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December 03 2013

Filesharing: Ein Jahrzehnt der Zahlenakrobatik

Kaum ein paar Monate vergehen, ohne dass eine neue Studie oder ein neuer Bericht über die ökonomischen Auswirkungen von Filesharing erscheint. Die Ergebnisse fallen unterschiedlich aus – so oder so aber zeigen sie, wie stark die Rechteindustrie ihre Fragen in der Debatte verankern konnte.

Es gibt kaum einen Bereich der Netzpolitik, in dem so ausdauernd und über mittlerweile mehr als ein Jahrzehnt mit Zahlen jongliert wird, wie beim Thema Filesharing und Urheberrecht. In seinem Buch „The Piracy Crusade“ beschreibt der Medienwissenschaftler Aram Sinnreich eine der frühen Episoden. In den Nullerjahren für die New Yorker Marktforschungsfirma Jupiter Research tätig, untersuchte er die Zahlungsbereitschaft von Nutzern der noch jungen Musikplattformen im Netz. Wer die damals verbreitete P2P-Software Napster nutzt, werde mit deutlich höherer Wahrscheinlichkeit auch mehr Geld für Musik ausgeben. So die damalige Studie der Firma, die zur Entwicklung von „Post-Napster“-Produktformaten anriet.

Für die Musikindustrie sei dieser Befund eigentlich eine gute Nachricht gewesen, meint Sinnreich. Doch deren Vertreter hätten nicht erfreut, sondern mit Empörung reagiert. Und Studien beauftragt, die das Gegenteil erweisen würden. Die Studie von Jupiter Research fiel – sicher kein Zufall – in die Hochzeit der gerichtlichen Auseinandersetzungen um Napster, aus denen die Musikindustrie mit einem Sieg hervorging, der ihr paradoxerweise noch lange zu schaffen machte. Napster verschwand, aber Filesharing-Systeme wurden avancierter, ein Teil wanderte ins Darknet ab und entzog sich der Kontrolle. Die Entwicklung neuer Angebote aber machte wenige Fortschritte.

Der Kampf um die Rechtsdurchsetzung im Netz hat sich seitdem auf andere Schauplätze verlagert: Statt den mal auf-, mal wieder abtauchenden Filesharing-Plattformen selbst wurden verstärkt diejenigen ins Visier genommen, die als Mittler im Netz ausgemacht wurden: Accessprovider sollen an Warn-, Sperr- und „Aufklärungs“ -Systemen mitwirken, Suchmaschinen müssen Links auf urheberrechtsverletzende Websites entfernen. In letzter Zeit geraten zunehmend die Geldflüsse für Werbung auf illegalen Plattformen ins Blickfeld der Musikindustrie. Zumindest dem kommerziellen Teil des Filesharing könnte damit der Hahn abgedreht werden, so die Hoffnung.

Lobbyschlacht mit Studien

Geblieben aber ist die Formel: Unautorisierte Downloads sind verlorene Verkäufe. Diese wird zwar nicht immer ausgesprochen, scheint aber implizit hinter den Verlautbarungen der Musik-, Film- und Softwareindustrie zu stehen. So erklärte etwa der Bundesverband Musikindustrie im August 2013: „Die Wissenschaft hat sich lange mit der Frage eines Zusammenhangs zwischen illegalem Filesharing und legaler Musiknutzung beschäftigt und ist dabei zu vergleichsweise klaren Ergebnissen gekommen: Grundsätzlich kamen alle ernstzunehmenden Studien zu dem Schluss, dass sich ein negativer Einfluss von Piraterie auf Abverkäufe feststellen lässt.“

In Statements wie diesen zeigt sich, dass sich an der Haltung, die Sinnreich schon Anfang der Nullerjahre ausmachte, wenig geändert hat. Diese Aussage kann nur stimmen, wo sämtliche Forschung, die andere als die gewünschten Ergebnisse liefert, als „nicht ernstzunehmen“ gewertet wird. Tatsächlich vergehen selten ein paar Monate, ohne dass das Gegenteil vermeldet wird. Zuletzt etwa Ergebnisse von Untersuchungen des Joint Research Centre der EU-Kommission. Dessen Forscher werteten das Benutzerverhalten über Clickstream-Daten verschiedener Plattformen aus und kamen zum Schluss, dass sowohl Filesharing als auch die Nutzung von Streamingportalen sich positiv auf Verkäufe bei Downloads auswirke.

In den Netz- und Technikblogs stoßen diese Untersuchungen regelmäßig auf breite Aufmerksamkeit. „Wir haben es ja schon immer gesagt, nun hat es auch die Wissenschaft bewiesen“ – so oder ähnlich lassen sich die Reaktionen im Netz zusammenfassen. Rezipiert wird allerdings auch hier primär das, was das eigene Weltbild bestätigt. Ob dieses dann „Respect copyrights“ oder „sharing is caring“ lautet, macht so gesehen keinen großen Unterschied.

Die einen sagen so, die anderen so

Wer die nicht enden wollenden Untersuchungen der letzten Jahre überblickt, wird jedoch nur eines mit Sicherheit sagen können: Ob Filesharing sich positiv, negativ oder gar nicht auf die Umsätze der Inhalteindustrien auswirkt, darüber besteht keine Einigkeit. Sinnreich nennt die Studien daher einen „digitalen Rohrschachtest“: Die Ergebnisse scheinen mehr über den Forscher auszusagen als über sein Objekt.

