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April 01 2010

Eine kurze Geschichte über Twitter und…über Liebe!

Zu Ostern gibt es außnahmsweise in diesem Blog einmal einen literarischen Leckerbissen von iRights-Autor Philipp Otto. Es geht um eine Überraschung, einen Kuss (mindestens einen), um Twitter, warme Gefühle und um aufregende Gedanken. Die 21jährige Maria erzählt, was ihr neulich an diesem heißen Sommertag passiert ist. Eigentlich wollte sie nur zum Faulenzen runter an den See. Doch dann… Kommentieren und weiterverbreiten ist ausdrücklich erwünscht. Viel Spaß bei diesem Auszug aus dem Leben auf dem Land und dieser “erotischen Liebesgeschichte” (Simone).

Eine Liebesgeschichte – Als Twitter mein Leben verändert hat
Ich bin Maria. 21 Jahre alt. Voller Lebenslust und ja – ich muss gestehen – ich bin überrascht worden. Und wie hat das alles angefangen und was bedeutet das? Eine berechtigte Frage. Ich will es euch erzählen. Kurz vor meinem 20. Geburtstag hat alles angefangen. Es war dieser verdammt heiße Tag im Juli. Wie so oft hatte ich keine Lust irgendwas sinnvolles zu tun. Also entschied ich mich an den See zu gehen. Da ich keine Lust hatte bei meinen Freunden anzurufen ob mich jemand begleiten will, bin ich alleine los. Bevor ich aber anfange zu erzählen, vielleicht ein bißchen was zu mir. Wie gesagt, inzwischen bin ich 21, sehe glaube ich ganz gut aus, zumindest bin ich der festen Überzeugung dass es so ist und bin manchmal ganz schön überzeugt von mir. Manchmal natürlich auch nicht. Aber das hat jetzt hier natürlich ganz und gar nichts zu suchen. Mit meinem Schmollmund lächele ich das weg. Ihr werdet nichts merken.

Ich bin mitten auf dem Land aufgewachsen. So richtig mitten auf dem Land. Ich kann alles was ein Mädchen können muss das hier aufgewachsen ist. Insbesondere bin ich Spezialistin in der Lösung von hochkomplizierten Beziehungsgeflechten zwischen Jungs und Mädchen aus Nachbardörfern, kann ordentlich Unfug machen und bin mit Abstand die Beste wenn es darum geht glitschige Frösche durch die offenen Fenster von Autos, die an Ampeln stehen, zu werfen. 

Ein erfülltes Leben also. Allerdings auch mit ein paar Schattenseiten. Zum Beispiel und das ist natürlich furchtbar! Die Jungs….ein Kreuz sage ich euch. Entweder sind sie die Coolsten von der Welt und sobald ein Windhauch kommt fangen sie an zu jammern. Oder sie sind so richtig voll romantisch. Mit dem ganzen Schnickschnack wie Kerzen, Vollmond und hach hast du wunderschöne Augen. Ist ja ganz nett, eine Weile. Oder aber sie haben die ganze Welt gesehen, kennen immer alle und alles. Am Anfang ist man dann ganz begeistert, himmelt sie an und malt sich aus wie man gemeinsam die ganze Welt erobert. Irgendwann kommt aber immer die Erkenntnis dass doch alles irgendwie nur auf Sand gebaut ist. Der von dem man dann träumt, der muss ja schließlich alles zusammen haben und ganz vorne dran muss er ein Räuber sein. Gar nicht so einfach. Drunter mache ich es aber nicht, das habe ich mir geschworen. Und um dem Schwur nicht brüchig zu werden, kann ich gerne warten. Ein bißchen streicheln und Illusionen haben dürfen sie die anderen Jungs, mein Herz kriegen sie nicht! Hah! Eigentlich spielt das ja aber gar keine so große Rolle für meine Geschichte die ich euch erzählen will. Vielleicht aber doch. 

