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November 04 2013

Freie Bildungsmedien: „Open Educational Ressource University” gestartet

Anfang November ist die „Open Educational Resource University“ gestartet. Die Plattform bietet einem internationalen Publikum offene Kurse für universitäres Lernen und ermöglicht auch den Erwerb akademisch relevanter „Credits“.

Zu den Themen der momentan knapp 20 Kurse der Open Educational Resource University“ (OERu) gehören unter anderem „Open Content Licensing for Educators”, „Resourcing a Small Enterprise”, „Understanding Culture in Asia and the Pacific”, „Developing a Business Plan” oder auch „Regional Economics in Asia and the Pacific”. Bei der Lizenzierung berufen sich die Macher auf die Pariser OER-Erklärung der UNESCO von 2012 und gehen zugleich darüber hinaus: Standardlizenz ist Creative Commons Namensnennung (CC BY 3.0). Die Inhalte lassen sich also weiterverbreiten, bearbeiten und remixen; auch kommerzielle Nutzungen sind erlaubt. Zusätzliches Lehrmaterial oder Fachbücher müssten Kursteilnehmer nicht erwerben, so verspricht es die Online-Uni.

Die Kurse der OERu enthielten stets alles, was man zum Absolvieren des Inhalts benötigt, erklärt Wayne Mackintosh auf der Website, Geschäftsführer der federführenden Open Education Resource Foundation. Teilnehmer, die akademische „Credits“ oder Zertifikate erwerben wollen, müssen Bearbeitungsgebühren bezahlen. Das aber erst dann, wenn sie den Kurs komplett absolviert haben. Die OERu-Kurse dauern in der Regel zwischen 10 und 15 Wochen; darüber hinaus bietet die Online-Universität kürzere, sogenannte „micro Open Online Courses” (mOOC) an, die zu Kursreihen gehören, aber einzeln absolvierbar sind und über zwei bis drei Wochen laufen.

Stiftungsfinanzierte Plattform, Unis kooperieren

Die Open Education Resource Foundation, die hinter der OERu steht, operiert nach eigenen Angaben als unabhängige Non-Profit-Organisation mit Hauptsitz in Neuseeland. Zum Konsortium der OERu gehören etwa 30 Partner-Universitäten weltweit, deutsche Universitäten sind allerdings nicht dabei. Zugleich hat das „UNESCO-Commonwealth of Learning OER Chair network“ (COL)  das Projekt anerkannt und unterstützt es. Das COL ist eine zwischenstaatliche Organisation, die von Regierungen der Commonwealth-Staaten eingerichtet wurde und fördert neben Fernunterricht auch offenes Lernen und OER.

Die OERu richtet sich mit ihren kostenlosen Hochschul-Kursen explizit an ein internationales, breit gestreutes Publikum. Darin ähnelt es stark dem kürzlich gestarteten MOOC-Portal Iversity. Das gleichnamige Berliner Unternehmen startete vor rund zwei Wochen sein Kursprogramm. Auch Iversity steht unter dem Motto „Open Courses”, macht über den Einsatz freier Lizenzen aber keine weiteren Angaben.

June 19 2013

16-Jähriger entwickelt Krebstest dank Open-Access-Material

Der 16-Jährige US-Amerikaner Jack Andraka hat einen neuen Krebstest entwickelt, der bei 100prozentiger Trefferquote rund 168 Mal schneller und 400 Mal empfindlicher sein soll als bisherige Testmethoden, bei einem  26.000stel der Kosten. Die National Institutes of Health (NIH) präsentieren den Forschungserfolg des Zehntklässlers als direkte Folge von Open Access, da er offenbar vollständig auf frei verfügbaren Forschungsergebnissen beruht.

Der neue Schnelltest für Bauchspeicheldrüsen-, Eierstock- und Lungenkrebs befindet sich in klinischen Tests und ist das Projekt, mit dem der Schüler den International Science and Engineering Fair 2012 gewonnen hat. Der internationale vor-universitäre Forschungswettbewerb wird von Intel gefördert; auch Jugend forscht gehört als deutscher Ableger dazu.

Im Videointerview mit Francis Collins, Direktor der NIH, berichtet Andraka, wie er anhand von Suchbegriffen Material gesichtet und sich durch die Verweise der verschiedenen wissenschaftlichen Publikationen gearbeitet habe. Dabei sei er immer wieder auf Paywalls gestoßen, die bis zu 40 US-Dollar pro Zugriff verlangt hätten. Er habe dann per Suchmaschine oft frei zugängliche Fassungen der Publikationen bei PubMed.gov finden können, dem Open-Access-Verzeichnis der NIH. Alle durch die NIH geförderten Forschungsvorhaben müssen ihre Ergebnisse spätestens 12 Monate nach Erscheinen bei PubMed für den Zugriff freigeben.

Beide sind sich am Ende einig, dass das am 9. Mai 2013 von US-Präsident Obama erlassene Dekret zur standardmäßigen Öffnung aller Regierungsinformationen und die damit verbundene Open-Data-Policy (PDF) in die richtige Richtung weisen. Obama hat darin formlos festgelegt, dass Daten- und Informationsmaterial der Regierungsstellen der USA unter freien Lizenzen, in freien Formaten und in maschinenlesbarer Form frei gegeben werden sollen. Alles andere solle die Ausnahme sein.

March 26 2013

Podcast über die Arbeit von iRights.info bei e-teaching.org

Das Projekt e-teaching.org, angesiedelt bei der Stiftung Medien in der Bildung (SbR) des Leibniz-Institut für Wissensmedien, kümmert sich um die Frage, wie digitale Medien am besten in der Hochschullehre eingesetzt werden können. Dazu zählen beispielweise Fragen von „Wie stelle ich mein Skript ins Netz?” – bis hin zu Strategien im Umgang mit online verfügbaren Tools und der Struktur von Online-Vorlesungen. In ihrer Podcast-Reihe hat e-teaching.org nun Philipp Otto über die Arbeit von iRights.info und Fragen des Urheberrechts in der Wissenschaft interviewt.

Wer also schon immer wissen wollte, was iRights.info eigentlich macht, kann hier einmal reinhören. In der Ankündigung zum Podcast heißt es zu unserer Arbeit:

Für seine umfassende und verständliche Aufbereitung von Rechtsfragen hat das Informationsportal iRights.info den Grimme Online Award in der Kategorie Information und den Klicksafe-Preis für Sicherheit im Internet erhalten. Die Informationen zum Urheberrecht und zu anderen Rechtsfragen in der digitalen Welt richten sich an Laien ebenso wie an Profis. E-Learning-Akteure aus Hochschulen finden hier z.B. Informationen zu den Themen “Zitat +  Plagiat”, “Datenschutz” oder “Software + Open Source”.

Danke für dieses schöne Lob!

March 19 2013

Digitales Lernen: „Recherchieren ist nicht gleich googeln”

Von der reinen Material-Ablage über Online-Tests bis zum Forum: Nicht alle Uni-Dozenten nutzen die Möglichkeiten, die ihnen Lernmanagement-Systeme bieten. Die E-Learning-Expertin Anne Thillosen erläutert im Interview Probleme, Chancen und Trends der digitalen Wissensvermittlung.

Foto: Leibniz-Institut für Wissensmedien

Anne Thillosen

Anne Thillosen ist Co-Leiterin des Projekts “e-teaching.org” am Leibniz-Institut für Wissensmedien. Das Portal richtet sich vor allem an E-Learning-Akteure an Hochschulen und bietet ihnen Informationen zum Einsatz digitaler Medien. Anne Thillosen ist verantwortlich für die konzeptionelle Fortentwicklung des Projekts und betreut inhaltlich den Portalbereich „Didaktisches Design“. Sie interessiert sich besonders für Veränderungsprozesse durch neue Medien sowie neue Lernszenarien und -konzepte

iRights.info: Viele Universitäten betreiben heute sogenannte Lernmanagement-Systeme (LMS). Wo steht die deutsche Hochschullandschaft beim Einsatz der LMS?

Anne Thillosen: Sie sind an den allermeisten deutschen Universitäten Standard, eine Basistechnologie – viel verbreiteter als etwa Online-Vorlesungen. Schwer zu erheben ist, in welchem Umfang und wie genau sie genutzt werden. An einigen Universitäten werden alle Lehrveranstaltungen, die im Vorlesungsverzeichnis stehen, automatisch auch im LMS digital abgebildet. Aber in der Regel steht es den Lehrenden frei, ob sie die digitalen Möglichkeiten in die Lehre einbeziehen.

iRights.info: Was verändert der Einsatz der LMS?