Um nur zwei weitere zu nennen: In der Untersuchung „Piracy and Movie Revenues: Evidence from Megaupload“ analysieren die Wirtschaftswissenschaftler Christian Peukert, Jörg Claussen und Tobias Kretschmer die Einspielergebnisse von Kinofilmen nach der Megaupload-Schließung und konstatieren mit Ausnahme einiger Blockbuster einen Rückgang. Brachte Megaupload Filme ins Gespräch? Möglich. In einer Literaturschau über verschiedene Studien kommen Michael D. Smith und Rahul Telang von der Carnegie Mellon University in Pittsburgh dagegen zum Fazit, die große Mehrheit der Untersuchungen zeige einen negativen Einfluss des Filesharing. In der Fußnote bedanken sich die Autoren für die „großzügige Unterstützung“ durch den US-Filmverband MPAA.

Dass all die Studien zu unterschiedlichen Ergebnissen kommen, hat natürlich auch weitere Gründe: Nicht nur sind Politik und Industrie eben Auftraggeber, jede Untersuchung grenzt auch die Fragestellung auf ein bearbeitbares Maß ein, arbeitet mit anderer Methodik, zieht mal mehr, mal weniger verallgemeinerungsfähige Schlüsse – über einen bestimmten Zeitraum, ein bestimmtes Sample. Wer das letzte Wort über Filesharing von Studien erwartet, dem wird auch die nächsten Jahre vermutlich nicht langweilig.

Wer die Fragen beherrscht

Nicht nur, aber auch mit dem Einsatz selbstfabrizierter Zahlen ist es den Rechteinhabern in den letzten Jahren fast durchweg gelungen, die Politik in ihrem Sinne vor sich her zu treiben: Mit internationalen Verträgen, bei Schutzfristen, Haftungsregeln und der Indienstnahme der Zugangsprovider. Im Urheberrecht sind sie die durchsetzungstärkste Akteursgruppe, wie die Autoren Ian Brown und Christopher Marsden in ihrem Buch „Regulating Code“ resümieren. Allerdings halten sie auch fest: Die erfolgreichste waren sie deshalb nicht. „Die großen Rechteinhaber haben fast zwei Dekaden damit verbracht, die Beschaffenheit des Internets und des Computers im Sinne von Geschäftsmodellen zu ändern, die auf der Knappheit von Kopien und der Kontrolle über sie basieren – mit wenig Erfolg.“

Dass das Netz noch nicht umfassend in ihrem Sinne umgestaltet wurde, liegt dabei weniger daran, dass sie in der Politik kein Gehör fanden. Entscheidend war eher die Untauglichkeit der eingesetzten Methoden. Es zeigt sich etwa beim eingeführten Verbot, Kopierschutz zu umgehen: Die Systeme sollten die Quadratur des Kreises vollbringen und Kopien digitaler Werke verhindern, die bei jeder Nutzung notwendig anfallen. Der offenkundig untaugliche technische Schutz wurde dennoch von der Politik mit einer weiteren, rechtlichen Hülle versehen. Erfolgreich waren die Rechteindustrien auch darin, dass die ökonomischen Auswirkungen von Filesharing bis heute zu den Kernfragen der Diskussion zählen. Dabei ließe sich auch umgekehrt fragen: Wenn Filesharing die Umsätze einiger Industrien unterminiert, wäre das schlimm? Sollten die Gewinnerwartungen der Kulturindustrie die Regulierung des Netzes bestimmen?

Ein Grund, dass dieses „Framing“ von Filesharing bis heute erfolgreich ist, liegt darin, dass die Kulturindustrie ihre Interessen in der öffentlichen Diskussion mit denen von Künstlerinnen und Kreativschaffenden gleichzusetzen vermochte. Ein kürzlich vom deutschen Bundesverband Musikindustrie gestartetes „Gütesiegel“ für legale Angebote etwa nennt sich „Playfair“. „Fair“ ist dabei alles, worauf der Verband seinen Stempel setzt – was am Ende bei Musikern ankommt, ist egal. Hinterfragt wurde das kaum.

Es geht nicht um Technik

Verglichen mit der Musik- und Filmindustrie waren Netzpolitikerinnen und -politiker nur in Einzelfällen erfolgreich, ihre Fragen in der Debatte zu verankern. So bleibt auch die Wahrnehmung weitverbreitet, Netzpolitik sei ein versponnenes Hobby einiger Nerds. Und die „Deutsche Content Allianz“, ein Lobbyverband von Sendern und Rechteindustrie, kann in einem Forderungspapier zur Bundestagswahl proklamieren: „Fest steht: Die Netzpolitik, wie wir sie kannten, einseitig von der Technikseite her argumentierend, gibt es nicht mehr“.

Gemeint ist: Sie soll es höchstens noch als Unterfeld der Kultur- und Medienpolitik geben. Damit würde aber eine der wesentlichen netzpolitischen Punkte über Bord geworfen: Dass die Regulierung von Kopien in digitalen Systemen nicht nur die Distributionskanäle der Kulturindustrien betrifft, sondern stets auch Informations- und Kommunikationsfreiheiten. Dafür werden Netzpolitiker weiter streiten müssen.

fabrikzeitungDieser Artikel erschien zuerst in der Fabrikzeitung. Lizenz: CC BY-SA. Ausgabe Nr. 297 (PDF) ist dem Thema Netzpolitik gewidmet und bringt weitere Beiträge von Clemens Apprich, Thomas Hoeren, Urs Meile, Thomas Stadler, Falk Steiner und Ivan Sterzinger.

