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April 30 2012

Betr.: Ukraine. Es riecht nach PR-Kampagne – u.a. mit dem Ziel der Selbstbeweihräucherung.

In nahezu allen Medien wird in den letzten Tagen unentwegt über das Schicksal der inhaftierten Julija Timoschenko berichtet und kommentiert. „Freiheit für Julija Timoschenko, fordert die Bundesregierung“, schreibt SPIEGEL Online zum Beispiel und berichtet vom vielfältigen Protest und dem geplanten Politik-Boykott der Fußballeuropameisterschaft. (Siehe Anhang). Ich muss gestehen, dass ich die Lage in der Ukraine und auch die Rechtmäßigkeit der Verurteilung der ehemaligen Ministerpräsidenten nicht beurteilen kann. Aber davon unabhängig kann man an diesem Beispiel wieder einmal beobachten, dass die Klagen über die miserable Lage und die behaupteten Menschenrechtsverletzungen in einem anderen Land für die Klagenden auf deutscher Seite den angenehmen Nebeneffekt haben, dass wir hierzulande und der Westen insgesamt im schönsten Licht erscheinen. Von Albrecht Müller

Was nachdenklich stimmt. Ein paar Anregungen für Ihre eigene Beobachtung der vermutlich weiterlaufenden Kampagne:

  • „In Hannover hat Chinas Regierungschef Wen Jiabao zusammen mit Bundeskanzlerin Merkel die größte Industriemesse der Welt eröffnet“, konnten wir vor acht Tagen lesen. Die Menschenrechtsverletzungen in China haben dabei nicht gestört. In Bahrain gibt es Menschenrechtsverletzungen, das Formel-1-Rennen fand trotzdem statt. Die Bundesregierung hat nicht protestiert. Sie protestiert auch nicht gegen Menschenrechtsverletzungen in Saudi Arabien, sie lässt Waffen liefern. Sie protestiert auch nicht gegen die Menschenrechtsverletzungen durch die USA in Guantanamo und auch nicht gegen die Todesstrafe. Offensichtlich wird die Auswahl von Zielobjekten der Klagen über Menschenrechtsverletzungen nicht nach objektiven Kriterien sondern nach Opportunität getroffen.
  • Das Land darf nicht zu mächtig sein. Und es muss interessante und medienwirksame Ansatzpunkte für die PR-Strategen bieten. Im konkreten Fall ein Präsident mit Vergangenheit, Fehlern und der Abneigung gegen den Nato-Beitritt seines Landes, und als Gegenspielerin eine markante Frau und ihre schöne Tochter. Das Schema von Gut und Böse passt. Es riecht nach PR. Schauen Sie sich diese Fotostrecke an. Wer hat die Fotostrecke zusammengestellt? Spiegel Online? Unter den Fotos rechts unten steht „dapd“. Hat die Agentur die Zusammenstellung gemacht? Und dies aus freien Stücken? Siehe dazu auch “Bundespresseamt zahlt mehr Geld an dapd” und zum früheren Finanzpotential der Timoschenkos ein Artikel aus dem Guardian von 2004.
  • Man muss sicher sein, dass es ausreichend und aus verschiedenen Ecken kommende politisch Verantwortliche und in konkreten Fall auch Sportler gibt, die sich der Kampagne anschließen und sie mittragen: z.B. Bundespräsident Gauck, der SPD-Vorsitzende Gabriel, Generalsekretärin Nahles, die Grünen-Abgeordneten Marieluise Beck und Tom Königs, Vitali Klitschko, der selbst mit einer Partei als Konkurrent zur Partei des jetzigen Präsidenten antritt, Uli Hoeneß, etc.
  • Es gibt offensichtlich einen immer wieder benutzten Meinungsbildungsmechanismus: Wenn man als politisch Verantwortlicher oder auch nur als begleitendes Medium die Lage in einem anderen Land anklagt, dann rückt man automatisch in gefälliges Licht. Angela Merkel, die Bild-Zeitung und eine Reihe anderer Medien beherrschen diese Methoden professionell. Sie attackieren beispielsweise die Griechen und andere Südländer als besondere Sünder und erscheinen damit im Spiegelbild als besonders erfolgreich. Die Behandlung der Finanzkrise und die gleichzeitige Glorifizierung der ökonomischen Entwicklung bei uns laufen immer wieder nach diesem Muster. Im konkreten Fall der Klagen über die Lage der Ukraine wird der Eindruck erweckt, bei uns und dem Westen insgesamt herrsche eine perfekte Demokratie und die Menschenrechte würden überall geachtet. Unsere Demokratie ist jedoch von politischer Korruption durchdrungen. Bei uns konnten Rechtsradikale zehn Menschen mit der selben Pistole ermorden, über 80 Menschen sind in den letzten 20 Jahren Opfer einer Gewalt geworden, die sich austoben konnte, weil Verantwortliche auf dem rechten Auge blind sind, während der Verfassungsschutz die linke in den Parlamenten vertretene Konkurrenz der Regierenden beobachtet. Usw. Es ist wahrlich nicht alles Gold, was glänzt. Aber die Kampagnen gegen andere lassen die eigene Lage als goldig erscheinen.

    Dieser Mechanismus wird nicht nur in Deutschland genutzt. Die USA machen es regelmäßig so. Auch Frankreich und Großbritannien überlagern ihre inneren Defizite mit militärischen Operationen.

Anhang:

Mehr auf SPIEGEL ONLINE:

October 12 2011

Von der deutschen Tea Party zur Henkel-Partei (II) – Der rechte Ritt auf der Welle der Empörung

Lange Jahre hat die amerikanische Tea-Party-Bewegung die außerparlamentarische Opposition in den USA fast im Alleingang geprägt. Diese Zeiten sind jedoch vorbei. Heute betreibt die Tea Party parlamentarische Fundamentalopposition, während sich in den Straßen unter dem Slogan „Occupy Wall Street“ endlich wieder eine linke Massenbewegung formiert. Ganz anders in Deutschland: Hierzulande planen prominente Rechtspopulisten den Einzug in die Parlamente und setzen dabei neben Europakritik und D-Mark-Nostalgie auch auf originär linke Themen, wie beispielsweise die Kritik am Finanzsystem. Von Jens Berger

Der erste Teil mit dem Titel „Rechtspopulist Hans Olaf Henkel spielt mit den Ängsten der Bevölkerung“ ist am 7. Oktober auf den NachDenkSeiten erschienen.

Wenn sich PR-Strategen ein zentrales Thema für eine „neue“ rechte Partei aussuchen müssten, würde ihre Wahl auf den Euro fallen. Verschiedene mehr oder weniger seriöse Umfragen behaupten, dass rund die Hälfte der Deutschen zurück zur D-Mark will – besonders stark ist die Eurokritik dabei bei Wählern der FDP vertreten. Dabei bedient die Eurokritik auch typisch bürgerliche Empörungsrituale. Da sie abseits der Springer-Zeitungen in den Medien nicht sonderlich goutiert wird und eine breite Mehrheit der Parlamentarier sich gegen die Eurokritik verwehrt, kann bei den eurokritischen Bürgern der Eindruck entstehen, ihre Meinung sei unterdrückt und würde von „den Politikern“ nicht ernst genommen. Dieser Sarrazin-Effekt führt nicht nur zu absurden Verschwörungstheorien, sondern auch zu einer halsstarrigen „Das-wird-man-doch-noch-sagen-dürfen-Mentalität“, die nur darauf wartet, von Populisten bedient zu werden.

Potential am rechten Rand

Glaubt man einer aktuellen Emnid-Umfrage, könnte sich jeder Dritte vorstellen, eine eurokritische Partei zu wählen. Schon im letzten Jahr antwortete auf dem Höhepunkt der Sarrazin-Debatte jeder fünfte Befragte, dass er sich vorstellen könne, eine neue „Rechtspartei“ zu wählen. Erstaunlicherweise zählten bei beiden Umfragen Anhänger der Linkspartei zu den größten potentiellen Fans einer noch nicht gegründeten „Rechtspartei“. Ob eine solche Umfrage das wahre Potential einer solchen Partei widerspiegelt, ist jedoch fraglich. Selbst wenn man die hohen Umfragewerte nicht all zu ernst nehmen sollte, scheint jedoch am rechten Rand durchaus Potential für eine neue Partei vorhanden zu sein.

Frank Schäffler – der Manchester-Kapitalist

Um die Schlagrichtung einer solchen Partei einordnen zu können, lohnt es sich, einen Blick auf das Umfeld von Hans Olaf Henkels jüngsten Ausflügen in die politische Agitation zu werfen. Wenn Henkel auftritt, so hat er meist die Herren Schäffler und Schachtschneider an seiner Seite. Der FDP-Mann Frank Schäffler ist durch seine konsequent eurokritische Linie in den letzten Monaten bereits zu fragwürdigem Ruhm gekommen und wird als Gesicht der parlamentarischen Eurokritik durch die Fernsehstudios der Republik gereicht. So „harmlos“, wie er auf den ersten Blick wirkt, ist Schäffler jedoch keinesfalls. Er bezeichnet sich selbst als Anhänger des Manchester-Kapitalismus, er ist ein Anhänger von August Hayek, dem volkswirtschaftlichen Vorbild von Reagan und Thatcher, ein radikaler Wirtschaftsliberaler wie aus dem Bilderbuch. Seine Querschüsse gegen den Euro im Allgemeinen und Griechenland im Speziellen dürften mittlerweile bekannt sein. Schäffler wurde bereits in der großen BILD-Studie der Otto-Brenner-Stiftung als eine der Personen genannt, die mit Vorliebe von der BILD befragt werden, wenn es gilt den steilen, populistischen Thesen des Blattes ein Politikergesicht zu geben.

Politiker wie Frank Schäffler sind in Deutschland relativ selten. Das mag auch an der sozialstaatlichen Tradition und der Erfolgsgeschichte der sozialen Marktwirtschaft liegen, die nie großen Raum für offen ausgesprochene marktradikale Positionen geboten hat. In den USA ist Schäfflers ideologische Welt alles andere als selten, sie bildet vielmehr das libertäre Rückgrat der Tea-Party-Bewegung, wenn es um wirtschaftspolitische Fragen geht. Das erzkonservative Rückgrat der Bewegung findet in Deutschland in Henkels zweitem Mitstreiter ein Gesicht: Karl Albrecht Schachtschneider.

