

„Netzkultur – Die stumme Masse“ ist nur eines von mehreren Events, die in Berlin zum Thema Netz in nächster Zeit stattfinden. Wir haben die Kuratorin Nikola Richter über die Hintergründe befragt.

iRights.info: Sie haben die Veranstaltungsreihe Netzkultur kuratiert. Was war der Anlass gerade jetzt ein solches Event zu machen?

Nikola Richter: 2013 war durch die Snowden-Affäre und das nun herrschende Gefühl der Dauerüberwachung eines jeden Bürgers ein Jahr der großen Netz-Enttäuschung. Sascha Lobo sprach ja gerade in der FAZ von der „digitalen Kränkung des Menschen“. Wir wollen uns mit der Netzkultur, die den bekennenden Untertitel „Freunde des Internets“ trägt, nicht von der Utopie des Netzes verabschieden, sondern zeigen, wie und wo man das Netz immer noch mitgestalten kann – und muss. Wir richten dabei den Blick besonders auf die digitalen Einflüsse innerhalb der Kultur, darauf, welche Strategien Künstler und Kulturschaffende wählen. Vielleicht kommt man nur mit Kreativität gegen das digitale Misstrauen an.

iRights.info: Was kann man mit einer solchen Veranstaltung erreichen?

Nikola Richter: Aufklärung, Bewusstsein, neue Bündnisse, Solidarisierung untereinander. Bei der ersten Netzkultur-Veranstaltung haben wir etwa einen Kryptographie-Workshop und einen Remix-Workshop angeboten, die beide gut besucht waren. Es geht ja auch darum, sich selbst zu ermächtigen. Nicht nur zu konsumieren. Sondern zu gestalten. Bei der Netzkultur am 18. Januar, die sich unter dem Titel „Die stumme Masse“ neuen Konzepten von Gemeinschaft widmet, geht es unter anderem um die Möglichkeit anderer Finanzierungsmodelle in der Kultur – durch E-Kampagnen –, um Liquid Feedback oder Social Media als künstlerische Intervention. Darüber spricht Geert Lovink.

iRights.info: Warum der Titel „Die stumme Masse“?

Nikola Richter: Weil die stumme Masse das Doppelgesicht des Netzes darstellt: Sie ist einerseits stumm (und vielleicht dumm), andererseits ist sie auch aktivierbar, sie hat Macht, sie greift ein, sie organisiert sich, oft selbst. Es sind viele, die hier mitdenken, -schreiben, -liken können. So wie das Netz weder gut noch schlecht ist, ist auch die Masse erstmal weder gut noch schlecht.

iRights.info: Ist das nicht „zu den Bekehrten predigen“? Kann man eine größere Öffentlichkeit erreichen?

Nikola Richter: Erstaunlicherweise ist das Netzthema ja kein Nischenthema mehr für ein paar vereinzelte Hacker und Nerds. Es ist da und wir alle sind drin. Ich bin mir absolut sicher, dass es eine größere Öffentlichkeit interessiert und erreichen kann. Nur Massen sind ja bekanntlicherweise etwas träge …

iRights.info: Was passiert mit den Ergebnissen?

Nikola Richter: Wir halten alles fest. Wir speichern alles! Nein, ohne Witz, wir versuchen wirklich, möglichst nachhaltig Inhalte zu produzieren. In einem kostenlosen digitalen Programmheft, das für jede Veranstaltung eigens als ePub und als PDF produziert wird, finden sich Extramaterialien der Referenten, downloadbar von unserer Website netzkultur.berlinerfestspiele.de/media. Dort werden wir auch Audiomitschnitte der Panels und Vorträge zur Verfügung stellen, ebenso Fotos, Presse- und Blogberichte. All dieses ist schon für die erste Netzkultur zu „Technologie-Evolutionen“ erhältlich, etwa die Vorträge von Juli Zeh und Frank Schirrmacher oder ein Gespräch zu technologischen Entwicklungen in der Musik mit dem Sample-Vorreiter Deutschlands Holger Hiller von „Palais Schaumburg“.

iRights.info: Worum geht es bei der Veranstaltung am 22. Februar?

Nikola Richter: Um digitale Identitäten, darum, wie Künstler ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis mit dem Netz oder über das Netz prägen. Der New Yorker Autor Tao Lin wird etwa das Internet in den Kontext der Menschengeschichte stellen, ausgehend von frühen Landwirtschaftskulturen (125.000 Jahre zurück) bis zu unserer Gegenwart und Zukunft, mit dem Fokus darauf, wie sich die Vorstellung von Privatsphäre verändert hat. Ebenso kommt der globale Nomade Momus für ein Konzert und die Verlegerin und Autorin Daniela Seel (kookbooks) gibt zusammen mit dem Lyriker Tristan Marquardt einen Workshop zum Dichten mit Google Translate oder Erasure-Services.

January 16 2014

Netzveranstaltungen in Berlin: Die stumme Masse, Einbruch der Dunkelheit, Afterglow

Internet-Konferenzen haben Konjunktur. Gleich drei Veranstaltungen finden in den nächsten zwei Wochen allein in Berlin statt: „Netzkultur: Die stumme Masse“ im Haus der Berliner Festspielen, „Einbruch der Dunkelheit“ in der Volksbühne Berlin und schließlich das diesjährige Transmediale-Festival mit „Afterglow“.

Foto:  © Ali Ghandtschi / Berliner Festspiele

Foto: (c) Ali Ghandtschi / Berliner Festspiele

Den Anfang machen die Berliner Festspiele mit der Bundeszentrale für politische Bildung am Samstag, dem 18. Januar. An diesem Tag findet der zweite Teil der „Netzkultur“-Reihe unter dem Motto „Die stumme Masse“ statt. Darin geht es um Netzcommunities, Social Media und um die Frage, wie Nutzer das Netz mitgestalten können. Es gibt Vorträge und Panels unter anderem mit Angela Richter (Regisseurin), Joseph Farell (Wikileaks), Paula Hannemann (change.org), John Ngo über Web-Communities und Geert Lovink (Internettheoretiker) und ein Konzert von Koenigleopold.

Der erste Teil fand am 30. November 2013 statt und war betitelt „Technologie-Evolution – Wo wir herkommen“ (die Dokumentation ist online). Der Termin für den nächsten Teil ist der 22. Februar.

Foto: “Metro Sleepers”, © Yanidel

Foto: „Metro Sleepers“, (c) Yanidel

Das Wochenende drauf – am 25. und 26. Januar – folgt die Konferenz „Einbruch der Dunkelheit“ in der Volksbühne Berlin.

Gäste wie Jacob Appelbaum, Evgeny Morozov, Dietmar Dath, Bruce Sterling, Federico Ferrari, Urs Stäheli, Eleanor Saitta, andcompany&Co. und viele anderen diskutieren Fragen wie „Wann sind Sicherheitstechnologien sinnvoll, wann werden sie gefährlich? Ist ein Verlangen nach Geheimnis und Dunkelheit angesichts der technischen Entwicklung nur ein anachronistischer Reflex? Erfordert eine demokratische Kultur freier Individuen nicht gerade die Einrichtung von Schutzräumen des Privaten und Ungeteilten?“.

Daneben gibt es ein Workshop-Programm, in dem man sich zum Beispiel mit Anonymisierungstechniken, aber auch mit „Geek Mental Health“ beschäftigen kann. Die Konferenz wurde konzipiert von Krystian Woznicki von der Berliner Gazette.

Transmediale 2014 – Afterglow, Artwork: The Laboratory of Manuel Bürger

Den vorläufigen Abschluss bildet die Transmediale unter dem Titel „Afterglow“. Das jährliche Medienfestival findet in diesem Jahr vom 29. Januar bis zum 2. Februar 2014 statt – wie in den vorherigen Jahren im Haus der Kulturen der Welt.

