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January 28 2014

Kann man mit dem Urheberrecht noch Geld verdienen?

Wie sollen kreative Werke geschützt werden – und wem nützt dieser Schutz? Das Urheberrecht spielt dabei als Regelungsinstrument eine zentrale Rolle. Für die Linzer Designerin Magdalena Reiter hat es allerdings als Einkommensquelle ausgedient.

U-TonEin Debattenbeitrag im Rahmen der Sendereihe „U-Ton. Urheberrecht im Digitalen Zeitalter“.

Die Debatte rund um die Neugestaltung des *Urheberrechts* wird unter interessierten Kreativen heiß diskutiert. Sie kann sich dabei schnell im Kreis drehen, wenn man nicht einen größeren Bogen spannt und die viel weitreichendere, globale Diskussion rund um eine klar zu formulierende, aber schwer zu beantwortende Frage mitbedenkt: Wie wollen wir als Gesellschaft das Internet und die darin geltenden Spielregeln gestalten?

Offenheit und Schutz von Informationen in ein adäquates Maß zu bringen, ist bei der Beantwortung dieser Frage eine wichtige politische, soziale, aber auch ökonomische Aufgabe geworden, der wir die anstehenden Jahre und vielleicht Jahrzehnte widmen müssen. Eine zivilgesellschaftliche Tendenz ist dabei erkennbar: Personenbezogene Daten sind am besten by default gut geschützt, während Daten, die öffentlich getragen oder von der Öffentlichkeit bezahlt werden, dieser auch frei zur Verfügung stehen sollten.

Anders aber verhält es sich mit Daten, die die Privatwirtschaft generiert – die Perspektive ist unklar. Deswegen ist genau hier auch einer der größten Streitpunkte hinsichtlich des Urheberrechts angesiedelt: Die einen möchten eine restriktivere Durchsetzung, um ihre Inhalte besser verwerten zu können. Die anderen plädieren für eine Lockerung, um den heutigen Bedingungen zeitgemäß gerecht zu werden.

Prinzipiell verspricht das Urheberrecht den Rechteinhabern, dass sie für eine Zeit lang die Verwendungs- und Verwertungsrechte exklusiv innehaben. Es macht so temporäre Monopole in wirtschaftlicher Hinsicht möglich. Das wiederum soll gewährleisten, bereits entstandene Arbeit abzugelten, und die Einnahmen in weitere Entwicklungen investieren zu können. Hinsichtlich der wirtschaftlich prekären Situation, in der die Mehrheit der Kreativen steckt, ist eine Sicherstellung von Einnahmequellen ein notwendiges Bestreben. Doch die Rechnung geht nicht so einfach auf: „Urheberrechtsmärkte sind ‘Winner takes all’-Märkte[1],“ so der Kulturökonom Paul Stepan (PDF),„die zu einer sehr ungleichen Einkommensverteilung führen. Wenige Spitzenverdiener und noch weniger Spitzenverdienerinnen stehen einer breiten Masse aus wenig bis nichts Verdienenden gegenüber.“

Kreative haben es doppelt schwer mit dem Recht

Jene Kreative, die aus ihren Ideen verkaufbare Produkte produzieren, Start-ups gründen, oder die Nutzungsrechte ihrer Werke verkaufen können, haben es in doppelter Hinsicht nicht einfach mit dem gängigen Recht. Denn im Fall einer Verletzung des Urheberrechts sind es gerade Einzelpersonen und kleine Unternehmen, die es schwer haben, ihre Rechte – vor allem gegenüber den Großen – durchzusetzen.