 

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September 16 2013

Will die Musikindustrie eigentlich Musik verkaufen?

Der Radiojournalist Jörg Wagner führt ein Interview mit dem Musiker Ingo Pohlmann. Das Interview wird zusätzlich gefilmt und von Wagner auch bei YouTube eingestellt. Es ist an ein paar Stellen mit kurzen Einspielungen aus dem Album des Künstlers unterlegt. Das Video wird anschließend bei YouTube gesperrt und zwar mit dem altbekannten Hinweis auf die GEMA.

Wagner ist sich sicher, dass die GEMA nicht dahintersteckt. Bleibt nur eine Intervention der Plattenfirma Sony Music Entertainment oder vorauseilender Gehorsam von YouTube als Sperrgrund. Es geht um das Recht auf öffentliche Zugänglichmachung, das der Künstler vermutlich durch die GEMA wahrnehmen lässt. Vor diesem Hintergrund hat YouTube schon früher erklärt, jegliche “Premium-Musik” zu sperren. Es ist also naheliegend, dass YouTube hier sperrt, ohne von der GEMA oder dem Label dazu unmittelbar aufgefordert worden zu sein. Weil es keine vertragliche Vereinbarung zwischen der GEMA und YouTube gibt, geht die Videoplattform im Grunde aber zu Recht davon aus, dass sie in Deutschland im Zweifel die Musik großer Labels nicht vorhalten darf.

Urheberrechtlich kann man im konkreten Fall sicherlich bereits darüber diskutieren, ob die Einspielung kurzer Sequenzen des Albums zur Untermalung des Interviews von § 50 UrhG gedeckt ist. Aber ganz unabhängig davon, führt sich die Musikindustrie hier einmal mehr selbst ad absurdum. Man schickt einen neuen Künstler auf eine Promo-Tour, kann aber anschließend nicht gewährleisten, dass die im Zuge dessen entstandenen Interviews, die ja eigentlich den Verkauf des Albums ankurbeln sollen, tatsächlich verfügbar sind. Man kennt die Diskussionen in denen sich GEMA, YouTube und die Musikindustrie wechselseitig die Schuld für diese Situation in die Schuhe schieben zur Genüge. Am Ende hat niemand etwas davon. Die Nichtverfügbarkeit ist weder im Interesse des Künstlers, noch des Konsumenten. Und im Interesse eines Musikkonzerns, dem man unterstellen muss, dass er mit der Musik seiner Vertragskünstler Geld verdienen will, sollte sie auch nicht sein.

August 16 2013

Cloud-Links: Die Kosten von Prism, Gmail und die Privatsphäre, Vergütung bei Spotify

Die Folgen der Überwachung in Wirtschaft und Politik, die Privatsphäre bei Gmail, Spotify und die Musiker: Gesammelte Links der Woche.

Forrester zu den Prism-Folgen für Cloud-Anbieter

Nachdem vergangene Woche eine ITIF-Studie schwere Umsatzverluste für US-Cloudanbieter als Folge der NSA-Enthüllungen prognostizierte, hält der Forrester-Analyst James Staten die Schätzung noch für zu gering. Er prognostiziert Umsatzverluste von 180 Milliarden Dollar für Unternehmen bis 2016 – zumindest im Worst-Case-Szenario. Auch US-Bürger würden einheimische Dienste weniger nutzen, europäische und andere Anbieter müssten ebenso mit Verlusten rechnen. Der nächste G20-Gipfel sei gefordert, sich mit internationalen Regeln zur Überwachung zu befassen, meint Staten. Gigaom, Informationweek und Venturebeat diskutieren, was von der Prognose zu halten ist.

Bundesregierung mit Bericht zur Privatsphäre und „No-Spy”-Entwurf

Ebenfalls im Gefolge der NSA-Affäre hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen „Fortschrittsbericht” zum Schutz der Privatsphäre beschlossen. Er soll den Fortschritt beim Mitte Juli von der Regierung vorgestellten „Acht-Punkte-Plan” festhalten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert, der Bericht sei überwiegend unkonkret und gehe an den Problemen vorbei. Für ein sogenanntes „No-Spy-Abkommen” zwischen BND und NSA gibt es derweil einen ersten Verhandlungsentwurf. Was drin steht, schreibt Spiegel Online. Es soll im Kern der Ausspähung von Regierung, Behörden und Wirtschaft begegnen. Bürger werden nicht erwähnt, wie Patrick Beuth in einem Kommentar bei Zeit Online bemerkt.

Haben Gmail-Nutzer Privatsphäre?

Eine Äußerung von Google-Anwälten im Rahmen einer Sammelklage sorgt für viele Berichte. Das Unternehmen habe zugegeben, dass Gmail-Nutzer keine Privatsphäre hätten, erklärte die US-Organisation Consumer Watchdog. Die Äußerungen von Consumer Watchdog werden aber auch sehr kritisch betrachtet: The Verge weist darauf hin, dass sich die Anwälte nicht auf Gmail-Kunden bezogen hätten. Readwrite hält die Diskussionen über das Scannen von Mails zu Werbezwecken für „mikroskopische Haarspalterei”. Für Mike Masnik bei Techdirt gehen die Schlagzeilen komplett am Thema vorbei, doch auch die Google-Argumentation sei verfehlt. Wieviel Privatsphäre Gmail-Nutzer unabhängig davon haben, kommt in der Diskussion erstaunlicherweise nicht vor.

