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December 19 2013

Art of the State – Von der Kunst, staatliche Werke in Gebrauch zu nehmen

Staatliche Werke sind in Deutschland urheberrechtlich geschützt, auch wenn sie mit Steuergeldern finanziert wurden. Das muss nicht sein, wie das Beispiel USA zeigt. 

Das Urheberrecht schützt nicht nur die Arbeitsleistung des privaten Autors, auch staatliche Werke werden davon erfasst: von der Rede der Bundeskanzlerin auf einem Festbankett bis hin zum Gutachten der Bundesnetzagentur. Für alle diese urheberrechtlich geschützten Werke gilt, dass jede Nutzung, Verbreitung oder Bearbeitung einer Genehmigung bedarf. Diese Genehmigung kann sich entweder aus dem Urheberrecht selbst ergeben, zum Beispiel in Form des Zitatrechts, oder sie ergibt sich aus der Einräumung von Nutzungsrechten durch Urheber oder Rechteinhaber.

Fragt man nach dem Zweck des Urheberrechts insgesamt, geht es meist um den Schutz des Urhebers, um die Sicherung seiner finanziellen Existenz und um die Schaffung von Anreizen für die Entstehung neuer Werke. Keiner dieser Gründe erklärt, warum staatliche Werke urheberrechtlich geschützt sind. Niemand glaubt, dass ein Gesetz dadurch besser, gerechter oder sorgfältiger formuliert würde, wenn es ausreichend lange urheberrechtlich geschützt wäre. Und in der Tat findet sich im deutschen Urheberrechtsgesetz in Paragraf 5 zu „amtlichen Werken“ eine entsprechende Vorschrift, die Gesetze, Verordnungen, Erlasse und Urteile vom urheberrechtlichen Schutz ausnimmt. Das Gesetz wird aber sehr eng ausgelegt, sodass alle anderen staatlichen Werke unters Urheberrecht fallen.

Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick über den Atlantik. Alle Werke von US-amerikanischen Bundesangestellten sind urheberrechtlich nicht geschützt und können beliebig nachgenutzt werden. Das gilt auch für Fotos von NASA-Astronauten und führte dazu, dass mit dem Foto „Earthrise“ ein Bild entstehen konnte, das nicht nur zu den meist ­reproduzierten Werken der Menschheitsgeschichte zählt, sondern den Blick auf unseren Planeten ganz entscheidend geprägt hat. Ohne diese Freigabe hätte das Bild wahrscheinlich nie so weit verbreitet.

Der Staat nutzt den urheberrechtlichen Schutz zu systemwidrigen Zwecken

Wie nutzt der Staat den urheberrechtlichen Schutz? Er tut dies manchmal zu systemwidrigen Zwecken, die keinesfalls der Intention des Urheberrechts entsprechen. Ein besonders prominenter Fall im Jahr 2013 war die Abmahnung und später die Einreichung einer Klage gegen die WAZ-Mediengruppe (inzwischen Funke-Mediengruppe) wegen der Veröffent­lichung einer Reihe von „Unterrichtungen des Parlaments“. Die Bundeswehr erstellt diese über ihre Auslandseinsätze, stuft sie jedoch als Verschlusssache ein.

Das Verteidigungsministerium stützte seinen Anspruch auf die Löschung der Daten aus dem Internet einzig auf den urheberrechtlichen Schutz dieser Berichte, wie das Blog Netzpolitik.org berichtete. Eine solche Indienstnahme des Urheberrechts zu rein politischen Zwecken ist in einer freiheitlichen Gesellschaft sehr bedenklich und hat deshalb den Argwohn der Journalistenverbände erregt. Der Deutsche Journalisten-Verband kritisiert die Klage als einen Einschüchterungsversuch gegen Journalistinnen und Journalisten, die ihren Informa­tionsauftrag gegenüber der Öffentlichkeit ernst nehmen.

Open-Government-Initiativen bleiben bloße Lippenbekenntnisse, wenn man sich in diesem Zusammenhang nicht ebenfalls über das Schutzniveau von Werken verständigt, die der Staat beauftragt hat oder die in öffentlichen Einrichtungen vorgehalten werden. Bislang verwiesen Bedenkenträger stets auf die Einnahmen, die dem Staat durch eine liberalere Haltung in der Freigabepolitik entgingen. In den letzten 18 Monaten hat Wikimedia Deutschland Parlamentarier verschiedener Parteien gebeten, durch kleine Anfragen die jeweiligen Landesregierungen und die Bundesregierung nach Zahlen dazu zu bitten, insbesondere zu den Einnahmen aus der Einräumung von Nutzungsrechten an Dritte.

Für den Bund und die Länder war das Ergebnis ernüchternd. Gemessen am Gesamthaushalt, dem Aufwand zur Erstellung der jeweiligen Werke und den Kosten für das Aushandeln von individuellen Nutzungsverträgen sind die Einnahmen verschwindend gering. Selbst wenn man großzügig alle Buchungen und Abkommen mit bundeseigenen Unternehmen hinzunimmt, machen diese Einnahmen im Jahr 2013 einen Bruchteil des Bundeshaushalts aus: lediglich 5,7 Millionen Euro.