Anne Thillosen: Sie schaffen parallel zu den Präsenzveranstaltungen einen virtuellen Kursraum. Hier sind Informationen abgelegt wie Sprechzeiten, Termine, Literaturhinweise und Prüfungsvoraussetzungen. Dazu kommen in der Regel Lernmaterialen wie Skripte und Powerpoint-Präsentationen. Manche Dozenten stellen auch Tests ein – zur Selbstkontrolle der Studenten, oder um zu sehen, was verstanden wurde und was nicht.

Darüber hinaus bieten die meisten LMS Möglichkeiten zur Kommunikation, etwa Mailforen, Wikis oder Chaträume. Welche Optionen genutzt werden, hängt stark vom Lehrenden ab. Häufig höre ich die Meinung: Das ist doch nur eine Materialablage. Aber das ist ja auch schon etwas. Während meines Studiums hätte ich gerne eine solche Unterstützung über ein LMS gehabt.

Neues Prinzip: Inverted Classroom

iRights.info: Veranstaltungen vor Ort könnten auch ganz durch das Online-Studium ersetzt werden. Gibt es diese Entwicklung?

Anne Thillosen: Fernuniversitäten wie die in Hagen können jetzt natürlich auf Online-Studiengänge umstellen. Das hat viele Vorteile zum traditionellen Fernstudium. Da waren die Studierenden viel eher Einzelkämpfer, wenn sie ihre Aufgaben im stillen Kämmerlein lösten und per Post einschickten. Jetzt haben sie viel mehr Möglichkeiten zur Zusammenarbeit, indem sie ihre Mitstudenten und Dozenten über das Internet kennen lernen – sich vielleicht sogar mit anderen Fernstudenten in derselben Stadt verabreden.

Die normalen Universitäten setzen die digitalen Elemente in der Regel nicht als Ersatz sondern ergänzend zu den Präsenzveranstaltungen ein. Hier bietet sich allerdings die Möglichkeit, die Abläufe umzustrukturieren, und damit sind dann oft auch neue didaktische Ansätze verbunden. An einigen Hochschulen wird zum Beispiel das Konzept des „Inverted Classroom“ erprobt, also eine Umkehrung des klassischen Konzepts: Nicht im Hörsaal wird das neue Wissen vermittelt, sondern der Wissenserwerb findet im Netz statt – etwa über Skripte und Podcasts. Die Präsenzveranstaltungen können dafür seltener stattfinden und werden dann eher für Fragen, Diskussionen und Problemlösungen genutzt.

Recherchieren lernen

iRights.info: Gibt es Nachteile, wenn der Wissenserwerb über digitale Medien erfolgt?

Anne Thillosen: Wenn viel Wissensvermittlung „nur“ im Netz stattfindet, muss schon darauf geachtet werden, dass das Wissen mit geeigneten Aufgaben vertieft wird. Es ist ein wenig, wie wenn wir einen Film sehen. Wir neigen dazu, zu denken, alles gleich verstanden zu haben. Aber wir müssen mit den Inhalten schon etwas tun, uns mit ihnen auseinandersetzen, um sie zu verankern und zu verarbeiten.

Die Studenten müssen auch lernen, dass der Einsatz dieser Medien im Studium nicht dasselbe ist wie in der Freizeit. So wie man auch das wissenschaftliche Lesen erst lernen muss, muss man auch das wissenschaftliche Recherchieren im Netz erst lernen. Es ist nicht dasselbe wie etwas privat zu googeln.

Flüchtige Seminarräume

iRights.info: Wie unterscheidet sich die Kommunikation im Seminarraum von der über ein Forum im Internet?

Anne Thillosen: Wenn Lehrende beispielsweise vor Veranstaltungen offene Fragen im LMS stellen, kann das mehr Studenten dazu bringen, eigene Ideen vorzustellen. Eine schriftliche Antwort kann auch dazu führen, dass sich die Studenten mehr Zeit nehmen und mehr Gedanken machen. Ihr Beitrag ist ja später dauerhaft zu sehen. Die schriftliche Kommunikation kann also die Qualität steigern, weil sie weniger flüchtig ist als im Seminarraum. Über Verlinkungen können auch neue Wissenspools entstehen, etwa in den Wikis.

iRights.info: Braucht die digitale Kommunikation eigentlich eigene Regeln?

Anne Thillosen: Lehrende sollten etwa ein Forum innerhalb eines LMS nicht einfach so laufen lassen. Sie müssen auch auf die Diskussionskultur achten und notfalls einzelne Teilnehmer direkt ansprechen, damit es nicht zu Streitereien oder Missverständnissen kommt. Vor allem muss es auch klare Anlässe zur Kommunikation geben. Einfach weil sie da sind, werden Foren und Wikis nicht genutzt.

iRights.info: Lassen sich über das Internet auch verbindliche Prüfungen ablegen?

Anne Thillosen: E-Prüfungen am Computer werden in Deutschland in der Regel vor Ort durchgeführt, auch aus rechtlichen Gründen. Die Studenten müssen sich etwa für eine E-Klausur persönlich identifizieren. Auch muss jemand technische Probleme regeln können.

Wie nachhaltig sind Massenkurse im Netz?

iRights.info: Schafft die Digitalisierung trotzdem mehr Möglichkeiten, auch Kurse an anderen Universitäten zu belegen als an der eigenen?

Anne Thillosen: Die Virtuelle Hochschule Bayern (VHB) bietet heute schon Kurse, an denen Studenten aus ganz Bayern online teilnehmen können. Studenten aus anderen Bundesländern können sich auch anmelden, müssen aber eine Gebühr zahlen. Was die reine Wissensvermittlung angeht, sehen wir immer mehr Angebote im Netz. So stellt etwa der Mathematik-Professor Jörn Loviscach seine Vorlesungen auf Youtube, wo sie viel abgerufen werden. Die Technische Universität Darmstadt hat eine Plattform mit frei verfügbaren Lehrmaterialien gestartet, sogenannte Open Educational Ressourses. Ein Thema, das immer stärkere Bedeutung bekommt. E-teaching.org bietet übrigens ab April einen offenen Kurs an, der sich damit beschäftigt und zu dem man sich jetzt schon anmelden kann.

Die großen amerikanischen Online-Bildungsanbieter wie Udacity und Coursera erreichen mit solchen offenen Kursangeboten, den derzeit viel diskutierten MOOCs – die Abkürzung steht für „Massive Open Online Courses“ – weltweit schon Hunderttausende Teilnehmer. Allerdings fehlen noch genaue Zahlen dazu, wie viele Personen wirklich dran bleiben, nachdem sie sich einmal angemeldet haben, und es ist noch unklar, wie sich dieser Trend auf Dauer weiterentwickeln wird.

Auf jeden Fall wird in diesem Feld zurzeit viel experimentiert. Ein interessantes Modell ist meines Erachtens auch der offene Kurs „Think Tank Cities“, den die Digital School der Leuphana Universität Lüneburg anbietet, und der offensichtlich im Vergleich mit den instruktional konzipierten, sehr großen MOOCs viel diskursiver und teamorientierter abläuft. Dafür sind die Organisation und die Betreuung aber natürlich auch viel aufwändiger.

Das LMS als Schutzraum

iRights.info: Wirbel gibt es derzeit um interne Pläne der Freien Universität Berlin, Lehrinhalte in Kooperation mit dem Unternehmen Apple online zu stellen. Ist es angebracht, bei Veröffentlichungen auf einen einzigen privaten Partner zu setzen?

Anne Thillosen: Es sind ja schon verschiedene deutsche Universitäten auf „iTunes U” vertreten. Aber so wie ich die Pressemitteilung der FU verstanden habe, sollen die Audio- und Videomaterialien nicht exklusiv nur über „iTunes U” angeboten werden, sondern das ist ein Zusatzangebot. So machen es auch andere Hochschulen, zum Beispiel die Universität Freiburg, die die eigenen Audio- und Videoangebote parallel auch auf einem Podcastportal der Uni zur Verfügung stellt.

iRights.info: Könnte es eigentlich so eine Art globales Bildungs-Facebook geben, in dem sich die Menschen anfreunden, die sich für dasselbe Thema begeistern?