Lavabit-Gründer: „Ich wollte nicht in eine Situation gebracht werden, in der ich private Daten herausgeben muss”

Ladar Levison, der den von ihm gegründeten sicheren E-Mail-Dienst Lavabit vergangene Woche mit einer kryptischen Erklärung dicht machte, hat dem Magazin „Democracy Now” ein Interview gegeben. Neben ihm: sein Anwalt Jesse Binnall. Es ist ein beeindruckendes Interview, in dem Levison und Binnall an entscheidenden Stellen keine Antwort geben dürfen. Nach US-Recht würden sie sich strafbar machen, wenn sie gegen Redeverbote verstoßen. Ein Transkript des Interviews gibt es hier.

Spotify und die Vergütung

Nach dem Rückzug von Thom Yorke bei Spotify wird weiter über die Vergütung für Musiker bei Streaming-Diensten und die Ökonomie der Musikindustrie diskutiert. Im New Yorker unterhalten sich der Kritiker Sasha Frere-Jones, Musiker Damon Krukowski, Produzent Dave Allen und der Künstler und DJ Jace Clayton darüber, wovon Musiker und Bands eigentlich leben und was das Internet damit zu tun hat. Das deutsche Wall Street Journal interviewt den Spotify-Gründer Daniel Ek, der zu den Äußerungen von Künstlern sagt: „Ich bin nicht überrascht, ich bin darüber betrübt.”

June 28 2013

Musikhörer, Musiker, Musikgeschäft: Doku „A Silent Rockumentary“ angelaufen

„Und da stellen sich nun die Internet-Revoluzzer hin und meinen, Sie würden es denen ‚da oben’ mal zeigen. Dabei schädigen sie vor allem die ‚da unten’. Das ist das, was man unterm Strich mal sehen muss.“

Sagt Doc Wenz, Bandleader der Mannheimer Mardi Gras BB, zum Umgang mit digitalen Musikdateien und den Folgen für Musiker. Und er sagt noch viel mehr dazu im Dokumentarfilm „A Silent Rockumentary“, der seit gestern in deutschen Kinos läuft.

Das von Regisseur Jonas Grosch gedrehte Werk beschreibt sich selbst als vermutlich weltweit ersten Dokumentarfilm über eine Musikband, der als Stummfilm erzählt werde. „Ausschließlich die mitreißende und abwechslungsreiche Musik der Band ist es, die den Zuschauer zu ‘stummen‘ Bildern und Texttafeln mitnimmt auf eine Reise in die Tiefen des Musikbusiness.“

Die Mardi Gras.BB gründete sich vor 20 Jahren als eine der ersten deutschen Brass und Marching Bands in Mannheim. „Doch in Zeiten illegaler Downloads und schwindendem Interesse am Schutz des Urheberrechts, muss sich auch eine Kult-Band wie Mardi Gras.BB mit einem Mal die Existenz-Frage stellen“, heißt es in der Filmbeschreibung auf der zugehörigen Facebook-Seite.

„A Silent Rockumentary“ will den die Zuschauer dabei mitnehmen, wie die Band auf diese Fragen ganz eigene Antworten findet. Der Film spiegele das Ringen zwischen Alt und Neu, Tradition und Moderne. Er erhielt bereits den Preis als „Bester Dokumentarfilm 2012“ bei den 34. Biberacher Filmfestspielen.

Zwar habe ich den Film noch nicht gesehen, doch mein Interesse ist durch den Trailer geweckt: Ich will gerne erfahren, wie eine solche Band ihre Überlebensformel findet und wie diese funktioniert. (Und die Musik geht doch auch gut ab).

May 28 2013

Die Regeln der Filesharer

Filesharing findet, so könnte man denken, in einer Art rechtsfreiem Raum statt; statt analoger Knappheit herrscht digitaler Überfluss. Der Budapester Ökonom und Berkman-Fellow Bodó Balázs kommt in einem bemerkenswerten Aufsatz zu einem anderen Ergebnis. Balázs hat geschlossene, nur für Mitglieder zugängliche Filesharing-Communities untersucht und ist dabei auf ein komplexes Regelwerk gestoßen, mit dem die Mitglieder den gemeinsamen Bestand an Inhalten pflegen, bestimmte Werke knapp halten, andere aber nicht.

Ironie der Geschichte: Dass es solche geschlossenen Plattformen überhaupt gibt – Balázs nennt zum Beispiel ein Peer-to-Peer-Netzwerk für Arthouse-Kino, ein nationalistisches Filesharing-Netzwerk in Ungarn und eine Plattform der ungarischen Minderheit in Rumänien –, ist selbst schon ein Ergebnis der Durchsetzungsstrategien der Rechteinhaber. Nach dem Vorgehen gegen Napster & Co. gab es für die Filesharing-Plattformen zwei Möglichkeiten: Die Flucht nach vorne à la Piratebay oder der Gang in den digitalen Untergrund.

Der Aufsatz in Slides: Bodó Balázs: Voluntary IP regimes in piratical file-sharing communities

Doch während die Nutzer der offenen Plattformen kommen und gehen – downloaden und wieder verschwinden – haben sich um die geschlossenen Peer-to-Peer-Plattformen dauerhafte Communities gebildet, deren Regeln nach Balázs einer Art informellem Schatten-Urheberrecht gleichen. So hat das erwähnte ungarische Filesharing-Netzwerk eine Schutzfrist von sechs Monaten eingeführt, vor deren Ablauf Werke nicht getauscht werden dürfen („um die nationalistischen Künstler zu schützen”). Bei anderen Plattformen steuern die Regeln für die „share ratio” (das Verhältnis von Up- und Downloads eines Nutzers), welche Inhalte leicht erhältlich sind und halten Trittbrettfahrer draußen.