Wenn es die künftige Bundesregierung mit Open Data ernst meint, wird sie ihre Liebe für die Gemeinfreiheit amtlicher Werke entdecken müssen. Ein kleiner Eingriff – die Ausweitung von Paragraf 5 des Urheberrechtsgesetzes auf mehr staatliche Werke als bisher – wäre kostenneutral, verwaltungsentlastend und würde mit einem Federstrich eine große Zahl an Werken in die allgemeine Nachnutzbarkeit überführen.

Foto: Nina Gerlach, CC BY-SA

Foto: Nina Gerlach, CC BY-SA

Mathias Schindler ist seit 2003 Autor bei Wikipedia. 2004 gründete er zusammen mit anderen Wikipedianern in Berlin den Verein Wikimedia Deutschland und gehörte seitdem mehrfach dem ehrenamtlichen Vorstand als Beisitzer an. Er ist heute Mitglied im Communications Committee der Wikimedia Foundation und hilft dort bei der Pressearbeit. In seiner Freizeit bloggt er unter anderem auf Netzpolitik.org. Seit 2009 arbeitet er als Projektmanager für Wikimedia Deutschland. 

Dieser Text ist auch im Magazin „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ erschienen. Sie können das Heft für 14,90 EUR bei iRights.Media bestellen. „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ gibt es auch als E-Book, zum Beispiel bei Amazon*, beim Apple iBook-Store* oder bei Beam.
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November 05 2013

Was macht ein Mensch im digitalen Zeitalter, der sich für die Nofretete interessiert?

In der digitalen Welt müssen Museen ihre Arbeit neu ausrichten und zugleich ihrem öffentlichen Auftrag treu bleiben. Von der Zusammenarbeit mit neuen Institutionen und privaten Akteuren können sie profitieren – wenn der Zugang dadurch nicht beschränkt wird.

Dieser Beitrag basiert auf einem Vortrag, den Paul Klimpel bei der Jahreskonferenz des Network of European Museum Organisations (NEMO) vom 1.-3. November in Bukarest gehalten hat.

Was macht ein Mensch im digitalen Zeitalter, der sich für die Nofretete interessiert?

Er geht ins Internet.

Aber er ruft nicht als erstes die Website des Ägyptischen Museums in Berlin auf; auch nicht die Europeana. Er gibt den Namen dieser schönen Frau in eine Suchmaschine ein.

Die ersten vier Suchtreffer führen – jedenfalls bei mir – zur Wikipedia. Dann kommt, immerhin schon auf Platz 5, das Ägyptische Museum, dicht gefolgt von einem Jazz-Club auf Platz 6. Platz 5 ist ein sehr sehr guter Rang. Häufig kommen Museen noch weiter hinten. Bei weniger bekannten Objekten kann es auch Platz 23 oder 48 sein. Ich habe hier Google als Suchmaschine genutzt, das Ergebnis ist aber mit anderen Suchmaschinen ähnlich.

Der Mensch, der sich für Nofretete interessiert, klickt also auf den ersten Suchtreffer. Er landet bei Wikipedia und findet nicht nur einen durchaus ausgewogenen und fachlich nicht zu beanstandenden Artikel über Nofretete, sondern an mehreren Stellen des Artikels auch den Verweis auf das Ägyptische Museum in Berlin.

Alle Wege führen ins Museum

Dort, im Ägyptischen Museum – heute im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel – befindet sich die berühmte Büste der Nofretete, die ich gezeigt habe. Der Mensch, der sich für Nofretete interessiert, landet dort, wo er hin soll: im Museum, mit nur zwei Zwischenschritten.

Alle Wege führen ins Museum. Nur, dass es häufig andere sind, die diese Wege bauen, nicht die Museen selbst.

Sind die Museen nun das Schlusslicht der Digitalisierung, ein historisches Überbleibsel und eigentlich überflüssig? Warum waren die Museen im Prozess der Digitalisierung keine Avantgarde? Museen waren und sind Orte, die Menschen eine neue Welt eröffnen können. Da wäre es naheliegend, dass sich die Museen jederzeit der Möglichkeiten bedienten, mit dem, was sie vermitteln wollen, auch überall präsent zu sein.

Wikipedia, Google und die Museen

Trotzdem waren sie nicht Avantgarde, sie waren nicht vorne. Die Museen waren keine treibende Kraft, als mit Digitalisierung und Internet neue Möglichkeiten des Zugang, der Vermittlung, der Verbreitung und der Vernetzung von Wissen entstanden. Private Initiativen jenseits der institutionellen öffentlichen Strukturen haben das Potenzial früher genutzt.

Wohl wichtigstes Beispiel ist die Wikipedia. Lange wurde Wikipedia kritisch beäugt, belächelt. Doch inzwischen hat sie eine erhebliche Reputation und sich im Bereich der Enzyklopädien durchgesetzt, viele klassische gedruckte Enzyklopädien wurden eingestellt.

