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November 01 2013

Digitale Mentalitäten: Webaktive haben wenig übrig für Urheber

Eine jetzt veröffentlichte Studie vergleicht die Einstellungen und Verhaltensmuster durchschnittlicher Internet-Nutzer mit denen von sogenannten „Webaktiven“. Sie zeigt, dass die Webaktiven Urheber und die wirtschaftlichen Schäden, die durch illegale Werknutzung entstehen, weniger ernst nehmen. Zugleich lässt sie erkennen, dass Nutzer generell für Inhalte zahlen würden und das Thema Datenschutz immer wichtiger wird.

Fast die Hälfte der Internet-Nutzer plädiert dafür, dass Inhalte für Bildung und Wissenschaft frei verfügbar sein sollten. Das ergab eine Befragung rund 1.000 Nutzern zwischen 14 und 69 Jahren (im Frühjahr 2012), die das Institut für Strategie-Entwicklung (IFSE) vergangene Woche in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Untersuchung mit dem Titel „Digitale Mentalitäten II“ vergleicht die Aussagen dieser repräsentativen Gruppe von Internet-Nutzern mit den Ergebnissen einer anderen Befragung von ebenfalls rund 1.000 Nutzern, sogenannten Webaktiven, die hohe Aktivität im Netz und fortgeschrittene Kenntnisse des Internet vorweisen. Das IFSE beobachtet diese Webaktiven seit 2004 regelmäßig, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie sich Verhaltensmuster und Einstellungen verändern.

Unterschiede in der Bewertung von Urheberrechten

Tatsächlich zeigen sich in den Studienergebnissen mitunter deutliche Unterschiede bei den Sichtweisen und Beurteilungen der Webaktiven – die laut IFSE rund 5 bis 15 Prozent ausmachen – und denen der Gesamtheit der Internet-Nutzer. Insbesondere hinsichtlich der Bewertung urheberrechtlicher Aspekte weicht die Auffassung der Webaktiven von denen der Internet-Nutzer ab.

Auf die Frage, wer von der illegalen Nutzung urheberrechtlicher Werke wirtschaftlich betroffen sei, vermuten von den Internet-Nutzern 86 Prozent eine Schädigung der Verwerter, also der Verlage und Medienhäuser, zu 84 Prozent eine der Urheber und zu 30 Prozent, dass niemand geschädigt werde. Demgegenüber nehmen von den Webaktiven nur 50 Prozent eine Schädigung der Verwerter wahr, 45 Prozent eine der Urheber und immerhin 55 Prozent, dass niemand geschädigt werde.

Als Begründung zitiert die Studie die Ansicht der Webaktiven, eine digitale Kopie wäre kein „Wegnehmen“ – und dass Content, der ins Internet gestellt wurde, quasi als freigegeben zu betrachten sei. Dementsprechend vertreten lediglich 29 Prozent der Webaktiven die Auffassung, dass die Urheber darüber entscheiden dürften, was mit ihren Werken im Internet geschehe. Von den „normalen“ Internet-Nutzern sind immerhin 43 Prozent dieser Auffassung. Das heißt im Umkehrschluss: 57 Prozent der Internet-Nutzer und ganze 71 Prozent der Webaktiven sprechen den Urhebern die Entscheidungsbefugnis über die Verwertung ihrer Werke im Internet schlichtweg ab.

Unternehmen bauen keine Beziehung zu ihren Kunden auf

Beide Untersuchungsgruppen äußern sich auch zu ihrem Umgang mit illegalen Mediendateien. So geben 11 Prozent der Internet-Nutzer an, dass mehr als die Hälfte ihrer digitalen Musik illegal sei, bei den Webaktiven sind dies 47 Prozent. Diese illegale Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke hätte aber zuletzt abgenommen – sagen 37 Prozent. Bei 15 Prozent sei sie allerdings gestiegen. Und 13 Prozent sagen, sie würden nie illegale Dateien nutzen.

Als Grund für ihren Sinneswandel nannten 25 Prozent der Webaktiven ein gesteigertes Rechtsbewusstsein und mehr Kenntnisse über die Zusammenhänge und Folgen illegaler Nutzungen. Gut zwei Drittel (69 Prozent) nutzen inzwischen vermehrt legale kostenfreie Angebote, etwa ebenso viele konsumieren selektiver, statt zu horten (67 Prozent). Rund die Hälfte der Webaktiven gibt an, mehr Geld für legale Angebote zur Verfügung zu haben als in den Jahren zuvor (52 Prozent).

Gleichwohl nutzen User weiterhin illegale Angebote. Die Studie nach den Gründen: 60 Prozent der Webaktiven gaben an, sie wollten auf diese Weise Inhalte kennenlernen. 38 Prozent halten die illegalen Angebote für kundenfreundlicher, also bequemer zu handhaben. Fast vier Fünftel (78 Prozent) glauben, dass es an einer mangelnden Beziehung der Unternehmen zu ihren Kunden liegt. Die Kunden machen sich keine Gedanken darüber, ob sie mit ihrem Handeln jemandem schaden.

Gewerbliche Piraterie bestrafen

Wenn Wirtschaft und Politik auf Warnhinweise und die Androhung den Internetzugang zu sperren setzten, nützt dies offenbar wenig. Jedenfalls geben 84 Prozent der Webaktiven an, dass sie sich kaum oder gar nicht von solchen Hinweisen davon abhalten ließen, weiterhin illegale Angebote zu nutzen.

Interessant sind die Meinungen dazu, wie digitale Piraterie bestraft werden sollte. 87 Prozent der Internet-Nutzer und 85 Prozent der Webaktiven sind dafür, gewerbliche Raubkopierer zu bestrafen. Bei privaten illegalen Nutzungen plädieren 56 Prozent der Internet-Nutzer für eine Bestrafung, von den Webaktiven nur 20 Prozent. Übrigens zeigt die Studie fast durchgängig, dass bei den Internet-Nutzern die Sensibilität gegenüber illegaler Nutzung umso ausgeprägter ist, je älter und je gebildeter sie sind.

Hohe Ausgaben für Medien und Unterhaltung

Der Haltung zum Umgang mit illegalen Kopien und frei verfügbaren Inhalten stehen bei Webaktiven wie bei Internet-Nutzern allerdings auffällig hohe Ausgaben für Medien und Unterhaltung gegenüber. So geben Webaktive 77 Euro pro Monat für digitale Medien und Entertainment aller Art aus, die normalen Internet-Nutzer 61 Euro. Beides liegt laut IFSE über den vergleichbaren Werten für alle deutschen Verbraucher.