Als Ergebnis solcher und anderer Mechanismen haben die Filesharing-Communities eine neue, künstliche Knappheit eingeführt, die dem Überleben der Plattform und der Erhaltung der gemeinsamen Ressourcen dient. Aber auch informelle Kooperationen mit Urhebern und Rechteinhabern gibt es, wenn etwa bestimmte Werke wieder schnell von der Plattform genommen werden sollen oder die Betreiber zum legalen Kauf der Inhalte auffordern. Obwohl die Plattformen in der Illegalität operieren, haben beide Seiten ein Interesse an Kooperation.

Balázs zieht drei Schlüsse aus seiner Untersuchung:

1.) Es kommt nicht darauf an, was legal ist, sondern was in den Augen der Nutzer ethisch legitimiert ist. So weine kaum jemand Kim Schmitz’ Megaupload eine Träne nach, während sich Sony ein PR-Desaster einhandelte, als das Unternehmen die Preise für Whitney-Houston-Songs kurz nach ihrem Tod ganz legal erhöhte. Blinde Rechtsdurchsetzung würde demnach nur zu neuen Feindseligkeiten führen.

2.) Filesharer bilden Gemeinschaften – nicht nur von Konsumenten, sondern von Konsumenten und Produzenten. Die Trennung von „Fan” und „Urheber“ in der klassischen Kulturindustrie funktioniert nicht mehr, entsprechend auch keine „Wir gegen die“-Haltung im Urheberrecht.

3.) Wer diese geschlossenen Filesharing-Communities trocken legen will, würde nicht nur den gemeinsamen Ressourcenpool, sondern auch ihre Regeln und Kontrollmechanismen zerstören. Dabei könnten gerade diese eine Allianz mit Rechteinhabern ermöglichen, haben sie sich doch nach Balázs’ Ansicht als effiziente Form der „Rechts”-Durchsetzung – wenn auch bislang nur in der Illegalität – erwiesen:

Paradoxical as this may sound, the aforementioned piratical communities may be the enforcement allies that rights-holders have been seeking all this time. In any case, it is apparent that they both have at least one interest in common: a sustainable cultural ecosystem.

Man muss die Schlüsse von Balázs nicht teilen. Aber zukunftsweisender als die hundertste Forderungsrunde zu Warnhinweisen und Netzsperren (diese Woche: Schweiz) sind sie allemal.

March 26 2013

Wo sind die Gewinne der Musikindustrie hin?

Über die Musikindustrie und ihre Milchmädchenrechnung speziell mit Blick auf das Filesharing habe ich vor längerer Zeit schon mal ausführlich gebloggt.

Wenn ich jetzt bei Heise lese, dass Apple mit iTunes rund 2 Milliarden Dollar Gewinn erzielt, passt das ins Bild. Die Musikindustrie hätte diese Gewinne ohne weiteres selbst machen können, wenn sie Ende der neunziger Jahre aus der Schmoll- und Prozesshansel-Ecke raus gekommen wäre und sich auf ein im Wandel befindliches Musikgeschäft konzentriert hätte. Gleichzeitig belegen diese Zahlen aber auch eindrucksvoll, dass nicht das Filesharing bzw. das sog. Raukopieren das größte Problem der Musikindustrie ist, sondern vielmehr der Umstand, dass man die Herausforderungen des Internets nicht rechtzeitig angenommen und auch jetzt noch nicht vollständig begriffen hat, dass es kein Zurück zu alten Geschäftsmodellen gibt, egal wieviele Filesharer man noch abmahnt.

Reposted bykrekk krekk

January 19 2013

Redigi: Download-Trödelmarkt will in Europa starten

Der Download-Marktplatz Redigi will bis Ende März in Europa starten. Das berichtet die Financial Times.

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January 14 2013

January 11 2013

Amazons Autorip: Bekommen wir demnächst auch Bücher geschenkt?

Amazons US-Kunden, die dort nach 1997 Musik-CDs gekauft haben, bekommen die Musik nun als MP3-Datei im Cloud-Player des Unternehmens bereitgestellt.

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September 24 2012

Wochenrückblick: Dritter Korb, digitaler Buchverleih, Universal-EMI

Statt dem Dritten Korb zur Urheberrechtsreform wird es nur Einzelregelungen geben, der EuGH wird sich mit Regelungen für elektronische Leseplätze befassen, die EU-Kommission hat d

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August 27 2012

Wochenrückblick: Apple vs. Samsung, Nutzungsstudie, Trennungsgebot

Vor einem Bundesgericht in Kalifornien unterliegt Samsung Apple im Patentkrieg, die jährliche Nutzungsstudie der Musikindustrie legt eine Akzeptanz von Warnhi

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March 20 2012

Piraten-Studie zu Musiker-Einkommen: Widersprüchliche Zahlen

Das Internet hat nicht dazu beigetragen, dass Musiker weniger Geld verdienen als zuvor. Es hat vielmehr dazu geführt, dass Musiker im Durchschnitt heute mehr Geld einnehmen als 1995.

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February 17 2012

Content Allianz fordert rasche Umsetzung von ACTA

Die Deutsche Content Mafia Allianz hat die Bundesregierung aufgefordert, das umstrittene völkerrechtliche Abkommen ACTA  ohne weitere Verzögerung umzusetzen. Dieser Allianz gehören u.a. der Bundesverband der Musikindustrie, die Spitzenorganisation der Filmwirtschaft (SPIO), die GEMA, ARD und ZDF, der Börsenverein des Deutschen Buchhandels sowie der Verband Privater Rundfunk und Telemedien (VPRT) an.