Aber auch Firmen haben sich mit großem Mut, mit viel Chuzpe und oft mit hohen Investitionen daran gemacht, zu digitalisieren und online zugänglich zu machen. Das Google-Buch-Projekt ist wohl das bekannteste Beispiel für Massendigitalisierung, aber keineswegs das einzige. Die Projekte von Google waren und sind umstritten, teilweise heftig umkämpft. Und sie sind erfolgreich und viele Museen kooperieren inzwischen mit Google.

Museen werden mit der Digitalisierung und durch neue Institutionen nicht überflüssig. Ihre Aufgabe – das Beschaffen, Bewahren, Erforschen, Bekannt machen und Ausstellen von Kulturzeugnissen – bleibt. Doch sie müssen sich verändern.

Was heißt das?

1. Beschaffen

Es fängt mit dem Beschaffen an: Früher wurden den Museen häufig Nachlässe angeboten, mit denen die Erben nichts anzufangen wussten. Die Erben konnten sie vor allem nicht verkaufen, Interessenten gab es nicht und damit keinen Markt. In Zeiten von Ebay und vielen anderen Möglichkeiten, im Internet Dinge anzubieten und für eigentlich alles einen Käufer zu finden, ist das anders. Damit ist es an den Museen, dafür zu werben, ihnen Nachlässe zu überlassen statt auf das schnelle Geld zu schielen.

2. Bewahren

Auch das Bewahren digitaler Objekte stellt die Museen vor gänzlich neue Herausforderungen – Herausforderungen, die sie nicht selbst lösen können. Die technische Expertise für digitale Langzeitarchivierung haben Museen nicht. Sie sind auf Zusammenarbeit angewiesen, mit Rechenzentren, mit Firmen, mit Experten.

3. Erhalten

Erhalten werden müssen nicht nur digitale Objekte selbst, sondern auch die Metadaten über analoge Objekte. Metadaten sind der Schlüssel zum Verständnis des kulturellen Erbes. Wer forscht, benötigt Zugang zu den Beständen, der Zugang zu den Beständen wiederum benötigt Standardisierung; Standardisierung heißt in der digitalen Welt Webservices, Personen-Norm-Dateien und Schnittstellen für den Austausch von Metadaten. Datenmodellierung im digitalen Zeitalter ist eine weitaus größere Herausforderung als die klassischen „Findbücher“.

4. Erforschen

Digitalisierte Sammlungen und moderne, vernetzte Datenbanken eröffnen der Forschung neue Möglichkeiten. Damit sind auch gleich die beiden Grundvoraussetzungen benannt, die Museen im digitalen Zeitalter nicht nur für die Forschung erfüllen müssen. Sie müssen ihre Bestände digitalisieren. Und sie müssen ihre Bestandsverzeichnisse online zugänglich machen. Das setzt Standardisierung der Metadaten voraus, sollen die Bestandsverzeichnisse auch genutzt werden können. Von Seiten der Museen werden insbesondere durch die Europeana und das Europeana Data Model wichtige Schritte hin zur Standardisierung gemacht. Bis diese Standards in den Museen implementiert sind, ist allerdings noch ein langer Weg.

5. Bekannt machen

Groß sind die Möglichkeiten von Museen, ihre Bestände durch das Internet bekannt zu machen. Auch hier gilt: Voraussetzung ist die Digitalisierung der Bestände und die Standardisierung der Metadaten. Das wohl ehrgeizigste und anspruchsvollste Projekt in Europa ist die Europeana. Sie ist ein wichtiger Beitrag, Kultur im Netz auffindbar zu machen. Aber die Wege im Netz sind nicht immer gradlinig.

Ich will dies mit einer kleinen Anekdote erläutern. 2008 kam der Film „Indiana Jones and the crystal scull“ in die Kinos. Und plötzlich sah sich das Britische Museum mit einem großen Interesse an Kristallschädeln konfrontiert.

The crystal skull, Collection of the British Museum in London. Rafał Chałgasiewicz, CC BY

The crystal skull, Collection of the British Museum in London. Foto: Rafał Chałgasiewicz, CC BY

Was war passiert? Fans von Indiana Jones wollten mehr über den Film wissen. In die Suchmaschine gaben sie jedoch nicht den Filmtitel ein, sondern nur „crystal scull“. Und die Suchmaschine zeigte als erstes einen Wikipedia-Artikel über Kristallschädel an. Dieser Artikel war illustriert mit Bildern der Kristallschädel im Britischen Museum. Und wieder führt ein ganz unerwarteter Weg ins Museum.

6. Ausstellen

Ausstellen ist wahrscheinlich der Bereich, der sich am wenigsten ändern muss. Ausstellungen werden weiter von der Aura des Originals leben, werden weiter ihren eigenen Gesetzen unterliegen. Fragen der Ausstellungsgestaltung haben mit Digitalisierung nur sehr mittelbar zu tun. Sicher gibt es „virtuelle Ausstellungen“, also kuratierte Angebote zu bestimmten Beständen. Es gibt den Einsatz neuer Technik, zum Beispiel Smartphone-Apps als Ersatz für den traditionellen Audioguide. Aber digitale Technik hat hier nur dienende Funktion. Museen sollten diese Möglichkeit nutzen, aber kein Netzauftritt und keine App ersetzt einen Museumsbesuch. Er kann Aufmerksamkeit schaffen, die zu einem Museumsbesuch führen kann.