Während die Webaktiven am meisten für Bücher, Games und Konzerte ausgeben (in dieser Rangfolge, zusammen 32 Euro/Monat), kaufen die durchschnittlichen Internet-Nutzer vor allem analoge Zeitungen, Bücher und Kinobesuche (29 Euro). Je älter die Nutzer, desto höher steigt der Anteil an Ausgaben für Bücher und analoge Zeitungen.

Rückenwind für Kulturflatrate-Befürworter?

Die Studie des IFSE könnte den Befürwortern einer Kulturflatrate neuen Rückenwind geben, da sie feststellt, dass zumindest die Webaktiven erklären, dass sie für Inhalte zahlen würden – immerhin ist das jene spezielle Gruppe von Internet-Nutzern, die laut IFSE „den netzpolitischen Diskurs prägen“. 71 Prozent der Webaktiven halten die Kulturflatrate für eine Option zur Finanzierung von Medien- und Kulturangeboten im Web. Als weitere Optionen nannten sie Werbung (70 Prozent), Abonnements (64 Prozent) oder Freemium-Modelle nannten, bei denen die Nutzer für kostenlose Angebote auf Nachfrage freiwillige Impulszahlungen leisten.

Die gesellschaftliche Diskussion über die Kulturflatrate ist in den vergangenen Monaten zwar etwas abgeflaut, aber konkrete Szenarien und Hochrechnungen liegen vor, wie etwa von der Piratenpartei, der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries oder dem Göttinger Juristen und Ökonomen Gerald Spindler, der im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Studie erstellte.

Kein Klarnamenzwang und „Privacy by Default“

Ohne Überraschungen sind die Befunde der Studie zu Anonymität und Datenschutz. So präferieren die Webaktiven, anonym zu bleiben und lehnen einen Klarnamenzwang mehrheitlich ab (73 Prozent). Über vier Fünftel aller Nutzer (85 Prozent der Webaktiven sowie 88 Prozent der Internet-Nutzer) befürworten einen möglichst strengen Datenschutz, etwa durch grundsätzliche Opt-In-Regelungen statt in Programmen oder Diensten. Eine Vorratsdatenspeicherung befürworten 50 Prozent der Internet-Nutzer, aber nur 12 Prozent der Webaktiven. Online-Durchsuchungen halten 51 Prozent der Internet-Nutzer für zulässig, während das von den Webaktiven nur 13 Prozent so sehen.

Allerdings ist zu allen Befunden zu bemerken: Die Befragung erfolgte im Frühjahr 2012, also sowohl vor der NSA-Spähaffäre, die eine breite Diskussion zu Datenschutz und Privatsphäre auslöste, als auch vor der Debatte zu Netzneutralität, die im Sommer dieses Jahres aufkam. Insofern ist anzunehmen, dass sich die hier ermittelten Einstellungen mittlerweile geändert haben.

Zum Studiendesign

Das IFSE ist ein sogenanntes An-Institut der Universität Witten-Herdecke, das dort 2003 gegründet wurde, aber seit 2007 in privater Finanzierung in Berlin sitzt. Die repräsentative Online-Umfrage unter allen deutschen Internet-Nutzern zwischen 14 und 69 Jahren gab das IFSE beim LINK-Institut in Auftrag. Sie erfolgte im Frühjahr 2012.

Parallel dazu befragten die IFSE-Forscher etwa 1000 sogenannte Webaktive, die etwa 5 bis 15 Prozent der Internet-Nutzer ausmachen und ein besonderes Profil aufweisen: Hohe Aktivität im Netz, den netzpolitischen Diskurs prägend, urban und überproportional in Städten wie Berlin und Hamburg vertreten, zu 72 Prozent zwischen 20 und 39 Jahre alt, zu 83,1 Prozent männlich, zu 82 Prozent mit Gymnasium/Abitur/Fachhochschulreife beziehungsweise Hochschulabschluss. Im Vergleich dazu sind die Internet-Nutzer zu 68 Prozent 20-59 Jahre alt und zu 52,5 Prozent männlich, haben zu 62 Prozent Gymnasium/Abitur/Fachhochschulreife beziehungsweise Hochschulabschluss.

October 05 2012

Studie: Wie GEMA-haltig ist Clubmusik?

Die mittlerweile auf April kommenden Jahres verschobene Tarifreform der GEMA sorgt weiter für Diskussionen, für November sind neue Verhandlungen geplant. Ein Nachteil der Diskussionen scheint allerdings, dass man in vielen Fragen auf Vermutungen angewiesen ist und jeder Zahlen einwirft, die gerade passend erscheinen.

Ein Streitpunkt dabei ist immer wieder, wieviel Musik von Künstlern, die durch die GEMA vertreten werden, in den Clubs eigentlich gespielt wird. Aus der Clubszene hört man die Kritik, das von der GEMA praktizierte Stichproben-Verfahren gehe an den heterogenen Subkulturen und den musikalischen Nischen vorbei. Deutlich wird das zum Beispiel an einem gerade bei De:bug veröffentlichtem Streitgespräch, an dem u.a. Silvia Moisig (GEMA), die Clubbbetreiber Steffen Hack und Pamela Schobeß sowie Ben de Biel (Piratenpartei) teilgenommen haben:

Silvia Moisig: (…) Wir haben 120 Black Boxes in deutschen Diskotheken installiert, mit denen Musik mitgeschnitten wird, um ein besseres Bild davon zu bekommen, welche Stücke überhaupt gespielt werden.

Hack: Was Sie nicht sagen, ist, dass diese Boxen eine Stunde pro Woche mitschneiden. Zum Vergleich: In einer Stunde Club-Betrieb laufen vielleicht sechs Tracks. Das ist doch nicht repräsentativ. Und zeigt, dass die GEMA überhaupt keine Vorstellung davon hat, wie in Clubs mit Musik umgegangen wird. Mit diesem System kann man vielleicht Großdiscos bewerten, aber keine Clubs.

Schobeß: Frau Moisig, Sie sprechen immer von Diskotheken. Das ist doch das Grundproblem. Wir machen keine Discos, wir machen Clubs. Unsere DJs greifen nicht ins Regal und spielen CDs aus dem Media Markt.

de Biel: Ein Großteil der Musik in den Clubs ist nicht einmal bei der GEMA gemeldet. (…)

Wie hoch der Anteil GEMA-pflichtiger Musik in den Clubs (für elektronische Musik) tatsächlich ist, will jetzt eine Studie herausfinden. Im Rahmen ihrer BA-Arbeit untersucht die Medienwirtschaftlerin Victoria Götz die Frage und ruft momentan DJs dazu auf, Playlisten einzusenden. Das Vorgehen beschreibt sie so:

Wie hoch ist der durchschnittliche Anteil GEMA-pflichtiger Musik in einem Techno-DJ-Set?
Für die Untersuchung werden zahlreiche DJ‐Sets oder deren Playlists benötigt, die im Zeitraum vom 20.09. bis 17.10.2012 in einem deutschen Club im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung entstanden sind. Diese werden im Anschluss mit Hilfe der Crowd auf GEMA‐haltigen Inhalt geprüft.