Die dazugehörige Konferenz (30. Januar bis 2. Februar 2014) verläuft entlang der drei Themenstränge „Hashes to Ashes“, „Afterglow of the Mediamatic“ und „Will You Be My Treasure?“ und „untersucht die gegenwärtige Situation der digitalen Kultur, ausgehend von der Metapher Afterglow. Im Fokus stehen Überlegungen zu den geopolitischen, infrastrukturellen und körperlichen Folgen der exzessiven Digitalisierung, die in den vergangenen drei Jahrzehnten stattgefunden hat.“

Gäste sind unter anderem Jacob Appelbaum, Laura Poitras, Mike Stubbs, Benjamit Bratton, Kate Crawford, Olia Lialina und viele mehr.

January 09 2014

„Geistiges Eigentum“ – Schutz oder Hindernis? Workshop in Essen

„Heute sind immer mehr Autoren, Bibliothekare, Verlage und nicht zuletzt auch Wissenschaftler mit dem Problem konfrontiert, dass der bestehende Schutz des ‚geistigen Eigentums’ und die verschiedenen neuen Vertragsvarianten ihre digitale Textproduktion und -distribution eher behindern als schützen.“ So die These des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“, der morgen in Essen stattfindet.

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Foto: neelaka, CC by

Organisiert von Thomas Ernst vom Fachbereich Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, werden sich Akademiker und Praktiker in dem Workshop mit den Fragen beschäftigen,  die aus dem digitale Wandel resultieren: Wie lassen sich eigenständige Werke noch als solche abgrenzen, wenn zum Beispiel Texte intermediale Verbindungen eingehen, durch Hyperlinks in einen sich wandelnden Raum über sich hinausverweisen, User Generated Content integrieren oder auf ihre kontinuierliche Modifikation angelegt sind?

Wie sinnvoll ist der Schutz von Werken noch, wenn die digitale Kopie ungekannte Potenziale zur schnellen und identischen Vervielfältigung von Inhalten bereithält und jeder heutige Schutz morgen schon wieder umgangen werden kann? Inwiefern ist die Rede vom Urheber angesichts einer neuen Intensität der kollektiven Textproduktion noch zeitgemäß und die Grenze zwischen Urheber und Leser zum Beispiel in Crowdsourcing-Projekten nicht ohnehin bereits aufgelöst?

Livestream, Hashtag, Blog

iRights.info ist Medienpartner des Workshops, der am morgigen Freitag, dem 10. Januar von 13 bis 19 Uhr im Bibliothekssaal des Campus Essen stattfindet, und auch als Livestream übertragen wird  (öffnet externen Player – bei Problemen die URL im VLC-Player öffnen):

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-28422/NdgE_Live.asx

Der Hashtag für Feedback ist #ndge; der Workshop wird vom Weblog Digitur – Literatur in digitalen Medien begleitet, das von der studentischen Webredaktion des MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ gestaltet wird.

Programm

12:30 Ankunft und Anmeldung

Eröffnung des Workshops ‚Nach dem geistigen Eigentum?‘

13:00 Prof. Dr. Rolf Parr (Universität Duisburg-Essen):Grußwort des Studiengangleiters ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ 13:10 Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen):Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht

Praktische Potenziale und (rechtliche) Probleme des digitalen Publizierens

13:30 Dirk von Gehlen (Leiter Social Media/Innovation, Süddeutsche Zeitung; Crowdfunder):War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen 14:15 Kaffeepause 14:45 Klaus-Peter Böttger (Vorsitzender EBLIDA – European Bureau of Library, Information and Documentation Associations; Leiter der Stadtbibliothek Essen):Warum das Urheberrecht ein Problem für die ‚Onleihe‘ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?

Interdisziplinäre Lösungsansätze zu (rechtlichen) Problemen des digitalen Publizierens

15:30 Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht, Humboldt-Universität zu Berlin):‚Geistiges Eigentum‘ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft 16:15 Kaffeepause 16:45 Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven mit
  • Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr);
  • Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen);
  • Matthias Spielkamp (Redaktionsleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt);
  • Dorothee Werner (Leiterin Unternehmensentwicklung, Grundsatz- und strategische Fragen beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels);
  • Moderation: Dr. Thomas Ernst
18:30 Ausklang des Workshops im Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18,  45127 Essen

Ort

Universität Duisburg-Essen
Campus Essen
Bibliothekssaal
Universitätsstr. 9-11
45117 Essen

Zwischen den Gebäuden R09 und R11, siehe auch: Anfahrtbeschreibung.

November 11 2013

„Netzpolitik und Netzkompetenz für eine nächste digitale Zukunft“ bei Internet & Tacos am 16.11.2013 in Hildesheim

Hinter dieser Wortkombination verbirgt sich eine Veranstaltungsreihe von Studierenden der Uni Hildesheim und interessierten Nutzer_innen vom 9. bis zum 30. November. Am 16. November gibt es eine Veranstaltung mit Kathrin Ganz, Michael Seemann und yours truly Valie Djordjevic unter dem Titel „Netzpolitik und Netzkompetenz für eine nächste digitale Zukunft“.

Internet and Tacos, Flickr, CC-BY-SA

Wir sprechen dabei über die Möglichkeiten des Netzes, Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen und sie zu verändern:

Dabei fragen wir uns zunächst: Wie hat das alles angefangen? Was waren die Projekte, die die Ideen vom Cyberspace als utopischen Ort in konkrete Versuche überführt haben? Welche Formen der Aushandlung der Zukunft des Internets wurden seither gefunden, verworfen, reformuliert? Und was ist der aktuelle Stand des Netzes und seiner Gemeinde: Kann das Internet Werkzeug für mehr Demokratisierung und Teilhabe sein? Oder im Gegenteil: Quittieren wir als User_innen mit der permanenten Produktion von Daten unsere eigene Überwachung? Oder ist genau dieser Kontrollverlust der einzige Weg zu mehr Selbstbestimmung? Welche Konsequenzen hat die Architektur des Internets für eine Gesellschaft, die zunehmend digitaler wird? Wir wollen die Möglichkeiten und Handlungsspielräume zur Gestaltung unserer Lebenswelt in der nächsten digitalen Zukunft diskutieren.

Ich erzähle etwas über Diskurse und Diskussionen der letzten 20 Jahre Internet, Kathrin Ganz setzt sich mit dem aktuellen Stand der Netzbewegung in Deutschland auseinander und Michael Seemann nimmt den Begriff „Kontrollverlust“, um mit ihm aktuelle Themen wie Datenschutz und Privatsphäre im Netz zu untersuchen.

Auch nach dem 16. finden noch jede Menge interessanter Veranstaltungen statt, wie man im vollständigen Programm der Reihe nachlesen kann.

November 05 2013

Zukunftsfragen der Netzpolitik – Veranstaltung in Tutzing

Wer noch nicht in Tutzing war, kennt Bayern nicht. Am Westufer des Starnberger Sees lässt es sich nicht nur gut spazieren, sondern auch wichtige netzpolitische Fragen diskutieren. Ein guter Anlass ist die Veranstaltung “Politik 2.0? Herausforderungen an die Netzpolitik”.

Ende November vom 29. November bis 1. Dezember 2013 versammelt sich in der Evangelischen Akademie Tutzing ein illustrer Kreis an spannenden Referenten um einen Parforce-Ritt durch netzpolitische Fragen vorzunehmen. In der Einladung heißt es zu den Inhalten der Veranstaltung:

Netzneutralität, Open Data, Urheberrecht – Begriffe, die die öffentliche Diskussion um Netzpolitik bestimmen. Doch die Anforderungen wachsen rasant: Welche Auswirkungen hat das Internet auf Bildungs- und Kulturpolitik? Welche Voraussetzungen sind nötig für Open Governance und Digitale Demokratie? Ein Streifzug durch die Schwerpunkte eines jungen Politikbereichs.

Das interessante Programm beinhaltet nicht nur hochrangige Referenten, sondern auch eine Morgenandacht in der Schlosskapelle. Noch sind ein paar Plätze frei und man kann sich via Online-Formular anmelden.