Nicht Avantgarde, aber auch nicht abgehängt

Wo stehen die Museen im digitalen Zeitalter? Sie sind nicht die Avantgarde des Informationszeitalters, aber auch nicht der abgehängte Rest. Der Platz der Museen ist die Mitte. Da gehören sie auch hin.

Sie sind und bleiben Orte, die ihren Besuchern neue Welten eröffnen, die das Sammeln und Bewahren ernst nehmen, die Forschung ernst nehmen. Ihr Platz ist die Mitte der Gesellschaft, die durch die Digitalisierung immer vernetzter wird. Sie stehen in einem sich schnell verändernden Netzwerk von Institutionen, Initiativen und Firmen, die sich um das kulturelle Erbe bemühen. Solange Museen in der Mitte bleiben, stehen ihnen alle Optionen für die Zukunft offen. Wenn sich Museen der Vernetzung verweigern, werden sie ihrem öffentlichen Auftrag nicht gerecht und an Relevanz verlieren. Dann werden sie abgehängt werden in einer sich schnell ändernden Gesellschaft.

Betrachten Sie die neuen Player im Zeitalter der Digitalisierung, betrachten Sie Wikipedia, betrachten Sie Google und die vielen anderen nüchtern. Angebracht ist weder emotionale Abwehr noch devote Unterwerfung. Die neuen Player können in der digitalen Welt vieles besser. Im Bereich der digitalen Langzeitarchivierung beispielsweise haben Rechenzentren Kompetenzen, die Museen nie erlangen werden. Wo sich Museen diese Kompetenzen in Partnerschaften zunutze machen können, wo die neuen Player Aufmerksamkeit auf die Museen lenken, wo sie Zugang zum kulturellen Erbe ermöglichen, ist das gut.

Das kulturelle Erbe gehört allen, nicht einigen

Aber die Museen sollten selbstbewusst in solche Partnerschaften gehen. Sie sollten die Bedingungen solcher Kooperation aushandeln und öffentlich machen. Sind die Bedingungen der Kooperation zwischen Museen und Firmen nicht transparent, wächst Argwohn. So ist zum Beispiel – nach allem was ich weiß – die Kooperation der Bayerischen Staatsbibliothek mit Google eine sehr sinnvolle Kooperation, von der beide Seiten profitieren. Die Bedingungen sind inzwischen auch weitgehend bekannt. Was dem Ansehen dieser Kooperation am meisten geschadet hat, ist, dass der Kooperationsvertrag nicht von Anfang an öffentlich zugänglich war.

Museen haben eine große Verantwortung. Das kulturelle Erbe gehört allen. Digitalisierung und Internet können helfen, es allen zugänglich zu machen. Das, was Museen mit öffentlichen Mitteln für die Gesellschaft tun, muss weiter öffentlich bleiben. Der Zugang darf nicht beschränkt werden, um partikularen Firmeninteressen zu dienen. Das muss bei allen Kooperationen klar, transparent und verbindlich festgeschrieben werden. Das sind zeitlose Prinzipien, die auch und gerade im Zeitalter der Digitalisierung das Handeln bestimmen müssen.

Den öffentlichen Raum, zu dem auch die Museen gehören, gilt es zu verteidigen.

Ebenfalls zum Thema: Am 28. und 29. November findet die von Paul Klimpel geleitete Konferenz „Zugang gestalten!” statt. Disclosure: Das iRights Lab und Wikimedia Deutschland gehören zu den Veranstaltern, zu den Sponsoren gehört Google.

September 16 2013

Verleiten Lehrer zu „systematischen Urheberrechtsverletzungen”?

Im Feuilleton-Aufmacher der Süddeutschen schreibt Willi Winkler heute darüber, „wie Project Gutenberg das Urheberrecht unterläuft”. Kern des Anstoßes für Winkler: Die Buddenbrooks und andere Werke von Thomas Mann sind in den USA bereits gemeinfrei, in Deutschland noch nicht. Dennoch stehen sie bei gutenberg.org digitalisiert als E-Book online.

Die Lage beschreibt er so:

Dürfen die das überhaupt? Beim Fischer-Verlag reagiert man ausweichend und dann empfindlich. „Downloads von Deutschland aus sind in solchen Fällen illegal”, erklärt man dort, aber was hilft das schon? Illegal heißt noch lange nicht, dass es niemand tut. Niemand kann einen Franzosen, Kanadier oder Isländer daran hindern, im Internet zu fischen, bis er den Thomas Mann hat, den er nach deutschem Recht nicht bekommt. Das gilt, das Internet kennt da kein Vaterland, natürlich auch für die deutschen Leser, die, aus, welchen Gründen auch immer, den Weg in die nächste Buchhandlung scheuen.

