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September 17 2013

September 04 2013

Jöran Muuß-Merholz: „Lehrer brauchen eine Flatrate-Regelung für Kopien“

Drei Fragen zur Zukunft des Urheberrechts* an Jöran Muuß-Merholz, Diplom-Pädagoge in Hamburg. Er kritisiert die fehlenden Verwendungsoptionen bei „digitalen Schulbüchern“ und ermuntert zum Experimentieren mit offenen Lehrmaterialien. Mit den jetzigen Regelungen für Kopien an Schulen müssten Lehrer zu unfreiwilligen Urheberrechtsexperten werden.

iRights.info: Sie beschäftigen sich mit offenen Lehrmaterialien und freien Schulmedien, auch als Open Educational Resources, kurz OER bekannt. Braucht Deutschland mit seinen vielen tradierten und gut aufgestellten Schulbuchverlagen wirklich neue Anbieter weiterer Lehrmedien?

Jöran Muuß-Merholz ist Diplom-Pädagoge und betreibt mit einem kleinen Team die Agentur „J&K - Jöran und Konsorten“  Foto: Ralf Appelt, CC BY

Jöran Muuß-Merholz ist Diplom-Pädagoge und betreibt mit einem kleinen Team die Agentur „J&K – Jöran und Konsorten“  Foto: Ralf Appelt, CC BY

Jöran Muuß-Merholz: Es stimmt, Deutschland hat eine gute Schulmedien-Verlagslandschaft, da stellt sich die OER-Frage eigentlich weniger. OER zielt ja in der Ursprungsidee auf Entwicklungsländer ab, dort geht es um den grundsätzlichen Zugang zu Lehrmedien. Und in den USA, wo Lehrmedien sehr teuer sind, stellt sich die Frage noch einmal anders. Gleichwohl gibt es in Deutschland drei Aspekte, die für OER sprechen.

Erstens: Man lernt besonders gut, wenn man möglichst viel mit dem Lehrmaterial anstellen kann. Bei kleinen Kindern sind es beispielsweise Klötzchen zum Legen und Bewegen, aber auch Erwachsene lernen besser, wenn sie die Inhalte de- und rekonstruieren können.

Leider kann man mit den unter dem verlagsübergreifenden Portal „Digitale Schulbücher“ angebotenen Titeln so gut wie gar nichts machen, allenfalls Notizen oder Markierungen hinzufügen. Damit kann man aber nichts mehr anfangen, wenn die erworbenen Lizenzen ablaufen, in der Regel nach einem Jahr. Das führt zu einer paradoxen Situation, denn gerade digitale Vorlagen eignen sich ja eigentlich ganz besonders dafür, sie zu zerlegen und weiter zu verwenden. Lehrer sind seit jeher Remix-Künstler und suchen sich stets ihre Quellen, und nun auch verstärkt im digitalen Bereich. Die genannten Restriktionen erhöhen also den Bedarf für OER-Titel, bei denen freie und vielfältige Weiterverwendung möglich ist.

Zweitens wird von den Lehrern erwartet, dass sie „binnen-differenzieren“: Sie sollen ihren Unterricht dem jeweiligen Lerntempo und Wissensstand der Schüler anpassen, und dafür müssen sie auch die Vorlagen und Aufgaben entsprechend individualisieren können. Noch notwendiger wird diese Anpassungsleistung durch die Inklusion, hierfür müssen die Materialien auf die jeweiligen Lernfähigkeiten und bezüglich der Schwierigkeitsstufe hin justiert sein. Eigentlich sind digitale Medien auch dafür gut geeignet, doch es gibt zu viele Einschränkungen, was meist mit den Nutzungsrechten zu tun hat.

Drittens betrachten Pädagogen es als hohes Gut, im Team zu arbeiten. Das betrifft zunehmend auch die Lehrer-Kollegien an den Schulen. Um fächerübergreifend zu lernen oder Lehrmedien kollektiv und verteilt zu nutzen, wäre es hilfreich, sie freier verwenden zu können. Das war bei analogen Lehrmedien normal und nicht in Frage gestellt, es gab ein eingespieltes System – doch für die digitalen Medien ist die Situation nun viel unsicherer geworden.

iRights.info: Wo sehen Sie also in Bezug auf OER dringenden Handlungs- oder Reformbedarf beim Urheberrecht?