November 01 2013

Open Access in Berlin: Zwei Gespräche und eine Ausstellung der Max-Planck-Gesellschaft

Soll das Wissen in Museen und Sammlungen frei im Netz zugänglich sein? Dieser Frage widmet sich die Berliner „Science Gallery” der Max-Planck-Gesellschaft mit einer rund vierwöchigen Veranstaltungsreihe. Begleitend zu einer ständigen Ausstellung finden zwei Podiumsdiskussionen statt.

Museen, Archive und Bibliotheken sind die traditionellen Orte, Wissen zu speichern. Was bedeutet „Open Access“ für sie? Welche Regeln und Regelungen wären notwendig? Aus Anlass des zehnten Jahrestages der „Berliner Erklärung“ gibt es in der Max Planck Science Gallery am Berliner Gendarmenmarkt vom 25. Oktober und bis zum 23. November die Reihe „30 Tage für Open Access“. Matthias Spielkamp, Projektleiter bei iRights.info, moderiert die Podiumsgespräche. (Eintritt frei, Anmeldung erbeten bei <mpgberlin at gv.mpg.de>).

Am 4.11.2013 um 19 Uhr heißt esKulturgut im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit. Was bringt Open Access Museen und Sammlungen?“. Es diskutieren Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Jürgen Renn, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte:

Mit Open Access verbunden sind nicht nur praktische Probleme der Datenerfassung, sondern auch die Angst, dass die neue digitale Museumswelt in Konkurrenz tritt mit dem Original. Wo bleibt die Aura des Objekts? Kommen Besucher noch ins Museum, wenn alles digital verfügbar ist? Viele Museen stellen sich der Herausforderung und beginnen digitale und analoge Präsentationen kreativ miteinander zu verbinden. Was ist zukunftstauglich? Welche Rolle spielt das Museums in einer digitalisierten Welt, und kann Open Access den Wert von Sammlungen als Wissensspeicher auch unterstützen?

Am 18.11.2013 um 19 Uhr geht es um die Frage, ob Open Access die Position der Bibliotheken stärkt oder noch mehr Arbeit auf sie zukommt: „Who’s afraid of red tape? Open Access for a next generation science library”.

Vielfach sind die Bibliotheken noch nicht einmal auf dem aktuellen Stand der Technik angekommen. Zu wenige Ressourcen, schwierige Sammlungsgeschichten und die zunehmende Flut von Publikationen lassen die angestammten Wissensspeicher oft als Nachzügler erscheinen.

Darüber sprechen Jens Vigen, Leiter der Forschungsbibliothek am Forschungszentrum CERN und Richard E. Luce, Dekan der Bibliotheken der University of Oklahoma.

Seit dem 25.10.2013 ist in der Science Gallery auch die ständige Ausstellung „Wissen für alle” zu sehen. Sie handelt von der Welt des wissenschaftlichen Publizierens, der Globalisierung von Wissen und der Entwicklung der Open-Access-Bewegung. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr, Montag und feiertags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

October 08 2013

iRights auf der Frankfurter Buchmesse

FBM Datum dt CMYK 150x150Bei der morgen beginnenden Buchmesse in Frankfurt/Main ist iRights in zwei Podiumsdiskussionen vertreten, zur Zukunft der „Deutschen Digitalen Bibliothek“ sowie zu „digitalen Vermittlungsformen für Kulturinstitutionen“.

Auf Einladung des Bibliotheken-Fachmagazins „b.i.t. online“ sowie von „Fachbuchjournal“ und „Library Essentials“ diskutieren am morgigen Mittwoch (9. Oktober) sechs Experten die Zukunft der „Deutschen Digitalen Bibliothek“. Sie fragen und besprechen, was bei diesem bundesdeutschen Kultur-Großprojekt noch geht, ob „Stillstand oder Fortschritt“ herrscht. Auf dem dafür in Halle 4.2 am Stand P 99 eingerichteten „b.i.t. Sofa“ sitzt auch Paul Klimpel, Leiter des iRights.Labs Kultur, zudem Bernhard von Becker (Beck Verlag), Frank Frischmuth (Deutsche Digitale Bibliothek“, Steffen Meier (Eugen Ulmer Verlag) Uwe Müller (Deutsche Nationalbibliothek), Moderator ist Rafael Ball, Direktor der Universitätsbibliothek Regensburg und Chefredakteur von b.i.t. online.

Die Deutsche Digitale Bibliothek wurde 2007 ins Leben gerufen und ist ein gemeinsames Vorhaben von Bund, Ländern und Gemeinden. Ziel ist, jedermann freien Zugang zum (digitalisierten) kulturellen und wissenschaftlichen Erbe Deutschlands zu eröffnen. Mit generellen Herausforderungen einer solchen „digitalen Gedächtniskultur“ befasst sich Paul Klimpel seit längerem intensiv. Jüngst stellte er sein Buch „Was bleibt – Nachhaltigkeit der Kultur in der digitalen Welt“ vor, das bei iRights.media als E-Book und in gedruckter Form erschienen ist.

Die Diskussion beginnt am 9.10. um 12 Uhr in Halle 4.2, Stand P 99.

Ebenfalls morgen veranstaltet die Willi Baumeister Stiftung eine Podiumsdiskussion zum Oberthema „Kunst und Digitalisierung“, an der iRights.Media-Verlagsleiter Phillip Otto teilnimmt. Für ihn und Felicitas Baumeister (Willi Baumeister Stiftung), Jens Redmer (Google) sowie Jörg Dörnemann (epubli) geht es auf dem Podium um konkrete Erfahrungen mit digitaler Kunstvermittlung, neuen Verlagslösungen und Lizenzmodellen. Moderatorin der Veranstaltung ist Julia Schmitz vom KUNST Magazin, nach der Diskussion gibt es Gelegenheit für Fragen aus dem Publikum.

Anlass der Diskussionsrunde ist die Veröffentlichung der Monografie „Willi Baumeister: Schöpfer aus dem Unbekannten“ der Kunsthistorikerin Brigitte Pedde, die vor der Podiumsrunde eine Einführung in das Werk gibt. Das Kunstbuch erscheint als digitales Werk und im „Open Access“. Das meint hier, sämtliche Abbildungen sind in hoher Auflösung frei im Internet verfügbar, auch Schulen und Universitäten können kostenlos auf Baumeisters Werk zugreifen und die Materialien für ihre Arbeit verwenden.

Die etwa einstündige Podiumsrunde findet am 9. Oktober um 18 Uhr im Lesezelt der Frankfurter Buchmesse statt.

September 24 2013

Die Internationalisierung der Recherche – und wie Kriminelle und Regierungen versuchen, sie zu verhindern. Öffentliche Diskussion in Berlin

Wie koordiniert man eine internationale Armada verschiedener Akteure dabei, 2,5 Millionen Dokumente auszuwerten, wie etwa bei den Offshore-Leaks? Wer finanziert solche Recherchen, und wie schützt man sie davor, von Regierungen und Unternehmen ausgespäht und blockiert zu werden? iRights.info und Reporter ohne Grenzen laden für den kommenden Sonntag, 29. September, in den Supermarkt Berlin ein, um diese Fragen zu diskutieren.

Ob Iraq War Logs oder PRISM, ob Abu Ghraib oder XKeyscore: Nicht nur Finanz-, Arbeits- und Medienmärkte sind international, sondern auch digitale Kommunikation und organisierte Kriminalität. Da kann Recherche nicht an Sprach- und Ländergrenzen halt machen.

Schon seit Jahren gibt es unabhängige Organisationen, die sich auf diese Entwicklungen eingestellt haben, wie das Organized Crime and Corruption Reporting Project oder das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Bei den Recherchen und Veröffentlichungen zu den sogenannten Offshore-Leaks hat das ICIJ mit mehr als 80 Journalisten von 38 Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehsendern aus 46 Ländern kooperiert.