Also dieser heiße Tag. Mit der dicksten Sonnenbrille die ich auftreiben konnte, in einem gelben schulterfreien Oberteil und mit diesem wunderbaren weißen Rock mit den kleinen roten Blumen bin ich los Richtung See. Ich liebe es wenn meine Füße dreckig sind, wenn der Staub der Straße von der Plastikschlaufe meiner FlipFlops abgerieben wird. Ich merke wie meine Schultern von der Sonne ganz heiß werden und sich in meinem Nacken Schweiß bildet. Ich atme dann erstmal ganz tief durch, fühle mich ziemlich gut und schlendere den Weg entlang. Ab und an kommt meine Tasche mit der Wasserflasche, dem iPod und dem Superbuch mit Lisbeth Salander dann auf die andere Schulter. Zum See ist es gar nicht soweit. Ein paar Meter geht es noch durch einen kleinen Wald, dann liegt er auch schon vor mir. Sofort überkommt mich das Gefühl mich auszuziehen und in das kühle Wasser zu springen. Das mache ich aber natürlich nicht! Wahrscheinlich muss ich dazu noch älter werden. Dann aber bestimmt. So cool wie das coolste Mädchen vom Land schlendere ich zum Ufer, lege mein Handtuch hin und lege mich drauf. Erstmal ankommen und schauen wer denn noch so alles da ist. Ein paar wenige. Es ist wohl noch zu früh. Wer ist schon kurz nach Mittag am See, nur besonders faule Mädchen. Egal, mir gefällt es. 

Er sieht schön aus, der See. Auf seiner Oberfläche und in den leichten Wellen flirren die Sonnenstrahlen und blenden mich trotz Sonnenbrille. Ich lege mich auf den Rücken schließe die Augen, bewege meinen Oberkörper, strecke die Beine aus und atme ganz tief aus. Wunderbar. Ich genieße den Wind der meine Beine angenehm kühlt, aber auch eine leichte Gänsehaut hinterlässt. Ich versinke reglos in Gedanken. Fast wäre ich eingeschlafen, doch ein Geräusch auf dem See hielt mich davon ab. Ich stützte mich auf meine Ellenbogen und richtete mich auf. Zuerst konnte ich nichts sehen, doch nachdem sich meine Augen wieder an das helle Licht gewöhnt hatten, konnte ich einen jungen Mann sehen der in einem Boot auf dem See unterwegs war. Mit kräftigen Schlägen trieb er das kleine Ruderboot auf dem Wasser. Ich musste lächeln als ich mich bei dem Gedanken ertappte er würde oben ohne rudern. Natürlich war das nicht so, er hatte ein dunkles T-Shirt an. Und: Er ruderte in meine Richtung. Das gefiel mir, dann konnte ich ihn mir aus der Nähe ansehen. 

Ich war ganz auf ihn konzentriert. Er sah ganz gut aus, soviel konnte ich inzwischen sehen. Und es schien interessant zu werden, er lächelte in meine Richtung. Nie würde ich zeigen dass mir das gefiel, jedenfalls am Anfang nicht! Er rief irgendwas, doch ich verstand ihn nicht. Ich richtete mich auf und rief ganz laut zurück: “Was? Du bist zu leise!”. Er bedeutete mir zu warten bis er da wäre. Da warte ich doch gerne bis er sein Schiff in den Hafen manövriert hat. Inzwischen saß ich im Schneidersitz. Unbewusst hatte ich mit meinen Armen noch meine Brüste berührt und mich aufrecht hingesetzt. Nun war er da. Er rief: “Hej, ich mache mal fest oder hast du Lust mit auf das Boot zu kommen?” Eine Sekunde Schockstarre. Eigentlich wollte ich ihn kommen lassen, nun musste ich schon eine Entscheidung treffen. Wie ungeplant. Ohne Nachzudenken entgegnete ich: “Warum nicht?” Während ich aufstand und meine Sachen in den Beutel warf war ich sehr überrascht, was ich hier gerade gesagt hatte. Kurz überlegte ich meine Antwort zurück zu nehmen, musste aber viel zu viel lächeln. Zum Glück sah er das nicht. Mein Gesicht war beim Einpacken von ihm abgewandt. Fertig, noch einmal durchatmen, umdrehen und dann ab auf das Boot. 