Karl Albrecht Schachtschneider – der Eurogegner vom rechten Rand

Schachtschneider ist ein Eurogegner der ersten Stunde, der an allen Verfassungsklagen gegen den Euro beteiligt war. Der emeritierte Jurist hat keine Berührungsängste mit dem rechtsextremen Rand. Er trat in jüngster Vergangenheit unter anderem bei Veranstaltungen der Bürgerbewegung pro Köln, der Haider-Partei FPÖ, dem als Netzwerk der „Neuen Rechten“ geltenden Studienzentrum Weikersheim, dem rechts-sektiererischen VPM und diversen Burschenschaften auf. Schachtschneider ist (wie Henkel und andere Personen aus dessen Umfeld) regelmäßiger Autor der „Jungen Freiheit“ und ein beliebter Interviewpartner des rechtspopulistischen und islamfeindlichen Internetblogs „Politically Incorrect“. Bereits in den 90ern war er Mitglied der rechtspopulistischen, euroskeptischen Partei „Bund freier Bürger – Offensive für Deutschland“, die damals vom ehemaligen FDP-Rechtaußen Manfred Brunner gegründet und maßgeblich von August von Finck jr. finanziert wurde. Finck ist auch als großzügiger Spender des Bürgerkonvents bekannt, aus dem die „Zivile Koalition“ hervorging, die nicht nur durch ihre eurofeindlichen Kampagnen, sondern auch immer wieder durch Veranstaltungen mit den Eurogegnern Henkel, Schäffler und Schachtschneider von sich Reden macht.
(Siehe dazu: Bürgerkonvent 2.0 – die deutsche Tea-Party-Bewegung)

Verschwörungstheoretiker und Querfrontstrategien

Zum erweiterten Umfeld der Gruppe um Hans Olaf Henkel zählen auch Gruppierungen, die man eher in der Kategorie „Verschwörungstheoretiker“ verorten würde. Dazu zählt beispielsweise das „Aktionsbündnis Direkte Demokratie“, das Henkels Thesen voll teilt und von obskuren Gruppierungen und Kleinstparteien getragen wird, wie beispielsweise dem „Netzwerk Volksentscheid“, zu dessen „Medienpartnern“ das Who is Who der deutschen Verschwörungstheoretikerszene gehört, und der „Partei der Vernunft“ (pdv), die nicht nur den Euro, sondern auch gleich noch die Einkommens-, Lohn- und Körperschaftsteuer ersatzlos abschaffen will und ebenfalls bestens mit der Verschwörungstheoretikerszene vernetzt ist.

Erschreckend ist in diesem Zusammenhang vor allem, dass die kruden Thesen dieser Gruppierungen auch bei links-denkenden Menschen teilweise auf große Begeisterung stoßen, zumal sie oft geschickt mit dem Thema Kritik am Finanzsystem spielen. Bereits in den 1920ern griffen rechtsextreme Gruppierungen unter dem Schlagwort „Querfront“ zu solchen Bündnisstrategien. Diese Strategien erfreuen sich auch im Sog der Finanzkrise größter Beliebtheit: So zählt beispielsweise auch der ehemals „linke“ Publizist Jürgen Elsässer mit seiner rechtspopulistischen „Volksinitiative gegen das Finanzkapital“ zu den glühendsten Verehrern von Henkel, Schäffler, Schachtschneider und Co.

Übernahme der FDP?

Ob Hans Olaf Henkel und seine Mitstreiter wirklich eine neue Partei gründen, hängt wohl auch von dem Mitgliederentscheid der FDP ab, den Frank Schäffler initiiert hat. Sollte die FDP-Basis gegen den Euro votieren, wäre die Partei nicht mehr koalitionsfähig und somit binnen kürzester Zeit sturmreif für die Eurogegner. Hans Olaf Henkel ließ bereits mehrfach bekunden, dass ihm eine solche „feindliche Übernahme“ der FDP wesentlich lieber wäre, als die Gründung einer neuen Partei.

Tags: PR

October 07 2011

Von der deutschen Tea Party zur Henkel-Partei (I) – Rechtspopulist Hans Olaf Henkel spielt mit den Ängsten der Bevölkerung

Hans Olaf Henkels Drohung könnte eindeutiger kaum sein – entweder es gelänge, die FDP für die politischen Ziele der deutschen Tea Party zu vereinnahmen, oder man müsse halt eine neue Partei gründen, für die er höchstpersönlich zur Verfügung stünde. Henkel ist das wohl bekannteste Gesicht der deutschen Tea-Party-Bewegung. Im letzten Jahr war er nach Heiner Geißler der am zweithäufigsten eingeladene Talkshow-Gast, seine Bücher verkaufen sich wie warme Semmeln und er ist gern gesehener Interviewpartner der Printmedien. Henkel haftet immer noch der Ruf eines „Wirtschaftsexperten“ an, der gern klare Kante zeigt und unpopuläre „Wahrheiten“ ausspricht. Was für eine Fehleinschätzung! Von Jens Berger

Seit seinen Zeiten als BDI-Präsident und damit oberster Wirtschaftslobbyist steht Hans Olaf Henkel für eine bedingungslose angebotsorientierte Wirtschaftspolitik, bei der die Rolle des Staates auf ein absolutes Minimum heruntergefahren werden soll. Henkel war immer so lange ein Freund des freien Marktes, bis dieser die Interessen seiner Klientel gefährdete. Entsprechend verblendet fiel daher auch Henkels Reaktion auf die Finanzkrise und das offensichtliche Versagen der Finanzmärkte aus. Nicht die Investmentbanker, sondern das „Gutmenschentum“ der Clinton-Regierung ist für ihn der wesentliche Grund für die Turbulenzen an den Finanzmärkten.

Das Sprachrohr der deutschen Tea-Party-Bewegung

Während Henkel in wirtschaftlichen Fragen extrem liberale Positionen vertritt, tendiert er auf anderen politischen Feldern zu erzkonservativen und nationalistischen Ansichten – so hat sich Henkel beispielsweise während der Sarrazin-Debatte als vorbehaltloser Unterstützer des Rechtspopulisten zu Wort gemeldet. Henkel ist ferner regelmäßiger Gastautor der nationalkonservativen Zeitung „Junge Freiheit“, die als zentrales Sprachrohr der „Neuen Rechten“ gilt. Henkels politische Linie, die zwischen libertärer Wirtschaftspolitik und erzkonservativen gesellschaftspolitischen Ansichten verläuft, ist diesseits des Atlantiks relativ selten – in den USA ist diese Mischung durch die Tea Party sowohl bekannt als auch berüchtigt.

Die Parallelen zwischen Henkel und der Tea-Party-Bewegung sind erdrückend. Beide Seiten polemisieren gegen den Zentralstaat, gegen Sozialsysteme, gegen Steuern, gegen Konjunkturprogramme und gegen Einwanderer. Das Washington der Tea-Party-Bewegung ist für Henkel Brüssel. Die Tea-Party-Bewegung hält Obama für einen Kommunisten, für Hans Olaf Henkel ist Jürgen Trittin ein Kommunist. Auch ansonsten verwendet Henkel bei seinen Polemiken immer wieder Begriffe, die Erinnerungen an Zeiten des Eisernen Vorhangs herrufen sollen. Der Euro ist für ihn nur der „Einheitseuro“, eine finanzpolitisch enger zusammenarbeitende EU die „EUdssR“ und selbst den wie er marktliberal geprägten deutschen Wirtschaftswissenschaftlern unterstellt er in seinen Bierzeltreden gerne eine „Politikhörigkeit wie unter der SED“. Das ist starker Tobak, der jedoch an den Stammtischen der Nation gut ankommt.

Der Euro als Sündenbock

Henkel wäre ein schlechter Populist, wenn er nicht das Thema der Stunde erkannt hätte – die Sorgen und Ängste der Menschen um den Euro. Angeheizt durch eine unverantwortliche Berichterstattung in den Medien hat sich bei vielen Bürgern die Stimmung breit gemacht, den Euro als Universalschuldigen für sämtliche sozialen und wirtschaftlichen Defizite zu sehen. Wenn das Geld am Ende des Monats nicht mehr reicht, sind nicht etwa die miserablen Reallohnsteigerungen, die es in dieser Form nur in Deutschland gab und gibt, schuld, sondern der Euro. Wenn die Rente zu gering ist oder die Sozialleistungen Stück für Stück abgebaut werden, so sind daran nicht die neoliberale Politik und er selbst, sondern der Euro schuld. So einfach kann man es sich machen. Für Hans Olaf Henkel erfüllen diese unsinnigen Schuldzuweisungen natürlich auch den Effekt, von den wahren Schuldigen abzulenken. Es war und ist die ideologische Verblendung der Henkels dieser Welt, die für exakt die Entwicklungen die Verantwortung trägt, die von den neoliberalen Überzeugungstätern nun auf den Euro geschoben wird.

Die Wacht am Rhein

Die Gedankenwelt der Eurokritiker ist ebenso einfach wie falsch. Ginge es nach Hans Olaf Henkel würde der Euro in zwei Währungsräume aufgeteilt – »einen nördlichen, der diszipliniert ist, der keine Inflation will, der an Haushaltsdisziplin gewöhnt ist, und einen südlichen, der lieber mit einer Abwertung wettbewerbsfähig sein will«, wie Henkel in der Talkshow „Maybrit Illner“ formulierte. Neben Deutschland sollten, so Henkel, nur Österreich, die Beneluxstaaten und Finnland den „Nord-Euro“ übernehmen, der Rest der Eurozone (Henkel: „die Olivenländer“) sollten einen „Süd-Euro“ bekommen, was laut Henkel der „Ausgabenfreude und dem währungspolitischen Improvisationstalent“ dieser Länder entspräche. Besonders ins Auge fällt hierbei, dass Henkel die beiden großen Eurostaaten Deutschland und Frankreich in zwei verschiedenen Lagern verortet.