Bei der Lektüre dieser lobbyistischen Pressemitteilung muss ich einmal mehr feststellen, dass die Vorstellungen darüber, wie eine zukunftsorientierte Reform des Urheberrechts aussehen muss, gar nicht weiter auseinandergehen könnten. Man hat unweigerlich den Eindruck, dass die Content-Industrie die bestehende Legitimationskrise des Urheberrechts schlicht ignoriert. Es ist genau diese Geisteshaltung, die die immer wieder beklagten Krisen der Musikindustrie und der Verlage maßgeblich mitverursacht hat. Die mangelnde Kreativität einer Branche, die davon lebt, mit der Leistung Kreativer Geld zu verdienen, ist vielleicht ihr größtes Problem.

Und mit Blick auf die gebührenfinanzierten öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ARD und ZDF, die ebenfalls meinen, in das Horn der Urheberrechtslobbyisten blasen zu müssen, hat mich vorher gerade ein Tweet des Kulturschaffenden Alexander Lehmann zum Nachdenken angeregt.

Wieso setzen sich eigentlich genau die für ein gestriges Urheberrecht ein, die von einer Art “Kulturflatrate” leben? #ARD #ZDF #GEZ

Eine berechtigte Frage, über die Frau Piel und Herr Schächter vielleicht auch einmal nachdenken sollten.

February 11 2012

Warum ACTA nicht in Kraft treten darf

Auf Einladung der Berliner Initiative gegen das ACTA-Abkommen hielt iRights.info-Mitgründer Matthias Spielkamp bei der Berliner Anti-ACTA-Demonstration eine der Eröffnungsreden. Wir dokumentieren:

ACTA sieht keine Netzsperren vor. ACTA schreibt nicht vor, dass Internet-Serviceprovider den Datenverkehr überwachen. ACTA allein würde keine Internetzensur mit sich bringen. ACTA würde wohl nicht dafür sorgen, dass unser Laptops am Flughafen darauf kontrolliert würden, ob wir eine DVD darauf gespeichert haben, die man nicht rippen darf.

Und nicht zuletzt: ACTA ist kein Gesetz.

ACTA ist ein internationales Abkommen, das gerade in der EU in einem komplizierten Prozess zuerst in eine Richtlinie verwandelt werden müsste, anschließend in nationale Gesetze. Bis das, was in ACTA festgehalten ist, bei uns ankommt, wird die Gesetzgebung also noch mehrfach demokratisch kontrolliert.

Kein Grund zur Aufregung also, wie uns einige ACTA-Kritik-Kritiker weis machen wollen? Lieber mal die Kirche im Dorf lassen und den Vertragstext studieren, der ja doch bei weitem nicht so schlimm ist, wie viele sagen? Statt den vielen Polemikern zu glauben, die doch in Wirklichkeit nur das Urheberrecht abschaffen wollen, weil sie zur Alles-Umsonst- oder Geiz-ist-Geil-Generation gehören und hoffen, kein Geld mehr für Musik und Filme ausgeben zu müssen?

Warum nicht auf die Parlamente vertrauen?

Warum sind wir denn überhaupt hier? Warum lassen wir die EU-Staaten, die USA, Mexiko, Japan und viele andere Länder nicht einfach ACTA abnicken und verlassen uns darauf, dass in unseren Ländern der Gesetzgeber schon nicht die strikteste Auslegung des internationalen Abkommens zum Gesetz machen wird?

Weil wir es besser wissen. Weil wir immer und immer wieder erlebt haben, dass mit jedem Schritt, den sie uns näher kommen, solche Regelungen nicht abgeschwächt werden, sondern verschärft.

Weil, um nur ein einziges Beispiel zu nennen, aus dem WIPO-Copyright-Treaty eine Regelung im deutschen Gesetz hervorgegangen ist, die es verbietet, einen wirksamen Kopierschutz zu umgehen, wie es dort heißt. Die es verbietet, Werkzeuge und Dienstleistungen anzubieten, die es ermöglichen, einen solchen Kopierschutz zu umgehen. Und die es verbietet, solche Dienstleistungen oder Werkzeuge zu bewerben.

Ich will gar nicht darauf eingehen, dass mir bis heute niemand erklären konnte, warum ein wirksamer Kopierschutz gesetzlich geschützt werden muss.

Die Folge früherer internationaler Abkommen – eine Gefahr für die Freiheit

Aber ich will darauf eingehen, dass die Rechteindustrie mit der Hilfe dieses Gesetzes nicht nur versucht hat, kopiergeschützte CDs einzuführen, die niemand wollte, die nicht funktioniert haben, und die auch für ihre treuesten Kunden der beste Anreiz waren, doch mal auszuprobieren, was es denn mit diesen sagenumwobenen Tauschbörsen auf sich hat.

Ich will darauf eingehen, dass die Unternehmen mithilfe dieses schlechten Gesetzes, das aus einem internationalen Abkommen hervorgegangen ist, noch viel weiter gegangen sind, als nur ihre Kunden zu enttäuschen. Dass sie versucht haben, journalistische Berichterstattung zu verhindern. Dass sie Abmahnungen verschickt und versucht haben zu verbieten, dass Links gesetzt werden zu Unternehmen, deren Produkte Universal und Warner und Sony und Bertelsmann nicht gefallen. Und dass diese Unternehmen es auch in vielen Fällen geschafft haben, diese Berichterstattung und diese Links verschwinden zu lassen. Und dass der Heise-Verlag, den man nicht genug dafür loben kann, bis vor den Bundesgerichtshof gehen musste, um dafür zu sorgen, dass die Rechteindustrie in ihre Schranken gewiesen wird.