Anne Thillosen: Solche weltweiten akademischen, wissenschaftsorientierten Netzwerke gibt es bereits, zum Beispiel Researchgate mit derzeit 2,6 Millionen Mitgliedern oder Scilife mit mehr als 1,8 Millionen Nutzern. Sie bieten allen interessierten Wissenschaftlern und Forschern, aber auch Studierenden die Möglichkeit, sich und ihre Interessen vorzustellen und sich zu individuell mit anderen zu vernetzen. Für die Hochschulen ist es aber erst mal interessant, ihre LMS an das Hochschul-System und die eigenen Datenbestände zu koppeln. Das eigene LMS bietet auch einen gewissen Schutzraum. Würde man die Aktivitäten auf Facebook verlagern – was einzelne Universitätskurse auch teilweise tun – dann stellen sich rechtliche Fragen. Müssen dann alle Studenten ein Facebook-Profil haben, auch wenn sie etwa Datenschutz-Bedenken haben?

iRights.info: Gibt es bei den LMS an den Universitäten neue Trends?

Anne Thillosen: Die Plattformen entwickeln sich ständig weiter, in den vergangenen Jahren wurden zum Beispiel Web 2.0-Funktionen wie Wikis integriert. Ein großes Thema sind derzeit mobile Anwendungen, viele Anbieter von Lernplattformen bieten inzwischen mobile Versionen, sodass Studierende mit mobilen Geräten wie Smartphones auf das LMS zugreifen und etwa Kursmaterialien abrufen können.

March 07 2013

Digitales Studieren: „Wir müssen die Chancen nutzen“

Wie verändern digitale Möglichkeiten das Lernen? Die Leuphana Universität Lüneburg testet mit „ThinkTank Cities“ die Online-Projektarbeit. Studenten aus mehr als 100 Ländern tüfteln in Teams an der Stadt der Zukunft.

Auch Cloud-Anwendungen machen es möglich: Studierende arbeiten online an gemeinsamen Texten und Modellen, greifen auf Materialsammlungen zurück und bewerten gegenseitig ihre Arbeiten. Wo auf der Erde sie am Computer sitzen, spielt dafür keine Rolle. Wie sich die neuen digitalen Möglichkeiten nutzen lassen, erprobt aktuell die „Digital School“ der Leuphana Universität in Lüneburg. Im dreimonatigen Kurs „ThinkTank Cities“ haben sich Teilnehmer aus mehr als 100 Nationen eingeschrieben. Zulassungsbeschränkungen oder Studiengebühren gibt es nicht. „Die digitale Interaktion hat die privaten Kommunikationsstrukturen und Arbeitsprozesse grundlegend verändert“, sagt Holm Keller, Vizepräsident der Leuphana Universität und verantwortlich für die „Digital School“. „Sie muss auch für vollkommen neue Bildungsangebote genutzt werden.“

Im Online-Kurs „ThinkTank Cities“ entwerfen fünfköpfige Teams eine neue Stadt. Hierzu diskutieren sie existierende Planstädte wie Karlsruhe und Brasilia, entwickeln die Vision einer städtischen Gesellschaft, und bauen am Ende auch ein Architektur-Modell ihrer Idealstadt. Bekannte Experten wie der US-Architekt Daniel Libeskind und die Soziologin Saskia Sassen (Columbia University in New York) geben Video-Vorlesungen, beantworten Fragen und bewerten die Arbeiten. Die Mitstudenten sind aufgerufen, die Ergebnisse der Projekt-Teams zu kommentieren („Peer-Review“).

Soziale Interaktion statt Frontalunterricht

Die „Digital School“ will sich bewusst von anderen E-Learning-Konzepten absetzen, bei denen die soziale Interaktion zu kurz kommt. „Wir sehen bei vielen Angeboten keine echte Online-Didaktik, sondern das schlichte Abfilmen von Lehrveranstaltungen, gefolgt von Multiple-Choice-Tests“, sagt Keller. Mit einem „Social Learning“-Konzept setzt man in Lüneburg stattdessen auf Teamarbeit an einem Endprodukt. „Die Teilnehmer lernen dabei implizit auch, mit sehr unterschiedlichen Menschen gemeinsame Lösungen zu finden“, so Keller. Die Einbindung der Studenten in einen interaktiven, sozialen Prozess ermögliche bessere Lerneffekte: „Das ist online nicht anders als offline.“ Die soziale Interaktion könnte sogar ein Zusatznutzen digitaler Lehrangebote sein.

Große Nachteile der reinen Online-Kommunikation sieht Keller nicht. Im Gegenteil. Im Vergleich zur persönlichen Kommunikation könne die Online-Zusammenarbeit sogar zu weniger „egozentrischen“ Lösungen führen. Zwar fielen manche Signale in der Kommunikation weg, etwa die Mimik und der Tonfall der Gesprächspartner, doch könnten hier Online-Videokonferenzen Abhilfe schaffen. Allerdings organisieren die Teams im „ThinkTank-Cities”-Kurs die Kommunikation untereinander selbst. „Sie können die Wege selbst wählen, wir machen da keine Vorgaben“, sagt Keller.

Der Redebedarf kann groß sein. Denn die Leuphana Universität setzt die Teams mit Hilfe eines Algorithmus so zusammen, dass die Teilnehmer möglichst unterschiedliche berufliche Erfahrungen und kulturelle Hintergründe mitbringen. Auf der anderen Seite aber sollen die Ansprüche der Team-Mitglieder an das Projekt möglichst übereinstimmen – hier setzt man auf „Homogenität“. Wer etwa besonders viel diskutieren möchte, trifft auf in seiner Gruppe auf Gleichgesinnte.

Europa ebnet Online-Studium den Weg

Dem Online-Kurs sollen nach Möglichkeit ganze Online-Studiengänge an der Leuphana Universität folgen. Langfristig schweben Keller global einheitliche Bildungsplattformen vor. Die Online-Studiengänge sollen akademische Abschlüsse bieten, die allgemein anerkannt werden. Das grenzüberschreitende Online-Studium wird schon jetzt durch den „Europäischen Hochschulraum“ erleichtert, der mit dem sogenannten Bologna-Prozess entstanden ist. Die Hochschulen erkennen im europäischen Ausland erworbene Prüfungsleistungen an. Der Bologna-Prozess habe dem digitalen Lernen einen Schub gegeben, meint Keller. Bei erfolgreicher Teilnahme am „ThinkTank Cities“-Kurs können sich Studierende Leistungspunkte an ihren „Heimathochschulen“ anrechnen lassen.

Digitale Wege zum lebenslangen Lernen

Keller sieht in den ortsungebundenen Online-Studiengängen Chancen für mehr „globale Bildungsgerechtigkeit“. So könnten zum Beispiel viele Menschen in Afrika aus familiären und finanziellen Gründen nicht in eine Universitätsstadt ziehen, um dort zu studieren. Für Ausländer ergebe sich auch die Möglichkeit, einen in Europa anerkannten Universitätsabschluss zu machen, bevor sie in die EU einwandern. „Mit einem europäischen Masterabschluss haben Einwanderer formal ganz andere Möglichkeiten, hier Zugang zu Berufen zu bekommen.“ Auch das „lebenslange Lernen“, das Wirtschaft und Politik regelmäßig einfordern, sei ohne Revolution der Online-Lehre nicht umsetzbar, meint Keller. Die Menschen müssten dauerhaft neben Familie und Beruf lernen können, und nicht nur in einer bestimmten Lebensphase und an einem bestimmten Ort. „Lernen muss Teil des Lebens sein, das haben private Anbieter und die öffentliche Hand zu lange vernachlässigt.“

Harvard für alle?

Offen bleibt, welche Institutionen und Anbieter den globalen (Online-)-Bildungsmarkt künftig prägen. Studieren bald Millionen von Menschen an der Harvard-Universität, weil sie weltweit einen klangvollen Namen hat? Nein, mein Keller. „Digitale Lehre bedeutet nicht die Automatisierung von Bildung.“ Auch online könne Harvard nur eine begrenzte Zahl von Studenten betreuen. „Das Personal kann zwar in der Online-Lehre anders organisiert werden, aber die Interaktionszeit pro Student wird nicht geringer.“ Mehr Wettbewerb im Bildungsmarkt führt laut Keller nicht dazu, dass langfristig deutsche Unis an den Rand gedrückt werden. Allerdings könnten deutsche Studenten online viel internationaler arbeiten.