Die Herausforderungen dieser Recherchen sind enorm. Dabei geht es nicht nur um die Organisation, sondern vor allem auch darum, wie Journalisten sich selbst, ihre Quellen und Dokumente schützen – vor Kriminellen, aber auch vor dem Zugriff des Staats.

Ein Gespräch mit Gerard Ryle, Director, ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) und Christian Mihr, Geschäftsführer Reporter ohne Grenzen Deutschland – Moderation: Matthias Spielkamp, Redaktionsleiter iRights.info.

Wann?

Am Sonntag, dem 29. September 2013 von 17 bis 19 Uhr.

Wo?

Im Supermarkt, Brunnenstrasse 64, 13355 Berlin.

Der Eintritt ist frei.

ryle

Gerard Ryle arbeitet seit mehreren Jahrzehnten als investigativer Journalist und Reporter, darunter für die australischen Zeitungen Sydney Morning Herald und The Age. Nach seinen Recherchen über das betrügerische, von der australischen Regierung geförderte Unternehmen „Firepower International” wurde er 2011 zum Direktor des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) ernannt. Später wurde ihm eine Festplatte zugespielt, deren Daten die 2013 in Kooperation mit internationalen Medien veröffentlichten Offshore-Leaks bargen.

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Christian Mihr ist Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. Zuvor war mehrere Jahre bei n-ost als Redaktionsleiter Eurotopics tätig und organisierte Austausch- und Fortbildungsprojekte in und mit Belarus sowie zum Thema Informationsfreiheit in Europa. Weitere Berufsstationen bei Print- und Onlinemedien in Deutschland und Ecuador, in der journalistischen Aus- und Weiterbildung für eine Stiftung in Russland sowie in der Pressearbeit für einen entwicklungspolitischen Think Tank. Journalistik/Lateinamerikanistik-Studium in Eichstätt und Santiago de Chile. Foto: Stefan Günther.

September 06 2013

Öffentliches Geld muss zwingend eine freie Lizenz bedeuten. Ein Kommentar.

Heute findet in Berlin der Urheberkongress 2013 statt. Es ist die größte Veranstaltung zum Urheberrecht im Wahljahr 2013. Ist das Urheberrecht wahlentscheidend? Nein, natürlich nicht – bisher geht es um Fluglärm, wer welche Kette getragen hat und wer jetzt die schlechteste oder beste Bundesregierung aller Zeiten war. Das Urheberrecht sollte aber wahlentscheidend sein. Unser analoges Leben in der digitalen Infrastruktur Internet existiert, es pulsiert, und es wird überwacht und streng reguliert. Es wird vielfach stärker reguliert als mein Gang zum Bäcker oder der Kauf von Briefmarken in der Postfiliale. Die Relevanz des Urheberrechts und seiner Ausgestaltung ist für unseren Alltag enorm hoch.

Im Urheberrecht geht es nur sekundär um die Frage, wer welche Rechte hat. Es geht vielmehr darum, wer welchen Zugang zu welchen Materialien und Ressourcen hat. Die Fragen der Zukunft lauten: Wie kann der Zugang zu Informationen gesichert werden? Wer sollte in seiner Kreativität im Internet wie unterstützt werden (und nicht behindert)? Und wie kann dies rechtlich abgesichert werden?

Das Urheberrecht ist kompliziert. Das hat seinen Grund, es regelt schließlich komplizierte Dinge. Es sollte aber auch verstanden werden können. Das komplizierteste im Urheberrecht ist allerdings die Vermittlung von Werten und Freiheiten. Diese müssen von den Nutzern verstanden werden können. Sie müssen für die Öffentlichkeit Sinn ergeben, und dann mit guten Argumenten von Nutzern, Bibliotheken, Museen, Bildungseinrichtungen und vielen mehr auch akzeptiert werden. Es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass jeder Euro aus öffentlichen Kassen, der in die Erstellung von Werken in Wissenschaft und Forschung, in die Produktion von Inhalten – etwa bei der staatlichen Filmförderung oder im öffentlich-rechtlichen Rundfunks – zwangsläufig eine freie Lizenz zur Folge hat.

Noch einmal: hierum sollte es nicht einmal eine Diskussion geben, es ist eine Selbstverständlichkeit, dass der Bürger nicht zweimal für das Gleiche zahlen muss. Das ist kein Zwangssystem, bei dem keine Geschäfte mehr möglich sind. Es ist ein freies Land, jeder ist seines Glückes eigener Schmied. Wenn aber öffentliches Geld zum Einsatz kommt, muss das direkte Folgen für den Einsatz von freien Lizenzen in allen gesellschaftlichen Bereichen haben.

Und es geht weiter: Der Endverbraucher muss endlich ein Recht auf Privatkopie bekommen. Ein Recht, ein festes einklagbares Recht, damit ihm die Gerätehersteller und die Industrie keine technischen DRM-Systeme vor den Latz knallen können, die eine eigentlich gestattete Privatkopie rechtlich unmöglich machen. Und wenn sie dies doch tun, so muss es selbstverständlich auch erlaubt sein, dass der Nutzer diese DRM-Systeme knackt und umgeht. Ich werfe doch auch den Vertreter einer Sekte aus meinem Wohnungsflur, der es wagt einen Fuß auf mein Parkett zu setzen. Nicht anders liegt der Fall hier. Das im Gesetz verankerte „Umgehungsverbot“ ist nichts anderes als eine Erlaubnis, mich zu belästigen.

Ein dritter wesentlicher Punkt, der heute bei der Konferenz zur Sprache kommen wird, ist die Frage nach einem Recht auf Remix. Kreativität ist was wert. Hört man zumindest immer und überall. Also, schützen wir die Kreativität. Die Kreativität von Hunderttausenden von Nutzern, die Mashups, Remixes, Collagen, professionelle und unprofessionelle Werke neu erschaffen und unsere Kultur voranbringen. Niemand sollte in Zukunft dafür belangt werden, wenn er Zuhause ein Video zusammenschneidet, es mit Musik unterlegt und bei Youtube hochlädt. Niemand. Das Urheberrecht muss ein Ermöglichungsrecht und kein Verhinderungsrecht sein. Leistungsschutzrechte, die beispielsweise kleinste Tonfolgen schützen, gehören abgeschafft.

Die rechtliche Dimension muss klarstellen, dass bei persönlichen Verunglimpfungen das Persönlichkeitsrecht Maßnahmen beinhaltet, dies zu unterbinden. Es braucht in allen anderen Fällen aber dringend eine Freistellung von der Haftung für die Nutzer, eben beispielsweise ein Recht auf Remix. Anbieter sollten bei kommerzieller Orientierung einen Pauschalbetrag für das Betreiben einer Plattform, in der auch Remixes vorhanden sind, bezahlen. Der Gesetzgeber sollte dafür die neuen Kreativen und ihre Kreativität vor Rechtsverstößen und Abmahnungen schützen. Klare Regelung, klare Wirkung.

Diese drei Punkte werden heute neben vielen weiteren diskutiert werden. Als das iRights.Lab im vergangenen Jahr auf die Initiative Urheberrecht zugegangen ist und eine gemeinsame Konferenz vorgeschlagen hat, gab es hohes Interesse. Gemeinsam haben wir nun den Urheberkongress 2013 auf die Beine gestellt. Es soll ein Forum sein, in dem die unterschiedlichen Positionen und Meinungen Platz haben. Es soll niemand ausgeschlossen werden, gleichzeitig sollte billige Propaganda keinen Platz haben. Es geht uns um die Gestaltung des Urheberrechts der Zukunft. Insbesondere kurzfristige Maßnahmen, die der neuen Bundesregierung ans Herz gelegt werden sollen, kommen heute zur Sprache. Aber auch mittel- und langfristig wird kein Stein mehr auf dem anderen bleiben, wenn sich die Regierung dafür entscheiden sollte, das Urheberrecht nicht nach romantischen Vorstellungen aus dem vorletzten Jahrhundert, sondern nach ökonomischen und nutzungsrelevanten Kriterien neu aufzustellen. Dies wäre zu wünschen.

