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January 18 2014

„The Day We Fight Back“: Konzertierte Web-Aktion gegen staatliche Massenüberwachung

Ein US-amerikanisches Aktionsbündnis will am 11. Februar einen breiten Protest gegen die staatliche Massenüberwachung initiieren. Mit „The Day We Fight Back“ wollen die Initiatoren zugleich an die Anti-SOPA-Proteste von vor einem Jahr anknüpfen und des verstorbenen Netz-Aktivisten Aaron Swartz gedenken.

Mit einem groß angelegten Aktionstag wollen zwölf US-amerikanische Bürgerrrechts-Initiativen, Organisationen, Unternehmen und Websites – darunter die Electronic Frontier Foundation, die Freedom of the Press Foundation, Freepress, boingboing und weitere – gegen die massenhafte Überwachung der Bevölkerung protestieren. Sie rufen dafür den 11. Februar vorab als den „Tag, an dem wir zurückschlagen“ aus.

Doch im Slogan „The Day We Fight Back – Against Mass Surveillance“ verankern sie zugleich die Erinnerung an den breiten, internationalen und als erfolgreich betrachteten Widerstand gegen die US-Gesetzentwürfe SOPA und PIPA. So schreiben sie auf der Website des Aktionstags:

Im Januar 2012 wehrten wir die Zensurvorhaben SOPA und PIPA mit dem größten Protest ab, den es im Internet je gab. … Heute sehen wir uns einem ganz anderen Angriff gegenüber, der nicht nur das Internet unterminiert, sondern auch unsere Vorstellung, wir würden in einer wirklich freien Gesellschaft leben – dem Angriff durch massenhafte Überwachung.

Darüber hinaus soll „The Day We Fight Back“ auch Aaron Swartz gedenken, einem international bekannten Netz-Aktivisten und treibendem Kopf der damaligen Anti-SOPA-Proteste:

„Würde Aaron Swartz noch leben, stände er heute in vorderster Front, um sich dagegen zu wehren, dass Regierungen unsere täglichen digitalen Verrichtungen beobachten, sammeln und analysieren.“

Um sich deutlich gegen die Überwachungen durch die  NSA auszusprechen, sollen am 11. Februar möglichst viele Mails und Anrufe aus der Bevölkerung direkt an die Abgeordneten des US-Kongresses gehen. Ziel ist es, die Politiker dazu zu bewegen, sich gegen den sogenannten FISA Improvements Act (Gesetz) auszusprechen und für den USA Freedom Act, sowie dafür zu sorgen, das Nicht-Amerikaner vor Überwachung geschützt werden.

Zwei  Gesetzesentwürfe zur Reform der Geheimdienstkontrolle

Der FISA Improvements Act ist die Vorlage des eigens eingerichteten US-Kongressausschusses, der die Geheimdienste kontrollieren soll. FISA steht für Foreign Intelligence Surveillance Act, ein  1978 beschlossenes „Gesetz zum Abhören in der Auslandsaufklärung“. Nach dem Aufdecken der NSA-Abhörpraktiken durch Edward Snowden soll der FISA Improvements Act eigentlich die Überwachung und Regulierung der US-Auslandsgeheimdienste reformieren. Doch in seiner jetzigen Form steht der Gesetzentwurf heftig in der Kritik. Er führe nicht dazu, die flächendeckenden Abhörpraktiken zu entschärfen.

Demgegenüber beabsichtigt der alternativ eingebrachte Entwurf für einen „USA Freedom Act” „die Beendigung von Lauschangriffen, Schleppnetz-Sammlung und Online-Überwachung“. Doch auch dessen Reformvorschläge gehen manchen nicht weit genug. Beide Gesetzesvorhaben sind zwar noch in der parlamentarischen Diskussion, doch schon weit genug, um beispielsweise die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) auf den Plan zu rufen. Die ACLU unterstützt den USA Freedom Act. Darauf beruft sich auch das Aktionsbündnis „The Day We Fight Back“ beruft und für den es die Bevölkerung gewinnen und aktivieren will.

Protest-Banner und -Layer für Websites und Profilbilder

twibbon

*Das „Twibbon“ für Avatare

Für den angestrebten Massenprotest gestalteten die Aktivisten Internet-Banner. Sie sollen von Personen, Firmen, Organsiationen, Initaitiven oder Institutionen platziert werden, etwa auf Webseiten,  Blogs oder Profilen in sozialen Netzwerken. Zudem legt das Bündnis eine Grafik mit dem Slogan „Stop the NSA“ vor. Diese soll man am 11. Februar über das eigene Profilfoto auf Social-Media-Plattformen oder bei Communities legen, um sich so dem Protest anzuschliessen.

Außerdem regt der Aufruf an, während des Aktionstages in sozialen Netzen – Hashtag: #StopTheNSA – und in Communities oder Foren ganz gezielt Themen und Links zu setzen. Beispielsweise auf der verbreiteten Bookmarking-Plattform Reddit, die zum Aktionsbündnis gehört – wie schon bei ähnlichen, vorangegangenen Initiativen – und den Protest nicht ganz ohne Eigennutz unterstützt. Gleichfalls, so die Organisatoren, könne man am 11. Februar Artikel zu NSA und Überwachung veröffentlichen oder entsprechende Events  organisieren.

January 17 2014

Krystian Woznicki: „Wie könnte Selbstermächtigung in Zeiten der digitalen Kontrolle aussehen?“

Am 25. und 26. Januar findet in der Volksbühne Berlin die Konferenz Einbruch der Dunkelheit statt, organisiert von der Kulturstiftung des Bundes. Sie ist eines von mehreren Events, die in Berlin zum Thema Netz in nächster Zeit stattfinden. Kurator des Programms ist Krystian Woznicki. Wir befragten ihn zu den Motiven der Konferenz, und wollten wissen, welche Wirkungen sie erzielen kann.

iRights.info: Sie kuratieren „Einbruch der Dunkelheit“. Warum halten sie diese Veranstaltung jetzt für notwendig?

Krystain Woznicki ist Gründer und Herausgeber der Online-Zeitung Berliner Gazette sowie als Buch-/Autor und Veranstaltungs-Kurator tätig.

Krystain Woznicki ist Gründer und Herausgeber der Online-Zeitung Berliner Gazette sowie als Buch-/Autor und Veranstaltungs-Kurator tätig.

Krystian Woznicki: Die durch die Snowden-Enthüllungen entfachte Debatte bietet eine einmalige Chance, wichtige gesellschaftliche Themen breitenwirksam zu diskutieren. Die Konferenz sieht Überwachung in einem breiteren Kontext als die bisherigen Diskussionen. Bislang wird das Thema weitgehend auf eine staatsrechtliche und verfassungsrechtliche Perspektive reduziert. Dieser Fokus ist zu eng gesetzt.

iRights.info: Was kann man Ihrer Auffassung nach mit solchen Veranstaltungen erreichen?

Krystian Woznicki: „Einbruch der Dunkelheit“ versucht die gesellschaftliche und kulturelle Dimension von Überwachung ins Blickfeld zu rücken. Was nützen die besten Gesetze, wenn die große Mehrheit in Deutschland keinen ausgeprägten Sinn für die aktuelle Konditionen von Privatheit hat? Was nützen transparentere Geheimdienste, wenn rundum digitalisierte Selbstausleuchtung unter anderem in sozialen Netzwerken zu einer neuen gesellschaftlichen Norm wird? Die Konferenz, die ich gemeinsam mit dem Berliner Gazette-Team kuratiert habe, versucht erforderliche Gesetzes- und Lifestyle-Korrekturen zusammenzudenken.

iRights.info: Man könnte bei Betrachtung des Programm sagen, es hat etwas von „zu den Bekehrten predigen“ – oder weshalb könnte die Veranstaltung eine größere Öffentlichkeit erreichen?

Krystian Woznicki: Hier kommen verschiedene Sektoren und Akteursgruppen zusammen, die sonst nicht miteinander an einem Tisch und teils eher aneinander vorbei reden: digitale Welt, Academia, Kultur, Subpolitik. Dieses grenzüberschreitende Moment ermöglicht den Blick über den Tellerrand, über Insider-Kreise hinaus.

iRights.info: Es ist ein sehr umfangreiches Programm, das viele interessante Ergebnisse erwarten lässt. Werden diese weitergehend genutzt oder veröffentlich?

Krystian Woznicki: Die Konferenz wird auf Video dokumentiert: Live-Videos von den öffentlichen Programmpunkten einerseits, ausführliche Interviews mit ausgewählten Speakern andererseits – in beiden Fällen ist DCTP.TV der Partner.

iRights.info: Wie erklären Sie eigentlich den Veranstaltungstitel? Was hat „Einbruch der Dunkelheit“ zu bedeuten?

Krystian Woznicki: Überwachung wird als ein Ausleuchtungsjob betrieben: Alles soll ins Licht gerückt, sprich: datentechnisch erfassbar gemacht werden. Dem stellt die Konferenz das vernachlässigte Gegenteil gegenüber. „Einbruch der Dunkelheit“ ist nicht zuletzt ein Was-wäre-wenn-Szenario und lädt zu einem Trockenschwimmen ein: wie könnte Selbstermächtigung in Zeiten der digitalen Kontrolle aussehen?

Lesen Sie hierzu auch das Interview mit Nikola Richter, Kuratorin der ähnlich gelagerten Veranstaltung Netzkultur – Die stumme Masse, die ebenfalls in Kürze in Berlin stattfindet.

Mit Kreativität gegen das digitale Misstrauen

„Netzkultur – Die stumme Masse“ ist nur eines von mehreren Events, die in Berlin zum Thema Netz in nächster Zeit stattfinden. Wir haben die Kuratorin Nikola Richter über die Hintergründe befragt.

iRights.info: Sie haben die Veranstaltungsreihe Netzkultur kuratiert. Was war der Anlass gerade jetzt ein solches Event zu machen?

Nikola Richter: 2013 war durch die Snowden-Affäre und das nun herrschende Gefühl der Dauerüberwachung eines jeden Bürgers ein Jahr der großen Netz-Enttäuschung. Sascha Lobo sprach ja gerade in der FAZ von der „digitalen Kränkung des Menschen“. Wir wollen uns mit der Netzkultur, die den bekennenden Untertitel „Freunde des Internets“ trägt, nicht von der Utopie des Netzes verabschieden, sondern zeigen, wie und wo man das Netz immer noch mitgestalten kann – und muss. Wir richten dabei den Blick besonders auf die digitalen Einflüsse innerhalb der Kultur, darauf, welche Strategien Künstler und Kulturschaffende wählen. Vielleicht kommt man nur mit Kreativität gegen das digitale Misstrauen an.

iRights.info: Was kann man mit einer solchen Veranstaltung erreichen?

Nikola Richter: Aufklärung, Bewusstsein, neue Bündnisse, Solidarisierung untereinander. Bei der ersten Netzkultur-Veranstaltung haben wir etwa einen Kryptographie-Workshop und einen Remix-Workshop angeboten, die beide gut besucht waren. Es geht ja auch darum, sich selbst zu ermächtigen. Nicht nur zu konsumieren. Sondern zu gestalten. Bei der Netzkultur am 18. Januar, die sich unter dem Titel „Die stumme Masse“ neuen Konzepten von Gemeinschaft widmet, geht es unter anderem um die Möglichkeit anderer Finanzierungsmodelle in der Kultur – durch E-Kampagnen –, um Liquid Feedback oder Social Media als künstlerische Intervention. Darüber spricht Geert Lovink.

iRights.info: Warum der Titel „Die stumme Masse“?

Nikola Richter: Weil die stumme Masse das Doppelgesicht des Netzes darstellt: Sie ist einerseits stumm (und vielleicht dumm), andererseits ist sie auch aktivierbar, sie hat Macht, sie greift ein, sie organisiert sich, oft selbst. Es sind viele, die hier mitdenken, -schreiben, -liken können. So wie das Netz weder gut noch schlecht ist, ist auch die Masse erstmal weder gut noch schlecht.

iRights.info: Ist das nicht „zu den Bekehrten predigen“? Kann man eine größere Öffentlichkeit erreichen?