Zudem wird momentan auf EU-Ebene diskutiert, die Netzneutralität, wie wir sie kennen, zu beschneiden. Das wiederum hieße, dass es zukünftig erlaubt sein könnte, Exklusivrechte von Internetprovidern käuflich zu erwerben. Solche Szenarien können unterschiedlich ausschauen: Die Internetgeschwindigkeit könnte auf gewissen Seiten erhöht oder gedrosselt werden. Zugangspakete zu großen Diensten wie Facebook oder Netflix könnten angeboten werden, die einen Zugang zu Blogs oder kleinen Websites – ja gar dem Rest des Internets – nicht beinhalten. Auch hier wird eines deutlich: Die bereits Erfolgreichen, die für solche Vorteile bezahlen können, haben eine deutlich höhere Chance, noch erfolgreicher zu werden, während es Nischenmärkte, kleine und neue Unternehmen noch schwieriger haben werden, ihre Inhalte und Produkte weiterzugeben, geschweige denn zu verkaufen.

Um es auf den Punkt zu bringen: Es sind die großen Player und wenige kreative Sternchen, denen gewisse Rechtslagen inklusive dem Urheberrecht monetär in die Hände spielen. In der Praxis zeigt sich also: Das Urheberrecht ist kein gutes Werkzeug zum auskömmlichen Wirtschaften.

Warum plädieren Kreative für ein restriktiveres Urheberrecht?

Kreative spüren diese Entwicklungen schon heute deutlich, obwohl sie zukünftig noch drastischer ausfallen könnten. Dennoch werden nicht selten diese negativen Konsequenzen auf das Internet geschoben, in dem (Urheber-)Recht und Gesetz nicht gelten soll. Wenn aber nur wenige vom Schutz ihres geistigen Eigentums profitieren können, warum sollte die große Masse an Kreativen für ein noch restriktiveres Urheberrecht plädieren?

Was auf den ersten Blick vielleicht paradox klingt, wird darum für immer mehr Kreative zur alltäglichen Methode: Damit sie unter fairen Bedingungen arbeiten können, geben sie einen Teil ihrer exklusiven Rechte auf, um den Pool an Wissen und Informationen zu vergrößern[2], die im Internet ohne gesetzlichen Grauschleier zirkulieren dürfen. Es sind meist die selben, die es schätzen, wenn ihre Inhalte geteilt und auf vielen unterschiedlichen Blogs und Websites gefunden werden können. Das hilft ihnen, Bekanntheit zu erlangen. Das mag momentan noch einige erfolgreiche KünstlerInnen hervorbringen, doch auch das Ringen um Aufmerksamkeit ist früher oder später ein harter Kampf für Kreative.

Langfristig müssen deswegen Einkommensquellen anders gesichert werden: Kreative Dienstleistungen müssen fair bezahlt werden. Eine solche Wertschätzung muss sich in Kollektivverträgen und Mindestlöhnen widerspiegeln. Zudem ist es notwendig, dass es weiterhin und vermehrt staatliche Förderungen gibt für lokale und zeitgenössische Kunst und Kultur, die nicht den Anspruch hat, verwertbar zu sein. Und schließlich müssen kulturelle Diversität gefördert und Monopolbildung gebremst werden – möglich ist das durch eine Lockerung des Urheberrechts.

[1] Rosen, Sherwin, The Economics of Superstars, in: The American Economic Review 71/5 (1981) 848-858

[2] An dieser Stelle empfehle ich den Vortrag von Leonhard Dobusch zur Kampage Recht auf Remix, den er anlässlich des 30c3 vor wenigen Wochen gehalten hat.

Magdalena Reiter arbeitet als Designerin. Ihr theoretischer Schwerpunkt liegt auf Open Design. Dazu bloggt sie auf MAKE DESIGN OPEN. Mit diesem Hintergrund arbeitet sie zudem für die CREATIVE REGION Linz & Upper Austria, die OPEN COMMONS_LINZ und in der Open Knowledge Foundation Austria.

January 07 2014

Kunst – mehr als Kommerz und Konsum?

Kunst unter den Bedingungen des Kapitalismus zu machen, ist nicht einfach, meint die Komponistin Ingrid Schmoliner. KünstlerInnen müssen sich meist in ein Leben am Existenzminimum einrichten.

U-TonEin Debattenbeitrag im Rahmen der Sendereihe „U-Ton. Urheberrecht im Digitalen Zeitalter“.

