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February 13 2014

LG München I: Auszüge aus Buchrezensionen verletzen das Urheberrecht

Wenn Bücher beworben werden, dann geschieht dies häufig durch mehr oder weniger lange wörtliche Auszüge aus Buchrezensionen. Diese durchaus gängige Praxis hat das Landgericht München I als Urheberrechtsverletzung qualifiziert und den Onlinebuchhändler buch.de zur Unterlassung verurteilt (Urteil vom 12.02.2014, Az.: 21 O 7543/12). Geklagt hatte die FAZ.

Das Landgericht führt zunächst aus, dass Zeitungsartikel regelmäßig urheberrechtlichen Schutz genießen und bereits die Übernahme kurzer, prägnanter Texpassagen aus Buchbesprechungen eine Urheberrechtsverletzung darstellen kann und in den beanstandeten Fällen auch darstellt.

Das Landgericht ist außerdem der Meinung, dass es keine, von allen Beteiligten über einen längeren Zeitraum hinweg akzeptierte und praktizierte Branchenübung gebe, die eine solche Übernahme erlauben würde.

Das Gericht befasst sich schließlich noch mit dem Zitatrecht des § 51 UrhG und erläutert, dass es bereits an einem Zitatzweck fehlt, wenn Ausschnitte aus einem Text lediglich zum Zwecke der Werbung benutzt werden. Das ist wenig überraschend und steht im Einklang mit der Rechtsprechung des BGH.

Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels spricht in einer Stellungnahme davon, dass das “symbiotische Miteinander von Buch- und Presseverlagen bei der Verwendung von Rezensionen nach diesem Urteil faktisch aufgekündigt ist.”

February 12 2014

Rezension: Wolfgang Schorlau: „Am zwölften Tag“ – Hintergründige Aufklärung im spannenden Krimiformat

Wir wissen allerhand, wir sind empört, doch der banale Alltag holt uns ein. Da passen all die theoretischen Schriften und ihre konzentrierte Lektüre auf die Dauer nicht mehr so richtig in unser hektisches Zeitbudget, das gekennzeichnet ist von einer pausenlosen Reizüberflutung, die eher zum müden Abschalten einer geschundenen Wahrnehmung auch in der so genannten Freizeit führt.
Eine sehr unterhaltsame und informative Möglichkeit, mit allerhand politischen Ungereimtheiten dennoch vergnüglich und gleichermaßen empört umzugehen, bieten die Kriminalromane von Wolfgang Schorlau. Selten habe ich die jeweils konkreten Atmosphären mit den informativen Hintergründen so hellsichtig verbunden erlebt, wie bei diesem deutschen Schriftsteller, Jahrgang 1951. Von Marianne Bäumler.

Es gibt politische Zusammenhänge, die wir alle erahnen: Macht, Machenschaften, Machtmissbrauch, Geld, Korruption, Betrug, etc. All dies beeinträchtigt unser Leben auch in einer parlamentarischen Demokratie in unterschiedlich gravierender Weise, auch wenn wir nur weniges genau wissen.

Und es gibt sie gleichzeitig: unser aller Überforderung, mit den Informationen, mit den Fakten „angemessen“ umzugehen, die Zusammenhänge dergestalt zu begreifen, dass sich auch im Einzelnen etwas wirklich spürbar zum Gerechteren entwickelt.
Wir spüren die Eigendynamik des kapitalistischen Systems, die uns schleichend krank macht, die uns schwächt.

Wir wissen allerhand, wir sind empört, doch der banale Alltag holt uns ein. Da passen all die theoretischen Schriften und ihre konzentrierte Lektüre auf die Dauer nicht mehr so richtig in unser hektisches Zeitbudget, das gekennzeichnet ist von einer pausenlosen Reizüberflutung, die eher zum müden Abschalten einer geschundenen Wahrnehmung auch in der so genannten Freizeit führt.

Eine sehr unterhaltsame und informative Möglichkeit, mit allerhand politischen Ungereimtheiten dennoch vergnüglich und gleichermaßen empört umzugehen, bieten die Kriminalromane von Wolfgang Schorlau. Selten habe ich die jeweils konkreten Atmosphären mit den informativen Hintergründen so hellsichtig verbunden erlebt, wie bei diesem deutschen Schriftsteller, Jahrgang 1951.

Ob die fiesen Deals in der Wasserversorgung unserer Kommunen, die Vertuschungen aktueller Politiker von historisch niemals verjährten Naziverbrechen und neofaschistischer Attentate, wie das Komplott in München, der Privatdetektiv Georg Dengler, ein ehemaliger BKA-Kommissar, begibt sich immer wieder in Teufels Küche, stört die Kreise der hohen Herren, manchmal auch Damen, die ihre Geschäfte dann nicht mehr ganz so reibungslos durchziehen können. Mehr sei hier nicht verraten. Die beiden neusten Romane basieren wieder auf sehr genauen journalistischen Recherchen. Im Krimi „Die letzte Flucht“ begibt sich Wolfgang Schorlaus Protagonist in die todbringenden Gefilde der Pharmaindustrie. Und die Leser können nachempfinden, wie gerne der Autor seinen Detektiv mit dem Spür-Sinn für die versteckten kriminellen Energien auch in der Politik auf die Spur von nur anscheinend redlichen Kaufleuten bringt, wie präzise man sich durch die werbewirksamen Strategien der Lobbyisten hindurch bewegen muss, und welch findige Beharrlichkeit notwendig ist, um diesem riesigen Geschäft mit unserer Gesundheit beizukommen.

Im neusten, seinem siebten Roman „Am Zwölften Tag“ gerät der Sohn Jakob Dengler mit seiner Clique von Tierschützern in die brutalen Fänge der mafiosen Fleischindustrie aus Deutschen Landen. Genauestens wird den Lesern geschildert, wie entsetzlich grausam es in der Massentierhaltung zugeht, wie der Fetisch der „Stückzahlen“ realisiert wird, die kolossale Ausbeuterei der schutzlosen Arbeiter aus Osteuropa.

Ja, es kann zumindest demjenigen ziemlich übel werden, der bis jetzt die eiskalten und ekelerregenden Fakten seines tagtäglichen Fleischkonsums verdrängt und beschönigt.
Dennoch: im Sinn unser aller Verantwortlichkeit für unser Tun und Lassen – die Romane des Wolfgang Schorlau klären uns nachhaltig auf, und schließlich lebt es sich gesünder, an Leib und an Seele, wenn wir weniger auf Kosten anderer Mit-Geschöpfe – Menschen und Tiere – unserem so genannten Wohlstand frönen.

Wolfgang Schorlau: „Am zwölften Tag“ Kiwi Taschenbuch: 9,99 €

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Tags: Rezensionen
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