September 24 2012

Hoeren-Skript zum Internetrecht in neuer Fassung erschienen

Man kann die Uhr nach stellen: Thomas Hoerens Skript zum Internetrecht ist pünktlich zum Wintersemester an der Uni Münster in aktualisierter Fassung erschienen. Neben dem Urheberrecht behandelt es auf 559 Seiten Domainrecht, Verträge und AGB, Werbung und Marketing, Datenschutz sowie haftungs- und strafrechtliche Fragen. Hier gibt es das PDF.

Daneben ist auch das Skript zum IT-Vertragsrecht überarbeitet worden. Für beide kostenlosen Skripte kann man übrigens an die Kaffeekasse des Instituts für Informations-, Telekommunikations- und Medienrecht spenden – Infos dazu direkt im Skript.

August 17 2012

Wieder erhältlich: Spielregeln im Internet – Durchblicken im Rechtedschungel

Was tun bei Abmahnungen? Wann darf man Fotos anderer Personen bei Facebook hochladen? Wie legal sind Filehoster? Was tut man gegen Cybermobbing? Die Broschüre „Spielregeln im Internet – Durchblicken im Rechtedschungel ” von iRights.info und klicksafe.de behandelt diese und weitere Rechtsfragen im Netz. Jetzt ist sie in der dritten Auflage wieder erhältlich.

Die Broschüre richtet sich an alle Netznutzerinnen und -nutzer, vor allem aber auch an Eltern, Lehrer, Pädagogen und andere Multiplikatoren. Die vergriffene Printfassung kann bei klicksafe.de wieder bestellt werden – bis zu fünf Exemplare gibt es kostenlos. Die PDF-Version gibt es weiterhin hier und bei klicksafe.de zum Download.

Spielregeln Im Internet – Durchblicken im Rechtedschungel

April 13 2012

Das Urheberrecht behindert Unterricht und Bildung

In der aktuellen Urheberrechtsdebatte kommt ein ganz wesentlicher Aspekt bislang zu kurz, nämlich der Umstand, dass das geltende Urheberrecht und seine restriktive Auslegung durch die Gerichte Unterricht und Bildung beeinträchtigt und hemmt.

Auf ein insoweit sehr anschauliches Beispiel hatte ich vor einiger Zeit anhand einer Entscheidung des Landgerichts Stuttgart hingewiesen. Dieses Urteil ist nunmehr vom OLG Stuttgart (Urteil vom 4. April 2012 – 4 U 171/11) bestätigt worden. Die Gerichte haben der Fernuni Hagen verboten, ihren Studierenden im Rahmen einer geschlossenen Benutzergruppe Auszüge aus einem Lehrbuch als PDF-Datei zur Verfügung zu stellen, soweit es sich um mehr als drei Buchseiten handelt.

Auch wenn man die Auslegung der Stuttgarter Gerichte als zu eng kritisieren kann und nicht auszuschließen ist, dass der BGH die Entscheidung im Rahmen der zugelassenen Revision aufhebt, ist das Grundproblem in der Fassung des § 52a UrhG angelegt, der die öffentliche Zugänglichmachung für Zwecke von Unterricht und Forschung regelt. Das OLG Stuttgart vertritt allerdings auch die keineswegs zwingende Ansicht, dass eine Einstellung zur Vertiefung und Ergänzung keine Veranschaulichung des Unterrichts darstelle und bereits deshalb nicht von § 52a UrhG gedeckt sei.

Generell fragt man sich im Falle einer Fernuniversität allerdings, wie sie unter diesen engen Voraussetzungen überhaupt sinnvoll und zeitgemäß arbeiten soll. Nach dem Urteil des OLG Stuttgart – das sich hierbei auch auf Art. 5 Abs. 5 der Multimedia-Richtlinie beruft – dürfen durch die Einschränkung des Urheberrechts die Primärmarktinteressen des Verlags nicht beeinträchtigt werden. Sobald also ein Stundent durch die Zurverfügungstellung von Auszügen davon abgehalten wird das Buch zu kaufen, greift die Privilegierung nicht mehr ein, weil die Primärmarktinteressen des Verlags beeinträchtigt sind. Das bedeutet freilich, dass § 52a UrhG ein zahnloser Tiger ist, denn nach diesem Maßstab wird man in den wenigsten Fällen noch zu einer zulässigen, privilegierten Nutzung kommen. Denn im Zweifel wird sich immer darstellen lassen, dass der Buchabsatz des Verlages leidet.

Gerade dieser Beispielsfall zeigt, dass der generelle Vorrang des Urheberrechts, von dem das aktuelle Urheberrechtskonzept geprägt ist, auf den Prüfstand gehört. Es wäre wünschenswert, das Urheberrecht als ein Recht auszugestalten, das sich in einem ergebnisoffenen Abwägungsprozess zu anderen Rechtspositionen befindet. Insoweit wäre das europarechtliche Postulat des grundsätzlichen Vorrangs des Urheberrechts durch eine Fair-Use-Klausel zu ersetzen, die im Falle eines ausreichend großen Allgemeininteresses auch weitgehende Einschränkungen zulässt. Das erfordert allerdings europaweit einen Paradigmenwechsel, für den die Zeit möglicherweise noch nicht reif ist.

February 07 2012

Privatkopie und Co.

Musik und Filme auf CDs, DVDs, Videos und anderen Trägern darf man für den privaten Gebrauch vervielfältigen, etwa als Geschenk für Freunde oder auch als Kopie für

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November 14 2011

Maximilian Haedicke über „geistiges Eigentum in der Krise”

Es kommt nicht oft vor, dass sich ein etablierter Rechtsprofessor von einer traditionellen Universität in einem kleinen Büchlein und in klarer Sprache zu einer Vielzahl netzpoliti

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October 31 2011

Plagiatssoftware von Verlagen auf Schulrechnern

Netzpolitik.org berichtet über einen Vertrag der Bundesländer mit urheberrechtlichen Verwertungsgesellschaften und Schulbuchverlagen.

In diesem Vertrag verpflichten sich die Länder u.a. dazu,  dafür Sorge zu tragen, dass sich auf von Schulen genutzten Rechnern keine digitalen Kopien von für den Unterrichtsgebrauch bestimmten Werken befinden. Zur Überprüfung dieser Verpflichtung soll stichprobenartig auf den Schulcomputern sog. Plagiatssoftware der Verlage installiert werden, durch die digitale Kopien von Schulbüchern identifiziert werden können.

Die entsprechenden Regelungen in Ziff. 6.2 und 6.4 des Vertrages lauten wörtlich:

Die Länder werden die Einhaltung des vorliegenden Gesamtvertrages an den staatlichen Schulen regelmäßig überprüfen. Zudem werden sie im 1. Schulhalbjahr 2011/2012 Bestätigungen der staatlichen Schulen darüber einholen, dass sich auf den von den Schulen genutzten lokalen und externen Rechnern und Speichersystemen, ob eigen- oder fremdbetrieben (im Folgenden: Speichersysteme), keine Digitalisate von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken befinden (stichtagsbezogen).
(…)
Die Verlage stellen den Schulaufwandsträgern sowie den kommunalen und privaten Schulträgern auf eigene Kosten eine Plagiatssoftware zur Verfügung, mit welcher digitale Kopien von für den Unterrichtsgebrauch an Schulen bestimmten Werken auf Speichersystemen identifiziert werden können. Die Länder wirken – die technische und datenschutzrechtliche Unbedenklichkeit der Software vorausgesetzt – darauf hin, dass jährlich mindestens 1 % der öffentlichen Schulen ihre Speichersysteme durch Einsatz dieser Plagiatssoftware auf das Vorhandensein solcher Digitalisate prüfen lässt. Der Modus der Auswahl der Schulen erfolgt – aufgeschlüsselt nach Ländern und Schularten – in Absprache mit den Verlagen auf Basis eines anerkannten statistischen Verfahrens.

Um überhaupt verstehen zu können, aus welchem Grund derartige Verträge geschlossen werden, muss man sich mit einigen Feinheiten des stark lobbybeinflussten deutschen Urheberrechts befassen.

§ 53 Abs. 3 S. 1 UrhG sieht grundsätzlich vor, dass es für den Unterrichtsgebrauch zulässig ist, kleinere Teile eines Werkes, Werke von geringem Umfang und Zeitungs- und Zeitschriftenbeiträge zu vervielfältigen. Das gilt seit 2008 nach § 53 Abs. 3 S. 2 UrhG allerdings nicht mehr für Schulbücher selbst. Insoweit sind Kopien nur noch mit Zustimmung der Rechteinhaber (Schulbuchverlage) zulässig.