Nikola Richter: Erstaunlicherweise ist das Netzthema ja kein Nischenthema mehr für ein paar vereinzelte Hacker und Nerds. Es ist da und wir alle sind drin. Ich bin mir absolut sicher, dass es eine größere Öffentlichkeit interessiert und erreichen kann. Nur Massen sind ja bekanntlicherweise etwas träge …

iRights.info: Was passiert mit den Ergebnissen?

Nikola Richter: Wir halten alles fest. Wir speichern alles! Nein, ohne Witz, wir versuchen wirklich, möglichst nachhaltig Inhalte zu produzieren. In einem kostenlosen digitalen Programmheft, das für jede Veranstaltung eigens als ePub und als PDF produziert wird, finden sich Extramaterialien der Referenten, downloadbar von unserer Website netzkultur.berlinerfestspiele.de/media. Dort werden wir auch Audiomitschnitte der Panels und Vorträge zur Verfügung stellen, ebenso Fotos, Presse- und Blogberichte. All dieses ist schon für die erste Netzkultur zu „Technologie-Evolutionen“ erhältlich, etwa die Vorträge von Juli Zeh und Frank Schirrmacher oder ein Gespräch zu technologischen Entwicklungen in der Musik mit dem Sample-Vorreiter Deutschlands Holger Hiller von „Palais Schaumburg“.

iRights.info: Worum geht es bei der Veranstaltung am 22. Februar?

Nikola Richter: Um digitale Identitäten, darum, wie Künstler ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis mit dem Netz oder über das Netz prägen. Der New Yorker Autor Tao Lin wird etwa das Internet in den Kontext der Menschengeschichte stellen, ausgehend von frühen Landwirtschaftskulturen (125.000 Jahre zurück) bis zu unserer Gegenwart und Zukunft, mit dem Fokus darauf, wie sich die Vorstellung von Privatsphäre verändert hat. Ebenso kommt der globale Nomade Momus für ein Konzert und die Verlegerin und Autorin Daniela Seel (kookbooks) gibt zusammen mit dem Lyriker Tristan Marquardt einen Workshop zum Dichten mit Google Translate oder Erasure-Services.

January 16 2014

Netzveranstaltungen in Berlin: Die stumme Masse, Einbruch der Dunkelheit, Afterglow

Internet-Konferenzen haben Konjunktur. Gleich drei Veranstaltungen finden in den nächsten zwei Wochen allein in Berlin statt: „Netzkultur: Die stumme Masse“ im Haus der Berliner Festspielen, „Einbruch der Dunkelheit“ in der Volksbühne Berlin und schließlich das diesjährige Transmediale-Festival mit „Afterglow“.

Foto:  © Ali Ghandtschi / Berliner Festspiele

Foto: (c) Ali Ghandtschi / Berliner Festspiele

Den Anfang machen die Berliner Festspiele mit der Bundeszentrale für politische Bildung am Samstag, dem 18. Januar. An diesem Tag findet der zweite Teil der „Netzkultur“-Reihe unter dem Motto „Die stumme Masse“ statt. Darin geht es um Netzcommunities, Social Media und um die Frage, wie Nutzer das Netz mitgestalten können. Es gibt Vorträge und Panels unter anderem mit Angela Richter (Regisseurin), Joseph Farell (Wikileaks), Paula Hannemann (change.org), John Ngo über Web-Communities und Geert Lovink (Internettheoretiker) und ein Konzert von Koenigleopold.

Der erste Teil fand am 30. November 2013 statt und war betitelt „Technologie-Evolution – Wo wir herkommen“ (die Dokumentation ist online). Der Termin für den nächsten Teil ist der 22. Februar.

Foto: “Metro Sleepers”, © Yanidel

Foto: „Metro Sleepers“, (c) Yanidel

Das Wochenende drauf – am 25. und 26. Januar – folgt die Konferenz „Einbruch der Dunkelheit“ in der Volksbühne Berlin.

Gäste wie Jacob Appelbaum, Evgeny Morozov, Dietmar Dath, Bruce Sterling, Federico Ferrari, Urs Stäheli, Eleanor Saitta, andcompany&Co. und viele anderen diskutieren Fragen wie „Wann sind Sicherheitstechnologien sinnvoll, wann werden sie gefährlich? Ist ein Verlangen nach Geheimnis und Dunkelheit angesichts der technischen Entwicklung nur ein anachronistischer Reflex? Erfordert eine demokratische Kultur freier Individuen nicht gerade die Einrichtung von Schutzräumen des Privaten und Ungeteilten?“.

Daneben gibt es ein Workshop-Programm, in dem man sich zum Beispiel mit Anonymisierungstechniken, aber auch mit „Geek Mental Health“ beschäftigen kann. Die Konferenz wurde konzipiert von Krystian Woznicki von der Berliner Gazette.

Transmediale 2014 – Afterglow, Artwork: The Laboratory of Manuel Bürger

Den vorläufigen Abschluss bildet die Transmediale unter dem Titel „Afterglow“. Das jährliche Medienfestival findet in diesem Jahr vom 29. Januar bis zum 2. Februar 2014 statt – wie in den vorherigen Jahren im Haus der Kulturen der Welt.

Die dazugehörige Konferenz (30. Januar bis 2. Februar 2014) verläuft entlang der drei Themenstränge „Hashes to Ashes“, „Afterglow of the Mediamatic“ und „Will You Be My Treasure?“ und „untersucht die gegenwärtige Situation der digitalen Kultur, ausgehend von der Metapher Afterglow. Im Fokus stehen Überlegungen zu den geopolitischen, infrastrukturellen und körperlichen Folgen der exzessiven Digitalisierung, die in den vergangenen drei Jahrzehnten stattgefunden hat.“

Gäste sind unter anderem Jacob Appelbaum, Laura Poitras, Mike Stubbs, Benjamit Bratton, Kate Crawford, Olia Lialina und viele mehr.

January 09 2014

„Geistiges Eigentum“ – Schutz oder Hindernis? Workshop in Essen

„Heute sind immer mehr Autoren, Bibliothekare, Verlage und nicht zuletzt auch Wissenschaftler mit dem Problem konfrontiert, dass der bestehende Schutz des ‚geistigen Eigentums’ und die verschiedenen neuen Vertragsvarianten ihre digitale Textproduktion und -distribution eher behindern als schützen.“ So die These des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“, der morgen in Essen stattfindet.

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Foto: neelaka, CC by

Organisiert von Thomas Ernst vom Fachbereich Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, werden sich Akademiker und Praktiker in dem Workshop mit den Fragen beschäftigen,  die aus dem digitale Wandel resultieren: Wie lassen sich eigenständige Werke noch als solche abgrenzen, wenn zum Beispiel Texte intermediale Verbindungen eingehen, durch Hyperlinks in einen sich wandelnden Raum über sich hinausverweisen, User Generated Content integrieren oder auf ihre kontinuierliche Modifikation angelegt sind?

Wie sinnvoll ist der Schutz von Werken noch, wenn die digitale Kopie ungekannte Potenziale zur schnellen und identischen Vervielfältigung von Inhalten bereithält und jeder heutige Schutz morgen schon wieder umgangen werden kann? Inwiefern ist die Rede vom Urheber angesichts einer neuen Intensität der kollektiven Textproduktion noch zeitgemäß und die Grenze zwischen Urheber und Leser zum Beispiel in Crowdsourcing-Projekten nicht ohnehin bereits aufgelöst?

Livestream, Hashtag, Blog

iRights.info ist Medienpartner des Workshops, der am morgigen Freitag, dem 10. Januar von 13 bis 19 Uhr im Bibliothekssaal des Campus Essen stattfindet, und auch als Livestream übertragen wird  (öffnet externen Player – bei Problemen die URL im VLC-Player öffnen):

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-28422/NdgE_Live.asx

Der Hashtag für Feedback ist #ndge; der Workshop wird vom Weblog Digitur – Literatur in digitalen Medien begleitet, das von der studentischen Webredaktion des MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ gestaltet wird.

Programm

12:30 Ankunft und Anmeldung

Eröffnung des Workshops ‚Nach dem geistigen Eigentum?‘

13:00 Prof. Dr. Rolf Parr (Universität Duisburg-Essen):Grußwort des Studiengangleiters ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ 13:10 Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen):Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht

Praktische Potenziale und (rechtliche) Probleme des digitalen Publizierens

13:30 Dirk von Gehlen (Leiter Social Media/Innovation, Süddeutsche Zeitung; Crowdfunder):War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen 14:15 Kaffeepause 14:45 Klaus-Peter Böttger (Vorsitzender EBLIDA – European Bureau of Library, Information and Documentation Associations; Leiter der Stadtbibliothek Essen):Warum das Urheberrecht ein Problem für die ‚Onleihe‘ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?

Interdisziplinäre Lösungsansätze zu (rechtlichen) Problemen des digitalen Publizierens

15:30 Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht, Humboldt-Universität zu Berlin):‚Geistiges Eigentum‘ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft 16:15 Kaffeepause 16:45 Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven mit
  • Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr);
  • Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen);
  • Matthias Spielkamp (Redaktionsleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt);
  • Dorothee Werner (Leiterin Unternehmensentwicklung, Grundsatz- und strategische Fragen beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels);
  • Moderation: Dr. Thomas Ernst
18:30 Ausklang des Workshops im Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18,  45127 Essen

Ort

Universität Duisburg-Essen
Campus Essen
Bibliothekssaal
Universitätsstr. 9-11
45117 Essen

Zwischen den Gebäuden R09 und R11, siehe auch: Anfahrtbeschreibung.

December 30 2013

Wie lange noch wird es im Netz freie Fan-Communities geben?

Fankulturen sind von einer Subkultur in den Fokus der Marketing- und Talentsuche-Aktivitäten von Verlagen gerutscht. Auf der einen Seite ist das gut, weil die Nutzerkreativität ernst genommen wird, aber verlieren sie dadurch nicht ihre Freiheiten? 

Fans schreiben Geschichten und Romane (Fanfiction), malen und zeichnen (Fanart) und schneiden aus dem Original-Filmmaterial Musikvideos zusammen (Fanvideos). Diese Aktivitäten werden über das Internet organisiert: Es gibt Foren, in denen sich Fans über TV-Shows, Filme und Bücher austauschen; Fanart-Archive, in die sie ihre Werke hochladen und mit anderen teilen; auf Youtube und anderen Videohostern finden sich Millionen von Fanvideos. Und wie in allen Bereichen der menschlichen Kulturproduktion gibt es bei Fan-Werken sehr gute und abgrundtief schlechte Produktionen.

Diese Fans nehmen das ursprüngliche Material und machen daraus etwas Neues. Sie benutzen das Universum, das sich jemand anders ausgedacht hat, und spinnen es weiter. Das kann sehr nah am Original geschehen – wenn ein Fanautor zum Beispiel die Geschichte aus der Perspektive einer anderen Figur nacherzählt. Es kann sich aber auch sehr von der Originalgeschichte lösen, so dass die Figuren nur noch die Namen mit den Figuren aus Funk und Fernsehen gemeinsam haben. In der Fansprache nennt sich das alternative universe. Dabei nimmt ein Autor beispielsweise die Figuren Hermine Granger und Draco Malfoy aus den Harry-Potter-Büchern, lässt die Geschichte aber in der normalen Welt spielen, wo es kein Hogwarts und keine Magie gibt und Hermine und Draco sich ineinander verlieben.

Fan-Kunst: Die rechtliche Situation

Diese Fankreativität wirft interessante Fragen auf bezüglich Kreativität und Originalität. Gerade das Paradigma der Originalität, das seit der Romantik herrscht – dass ein Künstler unerhörte und neue Werke schaffen muss, um anerkannt zu werden – wird durch die Fankreativität aufgeweicht.

Urheberrechtlich bewegt sich Fankreativität in einer Grauzone, jedenfalls in Deutschland. In den USA ist inzwischen anerkannt, dass Fanfiction und -art wohl unter „Fair Use“ fällt. Das ist eine Regelung, die es unter bestimmten Umständen erlaubt, Werke anderer zu übernehmen und sie zu bearbeiten. Eine dieser Bedingungen ist, dass die Nutzung die kommerzielle Verwertung durch den Rechteinhaber nicht einschränkt.