Diese Trennung ist symptomatisch für die Gedankenwelt der „Neuen Rechten“, die in Frankreich den großen Konkurrenten Deutschlands im Konzert der europäischen Hegemonialmächte sieht. Um einen Keil zwischen die beiden Länder zu treiben, scheuen Henkel und seine Weggefährten noch nicht einmal vor tumben nationalistischen Verschwörungstheorien zurück. So sei beispielweise die Beteiligung französischer Banken an den griechischen Staatsschulden der eigentliche Grund für den Euro-Rettungsschirm, Frankreich zeichne für das Aufweichen der Maastricht-Kriterien verantwortlich, wolle die EZB unterminieren und Angela Merkel zu politischen Fehlern verleiten. Jede Form des Populismus braucht Schuldige. Da Migranten und Hartz-IV-Empfänger dieses Mal gänzlich unverdächtig sind, muss halt Frankreich herhalten, das in den Köpfen nationalkonservativer „Denker“ offenbar immer noch der Erbfeind ist.

You can check out every time you want, but you can never leave

In der Frage, was ein Euroaustritt für Deutschland bedeuten würde, sind sich die meisten Ökonomen einig – die Folgen wären katastrophal. Wenn man davon ausgeht, dass die D-Mark bzw. ein Nord-Euro gegenüber dem heutigen Euro um 40 bis 50% aufwerten würde, hieße dies, dass nicht nur deutsche Exporte mit einem Schlag ihre Konkurrenzfähigkeit verlieren, sondern auch billiger werdende Importe heimische Produkte vom deutschen Markt verdrängen würden. Eine zerstörerische Deflationsspirale wäre die Folge. Nicht umsonst charakterisieren Experten die Währungspolitik der drei großen Wirtschaftszonen (USA, Eurozone, China) als einen „Währungskrieg“, bei dem alle Beteiligten darauf aus sind, die eigene Währung möglichst schwach zu halten.

Eigentlich ist es überraschend, dass ein Industrielobbyist wie Henkel überhaupt Vorschläge macht, die die deutsche Exportorientierung in Frage stellen könnten. Grundsätzlich wäre es ja auch sehr sinnvoll, wenn Entwicklungen stattfinden würden, die langfristig zu einer Angleichung der Wettbewerbsfähigkeit in der Eurozone führen. Eine Erhöhung der deutschen Reallöhne wäre jedoch diesbezüglich der weitaus bessere und vor allem risikofreiere Weg. Niemand kann vorhersagen, was passieren würde, wenn der Euro auseinanderbricht.

Was geschieht mit den Auslandsforderungen der deutschen Unternehmen in Höhe 722 Mrd. Euro und den Auslandsforderungen der deutschen Banken in Höhe von fast zwei Billionen Euro? Welche Effekte hätte eine ultraharte D-Mark auf den deutschen Arbeitsmarkt? Wie würde sich die Binnennachfrage entwickeln, wenn sich Importe binnen kürzester Zeit massiv verbilligen? Es ist vollkommen klar, dass ein Währungswechsel mit hohen Auf- und Abwertungen innerhalb der gesamten Währungszone massive Entwicklungen auslösen würde, die sich mit einfachen Modellen nicht vorhersagen lassen. Der Euro ist nicht nur eine Gemeinschaftswährung, sondern auch eine Schicksalsgemeinschaft. „You can check out every time you want, but you can never leave“, wie es im Eagles-Klassiker „Hotel California“ heißt.

Wenn Hans Olaf Henkel dies alles ignoriert und eine Sicherheit vorgaukelt, die bei einer seriösen Betrachtung unmöglich zu vertreten ist, ist er nichts anderes als ein Hasardeur. Ein Hasardeur wohlgemerkt, der sehenden Auges das Gemeinschaftswerk von Generationen aufs Spiel setzt.

Was will Henkel?

Wenn Hans Olaf Henkel Kritik an seinen Thesen als „Gesinnungsterror“ bezeichnet und immer wieder behauptet, seine Kritiker hätten keine Argumente, so ist dies schlichtweg eine Lüge. Henkel geht in seinen Polemiken lediglich nie auf die Argumente ein, die seine Positionen in die Nähe des Irrsinns stellen.

Es ist jedoch nicht unbedingt wahrscheinlich, dass Henkel überhaupt glaubt, was er da sagt. Er mag zwar ein „engstirniger Fanatiker“ (William K. Black) und „inkompetent“ (James K. Galbraith) sein, dumm ist er jedoch nicht. Henkel weiß auch, dass es gar keine rechtlichen Rahmenbedingungen für einen Euro-Ausstieg gibt und seine Vorschläge nicht die geringste Chance auf Umsetzung haben. Es ist daher wesentlich wahrscheinlicher, dass Henkel mit den Ängsten der Bevölkerung spielt und sie für seine politischen Zwecke instrumentalisiert. Henkel scheint sich nicht mehr mit seiner Dauerpräsenz auf den Talkshowsesseln der Republik zufrieden geben zu wollen – er will fortan aktiv Parteipolitik betreiben.

Lesen Sie am Montag im zweiten Teil, wie Henkel und seine Mitstreiter aus der FDP eine rechtspopulistische Partei mit Parallelen zur Tea-Party-Bewegung machen wollen und wie sie dafür die Protestbewegung auf der Straße für ihre Ziele einspannen.

Tags: PR

September 29 2011

„Generation Benedikt“ könnte der Pfeiler einer deutschen Tea-Partybewegung sein – mit beachtlichem Einfluss auf die Öffentlich-Rechtlichen.

Beim Schreiben der beiden Beiträge „Zur besonderen Verankerung der Union bei Medien und Vorfeldorganisationen“ und „Steht die Kirche des Papstes auf den Boden der FDGO?“ kannte ich die PR-Organisation „Generation Benedikt“ noch nicht. Ein Leser der NachDenkSeiten, M.K. aus Bayreuth, machte mich auf diese Internetseite aufmerksam. Dort erfährt man, dass Vertreterinnen und Vertreter dieser Organisation anlässlich des Papstbesuches bei Maybritt Illner, in der Phoenixrunde, beim SWR und im Hessischen Rundfunk aufgetreten sind. Albrecht Müller.

Auch bei einer Reihe anderer Gelegenheiten waren Vertreterinnen und Vertreter der „Generation Benedikt“ Interviewpartner und auffallend lang zu Wort gekommen.
Die “Generation Benedikt” ist ein “papsttreues Jugendnetzwek”, gegründet 2005 nach dem Weltjugendtag in Köln. Einige ihrer Vertreter sind auch schon früher im Fernsehen aufgetreten. So einer der Gründer, Nathanael Liminski, der bereits zweimal Gast bei Sandra Maischberger gewesen ist, am 3.12. 2007 und am 6.4.2009, wo er seine fundamental-katholischen Ansichten (weitgehend identisch mit den fundamentalistisch-christlichen, die wir aus den USA kennen) vorstellen durfte: Kein Sex vor der Ehe, Warnung vor einer ‘Verhütungsmentalität’ will sagen keine künstliche Verhütung u.ä..
Eine sogenannte Sprecherin der Gruppe, Larissa Elter, war am 19.09.2011 bei HART ABER FAIR zu Gast.
Und dann waren mehrere Mitglieder der Gruppe als Kommentatoren und Ko-Kommentaren bei den verschiedenen Events des Papstbesuches im Öffentlich-Rechtlichen Fernsehen in Aktion. So z.B. hier beim WDR mit einer unglaublich „pluralen“ Besetzung.

Recherchen zeigen, dass der Begriff „Generation Benedikt“ schon 2005 von der rechtskonservativ orientierten ‘Jungen Freiheit’ (!) gebraucht wurde .

Es gibt zumindest eine personelle Verknüpfung mit dem Opus Dei. Der Vater eines der jungen Gründer der „Generation Benedikt“ ist ein Journalist aus dem Kreis des Opus Dei: Jürgen Liminski . Liminski arbeitet auch für den Deutschlandfunk. Opus Dei ist eine sektenartige Formation rechtskonservativer Katholiken.

„Generation Benedikt“ – eine PR-Organisation rechtskatholischer Kreise

Nach meiner Einschätzung ist die „Generation Benedikt“ gegründet worden, um Public Relations für den jetzigen Papst und seine konservativen Anliegen zu machen. Vermutlich verfügt die Organisation über ausreichend finanzielle Mittel. Das alles ist legitim. Warum soll der Vatikan keine PR machen? Warum soll Opus Dei keine PR machen? Warum soll der Vatikan bzw. katholische Kreise in Deutschland nicht die Gelegenheit des Weltjugendtages in Köln nutzen, um effektive Public Relations zu machen? Für diese Effizienz kann man diese Organisationen sogar bewundern.
Die Bewunderung verwandelt sich in Wundern, wenn man beobachtet, welchen Einfluss diese Organisation auf die Programmgestaltung der Öffentlich-rechtlichen Sender hat. Eigentlich haben die Vertreter von Public-Relations-Organisationen in Talkshows und in Interviews nichts zu suchen. Offensichtlich haben aber die Planer der verschiedenen Formate unserer Sender schon jedes Gefühl für journalistischen Anstand verloren. Oder sie stecken mit den PR-Treibenden unter einer Decke.
Dafür spricht viel. Der Einfluss von PR Agenturen auf die privaten (!) Produktionsgesellschaften unserer Talkshows ist sehr groß. Es ist anzunehmen, dass zur Begleitung des Papstbesuches effiziente und teure PR Agenturen engagiert worden waren. Eine scheinbar unabhängige Organisation wie „Generation Benedikt“ ist dann ein gutes Medium, um die entsprechenden Personen in die Sendungen zu schleusen. Mit Demut, die der Papst gepredigt hat, hat dies dann alles wenig zu tun.

Warum muss dieser Vorgang Demokraten interessieren?

Weil Demokraten an der Entwicklung einer deutschen Tea-Party-Bewegung nicht interessiert sein können.
Weil Demokraten Pluralität verlangen müssen. Der Einfluss der Katholischen Kirche und insbesondere konservativer Kreise aus der Katholischen Kirche in den öffentlich-rechtlichen Medien ist unangemessen hoch. Er steht in keinem Verhältnis zum geringen Einfluss jenes großen Teils unserer Volkes, der mit Religion nicht viel anfangen kann. Er steht auch in keinem Verhältnis zum vergleichsweise geringen Einfluss der Evangelischen Kirche und der anderen Religionsgemeinschaften.