Mehr Informationen gibt es auf der Website zur Studie. Unterstützt wird das Vorhaben unter anderem von der Berliner Clubkommission und der neu gegründeten Verwertungsgesellschaft C3S.

[via unwatched.org]

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February 10 2012

January 31 2012

Little Ice Age was caused by volcanism

Some of the iconic winter landscapes by Pieter Bruegel the Elder are more than just fine examples of sixteenth-century Dutch art. Paintings such as Bruegel’s Hunters in the Snow (1565) also serve as vivid evidence for the ‘Little Ice Age’, a period of cold climate conditions and glacier advances in Europe and elsewhere that lasted from the late Middle Ages until the nineteenth century.

There has been quite some debate over the years about the precise onset and the physical causes of this extended cold spell, with one school of thought favouring low solar activity during the ‘Maunder Minimum’ and another the cooling effect of big volcanic eruptions.

A paper published today in Geophysical Research Letters may put the solar-trigger hypothesis at rest. Gifford Miller of the University of Colorado in Boulder and his colleagues suggest that the Little Ice Age began abruptly between 1275 and 1300 AD following four large sulfur-rich explosive eruptions, most likely in the tropics, over a mere 50-year period.

Sulfate particles hurled high up into the atmosphere by the massive eruptions would have reduced the amount of sunlight reaching the ground and caused a series of cold summers. The found that ice-growth records from Baffin Island and Iceland indicate that glaciers and Arctic sea ice did advance abruptly at the time.  The resulting climate feedbacks seem to have maintained cold conditions for centuries.

“What is new in this study is that the authors have data on the growth of small icecaps in Canada and Iceland, showing a rapid increase in ice volume at the end of the thirteenth and close to the middle of the fifteenth century,” says Georg Feulner, a climate scientist at the Potsdam Institute of Climate Impact Research in Germany.

“These periods coincide with phases of strong volcanic eruptions, but a mechanism is required to produce cooling on longer timescales as the temperature drop after volcanic eruptions typically last only for a few years. In climate model simulations, the authors find that the persistent cooling observed in the climate records can be explained by expanded sea ice resulting in cooling by the ice-albedo feedback mechanism, and cooling in large parts of the North Atlantic by sea-ice export from the Arctic.”

Over at the New York Times DotEarth blog, Jennifer Francis, a climate and sea-ice researcher at Rutgers University in New Jersey, comments on the importance of the findings:

During the past several decades we have seen the enhanced warming of the Arctic owing to a variety of feedbacks involving snow, sea ice, and water vapor, but Arctic Amplification also works in the reverse direction, as in the case of the little ice age.

If a similar series of strong volcanic eruptions were to happen in the next few decades, we would likely experience global cooling with an amplified response at high latitudes. As long as greenhouse gases continue to accumulate in the atmosphere, however, the cooling can only be temporary.

Reposted fromSigalontech Sigalontech

August 12 2011

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[...]

Why social media bring democracy to developing countries and anarchy to rich ones?

O sublime hypocrisy of European mainstream media! The same technologies that a few months ago were glorified for single-handedly bringing down dictators during the Arab Spring, are now at the core of an unprecedented moral panic for their alleged role in fuelling UK August 2011 riots. In a recent post, Christian Fuchs rightly maintains:

And, o! exquisite refinement in the ancient art of double standard: the same conservative press that indignantly deplored dictators’ censorship of online communication, now call for plain suppression of entire telecommunication networks – as unashamedly exemplified by this piece in the Daily Mail.

[...]

Is a social media-fuelled uprising the worst case scenario? Elements for a sociology of UK riots  | Antonio A. Casilli - BodySpaceSociety - 2011-08-11 

June 10 2011

May 13 2011

Neue Studie: “Verbraucherschutz im Urheberrecht” – Gutachter Till Kreutzer im Interview

Am heutigen Freitag stellt der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) auf einer Pressekonferenz die von iRights.info-Redakteur Till Kreutzer geschriebene Studie “Verbraucherschutz im Urheberrecht” vor. Vorweg es enthält äußerst spannende Vorschläge für neue urheberrechtliche Regelungen, die erstmals die Interessen der Nutzer und Verbraucher umfangreich berücksichtigen. Um einen schnellen Einstieg zu ermöglichen antwortet Till Kreutzer hier auf die wichtigsten Fragen.

Frage: Heute wird die von dir für den Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) erstellte Studie “Verbraucherschutz im Urheberrecht” der Öffentlichkeit vorgestellt. Wir sind gespannt, was steht also drin?
In der Studie werden die aus Sicht des Verbraucherschutzes drängensten Fragen untersucht. Die Studie besteht aus zwei Teilen. Teil 1 enthält eine Analyse ausgewählter Aspekte im Spannungsfeld zwischen Verbraucherschutz und Urheberrecht (z.B. zur Kopiervergütung, Kulturflatrate, User-Generated-Content usw.). In Teil 2 werden konkrete Lösungsvorschläge unterbreitet, wie Defizite durch nationale oder EU-rechtliche Neuregelungen behoben werden können.

Aufgrund deiner Analyse, welches sind die größten Probleme im Urheberrecht wenn man die Interessen der Verbraucher ins Visier nimmt?
Ein großes Problem ist der kreative Umgang der sogenannten “Prosumer” mit urheberrechtlich geschütztem Material in eigenen Schöpfungen, wie Mash-Ups, Remixes, Home Videos etc. Nach der Untersuchung sind solche Kulturtechniken in der Regel untersagt, wenn der Nutzer nicht alle Rechte an den einbezogenen Inhalten “klärt”. Eine Rechteklärung ist aber viel zu aufwändig und teuer, um von “Laien-Urhebern” oder auch professionellen Künstlern der Remix-Culture realisiert zu werden. Daher wird in der Studie eine gesetzliche Lösung in Form einer neuen Schrankenbestimmung für “transformatives Werkschaffen” vorgeschlagen, nach der solche Handlungen per Gesetz zulässig sind. Eine solche Regelung müsste zunächst im europäischen Recht verankert werden.