In Deutschland ist die Situation komplizierter: Fanfiction ist urheberrechtlich in der Regel eine Bearbeitung, die nur mit der Erlaubnis der Rechteinhaber gestattet ist. Praktisch stellt sich die Frage allerdings selten, denn die meisten Rechteinhaber haben sich inzwischen entweder damit abgefunden, dass sie die Fans nicht kontrollieren können oder sehen die Aktivitäten als Marketingmaßnahme. Die Fans, die sich in ihrer Freizeit noch zusätzlich mit Harry Potter oder Star Wars beschäftigen, sind auch diejenigen, die mehr Geld ausgeben für Deluxe-DVD-Boxen oder signierte Actionfiguren, aber auch diejenigen, die Einfluss auf andere Fans ausüben.

Gerade durch die Vernetzung von Fans im Internet kann eine Kampagne gegen Fans sehr leicht nach hinten losgehen. Lucasfilm, die Rechteinhaber von Star Wars, sind zum Beispiel Anfang der 2000er gegen Slash-Erotica (Luke Skywalker verliebt sich in Han Solo und sie haben wilden, schwulen Sex) vorgegangen, weil sie sagten, dies würde das Familien-Image der Saga zerstören. Die Fans fanden das nicht so lustig und starteten Kampagnen, in denen sie die Vorgehensweise von Lucasfilm kritisierten. Inzwischen wird das Phänomen von Lucasfilm wohlwissentlich ignoriert.

Die Ursprünge der Fankulturen

Fankulturen gibt es schon seit den 1970er Jahren – sie sind kein Produkt des Internet. Das erste große Fandom entwickelte sich um die Fernsehserie „Startrek“. Die größte und notorischste Fangruppe waren hier die Kirk/Spock-Shipper. Das Wort „Ship“ ist die Abkürzung von Relationship und bezeichnet die Beziehung zwischen zwei Figuren, die nicht unbedingt in der Originalsendung (Film, TV-Show oder Buch) eine Beziehung haben müssen. Der Schrägstrich zwischen „Kirk/Spock“ hat dem ganzen Genre seinen Namen gegeben: Slash – nach dem englischen Wort für Schrägstrich. Bei Slash werden zwei gleichgeschlechtliche Charaktere „geshippt“, also in einer Liebesbeziehung miteinander imaginiert.

Manche Medienwissenschaftler sehen in der Slash-Fiction, die meist von Frauen verfasst wird, eine Praxis, die die Möglichkeiten von Macht und Geschlecht neu durchspielt (siehe zum Beispiel Constance Penley, NASA / TREK). Das funktioniert allerdings nur, solange Fankulturen in einem Freiraum operieren können, in dem die Rechteinhaber keinen Einfluss ausüben können. Die Rule #34 des Internet: „If it exists there is porn of it. No exceptions.“ stellt in diesem Falle diesen Freiraum her, in dem Fans alles ausprobieren können, was ihnen in den Sinn kommt. Der Wildwuchs, der dort entsteht, eröffnet neue Räume der Kreativität und Kommunikation.

Vom Werk der Fans zum Marketing-Objekt

In den letzten paar Jahren lässt sich allerdings ein umgekehrter Trend beobachten: Fankreativität rutscht von einer Praxis von Fans, die von den Rechteinhabern zwar toleriert wird, aber ansonsten sich selbst überlassen ist, in das Zentrum der Marketingaktivitäten der Verlage und Produktionsfirmen. Das folgt dem allgemeinen Trend im Internet in Richtung user-generated Content. Bis vor kurzem waren die Strukturen, in denen sich Fans organisiert haben, von ihnen selbst geschaffen und administriert. Diese selbst-organisierten Strukturen gibt es zwar immer noch (zum Beispiel das „Archive of our own“, das dies schon im Namen trägt), aber immer mehr Fan-Angebote kommen aus der Hand von professionellen Anbietern.

Der virtuelle Popstar Hatsune Miku ist dafür nur ein Beispiel. Die Figur wurde im Auftrag der Firma Crypton Future Media entwickelt, um der künstlichen Gesangsstimme aus dem Software-Synthesizer „Vocaloid2“ ein Gesicht zu geben. Fans haben diese Figur und die dazugehörige Stimme genommen und selbst Musik und Videos dazu erschaffen. Inzwischen gibt es über 100.000 Musikstücke, die von Hatsune Miku gesungen werden.
Die Community um Hatsune Miku ist groß – trotzdem ist sie von oben nach unten organisiert. Das Quellmaterial ist extra dafür hergestellt, damit die Nutzer mit ihm arbeiten. Bisher war das umgekehrt: Nutzer übernahmen ohne vorherige Erlaubnis das Quellmaterial und bearbeiteten es auf Arten und Weisen, die von den ursprünglichen Autoren nicht vorgesehen waren. Die Communitys entstanden bottom-up, Menschen fanden sich unabhängig zusammen.

Strategien der Vereinnahmung: So macht der Markt Fankulturen zu Geld

Beispiele für die Übernahme von Fanstrategien und Fan-Community-Building finden sich an vielen Stellen. Es gibt vermehrt Fanautoren, die sich professionalisieren. Das wohl bekannteste Beispiel ist E.L. James, die Autorin von „50 Shades of Grey“. Ursprünglich war „50 Shades of Grey“ ein Fan-Roman unter dem Titel „Masters of the Universe“ im Twilight-Fandom. Die Geschichte war in der Community sehr beliebt, so dass die Autorin die Namen der Figuren änderte und nach einem Verlag suchte. Sie landete schließlich (nach einigen Umwegen) bei Random House. Die SM-Romanze wurde inzwischen weltweit über 70 Millionen mal verkauft.

Besorgniserregender, was die Strategie angeht, ist aber wohl das Amazon-Projekt „Kindle Worlds“. Amazon hat von verschiedenen Rechteinhabern Lizenzen eingeholt, um Fanfiction über ihre Kindle-Plattform zu verkaufen – zunächst nur in den USA. Fanautoren können ihre Werke auf „Kindle Worlds“ hochladen und sie dort anbieten. Der Verkaufspreis wird zwischen Fanautor, Rechteinhaber und Amazon aufgeteilt. Nun könnte man sagen: Wo ist das Problem, wenn etwas Geld bei den verschiedenen Produzenten landet? Allerdings kommt mit der Lizenzierung eine verschärfte Kontrolle. Die Fanautoren müssen inhaltlichen Vorgaben zustimmen, sogenannten Content Guidelines, die für die verschiedenen Welten unterschiedlich sind.

Gemeinsam haben sie aber, dass sexuell explizite Inhalte und sogenannte Crossovers – die Vermischung von zwei verschiedenen Welten, also wenn die Figuren aus „Star Trek“ mit „Dr Who“ Abenteuer erleben – nicht erwünscht sind. „Kindle Worlds“ hat bisher nur die Rechte für einige wenige Fandoms erworben – die wirklich beliebten wie Harry Potter oder Twilight sind nicht dabei. Von daher ist der Erfolg noch nicht garantiert. Die Fans sind skeptisch: Die vielen inhaltlichen Einschränkungen verderben den Spaß – und darum geht es den meisten Fanautoren.

Die Frage also bleibt: Wie frei und unabhängig können Fankulturen bleiben, wenn sie zu einer weiteren Verkaufsstrategie von großen Verlagen und Medienproduzenten werden? Wenn die großen Inhalte-Anbieter keine Inhalte mehr verkaufen, sondern nur noch die Strukturen, innerhalb derer andere diese Inhalte erstellen? Insofern folgt die Entwicklung in dieser Spielart der Popkultur der anderen, größeren im Netz: Geld wird dort verdient, wo Strukturen bereit gestellt werden und nicht mehr dort, wo die Inhalte vermarktet werden. Diese werden von den Nutzern erstellt. Beispiele sind die bekannten Plattformen wie Youtube oder die sozialen Netzwerke. Es bleibt die Hoffnung, dass das anarchische Potential des Netzes und der Fandoms zu stark ist, um sich vollständig dem Vermarktungsdruck unterzuordnen – und dass wenigstens Inseln der unabhängigen Fankulturen bestehen bleiben.

Dieser Text ist ursprünglich im Anschluss des Complicity-Symposiums der Berliner Gazette entstanden. Im Januar 2014 erscheint bei iRights.Media unter dem Titel „Komplizen – Wie können Hacker und Journalisten, Piraten und Kapitalisten, Amateure und Profis zusammenarbeiten?“ ein Buch, das die Themen des Symposiums aufnimmt und dokumentiert.

December 18 2013

Die Gedanken sind frei

Im Internet ist alles transparent, so glauben wir. Die neue Offenheit, die das Netz ermöglicht, zeigt aber nur eine Oberfläche, während die entscheidenden Mechanismen unseres Lebens unsichtbar werden. Ein Auszug aus dem Buch „Wir verschwinden. Der Mensch im digitalen Zeitalter“ von Miriam Meckel.

Nicht alles im Netz wird unsichtbar. Manches wird auch sichtbar, ob wir das wollen oder nicht. Das gilt für unsere Profile, unsere persönlichen Daten und Lebensverhältnisse. Das Prinzip hat sich nicht verändert, seit 1991 mit der „Trojan Coffee Cam“ die erste Webcam an der Universität Cambridge online ging. Sie zeigte den Füllstand der einzigen Kaffeemaschine im Bereich des Computerlabors und ersparte Wissenschaftlern in weit entfernten Winkeln des Labors vergebliche Wege zum Kaffeenachschub. Heute werden nicht nur Füllstände von Kaffeekannen ins weltweite Netz übertragen, sondern millionenfach die Wetterdaten aus allen Winkeln der Welt, was sich tut in Fitnessstudios, auf Bowlingbahnen und in privaten Wohn- und Schlafzimmern.

Wenn sich nun die Timeline von Facebook so entwickelt, wie das Unternehmen es plant, dokumentiert sie künftig schlicht alles, was alle tun. Und tut sie das nicht, entsteht ein Problem. Kürzlich am Flughafen JFK: Wie immer wartet eine Riesenschlange an der Immigration, einige Fluggäste drohen ihre Anschlussflüge zu verpassen, weil es bei einem Einreisenden ein Problem mit dem elektronischen Eintrag gibt. Ein Stimmengewirr entsteht, aus dem man den Immigration Officer immer nur einen Satz sagen hört: „You should be in the computer“ – und wenn nicht, dann gibt es dich nicht, und du kommst hier auch nicht rein.

Die Nutzerinnen und Nutzer müssen gar nicht mehr durchgängig selbst aktiv werden, um Informationen zu posten. Unsere Aufenthaltsorte und Tätigkeiten werden nicht mehr nur durch unsere eigenhändig eingestellten Informationen und Fotos ausgeführt, sondern auch halb automatisch mithilfe von Apps, die mitzeichnen, welche Bar wir gerade betreten, welche Musik wir hören, welche Filme wir schauen, was wir gerade lesen, um unsere Freunde daran teilhaben zu lassen. „Frictionless Sharing“ nennt sich das in der Fachsprache der Netzunternehmer.

Das klingt gut, denn Friktionen sind oft mühsam. Andererseits entsteht nur dort Hitze, wo Reibung ist, wo Zustände nicht immer zueinanderpassen und Aushandlungsprozesse stattfinden müssen. „Kompromiss“ nennt man das im politischen Raum, „Erfahrung“ im menschlichen Leben. Wir brauchen die Friktionen, die nun in unserem allumfassenden digitalen Miteinander-Teilen genau vermieden werden. Und wir brauchen die Räume, in denen Reibung stattfinden kann, in denen Kompromisse und Lebensmodelle gefunden werden können, ohne dass alle Öffentlichkeit zuschaut. Wir brauchen Momente des Unbeobachtetseins, der Unsichtbarkeit, um mit uns selbst und anderen Menschen aushandeln zu können, wie wir sichtbar sein wollen und was von uns sichtbar sein soll.