September 08 2011

Bürgerkonvent 2.0 – die deutsche Tea-Party-Bewegung

Derzeit sorgt ein polemisches Anti-Euro-Video im Netz für Furore. Hinter diesem Video steckt eine Plattform namens „Abgeordnetencheck“, die sich selbst als soziales Netzwerk engagierter Bürger darstellt. Diese Eigendarstellung ist jedoch nicht haltbar. Hinter „Abgeordnetencheck“ verbirgt sich ein Netzwerk von marktfundamentalistischen und erzkonservativen Lobbyorganisationen, das sogar den berüchtigten „Bürgerkonvent“ von Meinhard Miegel für seine Zwecke wiederbelebt. Die „rechte APO“ geht mit der Zeit und könnte sich zu einer deutschen Tea-Party-Bewegung entwickeln. Von Jens Berger

Think-Tanks und Lobbyorganisationen haben meist den Nachteil, dass der interessierte Beobachter relativ schnell herausfindet, wer hinter diesen Organisationen steckt, wer sie finanziert und wessen Interessen somit vorgetragen werden. Klassische Lobbyorganisation haben daher auch das Problem, dass es ihnen schwer fällt, den Eindruck zu erwecken, sie verträten die Interessen des Volkes oder gar der Mehrheit. Um diesem Defizit entgegenzutreten, startete im Jahre 2003 der Bürgerkonvent. Der Bürgerkonvent wurde in seiner Anfangszeit in der Öffentlichkeit vom bekannten neoliberalen Vordenker und Lobbyisten Meinhard Miegel vertreten und sollte den Eindruck erwecken, er sei keine Lobbyorganisation, sondern ein zivilgesellschaftliches Bündnis reformfreudiger Bürger. Dieser Bluff ging jedoch nicht auf.

Schon bald kam heraus, dass hinter dem Konvent, der selbst zu seinen „Glanzzeiten“ nur 500 Mitglieder hatte, so bekannte Personen wie Hans-Olaf Henkel, Roland Berger, Otto Graf Lambsdorff und Rupert Scholz standen und die Anschubfinanzierung in Höhe von rund sechs Millionen Euro von niemand anderem als Baron August von Finck jr. stammten. Die politische Ausrichtung von Fincks hat sein langjähriger Intimus Ferdinand Graf von Galen einst mit dem Satz „Rechts vom Gustl steht bloß noch Dschingis Khan“ umschrieben. Vor zwei Jahren gelangte der sonst so öffentlichkeitsscheue von Finck einmal mehr als großzügiger Spender der FDP durch die „Mövenpick-Affäre“ in die Schlagzeilen. Nach diesen Enthüllungen wurde es ruhig um den Bürgerkonvent, dessen Fassade als Bürgerbewegung nun nicht mehr aufrecht zu erhalten war.

Neue Netzwerke

Seit diesem Jahr setzt der Bürgerkonvent voll auf eine neue Onlinestrategie und hat sich dafür personell und organisatorisch mit einer Pressuregroup namens „Zivile Koalition e.V.“ verbunden. Zu diesem eng verbundenen Netzwerk gehören ebenfalls die Internetplattform „Abgeordnetencheck“ (nicht zu verwechseln mit dem seriösen Projekt „Abgeordnetenwatch“), die Internetplattform „Freie Welt“, die erzkonservative „Initiative Familienschutz“ und die „Allianz für den Rechtsstaat e.V.“ – ein Verein, der sich für die Rückgabe des in der DDR verstaatlichten Großgrundbesitzes an die alten Junkerfamilien einsetzt.

Lose verbunden ist dieses Netzwerk mit verschiedenen marktradikalen und ultrakonservativen Lobbygruppen und Initiativen wie der „Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft“, der „Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft“, dem „Bund Deutscher Steuerzahler“ oder der „Stiftung Ja zum Leben“. Man tauscht sich und seine Artikel aus, promotet die Netzwerkpartner, startet gemeinsame Aktionen. Das Portal „Abgeordnetencheck“ verfolgt dabei die Aufgabe, Parlamentarier auf ihre Gesinnungstreue in marktradikalen und wertkonservativen politischen Positionen abzuklopfen – wer bedingungslos die Axt an den Sozialstaat legen will, hat bestanden, wer sich dem neoliberalen Wahn verweigert, fällt durch.

Mit einer Bürgerbewegung hat dieses Netzwerk jedoch genauso viel zu tun wie der Bürgerkonvent selbst. Meinungspluralität und Partizipation werden lediglich nach außen hin vorgetäuscht, hinter den Kulissen findet man immer wieder die gleichen Gesichter aus dem Beirat von „Abgeordnetencheck“, die sich im Netzwerk ein fröhliches Stelldichein geben.

Die zweite Generation des Bürgerkonvents:

  • Karl Feldmeyer – Journalist, ehem. FAZ, regelmäßiger Autor der Jungen Freiheit
  • Beatrix von Storch (geb. Herzogin von Oldenburg) – Lobbyistin, Vorstand Bürgerkonvent e.V., Vorstand Zivile Koalition e.V., Vorstand Allianz für den Rechtsstaat e.V.
  • Hans-Günter Lind – Unternehmer, Vorstand Bürgerkonvent e.V., ehem. Konrad-Adenauer-Stiftung, Treuhandgesellschaft
  • Dr. Konrad Adam – Journalist, ehem. FAZ und WELT, mit erzkonservativen Ansichten
  • Hedwig Frfr. von Beverfoerde – Sprecherin der Initiative Familienschutz
  • Dr. Klaus Peter Krause – Journalist, ehem. FAZ, regelmäßiger Autor der Jungen Freiheit
  • Patrick Freiherr von Stauffenberg – Banker, ehem. Vorstand Bürgerkonvent e.V., CEO von Berkshire Capital Securities

Alter Wein aus neuen Schläuchen

Schaut man sich einmal die Kampagnen des Netzwerks an, so entdeckt man eine seltsam anmutende Mischung aus erzkonservativer Familien- und Gesellschaftspolitik und marktradikalen Forderungen. Mal geht es darum, das traditionelle Familienbild zu bewahren und die Kindergartenpflicht sowie den Sexualkundeunterricht in Grundschulen zu verhindern, mal geht es darum, die Steuern zu senken, Subventionen abzubauen und die Gemeinschaftswährung aufzulösen. Mit der Mischung aus schon beinahe reaktionärer Gesellschaftspolitik, libertärer Wirtschafts- und Finanzpolitik, einer tendenziellen Ablehnung des Staates und supranationaler Organisationen erinnert das neu aufgebaute Netzwerk rund um den Bürgerkonvent in frappanter Art und Weise an die amerikanische Tea-Party-Bewegung.

Ob diese neue Lobby-Strategie, die sich vor allem auf soziale Netzwerke und das Internet als Kommunikationskanäle stützt, erfolgreich sein kann, ist momentan noch sehr schwer zu sagen. Einerseits hat die amerikanische Tea-Party-Bewegung gezeigt, dass man mit dumpfem Populismus und Rattenfängerrhetorik auch in einer als aufgeklärt geltenden Gesellschaft sehr wohl eine „rechte APO“ aufbauen und damit Standpunkte durchsetzen kann, die ganz und gar nicht im Interesse derjenigen sind, die nicht zur finanziellen Oberschicht gehören. Andererseits ist diese Themenmischung in Deutschland jedoch relativ neu – viele Menschen mit wertkonservativer Einstellung lehnen marktradikale Thesen ab, viele Vertreter marktradikaler Thesen vertreten in gesellschaftspolitischen Fragen liberale Standpunkte.

Aufklärung als Waffe gegen Vernebelung und Verdummung

Wie auch aus den Namen im Umfeld des Bürgerkonvents bereits deutlich wird, scheinen die „Tea-Party-Thesen“ am ehesten beim ehemaligen Adel vom Typ „ostelbisches Junkertum“ und einem Teil des erzkonservativen Establishments anzukommen. Zwei Gruppen, die bereits in der Weimarer Republik nicht viel mit dem Parlamentarismus anfangen konnten.

Es ist natürlich kein Zufall, dass das populistische Anti-Euro-Video von „Abgeordnetencheck“ ausgerechnet von der WELT in einer Art und Weise gehypt wurde, die in keiner Art und Weise mit dem Pressekodex zu vertreten ist. Die WELT ist in letzter Zeit bereits häufiger mit dumpfen „Tea-Party-Thesen“ in Erscheinung getreten und scheint sich selbst zum Sprachrohr der „Neuen Rechten“ aufschwingen zu wollen. Derlei politischem Lobbyismus ist am ehesten mit Aufklärung zu begegnen. Der Öffentlichkeit muss klar werden, welche Interessen hinter der angeblichen Bürgerbewegung stecken, und dass diese Interessen keinesfalls deckungsgleich mit denen einer breiten Mehrheit sind.

Tags: PR
Reposted bysbsm sbsm

August 05 2011

Goldfinger – die Spekulation mit der Angst

Der Goldpreis erklimmt mit jedem Handelstag ein neues Rekordniveau. Wie bei einem Herdentrieb lassen sich immer mehr eingeschüchterte Bürger in Goldinvestments treiben. Gold ist jedoch keinesfalls der sichere Hafen, wie er oft scheint oder vorgegaukelt wird. Der Markt für physisches Gold ist gefährlich klein, die Spekulation hat jedoch in den letzten Jahren ein gigantisches Volumen erreicht. Es scheint fast so, als haben einige große Spieler es darauf abgesehen, mit der Goldblase das ganz große Geschäft zu machen. Anstatt zu warnen, heizen Medien und viele sogenannte „Experten“ die Spekulation zusätzlich an. Von Jens Berger

Der Filmbösewicht Auric „Goldfinger“ plante im gleichnamigen James-Bond-Film den Goldpreis nach oben zu manipulieren, indem er die Goldreserven von Fort Knox radioaktiv verseuchen wollte. Die Filmfigur Goldfinger war selbst Goldinvestor und wollte durch eine künstliche Verknappung des Goldes zum reichsten Mann der Welt werden. Heute muss man nicht Fort Knox sprengen, um den Goldpreis in ungeahnte Höhen zu treiben. Jedes Jahr werden rund 2.500 Tonnen Gold gefördert. Rund die Hälfte davon geht in die Schmuckproduktion, rund zehn Prozent wurden im letzten Jahr vom industriellen Sektor und den Zentralbanken aufgekauft. Wie bei jedem anderen Rohstoff auch, bestimmen beim Gold Angebot und Nachfrage den Preis. Sobald die Nachfrage beim aktuellen Preis höher als das Angebot ist, steigt der Preis. 1.000 Tonnen Gold entsprechen beim aktuellen Kurs rund 48 Milliarden US$, das sind allerdings weniger als 5 Promille der gesamten Spareinlagen des privaten Sektors in den OECD-Staaten. Wer die Anleger mit Ängsten und Sicherheit vorspiegelnder Werbung in Goldinvestments lockt, kann angesichts eines immensen Anlagevolumens den Goldpreis ohne Probleme nach oben manipulieren.