Die Konferenz ist restlos überbucht und der Brandschutz verbietet es uns, Sie und Euch zu stapeln. Bei einer Neuauflage sollten wir gleich einen wesentlich größeren Saal wählen. Für alle die interessiert sind, aber nicht mehr reinkommen, gibt es unter http://urheberkongress2013.de/ hier einen Livestream.

Im Vorfeld haben wir bei iRights.info eine Interviewreihe mit SprecherInnen der Konferenz geführt.

August 14 2013

Heute Ausstellungseröffnung zum Wettbewerb Copy ‘n’ Paste online und in Lüneburg

Das Post-Media Lab an der Leuphana Universität Lüneburg hat zusammen mit iRights.info in diesem Jahr den Wettbewerb “Copy ‘n’ paste – das Urheberrecht als kreative Herausforderung” durchgeführt. Viele Projekte wurden eingereicht und die Jury hat ausgewählt. Heute ist die analoge und digitale Ausstellungseröffnung mit den Gewinnern des Wettbewerbs.

Die Gewinnerinnen sind drei Frauen: Jule von Hertell mit ihrem Projekt “Videomixtape”, Monika Jarecka mit “Cool Clear Water” und Ulrike Wilkens mit ihrem Werk “G-Cloud”. In der Ankündigung zur Veranstaltung wird das Projekt beschrieben und die Gewinnerinnen gewürdigt:

Im Rahmen des Wettbewerbs „CopyNPaste“ haben sie sich allesamt in origineller Weise mit den neuen Bedingungen von Copyright und digitalen (Rechts-)Regimen und den neuen Bedingungen kultureller Produktion auseinandergesetzt. In unterschiedlichen Formaten – von analogen Raumarbeiten, die das digitale in den gelebten Raum übersetzen, über Videocollagen bis hin zu semi-fiktionalen Arbeiten auf mehreren Monitoren – wird der »digital shift« – also die generelle Verschiebung in eine digitale Kultur, wie die EU jüngst konstatierte – auf jeweils persönliche Weise reflektiert und bearbeitet. Das Projekt CopyNPaste, welches das Post-Media Lab erstmals im Frühjahr im Rahmen der Konferenz »Video Vortex« öffentlich vorstellte, nimmt damit die Spannungen auf, die durch die Allgegenwärtigkeit von digitalen Objekten und Werkzeugen im Rahmen alltäglicher Kulturpraktiken entstehen. Zentrales Anliegen ist es, diese neuen globalen Realitäten zurück in den Raum regional verorteter Kulturproduktion zu spiegeln und aus regionaler Perspektive zu befragen.

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Ab 18 Uhr findet heute die feierliche Eröffnung der Ausstellung statt. Dies in zweierlei Hinsicht:

Die preisgekrönten Projekte werden an diesem Tag gleich in zweifacher Form vorgestellt: als »Realausstellung« für eine regionale Öffentlichkeit in der Musikschule Lüneburg; sowie in Form einer virtuellen Ausstellung für die globale Netzöffentlichkeit. Integraler Bestandteil dieses Doppelkonzeptes ist eine Videodokumentation von 2Spot, die die Künstlerinnen in der Produktionsphase begleiteten und in der die Erstellung der Werke sowie zusätzliche thematische Ein- und Ausblicke für eine virtuelle Ausstellungs- und Dokumentationsumgebung festgehalten wurden.

Philipp Otto, Redaktionsleiter von iRights.info, war Mitglied der Jury und wird heute auch im Rahmen der Ausstellungseröffnung ein paar Worte sagen. Weitere Informationen zur Eröffnung der Ausstellung finden sich auf der Website des Post-Media Labs. Hier gibt es auch den Flyer zur Eröffnung (PDF-Format) sowie nochmal einen Rückblick auf den Wettbewerb. Alle Lüneburgerinnen und Lüneburger sind zur analogen, alle anderen zur digitalen Eröffnung recht herzlich eingeladen.

July 23 2013

iRights in China: „Lost in Translation” am 24. Juli in Peking

Aus chinesischer Perspektive stellt der Westen eine Drohkulisse dar. Aus westlicher Perspektive macht China Angst. Wie lässt sich spezifisch darüber sprechen? Dieser Frage geht am 24. Juli die Konferenz „Lost in Translation” nach. Das iRights.Lab, das Goethe-Institut China und das Institute for Advanced Studies in Humanities and Social Science der Tsinghua University sind Partner der von dem Künstler und Filmemacher Christian von Borries ins Leben gerufenen Veranstaltung in Peking. Philipp Otto, Partner des iRights.Lab, ist dabei vor Ort auf einem Panel vertreten.

Die Angst des Westens vor China wurde jüngst wieder durch eine Umfrage des Pew Research Center eindrucksvoll bestätigt. Spiegel Online titelte daraufhin: „Ökonomische Supermacht: Chinas Aufstieg macht Deutschen Angst”. Bei allen diskutierten Aspekten fehlt es dabei jedoch insbesondere am Verständnis des gegenseitigen politischen Systems und grundlegender gesellschaftlicher Parameter. Bei der Konferenz geht es um Erfahrungen, Perspektiven und die gegenseitigen Vorstellungen von Gesellschaft in einer globalisierten Welt.

Im Bild: Die „Große Halle des Volkes” an der westlichen Seite des Tian'anmen-Platzes in Peking

Im Bild: Die „Große Halle des Volkes” an der westlichen Seite des Tian’anmen-Platzes in Peking

In der Ankündigung heisst es zu den Themenschwerpunkten:

In der Diskussionsreihe LOST IN TRANSLATION werden Fragen zu Eigentum, Menschenrechtsdiskursen, geistigem Eigentum und Arbeitsrechten in ein Verhältnis gesetzt. Diese Rechtsdiskurse bilden eine gute, weil klar umrissene Grundlage für ein ansonsten uferlos erscheinendes Thema, nämlich Unterschiede im chinesischen und westlichen Denken klar zu benennen. Nur so können wir voneinander lernen. Eine konkrete Diskussion über Bilder und Realitäten ist das Ziel.

Neben Christian von Borries wird die Veranstaltung von Wang Hui, Professor für chinesische Literatur an der Tsinghua Universität und Chao-Wei, Filmemacher aus Taiwan, ehemaliger Leiter der Dokumentarfilmabteilung von SunTV sowie Mitbegründer und Produzent von CNEX moderiert.

Mit der Kunst als Eisbrecher und gleichzeitig als Symptom des gegenseitigen Unverständnisses wird die Konferenz eröffnen. Aus der Ankündigung:

Christian von Borries wird Teile aus Bela Bartoks Ballettpantomime „Der wunderbare Mandarin” aus dem Jahre 1926 erläutern, einen Klassiker westlicher Avantgardemusik, der eine tragische Geschichte um einen reichen Chinesen zum Thema hat. Denn auch in den Künsten gibt es Exotismus, Misstrauen. In Bartoks Geschichte wird der Chinese als undurchschaubare Gestalt ohne Gefühle dargestellt. Die Missverständnisse gehen weit, und das seit langem schon. Aus westlicher Perspektive wird China zu einem Ort, von dem wir lernen müssen.

Die vier Themenschwerpunkte im Einzelnen:

1. Eigentumsverhältnisse

Im Westen ist Grund und Boden käuflich, in China nicht.
Wie wesentlich ist dieser Unterschied für die beiden kapitalistisch organisierten Wirtschaftssysteme?
Eine neue kaufkräftige Mittelschicht in China sucht Perfektion in Geräten wie dem iPhone. Diese Konsumenten verhoffen sich möglicherweise vom Apple-Produkt eine neue Identität, die sie sonst im Alltag nicht finden. Dahinter steht die psychische Kondition eines “to be part of it”, vermutet Chao Wei. Eigentumsverhältnisse werden also unter ökonomischen und symbolischen Gesichtspunkten betrachtet. Anhand von Bildmaterial über Deng Xiao Ping und über Steve Jobs wird die Thematik diskutiert. Im Shop des Nationalmuseums am Tiananmen Platz liegen Mao-Biografien neben Steve Jobs-Biografien aus. Daraus ergibt sich die Frage, welche Bedeutung die (visuellen) Narrationen, die in diesen Büchern festgehalten sind, für das heutige China haben.