Ein weiteres drängendes Problem ist die Weiterveräußerung von unkörperlichen Werkexemplaren. Nach geltendem Recht ist es aufgrund des so genannten Erschöpfungsgrundsatzes erlaubt, körperliche Werkexemplare (wie Musik-CDs oder Blueray-Discs) weiterzuverkaufen, wenn sie im regulären Handel erworben wurden. Für unkörperliche Kopien, wie z.B. Musikdownloads von iTunes oder eBooks, gilt das allerdings nicht. Da der Handel sich zunehmend auf den Online-Vertrieb verlegt, stellt sich die Frage, mit welcher Begründung die Erwerber auf dem Markt mit unkörperlichen Werken schlechter behandelt werden können, als beim Erwerb und Weiterverkauf von Tonträgern oder Büchern. M.E. gibt es hierfür keine Rechtfertigung, so dass in der Studie eine (europäische) Regelung vorgeschlagen wird, mit der den rechtmäßigen Erwerbern von urheberrechtlich geschütztem Material eine “allgemeine Weiterveräußerungsbefugnis” eingeräumt wird, die unabhängig davon gilt, ob die Kopie körperlich oder unkörperlich ist.

Weitere wichtige Problemfelder liegen bei der Privatkopierregelung, die nach den letzten Gesetzesreformen so kompliziert geworden ist, dass sie kein Verbraucher mehr verstehen kann. Auch die Abmahngebühren bei Tauschbörsenfällen und anderen Urheberrechtsverletzungen im Internet sind nach wie vor ein drängendes gesellschaftliches Problem. Zu diesen beiden Bereichen werden ebenfalls Neuregelungen vorgeschlagen.

Überlagert diese Berücksichtigung der Interessen der Verbraucher nicht die der Urheber? Es heißt doch “Urheberrecht”? Oder siehst du da vergleichbare Interessen?
Zum einen ist es normal, dass das Urheberrecht zwischen kollidierenden Interessen abwägen muss. Wenn Interessen von Verbrauchern als wichtiger einzustufen sind als die der Urheber (und der Verwertungswirtschaft), muss ihnen Vorrang gewährt werden. Das gebietet schon die Verfassung. Zum anderen ist es keineswegs so, dass die Interessen von Nutzern und Urhebern generell gegenläufig sind. Im Gegenteil: Jeder Urheber ist gleichzeitig Nutzer, meist auch umgekehrt. Das zeigt sich deutlich am Thema transformative Werknutzung. Die meisten Urheber bedienen sich bei ihren Schöpfungen auch der Werke anderer (in unterschiedlichem Maß und unterschiedlicher Ausprägung). Die von mir vorgeschlagene Regelung ähnelt dem Zitatrecht, ist hiermit verwandt. Dass solche Nutzungen zulässig sind, dient gleichermaßen den Urhebern wie den Nutzern.

Welche Aspekte berücksichtigst du, die bislang noch nicht oder viel zu selten in der Diskussion um die Neugestaltung des Urheberrechts gefallen sind?
Die oben genannten Aspekte des transformativen Werkschaffens und der Weiterveräußerungsbefugnis werden bislang noch kaum diskutiert. Zu letzterem gibt es zwar Rechtsprechung, die sich aber nur auf den Sonderfall der “Gebrauchtsoftware” im Unternehmenseinsatz bezieht. Über das gleich gelagerte Verbraucherschutzthema wird dagegen ersichtlich nicht diskutiert. Ein weiterer wichtiger Punkt, der in der Untersuchung einen bedeutenden Stellenwert einnimmt, ist die Frage nach der vertraglichen Abdingbarkeit von urheberrechtlichen Nutzungsfreiheiten. Werden digitale Werkexemplare online vertrieben, geschieht dies heute fast immer unter Einsatz von Nutzungs- oder Lizenzbestimmungen, mit anderen Worten, Allgemeinen Geschäftsbedingungen. In diesen legen die Anbieter fest, was der Erwerber mit seiner Musik, seinen Filmen oder Computerspielen machen darf und was nicht.

Die Anbieter gestalten ihre Vertragsbedingungen natürlich so aus, dass sie selbst hieraus den (vermutet) größtmöglichen Nutzen ziehen. Gesetzlich gewährte Nutzerbefugnisse wie die Privatkopierregelung werden hierin oft eingeschränkt oder ganz ausgeschlossen. Nach geltendem Recht ist das möglich, was zu einer Art Privatisierung des urheberrechtlichen Interessenausgleichs führt. In der Studie schlage ich vor – um diesen Effekt zu verhindern, der sich allein zulasten der Nutzer und Verbraucher auswirkt – urheberrechtliche Schrankenbestimmungen wie die Privatkopie “unabdingbar” auszugestalten. Würde dem gefolgt, wären Regelungen, die Privatkopien verbieten oder einschränken unwirksam und müssten nicht beachtet werden.

Was würde die Umsetzung deiner Vorschläge in der Praxis bedeuten?
In vielerlei Hinsicht würde hiermit dem Umstand Rechnung getragen, dass sich die Zeiten, Nutzungsgewohnheiten, Verwertungsmethoden und Märkte mit kulturellen und Unterhaltungsgütern ändern. Die bislang sehr schlechte Position der Nutzer und Verbraucher würde hierdurch gestärkt, es würde mehr Rechtssicherheit beim Umgang mit geschütztem Material (gerade im Internet) hergestellt und die verbraucherrelevanten Regelungen im Urheberrecht würden deutlich vereinfacht.

Was passiert nun mit der Studie? Wird diese auch dem Gesetzgeber für die anstehenden Beratungen des Referentenentwurfs für den 3. Korb und den darauf folgenden gesetzgebungsprozeß vorgelegt?
Die Studie wird veröffentlicht werden (online) und auch gezielt an interessierte Kreise verschickt. Es wäre schön, wenn sie Denkanstöße oder sogar Aktivitäten von Seiten der Politik hervorrufen würde.

Danke für die Beantwortung der Fragen!