Der De-Beers-Coup

In den 1950er Jahren gelang dem weltgrößten Diamantenproduzenten De Beers ein ähnlicher Coup. De Beers investierte viel Geld in eine Werbekampagne, die den Konsumenten den Eindruck vermitteln sollte, Diamanten seien nicht nur ganz besondere Steine, sondern auch das Symbol ewiger Liebe. In den Folgejahren stiegen die Preise für Diamanten in den Himmel und De Beers wurde eines der reichsten Unternehmen der Welt.

Gold ist ein marketingstrategischer Glücksfall. Käufer von Gold sind nicht an einem Symbol für die ewige Liebe interessiert, sondern haben im Regelfall Angst davor, ihr (Geld-)Vermögen zu verlieren – sei es durch Währungskrisen oder durch Inflation. Mit großem Erfolg wurden durch die Goldlobby Mythen geschaffen, die sich jedoch bei näherer Betrachtung in Luft auflösen:

  1. Gold ist wertstabil

    Gold ist handelbarer Rohstoff und Spekulationsobjekt. Da der Markt für Gold sehr klein ist, ist der Goldpreis überaus volatil, dass heißt, er schwankt sehr stark. Bereits kleinere Angebots- und Nachfrageschwankungen können den Preis massiv beeinflussen. Tägliche Kurskorrekturen von mehr als 5% sind dabei keine Seltenheit. Gold ist somit genau so wertstabil wie Aktien größerer Unternehmen und wesentlich volatiler als Staatsanleihen.

  2. Gold ist inflationssicher

    Anders als vielfach angenommen, gibt es seit mehr als 15 Jahren keinen Zusammenhang mehr zwischen dem Goldpreis und der Inflation. Die jüngere Periode des starken Anstiegs des Goldpreises fällt genau in die Zeit, in der in allen Industriestaaten die Inflation vergleichsweise gering ist. Da Gold ein Spekulationsobjekt mit teilweise extremen Kursschwankungen ist, wäre es auch vermessen zu glauben, dass Gold vor einer möglichen Inflation in der Zukunft schützt. Wer beispielsweise 1981 einen Goldbarren gekauft und ihn zehn Jahre später verkauft hat, musste einen nominellen Verlust von 50% und sogar einen inflationsbereinigten Realverlust von 75% hinnehmen. Dies ist freilich ein Extrembeispiel, dass jedoch sehr gut zeigt, dass Gold vor allem dann kein Inflationsschutz ist, wenn man es zu relativ hohen Kursen kauft.

  3. Gold hat einen inneren Wert

    Die industrielle Nachfrage nach Gold ist verschwindend gering. Wenn man bedenkt, dass Gold auch in großen Maßstab recycelt wird, liegt sie streng genommen bei Null. Dennoch kommen jedes Jahr 2.500 Tonnen neu gefördertes Gold auf den Markt. Die einzigen Verwendungszwecke für dieses Gold sind die Schmuckproduktion und die Wertanlage. Da Gold – anders als die meisten anderen Rohstoffe – kaum verbraucht wird und kaum einen realen (produktiven) Nutzwert hat, ist es lediglich der Glaube daran, dass die Menschheit auch in Zukunft einem glänzenden Metallklumpen einen realen Wert beimisst. Der innere Wert von Gold ist somit eine selbsterfüllende Prophezeiung, er ist weniger ökonomisch als mehr vielmehr psychologisch begründet.

  4. Gold ist krisensicher

    Wer sein Vermögen wirklich gegen die „Hyperinflation“ von derzeit 2,4%(!) oder vor einem befürchteten Kollaps des Kapitalismus schützen will, sollte sich wohl eher ein Sturmgewehr kaufen. Wer den Zusammenbruch des Wirtschaftssystems erwartet, sollte eher eine Kuh, ein paar Schweine und ein Stück Ackerland erwerben. Als Krisennotgroschen hat Gold den großen Nachteil, dass es nur sehr schwer teilbar ist und eine Krüger-Rand-Münze nun einmal so viel wert ist, dass sie zum postapokalyptischen Einkauf ohne Wechselgold kaum geeignet scheint.

    Goldpreisentwicklung

  5. Der Goldpreis wird noch lange Zeit steigen

    Da es keine ökonomisch sinnvolle Erklärung für die Goldpreisentwicklung der letzten Jahre gibt, ist auch nicht möglich, die zukünftige Entwicklung des Preises an ökonomischen Entwicklungen festzumachen. Der einzige Faktor, der den Goldpreis bestimmt, ist die Angst und die Spekulation. Wer heute Gold kauft, wettet also streng genommen darauf, dass die Menschen in Zukunft noch viel mehr Angst vor volkswirtschaftlichen Turbulenzen haben werden. Haben sie nur genauso viel Angst wie heute, platzt bereits die Blase, da dem neu geförderten Gold plötzlich keine Käufer mehr gegenüberstehen – oder noch schlimmer, dass die professionellen Spekulanten ihre Gewinne mitnehmen. Wer in der Vergangenheit und in der Gegenwart in Gold investiert hat, hat meist bereits vorhandene Ersparnisse umgeschichtet und das Gold nicht aus den monatlichen Einkünften gekauft.

Schneeballsystem

Das alles erinnert an ein Schneeballsystem. Jeden Monat benötigen die Preistreiber neue Käuferschichten. Da die Preistreiber wissen, dass Angst ein treibender Faktor ist, wird genau diese Angst geschürt. Wer hinter die Kulissen der Internetseiten schaut, die in teilweise unverantwortlicher Manier Angst vor dem Zusammenbruch des Währungs- und Wirtschaftssystems verbreiten, erkennt dort oft gänzlich eigennützige Interessen – mittlerweile scheint Gold das am meisten im Netz beworbene Produkt zu sein. Auch vermeintlich seriöse Zeitungen und Zeitschriften treiben ihre Leser mittlerweile ganz offen in Goldinvestments – hier wären vor allem die WELT und der FOCUS samt seines skandalträchtigen Ablegers FOCUS Money zu nennen. Wie sagte doch der alte Börsen-Grandseigneur André Kostolany? Wenn Dir die Schuhputzer Aktientipps geben, ist es höchste Zeit aus dem Markt auszusteigen. Welche Interessen die Analysten und Autoren, die in diesen Blättern kostenlos Werbung für Gold machen dürfen, vertreten, ist oft nur schwer zu erkennen. Die Interessen des Lesers sind es jedoch offensichtlich nicht.

Die aktuelle Goldpreisentwicklung zeigt überdeutlich Zeichen einer typischen Blase. Irgendwann wird diese Blase platzen – die interessantere Frage ist, wann und bei welchem Kurs. Noch funktioniert das Schneeballsystem prächtig, irgendwann ist jedoch der Zeitpunkt erreicht, an dem die Preistreiber keine neuen Opfer mehr finden können. Da der Großteil des handelbaren Goldes in den Händen von privaten Kleinanlegern liegt, stehen die Opfer bereits fest. Es ist das häufig zu beobachtende Schicksal von Kleinanlegern von institutionellen Anlegern über den Tisch gezogen zu werden. Es ist wie beim Poker – zuerst füttern die Profis die Anfänger mit kleinen Gewinnen an, nur um sie dann so lange im Spiel zu halten, bis man sie bis aufs letzte Hemd abgezockt hat. An Spekulationsmärkten sind es daher auch meist die Kleinanleger, die bei überhöhten Kursen kaufen und dann nach dem Kurssturz zu Niedrigstkursen verkaufen. Der Profi kauft, bevor der Preis in die Höhe geht, verkauft kurz vor dem Platzen der Blase und kauft dann zu Niedrigstkursen zurück. Da der Goldmarkt gänzlich intransparent ist, kann man leider nicht sagen, ob die Profis bereits verkaufen.

In einem relativ kleinen Markt wie diesem könnte einige wenige Großinvestoren mit einer Verkaufsorder bereits die Blase zum Platzen bringen. Der volkswirtschaftliche Schaden wird sich in diesem Falle jedoch in Grenzen halten. Nimmt man alle Goldbarren zusammen, die weltweit als Wertanlage gehortet werden, ergibt sich ein Gegenwert von rund 1.316 Milliarden US$. Bei einer Kurkorrektur auf vertretbare 400 US$ pro Unze entstünde somit ein Spekulationsverlust von rund 1.000 Milliarden US$. Natürlich gilt auch hier die Börsenweisheit, nach der das Geld nicht weg ist, sondern nur jemand anderem gehört – den Profis, die momentan den Preis treiben. Goldfinger wäre sicherlich neidisch auf diesen Billionencoup. Fragt sich nur, wer nach dem Platzen der Goldblase die Anzeigen auf den „Panik-Seiten“ im Internet bezahlt?

