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August 16 2013

Cloud-Links: Die Kosten von Prism, Gmail und die Privatsphäre, Vergütung bei Spotify

Die Folgen der Überwachung in Wirtschaft und Politik, die Privatsphäre bei Gmail, Spotify und die Musiker: Gesammelte Links der Woche.

Forrester zu den Prism-Folgen für Cloud-Anbieter

Nachdem vergangene Woche eine ITIF-Studie schwere Umsatzverluste für US-Cloudanbieter als Folge der NSA-Enthüllungen prognostizierte, hält der Forrester-Analyst James Staten die Schätzung noch für zu gering. Er prognostiziert Umsatzverluste von 180 Milliarden Dollar für Unternehmen bis 2016 – zumindest im Worst-Case-Szenario. Auch US-Bürger würden einheimische Dienste weniger nutzen, europäische und andere Anbieter müssten ebenso mit Verlusten rechnen. Der nächste G20-Gipfel sei gefordert, sich mit internationalen Regeln zur Überwachung zu befassen, meint Staten. Gigaom, Informationweek und Venturebeat diskutieren, was von der Prognose zu halten ist.

Bundesregierung mit Bericht zur Privatsphäre und „No-Spy”-Entwurf

Ebenfalls im Gefolge der NSA-Affäre hat das Bundeskabinett am Mittwoch einen „Fortschrittsbericht” zum Schutz der Privatsphäre beschlossen. Er soll den Fortschritt beim Mitte Juli von der Regierung vorgestellten „Acht-Punkte-Plan” festhalten. Der Verbraucherzentrale Bundesverband kritisiert, der Bericht sei überwiegend unkonkret und gehe an den Problemen vorbei. Für ein sogenanntes „No-Spy-Abkommen” zwischen BND und NSA gibt es derweil einen ersten Verhandlungsentwurf. Was drin steht, schreibt Spiegel Online. Es soll im Kern der Ausspähung von Regierung, Behörden und Wirtschaft begegnen. Bürger werden nicht erwähnt, wie Patrick Beuth in einem Kommentar bei Zeit Online bemerkt.

Haben Gmail-Nutzer Privatsphäre?

Eine Äußerung von Google-Anwälten im Rahmen einer Sammelklage sorgt für viele Berichte. Das Unternehmen habe zugegeben, dass Gmail-Nutzer keine Privatsphäre hätten, erklärte die US-Organisation Consumer Watchdog. Die Äußerungen von Consumer Watchdog werden aber auch sehr kritisch betrachtet: The Verge weist darauf hin, dass sich die Anwälte nicht auf Gmail-Kunden bezogen hätten. Readwrite hält die Diskussionen über das Scannen von Mails zu Werbezwecken für „mikroskopische Haarspalterei”. Für Mike Masnik bei Techdirt gehen die Schlagzeilen komplett am Thema vorbei, doch auch die Google-Argumentation sei verfehlt. Wieviel Privatsphäre Gmail-Nutzer unabhängig davon haben, kommt in der Diskussion erstaunlicherweise nicht vor.

Lavabit-Gründer: „Ich wollte nicht in eine Situation gebracht werden, in der ich private Daten herausgeben muss”

Ladar Levison, der den von ihm gegründeten sicheren E-Mail-Dienst Lavabit vergangene Woche mit einer kryptischen Erklärung dicht machte, hat dem Magazin „Democracy Now” ein Interview gegeben. Neben ihm: sein Anwalt Jesse Binnall. Es ist ein beeindruckendes Interview, in dem Levison und Binnall an entscheidenden Stellen keine Antwort geben dürfen. Nach US-Recht würden sie sich strafbar machen, wenn sie gegen Redeverbote verstoßen. Ein Transkript des Interviews gibt es hier.

Spotify und die Vergütung

Nach dem Rückzug von Thom Yorke bei Spotify wird weiter über die Vergütung für Musiker bei Streaming-Diensten und die Ökonomie der Musikindustrie diskutiert. Im New Yorker unterhalten sich der Kritiker Sasha Frere-Jones, Musiker Damon Krukowski, Produzent Dave Allen und der Künstler und DJ Jace Clayton darüber, wovon Musiker und Bands eigentlich leben und was das Internet damit zu tun hat. Das deutsche Wall Street Journal interviewt den Spotify-Gründer Daniel Ek, der zu den Äußerungen von Künstlern sagt: „Ich bin nicht überrascht, ich bin darüber betrübt.”