Als freischaffende Künstlerin muss ich mich immer wieder mit dem Urheberrecht in der einen oder anderen Form auseinandersetzen. Sei es als Improvisatorin, als Komponistin, als Ideenfinderin oder als Kuratorin.

Die Verwertungsgesellschaften für musikalische UrheberInnen in Österreich sind die AKM (Staatlich genehmigte Gesellschaft der Autoren, Komponisten und Musikverleger) und die Austro-Mechana (Gesellschaft zur Wahrnehmung mechanisch-musikalischer Urheberrechte); da es für mich keine anderen, besseren Möglichkeiten gibt, bin ich Mitglied dieser beiden Gesellschaften.

Bei einem Beitritt bekommt man sämtliche rechtlichen Informationen, die sich über unzählige Seiten erstrecken. Es darf bezweifelt werden, ob jedes Mitglied sich wirklich die Zeit nimmt, sich innerhalb dieser Bürokratie zu orientieren oder über die AKM-Website zu niederschwelligeren Informationen zu gelangen, sei es zum Thema Werklisten, Abrechnungsschlüssel und so weiter.

Was ist E, was ist U?

Was aber sicher gleich am Anfang schon Thema ist: die Einteilung in E-Musik und U-Musik. Vor allem die unterschiedliche Verteilung der Tantiemen ist sehr auffallend. So bekommen KomponistInnen, deren Werke in E-Musik eingeteilt und abgegolten werden, wesentlich höhere Beträge.

Wenn man sich den Tantiemenschlüssel der einzelnen Sparten ansieht – also welche Bezugsberechtigten am meisten über die Verwertungsgesellschaften erhalten –, so bekommen UrheberInnen der Musiksparten volkstümlicher Schlager, Schlager und Popmusik, welche eine breite Masse von Zuhörern ansprechen, den größten Anteil.

Meine Arbeit zählt nicht zum Mainstream und ich verdiene damit auch nicht viel. Jedoch werden die für mich relevanten Genres wie Instant Composition, Improvisation und sogenannte rahmend-hinweisende Kompositionen unabhängig von ihrem Charakter immer als U-Musik oder Klangkunst (die noch niedriger vergütet wird) abgerechnet, was meine Arbeit weder ideell noch finanziell angemessen würdigt.

Das wirft die Frage auf, welche Kunst wertvoll beziehungsweise ernsthaft ist und welche nicht. Das entscheidet bei den Verwertungsgesellschaften eine Jury. Aber ist das überhaupt zulässig oder gerecht?

Eine akademische Ausbildung als KomponistIn verhilft einem Mitglied eher dazu, dass die Jury eine hinweisend-rahmende Komposition als E-Musik wertet, allein durch den Abschluss am Papier. Andere UrherberInnen, die ähnliche – um nicht zu sagen fast identische – Arbeiten herstellen, werden aber in U-Musik/Klangkunst eingeteilt. Es kann nicht sein, dass die Qualität einer Komposition sich mit einem akademischen Abschluss automatisch bewerten lässt.

Seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in der improvisierte Musik und das sogenannte Instant Composing immer mehr Stellenwert, auch im klassischen Kontext, gewann, müsste es längst neue Bewertungen dieser schöpferischen Methode geben.

KünstlerInnen am Existenzminimum

Es gibt viele Parameter, die eine Arbeit wertvoll machen, und somit sollte diese als ernsthafte Arbeit abgegolten werden. Leider ist das nach wie vor nicht der Fall, was wiederum die Existenzberechtigung der KünstlerInnen in der heutigen „Geiz ist Geil“-Gesellschaft vergegenwärtigt. Ich muss nicht erwähnen, dass ich und viele meiner KollegInnen ständig am Existenzminimum leben.

Könnte das bedeuten, dass ich doch besser Mainstream-Musik schreiben oder spielen soll? Oder dass ich mir im nächsten Leben eine reichere Familie aussuchen sollte, die mir den Luxus einer Arbeit ohne Entgelt und gleichzeitig den Erhalt einer Familie ermöglicht, einen Arbeitsraum finanziert, Instrumente und die Veröffentlichungen bezahlt?