Tags: PR

May 04 2011

Es gibt PR-Journalisten, PR-Wissenschaftler, PR-Schriftsteller, abrufbare PR-„Persönlichkeiten“ und Medien, die die PR-Geschichten transportieren

Immer wieder bekommen wir Anschauungsmaterial für diese Beobachtungen frei Haus geliefert: Gestern Abend im heute journal zum Beispiel den so genannten Wissenschaftler Herfried Münkler mit dem Versuch, Angela Merkel herauszuschlagen, gestern am Tage den deutschlandweit bekannten Bernd Raffelhüschen, immer zur Stelle, wenn es um die Privatisierung sozialer Sicherungssysteme geht, vor ein paar Tagen den Schriftsteller Peter Schneider und täglich ein Sortiment von PR-Journalisten bei Spiegel Online und anderen Medien. Albrecht Müller.

Wir machen darauf aufmerksam, damit Sie auf die PR Geschichten nicht herein fallen und damit Sie Ihre Freunde und Bekannten auf dieses Unwesen aufmerksam machen. Manch einer hat ja schon gemerkt, dass Journalisten sich für PR-Geschichten einspannen lassen. Dass sich auch Wissenschaftler und Schriftsteller und andere so genannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens in Kampagnen der Meinungsbildung einbringen oder eingebracht werden, ist vielen unter uns nicht bewusst. Deshalb die folgenden aktuellen Beispiele und vorweg noch ein paar Hinweise zum Hintergrund:

PR ist nicht neu aber wohl enorm gewachsen

Zum ersten Mal wurde ich damit konfrontiert, als mir 1969 die Mitarbeiterin eines befreundeten Bonner Journalisten andeutete, dass das Gehalt ihres Chefs als Korrespondent seiner Zeitung nur das Zubrot sei. Die Hauptsache verdiene er durch das Schreiben von Geschäftsberichten, Broschüren anderer Art und durch Moderation von Veranstaltungen bei Unternehmen und Verbänden. Die Honorare für das Schreiben der Texte waren dabei so üppig, dass man sie nicht als Honorare für die Texte betrachten konnte, sondern als Entgelt für eine freundliche Berichterstattung und Kommentierung in den Medien, für die er arbeitete.

Ich wurde dann ein zweites Mal am Jahresende 1969 damit konfrontiert, als ich die Leitung der Öffentlichkeitsarbeit der SPD übernahm und mein Vorgänger mir ans Herz legte, mit den gewaltigen Zahlungen an einen Agenturjournalisten fortzufahren, mit denen er zu Beginn des Wahlkampfes 1969 begonnen hatte. (Ich bin diesem Ratschlag übrigens nicht gefolgt.)

Inzwischen hat die Bedeutung von Public Relations gewaltig zugenommen. Darauf wurde im Laufe der jüngeren Geschichte immer wieder hingewiesen. Aus meiner Sicht am eindrucksvollsten von dem Sozialwissenschaftler McChesney in seinem Werk „Rich Media Poor Democracy“. Er beschreibt dort das Zusammenspiel von Wallstreet und Madison Avenue – ein Zusammenspiel, dessen Opfer die amerikanische und deutsche Politik bis heute ist, eben unfähig zu einer Zähmung der spekulierenden Finanzwirtschaft.

Heute muss man sich die Abläufe leider so vorstellen, dass die Presse- und Informationsarbeit zum Beispiel von großen verwenden, von Unternehmen der Energiewirtschaft und der Finanzwirtschaft und beispielsweise der Bundesregierung eng mit Public Relations Agenturen und PR-Journalisten in den Medien und PR-Wissenschaftlern verbunden ist. Wenn im konkreten Fall die Bundesregierung eine Botschaft von Gewicht unter die Leute bringen will oder wenn sie etwas schief laufendes korrigieren will, dann werden die gefälligen Institutionen und Personen eingeschaltet. Damit sind wir beim ersten Beispiel, dem Fall Münkler:

  1. PR Wissenschaftler

    Fall A: Herfried Münkler zu Bin Ladens Ende
    Die Bundeskanzlerin hat für ihren Beifall zur Tötung von Osama bin Laden nicht überall Beifall geerntet (siehe dazu den Beitrag von Wolfgang) . In jedem Fall schien es aus Sicht ihrer Presse- und Öffentlichkeitsarbeiter sinnvoll, ihre Bemerkung „Ich freue mich, dass es gelungen ist, Bin Laden zu töten.“ ins rechte Licht zu setzen, also nichts zurück zu nehmen oder zu korrigieren, sondern zu interpretieren. Wenn das ihr Pressesprecher Seibert tut, dann ist dies nur begrenzt wirksam. Da ist es gut, wenn man einen Wissenschaftler wie Herfried Münkler und einige Medien zum Transport seiner Interpretationskünste zur Verfügung hat. Also erschien bei Spiegel Online, diesem gehobenen Strichjungen der Journalistik, schon am 3. Mai ein Interview mit dem Politologen Münkler unter der Überschrift “Natürlich darf eine Demokratie töten“. Wörtlich zur Hauptsache:

    Münkler: Für Frau Merkel hat meiner Einschätzung nach die Frage der Rache keine große Rolle gespielt, ihre Aussage ist einfach eine verunglückte Äußerung. Sie zeigt die semantische Unsensibilität einer gelernten Naturwissenschaftlerin. Merkel hätte stattdessen etwa sagen können: ‘Ich freue mich, dass es gelungen ist, das Problem eines freiherumlaufenden Osama Bin Ladens zu lösen’ oder ‘Ich freue mich, dass mein Kollege Obama einen solchen Erfolg erzielt hat.“

    In anderen Blättern, wie zum Beispiel den Stuttgarter Nachrichten, wird der Ball aufgenommen.
    Im Heutejournal vom 3. Mai wird Münkler interviewt.(Hier unter der Überschrift „Darf eine Demokratie gezielt töten?“)

    Ich gehe davon aus, dass der Einsatz dieses so genannten Wissenschaftlers im konkreten Fall arrangiert ist oder dass er sich gerne zur Verfügung hält.

    Fall B Raffelhüschen zur Pflegeversicherung im Tagesspiegel:
    Dort heißt es am 3.5.2011:

    Raffelhüschen befürchtet Pflegekollaps mit Ansage.
    Der Finanzwissenschaftler Bernd Raffelhüschen hält Reformen in der Pflegeversicherung für dringend notwendig. Die von der Politik diskutierten Verbesserungsideen reichen seiner Ansicht nach nicht aus.

    Es ist allseits bekannt, dass der Professor aus Freiburg sich rund um die Uhr für die private Vorsorge in der Altersvorsorge, in der Gesundheitsvorsorge und bei der Pflegeversicherung engagiert und engagieren lässt. Es ist bekannt, dass er für Versicherungsunternehmen tätig ist. Auch die herausgehobene Markierung dieses Professors als PR-Wissenschaftler hält Medien jedoch offensichtlich nicht davon ab, ihm immer wieder eine Plattform zu bieten. Das alleine schon ist ein beachtlicher Vorgang.

    Fall C: Prof. Sinn.
    Genauso beachtlich ist der Umgang mit Professor Hans-Werner Sinn. Seine Fehlleistungen sind bekannt. Ein markantes Beispiel dafür ist seine groteske Fehlbewertung der Wettbewerbsfähigkeit der USA, die er noch im Jahre 2003 für überragend hielt. Seine Daueragitation zur Senkung des Lohnniveaus ist bekannt. Seine Vortragstätigkeit für Finanzdienstleister wie MLP ist bekannt. Die PR, die die Bild-Zeitung für ihn seit Jahren betreibt, ist ebenfalls bekannt. Umso erstaunlicher ist es, dass er in den Medien immer wieder zitiert und interviewt wird. Es ist erstaunlich, dass er in Volkshochschulen wie zum Beispiel in München auftreten durfte.
    Mit der Bild-Zeitung ist er so eng verbunden, dass diese Zeitung auch für seine Popularität sorgt. Sie nannte ihn den besten Ökonomen Deutschlands, sie setzte ihn in der Kampagne gegen die Griechenland-Hilfe ein (siehe hier) und macht wie jetzt mit einer PR-Story Reklame für Hans-Werner Sinn. Solche Storys sind die Basis für die Verwendbarkeit dieser PR-Wissenschaftler im weiteren Verlauf der Geschichte. Ihre Glaubwürdigkeit und Popularität muss gepflegt werden.

  2. PR-Schriftsteller
    Schriftsteller, Theaterleute, Künstler eignen sich sehr gut als Testimonials für die Öffentlichkeitsarbeit von Parteien und Personen. Jetzt wurde uns wieder einmal ein treffendes Beispiel auf den Tisch gelegt: Der Schriftsteller Peter Schneider wirbt für Schröders Reformpolitik und für den aufkommenden Kanzlerkandidaten der SPD Peer Steinbrück. Hier im Tagesspiegel wird das Stück unter der Glaubwürdigkeit heischenden Überschrift „Bekenntnisse eines Verwirrten“ und mit dem Einstiegstext: „Schriftsteller Peter Schneider über seine masochistische Treue zur SPD und einen echten sozialdemokratischen Beißer“ präsentiert. Den Tagesspiegel stört dabei nicht, dass der zitierte Schriftsteller nicht belegte Behauptungen wiederholt wie zum Beispiel jene, wir hätten einen Aufschwung und dieser sei Schröders „tapferer Agenda 2010 zu verdanken“. Es stört auch nicht, dass der Schriftsteller die Behauptung, Steinbrück sei ein „echter sozialdemokratischer Beißer“ an der Behauptung festmacht, Steinbrück sei der Richtige, um „das Treiben der Boni-Banker und ihres falschen Helden Josef Ackermann bloß zustellen“.
    Peter Schneider hat offensichtlich keine Ahnung von den wirklichen Abläufen. Er hat nicht einmal Steinbrücks Rolle bei der Übernahme der Milliarden Wettschulden von IKB und HRE wahrgenommen. Er hätte nur das gleiche Blatt, den Tagesspiegel, früher aufmerksam lesen sollen, um Steinbrück als Förderer der Spekulanten, der Hedgefonds und der Milliardenverluste deutscher Landesbanken kennen zu lernen. Dazu ein Beitrag im Tagesspiegel vom 26.11.2008, ein Artikel von Hans-Joachim Dübel. Dort heißt es:

    „Ackermann und Steinbrück sind schuld.
    Wer hat Deutschland in den Sog der Finanzkrise getrieben, die Politik mit ihren Landesbanken oder die Deutsche Bank? Die Antwort: Beide.“

    Das alles muss ein Schriftsteller nicht wahrnehmen, um als PR-Figur geeignet zu sein.
    Peter Schneider ist nur ein Beispiel. Er fällt nur dadurch auf, dass er des Öfteren eingespannt wird oder sich einspannen lässt.