Heißt das denn nicht aber, dass unser System der Gewaltenteilung funktioniert? Dass wir uns darauf verlassen können, dass ja am Ende doch wieder alles ins Lot kommt, weil die Richter freiheitsliebender sind als die Regierungen?

Natürlich nicht. Sondern es heißt, dass wir dafür sorgen müssen, dass misslungene internationale Abkommen, die hinter verschlossenen Türen ausgehandelt werden, gar nicht erst unterzeichnet werden – damit wir eben nicht darauf hoffen müssen, dass ein Heise-Verlag, oder ein Bündnis gegen die Vorratsdatenspeicherung den Jahre dauernden Weg durch die Instanzen antritt, um dann irgendwann darauf zu hoffen, dass die Richter das richtige tun werden.

Wir müssen unser Freiheit so früh verteidigen, wie wir können.

Viel ist inzwischen darüber gesagt und geschrieben worden, dass ACTA gegenüber früheren Fassungen stark entschärft worden ist. Das ist richtig. Aber wem haben wir das zu verdanken? Unseren Regierungen, die an den Verhandlungen beteiligt waren, und die dafür gesorgt haben, dass zwar die Lobbyisten der Rechteindustrie mit am Tisch sitzen durften, aber keine Bürgerrechtsorganisationen? Unseren Regierungen, die Jahre lang versucht haben, möglichst keine Informationen an die Öffentlichkeit dringen zu lassen, damit die Verhandlungen nicht „gestört“ werden? Die eine Anfrage nach der anderen, doch bitte den Stand der Verhandlungen offen zu legen, damit beantwortet haben, dass das den Erfolg dieser Verhandlungen gefährdet?

Selbstverständlich nicht. Wir haben es denjenigen zu verdanken, die seit Jahren an den verschlossenen Türen dieser Hinterzimmer gerüttelt haben, die Anfragen mithilfe von Informationsfreiheitsgesetzen gestellt haben, um unsere Regierungen dazu zu zwingen, uns, dem Souverän, Auskunft darüber zu geben, unter welchen Regelungen wir denn in Zukunft zu leben haben.

Wir haben es Organisationen zu verdanken wie European Digital Rights, der Electronic Frontier Foundation, Knowledge Ecology International, der Digitalen Gesellschaft und vielen, vielen anderen.

Wir sind heute hier – heute, in dieser eisigen Kälte an einem Samstagmittag Anfang Februar, an dem man auch gemütlich zuhause sitzen und heißen Tee trinken könnte – wir sind heute hier um zu zeigen, dass es nicht nur diese Organisationen sind, die etwas gegen ACTA einzuwenden haben. Sondern zehntausende Bürgerinnen und Bürgern, stellvertretend für noch viele mehr, die ihre Freiheit so sehr lieben, dass sie sich dafür die Füße abfrieren. Viel Spaß also uns allen also, und viel Erfolg!

January 16 2012

Wochenrückblick: SOPA, Abmahnung, Irland

Auch in Europa wird verstärkt über das geplante SOPA-Gesetz diskutiert, ein Gericht bezeichnet eine Filesharing-Abmahnung als „unbrauchbare Dienstleistung”, die Musiki

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November 14 2011

Wochenrückblick: EMI, Admin-C, Patent Wars

Universal und ein Sony-Konsortium übernehmen EMI, auch Domainverwalter können markenrechtlich haftbar sein, der Patentstreit zwischen Samsung und Apple geht weiter.

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May 19 2011

Halina Wawzyniak: Tatsächliche Interessen von Kreativen und Nutzern in Einklang bringen

Eines der größten Probleme des aktuellen Urheberrechts ist, dass es den Entwicklungen des Internet immer noch hinterherhinkt.

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May 03 2011

Musik und Internet: Willkommen im rechtsfreien Raum

So lautet der zugespitzte Titel des Editorials der aktuellen Mai-Ausgabe der Musikzeitschrift “melodie & rhythmus” (m&r). Neben lesenswerten Beiträgen und Geschichten über viele Musiker und die Entwicklung sowie die Rahmenbedingungen der Szene, liegt der Schwerpunkt des Heftes auf dem Umgang mit Musik im Internet.

Im Interview “Philipp Otto: Verwerter vertreten die Interessen der Verwerter” erläutere ich dabei gegenüber m&r unter anderem, wie mögliche Konfliktlösungen im Dreiklang zwischen Urhebern, Nutzern und Verwerten aussehen können. In einer Antwort im Interview heißt es dazu: “Die Musikindustrie muss den Nutzer als Kunden ernst nehmen und ihm solche Angebote machen, die er auch haben will. Dazu gehört, dass die gekaufte Musik kostengünstig, sowie frei von technischen Restriktionen ist und dass der Kunde nach eigenem Belieben über sie verfügen kann. Im privaten Bereich brauchen wir eine komplette Entkriminalisierung.”