Jöran Muuß-Merholz: OER ist eigentlich schon jetzt und ohne Urheberrechtsreform möglich. Durch die genannten Restriktionen mit digitalen Schulbüchern aus den Verlagen sind viele Lehrer verunsichert und lassen die Finger von allem Digitalen. Auch der Schultrojaner, der die Schulen zu bestimmten Vereinbarungen zwang, erhöhte die Skepsis gegenüber digitalen Lehrmedien.

Ab dem 1. Januar 2013 sind zwar einige Erleichterungen eingeführt worden, etwa die Erlaubnis, bis zu 10 Prozent eines Lehrbuchs für den Einsatz im Unterricht digital vervielfältigen zu dürfen. Doch im Grunde bräuchten die Lehrer heute eine Flatrate-Regelung, um sich nicht bei jedem Buch oder Arbeitsheft um Rechte und Verwendungsoptionen kümmern zu müssen. Dazu kommt, dass die Verlage für Material, dass vor 2005 veröffentlicht wurde, keine Rechte für digitale Vervielfältigung haben. Es ist den Lehrern aber nicht zuzumuten, nach der Jahreszahl einzelner Inhalte zu recherchieren. Sie sollen guten Unterricht vorbereiten und abliefern – und keine Experten für Urheberrechtsfragen werden.

Auch Regeln, nach denen bestimmte Materialien nur auf USB-Stick oder CD verteilt werden dürfen, jedoch nicht per Lernplattformen wie Moodle, sind altmodisch und wirken auf digitalaffine Lehrkräfte wie eine angezogene Handbremse. Hier muss mehr passieren. Aus der Sicht eines Lehrers müssen Lehrmedien also möglichst große Freiheiten im Umgang mit den Inhalten bieten, und dies müssten entsprechende Urheberrechtsregelungen unterstützen.

iRights.info: Wie sollen sich freie Schulmedien finanzieren? Woher sollen gute Autoren und Produzenten, woher ausreichende Qualität der Titel kommen, wenn die Titel nichts einbringen?

Jöran Muuß-Merholz: OER erlaubt zwar freie Verwendung der Inhalte, muss aber nicht kostenfrei produziert werden, im Gegenteil: die Bezahlung für Entwicklung und Produktion eines Titels steht außer Frage. Welche Geschäftsmodelle allerdings für die Finanzierung die richtigen sind, darauf hat momentan niemand eine eindeutige Antwort, ich zähle mal vier Möglichkeiten auf.

Beispielsweise könnte ein Bundesland per Ausschreibung vorgehen, um darauf dann Entwicklung und Produktion nach vorher festgelegten Bedingungen zu bezahlen. Das ist aber etwas problematisch, denn sobald ein kostenloses Mathebuch vorliegt, geraten die anderen Anbieter vermutlich ins Hintertreffen. Dazu käme, das bereits jetzt interessengeleitete Anbieter auf den Markt drängen, also Unternehmen oder Verbände, die freies, kostenloses Material haben und dort auch Geld reinstecken, wobei da gewiss auch brauchbare Medien dabei sein können.

Ein anderes Modell wäre eine Art staatliche Stelle für Lehrmedien, in die viel Geld fließt. Doch da wäre ich hinsichtlich der Qualität und der Vielfalt extrem skeptisch.

Als dritter Weg liesse sich vielleicht die Situation mit freier Software betrachten. Bei vielen Open-Source-Programmen ist die Verwendung frei, doch darum herum verkaufen viele Anbieter erfolgreich Dienstleistungen. Dementsprechend könnten die Schulmedienverlage als Dienstleister fungieren, die Erlöse damit erzielen, Inhalte zusammenzustellen, zu prüfen, an die Lehrpläne anzupassen, sie zugänglich zu machen und zusätzliche Services für Lehrer anzubieten. Doch das sehe ich in einer fortgeschrittenen Welt, wenn die Transformation zu komplett digitalem Lernen vollzogen ist, aber nicht für 2013 oder 2014.