Durch diese gesetzliche Regelung haben die Schulbuchverlage ihre Position gestärkt. Nachdem natürlich auch Kopien aus Schulbüchern für den Unterrichtsgebrauch punktuell notwendig und sinnvoll sind, müssen zur Einholung der Zustimmung der Schulbuchverlage Verträge geschlossen werden. Und genau über diesen Vertrag reden wir hier.

Die Zustimmung zur Anfertigung von Kopien aus Schulbüchern kostet den Bundesländern im laufenden Jahr 7,3 Mio. EUR und 2014 sogar 9 Mio. EUR.

Gleichzeitig müssen die Länder auch noch dafür sorgen, dass sich auf lokalen und externen Rechnern und Speichersystemen der Schulen, und zwar egal ob ob eigen- oder fremdbetrieben, keine digitalen Kopien von Schulbuchwerken befinden. Und diese Verpflichtung soll durch eine von den Verlagen zur Verfügung gestellte Überwachungssoftware stichprobenartig überprüft werden.

Da dieser Vorgang die Gefahr beinhaltet, dass die Grundrechte von Lehrern, Schülern und sonstigen Personen, die Zugriff auf Schulrechner haben, beeinträchtigt werden, muss die Frage gestattet sein, wie der Staat die Installation dieser Software ausgestalten und den Schutz der Grundrechte gewährleisten will.

Ob der Staat Lehrer und Schüler überhaupt zum Schutz der wirtschaftlichen Interessen von Privatunternehmern überwachen und ausspionieren darf, ist m.E. ganz generell zu hinterfragen. Denn eine gesetzliche Grundlage für diesen Grundrechtseingriff ist nicht ersichtlich.

Ganz unabhängig davon, dass Lehrer und Schulleiter damit gezwungen werden, sich durch das unübersichtliche Dickicht des deutschen Urheberrechts zu schlagen und dabei auch noch ein persönliches Haftungsrisiko in Kauf nehmen müssen.

Der ganze Vorgang zeigt sehr schön, wie wenig bildungsfreundlich unser Urheberrecht immer noch ist. Der Gesetzgeber hat das Urheberrecht in den letzten Jahren in verschiedenen Bereichen vielmehr immer wieder zugunsten der Rechteinhaber und zu Lasten der Allgemeinheit verändert. Und das geht gerade auch auf Kosten von Unterricht und Bildung, deren Bedeutung ansonsten in allen politischen Sonntagsreden gerne betont wird.

 

September 30 2011

Neues Unterrichtsmodul für Lehrer zum Urheberrecht

iRights.info hat in Kooperation mit der EU-Initiative klicksafe eine neue Broschüre für Schulen und Weiterbildungsinrichtungen der aufgelegt

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September 02 2011

Neue Auflage des Medienkunde-Unterrichtsmaterials von “DIE ZEIT” – mit Urheberrechtsinfos von iRights.info

Aus der Pressemitteilung:

Seit dem Start des Projekts im Jahr 1997 hat das Thema Medienkunde stetig an Bedeutung zugenommen. Auch mit der neuen Ausgabe erhalten Lehrer das aktualisierte Unterrichtsmaterial “Medienkunde” kostenfrei von der ZEIT geliefert. Auf über 170 Seiten finden Lehrer Beispieltexte und Arbeitsanregungen für Ihren Unterricht. Bewährte Themen haben wir aktualisiert und um neue Aspekte ergänzt. Einen Schwerpunkt bilden in diesem Jahr die Plagiatsaffäre zu Guttenberg und das Internet. Zu diesen Themen haben wir neue Arbeitsblätter und interaktive Tafelbilder entwickelt, damit Sie Ihren Unterricht multimedial gestalten können.

Bestellinfos

Der Teil zum Urheberrecht stammt von den iRights.info-Redakteuren Matthias Spielkamp und Phlipp Otto und ist gegenüber der Auflage vom vergangenen Jahr unverändert geblieben. Er kann auch bei iRights.info als PDF heruntergeladen werden (108 kb).

July 13 2010

Anhörung des BMJ zum 3. Korb der Urheberrechtsnovelle – Open Access

Das Bundesjustizministerium veranstaltet heute die zweite Anhörung zum so genannten 3. Korb der Urheberrechtsnovelle. Ich werde versuchen, die wichtigsten Diskussionspunkte mitzubloggen, so lange es um Open Access geht.

Hubert Weis vom BMJ führt ein, warum das Thema Open Access auf die Tagesordnung gekommen ist. Er nennt die Stichworte Publikationskrise, Anbietungspflicht, Zwangslizenz, Zweitverwertungsrecht. Hintergrund hier.

These sei, dass es gibt keine ausreichende freie Publikation von Forschungsergebnissen gebe. Weis: “Fragen wir un erster Runde die Wissenschaftsverlage, ob es in ausreichendem Maß freien Zugang zu wiss. Publikationen gibt.”

Los geht’s:

Christian Sprang vom Börsenverein des deutschen Buchhandels: Ich erlaube mir eine kleine Korrektur: es kann nicht sein, dass es um kostenfreien Zugang zu wissenschftl. Publikationen geht. Das ist der Fall bei der Golden Road, die es bei den meisten Verlagen gibt. Der Autor oder sein Arbeitgeber trägt die Publikationskosten, dann ist der Beitrag unentgeltlich verfügbar. Unentgeltlich kann nicht bedeuten, dass etwas kostenlos angeboten wird, wofür der Verlag selber eine Leistung erbringt, die nicht von der öffentlichen Hand bezahlt wird. Selbstverständlich kostenlose Angebote, wenn die Kosten bezahlt sind, nicht, wenn der Verlag selber eine Leistung

Barbara Kalumenos, Director of Public Affairs bei STM, einem Verband wissenschaftlicher Verlage. Sie weist darauf hin, dass  es heute “neue Entwicklungen wie HTML, mobile Computing” gebe, da muss es für die Verlage die Chance geben, dass Verlage die Investitionen wieder verdienen.

Rainer Kuhlen vom Aktionsbündnis für Urheberrecht und Wissenschaft weist darauf hin, dass es keine Institutionen gibt, die Wissenschaftler über eine Publikationspflicht dazu verpflichten will, ihre Erstveröffentlichungen Open Access zu publizieren. Es gehe lediglich um eine Anbietungspflicht für Zweitveröffentlichungen, wenn die Erkenntnisse mit öffentlichen Mitteln finanziert wurden. Niemand habe etwas dagegen, dass Autoren in kommerziellen Verlagen publizieren. Das sei aber eine andere Frage, ob der Gesetzgeber Geschäftsmodelle der Verlage über das Urheberrecht zu schützen.

Oberländer, Repository Uni Konstanz:

Vertreter Deutscher Bibliotheksverband: Wir beobachten so etwas wie Marktversagen. Best. Titel sind Monopolstrukturen. Keine Bibliothek kann auf diese Titel verzichten, das zeigt sich in der Preisgestaltung. Der Gesetzgeber muss diese Monopolstrukturen aufbrechen

Vertreter des Open Access-Arbeitskreises der Helmholtz-Gemeinschaft: In der Wissenschaft sind Autoren gezwungen, bei bestimmten Publikationen zu veröffentlichen. Sie sind gezwungen, in einem der so genannten Core Journal des Verlags Thomson Reuters zu publizieren. Es gibt zwar inzwischen gute OA-Journals, aber das reicht nicht aus.

Timo Ehmann Aktionsbündnis Urheberrecht: Es besteht gesetzgeberischer Handlungsbedarf. Beispiel: GRUR, Auflage 3500 Exeomplare, Einzelheft 44 Euro, pro Ausgabe mehr als 120.000 Euro Umsatz, ich habe etwas veröffentlicht, dafür gab’s 350 Euro, d.h. ca. 1-3% Autorenhonorare in den Produktionskosten. Aber es geht nicht nur um Ökonomie, es bestehen auch sehr lange Wartezeiten, bis etwas veröffentlicht wird.

Christoph Fiedler, VDZ: Finde es problematisch zu sagen, das Urheberrecht soll dem Verleger nicht ermöglichen zu entscheiden, wie er etwas veröffentlichen will. Die Vorschläge laufen auf ein Parallelveröffentlichungsrecht hinaus. Da muss man vorher sehen, ob es nicht andere Möglichkeiten gibt.