May 12 2011

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March 30 2011

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Presse1211.pdf


pdf - iw-Köln 2011-03-30

Studie zur Einkommensverteilung

Haushalte gleichen weniger aus 


vgl. Nachdenkseiten - Hinweise des Tages 2011-03-30
bzw auf Soup.io

March 27 2011

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Who Says What to Whom on Twitter | Yahoo! Research

Who Says What to Whom on Twitter

Source:

(2011)

Abstract:

We study several longstanding questions in media communications research, in the context of the microblogging service Twitter, regarding the production, flow, and consumption of information. To do so, we exploit a recently introduced feature of Twitter---known as Twitter lists---to distinguish between elite users, by which we mean specifically celebrities, bloggers, and representatives of media outlets and other formal organizations, and ordinary users. Based on this classification, we find a striking concentration of attention on Twitter---roughly 50% of tweets consumed are generated by just 20K elite users---where the media produces the most information, but celebrities are the most followed. We also find significant homophily within categories: celebrities listen to celebrities, while bloggers listen to bloggers etc; however, bloggers in general rebroadcast more information than the other categories. Next we re-examine the classical ``two-step flow'' theory of communications, finding considerable support for it on Twitter, but also some interesting differences. Third, we find that URLs broadcast by different categories of users or containing different types of content exhibit systematically different lifespans. And finally, we examine the attention paid by the different user categories to different news topics.


Download:


January 10 2011

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Abandon all hope, ye who read this | Watts Up With That? 20110110

New paper in Nature Geoscience examines inertia of carbon dioxide emissions

New research indicates the impact of rising CO2 levels in the Earth’s atmosphere will cause unstoppable effects to the climate for at least the next 1000 years, causing researchers to estimate a collapse of the West Antarctic ice sheet by the year 3000, and an eventual rise in the global sea level of at least four metres.

[...]

The paper “Ongoing climate change following a complete cessation of carbon dioxide emissions” by Nathan P. Gillett, Vivek K. Arora, Kirsten Zickfeld, Shawn J. Marshall and William J. Merryfield will be available online at http://www.nature.com/ngeo/index.html

November 25 2010

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Cornelia Heintze vergleicht im folgenden Beitrag die deutsche Beschäftigungsentwicklung mit dem Entwicklungspfad in den skandinavischen Ländern. Dort kann man im OECD- und im EU-Vergleich die höchsten Beschäftigungsziffern beobachten, wobei der Anteil prekärer Beschäftigung relativ niedrig gehalten wird und sich gleichzeitig die Einkommen vergleichsweise günstig entwickeln.

Während in Deutschland – dem angelsächsischen Entwicklungspfad folgend – vor allem auf Job-Quantität gesetzt wird und weder Inhalt noch Sicherheit der Beschäftigung und schon gar nicht eine angemessene Bezahlung im Vordergrund stehen, räumen skandinavische Länder der Qualität von Arbeitsplätzen eine nicht minder hohe Bedeutung ein. Nach der Logik der herrschenden deutschen Arbeitsmarktökonomie müsste man erwarten, dass der Erhalt der Job-Qualität in den nordischen Ländern zu Lasten der Quantität ginge. Das Gegenteil ist jedoch der Fall.
Im skandinavischen Durchschnitt lag die Gesamtbeschäftigungsquote im Zeitraum 2000 bis 2009 mit 75,7 Prozent um fast 6 Prozentpunkte über dem Durchschnitt der angelsächsischen Länder Großbritannien, USA und Irland. Bei der Frauenbeschäftigungsquote erhöht sich der Abstand auf fast 10 und bei der Beschäftigungsquote Älterer auf deutlich über 10 Prozentpunkte.
Ein wesentlicher Unterschied liegt im Beschäftigungsgewicht des öffentlichen Sektors, der in Deutschland nicht halb so groß ist, wie in den skandinavischen Ländern.
Heintzes Fazit: Die Verschiebung des Entwicklungspfades in Richtung angelsächsischem Modell, hat kein Problem gelöst, aber eine Reihe neuer Probleme geschaffen.
(Die Veröffentlichung erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift „vorgänge”, einer Publikation der Humanistischen Union)

Cornelia Heintze Das skandinavische Vorbild
Zur Rolle des Staates als Arbeitgeber

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hier weiterlesen: NDS 20101125

sowie vollständig auf Soup.io

— NDS 20101125 | Cornelia Heintze: Das skandinavische Vorbild – Zur Rolle des Staates als Arbeitgeber
Reposted bykellerabteilkrekk

September 22 2010

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Für die Zukunft nicht gewappnet: Wie ist es um die soziale Mobilität in Deutschland heute bestellt?

22. September 2010

Ergebnisse der empirischen Studie «Kaum Bewegung, viel Ungleichheit», erstellt im Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB) im Auftrag der Heinrich-Böll Stiftung

Seit langem gibt es in Deutschland weniger soziale Mobilität als in anderen industrialisierten Ländern, weniger soziale Aufstiege und weniger Abstiege. Betrachten wir die langfristige Entwicklung genauer.
Die im Krieg oder unmittelbar danach in Deutschland Ost und West geborenen Generationen waren vergleichsweise mobil. Von den 1940 – 49 geborenen Männern konnten in Westdeutschland ca. 40 Prozent eine höhere Klassenposition erreichen als ihre Väter, während etwas weniger als 15 Prozent im Vergleich zu ihren Vätern abstiegen. In Ostdeutschland stiegen ebenfalls gut 40 Prozent auf, etwa 16 Prozent stiegen ab. Deutlich anders war die Situation von Frauen. In den alten Bundesländern konnten weniger als 30 Prozent der Frauen aufsteigen, fast genauso viele verschlechterten sich. Im Osten gelang ca. 40 Prozent der Frauen des Jahrgangs 1940 – 49 ein Aufstieg, ungefähr 25 Prozent stiegen ab.

Schauen wir uns nun die Situation 20 bis 30 Jahre später an, stellen wir fest, dass es im Westen eine deutliche Annäherung zwischen Männern und Frauen gegeben hat. Beide Geschlechter verzeichnen zu etwa 35 Prozent Statusgewinne im Vergleich zu ihren Eltern, die Abstiege liegen für Männer wie Frauen um jeweils 20 Prozent. Anders in den neuen Bundesländern: Hier finden sich mehr Aufstiege für Frauen als für Männer. So stiegen 28 Prozent der zwischen 1970 und 1978 geborenen Frauen in den neuen Bundesländern auf, bei den Männern sind es knapp 18 Prozent. Gleichzeitig stieg etwas weniger als ein Drittel der ostdeutschen Männer und Frauen sozial ab. All das zeigt, dass sich die soziale Mobilität für Männer und Frauen in Ost- und Westdeutschland unterschiedlich entwickelt hat.

[...]

Warum bestimmt die Herkunft der Eltern so stark die Lebensperspektive der Kinder?