In dieser Zukunft wird auch das Flatrate-Modell interessant. Tatsächlich bietet die Klett-Gruppe mit meinunterricht.de ja bereits jetzt eine entsprechende Plattform für Lehrer, sogar für eine Flatrate. Ob das auf Dauer genügende Erlöse bringt, bleibt abzuwarten, aber ich halte es für eines der aussichtsreicheren Modelle. Das ist aber im Kern kein OER, nur ein Baustein für ein komplexeres System.

Ein vierter Weg wäre, die Inhalte für Schulmedien in der Community erstellen zu lassen, wie es die „Zentrale für Unterrichtsmedien im Internet (ZUM)”, die „Religionspädagogische Plattform im Internet“ oder die Plattform „Selbstgesteuert entwickelnder Geschichts-Unterricht” und andere bereits praktizieren. Doch da bin ich nicht besonders euphorisch, weil es einfach keine genügend große Basis gibt, die massenhaft brauchbares Material ins Netz stellt. Lehrer sind zwar für sich und ihre  Unterrichtszwecke großartige Produzenten. Aber es ist überhaupt nicht zu sehen, dass sie das massenhaft im Netz austauschen. Die schwierige Rechtslage ist da nur ein Grund unter mehreren.

Generell ist aus meiner Sicht für OER Experimentieren angesagt. Eine große, tolle, alle Probleme lösende Antwort gibt es nicht.

*In eigener Sache: Am 6. September veranstaltet die Initiative Urheberrecht zusammen mit dem iRights Lab den Urheberkongress 2013. In dieser Reihe befragt iRights.info Referentinnen und Referenten des Kongresses zur Zukunft des Urheberrechts.

August 13 2013

OER-Studie: Urheberrecht ist keine Hürde für mehr offene Bildungsmaterialien

In eigener Sache: Offene Lehr- und Lernmaterialien können schon jetzt auf der Basis des geltenden Urheberrechts umgesetzt werden, neue gesetzliche Regelungen sind für diesen Zweck nicht nötig. Das ist eines der Ergebnisse der Studie „Open Educational Resources (OER), Open Content und Urheberrecht”. Till Kreutzer von iRights.Law hat sie im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung erstellt.

Untersucht werden die verschiedenen Modelle und Definitionen von Open Educational Ressources sowie die damit verbundenen Vertrags- und Lizenzfragen. Auch wenn die Wahl der Lizenz von der zugrundeliegenden Strategie abhängt, spricht vieles dafür, offene Bildungsmaterialien unter Creative-Commons-Lizenzen zu veröffentlichen und neue Insellösungen zu vermeiden, argumentiert die Studie.

Das Urheberrecht wurde in den letzten Jahren bereits angepasst, um auch freie Lizenzen im geltenden Recht zu verankern und ihre Funktionsfähigkeit zu sichern; etwa mit der Linux-Klausel, nach der Urheber eine unentgeltliche Lizenz für jedermann einräumen können. Die Schrankenregelungen für Forschung und Lehre spielen für den OER-Bereich kaum eine Rolle, weil die Prinzipien von offenen Bildungsmaterialien weit darüber hinausgehen.

„Das Prinzip der Lizenzgebührenfreiheit bedeutet nicht, dass mit Open Content kein Geld verdient werden darf oder kann”, heißt es zum ökonomischen Potenzial von offenen Bildungsressourcen. Im Kern geht es auch bei freien Lizenzen im Bildungsbereich nicht darum, Kosten zu sparen, sondern eine freie Nutzung, Weitergabe und Weiterentwicklung zu ermöglichen, hält die Studie fest.

Die Studie ist beim peDOCS-Server und hier bei iRights.info (PDF) veröffentlicht.

March 12 2013

Freie Lernmaterialien fördern – Anhörung im Landtag Nordrhein-Westfalen

Am 13.03.2013 führt der Ausschuss für Schule und Weiterbildung des Landtag Nordrhein-Westfalen eine öffentliche Expertenanhörung zum Thema Open Educational Ressources (OER) bzw. auf deutsch, zu freien Bildungs- und Lernmaterialien, durch. Der Anhörung liegt der Antrag der Fraktion der Piraten “Freie Lernmaterialien fördern!” mit der Drucksache 16/1253 (PDF-Dokument) zugrunde. Von iRights.info wird Philipp Otto als Experte vor Ort sein und Stellung nehmen.