Lipp: Leiterin Informationsversorgung, DFG: Es gibt einen Handlungsbedarf dort, wo der Grüne Weg unterstützt werden soll, also die Veröffentlichung des Originalformats nach  einer gewissen Frist. Derzeit müssen Autoren fast immer ausschließliche Verwertunsgrechte abtreten. Nach einer gewissen Embargofrist soll das einfach Verwertungsrecht an den Autoren zurückfallen. Zweck der Publikation ist Verbreitung, nicht Kommerzialisierung.

Werner, Wissenschaftsministerium Sachsen und KMK: Auch die Länder sehen Handlungsbedarf. Es muss schnelle Verbreitung gewährleistet sein. Das allein über Verlage zu ermöglichen, geht nicht, es ist ein Zweitveröffentlichungsrecht einzuräumen. Horrende Preissteigerungen lassen große Probleme entstehen.

Weis (BMJ): Soll es eine Anbietungspflicht geben?

Kuhlen: Veröffentlichung soll vertraglich so geregelt werden, dass nach Peer Review Publikationen zur Verfügung stellen, also eine Art Minus-Embargo. In der Berlin-Brandenburgsichen Akademie der Wissenschaft hat das offenbar über eine einfache Änderung der Arbeitsverträge Vor Jahren hat man ähnliches bei der Patentierung getan durch das Arbeitnehmererfindergesetzes. Der Aufschrei, das sei das Ende des Abendlandes, Wissenschaflter werden nicht mehr erfinden, wenn es das gibt – nichts ist passiert. Wenn es dann keine Geschäftsmodelle der Verlage gibt, tant pis – dann gibt es eben keine.

DFG: Anbietungspflicht widerspricht Grundsätzen der Wissenschaft. Es darf keinen Zwang geben, weder zu Erst-, noch zu Zweitveröffentlichungsrecht.

Wolfgang Schimmel, verdi: Anbietungspflicht hat im Urheberrecht nichts zu suchen, das ist rein Sache von Arbeits- und Tarfiverträgen.

VDS Bildungsmedien: Anbietungspflicht muss im Hochschulrecht Es steht jedem Wissenschaftler frei, sein Werk der Universität anzubieten. Vermischt wird die Frage nach der Informationsfreiheit und ob ich in einem renommierten Journal veröffentliche Beiträge weiter verwerten darf.

Kuhlen: In anderen Ländern ist sehr deutlich, dass es Anbietungspflichten gibt in Ländern, in denen die Wissenschaftsfreiheit nicht bedroht ist, z.B. in den USA, aber auch in Förderrichtlinien der EU.

Sprang: Wäre ein eindeutiger Eingriff in die Wissenschaftsfreiheit.

Helmholtz-Gemeinschaft: Muss dem widersprechen. Die Gemeinschaft schreckt vor Anbietungspflicht zurück, weil sie keine Spitzenwissenschftler mehr anziehen können, da die Wissenschaftler gezwungen sind, in Zeitschriften mit Monopolstrukturen zu veröffentlichen und daher keine Bedingungen akzeptieren.

Pflüger, Wissenschaftsministerium Stuttgart: Anbietungspflicht ist ganz klar nicht verfassungswidrig.

Jetzt Frage nach Zwangslizenzierung: keine Wortmeldungen zu diesem Tagesordnungspunkt

Also TOP 3: Zweitverwertungsrecht (Änderung des §38 UrhG) – Hintergrund: Gerd Hansen: Zugang zu wissenschaftlicher Information – alternative urheberrechtliche Ansätze (PDF)

Dt. Bibliotheksverband: Ministerin hat bei Berliner Rede die

Sprang: Urhebern unbenommen, mit Verlag zu verhandeln, wie er Beiträge zweitvertwerten kann und ob er einen Verlag haben will. Wenn er das tut, wird er es mit Blick auf optimale Sichtbarkeit tun. Wenn das ein Verlagspartner ist, muss er in Sichtbarmachung investieren, und diese Inv. muss er verdienen, in einem harten Wettbewerb. Das setzt voraus, dass der Verlag Rechtspositionen rechtssicher erwerben kann. Aus Sicht des Verlags kann es nicht von vornherein so sein, wann seine Veröffentlichung zum Freigut wird. Dann hätten wir nicht nur eine Schranke im UrhG des Urhebers, die in der EU nicht verankert ist, sondern auch noch eine Enteignung der Verlage. Dort rentieren sich bisweilen schon jetzt Publikationen nicht mehr. Letzlich würde es dem Autor schaden, weil er keinen Partner mehr finden kann. Sprang spricht davon, dass der Autor “frei kontrahieren” kann.

Gabriele Beger, Dt. Bibliotheksverband: Änderung des §38 will Wissenschaftler genau nicht zwingen, etwas zu tun, was er nicht will. Es muss stattdessen genau der Urheber sein, der gestärkt werden soll. Er darf nicht mehr in einer schwächeren Situation sein, und es soll auch nichts parallel veröffentlicht werden. Veröffentlichungen in Zeitschriften sind nach einem halben Jahr ohnehin oft obsolet. Es geht nicht um eine Zwangslizenz und Druck auf Urheber. Er kann, wenn er es will, darauf verzichten. Aber Monopolisten können keinen Druck mehr ausüben.

Anke Nordemann-Schiffel, Bundesrechtsanwaltskammer: Diskussion um Open Access zieht die Diskussion vom Nutzer her auf. Es geht um ein Zweitverwertungsrecht, nicht um Zweitverwertungspflicht. Hat aber mit Open Access nichts zu tun. Es geht nicht um Stärkung der Autorenrechte.

Kuhlen: §38 hat mit Schrankenregelungen nichts zu tun. Natürlich wissen wir, dass Elsevier und andere schon Zweitveröffentlichungen erlauben, aber das ist eine Art Gnade, die jederzeit wieder entzogen werden darf, und auf die wir Wissenschaftler uns nicht verlassen wollen. Mit §38 ist nicht geholfen.

Till Jaeger, ifross: §38 ist keine OA-Regelung. Aber er ist als Missbrauchsschutzregelung erforderlich. Er sollte auch nicht nur auf Wissenschaftspublikationen gelten. Die kleinen Verlage haben damit überhaupt kein Problem. Das tatsächliche Problem ist die Internationalisierung der Verlagsszene. Publikationen sind in Zukunft nur noch online über u.U. sehr teure Repositorien zugänglich, d.h. §38 kann Schutz davor bieten, dass Werke gar nicht mehr zugänglich sind.

Dt. Bibliotheksverband: Wissenschaftler sind verunsichert, welche Verträge sie unterschrieben haben. Es wäre eine große Hilfe, wenn die Universität sicher wüsste, was der Status ist.

Ehmann: Müssen kollisionsrechtliche Bedenken ausklammern, denn wenn wir im dt. Recht etwas regeln, dann machen wir das im dt. Recht. Mit dem hohen Lied auf die maximale Freiheit, das Herr Sprang singt, könnte man das gesamte Arbeitsrecht abschaffen mit dem Hinweis darauf, jeder Arbeitnehmer kann sich den Arbeitgeber, der ihn ausbeutet, selber aussuchen.

Schimmel, verdi: Wer nicht bei einem renommierten Verlag publizieren kann, kommt nicht voran. Das nutzt der Verlag aus in Richtung auf Autoren und Käufer (Bibliotheken). Ich wundere mich über die Treuherzigkeit, mit der die Wissenschaftler immer wieder zu denen laufen, die sie ausbeuten. Der Gesetzgeber sollte mit den mildesten Mitteln herangehen. §38 bietet da eine gute Möglichkeit. Das hausgemachte Problem darf nicht damit gelöst werden, dass man das Selbstbestimmungsrecht der Urheber beschränkt. Gehen sie in die Bibliothek, da haben sie Open Access.

Sprang: Kollisionsrechtliche Probleme bestehen schon mit der Schweiz, worauf Hilty und Peukert hingewiesen haben. §38 ist eben doch eine Schranke. Der Urheber kann seine Rechte nicht mehr uneingeschränkt auf den Verlag übertragen, damit ist eine Entscheidungsfreiheit genommen. Schauen sie doch mal bei Subito nach, wann dort Zeitschriftenbeiträge bestellt werden. Ein Großteil der Erlöse wird erst spät erwirtschaftet.

Jaeger, ifross: Kollisionsprobleme gibt es schon so lange wie das Urheberrecht, man denke nur an Urheberpersönlichkeitsrechte, die es in anderen Ländern nicht gibt.