Er beschreibt dann auch durchaus zutreffend die Motivation des Gutenberg.org-Gründers Michael S. Hart und von freiwilligen Helfern wie Norbert Langkau, die Werke einscannen und korrekturlesen.

Am Beginn und am Ende des Textes jedenfalls taucht ein Gymnasiallehrer auf, der seine Schüler dazu auffordert, die „Buddenbrooks” für orthografische Übungen herunterzuladen. Doch während Winkler bei Langkau noch ein echtes Bildungsinteresse erkennt, wird der erwähnte Lehrer mit allerlei Fragezeichen verdächtigt. Er sei jemand, der

den Bildungsauftrag so versteht, dass er seine Schüler aus Faulheit? aus Resignation?, aus Unwissenheit? dazu anleitet, systematisch gegen das Urheberrecht zu verstoßen.

Dabei liegt die Kernfrage so nahe: Kann ein Lehrer in Deutschland mit digitalen Materialien arbeiten, ohne „systematisch gegen das Urheberrecht zu verstoßen”, wenn er sich nicht zum Urheberrechtsexperten weiterbilden lässt? Schon die Regeln für Kopien aus Schulbüchern sind komplex und kleinteilig genug. Immerhin wurde der Schultrojaner vergangenes Jahr beerdigt, so dass Schulbuchverlage den Lehrern nicht bis auf den Computer hinterherspionieren können. An den zugrundeliegenden Verträgen aber hat sich kaum etwas geändert.

Hinzu kommen die Regelungen für Kopien aus Werken, die keine Schulbücher sind – wie etwa die „Buddenbrooks” – und nicht zuletzt die Regeln für Schutzfristen, nach denen er bestimmen müsste, ob ein Werk auch in Deutschland zweifelsfrei gemeinfrei ist. Das Projekt Europeana Connect hat diese in einem Schaubild zusammengetragen:

pd-calculator-ausschnitt

Public Domain Calculator (Ausschnitt). Ganzes Schaubild: PDF, 25 MB. CC BY Europeana Connect.

In einem Beitrag über Public-Domain-Archive schrieb ich dazu (shameless self-quote):

Trotz vereinheitlichter Regeln gibt es rechtlich nach wie vor nicht die „eine” Public Domain. Allein in der EU sind es 27 Varianten, wie Christina Angelopoulos, Informationsrechtlerin an der Uni Amsterdam, in ihrem Aufsatz „The Myth of European Term Harmonization” feststellt. „Kultureinrichtungen folgen meist den Regelungen zur Schutzdauer in ihrem Land, Rechtssicherheit für Nutzer anderswo entsteht daraus nicht”, schreibt sie. Würden die Betreiber weltweit Rechtssicherheit vorraussetzen, stünde kaum ein Werk jemals online.

Ob Willi Winkler die Konsequenz ziehen würde, die Werke gar nicht mehr in digitalen Archiven anzubieten, solange die rechtliche Situation so ist, wie sie ist, wird nicht recht deutlich. Der Artikel bleibt in der Schwebe, legt es aber nahe, wo vom „modernen Urheberrechtsmissbrauch” durch Project Gutenberg die Rede ist. Ob es noch Gebrauch oder schon Missbrauch des Urheberrechts ist, Werke mit stetig verlängerten Schutzfristen der Öffentlichkeit zu entziehen, fragt er dagegen nicht.

Michael Hart, der gegen die Urheberrechtsverlängerung mit dem Sonny Bono Extension Act kämpfte, äußerte sich dazu deutlich. In einem Interview mit Richard Poynder merkt er an, wie die Rede über Bildung zur Heuchelei wird, wenn die Werke nicht angeboten, sondern vielmehr weggeschlossen werden:

RP: You clearly see a larger agenda here. In a previous interview you said: “The Internet could be the greatest educational tool of all history, but they are trying to pass laws to keep all the great books of the last century off the Internet.”

MH: Right. Just to clarify: I meant the most recent century, not the one before. But it just seems obvious to me that they would never allow that kind of power into the hands of the public, no matter how much they hypocritically talk about “universal education.”

Vielleicht hat Willi Winklers als entweder „faul”, „unwissend” oder „resigniert” dargestellter Gymnasiallehrer seinen Bildungsauftrag gar nicht so falsch verstanden. Das Problem ist nicht, dass „Project Gutenberg das Urheberrecht unterläuft”, sondern das Urheberrecht Plattformen wie Project Gutenberg.

September 10 2013

Crowdfunding-Projekt will sämtliche Chopin-Aufnahmen befreien

Frédéric Chopin starb am 17. Oktober 1849, zu seiner Beerdigung erklang der von ihm komponierte Trauermarsch aus der Klaviersonate Nr. 2. Später begleitete der Marsch so unterschiedliche Figuren wie John F. Kennedy, Leonid Breschnew und Margaret Thatcher ins Grab. Auch das „Darth Vader Theme” aus Stars Wars scheint deutlich davon inspiriert.