Die Piraten streben im Antrag eine Förderung von freien Lernmaterialien durch das Land an. Dazu gehört:

a) in den Schulen über die Fragen von Urheberrechten im Zusammenhang von Nutzung, Erstellung und Austausch von Lernmaterialien zu informieren,
b) in den Schulen sowie durch die Medienberatung NRW für den Einsatz von Lernmaterialien unter freier Lizenz zu werben,
c) die gezielte Suche nach Lernmaterialien unter freier Lizenz in learn:line NRW möglich zu machen.

Die Anhörung wird via Livestream morgen ab 13.30 Uhr übertragen.

May 27 2012

Deutschland braucht digitale Lehrmittelfreiheit

In der deutschsprachigen Wikipedia heißt es zur Begrifflichkeit: “Lernmittelfreiheit oder auch Lehrmittelfreiheit heißt, dass Gegenstände in Bildungseinrichtungen, vor allem Schulbücher, aber auch andere Dinge wie Übungshefte kostenlos bereitgestellt werden.” Diese allgemeine Beschreibung fußt nach der Enzyklopädie auf Forderungen aus der Revolution von 1848. Damals wurde das erste Mal der Ruf nach einkommensunabhängiger Verfügbarkeit von Lehr- und Lernunterlagen laut. In der Folge wurde der Zugang zu Lehrmitteln in Bildungseinrichtungen in Deutschland auf verschiedene Art und Weise geregelt. Heute hat sich eine starke Marktkonzentration weniger Anbieter herausgebildet. So werden in Deutschland beispielsweise 90 Prozent aller Schulbücher von den drei großen Verlagen Klett, Westermann und Cornelsen bereitgestellt.

Durch die Digitalisierung wird aber auch diese Branche nun reagieren müssen. Und nicht nur die, der Ruf nach einer grundsätzlichen Neustrukturierung der Angebotspalette bei Übungs- und Lehrmaterialien wird wieder lauter. Wir stehen am Beginn einer Lehrmittel-Revolution. Diese Revolution beinhaltet drei Freiheiten: Die Freiheit kostenlos auf Lehrmaterialien zugreifen zu können, der flächendeckende Einsatz von freien Lizenzen und der zwingende Einsatz von freien Formaten. Allen die Angst vor allzuviel Freiheit haben, alle die den Text ab jetzt in das Reich der Phantasterei abschieben wollen sei dringend empfohlen weiter zu lesen. Der technische Fortschritt und die Möglichkeiten der Digitalisierung werden die Kultusministerin und die gesamte Gesellschaft zum Umdenken zwingen. Der Widerstand gegen diese Veränderungen bestehender Verlage und Interessensgruppen wird den technischen Fortschritt nicht aufhalten. Deswegen gilt es, diesen zu gestalten. Deutschland verliert hierbei gerade schon wieder den Anschluß. Und dies als selbsternannte Bildungs- und Wissenschaftsnation.

Der Wissenschaftler Dr. Leonhard Dobusch hat nun für das “Zentrum für digitalen Fortschritt – D64″ das White Paper “Digitale Lehrmittelfreiheit – mehr als digitale Schulbücher” (PDF) geschrieben. Tablet PC`s und E-Book-Reader werden die Art und Weise wie in Zukunft gelernt wird grundsätzlich verändern, so Dobusch. Die bisherigen Konzepte zum Einsatz dieser technischer Hilfsmittel beruhten bislang aber alleine auf den alten Konzepten der analogen Welt und schreibe die bestehenden Verhältnisse linear fort. Ein Paradigmenwechsel finde nicht statt. Dobusch entwirft eine Landkarte der bestehenden Konzepte und benennt die aktuellen Einsatzformen. Ein Beispiel ist dabei die Geburt neuer Player wie Apple die in den USA mit proprietären Formaten auf den Schulbuchmarkt drängen.

Dobusch konstatiert:

Lehrmittelfreiheit war immer schon mehr als der kostenlose Zugang zu Lehr- und Lernunterlagen. Es war auch das klare Bekenntnis, dass die möglichst umfassende Bereitstellung von Lehr- und Lernunterlagen eine öffentliche Aufgabe zur Verbesserung der Bildungs- und damit Chancengleichheit in einer Gesellschaft darstellt. Diese Ziele von Lehrmittelfreiheit gilt es in der digitalen Gesellschaft weiterhin anzustreben. Die Bandbreite an Mitteln und Wegen, mit denen sich eine Gesellschaft diesen Zielen annähern kann, ist dank neuer digitaler Technologien allerdings in den letzten Jahren deutlich größer geworden.