Barbara Kalumenos, STM: Wir haben durchschnittlich drei Autoren pro Artikel. Embargozeit: Es ist nicht richtig zu sagen, nach sechs Monaten wird nicht mehr genutzt, bei Life Sciences ist das so, aber in der Mathematik sind es drei Jahre.

Pelzer, Justiziarin Leipniz-Gemeinschaft: Wenn Wissenschaftler einheitlich Zweitverwertungsrecht hätten, hätten wir einen größeren Handlungsspielraum. Wir sind für Embargofrist, Unterscheidung nach Dsiziplinen ist nicht sinnvoll wg. interdisziplinärer Forschung. Wir müssen weg von den Knebelverträgen der Wissenschaftsverlage.

Weis (BMJ) weist darauf hin, dass man in der Kollisionsfrage nicht immer defensiv sein muss, man könne auch mit Gesetzesinitiativen Vorreiter sein. Aber für den Gesetzgeber ist es schon eine Frage wert zu fragen, mit einem Zweitverwertungsrecht 5% deutsche Verlage zum Adressaten macht, aber 95% des Marktes (ausländische Verlage) nicht. Allein die Tatsache, dass man von der Richtigkeit des eigenen Konzeptes überzeugt ist, reicht nicht aus.

Pflüger, Wissenschaftsministerium BaWü: Aus Romeo-Sherpa-Liste ist zu entnehmen, dass Großteil int. Verlage Zweitverwertung zulassen.

Kuhlen: Man bringt dt. Urheber in bessere Vertragsposition. Man muss aber auch deutlich solche Regelungen in andere Länder zu tragen. Da hilft es immens, wenn Deutschland Vorreiter wäre. Wir haben dazu ja auch das European Network for Copyright in Support of Education and Science gegründet. Sammelbände und Proceedings sollten mit eingeschlossen werden in Regelung, nicht nur Zeitschriften, evtl. auch Bücher.

Schluss.

May 19 2010

Leitfaden zur Wiederveröffentlichung gedruckter Wissenschaftstexte im Internet

Ein Leitfaden (PDF) zur Online-Bereitstellung älterer Publikationen aus dem Wissenschaftsbereich, den iRights.info-Rechtsexperte Till Kreutzer erstellt hat, steht jetzt hier als PDF zum Download bereit. Die Handreichung, die im Auftrag der Schwerpunktinitiative Digitale Information entstanden ist, widmet sich dem praktischen Umgang mit Veröffentlichungen, die unter den §137l des Urheberrechtsgesetzes fallen. Mit dieser seinerzeit heftig umstrittenen Regelung hatte der Gesetzgeber im Rahmen des sogenannten „Zweiten Korbs“ festgelegt, dass Online-Nutzungsrechte an älteren Texten unter bestimmten Voraussetzungen automatisch an die Verlage zurückfallen, die die entsprechenden Titel einst im Druck veröffentlicht hatten. Autoren hatten damals allerdings die Möglichkeit zu widersprechen. Außerdem konnten sie ihre Rechte rechtzeitig an eine wissenschaftliche Einrichtung zu übertragen, um eine allgemeine Zugänglichkeit für die Zukunft sicherzustellen. Einem entsprechenden Aufruf des Aktionsbündnisses „Urheberrecht für Bildung und Wissenschaft waren zahlreiche Autoren gefolgt.

Aber worauf müssen Bibliotheken, Archive und Forschungsinstitute achten, die damals von Autoren Rechte zur Online-Publikation eingeräumt bekamen? Reicht eine E-Mail-Mitteilung, um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein? Welche Fristen sind zu beachten? Unter welchen Umständen ist eine Online-Veröffentlichung noch möglich, wenn der Autor die fristgemäße Rechteübertragung versäumt hat? Was ist bei Autoren zu beachten, die im Ausland leben – oder gar verstorben sind? Kann ein Autor für seine Mitautoren sprechen, oder braucht man von jedem eine Unterschrift?

Fragen über Fragen, die Kreutzer in allgemeinverständlicher Weise für alle betroffenen Institutionen beantwortet hat. Ganz leichte Lektüre ist es nicht – die praktischen Bedürfnisse der Wissenschaftsinstitutionen waren dem Gesetzgeber seinerzeit offenbar nicht im vollen Umfang bewusst.

February 18 2010

Kerner klärt auf: Über “illegale Tauschbörsen” und Entwertung

Geschichte wird gemacht – eine alte Weisheit und immer wieder wahr. Nutzer des Familiensenders Sat1 kommen heute Abend mal wieder in den Genuss der Talk-Sendung von Superstar Johannes Buddy Kerner. In der Sendung geht es um Musik-Downloads: Legal, illegal, nicht egal!. Na gut, es ist wichtig, komplexe Themen auch einfach zu behandeln, damit sie viele verstehen, bewusst die Unwahrheit oder mit irreführenden Verkürzungen sollte man aber trotzdem nicht arbeiten. Eigentlich – aber Kerner – so zumindest im Ankündigungstext zu lesen – hat es sich zur Aufgabe gemacht, genau das zu tun. Oder nicht?

Dort heißt es: „Musik kostenfrei zur Verfügung stellen und das Downloaden über illegale Tauschbörsen im Internet ist nicht erlaubt, da es gegen das Urheberrecht verstößt.“ Kann man diese fiesen „illegalen Tauschbörsen“ nicht einsperren und nur noch die legalen Tauschbörsen frei herumlaufen lassen? Illegale Technologien finde ich nämlich gemein.

Zum Download sagt iRights.info (vielleicht etwas differenzierender, aber nur vielleicht): Tauschbörsen zu nutzen, ist nicht per se rechtswidrig. Im Gegenteil, man kann sie für nützliche und völlig legale Zwecke nutzen. Aber vieles, was mit Tauschbörsen zu tun hat, ist tatsächlich verboten. (…) Kopien zu privaten Zwecken dürfen nach aktueller Rechtslage allerdings nur noch angefertigt werden, „soweit nicht zur Vervielfältigung eine offensichtlich rechtswidrig hergestellte oder öffentlich zugänglich gemachte Vorlage verwendet wird.“ Im Klartext heißt das, dass auch solche Dateien nicht heruntergeladen werden dürfen, die für jedermann erkennbar rechtswidrig online gestellt wurden. Der Gesetzgeber geht davon aus, dass jeder weiß oder wissen muss, dass zum Beispiel die Film- oder Musikindustrie keine Dateien in Tauschbörsen einstellen würde. Trifft das zu, sind Downloads solcher Dateien nicht erlaubt. Trotz dieser Gesetzesänderung ist es noch häufig fraglich, ob die Kopiervorlage im Internet „offensichtlich rechtswidrig“ online gestellt wurde. Denn viele Künstler, Autoren oder Filmemacher – ja selbst Unternehmen aus der Unterhaltungsindustrie – nutzen das Internet zunehmend als Verbreitungsmedium. Zum Teil stellen die Rechteinhaber selbst ihre Inhalte in Tauschbörsen ein. Liegt ein solcher Fall vor, sind die entsprechenden Dateien natürlich nicht offensichtlich rechtswidrig online gestellt worden. Vielmehr ist dies rechtmäßig geschehen. Solche Dateien dürfen selbstverständlich auch heruntergeladen werden. Mehr Infos: Privatkopie und Co: Teil 3: Download – Tauschbörsen und offizielle Angebote. Auch soll es so etwas wie Musik unter einer Creative-Commons-Lizenz oder einer GNU General Public Licence geben. Geschenkt.

Kurz darauf heißt es: „Achtung: Eltern haften als Anschlussinhaber für illegale Angebote in Tauschbörsen!“ Ich werde gleich meine Mutter anrufen und sie bitten den Internetanschluss abzumelden, nicht dass sie für die ganzen BitTorrent-Angebote aus der Südsee haftet! Oder doch nicht? Schließlich wird die steile Behauptung von einem Experten unterstützt. Dem interessenlosen Vorsitzenden der Deutschen Phonoverbände Haentjes. Der meint nämlich: „Eltern müssen sich stets darüber im Klaren sein, dass sie als Inhaber eines Internetanschlusses für Urheberrechtverletzungen ihrer Kinder haften. Und das könnte sehr teuer werden!“ Sind damit jetzt ungerechtfertigte Massenabmahnungen der Musikindustrie gemeint? Also doch nicht Mama anrufen!