August 09 2013

Cloud, Lavabit, Vertrauen: Wie Überwachung das Internet verändert

Während der Überwachungsskandal um Prism, XKeyscore & Co. noch nicht abgeklungen ist, wird bereits deutlich, dass er auch die Internetwirtschaft, das Angebot an Diensten und die Architektur des Internets deutlich verändern könnte. Einige Links zu den jüngsten Entwicklungen:

US-Cloudanbieter befürchten Verluste

Eine Studie des Thinktanks Information Technology & Innovation Foundation (ITIF) prognostiziert für US-Cloudanbieter – etwa Microsoft, Google oder Amazon – Umsatzverluste von 21,5 Milliarden Dollar in den nächsten drei Jahren. Im Ausland könnten die US-Anbieter Marktanteile zwischen 10 und 20 Prozent einbüßen, folgert die Untersuchung, die unter anderem auf Umfragen des Branchenverbands Cloud Security Alliance basiert.

Besonders europäische Konkurrenten für US-Dienste hätten „die Chance erkannt und werden versuchen, sie zu nutzen”, hält der Bericht fest. Die ITIF fordert von nun von der amerikanischen Regierung, Informationen über das Prism-Programm offenzulegen und Unternehmen zu erlauben, ihre Nutzer stärker über Anfragen staatlicher Stellen zu informieren. Auch im derzeit verhandelten transatlantischen Freihandelsabkommen sollten „Transparenzerfordernisse” für US- und EU-Unternehmen verankert werden.

Maildienst Lavabit schließt demonstrativ

Für kleinere Anbieter, die besonderen Wert auf Datensicherheit und Verschlüsselung legen, ist der Überwachungsskandal eine unerwartete Chance. Zugleich zeigt sich, dass gerade sie nur wenig Gewicht einbringen können: Der verschlüsselte E-Mail-Dienst Lavabit hat am Donnerstag seinen Betrieb eingestellt. Über die Hintergründe lässt sich nur spekulieren, denn bis auf eine Erklärung auf der Website des Dienstes ist bislang nichts Genaueres bekannt.

Lavabit-Gründer Ladar Levison schreibt in drastischen Worten, er habe vor der Wahl gestanden, sich an „Verbrechen gegen das amerikanische Volk zu beteiligen” oder den Dienst zu schließen – Details dürfe er nicht bekannt geben. Edward Snowden soll den Dienst während seines Aufenthalts im Moskauer Flughafen genutzt haben, US-Behörden könnten sich seitdem besonders für Lavabit interessiert haben.

Levison rät schließlich sogar ganz von US-Diensten ab:

This experience has taught me one very important lesson: without congressional action or a strong judicial precedent, I would strongly recommend against anyone trusting their private data to a company with physical ties to the United States.

Auch „Silent Circle” macht E-Mail dicht

Als Folge der Lavabit-Schließung hat der Anbieter Silent Circle heute ebenfalls seinen E-Mail-Dienst eingestellt. Cheftechniker Jon Callas, ehemals Mitentwickler der PGP-Verschlüsselung, erläutert die Entscheidung in einem Blogbeitrag. Wegen der starken Nachfrage habe man bislang auch einen E-Mail-Dienst angeboten, das aber müsse man nun revidieren.

Im Vergleich sei E-Mail grundsätzlich kein sicherer Kommunikationsweg mehr:

Email that uses standard Internet protocols cannot have the same security guarantees that real-time communications has. There are far too many leaks of information and metadata intrinsically in the email protocols themselves. Email as we know it with SMTP, POP3, and IMAP cannot be secure.

Callas verweist in seinem Posting auf Lavabit, stellt jedoch fest, man habe keine Datenforderungen von staatlichen Stellen erhalten.

Vertrauenskrise für Diensteanbieter

Eine bemerkenswerte Antwort auf die Frage, welchen Anbietern Nutzer noch vertrauen können, hat der Sicherheitsforscher Bruce Schneier in einem Beitrag für CNN gegeben:

The truth is, I have no idea. No one outside the classified government world does. I tell people that they have no choice but to decide whom they trust and to then trust them as a matter of faith.

Keine guten Aussichten für Nutzer. Immerhin: Die Internet-Vordenker und -Pioniere sind noch überwiegend optimistisch. „Der Kampf um die Kontrolle – und die Seele – des Internets hat gerade erst begonnen”, schreibt etwa Jeff Jarvis.

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