Chopins Kompositionen sind so bereits seit 164 Jahren gemeinfrei, die konkreten Einspielungen der Kompositionen aber sind es deshalb noch nicht. Der Grund sind die Leistungsschutzrechte an Tonaufnahmen – die Rechte derjenigen, die Werke einspielen oder aufzeichnen. In Europa wurden sie erst kürzlich von 50 auf 70 Jahre verlängert.

Das Projekt Musopen hat nun das Crowdfunding-Projekt „Set Chopin Free” gestartet. Kommen mindestens 75.000 Dollar zusammen, sollen sämtliche Werke neu eingespielt werden, ohne dabei auf weitere Rechte zu bestehen. Die Aufnahmen könnte dann jeder ohne weiteres verwenden, zum Beispiel, um Filme zu vertonen.

Warum die Wahl auf Chopin fiel, erklärt Initiator Aaron Dunn auf Kickstarter:

Among the most enduringly popular composers, Chopin stands out. He also composed an amount of music which is manageable for us to record. If we had chosen Mozart, our funding goal would have to have another zero at the end. We also wanted an artist that would be versatile, enabling many projects to make use of his music. It doesn’t hurt that he just celebrated his 200th birthday three years ago. This is a belated gift but one we think he would appreciate.

Im Moment sieht es gut aus für die Initiatoren: Gut 42.000 Dollar haben sie bereits gesammelt. Auch in einer ähnlichen Crowdfunding-Runde im letzten Jahr war das Projekt erfolgreich. Ein Orchester in Prag spielte dann eine Woche lang gemeinfreie Aufnahmen ein – damals ausgewählte Werke etwa von Bach, Beethoven und Mendelssohn. Hier kann man dabei zuhören:

August 29 2013

Enthält Content von EMI: „I have a dream”

Jeder kennt die Rede von Martin Luther King, die mit den Worten „I have a dream” ins kulturelle Gedächtnis eingegangen ist – oder zumindest diesen einen Satz. Der 50. Jahrestag des Marschs auf Washington vom 28. August 1963 hat jetzt auch daran erinnert, dass sie ein dauernder Quell von Urheberrechtsstreitigkeiten ist.

Geht es um die Rede in voller Länge, ist die Frage: Public Domain oder nicht? Oder genauer, nach dem Copyright Act der USA von 1909: War sie zur allgemeinen Veröffentlichung bestimmt? Oder nur für ein begrenztes Publikum, und damit geschützt? In einem Streit zwischen Kings Erben und CBS urteilte ein US-Berufungsgericht: Die Rede sei geschützt. Doch der Streit endete im Vergleich; wirklich klar ist die Lage nicht.

Josh Shiller in der Washington Post:

The only legal way to reproduce King’s work — at least until it enters the public domain in 2038 — is to pay for a licensing fee, rates for which vary. (Individuals visiting the King Center can buy a recording of the “I have a dream” speech for $20. Licenses for media outlets run into the thousands.)

Verwaltet werden die Rechte seit 2009 zusammen von den King-Erben und EMI Publishing, jetzt Sony/ATV. Ob es im Sinne des Erfinders ist, wer sie verwenden darf und wer nicht, daran lässt ein Bericht von Lauren Williams bei Mother Jones zweifeln:

Critics, including civil rights icon Julian Bond, bristle over the fact that “I Have a Dream” is kept under strict watch in the name of controlling King’s image at the same time it’s licensed by rich companies for use in TV commercials, including a 2010 Mercedes-Benz spot, an Alcatel ad, and a particularly galling 2001 Cingular Wireless campaign that also included quotes from Kermit the Frog and Homer Simpson.

Unbeeindruckt vom Streit ist die Organisation Fight for the Future, die maßgeblich an den SOPA- und PIPA-Protesten mitgewirkt hat. Sie ruft dazu auf, ihre Youtube-Version der Rede zu verbreiten. Dort ist das Video – im Gegensatz zu anderen Versionen – bis heute online. Auch vor dem Jahr 2038.

August 14 2013

4.689 Bilder bei Getty jetzt gemeinfrei online

Ein vorbildlicher Schritt: Der J. Paul Getty Trust hat 4.689 Digitalisate aus dem vom US-Ölmagnaten gegründeten Museum in Los Angeles frei im Netz verfügbar gemacht. Im Rahmen eines Open-Content-Programms kann jetzt jeder die gemeinfreien Gemälde, Zeichnungen, Fotografien und Manuskripte für beliebige Zwecke verwenden.

Positiv fällt auch auf, dass Getty im Kleingedruckten keine weiteren Beschränkungen zur Verwendung der Bilder mehr vorsieht. Einige Digitalisierungsprojekte dagegen wollen die Weiterverwendung auf nicht-kommerzielle Nutzungen beschränken, zum Beispiel im Rahmen von Googles Bibliotheksprogramm – obwohl es sich auch dort um gemeinfreie Werke handelt, an denen keine Rechte mehr bestehen.

