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January 14 2012

Deichkind – Illegale Fans

Ein bisschen Unterhaltung zum Wochenende: Die Hamburger Elektro-Hiphopper Deichkind hat schon im Dezember den Song “Illegale Fans” veröffentlicht. Wie sie das jetzt genau meinen, ob als Unterstützung oder Kritik, muss man sich schon selbst überlegen, aber das Video sieht ganz gut aus, wie ich finde, und spielt gekonnt mit der Überwachungsvideo-Youtube-Ästhetik. Den Song kann man sich auf der Deichkind-Facebook-Seite herunterladen, wenn man Fan wird.

November 22 2011

5. DACH-Branchenforum: GVU verkündet neue Strategie – vielleicht?

Heute und morgen findet in der Berliner Kalkscheune das “5.DACH-Branchenforum 2011” von GVU, VAP und SAFE statt. Die selbsternannte “Antipiraterieallianz” sieht durch “parasitäre Geschäftsmodelle zentrale Werte des Gemeinwesens massiv bedroht”. Denn: “Dies steht im Widerspruch zur Ignoranz dieses Problems in weiten Teilen der Bevölkerung und der Politik. Nunmehr wächst allerdings das Bewusstsein für die Notwendigkeit von regulierenden Maßnahmen im Internet, wie sie die Kreativwirtschaft schon lange fordert. Erst durch die Schaffung einer sicheren Umgebung im Netz können reale Marktchancen für legale Angebote entstehen. Erst dann kann Konsumenten verstärkt ein, zu Recht gefordertes, legales Onlineangebot geliefert werden.”

Zentrale Herausforderung des Forums wird es sein, ob es den Anwesenden gelingt, ihre von Feinden umlagerte Trutzburg zu verlassen, und sich auf einen Dialog mit den “Ignoranten aus Bevölkerung und Politik”, wie es oben so schön heißt, einzulassen. Ein Dialog der auch voraussetzt, dass die Nutzerinnen und Nutzer nicht pauschal unter Ignoranz- und Kriminalitätsverdacht gestellt werden, der voraussetzt, die von den Veranstaltern seit Jahren eingeübte Rhetorik der Scharfmacherei durch Kampagnen wie beispielsweise “Raubkopierer sind Verbrecher” zu beenden, die voraussetzt, dass man Nutzer als Konsumenten und Kunden und nicht als Gefährder und potentielle “Raubkopierer” wahrnimmt.

Dazu ein kleines sehr einfaches Beispiel: Nehmen wir einen Raum in dem sich 100 Personen befinden. Die Stimmung ist gelöst, man trifft alte Freunde, lernt neue Menschen kennen, ein Stimmengewirr, Lounge-Musik im Hintergrund. Am Rande des Raumes befinden sich lauter Tische auf denen analoge und digitale Medien beworben und zum Verkauf angeboten werden. Hin- und wieder stöbern die Personen in den Angeboten. Manche legen sie zurück, andere kaufen etwas. Nun betritt Mister X mit einer Pauke den Raum. Er schlägt kräftig drauf. Das Stimmengewirr versiegt, alle wenden sich erwartungsfroh in seine Richtung und sind gespannt, was er zu verkünden hat.

Variante 1: Mister X: Liebe Anwesende, nach unseren Untersuchungen begeht ein Großteil von Ihnen unverantwortliche Urheberrechtsverletzungen. Sie unterstützen parasitäre Geschäftsmodelle. Sie sind persönlich dafür verantwortlich, dass den Mittlern zwischen Kreativen und Konsumenten massive Einnahmen entgehen. Sie schlagen den Kreativen dabei ins Gesicht. Ich warne sie, wir werden jeden Rechtsverstoß kompromisslos verfolgen. Wir werden die Durchsetzung unserer Ansprüche ohne Rücksicht auf die Umstände, ihr Alter, ihre Beweggründe und ihre Ausreden vorantreiben. Vergessen sie niemals: Raubkopierer sind Verbrecher, als solche werden wir sie behandeln. Sehen sie sich vor. Gehen sie jetzt zu den Tischen mit den Angeboten am Rande des Raumes und kaufen sie diese leer. Egal was ihnen da angeboten wird. Dies ist schließlich Angebot genug. Mister X verlässt den Raum. Die Stimmung ist, nehmen wir mal die gut erzogene Variante, im Keller.

Variante 2: Mister X: Liebe Anwesende, darf ich mich kurz vorstellen, ich bin Mister X, und habe ein Problem. Es geht um die Frage, wie ich in einer modernen Medienwelt, bedingt durch die großartige Digitalisierung meine Angebote verbessern und weiter verkaufen kann, so diese denn ihren Geschmack treffen. Es ist schwierig für uns, auf alles gleich die richtige Antwort zu haben. Wir testen und probieren aber, und wir brauchen Sie! Sagen Sie uns, wie wir besser werden können. Denn Ihre Freunde am Mediengenuss ist auch unser Vorteil. Was fehlt Ihnen also? Woran müssen wir arbeiten? Sie sind unsere Kunden, und unsere Kunden sind für uns König und Königin. Ja, es ist auch richtig, dass nicht erlaubte Kopien aus unserer Sicht ein Problem darstellen. Wir nehmen es aber sportlich, denn wenn Sie kopieren, dann schätzen Sie immerhin den Inhalt, den wir vertreiben. Ich glaube wir sind uns alle einig, dass Kreativität und auch der Vertrieb von Kreativität einen Wert hat.