In der Transparenzgesellschaft sind diese Räume nicht mehr vorgesehen. Die Phasen unseres Lebens, die wir nicht gerne dokumentiert hätten, werden ganz sicher auch irgendwie in der Timeline verzeichnet sein. Selbst wenn wir sorgsam darauf geachtet haben, keine Informationen über unsere Ausschweifungen bei Facebook zu posten, andere werden schon dafür sorgen, dass es geschieht. Soziale Netzwerke sind transitiv. Wenn A mit B und B mit C verbunden sind, dann ist in der Regel auch A mit C verbunden. Informationen, die ich meinem Facebook-Freundeskreis zur Verfügung stelle, bleiben also mitnichten sicher in diesem Kreis. Sie ziehen weiter durchs Netzwerk. Eine Studie am MIT in Cambridge, USA, hat bereits 2009 gezeigt, dass sich allein aus dem virtuellen Freundeskreis bei Facebook die sexuelle Präferenz einer Person berechnen lässt. Das Netz wird sich allumfassend und unbeschränkt über mich informieren und an mich erinnern, ob ich will oder nicht.

Lebenslanges Erinnern, totale Transparenz

Während wir seit Jahren darüber rätseln, wie wir das digitale Vergessen möglich machen können, um einen Rest an Privatheit zu sichern, geht es bei der Timeline um lebenslanges Erinnern. Während Internetexperten gar über die digitale „Reputationsinsolvenz“ nachdenken, um Nachsicht, Toleranz und die Chance auf den Neustart auch ins digitale Leben hinüberzuretten, schaltet Facebook auf totale Transparenz. Lebe so, dass jeder Schritt deines Lebens, alles, was du konsumierst, jeder Gedanke, den du hast, jederzeit für alle sichtbar ist – so lautet das implizite Motto. Die schöne neue Welt eines Lebens mit der virtuellen Schere im Kopf.

Der Philosoph Jeremy Bentham hat die Idee einer weitreichenden, selbstorganisierten Überwachung durch Öffentlichkeit in seinem Konstrukt des „Panopticons“ bereits im 18. Jahrhundert entwickelt. Was Bentham sich damals noch als Gebäude vorstellte, als Radialsystem, in dem der Wächter jeden im Gebäude befindlichen Menschen von einem Überwachungsturm in der Mitte aus sehen konnte, kann für die heutige, virtualisierte Form Modell stehen. Das digitale Panopticon entsteht aus der gegenseitigen Beobachtung der Menschen im Netz. Es bedarf keiner Mitte mehr und keines zentralen Wächters. Und doch kann die selbstorganisierte Beobachtung zum Identitätsmainstreaming à la Zuckerberg führen und womöglich gar zu einer digitalen Disziplinargesellschaft, wie sie Michel Foucault in analoger Form vorschwebte.

Erinnern wir uns doch wieder einmal an das Lied auf die Freiheit der Gedanken, das in seiner bekanntesten Version von Hoffmann von Fallersleben 1842 in ­dessen Schlesischen Volksliedern aufgearbeitet wurde. Da heißt es in der ersten Strophe:

Die Gedanken sind frei! Wer kann sie erraten?
Sie fliegen vorbei wie nächtliche Schatten.
Kein Mensch kann sie wissen, kein Jäger erschießen
mit Pulver und Blei: Die Gedanken sind frei!

Künftig brauchen wir nicht einmal mehr Pulver und Blei ins Feld zu führen, um unsere Gedanken außer Gefecht zu setzen, die digitale Technik mit ihren Algorithmen reicht aus. Die sortieren unsere im Netz geäußerten Gedanken schlicht nach Mustern, die uns einer Gruppe zuordnen: den Katzen- oder Hundeliebhabern, den Krimi- oder Sachbuchlesern, den Unverdächtigen oder Verdächtigen.

Wie dabei der Generalverdacht die Unschuldsvermutung ersetzt, zeigt der durch Edward Snowden ausgelöste Skandal um die umfassende ­Datenabsaugung und -auswertung der Geheimdienste in den USA und in Großbritannien, der im Juni 2013 öffentlich geworden ist. Im ersten Schritt werden die Daten gesammelt, im zweiten werden sie nach verdächtigen Hinweisen durchforstet. Das war einmal anders. Da brauchte man einen richterlichen Beschluss, um auf Daten zugreifen, zum Beispiel Telefone abhören zu können. Doch in Zeiten von Big Data ändern sich sogar die Grundvoraussetzungen einer freiheitlich-demokratischen Gesellschaft.

In der digitalen Zeit sind die Systemeinstellungen einiger politischer Systeme längst auf totale Überwachung als default gesetzt worden. Das geschieht für die meisten Menschen im Unsichtbaren, und so soll es auch sein. Denn im Schutz der unübersichtlichen Datentransfers und der umfassenden digitalen Datenspeicherung lassen sich die Grundwerte elegant lockern, ohne dass die betroffenen Menschen dies merken müssen.

Wer überwacht die Überwacher?

Im Herbst 2011 hat über Deutschland hinaus eine andere Entdeckung für große Aufregung gesorgt: der „Staatstrojaner“. Dabei handelt es sich um eine Überwachungssoftware, die im Rahmen der Kriminalitätsbekämpfung unbemerkt auf einen weiteren Computer übertragen werden kann, beispielsweise am Zoll, um diesen Computer extern überwachen zu können. Wir müssen nicht grundsätzlich darüber streiten, dass es ein legitimes staatliches Interesse geben kann, zugunsten der Sicherheit der Bürger Überwachungsmaßnahmen anzuordnen.

Die Frage ist: Unter welchen – engen – rechtlichen Bedingungen geschieht dies und wer kontrolliert das Ganze? Das Beispiel des Staatstrojaners hat gezeigt: Beides weiß niemand so genau, zumindest nicht der deutsche Innenminister, der eigentlich zuständig gewesen wäre. Geschehen ist Folgendes: Der bei einem Verdächtigen installierte Staatstrojaner hatte mehr Funktionen, als eigentlich verfassungsrechtlich erlaubt ist. Das hat die größte europäische Hackervereinigung, der Chaos Computer Club, nachgewiesen. Unter anderem ließ es die Software zu, dass weitere Überwachungsmodule auf den Computer installiert wurden. Fehler im System führten dazu, dass der Rechner durch Hacker ferngesteuert und manipuliert werden konnte. Zu all dem gehört beispielsweise auch, dass die Überwachungssoftware Screenshots machen und überspielen kann.

Und hier wird es spannend: Nehmen wir mal an, ich schreibe eine E-Mail, in der ich einem anderen Menschen drohe, ihn umzubringen. Schicke ich die E-Mail ab, wird daraus ein Tatbestand der Bedrohung. Lösche ich sie aber, bevor ich auf „Senden“ geklickt habe, sieht das anders aus. In diesem kleinen Zwischenraum zwischen Absicht und Vollendung liegt die Freiheit der Gedanken, der menschliche Erprobungsraum, in dem etwas gedacht werden kann, das doch nicht umgesetzt wird.

Die Überwachungssoftware, also der Staats­trojaner, kann genau in diesem Augenblick einen Screenshot vom Bildschirm machen. Dadurch verwandelt er einen Gedanken in ein manifestes Dokument. Die Gedanken sind frei? Nicht mehr, wenn sie ausgelesen, dokumentiert und weiterverbreitet werden können. Sie sind dann vielleicht auch irgendwann nicht mehr straffrei. Dann sind wir wirklich nicht mehr weit weg vom „Thoughtcrime“, das George Orwell in seinem Roman 1984 beschreibt.

Miriam Meckel: Wir verschwinden: Der Mensch im digitalen Zeitalter, Intelligent Leben 3. Kein & Aber, Zürich 2013. ISBN 978-3036956527 Broschiert, 7,90 Euro

Foto: Claude Stahel

Foto: Claude Stahel

Miriam Meckel, 1967 geboren, ist Publizistin und Professorin für Kommunikationsmanagement. Viele Jahre arbeitete sie als Journalistin und Regierungssprecherin, heute forscht und lehrt sie als Direktorin am Institut für Medien- und Kommunikationsmanagement der Universität St. Gallen sowie in Cambridge und Singapur.

Dieser Text ist auch im Magazin „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ erschienen. Sie können das Heft für 14,90 EUR bei iRights.Media bestellen. „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ gibt es auch als E-Book, zum Beispiel bei Amazon*, beim Apple iBook-Store* (Affiliate-Link) oder bei Beam.

November 11 2013

„Netzpolitik und Netzkompetenz für eine nächste digitale Zukunft“ bei Internet & Tacos am 16.11.2013 in Hildesheim

Hinter dieser Wortkombination verbirgt sich eine Veranstaltungsreihe von Studierenden der Uni Hildesheim und interessierten Nutzer_innen vom 9. bis zum 30. November. Am 16. November gibt es eine Veranstaltung mit Kathrin Ganz, Michael Seemann und yours truly Valie Djordjevic unter dem Titel „Netzpolitik und Netzkompetenz für eine nächste digitale Zukunft“.

Internet and Tacos, Flickr, CC-BY-SA

Wir sprechen dabei über die Möglichkeiten des Netzes, Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen und sie zu verändern:

Dabei fragen wir uns zunächst: Wie hat das alles angefangen? Was waren die Projekte, die die Ideen vom Cyberspace als utopischen Ort in konkrete Versuche überführt haben? Welche Formen der Aushandlung der Zukunft des Internets wurden seither gefunden, verworfen, reformuliert? Und was ist der aktuelle Stand des Netzes und seiner Gemeinde: Kann das Internet Werkzeug für mehr Demokratisierung und Teilhabe sein? Oder im Gegenteil: Quittieren wir als User_innen mit der permanenten Produktion von Daten unsere eigene Überwachung? Oder ist genau dieser Kontrollverlust der einzige Weg zu mehr Selbstbestimmung? Welche Konsequenzen hat die Architektur des Internets für eine Gesellschaft, die zunehmend digitaler wird? Wir wollen die Möglichkeiten und Handlungsspielräume zur Gestaltung unserer Lebenswelt in der nächsten digitalen Zukunft diskutieren.

Ich erzähle etwas über Diskurse und Diskussionen der letzten 20 Jahre Internet, Kathrin Ganz setzt sich mit dem aktuellen Stand der Netzbewegung in Deutschland auseinander und Michael Seemann nimmt den Begriff „Kontrollverlust“, um mit ihm aktuelle Themen wie Datenschutz und Privatsphäre im Netz zu untersuchen.

Auch nach dem 16. finden noch jede Menge interessanter Veranstaltungen statt, wie man im vollständigen Programm der Reihe nachlesen kann.

November 01 2013

Digitale Mentalitäten: Webaktive haben wenig übrig für Urheber

Eine jetzt veröffentlichte Studie vergleicht die Einstellungen und Verhaltensmuster durchschnittlicher Internet-Nutzer mit denen von sogenannten „Webaktiven“. Sie zeigt, dass die Webaktiven Urheber und die wirtschaftlichen Schäden, die durch illegale Werknutzung entstehen, weniger ernst nehmen. Zugleich lässt sie erkennen, dass Nutzer generell für Inhalte zahlen würden und das Thema Datenschutz immer wichtiger wird.

Fast die Hälfte der Internet-Nutzer plädiert dafür, dass Inhalte für Bildung und Wissenschaft frei verfügbar sein sollten. Das ergab eine Befragung rund 1.000 Nutzern zwischen 14 und 69 Jahren (im Frühjahr 2012), die das Institut für Strategie-Entwicklung (IFSE) vergangene Woche in Berlin der Öffentlichkeit vorstellte.

Die Untersuchung mit dem Titel „Digitale Mentalitäten II“ vergleicht die Aussagen dieser repräsentativen Gruppe von Internet-Nutzern mit den Ergebnissen einer anderen Befragung von ebenfalls rund 1.000 Nutzern, sogenannten Webaktiven, die hohe Aktivität im Netz und fortgeschrittene Kenntnisse des Internet vorweisen. Das IFSE beobachtet diese Webaktiven seit 2004 regelmäßig, um Aufschluss darüber zu erhalten, wie sich Verhaltensmuster und Einstellungen verändern.