Zwar bittet Getty um einen Hinweis auf das Open-Content-Programm und hat ein Umfrage-Formular vor den Download geschaltet. In den FAQ wird jedoch deutlich, dass von der Stiftung keine Rechte an den Digitalisaten behauptet werden:

Are there copyright restrictions for the Getty’s open content images?
No. The first release includes 4,600 images of works of art believed to be in the public domain—in other words, works not protected by copyright under U.S. law. The Getty does not claim copyright in digital images of public domain artworks.

Gleiches gilt für Bearbeitungen um kommerzielle Nutzungen:

May I crop, overprint, or otherwise alter images I’ve downloaded as part of the Getty’s Open Content Program?
Yes. There are no restrictions on the use of open content images.

Are images made available through the Getty’s Open Content Program approved for commercial use? I’d like to use one for my company’s website/product/brochure.
Yes. However, please do not suggest or imply that the Getty endorses, approves of, or participated in your company, product, service, or project.

Weitere Inhalte, darunter auch Forschungsdokumentationen und die Systematiken der Getty Vocabularies sollen im Rahmen des Open-Content-Programms folgen, wie die Stiftung in einem Blogpost ankündigt.

Verbesserungen sind in der Getty-Datenbank denkbar, in der die gemeinfreien Werke im Moment nur an der Zeile „Open Content Images” und einem Download-Link erkennbar sind. Hier würde eine Kennzeichnung mit dem „Public Domain Mark” mehr Klarheit für Nutzer und bessere Auffindbarkeit schaffen.

Hier kann man die Sammlung durchsuchen.

May 04 2013

Beschränkte Gemeinfreiheit bei Österreichs Nationalbibliothek

Die Österreichische Nationalbibliothek hat einen ersten Schwung digitalisierter Bücher online gestellt: 100.000 gemeinfreie Titel aus dem 16. bis zur zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts sind jetzt im Rahmen des Projekts „Austrian Books Online” frei im Netz zugänglich. Insgesamt soll der komplette historische Buchbestand, um die 600.000 Werke, digitalisiert werden. Eine große Leistung, die so wohl nur durch die Kooperation mit Googles Bibliotheksprogramm möglich wurde.

Die ÖNB hat Fragen und Antworten zum Projekt in einer FAQ zusammengestellt. Ein wenig beachteter Aspekt findet sich in Punkt 11.

Die Digitalisate aus der Kooperation mit Google sind für BenutzerInnen der Digitalen Bibliothek der Österreichischen Nationalbibliothek kostenfrei zugänglich und für nichtkommerzielle Zwecke (inklusive Veröffentlichung) verwendbar.

Der zweite Teil des Satzes verwundert, handelt es sich doch um gemeinfreie Werke, deren Urheberrecht abgelaufen ist. Ob unkommerziell, kommerziell, öffentlich oder privat: Jeder kann die Werke nutzen, wie er will, auch die digitale Form ändert daran nichts. Höchstens würde die Sammlung, aber nicht das einzelne Digitalisat als Datenbank geschützt sein.

Scan: ÖNB

Scan: ÖNB

Die Einschränkung, wie die Digitalisate angeblich genutzt werden dürfen, geht vielmehr auf den Vertrag mit Google zurück, wie die ÖNB auf Nachfrage erklärt. Sie soll demnach für 15 Jahre gelten. Für Googles Bibliotheksprogramm ist das nicht neu. Der Vertrag mit der ÖNB ist zwar nicht veröffentlicht, aber Verträge mit anderen Bibliotheken sind es.

Die britische Open Rights Group hatte schon 2011 den Vertrag zwischen der British Library und Google per Informationsfreiheitsgesetz erkämpft. Wie die Einschränkung auf nichtkommerzielle Verwendung darin erreicht wird, hat Philippe Aigrain analysiert. Im Ergebnis ist die Bibliothek durch den Vertrag angehalten, ihren Nutzern Freiheiten zu verwehren, die sie sonst hätten.

Betroffen sind von solchen Einschränkungen nur wenige Nutzer. Betroffen sein könnte, wer einen Print-on-Demand-Dienst für gemeinfreie Werke, mit den Digitalisaten neue Anwendungen ausprobiert oder Data Mining betreibt. Für die meisten Nutzer dürfte auch bei der ÖNB der Vorteil überwiegen, dass die Werke überhaupt zum ersten Mal in digitaler Form verfügbar sind.

Aber ein schaler Beigeschmack bleibt. Public-Private-Partnerships werden als Win-Win-Situation für die öffentliche Hand und private Partner dargestellt, doch in den zugrundeliegenden Verträgen sollen der Öffentlichkeit Nutzungen entzogen werden – an dem, was inzwischen allen gehört.

April 24 2013

January 22 2013

ASCII für alle: Von Project Gutenberg bis heute

Online-Archive wie „Project Gutenberg” und das „Internet Archive” arbeiten beharrlich daran, die Public Domain ins Netz zu bringen.