Diskutanten:

Wang Hui, Professor für chinesische Literatur an der Tsinghua Universität
Oliver Wang, Immobilienentwickler Guanfang Estate Group und Fotograf in Beijing

2. Menschenrechte

Hier geht es um den sogenannten Menschenrechtsdiskurs, und wie er zu einem Instrument des Westens wurde um Demokratie weltweit zu vermarkten. Der chinesische Staat beobachtet westliche NGOs skeptisch, weil er dahinter das Durchsetzen westlicher Werte in China vermutet und deren Universalismusanspruch ablehnt. Wenn westliche Regierungsvertreter nach China reisen, wird im Heimatland berichtet, dass in Gesprächen mit chinesischen Politikern die Menschenrechte angesprochen wurden. Der Moralisierung von Menschenrechten lässt sich folgende Aussage von Brecht entgegen halten, „Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral“. Welche Interessen werden anhand von Menschenrechten verhandelt? Was ist die Schattenseite der Menschenrechte? Dieser Menschenrechtsdiskurs steht in direktem Zusammenhang mit dem Arbeitsrecht.
Als Bildmaterial wird eine Auswahl von Clips eingespielt, die in China aktive NGOs produziert haben.

Diskutant:

Zhang Kai, Anwalt für die Rechte entrechteter chinesischer Bürger

3. „Geistiges Eigentum”

Warum entsprach vor hundert Jahren Made in Germany dem heutigen Made in China? Wie und was können wir aus dieser Entwicklung lernen? Obwohl China seit einigen Jahren Mitglied der WTO ist, ist die Umgangsweise mit dem Recht auf geistiges Eigentum kulturell bedingt, bis heute dem westlichen Umgang mit dieser Frage diametral entgegengesetzt. Deutlich wird dieser Umstand am Vorwurf des Westens, dass in China alle westlichen Produkte kopiert werden. Andererseits drückt sich im Phänomen Shanzhai ein ökonomisch notwendiger Umgang und eine kreative Aneignung mit diesen westlichen Vorlagen aus. In der westlichen Idee vom Urheberrecht geht es um Eigentumsverhältnisse. Deswegen steht die internationale Durchsetzung von Urheberrechten ganz oben auf der Agenda westlicher Industrien, insbesondere im Vergleich zu Arbeitsrechten.

Diskutanten:

Shen Dong, Zentrale Universität für Kommunikation Beijing und CCTV Reporter
Philipp Otto, Partner des iRights.Lab und Redaktionsleiter von iRights.info, Berlin

4. Arbeitsrechte

Im Westen können wir einen Trend zur Selbstausbeutung beobachten, der mit einem Gefühl von Freiheit einhergeht. Wird das ein weltweiter Trend werden? Wie unterscheidet sich die Situation in China? Was lässt sich aus der Doppelmoral schließen, wenn der Westen in China einerseits zu Billiglöhnen produzieren lässt und andererseits die Missachtung von Menschenrechten kritisiert? Welche Rolle spielen der Staat, NGOs und Gewerkschaften in Situationen, in denen Arbeiter ausgebeutet werden? Wang Hui argumentiert, dass aus westlicher Sicht Urheberrechten ein wesentlich höherer Wert eingeräumt wird als Arbeitsrechten.
Ein Interview, das Christian von Borries zusammen mit Debby Chan mit einem Foxconn-Mitarbeiter geführt hat, liefert an diesem Abend die Diskussionsgrundlage.

Diskutanten:

Li Qiang, Direktor von China Labor Watch, New York
Debby Chan, ehemalige Project Officer SACOM (Students & Scholars against Corporate Misbehavior), Hong Kong

Zum Abschluss wird es noch die chinesische Erstaufführung des chinesisch-amerikanischen Dokumentarvideos HIGH TECH LOW LIFE geben. In diesem Film werden zwei chinesische Blogger begleitet und ihr Alltag beschrieben. Während der Veranstaltung wird Christian von Borries zudem erste Sequenzen aus seinem aktuellen aber noch nicht ganz fertigen Dokumentarfilm iPhone China vorstellen.

Ort der Veranstaltung ist das Institute for Provocation in Peking, Konferenzsprachen werden Mandarin, Englisch und Deutsch sein. Die Veranstaltung wird auf Video mitgeschnitten und im Nachgang online zur Verfügung gestellt. Alle Interessierten die sich in Peking und China aufhalten, sind herzlich eingeladen.

Dieser Beitrag ist ein Crosspost der Ankündigung von der Website des iRights.Lab.

Informationen zur Veranstaltung, auf der Website des Goethe-Instituts.

July 19 2013

Urheberkongress 2013 am 6. September in Berlin: Jetzt anmelden!

Aktuelle Fragen des Urheberrechts haben in den letzten Monaten für sehr viel Diskussionsstoff gesorgt. Für die einen ist es eine Glaubensfrage, für die anderen die Frage nach der ökonomischen Relevanz, für die Dritten geht es um die Frage, wieviel Zugang zu Werken und Wissen eine Gesellschaft ihren Bürgern bieten sollte. Die aktuelle Legislaturperiode der schwarz-gelben Bundesregierung neigt sich dem Ende entgegen, ab Herbst wird es eine neue Regierung geben. Das Urheberrecht wird auf der Tagesordnung bleiben. Doch welches sind die wichtigsten Bereiche in denen es neue Regelungen braucht?

Dieser Frage wollen wir am 6. September auf dem Urheberkongress 2013 in Berlin nachgehen. Organisiert wird diese Veranstaltung gemeinsam vom Think Tank iRights.Lab und der Initiative Urheberrecht. Ziel ist es, ein Forum zu bilden, auf dem alle Beteiligten der Debatte ihre Stimme erheben und kontrovers diskutieren können. Nicht in unergiebigem Streit, sondern konstruktiv und nach vorne gerichtet.

Wir wollen ermöglichen, dass weniger scheinheilige Argumente und Schutzbehauptungen die Debatte bestimmen, sondern konkrete konstruktive Ideen und Vorschläge, die auf Grundlage einer sorgfältigen Abwägung der Interessen entstehen. Dies ist ein Experiment, von dem wir uns erhoffen, dass die Diskussion voran kommt und nicht nur die alten ausgetretenen Wege ein weiteres Mal begangen werden.

Alle Informationen finden sich auf der fortlaufend aktualisierten Kongressseite urheberkongress2013.de.

Hier kann man sich verbindlich anmelden. Es wird einen Livestream für die Veranstaltung geben. Hier findet sich ein Überblick auf das Programm.

July 13 2013

Erster Jahrgang der Humboldt Law Clinic Internetrecht (HLCI) feierlich verabschiedet

Jedem Anfang wohnt ein ganz besonderer Zauber inne – der erste Jahrgang der Humboldt Law Clinic Internetrecht (HLCI) wurde gestern feierlich verabschiedet. iRights ist enger Partner des Programms und hat für mehrere Monate zwei Studenten betreut, um ihnen die Praxis juristischer, journalistischer und strategischer Arbeit in unseren Einheiten näher zu bringen. Ein voller Erfolg.