Unterschiede in der Bewertung von Urheberrechten

Tatsächlich zeigen sich in den Studienergebnissen mitunter deutliche Unterschiede bei den Sichtweisen und Beurteilungen der Webaktiven – die laut IFSE rund 5 bis 15 Prozent ausmachen – und denen der Gesamtheit der Internet-Nutzer. Insbesondere hinsichtlich der Bewertung urheberrechtlicher Aspekte weicht die Auffassung der Webaktiven von denen der Internet-Nutzer ab.

Auf die Frage, wer von der illegalen Nutzung urheberrechtlicher Werke wirtschaftlich betroffen sei, vermuten von den Internet-Nutzern 86 Prozent eine Schädigung der Verwerter, also der Verlage und Medienhäuser, zu 84 Prozent eine der Urheber und zu 30 Prozent, dass niemand geschädigt werde. Demgegenüber nehmen von den Webaktiven nur 50 Prozent eine Schädigung der Verwerter wahr, 45 Prozent eine der Urheber und immerhin 55 Prozent, dass niemand geschädigt werde.

Als Begründung zitiert die Studie die Ansicht der Webaktiven, eine digitale Kopie wäre kein „Wegnehmen“ – und dass Content, der ins Internet gestellt wurde, quasi als freigegeben zu betrachten sei. Dementsprechend vertreten lediglich 29 Prozent der Webaktiven die Auffassung, dass die Urheber darüber entscheiden dürften, was mit ihren Werken im Internet geschehe. Von den „normalen“ Internet-Nutzern sind immerhin 43 Prozent dieser Auffassung. Das heißt im Umkehrschluss: 57 Prozent der Internet-Nutzer und ganze 71 Prozent der Webaktiven sprechen den Urhebern die Entscheidungsbefugnis über die Verwertung ihrer Werke im Internet schlichtweg ab.

Unternehmen bauen keine Beziehung zu ihren Kunden auf

Beide Untersuchungsgruppen äußern sich auch zu ihrem Umgang mit illegalen Mediendateien. So geben 11 Prozent der Internet-Nutzer an, dass mehr als die Hälfte ihrer digitalen Musik illegal sei, bei den Webaktiven sind dies 47 Prozent. Diese illegale Nutzung urheberrechtlich geschützter Werke hätte aber zuletzt abgenommen – sagen 37 Prozent. Bei 15 Prozent sei sie allerdings gestiegen. Und 13 Prozent sagen, sie würden nie illegale Dateien nutzen.

Als Grund für ihren Sinneswandel nannten 25 Prozent der Webaktiven ein gesteigertes Rechtsbewusstsein und mehr Kenntnisse über die Zusammenhänge und Folgen illegaler Nutzungen. Gut zwei Drittel (69 Prozent) nutzen inzwischen vermehrt legale kostenfreie Angebote, etwa ebenso viele konsumieren selektiver, statt zu horten (67 Prozent). Rund die Hälfte der Webaktiven gibt an, mehr Geld für legale Angebote zur Verfügung zu haben als in den Jahren zuvor (52 Prozent).

Gleichwohl nutzen User weiterhin illegale Angebote. Die Studie nach den Gründen: 60 Prozent der Webaktiven gaben an, sie wollten auf diese Weise Inhalte kennenlernen. 38 Prozent halten die illegalen Angebote für kundenfreundlicher, also bequemer zu handhaben. Fast vier Fünftel (78 Prozent) glauben, dass es an einer mangelnden Beziehung der Unternehmen zu ihren Kunden liegt. Die Kunden machen sich keine Gedanken darüber, ob sie mit ihrem Handeln jemandem schaden.

Gewerbliche Piraterie bestrafen

Wenn Wirtschaft und Politik auf Warnhinweise und die Androhung den Internetzugang zu sperren setzten, nützt dies offenbar wenig. Jedenfalls geben 84 Prozent der Webaktiven an, dass sie sich kaum oder gar nicht von solchen Hinweisen davon abhalten ließen, weiterhin illegale Angebote zu nutzen.

Interessant sind die Meinungen dazu, wie digitale Piraterie bestraft werden sollte. 87 Prozent der Internet-Nutzer und 85 Prozent der Webaktiven sind dafür, gewerbliche Raubkopierer zu bestrafen. Bei privaten illegalen Nutzungen plädieren 56 Prozent der Internet-Nutzer für eine Bestrafung, von den Webaktiven nur 20 Prozent. Übrigens zeigt die Studie fast durchgängig, dass bei den Internet-Nutzern die Sensibilität gegenüber illegaler Nutzung umso ausgeprägter ist, je älter und je gebildeter sie sind.

Hohe Ausgaben für Medien und Unterhaltung

Der Haltung zum Umgang mit illegalen Kopien und frei verfügbaren Inhalten stehen bei Webaktiven wie bei Internet-Nutzern allerdings auffällig hohe Ausgaben für Medien und Unterhaltung gegenüber. So geben Webaktive 77 Euro pro Monat für digitale Medien und Entertainment aller Art aus, die normalen Internet-Nutzer 61 Euro. Beides liegt laut IFSE über den vergleichbaren Werten für alle deutschen Verbraucher.

Während die Webaktiven am meisten für Bücher, Games und Konzerte ausgeben (in dieser Rangfolge, zusammen 32 Euro/Monat), kaufen die durchschnittlichen Internet-Nutzer vor allem analoge Zeitungen, Bücher und Kinobesuche (29 Euro). Je älter die Nutzer, desto höher steigt der Anteil an Ausgaben für Bücher und analoge Zeitungen.

Rückenwind für Kulturflatrate-Befürworter?

Die Studie des IFSE könnte den Befürwortern einer Kulturflatrate neuen Rückenwind geben, da sie feststellt, dass zumindest die Webaktiven erklären, dass sie für Inhalte zahlen würden – immerhin ist das jene spezielle Gruppe von Internet-Nutzern, die laut IFSE „den netzpolitischen Diskurs prägen“. 71 Prozent der Webaktiven halten die Kulturflatrate für eine Option zur Finanzierung von Medien- und Kulturangeboten im Web. Als weitere Optionen nannten sie Werbung (70 Prozent), Abonnements (64 Prozent) oder Freemium-Modelle nannten, bei denen die Nutzer für kostenlose Angebote auf Nachfrage freiwillige Impulszahlungen leisten.

Die gesellschaftliche Diskussion über die Kulturflatrate ist in den vergangenen Monaten zwar etwas abgeflaut, aber konkrete Szenarien und Hochrechnungen liegen vor, wie etwa von der Piratenpartei, der ehemaligen Bundesjustizministerin Brigitte Zypries oder dem Göttinger Juristen und Ökonomen Gerald Spindler, der im Auftrag der Bundestagsfraktion Bündnis 90/Die Grünen eine Studie erstellte.

Kein Klarnamenzwang und „Privacy by Default“

Ohne Überraschungen sind die Befunde der Studie zu Anonymität und Datenschutz. So präferieren die Webaktiven, anonym zu bleiben und lehnen einen Klarnamenzwang mehrheitlich ab (73 Prozent). Über vier Fünftel aller Nutzer (85 Prozent der Webaktiven sowie 88 Prozent der Internet-Nutzer) befürworten einen möglichst strengen Datenschutz, etwa durch grundsätzliche Opt-In-Regelungen statt in Programmen oder Diensten. Eine Vorratsdatenspeicherung befürworten 50 Prozent der Internet-Nutzer, aber nur 12 Prozent der Webaktiven. Online-Durchsuchungen halten 51 Prozent der Internet-Nutzer für zulässig, während das von den Webaktiven nur 13 Prozent so sehen.

Allerdings ist zu allen Befunden zu bemerken: Die Befragung erfolgte im Frühjahr 2012, also sowohl vor der NSA-Spähaffäre, die eine breite Diskussion zu Datenschutz und Privatsphäre auslöste, als auch vor der Debatte zu Netzneutralität, die im Sommer dieses Jahres aufkam. Insofern ist anzunehmen, dass sich die hier ermittelten Einstellungen mittlerweile geändert haben.

Zum Studiendesign

Das IFSE ist ein sogenanntes An-Institut der Universität Witten-Herdecke, das dort 2003 gegründet wurde, aber seit 2007 in privater Finanzierung in Berlin sitzt. Die repräsentative Online-Umfrage unter allen deutschen Internet-Nutzern zwischen 14 und 69 Jahren gab das IFSE beim LINK-Institut in Auftrag. Sie erfolgte im Frühjahr 2012.

Parallel dazu befragten die IFSE-Forscher etwa 1000 sogenannte Webaktive, die etwa 5 bis 15 Prozent der Internet-Nutzer ausmachen und ein besonderes Profil aufweisen: Hohe Aktivität im Netz, den netzpolitischen Diskurs prägend, urban und überproportional in Städten wie Berlin und Hamburg vertreten, zu 72 Prozent zwischen 20 und 39 Jahre alt, zu 83,1 Prozent männlich, zu 82 Prozent mit Gymnasium/Abitur/Fachhochschulreife beziehungsweise Hochschulabschluss. Im Vergleich dazu sind die Internet-Nutzer zu 68 Prozent 20-59 Jahre alt und zu 52,5 Prozent männlich, haben zu 62 Prozent Gymnasium/Abitur/Fachhochschulreife beziehungsweise Hochschulabschluss.

September 23 2013

Offener Brief: Kulturschaffende möchten Rezensionen über ihre Arbeit kostenlos nutzen

Zeitungskritiken über die eigene Arbeit auf die Webseite zu packen, ist für viele Künstler selbstverständlich. Dabei beachten sie oft nicht das Urheberrecht der Artikel-Autoren. Eine Abmahnwelle hat nun Künstler zusammengebracht, die diese Praxis rechtlich legalisieren wollen.  

Mit einem offenen Brief haben sich vor einer Woche knapp zwanzig „Kulturschaffende, Kulturvereine, Journalisten und Kulturfreunde“ zum einen an „Zeitungsverleger und entsprechende Rechteinhaber“, zum anderen an die breite Öffentlichkeit gewandt. Sie setzen sich darin dafür ein, „dass Künstler und Kulturvereine Artikel aus der Tagespresse sowie Hörfunk und TV – Beiträge, in denen über ihre Arbeit berichtet wird, vollständig oder in Auszügen auf ihren Webseiten genehmigungsfrei dokumentieren dürfen. Die Quelle ist hierbei anzugeben und möglichst zu verlinken.“

Diese Forderung nach einer Art freiwillig vereinbarten Ausnahmeregelung, die das Urheberrecht von Journalisten und Autoren sowie die Nutzungsrechte von Verlagen beträfe, bezieht sich auf einen aktuellen Anlass: Ein scheinbar systematisch an zahlreiche Künstler versandtes Abmahnschreiben der Bremer Anwaltskanzlei Dr. Schenk, die offenbar im Auftrag des Musikverlag-Inhabers (B-Note) und Journalisten Boris Hellmers-Spethmann handelt.

Dieser Abmahnung von Ende Juli zufolge sollen die Sängerin Scarlett O’ und der Liedermacher Michael Zachcial (Die Grenzgänger) jeweils mehrere tausend Euro dafür bezahlen, dass sie eine mehrere Jahre alte Pressekritik aus der Syker Kreiszeitung für ihre Pressearbeit verwendeten. Die Künstler möchten nicht zahlen, in erster Linie weil sie die Abmahnung unverhältnismäßig finden. Sie entschlossen sich aber, nicht mit den Anwälten zu verhandeln, sondern gingen mit dem Sachverhalt an die Öffentlichkeit.

Zu den Erstunterzeichnern und Unterstützern gehören bekannte Künstler, darunter Schauspieler Axel Prahl, Regisseur Andreas Dresen und Intendant Steffen Mensching (Theater Rudolstadt), die Musiker Manfred Maurenbrecher, Barbara Thalheim und Uwe Hassbecker (Silly). Bis heute unterzeichneten den offenen Brief bereits über 3.000 Menschen (Stand: 23.9., 14 Uhr). Auf der Facebook-Gruppe „Abmahnungen“, die ergänzend zum offenen Brief eingerichtet wurde, entwickelten sich engagierte und zum Teil heftige Diskussionen zwischen Künstlern und Künstlerkritikern. So äußert der freie Journalist Hardy Prothmann zwar Verständnis für das Anliegen und verurteilt jegliche Abmahn-Abzocke, doch die Forderung, dass Künstler alle Presseberichte über ihre eigene Arbeit kostenlos nutzen dürften, käme für ihn einer Enteignung seiner Arbeit gleich; er plädiert daher die Praxis individueller Nutzungsverhandlungen zu angemessenen Vergütungen.