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January 16 2013

Wikimedia Commons: 70 Jahre tot ist nicht genug

Hunderte Bilder lange verstorbener Künstler, wie Max Liebermann und Leo Gestel, wurden aus der Online-Enzyklopädie Wikipedia entfernt und aus der Mediensammlung Wikimedia Commons

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November 28 2012

December 06 2010

Wikimedia kürt Gewinner im Wettbewerb WissensWert

Soeben hat der Wikimedia e.V. die glücklichen Gewinner des Wettbewerbs WissensWert bekanntgegeben. Als Mitglied der Jury freue ich mich besonders, dass es gelungen ist, acht wirklich innovative Projekte zur Förderung freien Wissens auszuwählen. Bei insgesamt 93 Einsendungen war es alles andere als leicht, hier eine Entscheidung zu treffen. Und hier die stolzen Gewinnerprojekte:

WikiStories – Einblicke von Zeitzeugen
Luftbilder für OpenStreetMap
Links to free and open – das Verzeichnis freier Projekte
Motivationsfilm für Creative Commons
WikiQuest – kooperatives Lernen mit freien Inhalten
Freies Wissen als hörbarer Podcast
Barrierefreies Onlineportal für Karten- und Routing-Services
Public Domain Projekt

Herzlichen Glückwunsch! Mehr Informationen gibt es im Wikimedia-Blogbeitrag und in der dazugehörigen Pressemitteilung (PDF)

August 25 2010

Mash-Ups im Bewegtbild (I): Aus dem Disney-Archiv

Auf dem Symposium ‘Verbotene Filme‘ vom 8.-10. September wird es auch um Mash-Ups und Remixe gehen. Kuratiert von Ilja Braun und Valie Djordjevic gibt es am Freitagabend das 90-minütige Kurzfilmprogramm ‘Mash-Up-Rolle’. Anschließend wird sich die Abendveranstaltung ‘Filmkunst trifft Netzkunst’ dem Thema widmen, u.a. in einer Podiumsdiskussion mit Dr. Matthias Leonardy (GVU) und Filmemacher Mario Sixtus (ausführliches Programm).

Als Vorgeschmack auf das Mash-Up-Programm startet an dieser Stelle eine kleine Reihe mit ausgewählten Mashup-Produktionen.

Mash-Ups im Bewegtbild (I): Disney-Material in der Mashup-Kultur

Nicht nur wegen der Berge an Material aus dem Disney-Archiv, sondern auch aufgrund der eigentümlichen Haltung der Walt Disney Company zum Urheberrecht dürfte diese für viele Mash-Up-Künstler interessant sein: Für neue Produktionen greift man bei Disney gern auf kulturelles Material zurück, das Gemeingut geworden ist – auf Märchen, mythische Narrative und bekannte literarische Figuren. Gleichzeitig werden eigene Schöpfungen jedoch mit Zähnen und Klauen davor geschützt, selbst wieder in die public domain zu fallen – etwa durch erfolgreiche Lobbyarbeit beim Copyright Term Extension Act, das die Schutzdauer in den USA um 20 Jahre verlängerte.

Eric Faden: A fair(y) use tale, 2007

In diesem Kurzfilm des Filmwissenschaftlers Eric Faden werden die US-Regelungen zum Copyright mit Schnipseln aus Disney-Filmen erklärt. Besonderes Augenmerk liegt auf der Schrankenbestimmung zum Fair Use, die auch nichtautorisierte Bearbeitungen ermöglicht. Der Film ist selbst ein Beispiel dafür:


Jesse Drew: Manifestoon, 2007

Das Kommunistische Manifest von 1848 beginnnt bildreich und erzählt von einer „heiligen Hetzjagd” auf ein Gespenst, die der Papst, Metternich und andere Mächte des alten Europa veranstalten. Der Videokünstler Jesse Drew hat Passagen daraus in “Manifestoon” mit Bildern aus Disney- und anderen Cartoon-Produktionen illustriert:


.

Anonymus: Ressemblance dans les Films Disney, 2008

Disney kopiert Disney: Dieser Zusammenschnitt, der seit 2008 in Blogs kursiert, greift das Thema von einer anderen Seite auf. Er zeigt, wie in den Disneyproduktionen einzelne, charakteristische Szenen bemerkenswert häufig auftauchen:

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Sind Mash-Ups verboten?

Mash-Ups sind nicht per se illegal, sehr oft ist die rechtliche Situation unklar. Selbst extrem kurze Ausschnitte sind meist urheberrechtlich geschützt. Bei Ausschnitten aus Musikvideos beispielsweise reicht die Liste der potenziell Anspruchsberechtigten von den Komponisten und Dichtern – den eigentlichen Urhebern – bis zu Sängern, Bands, Produzenten und Verwertern, die Leistungsschutzrechte auf das verwendete Material geltend machen können. Selbst profesionelle Labels sind mit dem Aufwand bei der Rechte-Klärung oft überfordert, erst recht sind es die YouTube-Amateure, die natürlich keine eigene Rechteabteilung unterhalten. Zur Einführung dazu Ilja Braun bei iRights: Remixes und Mash-Ups – kreativ, vielfältig und meistens verboten.

Ebenfalls bei iRights.info zum Thema:

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