  3. Jederzeit abrufbare PR Persönlichkeiten
    Es ist erstaunlich, mit welcher Regelmäßigkeit Personen, die eigentlich in der Sache nichts zu sagen haben aber als Blackboxes in bestimmte Kampagnen passen, für Interviews gefragt werden und in Talkshows auftreten dürfen: Baring, von Dohnanyi, Henkel usw. Ich glaube dabei nicht an Zufälle. Diese Personen sind mit ihren Rollen gesetzt. Sie haben wie zum Beispiel von Dohnanyi das Image eines Sozialdemokraten und sind deshalb immer geeignet, gegen andere Sozialdemokraten und Linke in Stellung gebracht zu werden. Baring hat das Image eines Kenners früherer Jahre und vor allem der sozialliberalen Koalition und eines objektiven Historikers. Dass er schon bei der Arbeit an seinem Werk über die sozialliberale Koalition im „Kämmerchen“ von Walter Scheel, dem damaligen von der FDP gestellten Bundespräsidenten saß und davon beeinflusst war, wird nicht mehr in Rechnung gestellt. Er wird als objektiver Beobachter des Zeitgeschehens präsentiert.
  4. PR Journalisten und Medien
    Dafür gibt es nun täglich neue Belege. Ich beschränke mich auf die Fortsetzung meines Berichtes vom 29. April über professionelle PR-Analysten. Ich hatte auf Artikel des Spiegel Online-Journalisten Sven Böll aufmerksam gemacht. Dabei ging es um die Förderung der Inflationsangst und der daraus folgenden Bereitschaft, in Edelmetalle einzusteigen. Sven Böll ist ein vielseitig begabter Journalist. Er schreibt auch über Bahnhöfe, zum Beispiel über Stuttgart 21 im Sinne der Befürworter von Stuttgart 21. Schon der Einführungstext lässt erkennen, für wen hier PR-Arbeit betrieben wird. Prüfen Sie den Text selbst. Sie werden schon unschwer erkennen, wie hier die Kosten eines Scheiterns hochgerechnet werden und im Sinne des Bahnchefs Grube und der Befürworter analysiert wird:

    01. Mai 2011, 07:07 Uhr
    Grün-Rot und Stuttgart 21

    Viel Geld, wenig Bahnhof

    Von Sven Böll

    Grün-Rot hat bei Stuttgart 21 einen Formelkompromiss gefunden. Doch wenn das Projekt scheitert, bleibt der Bahn keine Wahl: Sie muss auf Schadensersatz in Milliardenhöhe klagen. Dann wird es für Baden-Württemberg richtig teuer – und das Land hat noch immer keinen vernünftigen Bahnhof. 

    Hamburg – Bei der Lösung von Problemen ähnelt Rüdiger Grube Kanzlerin Angela Merkel: Der Bahn-Chef denkt Konflikte vom Ende her. Er überlegt, wie eine Lösung angesichts der gegensätzlichen Standpunkte wohl aussehen wird, spielt seine Optionen durch – und entscheidet sich meistens für die Alternative, die ihm am vernünftigsten erscheint.

    Diesem Muster folgte Grube auch nach der Landtagswahl in Baden-Württemberg. Mit den Grünen hat die profilierteste Anti-Stuttgart-21-Partei die Wahl gewonnen, für eine Mehrheit reicht es aber nur mit der Wir-sind-im-Prinzip-für-den-unterirdischen-Bahnhof-SPD.

    Dem Bahn-Chef war klar, dass beide Parteien angesichts ihrer Differenzen einen Formelkompromiss finden würden, der die endgültige Entscheidung über das riesige Infrastrukturprojekt vertagt. Entsprechend hielt er nichts davon, einfach weiterzubauen, also mit einem dicken Kopf gegen eine im Zweifel noch dickere Wand anzurennen. Auch ein Durchwurschteln war für ihn keine sinnvolle Alternative. Die Bahn hätte dann erstmal unter- statt oberirdisch weiterwerkeln müssen, damit es nicht auffällt.

    Das war ein gemessen am Umfang des Materials kurzer Überblick über einige PR-Erscheinungen. Ich will nichts weiter erreichen, als bei Ihnen und Ihren Bekannten und Freunden anzuregen, dass Sie mit Hilfe des Suchrasters PR bei Medien, bei Wissenschaft, bei Künstlern und bei Schriftstellern vorsichtig mit ihrem Glauben umgehen. „Mit dem Wissen wächst der Zweifel“ – so Johann Wolfgang von Goethe.

Tags: PR

February 03 2011

Alle Menschen sind gleich, wer über viel Geld für PR verfügt, ist gleicher

Seit Jahren begleite ich in Gedanken den PR Berater und jetzigen WMP-Chef Klaus-Peter Schmidt-Deguelle. Ich bin ihm Anfang Mai 2003 bei Sabine Christiane begegnet und bewunderte ihn damals, wie er aus dem gescheiterten hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel den in den Medien rundum anerkannten „Spar-Kommissar“ gemacht hat. Schmidt-Deguelle hat jetzt den Auftrag, aus Carsten Maschmeyer einen ehrenwerten Zeitgenossen zu machen. Das ist nach den Beiträgen von Panorama über die Machenschaften von Maschmeyer, Riester und Rürup und ihren noch prominenteren Partnern Wulf und Schröder nötig. Siehe dazu zum Beispiel Anlage 1. Da ich Klaus-Peter Schmidt-Deguelle bewundere, kann ich mich in ihn hineindenken und seine Strategie in Gedanken lesen. Albrecht Müller.

Seit vergangenen Montag habe ich seine Strategie im Kopf. Ich wollte aber abwarten, bis die ersten Belege für die Richtigkeit meines Fantasieproduktes erschienen sind. Das ist jetzt so. Siehe Anlage 2 – ein Interview in der „Zeit“. Auch in der Bild-Zeitung Hannover erschien diese Woche schon ein Beitrag mit Maschmeyer. Wunderbar gestreut.

Jetzt also zur Strategie der PR Berater von Carsten Maschmeyer:

  1. Das Ziel von Schmidt-Deguelle: Er möchte in der Öffentlichkeit von Carsten Maschmeyer das Bild eines seriösen Geschäftsmannes aufbauen. Dazu gehört zunächst einmal die Bündelung der Aktivitäten zur Verbesserung des Images von Maschmeyer bei WMP.
  2. Dazu gehört zweitens eine schonungslose Analyse dessen, was in den letzten Wochen schief gelaufen ist. So war das Vorgehen von Maschmeyer/AWD im Vorfeld der Ausstrahlung des Filmes von Christoph Lütgert eine einzige Katastrophe. Es ist ein Kardinalfehler gewesen, die Intendanten der ARD-Fernsehsender mit umfangreichen Schreiben des Hamburger Medienanwalts Matthias Prinz zu bombardieren, um eine Ausstrahlung zu verhindern. Erst diese Aktion hat zu einem Schulterschluss der Intendanten geführt, die in der Öffentlichkeit diesem Druck nicht nachgeben konnten. Eine völlig kontraproduktive Aktion, denn damit hat man jede Chance vertan, die Ausstrahlung des Films zu verhindern. Diese Aktion hat zudem dazu geführt, dass der Film erst richtig bekannt wurde, eine breitere Öffentlichkeit erreichte und zu einer sehr großen Zuschauerresonanz führte.
  3. Es ist wichtig, Maschmeyers und seiner Lebensgefährtin Veronica Ferres Präsenz in den Medien und der Öffentlichkeit etwas zurückzunehmen. Die Beiden sollten öffentliche Veranstaltungen, rote Teppiche und das Blitzlichtgewitter der Fotografen möglichst meiden. Falls Maschmeyer an wichtigen Veranstaltungen trotzdem teilnehmen möchte, solle er nicht den roten Teppich wählen, sondern den Neben- oder Hintereingang benutzen.
  4. Das Image des seriösen Geschäftsmann kann man durch Interviews in als seriös geltenden Blättern aufbauen. Wünschenswert wären zum Beispiel Interviews im Spiegel oder in der Süddeutschen Zeitung oder auch in der Zeit. Aufgrund des großen Einflusses von Schmidt-Deguelle und der Verankerung von WMP im PR Netz der Journalisten wird dies möglich sein. Ein erstes Interview ist in der „Zeit“ erschienen. Dieses enthält durchaus ein paar leicht kritische Fragen, aber wichtig für die Imagebildung ist das in einer Frage enthaltene Element, dass der Film des NDR/Panorama nichts Neues gebracht habe. Das ist zwar richtig, wenn man zum Beispiel mit einbezieht, was in der NachDenkSeiten zum Thema private Altersvorsorge erschienen ist. Es ist aber bei weitem nicht richtig, wenn man die gängige Veröffentlichungspraxis und Meinungsmache zum Thema private Altersvorsorge und demographischer Wandel betrachtet. Im großen Strom der Medien taucht die im Film konkret dargestellte und belegte politische Korruption eben nicht auf. Es taucht nicht das Thema Drehtüreffekt auf. Dass nämlich Maschmeyer Schröder hilft, Spitzenkandidat der SPD und damit Bundeskanzler zu werden und Schröder ihm wie auch den anderen Partnern der Finanzindustrie die Entscheidung zur Förderung der Privatvorsorge verschafft. Und vieles mehr.
  5. Maschmeyer hat mit seinem großen Vermögen auch einige soziale Projekte mitfinanziert. Sogar im Film vom Panorama wurde das dargestellt. WMP wird dafür sorgen, dass in den Medien Geschichten über dieses soziale Engagement erscheinen. Die Negativschlagzeilen müssen auf diese Weise überlagert werden. Das ist auch möglich, vor allem dann, wenn über ein Medium wie die Bild-Zeitung die Agitation pro Maschmeyer und AWD weiterläuft.
  6. Wichtig sind im Gesamtkontext auch die Aktivitäten anderer Spieler im großen Spiel der Privatvorsorge. Dazu gehört zum Beispiel der Auftritt von Riester und – vorgesehen – auch Steinbrück bei der großen Veranstaltung von „Fonds professionell“ in Mannheim. Siehe Anlage 3.