Mit drei Schritten durch das Wasser war ich am Boot. Mit wenigen Bewegungen war ich auf dem Boot. Und in einer Situation, wo ich nicht wusste was ich sagen sollte. Zum Glück übernahm er das: “Willkommen an Bord. Willst du am Ufer entlang und wilde Graureiher beobachten, durch das Schilf und brütende Möven aufschrecken oder auf hohe See?” Während er mir die Alternativen vorschlug blickte ich ihn das erste Mal aus der Nähe an. Er war groß, war leicht gebräunt, hatte einen leicht struppigen Bart, dunkle Augen, vom Wind durchwuschelte Haare und lächelte. Ich musterte ihn wie einen Kleiderständer, so perplex war ich in diesem Moment. “Träumst du?” Ich kam zu mir und presste zwischen mein Lippen ein “natürlich auf die hohe See” hervor, “alles andere wäre ja auch fies!” Er schob das Boot mit einem Ruder weg vom Ufer und fing an zu paddeln. Nach ein paar Schlägen konnte man den Grund des Sees nicht mehr sehen und das Boot entfernte sich vom Ufer. Ich saß völlig unpassend im Boot. Zumindest kam es mir so vor. Tausend Gedanken schwirrten durch meinen Kopf. Was mache ich hier? Warum bin ich nicht am Ufer geblieben? Wer ist das? Der sieht schon ziemlich gut aus! Den kenne ich aber gar nicht! oder? Wo fahren wir hin? Wunderschön hier draußen zu sein! Ein schönes Holzboot! Er rudert kräftig, das Boot bewegt sich rhythmisch aber doch ruhig, der kann das. warum habe ich ihn hier noch nie gesehen? Ich bin doch öfter am See! Wie er wohl heißt? Das sieht gut aus wenn er zur Seite schaut während er rudert…ich fing mich gerade noch rechtzeitig als ich gemerkt habe dass er ansetzt etwas zu sagen.

Ich blickte ihn lächelnd und mit leicht gesenktem Kopf an. Er lächelte auch. “Hi, schön dass du mitgekommen bist.” Ja finde ich auch. Er hörte mit dem Rudern auf und streckte mir seine Hand entgegen: “Ich bin Ronny, der Fischer vom See”. Ich musste schlucken. Ronny, der Fischer vom See. Ronny heißt er. Fischer ist er. seit wann gibt es hier Fischer? Und es gibt also auch viele Fische, sonst würde sich fischen ja gar nicht lohnen. Ich kam aber nicht weiter dazu nachzudenken, ich antwortete sofort: “Und ich bin Maria, keine Fischerin, trotzdem aber ab und an am See”. Ronny lächelte. Ich auch. Wir kamen langsam ins Gespräch. Wir redeten über dies und das. Ich fragte ihn ob er öfter einfach junge Frauen vom Ufer mitnimmt die eigentlich nur im Sinn hatten ein Buch zu lesen und an ihrer Bräune zu arbeiten. Er lachte und verneinte. Das war das erste Mal. Normalerweise war er sehr froh auf dem See seine Ruhe zu haben, zu rauchen, über das Leben nachzudenken und zu fischen. Er war mir sehr sympathisch. 

Irgendwann musste ich ja diese dämliche Frage stellen, war aber ok: “Und, was fischt man als Fischer hier so? Fische?” Ronny blickte mich tief an. Ich hatte einen kurzen Moment das Gefühl ihn gekränkt zu haben. Die Unsicherheit nahm er mir aber sehr schnell. “Hier gibt es viele Fische, schöne, hässliche, schnelle und gemächliche. Darf ich dir aber eine Geschichte von einem ganz besonderen Fisch erzählen?” “Au ja” antwortete ich. “Es gibt hier in diesem See einen ganz besonderen Fisch. Einen sehr großen Fisch.” Ich verzog meine Mundwinkel etwas und blickte ihn skeptisch an. “Leg dich hin, dann erzähle ich es dir”. Irgendwas war heute gar nicht im Lot. Ohne zu zögern legte ich mich ohne jeglichen Protest auf den Rücken ins Boot und blickte in den Himmel. “Hej, ich sehe dich ja gar nicht mehr!” “Das macht nichts, du sollst ja auch zuhören”. Lächelnd und ein bißchen mit einem Hauch von Hingabe antwortete ich: “Na gut, eine Wahl habe ich anscheinend nicht!” Ronny begann zu erzählen. 