Er wirft auch einen Blick auf die internationalen Entwicklungen. Diese können für Deutschland Vorbildcharakter haben. Hinter den Grenzen von Deutschland firmiert die digitale Lehrmittelfreiheit unter dem Begriff “Open Educational Ressources”. Wegweisende Programme hat beispielsweise das Massachusstes Institute of Technology (MIT) in Boston (USA) mit dem Open-Courseware-Program aufgelegt.

Die Relevanz des Thema wird gerade erst bekannt. Dobusch identifiziert die USA, China und Südafrika als Vorreiter der Entwicklungen. Private Stiftungen in den USA wie die Hewlett Foundation oder die Bill & Melinda Gates Foundation haben bereits Millionenbeträge zur Entwicklung von freien Lehrinhalten bereitgestellt. Auch die US-Regierung hat die Relevanz erkannt und Anfang 2011 zwei Milliarden US-Dollar zur Entwicklung von freien Lehrmaterialien zur Verfügung gestellt. Deutschland und der deutschrachige Raum sind bei diesen Veränderungen Entwicklungsland und es droht, dass der Anschluß verloren wird.

Als größte Probleme in Deutschland identifiziert Dobusch:

1. Geringe Bekanntheit unter Lernenden, Lehrenden und Bildungseinrichtungen sowohl von freien Lizenzen im Allgemeinen als auch von OER-Ansätzen im Speziellen.
2. Bislang keine nennenswerten Investitionen der öffentlichen Hand in den Aufbau eines Pools an frei lizenzierten Lehr- und Lernunterlagen, sowie keine Reform von Beschaffungsprozessen in Ländern mit Lehrmittelfreiheit
3. Kaum private Fördergelder für OER im Vergleich mit den USA sowie mit ärmeren Ländern, in denen Einrichtungen wie die Open Society Foundation in diesem Bereich aktiv sind.
4. Hinzu kommt der deutsche Bildungsföderalismus, der es erschwert, Größenvorteile zu nutzen sowie zentrale Initiativen im Bereich OER voranzutreiben.

Der Staat und die Gesellschaft stehen also vor drängenden Herausforderungen. Dobusch definiert drei aufeinander aufbauende konkrete Maßnahmen. Zunächst müsse in allen Bundesländern eine Machbarkeitsstudie angefertigt werden. Im Fokus stehen dabei folgende Fragen:

1. Welche Schritte in Richtung Open Educational Resources (OER) sind unter den gegebenen gesetzlichen Rahmenbedingungen möglich?
2. Welche gesetzlichen Hürden bestehen für OER und wie können sie abgebaut werden?

Als zweiten Schritt schlägt Dobusch eine Reihe von Pilotprojekten an Universitäten und anderen Bildungseinrichtungen vor. Auf die Pilotprojekte sollen sich die Einrichtungen im Sinne eines Wettbewerbs bewerben können. Die Pilotprojekte sollen auf den Erkenntnissen der Machbarkeitsstudien aufbauen. Zudem soll begleitend ein Kompetenzzentrum für offene Bildungsressourcen unter Federführung des Bundesministerium für Bildung und Forschung eingerichtet werden. Dieses solle insbesondere die zentrale Vergabe von Fördermitteln betreuen.

Das White Paper von Dobusch stellt einen Aufschlag für ein Umdenken in Deutschland dar. Gesellschaftliche, wirtschaftliche, bildungspolitische und soziale Gründe sprechen dafür, dass sich die Politik intensiv mit diesem Komplex beschäftigen sollte. Insbesondere muss dabei auch die Frage beantwortet werden, ob man aus Kostenersparnisgründen privaten Unternehmen, inklusive Einsatz von Geräten mit proprietären Systemen, den Erstzugriff auf die Ressource Bildungssystem und Wissenschaftslandschaft geben will oder ob der Staat diesen hochsensiblen Bereich nicht unter seine Obhut nehmen will.

Hier noch einmal der Link zu Dobusch` White Paper (PDF).

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