Die wesentliche Ursache ist die Bildung. Kinder aus bildungsnahen Schichten haben wesentlich bessere Möglichkeiten, selbst eine hohe Bildung zu erreichen als Kinder aus bildungsfernen Schichten. Dies gilt für Noten, Bildungsabschlüsse (Zertifikate) und kognitive Kompetenzen. Auch die Übertragung des sozialen Habitus von Eltern auf Kinder darf nicht unterschätzt werden. Die Gründe dafür sind vielfältig. Wir setzen im internationalen Vergleich viel zu spät an, Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern an Bildung heranzuführen. Nur 15 Prozent der Kinder zwischen drei und fünf Jahren können in Westdeutschland Kindertagesstätten besuchen. Unsere Halbtagsschulen trennen Kinder meist im Alter von 10 Jahren. Wir verzichten auf sozialpädagogisch geschultes Personal und lehren noch immer im Klassenkontext, ohne die individuellen Bedürfnisse der Kinder ernst zu nehmen.

Die meisten anderen Länder zeigen uns, dass es auch anders geht. Die Bildungsarmut liegt dort deutlich niedriger, und die Vererbung von Bildung ist weitaus weniger ausgeprägt.

[...]


Was ist dran an den Ängsten der Mittelschichten vor dem gesellschaftlichen Abstieg?

Alle Indikatoren weisen in die gleiche Richtung: Der Abstand zwischen oben und unten ist größer geworden, der Armutssockel wird breiter. Noch lässt sich Deutschland insgesamt als eine «nivellierte Mittelstandsgesellschaft» beschreiben. Karl-Martin Bolte fasste dies in den 1970ern in das Bild einer Zwiebel: ganz unten und ganz oben wenige Menschen, in der Mitte sehr viele. Diese Zwiebel ist vor allem das Ergebnis von Einkommensdaten der amtlichen Statistik. Um den Zustand einer Gesellschaft besser zu beschreiben, bedarf es aber zusätzlicher Anhaltspunkte: Wie sehen die Deutschen die Verteilung von Arm und Reich insgesamt? [...] Die Mehrheit der Befragten positioniert sich nämlich selbst im mittleren Feld, fühlt sich also der Mittelschicht zugehörig. So ergibt sich insgesamt wieder das Bild der Mittelstandszwiebel – inmitten der Pyramide. Wie aber ist der Unterschied zwischen der Gesamtsicht und der Einordnung der eigenen Person zu erklären? Es kommt entscheidend darauf an, mit wem sich der Einzelne vergleicht.

Die Sozialpsychologen Leon Festinger (1954) sowie Henri Tajfel und John C. Turner (1979) formulierten, dass der Mensch versuche, bei sozialen Vergleichen immer positive soziale Identitäten oder eine «positive Distinktheit» herzustellen, nach dem Überlebensmotto: Es geht mir schlecht, aber vielen anderen geht es noch schlechter. Der Schutzmechanismus mittlerer Selbsteinordnung könnte ein Faktor sein, der die Unzufriedenheit dämpft. Ein anderer Selbstschutz deutet sich an, wenn man prüft, wo die Befragten eine Linie ziehen, unterhalb derer aus ihrer Sicht Armut beginnt. 70 Prozent der Hartz-IV-Bezieher zeichnen ihre subjektive Armutslinie oberhalb der eigenen Position. Sie betrachten also wesentlich mehr Menschen als arm, als es die Erwerbstätigen und die, die noch nicht lange arbeitslos sind, tun. Diese zuletzt genannten Gruppen ziehen die Linie tiefer, für sie gibt es in der Gesellschaft weniger Arme. Entscheidend ist dabei, dass es gruppenspezifische Armutslinien gibt. Das heißt nicht nur, dass diese Wahrnehmungen der sozialen Realität an den sozialstatistisch festgelegten Armutsdefinitionen vorbeigehen, sie lassen auch ahnen, wie uneinheitlich die soziale Wirklichkeit gesehen wird.

Die «tiefgreifenden soziologischen Differenzen», wie sie Georg Simmel in seiner Soziologie der Armut 1908 umriss, können auch als Schutzmechanismus gesehen werden: Jeder fügt sich sein eigenes Bild von Gesellschaft zusammen, und so entstehen keine einheitlich empfundenen Abgrenzungen, kein Ziel für alle, kein Gegner, von dem sich die große Mehrheit absetzen oder den sie entmachten will. So formt sich keine revolutionäre Masse. [....]  Umso wichtiger ist es, die Menschen zu befähigen, Armut auch subjektiv zu überwinden, ihnen Fähigkeiten (capabilities) zu übertragen, wie es die Rechtsphilosophin Martha Nussbaum und der Ökonom Amartya Sen ausdrücken. Hier sprechen wir dann insbesondere von Bildung, Ausbildung und Weiterbildung, den klassischen Antriebskräften sozialer Mobilität. Das formt das Protestpotenzial in ein Innovationspotenzial und dann in Innovation um, es macht aus einer eher starren und ruhigen Gesellschaft, eine beweglichere, für die Zukunft offenere – und besser gewappnete.

Hinweis: Die Studie «Kaum Bewegung, viel Ungleichheit. Eine Studie zum sozialen Auf- und Abstieg in Deutschland», verfasst von Reinhard Pollak (DIW), erscheint im Herbst 2010 in der Schriftenreihe der Heinrich-Böll-Stiftung.

Für die Zukunft nicht gewappnet: Wie ist es um die soziale Mobilität in Deutschland heute bestellt? - Soziales - Heinrich Böll Stiftung

September 18 2010

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Jugend im Jahr 2010

Generation Biedermeier

 

Ausgrenzend und anpassungswillig: Eine neue Studie zeichnet ein beunruhigendes Bild der Jugend. Die Resultate erinnern an die Sarrazin-Debatte. Damit ist die Zwei-Klassen-Gesellschaft angekommen im Denken der Heranwachsenden.

Panische Absturzangst, massiver Anpassungswille sowie Verachtung für alle, die abgerutscht sind: Das Bild, das das Marktforschungsinstitut Rheingold von der Jugend im Jahr 2010 zeichnet, ist nicht gerade beruhigend. Alle acht Jahre befragen die Kölner Forscher in psychologischen Interviews junge Menschen zwischen 18 und 24 Jahren zu ihren Lebenseinstellungen, und in diesem Jahr haben sie signifikante Zuspitzungen ermittelt.

Irgendwie erinnern einen die Resultate an die Sarrazin-Kontroverse, auch Rheingold-Chef Stephan Grünewald geht es so. Sarrazin „greift offenbar ein vorhandenes Lebensgefühl auf“, sagte Grünewald der FR. Sarrazin macht Migranten, vor allem die muslimischen, selbst für ihre Integrationsprobleme verantwortlich und wirft ihnen vor, der Gesellschaft mehr Kosten als Nutzen zu bringen. So populistisch und sozialdarwinistisch diese Schuldzuweisung sein mag – dafür, dass sie so viel Zustimmung erhält, bietet die Studie Erklärungshilfen.