Im Schwerpunkt finden sich weitere spannende Artikel. Volker Grassmuck, iRights.info-Gründer und langjähriger iRights.info-Projektleiter beschreibt in seinem Essay “Vom Kopf auf die Füsse. Für eine Kulturwende” die grundlegenden Merkmale der digitalen Revolution und ihre praktischen Auswirkungen auf neue Formen der Nutzung, der Produktion und der Distribution von digital verfügbaren Kulturgütern. Er erläutert dabei auch, warum die “Remix-Dissertation” von Karl-Theodor (ff.) zu Guttenberg etwas anderes ist, und von uns anderes wahrgenommen wird, als beispielsweise andere Remix-Culture-Werke.

Daneben gibt es das Interview “Ich verstosse gegen deutsches Recht” mit Mashup-Germany a.k.a. Ben Stiller, einem der bekanntesten Mashup-DJs in Europa über seine Kultur, seine Werke und seine Probleme mit Major Lables wie Warner Music und notwendige Veränderungen im Urheberrecht. Im Beitrag “Die Robin Hoods der Musik” werden Netlabels als neue und unmittelbare Form der Verbreitung von Musik vorgestellt. Im Artikel “Geisterjagd – Musik im Internet und ihre Legenden” geht es ebenfalls um neue Formen und die Geschichte der Nutzung von Musik.

Der Schwerpunkt wird abgerundet durch eine Fotoreportage über Künstler im Netz und einem Gespräch mit Ernst-Christian Zander, Musikchef von Radio Fritz des rbb, über die Wege die der Sender geht, um seine Inhalte auch im Netz möglichst vielen Hörern zugänglich zu machen. Zu guter letzt findet sich im Heft noch ein Gespräch mit Ruben Jonas Schnell, dem Gründer des in Hamburg beheimateten Radios ByteFM.

Das aktuelle Heft von m&r ist ab 09. Mai am Kiosk und im Abo erhältlich. Die Inhalte finden sich, leider nur angeteasert, auch auf der Website von m&r.

February 19 2011

Raubkopierer verfolgen ist doch der absolute Fullshit

Heute kommt einmal Dieter Bohlen zu Wort. Poptitan, DSDS-Scharfrichter und You`re my heart You`re my soul. Manchmal kann man Revolutionen auch einfach erklären, Bohlen war so freundlich, genau dies in seinem Buch “Bohlenweg – Planieren Statt Sanieren” (eingeschränkte Kaufempfehlung) zu tun. Es geht um Filesharing, Raubkopierer, die Vergangenheit und die Zukunft der Musikindustrie und um Brathähnchen. Vorneweg, so einfach wie wahr, stellt er fest, Leute wegen Filesharing von urheberrechtlich geschütztem Material zu verfolgen sei der absolute Fullshit. Recht hat er.

Die mangelnde Fähigkeit der Musikindustrie mit dem Internet umzugehen veranschaulicht er strukturell:

“Es gibt dieses Kastendenken, die Manager sind die Checker und die Kreativen sind die Volldeppen, die ihre Musik machen und die Fresse halten sollen.”

Er stellt fest, dass Spielzeuge zum Spielen da sind, denn:

“Wenn man den Leuten viel Geld für Computer und Programme abnimmt darf man sich doch nicht wundern wenn die Leute damit machen was möglich ist. (…) Die Leute werden die Technik nutzen, da können sie lange Gesichter machen und rumschreien wie sie wollen.”

Anschaulich erklärt er die momentane Situation:

“Warum sollen die Leute für etwas bestraft werden, was Ihnen die Industrie also die Computerfirmen überhaupt erst ermöglicht haben. Im Moment passiert doch folgendes: man sagt dir, du kauf dir jetzt ein schönes Hähnchen sowie Messer und Gabel und stell dir das auf den Tisch. Für das Hähnchen hast du gezahlt, für Messer und Gabel auch, ebenso für den Tisch, aber: Gegessen wird jetzt nicht, du darfst dir das Hähnchen nur mal angucken.”

Problem erkannt, wo ist die Lösung? One Satz fits it all:

“Die Hardwareindustrie leistet eine Abgabe, sozusagen eine Flatrate, die die Lizenzen für die Musik abdeckt. Die Musikbranche hat nur dann noch eine Chance wenn sie sich verschlankt, also die Administration verkleinert und sich dem Wettbewerb stellt.”

Und wenn das jetzt zu kompliziert war, nochmal zusammengefasst:

“Die goldenen Jahre in denen eine Menge von Leuten den ganzen Tag herumsaßen und nichts aber auch gar nichts von der Ampel geschoben haben, sind vorbei. Die kommen nicht wieder. Und wenn man sich nicht selbst anpasst, wird einen die Realität anpassen.”

Das gibt es auch alles nochmal zum Anhören: Bohlen liest aus seinem Buch:

January 21 2011

Musikindustrie hat Angst vor neuer Top-Level-Domain

Die Musikindustrie kämpft weiterhin gegen das Internet, anstatt zu versuchen, die Chancen zu nutzen, die es bietet. Jüngstes Beispiel ist ein Streit von 15 Verbänden der Musikindustrie mit der ICANN.

Die Lobbyisten scheinen Angst vor der Einführung der geplanten Top-Level-Domain .music zu haben. Die Industrie befürchtet, dass die neue TLD die Gefahr von Urheberrechts- und Markenrechtsverletzungen erhöht und hat diese Bedenken in einem Brief an die ICANN zum Ausdruck gebracht. Eine Annahme, die ich in etwa so abwegig halte, wie die jahrelang von der Musikindustrie geäußerte These, dass man über das Netz keine Musik verkaufen kann.

Das Beispiel zeigt deutlich, dass die Musikindustrie nach wie vor nichts gelernt und wenig verstanden hat.

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