Grundsätzlich sind die Abmahnungen rechtens: Eine Nutzung eines in einer Zeitung veröffentlichten Artikels, als urheberrechtlich geschütztes Werk, ist nur mit Zustimmung der Rechteinhaber erlaubt. Diese Rechte können je nachdem entweder durch den Urheber, zum Beispiel den Autor, oder durch entsprechenden Rechteinhaber, in der Regel Verlage, Sendeanstalten oder Produktionsfirmen, vergeben werden. Interessanterweise erklärte übrigens der betreffende Kreiszeitung Verlag Michael Zachcial gegenüber, er distanziere sich von diesen Abmahmungen.

Auf ihrer Internetseite schildert Scarlett O’ den Vorgang ausführlich: Der Autor des betreffenden Artikels unternahm gar nicht erst den Versuch, sie anzusprechen, um den Artikel von der Webseite zu nehmen, sondern ließ gleich durch die Kanzlei den Nutzungswert für den Artikel festsetzen – 1.900 Euro im Jahr. Insgesamt beträgt die Forderung 7.600 Euro für einen Lokalzeitungstext. Auch die Höhe eines Vergleichsangebots legte die Kanzlei fest: pauschal 600 Euro plus 869 Euro Anwaltskosten. Bei Nichtzahlung droht sie mit einer Gerichtsverhandlung.

Mit genau den gleichen Zahlen gingen weitere Abmahnschreiben der selben Kanzlei bei zahlreichen weiteren Musikern ein, darunter bei Michael Zachcial, aber auch bekannten Künstlern wie Peter Kraus. Letzterer ermunterte die beiden Initiatoren ausdrücklich, diesen Fall von Abmahnwesen bekannt zu machen und als Anlass zu einer öffentlichen Diskussion zu nehmen.

Die jüngst durch den Bundesrat abgesegnete Gesetzesänderung zur Deckelung des Abmahnwesen greift in diesem Fall nicht. Sie gilt nur für Privatpersonen, die Werke nicht für ihre gewerbliche oder selbstständige Arbeit nutzen. Künstler sind in diesem Sinne jedoch gewerblich tätig – die Verwendung der Artikel für die Pressearbeit ist daher eine anders gelagerte Urheberrechtsfrage.

Netzpolitik.org kommentiert, dass dieser offene Brief zeige, dass es Bewegung in der Urheberrechtsdebatte gebe. Mit 3.000 Unterzeichnern in nur acht Tagen ist der Zuspruch erstaunlich hoch. Erst vor einigen Wochen machte die Initiative „Art but fair“ auf die prekäre Situationen von freien Musikern und Schauspielern an Theatern und Musicalbühnen aufmerksam. Auch hier gab es beim beim Publikum und in der Öffentlichkeit großes Interesse.

September 03 2013

Wie man E-Books mit Lego und Laptop von DRM befreit

Eine kreative Verteidigung der Privatkopie gegen technische Schutzmaßnahmen und Umgehungsverbote: Der Do-it-yourself-Scanner von Peter Purgathofer, Professor für interaktive Systeme an der TU Wien, befreit E-Books für den Amazon Kindle vom Kopierschutz und wandelt sie wieder in Textdateien um. Inspiriert ist er vom DIY Bookscanner.

July 11 2013

Illegale Fans: Schwedische Untertitel-Seite vom Netz genommen

Die schwedische Polizei hat die Website undertexter.se, auf der Fans Untertitel von Film- und Fersehproduktionen getauscht haben, nach einer Durchsuchung offline genommen und den Server beschlagnahmt. Wie die BBC berichtet, folgte sie damit einem Hinweis von Rechteinhabern.

Fansub-Seiten bieten in der Regel Textdateien an, die die Übersetzungen enthalten oder sammeln die Links darauf. Meistens sind sie damit deutlich schneller als die offiziellen Anbieter.

Drastische Worte findet Rick Falkvinge von der schwedischen Piratenpartei. Der Fall sei Beleg einer „Zwei-Klassen-Justiz”, in der die Polizei auf Zuruf der Entertainment-Industrie gegen die Fan-Kultur des „gemeinen Volks” tätig werde. Er verweist darauf, dass der Videodienst Netflix ohne vergleichbare Folgen Untertitel von einer Fansub-Seite kopiert habe. Falkvinge:

This war will not end until 1) the copyright industry is dead, or 2) they have complete control over access to the planet’s culture and knowledge. Pick your sides and place your bets.

Nach Ansicht der Rechteinhaber handelt es sich bei Fan-Untertitelungen um Bearbeitungen, die vergleichbar mit unautorisierten Übersetzungen Urheberrechte verletzen. In der Fansub-Welt haben sich währenddessen eigene Regeln für Untertitel-Veröffentlichungen herausgebildet, etwa Verhaltenskodizes darüber, wann und wie Untertitelungen legitim sind.

Motherboard verweist auf vergleichbare Fälle:

It’s not the first time subtitle hosts have come under fire. For example, in 2012, a Norwegian student was fined after a judge ruled there was insufficient case law to support prosecutors’ call for jail time. And way back in 2007, Polish and German police conducted a raid on a Polish subtitle archive. […] It’s not clear if they’ve been charged with a crime yet, but we’ll have to just wait and see.

Auf der ansonsten leeren Website und bei Facebook rufen die Betreiber nun zu Spenden auf, um weiter an der Seite zu arbeiten, außerdem wollen sie eine Art Rechtshilfefonds gründen.

June 25 2013

Technoviking: Ein Internet-Mem vor dem Berliner Landgericht

Das Youtube- und Internet-Phänomen „Technoviking“ ist ein kurioser Fall – vor wenigen Tagen war es einer für das Berliner Landgericht. In seinem Urteil wägt das Gericht pragmatisch zwischen Persönlichkeitsrechten und der Freiheit der Kunst ab. Doch es zeigt, wie limitiert die Mittel des Rechts bei Internet-Phänomenen sein können.

Es ist eines dieser kuriosen Phänomene, die so nur das Internet hervorzubringen vermag: Da tanzt bei der 2000er Fuckparade in Berlin ein Teilnehmer mit nacktem Oberkörper, in Bermuda-Shorts und Springerstiefeln gezirkelte Bewegungen zum Techno-Beat, was ein ihm vorausrollender Videofilmer aufzeichnet. 2006 erstellt dieser Videokünstler eine rund dreiminütige Sequenz daraus, lädt sie bei Youtube hoch und nennt den ihm unbekannten Protagonisten im Titel „Technoviking“.

Innerhalb von zwei Jahren entwickelt sich der Clip zu einem mehr oder weniger weltweiten Youtube-Hit und zum Internet-Mem: Die Nutzer reichen und empfehlen ihn munter weiter, die Abrufzahlen erreichen sechsstellige Dimensionen. Doch das ist es erst der Anfang von viel, viel mehr.

Die Viking-Welle rollt

Ab Herbst 2008 erlaubt der Video-Künstler – Matthias Fritsch – auf seiner Youtube-Präsenz Werbeschaltungen und erzielt so nicht unerhebliche Einnahmen. Zudem richtet er bei der Plattform Cafepress einen Technoviking-Shop ein, um dort T-Shirts, Tassen und Weiteres mit dem Konterfrei des Tänzers anzubieten. Nach und nach tauchen Adaptionen des durchaus markanten „Techno-Wikingers“ im Web und in Computerspielen auf: Als von Game-Engines gesteuerte Machinima-Animationen, in Bestseller-Spielen wie Grand Theft Auto oder World of Warcraft, durch Fans nachgestellt.

Der „Cameo“-Auftritt in den Games oder Nachahmungen verläuft stets nach gleichem Muster: Mitten aus einer Menschen-Menge heraus hat plötzlich eine Figur einen Kurzauftritt, die im Aussehen und den Tanzbewegungen dem „Technoviking“ enstpricht, und dies stets zu genau der Musik aus dem ursprünglichen Video. Damit ist der Technoviking endgültig eine verselbständigte und virtualisierte Kunstfigur.

Bald prangen computeranimierte Klone auf weiteren Merchandise-Artikeln, die Zugriffszahlen bei Youtube gehen in die Millionen. Der drahtige Technoviking und seine Moves sind Web-Kult.

Der Tänzer meldet sich und verlangt eine Unterlassungerklärung

Für den Videokünstler Fritsch hat diese wahrhaft universale Dynamik eine eigene Faszination, er versammelt die vielen Adaptionen seines Videos in einem „Technoviking-Archive“, das er mehrfach ausstellt und im Web zeigt. Eigenen Angaben zufolge bemühte sich Fritsch, den Protaganisten zu finden, blieb dabei aber erfolglos. Ende 2009 meldet sich dann der Strassentänzer von sich aus beim Videokünstler.

Er verlangt von Fritsch, das fragliche Video nicht mehr weiter zu verbreiten. Fritsch willigt ein, nimmt das Video auf seinen Kanälen von den Servern. Etliche, von Dritten angefertigte Klones des Videos hingegen bleiben online, ebenso die ständig wachsende Zahl an Adaptionen. Anfang 2012 sendet der Tänzer einen Mahnbescheid an Fritsch. Darin fordert er zweieinhalbtausend Euro „Lizenzeinnahmen“, wogegen Fritsch Widerspruch einlegt.

So kommt es zur Klage, mit der der Tänzer die Zahlung von Schadensersatz in Höhe von rund 13.000 Euro und Entschädigung (Schmerzensgeld) in Höhe von 10.000 Euro fordert. Nach der Verhandlung vor dem Berliner Landesgericht hat dieses Ende vergangener Woche sein Urteil gefällt und begründet. iRights.info veröffentlicht hier das Urteil (PDF).

Nutzung nicht „abgenickt“: Tänzer hat berechtigten Anspruch auf Unterlassung der Verbreitung

In der Sache zeigen sich die Richter pragmatisch, sie betonen den Ausgleich zwischen dem Persönlichkeitsschutz und der Freiheit der Kunst. Gleichwohl offenbart die sieben Seiten umfassende Urteilsbegründung wichtige Erkenntnisse für die gegenwärtigen Debatten um Remix-Kultur, Meme und Netzwerkeffekte.

Aus Sicht des Landgerichts hat der Tänzer einen berechtigten Anspruch darauf, die Verbreitung des Videos untersagen zu lassen, ebenso wie die der T-Shirts und weiteren Merchandise-Artikel mit seinem fotografischen Bildnis. Obwohl er die Kamera gesehen und die Aufzeichnung seines Auftretens wahrgenommen habe, sei dies keine explizite Einwilligung gewesen, die Bilder zu veröffentlichen und zu verbreiten, so das Gericht. Das Gegenargument des Künstlers, der Tänzer habe den Dreh per Blick in die Kamera „abgenickt“, erkennt das Gericht nicht an;

Das passive Schauen in die Filmkamera bzw. deren Wahrnehmen sind noch lange keine konkludente Billigung einer Filmfertigung und damit auch keine stillschweigende Einwilligung (…).

Das bedeutet: Um auf der sicheren Seite zu sein, hätte sich Fritsch eine Einwilligung einholen müssen, vor oder auch während der Aufnahmen. Er hätte klar stellen müssen, dass die Aufnahmen ins Netz gestellt werden sollen. Wer keine Einwilligung einholt, verletzt also das Recht am eigenen Bild. Das gilt auch dann, wenn Aufnahmen zu künstlerischen Zwecken gemacht werden, so das Landgericht Berlin.

Keine Kunst, nur handwerkliche Abbildung

In seiner Begründung geht das Gericht auch auf den Kunstbegriff ein, der für die Einordnung des Videos und damit für das Urteil durchaus eine Rolle spielt. Auch wenn das Video als Kunst deklariert und später für künstlerische und wissenschaftliche Zwecke benutzt worden sei, so enthalte es doch Motive, die der Beklagte nicht selbst geschaffen, sondern in der Realität vorgefunden habe. Zudem seien die Bilder nicht individuell verfremdet oder gestaltet, würden daher über bloße handwerkliche Abbildung nicht hinausgehen.