Denn sie zeigt eine Jugend, die alles als brüchig empfindet. Durch instabile Familiensysteme, vor allem auch die Wirtschafts- und Finanzkrise habe sich bei den jungen Erwachsenen die Überzeugung eingegraben: „Ich kann mich auf nichts mehr verlassen.“ Folge: eine „angstvolle und ungeheuer anpassungswillige“ Jugend, eine „Generation Biedermeier“. Mit Selbstdisziplin und einer „fast manischen Suche nach festen Ordnungen und Regeln“ versuchten die jungen Menschen, der von Krisen erschütterten Lebenswirklichkeit beizukommen. Pünktlichkeit, Höflichkeit, Treue in der Partnerschaft haben ebenso Konjunktur wie eine hohe Leistungsbereitschaft: Viel Zeit wird in die Ausbildung investiert, emsig Praktika gesammelt.

Grünewald nennt das „Kompetenz-Hamstern“. Aber er mahnt zugleich, die Qualifikationen würden „häufig wahllos und schematisch angehäuft, nicht aus Liebe zur Sache oder Interesse“. Bedenklich wird der Selbstschutz aber vor allem, wo er zur Ausgrenzung anderer führt. „Erschreckend“ nennt Grünewald denn auch den Befund, in welchem Ausmaß Jugendliche ihre Absturzängste kompensieren, indem sie gesellschaftliche Verlierer schmähen. „Loser“, „Opfer“ und „Hartz IV“ seien längst zu gern gebrauchten Schimpfwörtern avanciert, konstatiert die Studie.

Selbst Menschen, die sich als eher links und solidarisch einstufen, schauten mit Verachtung auf schwächere Gruppen. Damit ist die Zwei-Klassen-Gesellschaft angekommen im Denken der Heranwachsenden: „Die Welt“, so die Studie, „ist klar geteilt in Winner und Loser, in Superstar und Hartz IV, in gut und böse.“

Jugend im Jahr 2010: Generation Biedermeier | Politik - Frankfurter Rundschau 20100912
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August 02 2010

Lesebefehl für all die Müllers, Mixas, Meissners, sowie Merks und von der Leyens dieser Rublik

Lesebefehl für all die Müllers, Mixas, Meissners, und Merks und von der Leyens dieser Republik. Denn in Frankreich und in den skandinavischen Ländern längst eine Selbstverständlichkeit, findet in Deutschland von entsprechenden pädagogischen Fachkräften im Einklang mit dem geballten Sachverstand einschlägiger Kollumnen der Regenbogenpresse  und von den ach so KKK-gesonnenen Springerredaktionen glossierend mitgetragen, ein subtil inszenierter Psychoterror gegen frühe Kindergrippe und alleinerziehendes Elternteil statt.

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“Rabenmütter” weiß gewaschen

Eine amerikanische Studie nimmt arbeitenden Müttern von Kleinkindern das schlechte Gewissen: Selbst wenn Kinder schon unter einem Jahr außerhalb betreut werden, gebe es keine nachteiligen Effekte auf die Entwicklung

Viele Eltern kennen das Dilemma: Der Lebensabschnitt, in dem die berufliche Anforderungen besonders hoch sind, ist auch die Phase, in der Kinder geboren werden, ihre Versorgung und Erziehung verlangt viel Zeit und Kraft. Ohne fremde Hilfe ist das nicht zu schaffen, z.B. mit Tagesmüttern und Krippen für die Kleinsten. Eltern, die dem mit einer pragmatischen Lässigkeit gegenüberstehen, sind - in Zeiten, wo optimale Leistung das Maß vorgibt - eher selten. Nicht wenige berichten von “schlechtem Gewissen”, dass sie ihrem Kind möglicherweise nicht die Betreuung angedeihen lassen, die für dessen Entwicklung nötig ist.

Diskussionen, die in Talkshows zum Thema Krippenbetreuung gehalten wurden, zeigten, wieviel Zündstoff darin liegt. Als der politische Wille laut wurde, die Krippen auszubauen, gab es besonders von Seiten christlich-konservativer Familienschützer Argumente gegen die Krippenbetreuung, die es darauf anlegten, größtmögliche Beunruhigung bei den Eltern zu provozieren. So erzählten “Experten” im TV von angeblichen Studien in Schweden, die ergeben hätten, dass “jedes dritte Kind in Schweden durch Krippenerziehung psychisch gestört sei”, dass “Franzosen Krippen hassen” und nährten die Furcht vor einem Staat, der Frauen als “Gebärmaschinen” (Ex-Bischof Mixa) begreife und die Erziehung des Nachwuchses schon in jüngsten Jahren in seiner Hand haben wolle. Ein Nachhall dieses Horrorbilds von quasi-diktatorischen Verhältnissen fand sich noch kürzlich in einer Äußerung der bayerischen Familienministerin Haderthauer (siehe “Familienpolitik à la Pinochet”).

Eine aktuelle Studie aus den USA räumt nun, nach Angaben der beteiligten Forscher so “umfassend wie noch keine Studie zuvor”, mit dem Vorurteil auf, wonach der frühe Krippenbesuch zu Entwicklungsstörungen bei Kindern führe.

Dazu wurden die Entwicklung und die Familiensituation von tausend Kindern aus 10 verschiedenen Regionen der USA vom Säugling bis zum Alter von 7 Jahren untersucht. Ergebnis: Selbst in Familien, in denen Mütter im ersten Lebensjahr des Kindes Vollzeit arbeiten und ihr Kind schon nach vier Monaten zur Krippe bringen, zeigte sich ein “neutrales Resultat”, die Vorteile würden die Nachteile ausgleichen.

Zwar waren bei den Einjährigen, deren Mütter mehr als 30 Stunden arbeiteten, kleinere Verzögerungen in der kognitiven Leistung festgestellt worden - was aber schon auf die Kinder von Müttern, die nur Teilzeit arbeiteten, nicht mehr zutraf. Diese leichte Entwicklungsverspätung wurde aber mit der Zeit kompensiert. Und der vernachlässigbare Nachteil auf jeden Fall wettgemacht durch bessere Einkommensverhältnisse in der Familie, eine größere Zufriedemheit der Frau, eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass sich die Mütter um ein qualitätsvolle Betreuung kümmere und eine “größere mütterliche Sensibilität” gegenüber ihren Kindern. Es sei gar eine höhere Ansprechbarkeit gegenüber ihren Kindern bei arbeitenden Müttern beobachtet worden als bei den Müttern, die immer zuhause waren.