Im Oktober 2012 gegründet, hat sich die Law Clinic zum Ziel gesetzt, das aus dem anglo-amerikanischen Raum bekannte Konzept einer praxisnahen Ausbildung auch im Bereich des Internetrechts nach Deutschland zu bringen. Die HLCI ist die erste Law Clinic zu diesem Thema in Deutschland. Die zweisemestrige Ausbildung beinhaltete im ersten Teil die Vermittlung theoretischer Kenntnisse der Grundlagen des Internetrechts. Im zweiten Teil folgten intensive Praktika bei den Kooperationspartnern. iRights.info samt den weiteren Einheiten iRights.Lab und iRights.Law ist Kooperationspartner des HLCI. Weitere Kooperationspartner sind der Verlag Hanser Berlin, das Haus der Kulturen der Welt, der Markenverband und die Anwaltskanzlei JBB aus Berlin.

Im Rahmen der gestrigen Verleihung der Zertifikate für den ersten Jahrgang wurden noch einmal alle Projekte präsentiert. Spannende Tätigkeiten und hoch motivierte Studierende. An dieser Stelle gilt unser ganz besonderer Dank nicht nur Frau Professor Katharina de la Durantaye, die die Clinic maßgeblich ins Leben gerufen hat, sondern auch “unseren” beiden Studenten Thomas Hohendorf und Tom Hirche. Beide haben sich bei uns mit inhaltlichen Fragen zur Regelung von Verantwortung im Netz, mit FAQs für Creative Commons-Lizenzen, rechtlichen und strukturellen Fragestellungen rund um Social Media und Cloud Computing sowie vielen urheberrechtlichen Fragen beschäftigt. Papiere entworfen, recherchiert, mitdiskutiert und unser Team bereichert. Aber auch allen anderen Studierenden aus diesem Jahrgang gilt unser herzlicher Glückwunsch zum erfolgreichen Abschluß der HLCI. Namentlich sind dies zudem noch Julian Hölzel, Elias Könsgen, Hannah Mugler, Miriam Salevic, Joschka Selinger, Michael Servatius, Rebecca Sieber und Alexa Weber.

Tom und Thomas bei der Präsentation ihrer Arbeit:

Tom_und_Thomas_HLCI

Im Anschluss an die Verleihung der Zertifikate gab es weiteren inhaltlichen Input. Dr. Kaya Köklü, wissenschaftlicher Referent am Max-Planck-Institut für Immaterialgüter- und Wettbewerbsrecht in München berichtete über die Verhandlungen und den erfolgreichen Abschluß des neuen Vertrages der World Intellectual Property Organisation (WIPO) zugunsten von blinden und sehbehinderten Menschen. Köklü war beim Abschluß vor wenigen Tagen in Marrakesch vor Ort und berichtete anschaulich über die Art der Verhandlungen sowie die Bedeutung und anstehenden Aufgaben im Rahmen der nationalen Umsetzung. Anschließend erläuterte Hans Kaltwasser, Referent für internationale Angelegenheiten des Deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband die Ergebnisse aus seiner Sicht. Im Anschluß ergab sich zudem noch eine intensive Diskussion.

Hier ein Blick auf das Podium mit Prof. de la Durantaye, Hans Kaltwasser und Dr. Kaya Köklü (von links nach rechts):

Podium HLCI

iRights.info hat ausführlich über den “Marrakesh-Treaty” berichtet und kommentiert. Auch Hans Kaltwasser hat iRights.info bereits ein ausführliches Interview gegeben.

Die HLCI ist auch erreichbar via Facebook und via Twitter. Sie betreibt mit Internetrecht_kontrovers auch ein Diskussionsblog der Studierenden.

July 11 2013

Maybrit Illner heute zu “Kalter Krieg um unsere Daten” – mit spannenden Gästen

Heute Abend um 22.45 Uhr geht wieder Maybrit Illner auf Sendung. In dieser Woche geht es um den ersten weltweiten Daten- und Überwachungsskandal der Internetgeschichte. Die Sendung verspricht kein übliches Talkshowgewohnheits-blabla zu werden. Dafür sorgen unter anderem die Gäste. Auf der Couch sitzen: Jacob Appelbaum, Kryptoexperte und Aktivist aus den USA, Sascha Lobo als kluger Kopf mit Detailblick für größere Entwicklungen, der bayerische Innenminister Joachim Herrmann, der ehemalige Koordinator der Geheimdienste unter Helmut Kohl Bernd Schmidtbauer, Bernhard Rohleder als Hauptgeschäftsführer des IT-Branchenverbands BITKOM und Georg Mascolo, bis vor wenigen Wochen noch Chefredakteur des Spiegel.

In der Ankündigung zur Sendung heisst es:

Seit Wochen hält Edward Snowden die Geheimdienstwelt mit immer neuen Enthüllungen in Atem. Ob die amerikanische NSA oder die GCHQ aus Großbritannien, Systeme wie Prism oder Tempora: Der Whistleblower lässt wohldosiert Skandalöses über die internationalen Schnüffeldienste durchsickern. In einem Interview, das der “Spiegel” in seiner neuen Ausgabe veröffentlicht, beschreibt Snowden die Nähe zwischen US- und deutschem Geheimdienst – und die Datensammelwut der britischen Spione.

Und hier gibt es ein Vorschau-Video:

June 28 2013

Musikhörer, Musiker, Musikgeschäft: Doku „A Silent Rockumentary“ angelaufen

„Und da stellen sich nun die Internet-Revoluzzer hin und meinen, Sie würden es denen ‚da oben’ mal zeigen. Dabei schädigen sie vor allem die ‚da unten’. Das ist das, was man unterm Strich mal sehen muss.“

Sagt Doc Wenz, Bandleader der Mannheimer Mardi Gras BB, zum Umgang mit digitalen Musikdateien und den Folgen für Musiker. Und er sagt noch viel mehr dazu im Dokumentarfilm „A Silent Rockumentary“, der seit gestern in deutschen Kinos läuft.

Das von Regisseur Jonas Grosch gedrehte Werk beschreibt sich selbst als vermutlich weltweit ersten Dokumentarfilm über eine Musikband, der als Stummfilm erzählt werde. „Ausschließlich die mitreißende und abwechslungsreiche Musik der Band ist es, die den Zuschauer zu ‘stummen‘ Bildern und Texttafeln mitnimmt auf eine Reise in die Tiefen des Musikbusiness.“

Die Mardi Gras.BB gründete sich vor 20 Jahren als eine der ersten deutschen Brass und Marching Bands in Mannheim. „Doch in Zeiten illegaler Downloads und schwindendem Interesse am Schutz des Urheberrechts, muss sich auch eine Kult-Band wie Mardi Gras.BB mit einem Mal die Existenz-Frage stellen“, heißt es in der Filmbeschreibung auf der zugehörigen Facebook-Seite.

„A Silent Rockumentary“ will den die Zuschauer dabei mitnehmen, wie die Band auf diese Fragen ganz eigene Antworten findet. Der Film spiegele das Ringen zwischen Alt und Neu, Tradition und Moderne. Er erhielt bereits den Preis als „Bester Dokumentarfilm 2012“ bei den 34. Biberacher Filmfestspielen.

Zwar habe ich den Film noch nicht gesehen, doch mein Interesse ist durch den Trailer geweckt: Ich will gerne erfahren, wie eine solche Band ihre Überlebensformel findet und wie diese funktioniert. (Und die Musik geht doch auch gut ab).

June 25 2013

Wettbewerb: Modern Poland Foundation sucht Beiträge zur Zukunft des Urheberrechts

Wie sollte das Urheberrecht aussehen? Die Modern Poland Foundation hat dazu einen Wettbewerb ausgerufen und sucht Beiträge in Text-, Audio- oder Videoform. Der Preis für den Gewinner steht noch nicht fest, sondern wird per Crowdfunding bei Indiegogo gesammelt.

Auf der Projektseite finden sich auch die Hinweise zur Einreichung, den Themen und die genauen Teilnahmebedingungen:

This is a contest for the best work about the future of copyright. The idea is simple: You set the prize by supporting this project.

People submit their works for the contest. The deadline is 1st August 2013.