Wir wollen Ihnen deswegen eine Performance bieten, die Sie begeistert. Lassen Sie uns gemeinsam in die Zukunft gehen und gemeinsam nach Wegen schauen, Ihre und unsere Interessen unter einen Hut zu bringen. Ich würde mich freuen, wenn Sie noch einen Blick auf die Stände mit den Büchern, unseren neuen Plattformen für eBooks und die neuen Film-DVDs am Rande des Raumes werfen. Hier haben wir bereits einiges ausprobiert, testen Sie uns. Passt der Preis, sind die Nutzungsmöglichkeiten interoperabel, ist es ein Genuss die Kompilationen und Zusammenstellungen zu nutzen? Geben Sie uns Ihr feedback. Ich wünsche Ihnen noch einen wunderbaren Abend. Unterlegt mit Musik von Linda Leonardy und dem Drücke Orchestra of Vision. Herzlichen Dank. Mister X verlässt den Raum. Überrascht und neugierig applaudieren die Leute. Die Stimmung ist, gelöst.

Variante 1 und Variante 2 unterscheiden sich also geringfügig. Die Geringfügigkeit ist aber eine Weltanschauung und mündet in der Kernfrage: Wie begegne ich meinem Gegenüber. Ich will mit ihm etwas verdienen, er will etwas von mir haben und konsumieren. Lassen Sie uns spekulieren, in welcher Variante und in welcher Stimmung, mit welcher Neugier und mit welchen Konsumwillen werden die Gäste jeweils an die Tische herantreten. Kaufe ich lieber etwas wenn ich den Atem des Ladendetektivs im Nacken spüre, oder wenn ich ernst genommen und um meine Wertung gebeten werde. Ohne ein grundsätzliches Umdenken im Verhältnis der Anbieter und der “Antipiraterieallianz” wird sich nichts ändern. Wenn dies gewünscht ist, so bleiben wir einfach beim status quo. Wenn man aber das Interesse hat, auch im digitalen Zeitalter ein erfolgreiches Geschäftsmodell anzubieten, wenn das Interesse besteht kreative Werke einer möglichst breiten Kundenöffentlichkeit zugänglich zu machen, dann sollten die Hemden von gestern im Schrank gelassen werden. Das ist nicht leicht, der Mensch tappt gerne in ausgetretenen Pfaden. Bequem ist es auch, erfolgreich nicht.

Ich werde bei der heutigen Podiumsdiskussion “Verantwortlichkeit im Internet: Wer muss was dazu beitragen?” auf dem Podium sitzen.

February 19 2011

Raubkopierer verfolgen ist doch der absolute Fullshit

Heute kommt einmal Dieter Bohlen zu Wort. Poptitan, DSDS-Scharfrichter und You`re my heart You`re my soul. Manchmal kann man Revolutionen auch einfach erklären, Bohlen war so freundlich, genau dies in seinem Buch “Bohlenweg – Planieren Statt Sanieren” (eingeschränkte Kaufempfehlung) zu tun. Es geht um Filesharing, Raubkopierer, die Vergangenheit und die Zukunft der Musikindustrie und um Brathähnchen. Vorneweg, so einfach wie wahr, stellt er fest, Leute wegen Filesharing von urheberrechtlich geschütztem Material zu verfolgen sei der absolute Fullshit. Recht hat er.

Die mangelnde Fähigkeit der Musikindustrie mit dem Internet umzugehen veranschaulicht er strukturell:

“Es gibt dieses Kastendenken, die Manager sind die Checker und die Kreativen sind die Volldeppen, die ihre Musik machen und die Fresse halten sollen.”

Er stellt fest, dass Spielzeuge zum Spielen da sind, denn:

“Wenn man den Leuten viel Geld für Computer und Programme abnimmt darf man sich doch nicht wundern wenn die Leute damit machen was möglich ist. (…) Die Leute werden die Technik nutzen, da können sie lange Gesichter machen und rumschreien wie sie wollen.”

Anschaulich erklärt er die momentane Situation:

“Warum sollen die Leute für etwas bestraft werden, was Ihnen die Industrie also die Computerfirmen überhaupt erst ermöglicht haben. Im Moment passiert doch folgendes: man sagt dir, du kauf dir jetzt ein schönes Hähnchen sowie Messer und Gabel und stell dir das auf den Tisch. Für das Hähnchen hast du gezahlt, für Messer und Gabel auch, ebenso für den Tisch, aber: Gegessen wird jetzt nicht, du darfst dir das Hähnchen nur mal angucken.”

Problem erkannt, wo ist die Lösung? One Satz fits it all:

“Die Hardwareindustrie leistet eine Abgabe, sozusagen eine Flatrate, die die Lizenzen für die Musik abdeckt. Die Musikbranche hat nur dann noch eine Chance wenn sie sich verschlankt, also die Administration verkleinert und sich dem Wettbewerb stellt.”

Und wenn das jetzt zu kompliziert war, nochmal zusammengefasst:

“Die goldenen Jahre in denen eine Menge von Leuten den ganzen Tag herumsaßen und nichts aber auch gar nichts von der Ampel geschoben haben, sind vorbei. Die kommen nicht wieder. Und wenn man sich nicht selbst anpasst, wird einen die Realität anpassen.”

Das gibt es auch alles nochmal zum Anhören: Bohlen liest aus seinem Buch:

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Schweinderl