„Mangels besonderer kunstgerechter Bildbearbeitung tritt der Persönlichkeitsrechtschutz in den Vordergrund“, so das Gericht. Zudem könne sich der Videokünstler auf seine Kunstfreiheit nicht mehr uneingeschränkt berufen, weil er durch Youtube-Einnahmen kommerzielle Interessen verfolge. Der Fall zeigt damit auch, wie Kunst und ihre Verbreitung im Internet bewertet werden: Solange kreative Beiträge in der Masse untergehen, passiert meist nichts. Doch sobald sie richtig bekannt werden, droht das Damoklesschwert des Rechts.

„Kläger wollte aus der Mediatisierung seiner Person im Wortsinne Kapital schlagen“

Die Klage des Tänzers auf Schmerzensgeld von mindestens 10.000 Euro weist das Gericht jedoch zurück. Die Argumentation des Klägers lautete, der Videofilm und die nachfolgenden Medienerscheinungen hätten negative Auswirkungen auf sein Berufsleben, weil er als selbständiger Messebauer immer wieder auf Technoviking angesprochen würde. Das Gericht hingegen führt in seiner Begründung an, der Kläger hätte deutlich gemacht, dass er es mit der Genugtuung nicht so ernst nehme.

Dass der Kläger sich, gemessen am Zeitpunkt der Kenntnisnahme von der Berichterstattung (2009) mit der Geltendmachung der Geldentschädigungsforderung nahezu drei Jahre Zeit gelassen hat, zeigt, dass es ihm nicht um die zeitnahe Beseitigung der Folgen der Berichterstattung ging.

Auch die Entschädigungsklage sei erst aufgekommen, als der Beklagte seinen Widerspruch einsetzte.

Dem Kläger geht es also darum, aus der Mediatisierung seiner Person im wahrsten Sinne des Wortes Kapital zu schlagen, nicht aber Genugtuung für eine (-mit einer Persönlichkeitsrechtsverletzung einhergehende nachvollziehbare-) Kränkung zu erlangen.

Videokünstler Fritsch muss zahlen – und startet Crowdfunding-Kampagne

Für Videokünstler Fritsch bedeutet das Urteil in Sachen Technoviking zweierlei: Zum einen muss er an die 10.000 Euro bezahlen für Lizenzzahlungen, hinzu kommen Anwalts- und Gerichtskosten. Um diese aufzubringen, ist bereits eine Crowdfunding-Kampagne in Aktion.

Zum anderen darf er das Video sowie die Standbilder daraus nicht mehr im Original benutzen, sondern nur in solchen Versionen, bei denen der Protagonist weitreichend unkenntlich gemacht ist. Eine Verpixelung des Gesichts sei dabei nicht ausreichend, so das Gericht, denn es würden weiterhin Statur, Frisur, Haaransatz des Klägers erkennbar sein. Bei den Comic- und digital bearbeiteten Bildern, die Fritsch zeigt oder auf die er verweist, überwiege hingegen die Kunstfreiheit der jeweiligen Produzenten, so die Richter. Gerade hier zeigt sich, wie unsicher die Lage für Kunst in digitalen Medienwelten ist, wenn im Zweifelsfall Richter darüber entscheiden, wo deren Grenzen liegen.

Vor allem demonstriert das Urteil, wie limitiert die Mittel sind, die das Recht bei Internet-Phänomenen bietet. Obwohl jetzt wahrscheinlich das ursprüngliche Technoviking-Video vom Künstler verändert und verfremdet werden muss, spricht alles dafür, dass das Video – und vor allem die tausenden Adaptionen – weiterhin im Netz zu finden sein werden.

Dagegen kann man kaum etwas machen. Die Wirkung individueller rechtlicher Maßnahmen verpufft im Netz meist angesichts der Vielzahl an Fundorten und Quellen. Und das ganz besonders bei kulturellen Beiträgen, die sehr beliebt sind und daher oft geteilt und weiterverteilt werden. Dieser Tanz geht also weiter.

May 04 2013

Bitcoin: „Jemand wird für die Spekulationen bezahlen müssen”

Der Politikwissenschaftler Patrik Korda hält den Bitcoin für „digitale Alchemie”. Im iRights.info-Interview spricht er über die Entwicklung der digitalen Währung, die zuletzt mit Kurshöhenflügen und -Abstürzen in die Schlagzeilen gelangt ist.

Patrik Korda (Foto)Hintergrund: Der Höhenflug der Kurse bei der digitalen Währung Bitcoin fand im April ein vorläufiges Ende. US-Behörden und die Europäische Zentralbank wollen Bitcoin unterdessen stärker regulieren. Patrik Korda ist Politikwissenschaftler in New York und veröfffentlichte kürzlich einen Artikel über die „Bitcoin Bubble 2.0”.

iRights.info: Patrik Korda, Sie vergleichen die virtuelle Währung Bitcoin mit der Tulpenmanie im Holland des 16. und 17. Jahrhundert. Damals bildete sich im Tulpenhandel eine Spekulationsblase. Was hat das eine mit dem anderen gemein?

Patrik Korda: Es gibt mehrere Gründe, die zu diesem Vergleich führen. Zunächst ist es der Preisanstieg, der wie eine Parabel ins Unendliche führt. Ich betone es immer wieder: Der Preis hat mit der tatsächlichen Wertstellung der Währung sehr wenig gemeinsam. Es geht also nicht darum, wo wir uns im Preislevel befinden, sondern wie Bitcoin dort hingekommen ist. Sowohl der Handel mit Tulpen im 16. Jahrhundert als auch die Bitcoins wurden beide als etwas völlig Neues wahrgenommen.

Derartige Umbrüche im Denken sind gewissermaßen ein Markenzeichen für den aufkeimenden Wahnsinn. Immer, wenn etwas Neues – wie Straßen, das Radio, Internet oder digitale Währungen – eingeführt wird, ging das mit einer neuen Denkweise einher. Stets glaubt man, jetzt sei wirklich alles anders als zuvor. Dabei lassen sich die Teilnehmer von der Preisentwicklung in die Irre führen. Die Idee dahinter ist verständlich, aber da die Preise dramatisch gestiegen sind, wird irgendjemand letztlich auch für den Verfall der Währung bezahlen müssen. Etwas teuer einzukaufen und zu hoffen, der Preis ginge noch weiter hinauf, funktioniert auf Dauer nicht. Das war bei den Tulpen ganz ähnlich.

iRights.info: Sie glauben an eine Spekulationsblase, da dieser Markt nicht organisch gewachsen sei. Wie kommen Sie dazu?

Patrik Korda: Wenn wir eine Blase als Hyperinflation des Kapitals bezeichnen, ist es schwierig, Bitcoin darunter zu fassen. Wir müssen bedenken, dass hier das Konzept der Ansteckung greift: Auf einem normalen Markt agieren professionelle Händler, die wissen, dass ihre Gewinne nicht in den Himmel wachsen. Hier aber handeln Laien und machen uns glauben, der Markt wäre komplett gesättigt. Bei Modeerscheinungen wie Kartenlegen, Magie oder Bitcoin könnte man auf den Gedanken kommen, dass der Markt schnell gesättigt ist und dementsprechend der Preis in die Höhe schnellt. Bis zum vollständigen Zusammenfall des Marktes braucht es weit weniger verlorenes Kapital als bei einem Pfandbriefmarkt. Von daher dürfte der Kollaps weit schneller vonstatten gehen.

iRights.info: Platzt die Blase gerade? Was kommt danach?

Patrik Korda: Geknallt hat es schon bei einem Wert von 260 US-Dollar pro Bitcoin. Seitdem ist der Wert auf rund 60 Dollar gefallen und wieder auf 160 Dollar pro Bitcoin hochgeschnellt. Der Kurs bäumt sich nach meiner Meinung noch ein letztes Mal auf, was für sehr emotionale Märkte typisch ist. Das Gleiche passierte auch 2011 bei Silber und anschließend bei den ersten erheblichen Kursschwankungen von Bitcoin. Im Laufe dieses Jahres wird sich der Preis neu einpendeln. Nachdem im Mai 2011 Silber einen Höchststand von 48 Dollar pro Unze erreichte, machte der Kurs für zwei Jahre eine schreckliche Entwicklung durch. Die Anleger verloren immer mehr ihren Glauben an dieses Gut und verkauften das Silber trotz des Verlustes. Dieses Verhalten wird sich wiederholen.

Bei Bitcoin wirkt sich preissteigernd aus, dass hier eine Menge naiver Händler teilnehmen. Deswegen konnte der Kurs auch wiederbelebt werden. Andererseits drückt es den Preis, dass diese Währung nur virtuell existiert. Bitcoin kann in der Industrie nicht als Zahlungsmittel verwendet werden. Er ist lediglich ein religiöses Wirtschaftsgut, welches der Vorstellungskraft der Händler entspringt. Geht der Glauben daran verloren, kann der Wert im Extremfall auch auf null sinken.

iRights.info: Welche Vor- und Nachteile ergeben sich daraus, dass es keine staatliche Kontrolle für diese Währung gibt?

Patrik Korda: Diese Frage wird sicher jeder anders beantworten. Was der eine Betrachter als Vorteil ansieht, ist ein Nachteil für den anderen. Nicht jeder plädiert für eine vollständige Liberalisierung der Märkte. Die meisten Menschen dürften eine staatliche Regulierung bevorzugen, die beispielsweise einen Ersatzanspruch mit sich bringt. Ich stimme dem Bitcoin-Entwickler Jeff Garzik zu. Er sagt: Wenn diese Währung jemals im Mainstream ankommen sollte, kommt man um eine ganze Menge Regeln und Bestimmungen nicht herum.

Vor allem aber könnte der Staat sehr leicht die Kontrolle über diese Währung erhalten. Für die USA wäre es am leichtesten, sie kaufen bis zu sechs Millionen Bitcoin und übernehmen damit die absolute Kontrolle. Um den Preis nicht zu beeinflussen, müsste man den Ankauf in vielen kleinen Schritten durchführen. Selbst bei einem Gegenwert von bis zu 800 Dollar pro Bitcoin wäre dies für die USA kein Problem. Und selbst, wenn herauskommen würde, dass der Staat die Kontrolle übernommen hat, gäbe es noch die Option, stattdessen Icoins, Litecoins, Coinbits oder ähnliche Alternativwährungen zu handeln. Anders als bei Gold gibt es für digitale Währungen keinen physischen Gegenwert, sie können ihren Wert komplett verlieren.

iRights.info: Wie weit kann die Anonymität gewährleistet werden? Ist diese Währung deswegen vielleicht sogar eine gute Option für Kriminelle?

Patrik Korda: Ich bin nicht technisch qualifiziert genug, um zu entscheiden, wie gut die Transaktionen im Nachhinein auf Nutzer zurückführbar sind. Die Transaktionen könnte man jeweils mit unterschiedlichen IP-Adressen durchführen, um die wahre Identität zu verschleiern. Der Bitcoin-Bestand ist aber so groß, dass eigentlich niemand zum Beispiel beim Kauf von Drogen via Bitcoin verfolgt werden kann, zumal die Ressourcen der Ermittlungsbehörden begrenzt sind. Wer eine Entdeckung erschweren will, muss seinen Datenstrom mit Tor oder anderen Diensten verschlüsseln. Der Internet-Provider kann sonst erkennen, ob jemand Websites liest oder ein paar Bitcoins übertragen will. Zudem erhalten Ermittler bei Verdacht sofort Zugang zu den Daten der Internet-Provider. Wahrscheinlich sind Bitcoins letztlich nur so anonym, wie man glaubt, bei Prepaid-Simkarten unerkannt zu sein.

iRights.info: Sie haben in einem Artikel geschrieben, nur eine Minderheit werde in der Lage sein mit dieser Währung zu bezahlen, weil nur wenige Menschen über die notwendige Technik verfügen. Wann ist denn die Zeit für digitale Währungen gekommen?