Independent jury consisting of Beatriz Busaniche (member of Via Libre Foundation and professor at the University of Buenos Aires), Shun-Ling Chen (copyright scholar, visiting assistant professor at University of Arizona James E. Rogers College of Law), Mike Linksvayer (part-time Senior Fellow at Creative Commons), Joe McNamee (Executive Director od EDRi) and Jérémie Zimmermann (spokesperson and co-founder of the La Quadrature du Net) and Jaroslaw Lipszyc (Modern Poland Foundation, contest organizer) chooses the winner. The decision will be announced on 24th August 2013.

The winner gets the prize. Society gets a number of fresh proposals that will help shaping up the copyright system of tomorrow.

Die Ergebnisse der Runde im letzen Jahr sind in der „Future of Copyright Anthology” (PDF, Epub/Mobi) versammelt und überaus lesenswert.

June 06 2013

Konferenz „Shared Digital Futures” am 14./15. Juni in Wien

Wer beim EU XXL Forum vom 12. bis 14. Juni in Wien ist, kann dort gleich weitere Veranstaltungen anschließen: Das World-Information Institute lädt am 14. und 15. Juni zur Konferenz „Shared Digital Futures“, die die Auswirkungen digitaler Technologien auf kulturelles Schaffen untersucht.

Aus der Ankündigung:

The popular resistance against ACTA (Anti-Counterfeiting Trade Agreement) in early 2012 showed that current attempts to support established business models in culture have reached an impasse. Simply expanding copyright legislation and enforcement is not only not working, but also politically no longer viable. This has led to a number of outcries by authors and publishers who see the basis of Western culture threatened, but relatively little in terms of new ideas and approaches how to adapt to the changing times. Is there simply a change from old monopolies, based on copyright, financing and distribution, to new monopolies, based on access, intelligent filtering and interactivity?

Mehr zum Programm und den einzelnen Panels auf der Konferenzseite. Die Veranstalter haben auch einen Livestream angekündigt.

May 22 2013

In eigener Sache: Kulturelles Gedächtnis und Digitalisierung, Verbraucher im Urheberrecht

Save the Date: Zwei Veranstaltungen mit iRights.info-Beteiligung stehen bevor. Themen sind die Zukunft des kulturellen Erbes und der Gedächtnisorganisationen in der digitalen Welt, außerdem die Rolle der Nutzerinnen und Nutzer im Urheberrecht.

1. „Nachhaltigkeit in der digitalen Welt”, 31.5., Berlin

Am Freitag, dem 31. Mai von 17 bis 20 Uhr findet die Abschlussveranstaltung der Initiative „Nachhaltigkeit in der digitalen Welt” des Internet und Gesellschaft Collaboratory statt. Das Thema fasst die Einladung so zusammen:

Werden die Zeugnisse des kulturellen Schaffens und der Wissenschaft, die auf digitalen Trägern festgehalten werden, schon bald verschwinden? Werden die ersten Jahre nach der digitalen Revolution in der Erinnerung späterer Generationen ein „weißer Fleck“ sein? Traditionell haben Gedächtnisinstitutionen wie Archive, Bibliotheken und Museen dafür gesorgt, dass die Zeugnisse kulturellen Schaffens für die Nachwelt erhalten bleiben. Doch mit dem Übergang zu digitalen Trägern entstehen gänzlich neue Herausforderungen. Diese betreffen die traditionellen Gedächtnisorganisationen ebenso wie die neuen Formen des kulturellen Gedächtnisses.

Wortbeiträge dazu gibt es von Kathrin Passig (Schriftstellerin und Journalistin), Stefan Willer (Zentrum für Literatur- und Kulturforschung) und Stefan Gradmann (Universitätsbibliothek der Katholischen Universität Leuven). Außerdem gibt es eine Podiumsdiskussion mit Verena Metze-Mangold (Deutsche UNESCO-Kommission), Michael Hollmann (Präsident des Bundesarchivs) und Till Kreutzer (iRights.info).

Die Veranstaltung findet im Auditorium des Jüdischen Museums Berlin statt, das iRightsLab Kultur gehört zu den Mitveranstaltern. Anmeldung und weitere Informationen beim Collaboratory.

2. „Urheberrecht 2.0 – Wo bleiben die Verbraucher?”, 6.6.2013, Berlin

Am Donnerstag, dem 6. Juni ab 18 Uhr lädt der Verbraucherzentrale Bundesverband zur Diskussion unter dem Titel „Urheberrecht 2.0 – Wo bleiben die Verbraucher?”. Es geht um die Frage, welche Rolle den Nutzerinnen und Nutzern im urheberrechtlichen Interessenausgleich zukommen soll und wie dieser bei künftigen Reformen erreicht werden kann.

Das Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucherschutz Baden- Württemberg und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) stehen zum Schutz des geistigen Eigentums und der berechtigten Interessen von Kreativschaffenden. Gleichzeitig sehen sie die Notwendigkeit, die oftmals vernachlässigte Position der Verbraucherinnen und Verbraucher zu stärken. Der so oft beschworene faire Interessenausgleich ist nur möglich, wenn Verbraucherinnen und Verbraucher den Kreativschaffenden auf Augenhöhe begegnen.

Teilnehmer sind Baden-Würrtembergs Verbraucherschutzminister Alexander Bonde, VZBV-Vorstand Gerd Billen, Markus Beckedahl von Digitale Gesellschaft, Meik Michalke von der Cultural Commons Collecting Society, es moderiert Christoph Fasel. Von iRights.info wird Till Kreutzer vertreten sein.

Die Veranstaltung findet in der Landesvertretung Baden-Württembergs in Berlin statt, Anmeldung und weitere Informationen beim VZBV.

May 11 2013

Konferenz: EU XXL Forum zur europäischen Urheberrechtsdebatte im Juni in Wien

Vom 12. bis zum 14. Juni findet im Künstlerhaus Wien die Konferenz „EU XXL Forum 2013” statt, die sich dem Stand der europäischen Urheberrechtsdebatte in den Bereichen Film, Musik, Kunst, und Literatur widmet.

Worum es auf der Konferenz geht, beschreiben die Veranstalter so:

Was tun mit dem Urheberrecht – so lassen, es ändern oder einfach abschaffen? Wie ist es eigentlich um die Solidarität unter Künstlern bestellt? Wie kann das System der Verwertungsgesellschaften optimiert werden? Vielleicht einfach eine neue gründen? die C3S stellt sich vor. Ist Europa bereit für die Einführung einer Fair-Use-Regelung? Der Wert des geschriebenen Wortes im Netz wird ebenso debattiert wie die angebliche Bedrohung des Kinos durch Piraterie.

Zu den Panelisten und Sprechern gehören unter anderem Cristina Busch (IMAGO European Federation of Cinematographers), Johannes Grenzfurthner (monochrom.at), Till Kreutzer (iRights.info), Marietje Schaake (MEP, ALDE), Joost Smiers (Autor des Buches „No Copyright“) und Jérémie Zimmermann (La Quadrature du Net). Daneben gibt es Filmvorführungen, ein klassisches Konzert und eine Party mit Dr. Motte.

Wer an den Veranstaltungen teilnehmen will, kann bis zum 17. Mai an einer Verlosung von insgesamt vier Konferenzpässen teilnehmen. Dafür muss man folgende Frage beantworten und mitsamt Anschrift an <forum@eu-xxl.at> schicken:

Frage: Was war das Motto der ersten Loveparade?
a) Join the Love Republic
b) Backe, backe Kuchen
c) Friede, Freude, Eierkuchen
d) Eierfrieden, Freude, Kuchen
e) Love, love me do

Was ist EU XXL Film? In ihren eigenen Worten

eine unabhängige Initiative im Interesse der europäischen Kreativen. Der Austausch von Kunst und Kultur hat in einem zusammenwachsenden Europa höchste Priorität. (…) Deshalb hat Mercedes Echerer 2003 EU XXL FILM ins Leben gerufen – ein Forum zur Förderung, Vermittlung und Verbreitung des europäischen Films.

iRights.info ist Medienpartner des EU XXL Forums 2013.

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