Soviel zur erdachten Strategie von WMP zur Images-Aufbesserung von Carsten Maschmeyer. Sie werden vermutlich erleben, dass vieles davon umgesetzt wird.

Bitte machen Sie anhand der Ihnen begegnenden Medienprodukte zum Thema darauf aufmerksam, dass dies bezahlte Meinungsmache ist. Nur dann, wenn Sie in einem so konkreten Fall auf die PR hinweisen, wird ihre Wirkung entschärft und wir werden wenigstens tendenziell alle gleich.
 
Anlage 1:

Selbstdemontage

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und AWD-PR-Chef Belá Anda (links) ist das Lachen vergangen.
(Foto: ddp)

AWD-Gründer Carsten Maschmeyer und AWD-PR-Chef Belá Anda (links) ist das Lachen vergangen.
Carsten Maschmeyer hat sein Image nachhaltig ramponiert. Was eine NDR-Reportage von Christoph Lütgert nicht schaffte, erledigte der AWD-Gründer selbst, weil er Medienanwalt Matthias Prinz freie Hand ließ. PR-Chef Béla Anda saß dabei zwischen den Stühlen. Nun soll WMP Eurocom das Desaster beheben.
Quelle: PR-Magazin

Anlage 2:

Carsten Maschmeyer “Ich verstecke mich nicht”
Ein Film im Ersten unterstellte Carsten Maschmeyer üble Methoden. Der Gründer des Finanzdienstleisters AWD setzt sich zur Wehr. Ein Interview
(…)
Quelle: ZEIT Online

Anlage 3:

Flammendes Plädoyer für die private Altersvorsorge
2.2.2011 – Auf dem Fondskongress 2011 sprach der ehemalige Bundesminister Walter Riester über die Bedrohung der staatlichen Pensionssysteme durch die zunehmende Globalisierung der Finanzmärkte und die Notwendigkeit von privater Vorsorge. Neben zahlreichen aktuellen Fachvorträgen wurde Fonds Finanz vor Fondsnet und Jung DMS & Cie. im Rahmen der Veranstaltung zu den besten Pools aus Vermittlersicht gekürt.
(…)
Quelle: www.versicherungsjournal.de

November 27 2010

November 11 2010

02mydafsoup-01

Deutschlandfunk - Analogkäse schmeckt besser!


Das Feature  09.11.2010 · 19:15 Uhr
Studiomikrofon (bild: deutschlandradio)
Studiomikrofon (Bild: Deutschlandradio)

Analogkäse schmeckt besser!

Wie sich Public Relation als fünfte Gewalt etabliert

Von Jörg Wagner

Eine mächtige Branche führt im professionellen Auftrag Millionen von Menschen ungestraft hinters Licht. Täuschen, tricksen, tarnen, das ist das Handwerkszeug der PR-Profis in konventionellen Print- und Funkmedien und neuerdings auf Blogs und in Internetforen. Meinungshoheit über ein aktuelles politisches oder wirtschaftliches Vermarktungsthema: Dafür kämpft die fünfte Gewalt. Bei der Bahnprivatisierung ging es mit gefälschten positiven Bürgermeinungen nur um viel Geld, in der Politik geht es um die Basis von Demokratie, um Transparenz.

Unauffälligkeit ist ein wesentliches Prinzip der PR-Branche! Peter Voss beispielsweise, ehemaliger ZDF-Journalist und späterer Intendant des Südwestrundfunks, hat, öffentlich kaum bemerkt, die Seiten gewechselt. Seit 2009 ist er Präsident der privaten Quadriga-Hochschule Berlin, die sich darauf spezialisiert hat, Techniken zu vermitteln, PR umfassend in Wirtschaft, Politik und Medien zu platzieren.

Regie: Wolfgang Rindfleisch

mp3

Produktion: !RBB/DLF 2010

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May 25 2010

TD | td-architects.eu

[A rather uncommon homepage concept for this site - oanth]
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March 21 2010

02mydafsoup-01
Der Regensburger Bischof Gerhard Ludwig Müller hat den Medien in Zusammenhang mit den Missbrauchsfällen eine Kampagne gegen die Kirche vorgeworfen. Der Bischof rückte die laufende Berichterstattung in die Nähe der kirchenfeindlichen Haltung der Nationalsozialisten. "Jetzt erleben wir wieder eine Kampagne gegen die Kirche", sagte Müller am Samstagabend nach Informationen des Bayerischen Rundfunks in einer Predigt im Regensburger Dom.
Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche - Regensburger Bischof hetzt gegen Medien - Politik - sueddeutsche.de
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March 07 2010

02mydafsoup-01

06756.pdf



[...]

11 Fazit: Klare und ehrliche politische Kommunikation braucht kognitive Transparenz


Ein Abgesang auf Fakten und Zahlen, auf die Relevanz politisch-gesellschaftlicher Realitäten? Eine Aufforderung zum professionell gemachten Spin, der sich aktueller Erkenntnisse der Neuroforschung bedient? Ein Schritt weg von den eigentlichen Themen, den Sach- und Fachfragen der Politik, hin zu einem emotiven Wahlkampf? Keinesfalls. Fakten sind zentral in der Politik. Aber ihre Bedeutung kann nicht außerhalb neuronaler Schaltkreise vom Gehirn berechnet werden. Dieser Artikel hat anhand ausgewählter Beispiele der EU-Kampagnen die Bedeutung von Sprache für den politischen Willensbildungsprozess nachgezeichnet und gezeigt: Jeder Fakt wird in der politischen Kommunikation – immer, ob man sich dessen bewusst ist oder nicht – zusammen mit einem gedanklichen Frame angeboten. Und wer Framing auf ein Instrument zum Erwecken positiver oder negativer Emotionen bei der Wählerschaft reduziert, der mag zwar auf kurze Sicht gute Slogans entwickeln. Doch kognitive Transparenz sieht anders aus. Eine politische Kommunikation der kognitiven Transparenz zu führen bedeutet, sich als Partei die eigenen grundlegenden Wertevorstellungen und verinnerlichten Denkmuster bewusst zu machen, um dann einzelne Vorhaben in dieses Wertesystem einordnen und entsprechend kommunizieren zu können. Denkmuster deutscher Parteien stehen notgedrungen in engem Zusammenhang mit historischen sowie aktuellen gesellschaftlichen und politischen Strukturen. Sie aufzudecken ist eine längerfristige, nicht über Nacht lösbare Aufgabe. Es ist aber eine Arbeit, die für Parteien wie Bürger von großer Bedeutung ist. Es wird für die politische Debatte in Deutschland ein Gewinn sein, wenn die Parteien im Bundestagswahlkampf 2009 und darüber hinaus die in diesem Artikel vorgestellten Erkenntnisse der Neuro- und Sprachwissenschaft zugunsten einer klaren und ehrlichen Kommunikation ihrer unterschiedlichen politischen Werte- und Denkmuster beachten.



Entnommen:


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Reichlich verspätet, gilt es leider vorab anzumerken, dass dergleichen Selbstverständlichkeiten auf öffentlichen Politik-Plattformen Aufmerksamkeit erlangen - in der Kognitionspsychologie und Kognitionslinguistik sind das letztendlich alte Hüte, um nicht zu sagen Gemeinplätze! Übrigens, die Begrifflichkeit, die hier gewählt wurde, "Neuro-Linguistik", erscheint mir im Hinblick auf die fachübergreifende Thematik anbetrachts des weiten Spektrums der kognitionsorientierten Wissenschaften zu eng.

Grundsätzlich zeigt sich wieder einmal mehr, wie unsere Parteienlandschaft aus geschlossenen Meinungs-Zirkeln bis hinunter in die Jugendorganisationen und parteizugehörigen Denkfabriken besteht, in denen man urplötzlich zumindest nach außen mit großem Trara Neuland zu betreten vorgibt, was letztendlich bei jedem akademisch Gebildeten nur Unmut hervorrufen muss - warum mittlerweile 15 bis 20 Jahre ungenutzt ins Land gingen, ohne das Potential, das in der zeitgenössischen Geistes- und Sozialwissenschaft schlummert, produktiv umsetzen zu können. Nein, neoliberal war die große Leitlinie, und wer auch immer aufmuckte, fallspezifische Differenzierungen, historisches Hintergrund- und aktuell erhobenes Datenwissen, sowie - wie hier geschehen - fachübergreifende Lösungsansätze einforderte, wurde besserwisserisch getadelt, auf später vertröstet oder, gar nicht selten, mit unverholenem Zynismus abgefertigt.

Um nicht missverstanden zu werden: es ist selbstredend anzuraten, in das Papier einen Blick zu werfen.

oanth - muc - 20100307

February 25 2010

02mydafsoup-01

zum Rücktritt von Frau Käßmann

auf Twitter:

@janschmidt "Wäre Frau Käßmann wie Herr Rüttgers, dann hätte das Auto zurücktreten müssen." (Leser auf Zeit Online) :-)
Reposted bykrekk krekk
02mydafsoup-01
Ich würde nicht einmal sagen 'Bigotterie', was sicherlich in Teilen ebenso zutrifft, viel entscheidender erscheint mir die Kritik an der institutionalsierten Unaufrichtigkeit, am Glauben, alles im Vertrauen auf die Trägheit des Kurzzeitgedächtnisses der öffentlichen Meinung unter den Teppich kehren zu dürfen, den die katholische Kirche ohne jeglichen Skrupel unter Inanspruchnahme des Bußsakramentes einsetzt.


oanth - muc - 20100225

February 23 2010

Gurafiku

   

Japanisches Grafikdesign des zurückliegenden Jahrhunderts:

   

Japanischer Magazintitel: Takarazukagraph (1940), coole Katze.

.

Japanische Streichholzschachtel-Etiketten: Großstadtfrauen.

     

Japanische Neujahrskarten: Atsuo (1932), Art Deco.

         

(Gefunden bei Gurafiku)

Reposted fromglaserei glaserei
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