Thomas Pany02.08.2010
Kultur-News
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May 13 2010

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Meere sind fast leergefischt

Die Überfischung der Meere hat dazu geführt, dass es heute 17 mal mehr Aufwand an Energie und Ressourcen braucht, um einen Fisch zu fangen, als am Ende des 19. Jahrhunderts. Das berichten Forscher der Universität York http://www.york.ac.uk und Marine Conservation Society (MCS) http://www.mcsuk.org im Online-Journal "Nature Communications". "Der Zustand der Fischerei ist schlimmer als sogar die pessimistischsten Schätzungen bisher angenommen haben", so Studienautor Callum Roberts. Grundlage dieser Aussagen ist die Analyse historischer Daten zu den Fischfängen in England seit 1889. Es zeigte sich, dass der Bestand in den Meeren im vergangenen Jahrhundert durch die ständige Überfischung immens reduziert wurde, wobei der Rückgang 94 Prozent betragen dürfte. Besonders die beliebten Speisefische wie Kabeljau, Schellfisch und Scholle sind praktisch aus den Meeren verschwunden. 1937, am Höhepunkt der Überfischung, gingen sogar 14 mal mehr Fische in die Schleppnetze als heute. Interessant war auch der Vergleich dieser Daten mit der Größe und Anzahl der Fischerboote - Informationen, die Rückschlüsse über den Aufwand an Energie und Technik erlauben. Heute ist der Aufwand demnach 500 mal höher, um einen Heilbutt zu fischen als zu Beginn der Aufzeichnungen. Ein Schellfisch erfordert heute 100-fache Ressourcen, andere wie Scholle, Katfisch, Seehecht und Lengfisch 20-fache. Durchschnittlich war der Aufwand pro Fisch zu Beginn der Aufzeichnungen 17 mal geringer. So drastisch konnten die Folgen der Überfischung bisher kaum dargestellt werden. "1889 fischte man mit Segelbooten. Trotz des technologischen Fortschritts und der heutigen Leistungsstärke hat die heutige Fischereiflotte weit weniger Erfolg als die noch von Segelkraft betriebene Fischerei am Ende des 19. Jahrhunderts", so Erstautorin Ruth Thurstan. Der Schaden für die Fischerei sei somit größer und habe schon früher begonnen als bisher angenommen. Bisherige Maßnahmen des Gegensteuerns würden zu kurz greifen um den derzeitigen Fischbestand zu sichern. Die Ergebnisse dürften laut den Studienautoren nicht nur für die Meere um England, sondern auch für die meisten marinen Fischereigebiete gelten. Doch das Problem gibt es auch im Süßwasser. "In Seen und Flüssen ist die Lage ähnlich dramatisch", berichtet Mathias Jungwirth, Leiter des Instituts für Hydrobiologie und Gewässermanagement an der Wiener Universität für Bodenkultur http://www.wau.boku.ac.at/ihg.html im Gespräch mit pressetext. "In Flüssen ist das Grundproblem allerdings nicht die Überfischung, sondern Kraftwerke, Flussverbauungen und die Verschmutzung durch Abwässer."
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April 19 2010

Porno im Web 2.0

Die Niedersächsische Landesmedienanstalt hat letzte Woche eine neue Studie „Porno im Web 2.0. – Die Bedeutung sexualisierter Web-Inhalte in der Lebenswelt von Jugendlichen“ vorgestellt. Danach sei Internetpornografie aus Sicht von Jugendlichen völlig normal. Sie sei Bestandteil des alltäglichen Medienkonsums bei männlichen Jugendlichen.

Man liest nun ergänzend, dass für diese Studie immerhin 35 Jugendliche und 14 Experten befragt worden sind. Das klingt nach einem ergebnisorientierten Ansatz dem es an einem tragfähigen Fundament fehlt. Die Studie stellt u.a. fest, dass fast die Hälfte aller Jugendlichen schon einmal mit Pornografie im Internet in Berührung gekommen ist. Hätte man vor 20 Jahren Jugendliche gefragt, ob sie schon einmal einschlägige Heftchen oder Filme gesehen haben, wären die Ergebnisse vermutlich ähnlich ausgefallen.

Derartige Studien haben offenbar primär den Zweck, eine Begründung für ein Festhalten an einem verfehlten Konzept eines Jugendmedienschutzes zu liefern. Oder vielleicht gar für Access-Sperren?

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April 08 2010

Soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik

Von Tilman Santarius | Klima der Gerechtigkeit |- Endlich wieder ein gründlicher Versuch, soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik in nationaler wie internationaler Sicht zu untersuchen!

Felix Ekardt liefert in seiner Studie für die Böckler Stiftung einen beeindruckenden Rundumschlag, der sich sowohl den ethisch-normativen Grundfragen wie der ganzen Palette der konkreten nationalen Klimaschutzgesetze in Deutschland als auch den Grundzügen des internationalen Klimaregimes widmet.

Insbesondere bei den Ausführungen zum Gebäudebereich liefert die Studie eine Reihe von sehr interessanten Anregungen.

Vor dem Hintergrund der wachsenden Besorgnis um €œEnergiearmut€ in Deutschland, die in Großbritannien von je Realität ist aber hierzulande erst aufgrund der deutlich gestiegenen Energiepreise (und zunehmenden sozialen Prekarisierung) ins öffentliche Bewusstsein getreten ist, ist Ekardts Abhandlung über das “Recht auf Raumwärme” ein richtungsweisender Einstieg in die Diskussion über Lösungen, die Klimaschutz und gesellschaftliche Integration miteinander verbinden. Unbedingt lesenswert!

Bei den Ausführungen über die internationale Gerechtigkeit allerdings überzeugt der Vorschlag €œone human, one emissions right€ mit globalem Emissionshandel wenig; hierzu habe ich ja bereits an vielen Stellen aufgezeigt, warum gleiche pro-Kopf-Rechte letztlich nicht gerecht sondern ungerecht und ein Lösen der Entwicklungskrise durch riesige Finanztransfers über den Emissionshandel keine gute Lösung darstellen (siehe z.B. hier).

Nichts desto trotz: dann folgen wiederum sehr sympatische Ausführungen über Freihandel versus regulierter Handel. Also: nichts wie runterladen und lesen!

Felix Ekardt: Soziale Gerechtigkeit in der Klimapolitik (pdf) Edition der Hans-Böckler-Stiftung, Nr. 249.

Quelle: Klima der Gerechtigkeit - Dieser Beitrag steht unter einer CC-Lizenz. Bitte verlinke bei einer Nutzung immer auf den Originalartikel. Danke!

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