Vor vielen Jahren hat hier am See mal ein alter Mann gelebt. Seine große Leidenschaft war das Meer. So oft er konnte war er dort. Irgendwann merkte er dass sein Körper nicht mehr wollte und er kaum noch laufen konnte. Auf einer seiner letzten Reisen zum Meer brachte er lauter seltene Pflanzen und Tiere mit und setzte sie hier im See aus. Dabei war auch eine große Wasser-Schlingpflanze. Die pflanzte er ganz in der Nähe seines Steges am Ufer des Sees. Was er nicht bemerkt hatte, an einem Blatt der Pflanze war ein großer Kokon. Und darin lebte etwas! Ein Fisch! Er war noch ganz klein. Niemand bemerkte zunächst seine Anwesenheit. Erst als er sich mit seinen Raubfischzähnen aus dem Kokon befreit hatte konnten es alle anderen Bewohner im See sehen: Es war ein Delphin! Ein echter Delphin! Erst hatten alle furchtbar Angst, da er ziemlich schnell ziemlich groß wurde und manchmal sogar auch andere Fische auffraß. Mit der Zeit freundeten sich aber alle im See mit ihm an. In Vollmondnächten sieht man ihn oft wie er springt und durch das Wasser tollt. Voller Lebenslust und gierig nach Abenteuern. Tagsüber versteckt er sich meistens. Wenn ich mit dem Boot unterwegs bin ist er oft sehr nah. Manchmal blickt er mich auch durch die Wasseroberfläche an. Und: er lächelt! Wir mögen uns. 

Ich hörte der Geschichte von Ronny genau zu, schweifte aber in Gedanken auch immer wieder ab. Das war ganz schön schön. Natürlich war das eine große Lügengeschichte! “Hej großer Fischer, hat er denn auch einen Namen, dein Delphin?” “Natürlich! Weil er so schnell und geschickt ist und zudem auch mit seiner Sprache in Sekundenschnelle alle anderen Fische herbei trommeln kann hat er einen ganz besonderen Namen bekommen! Er heißt Twitter!” Ich musste lächeln. Ein sehr schöner Name. Flipper kannte ich ja schon. Aber Twitter! In meinen Gedanken stellte ich ihn mir vor wie er durch das Wasser jagt, schnelle Bögen schlägt und vor Lust wild prustend aus den Wellen Richtung Sonne springt nur um sogleich wieder gurgelnd in den Fluten zu verschwinden. Ich hatte meine Augen geschlossen und fühlte mich sehr wohl. Ich richtete mich auf und blickte Ronny an. Dann kletterte ich durch das Boot rüber zu ihm und berührte ihn mit meinen Händen an seinen Schultern. Ich senkte meinen Kopf und flüsterte ihm ins Ohr “Lieber unbekannter Fischer, das war eine sehr schöne Geschichte. Und weil Twitter gerade tief unten im See seine Runden dreht und uns nicht ablenkt, küsse ich dich jetzt.” Ronny konnte gerade noch seine Augenbrauen ein bißchen nach oben ziehen bevor mein Mund seinen berührt hatte. Meine Hände legte ich an seine Schläfen und hielt ihn ein bißchen fest. Meine eine Hand fuhr in seine Haare. Meine Zunge schmeckte das Salz des Meeres und den Reiz des Abenteuers…

Epilog: 

Irgendwann ist es dann dunkel geworden. Auf dem See im weiten Land dümpelt immer noch ein kleines Boot im auffrischenden Abendwind. Maria und Ronny liegen Arm in Arm und blicken in die Sterne. Ab und an berührt Maria das Wasser. In Gedanken immer an eine Berührung mit Twitter. Denn es ist ja Nacht und der Mond scheint auf den See und manchmal hört sie Geräusche im Wasser. Sie weiß dann, Twitter ist ganz nah.

Wer mehr über Twitter oder über die Zukunft von Ronny und Maria oder den unbekannten See in einem weiten Land wissen will, der kann sich gerne an den Autor wenden.

Philipp Otto, 19.02.2010
otto@irights.info

Dieser Text ist urheberrechtlich geschützt und lizenziert unter der
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March 05 2010

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