Patrik Korda: Ich persönlich glaube, es wurde eine neue Form der modernen Alchemie hervorgebracht. Obwohl ich bezweifle, dass Bitcoin ein revolutionärer Erfolg wird und ich eine Abneigung gegen imaginäre Währungen habe, muss ich trotzdem anerkennen, dass digitales Geld schon jetzt Bestand hat.

Was die mangelnde Verkäuflichkeit angeht: Dieses Problem wird möglicherweise im Laufe der Zeit gelöst. Einerseits könnte eine neue Währung kommen, die tatsächlich einfach zu handhaben sein wird. Andererseits haben in Zukunft immer mehr Menschen Zugriff auf Smartphones und die Cloud, wodurch sie eine digitale Währung benutzen könnten. Trotzdem muss es im Kern eine Währung geben, die greifbar ist und die real verkauft werden kann. Der Grund dafür ist sehr einfach, aber wahrscheinlich schwer nachzuvollziehen: Solange die digitale Währung lediglich wie eine Verrechnungseinheit benutzt wird, kommen für die Industrie nur weitere Kosten für die Transaktionen hinzu.

March 31 2013

Zu Ostern Zeit für Dueck: “Vernetzte Welten – Traum oder Alptraum”

Zu Ostern mal den Horizont erweitern. Gunther Dueck hielt 2011 einen Vortrag zum Thema “Vernetzte Welten – Traum oder Alptraum”. Das inzwischen verrentete Enfant Terrible von IBM, der “in ganz Heidelberg den höchsten Wert an naivem Optimismus” hat, erzählt von lauter Sachen die es schon gibt. Oft schon für wenige, aber nicht für alle, und das ist ein zentraler Unterschied in der Bewertung. Von Early Adopters bis hin zur Großmutter mit dem iPad, wohin soll sich unsere Gesellschaft entwickeln? Hier gehts zum Video

January 28 2013

Fanfiction: 50 Shades of Copyright

Vor etwa zwei Wochen berichtete der Guardian, dass Bluemoose Books – ein kleiner Verlag aus Yorkshire – versucht hatte, auf dem Trittbrett des BDSM-Bestsellers „50 Shades of Grey“ ein paar Pfund zu verdienen. Der Plan war, eine unautorisierte Biographie des fiktionalen Millionärs Christian Grey – Frauenschwarm und Held des Romans – zu veröffentlichen und damit den Verlag zu sanieren. Als Bluemoose Books diese Neuigkeit ankündigte, wurde der Verlag mit Anfragen von weiteren Verlagen aus dem In- und Ausland überschüttet – ja sogar Hollywood soll angerufen haben, um die Rechte zu kaufen.

Nur hatte Bluemoose Books vergessen, die Rechteinhaber von „50 shades“ – die Autorin E.L. James und ihren Verlag – zu fragen, ob das okay wäre. Und als dann einige Tage später ein strenger Anruf von Random House kam, in dem von Urheberrechtsverletzung die Rede war, musste der Verleger seine Pläne aufgeben. „Eine Woche lang war ich fast Millionär“, sagte er dem Guardian.

Was ist nun daran so spannend? Nun, die Tatsache, dass die „Shades of Grey“-Trilogie selbst auf einer solchen Appropriation beruht. Und das ist nicht einmal ein Geheimnis: „50 Shades of Grey“ war ursprünglich ein sogenanntes Fanfiction und trug den Titel „Masters of the Universe“.  Snowqueen Icedragon – so nannte sich die „50 Shades“-Autorin E.L. James, als sie im Twilight-Fandom aktiv war – hatte sich die Charaktere aus der Vampir-Romanze „Twilight” (deutsch „Biss zum Morgengrauen“ usw.) genommen und ihnen ein etwas  aktiveres Sexualleben verpasst.

Fanfiction-Autoren übernehmen bekannte Figuren aus Filmen, Fernsehserien oder Büchern und schreiben mit ihnen eigene Geschichten. Das kann unterschiedliche Formen haben: Die Original-Geschichte kann etwa aus der Perspektive einer anderen Figur erzählt werden oder die Fan-Autorin denkt sich einen eigenen Plot aus und behält nur Charaktere und Setting. Weiter vom Original entfernen sich sogenannte Alternative-Universe-Geschichten. Hier übernimmt die Autorin nur die Figuren mit ihren Eigenschaften und Eigenheiten und versetzt sie in ein Setting ihrer Wahl.

„Master of the Universe“ gehört zu diesem Subgenre. Der Vampir Edward wurde zu Edward, dem Millionär mit gewissen Neigungen, und Bella – blieb Bella. Zunächst jedenfalls. Fanfiction lebt davon, dass die Figuren wiedererkennbar sind und MotU – wie „Master of the Universe“ von den Fans genannt wurde – bildete keine Ausnahme.

MotU war lange im Netz kostenlos zugänglich und hatte sehr viele Anhänger, die Woche für Woche auf die Fortsetzung warteten und tausende von Kommentaren schrieben. Nach einer Weile im Netz zog E.L. James die Geschichte aus den Fan-Archiven zurück, so die Aussage ihrer Agentin, weil es Beschwerden wegen der Sex-Szenen gab. Sie änderte die Namen der Figuren (so wurde aus Bella Anastasia und aus Edward Christian) und veröffentlichte sie zuerst bei einem australischen E-Book-Verlag als eigenes Werk, bevor dann Random House darauf aufmerksam wurde. Der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte. Die Trilogie hält sich seit Monaten an der Spitze der Bestseller-Listen auf der ganzen Welt.

Wie Fanfiction urheberrechtlich zu beurteilen ist, ist eine Frage, über die sich die Juristen die Köpfe zerbrechen. In den angelsächsischen Ländern fällt Fanfiction zumeist unter die Fair-Use-Klausel. Sie erlaubt unter gewissen Bedingungen, fremde Werke zu benutzen. Eine dieser Bedingungen ist, dass man mit dem bearbeiteten Werk keinen finanziellen Gewinn macht.

Nun hat in der iRights.info-Redaktion noch niemand das Werk gelesen (jedenfalls gibt es keiner zu), aber Leser, die beide Versionen gelesen haben, sehen Gemeinsamkeiten, so etwa das Blog „Dear Author“. Auch bei Galleycat kann man einen Blick in die ursprüngliche Version von „50 Shades of Grey“ werfen.

Inzwischen gibt es natürlich auch Shades-of-Grey-Fanfiction. Und wer weiß, ergibt sich daraus der nächste Besteller. Die Verlage suchen inzwischen im Netz aktiv nach neuen Büchern,  vor allem in den USA. Viele Neuerscheinungen in diesem Jahr waren ursprünglich Geschichten, die zuvor im Netz veröffentlicht worden sind. So hat die 16-jährige Emily Baker ursprünglich „One Direction“-Fanfiction geschrieben (für die älteren Leser: One Direction ist eine britische Boyband, die gerade von überwiegend weiblichen Teenagern weltweit angehimmelt wird). Im Oktober wurde bekannt, dass sie vom Penguin-Verlag das Angebot bekommen hat, ihre Geschichte „Me, Myself, and One Direction“ als Buch zu veröffentlichen.

Letztendlich ist das eine interessante Aussage über die Produktion von Texten und Geschichten. Der Schriftsteller Jonathan Lethem schreibt in seinem Essay „The extasy of influence“ (auf Deutsch gekürzt: „Autoren aller Länder, plagiiert Euch“): „Jeder Text ist vollkommen eingesponnen in Zitate, Bezüge, Echos und kulturelle Sprachen, die ihn in ein riesiges stereophones Gewebe einarbeiten. [...] Der Kern, die Seele – sagen wir ruhig: die Substanz, der tatsächliche werthaltige Stoff – allen menschlichen Ausdrucks ist das Plagiat.“ Fanfiction-Autoren nehmen die uns umgebende Medienwirklichkeit und machen sie zu ihrer eigenen – eine Art moderner Folk-Tradition. Der Erfolg von Fanfiction ruft nun wieder die traditionellen Verlage auf den Plan, diejenigen, die eigentlich immer die Originalität und Authentizität von Literatur verteidigen.

Die geplante Biografie von Christian Grey von Bluemoose Books ist eigentlich auch nur Fanfiction. Der Unterschied war wohl, dass der Verleger sie nicht anonym im Netz veröffentlicht hat, sondern damit Geld verdienen wollte. Er überlegt nun, ob er nicht ein Buch über den Fall schreiben soll. Ein Buch über das Buch über das Buch. Dafür dürfte er eigentlich nicht verklagt werden können, glaubt er. Sicher ist er sich aber nicht.

Reposted bykrekk krekk

January 26 2013

Brewster Kahle: “The best way to preserve things is to make things accessible”

Schöner Ausschnitt aus der Dokumentation „Archive” von Jonathan Minard: Brewster Kahle führt durch das von ihm gegründete Internet Archive in einer ehemaligen Kirche in San Francisco und erklärt dessen Arbeitsweise und Philosophie:

[via]

December 19 2012

„The Stream” über das „Recht auf Remix” mit Lawrence Lessig, Andrew Keen und anderen

In der Sendung „The Stream” auf Al Jazeera war gerade Creative-Commons-Mitgründer und Harvard-Jurist Lawrence Lessig zu Gast und diskutierte über die Forderung nach einem Recht auf Remix, das Urheberrecht, Fair-Use-Regeln und mehr.

Zugeschaltet in die Sendung werden der Kulturkritiker Andrew Keen, der Filmemacher Kirby Ferguson („Everything is a remix”) und Teresa Nobre, Rechtschefin von Creative Commons Portugal. Inhaltlich sind die Positionen in der Diskussion inzwischen zwar weniger überraschend, aber es ist eine empfehlenswerte Sendung geworden, wenn man mehr über die Hintergründe und Diskussionen bei freien Lizenzen und Netzkultur erfahren will. Im deutschen Fernsehen sucht man vergleichbare Sendungen bislang fast vergeblich.

„The Stream” über das „Recht auf Remix” mit Lawrence Lessig, Andrew Keen und anderen

In der Sendung „The Stream” auf Al Jazeera war gerade Creative-Commons-Mitgründer und Harvard-Jurist Lawrence Lessig zu Gast und diskutierte über die Forderung nach einem Recht auf Remix, das Urheberrecht, Fair-Use-Regeln und mehr.

Zugeschaltet in die Sendung werden der Kulturkritiker Andrew Keen, der Filmemacher Kirby Ferguson („Everything is a remix”) und Teresa Nobre, Rechtschefin von Creative Commons Portugal. Inhaltlich sind die Positionen in der Diskussion inzwischen zwar weniger überraschend, aber es ist eine empfehlenswerte Sendung geworden, wenn man mehr über die Hintergründe und Diskussionen bei freien Lizenzen und Netzkultur erfahren will. Im deutschen Fernsehen sucht man vergleichbare Sendungen bislang fast vergeblich.

September 26 2012

Neu erschienen: Kulturen und Ethiken des Teilens

Im Verlag der Universität Innsbruck ist gerade der deutsch-englische Sammelband „Cultures and Ethics of Sharing / Kulturen und Ethiken des Teilens” erschienen. Herausgegeben von Wolfgang Sützl, Felix Stalder, Ronald Maier und Theo Hug nimmt der Band das Teilen aus verschiedenen wissenschaftlichen Perspektiven in den Blick und streift damit, kaum überraschend, auch das Urheberrecht. In der Einleitung heißt es:

Dass das Teilen in der Gesellschaft der Gegenwart einmal eine so große Rolle spielen würde, hätte bis vor kurzem wohl kaum jemand vorausgesagt. Diese neue Bedeutung des Teilens ist wohl eine der überraschendsten Entwicklungen des frühen 21. Jahrhunderts – überraschend, aber nicht unerklärlich. In den vergangenen zehn Jahren gab es zahlreiche Entwicklungen, die Bedingungen schufen, in denen sich neue Praktiken entfalten konnten und die Rolle des sozialen Zusammenhalts und des Teilens neu gesehen werden.

Beiträge zum Thema gibt es von Manfred Faßler, Volker Grassmuck, Doreen Hartmann und vielen anderen. Das Buch gibt es für EUR 27,90 auf Papier oder kostenlos in der PDF-Version.

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