Und weiter: „Da viele illegale Downloader es nicht als Unrecht empfinden, sich MP3s umsonst runterzuladen, sollten Eltern ihre Kinder darüber aufklären, dass sie eine Straftat begehen, wenn sie Musik auf ihren Rechner laden und anderen Musikliebhabern zugänglich machen.“ Vielleicht mit einem Verweis auf iRights.info damit sie die Rechtslage kennenlernen und nicht mit Propaganda überschüttet werden?

Und natürlich ist die Sendung ganz up-to-date und hilft gerne mit, ein Bedrohungsszenario aufzubauen. Schließlich ist die Verwirklichung von zwanghaften Träumen ein hohes Gut: „Zukünftig ist es durchaus möglich, dass die Service-Provider Verstöße gegen das Urheberrecht durch Musik-Downloads mit Sperrung oder Einschränkung des Internetzugangs ahnden.“ Vielleicht sollte man den Kindern auch gleich noch die verfassungsrechtlichen Grundsätze von Informationsfreiheit erklären? Oder lieber nicht, nachher machen sie sich noch schlau und wehren sich am Ende noch gegen solche Pläne.

Und natürlich wird auch die Bedeutung der Digitalisierung nicht verkannt: „Die Erfindung des MP3-Formats war rückblickend das Ende der Musikindustrie, wie man sie kannte.“ Richtig. „Die musikalischen Inhalte wurden vom herkömmlichen Trägermedium CD entkoppelt. Gleichzeitig werden die Produktions- und Vertriebskosten minimiert. Der digitale Bereich spielt eine immer größer werdende Rolle und gewinnt immer mehr an Relevanz. Im Vergleich zum Jahr 2006 stieg die Anzahl der legalen Musikdownloads im Jahr 2007 um 53 Prozent auf insgesamt 1,7 Milliarden Einheiten.“ Auch richtig. „Die Musikindustrie hat inzwischen verstanden, dass der technologische Fortschritt als Wachstumschance für die Branche zu sehen ist, anstatt sich dagegen zu wehren und arbeitet an Strategien, den Fortschritt gewinnbringend zu nutzen.“ Eher nicht so richtig. Die Musikindustrie hat es bislang leider nicht geschafft, bessere und verbraucherfreundliche Angebote zu schaffen als BitTorrent-Clients diese zur Verfügung stellen. Und was heißt „anstatt sich dagegen zu wehren“? Vielleicht verstehe ich den Ankündigungstext mit den ganzen Falschdarstellungen und Drohungen ja nicht richtig.

Jetzt wirds wieder richtiger: „Seit der Erfindung des MP3-Formats hat die Musikindustrie aussichtsreiche Chancen ungenutzt verstreichen lassen. Gerne schiebt sie die Schuld für sinkende Umsätze auf die Musikpiraterie, die in illegalen Peer to Peer (P2P)-Tauschbörsen betrieben wird und nutzt diese als Erklärung für die anfängliche Ablehnung der Digitalisierung, doch muss sich die Musikindustrie schon mindestens seit dem Jahr 1960 mit Piraterie im großen Stil auseinandersetzen.“ Holla, eine Erkenntnis!

Wie gehts weiter? „Die Schließung einer bestimmten Tauschbörse hat nur zur Folge, dass sich die Nutzer auf andere Angebote verteilen.“ Ja, stimmt. Und dann: „Ein generelles Umdenken und die Entwicklung eines Unrechtsempfindens gegenüber kostenfreiem illegalem Download von Musiktiteln, ist nötig. Die Musikunternehmen müssen ihren Kunden eine attraktive legale Alternative schaffen, um ihre Produkte von den illegalen kostenfreien Downloads abzugrenzen und den Konsumenten vom Kauf zu überzeugen.“ Überzeugung und Alternativen statt Strafen, Bedrohungen und falschen Zahlen. Eine gute Idee! Das wird immer besser hier. Ah ich hatte den nächsten Satz noch nicht gesehen. Dort heißt es: „Durch die illegalen Tauschbörsen wurde die digitale Musik entwertet, da alle Musiktitel umsonst bezogen werden konnten.“ Das ist ja fies! Entwertet! Aber ja zum Glück nur die „digitale Musik“. Mit dem Elektro-Zeugs konnte ich eh nie was anfangen. Oder ist damit jetzt schon wieder was anderes gemeint? Kann es vielleicht nicht auch einfach so sein, dass die Nutzer keine Lust hatten der Musikindustrie zum dritten Mal die gleiche Musik abzukaufen (Kassette/Platte, CD und jetzt mp3s)? Kann es nicht auch sein, dass die musikaffinen Nutzer weiterhin Musik kaufen, wenn sie diese gut finden? Ich hatte mal sowas gehört. Und irgendwas war da doch noch mit Interoperabilität und Kopierschutz. Egal, merken: Digitale Musik wird durch Tauschbörsen entwertet. Und was machen wir jetzt? „Ziel muss es sein, den digitalen Musikdownload wieder mit einem Wert zu versehen.“ Da bin ich aber beruhigt. Ziel, Plan, Weg und Erfolg. Also alles in guten Händen. Mehr Infos zu „illegalen Tauschbörsen“ gibt es übrigens beim „Bundesverband der Musikindustrie e.V.“ und beim Aufklärungsportal von „proMedia Gesellschaft zum Schutz geistigen Eigentums mbH“.

Oder aber bei iRights.info. Das hätte den Vorteil: Erläuterungen nach geltender Rechtslage, laienverständlich formuliert, keine Propaganda und kühle Analyse mit warmen Praxistips. Aber nur wer will. Die anderen sind herzlich eingeladen heute Abend Johannes B. Kerner bei der Analyse der gegenwärtigen Sachlage zu glauben. Oder wirds am Ende doch ganz anders und JBK stellt kritische Fragen und klärt auf? We´ll see. Bis dahin.

February 08 2010

iRights.info beim Safer Internet Day 2010 in Mainz

Am morgigen Dienstag den 09. Februar 2010 ist wieder der von der EU ins Leben gerufene Safer Internet Day. Es gibt in Deutschland und Europa eine Vielzahl von Veranstaltung rund um das Thema Sicherheit im Netz. Ich mache für iRights.info einen Workshop bei der zentralen Veranstaltung in Rheinland-Pfalz.

Im ZDF-Konferenzzentrum in Mainz kommen Medienscouts aus rheinland-pfälzischen Schulen zusammen. Ich erzähle was zu “Blogs, Tauschbörsen und soziale Netzwerke – deine Rechte im Internet”. Organisiert wird das ganze vom rheinland-pfälzischen Ministerium für Umwelt, Forsten und Verbraucherschutz, dem Ministerium für Bildung, Wissenschaft, Jugend und Kultur sowie dem Ministerium des Inneren und für Sport unter Mitarbeit von klicksafe.de, jugendschutz.net, MKN-Koblenz und des Landesmedienzentrum Rheinland-Pfalz. Einen Programmüberblick gibt es hier.

November 03 2009

Aus gegebenem Anlass: Informationen für Digital Natives und die, die sie informieren sollten

Bei telemedicus ist gerade ein Interview mit “Sophie” erschienen, einer 14 Jahre alten “Digital Native”. Ein Auszug:

Welche Rolle spielt das Internet in der Schule? Habt ihr in der Klasse Computer mit Internetzugang und lernt ihr gezielt mit dem Internet zu arbeiten, also beispielsweise darin zu recherchieren? Und werdet/wurdet ihr in der Schule von euren Lehrern darüber aufgeklärt, was ihr im Internet dürft und was nicht?

Wir haben schon zwei Computer in unserem Klassenraum, die auch Internet haben und an denen wir auch recherchieren dürfen. Lernen tun wir darüber jedoch nichts, weder übers Recherchieren allgemein noch darüber was wir dürfen oder auch nicht.

Dass diese Art von Medienkompetenz im Unterricht oft nicht vermittelt wird, wird offenbar immer mehr zum Problem (allerdings habe ich gerade erst privat von einer Lehrerin gehört, die ihren SchülerInnen berichtet hat, was sie alles über sie aus Social Networks weiß; die SchülerInnen waren wohl mehr als erstaunt. Es gibt also – wie immer – Ausnahmen).

Da wir das bei iRights.info natürlich nicht erst seit heute wissen, bieten wir Informationen an, die sowohl den “Natives” selber, als auch ihren LehrerInnen helfen können:

Ein Tropfen auf den heißen Stein, angesichts der Tatsache, dass Kompetenz im Umgang mit diesen Dingen viel intensiver vermittelt werden sollte, aber vielleicht ist es Anlass genug für den einen oder anderen, nicht mehr davor zurück zu schrecken.

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