Zeit ist nicht vorhanden, muss aber unbezahlt zur Verfügung gestellt werden, um zu einem zufriedenstellenden Ergebnis zu kommen. Trotzdem bleibt die Frage offen, ob das daraus entstandene musikalische Schaffen ernsthaft ist? Armutsgrenze ist nun wahrlich kein Thema, da wir als KünstlerInnen nur von Luft und Luft leben?
Nun kann ich von Glück sagen, dass zwei meiner Produktionen aus dem SKE-Fonds der Austro-Mechana gefördert wurden. Als Kuratorin und Organisatorin des Festivals „New Adits“ wäre ich ohne die Fördergelder des SKE-Fonds und der Gesellschaft zur Förderung Österreichischer Musik (GFÖM) um vieles schlechter gestellt. Das Festival finanziert sich seit vier Jahren ohne private Sponsoren, allerdings wieder einmal nur mit unbezahlter Arbeitszeit der OrganisatorInnen.

Vergütung findet kaum statt

Es wäre deshalb für mich zum jetzigen Zeitpunkt nicht von Vorteil, wie es immer wieder in meinem Umfeld diskutiert wird, aus der AKM/Austro-Mechana auszutreten. Es wäre nur dann sinnvoll, wenn es alternative Förderquellen und Verwertungsgesellschaften gäbe. Doch wenn man sich die wirtschaftliche Lage ansieht, ist das nicht sehr wahrscheinlich. Ebenfalls unverständlich ist es, dass dem Musikland Österreich ein breites Spektrum an Kultur anscheinend nicht einmal soviel wert ist, dass zumindest die Leerkassettenvergütung funktionieren würde.

Zusätzlich findet eine Entwertung des musikalischen Schaffens durch Raubkopien und schnelle Verfügbarkeiten statt. Es braucht Zeit und Geld, um eine qualitativ hochwertige Aufnahme zu schaffen und verfügbar zu machen, aber entgolten wird diese natürlich nur marginal. Als Künstlerin muss ich Tonträger als Visitenkarte produzieren, um überhaupt wahrgenommen zu werden – zum größten Teil selbstfinanziert. Aber Frau kann ja froh sein, wenn sie überhaupt wahrgenommen wird!

Nachdem das digitale Zeitalter unaufhaltsam ist, die freie Marktwirtschaft und der Kapitalismus zusehends auch in der Kunst Einzug gehalten haben, stehen der Wert eines Werkes, die investierte Arbeitszeit, Ressourcen und künstlerische Handlung im Hintergrund. Eine äußerst bedenkliche Tatsache in diesem Rahmen ist, dass sich die Gagen der KünstlerInnen in den letzten zwanzig Jahren nicht der Inflation angepasst haben.

Da größtenteils der Konsum und nicht der mündige Genuss von Kunst Profit bringt, sehe ich meine Situation doch eher realistisch. Was nichts an der Aussage ändert: Die Hoffnung stirbt zuletzt.

Ingrid Schmoliner ist Komponistin und Pianistin sowie Lehrerin für Gesang und Klavier. Sie lebt und arbeitet in Wien.

December 31 2013

Verwertungsgesellschaften ­– Vermittler von Rechten

Für die Geschäftsführerin der Verwertungsgesellschaft Literar-Mechana Sandra Csillag sind Verwertungsgesellschaften die Interessenvertreter der Rechteinhaber. In Österreich hat ein Gesetz schon vor sieben Jahren dafür gesorgt, dass die VGs auf die neuen Bedingungen der digitalen Welt vorbereitet sind – EU-Richtlinien sind dafür nicht nötig.

Ein Debattenbeitrag im Rahmen der Sendereihe „U-Ton. Urheberrecht im Digitalen Zeitalter“.

U-TonVerwertungsgesellschaften gibt es seit mehr als hundert Jahren. Sie haben sich als Clearingstelle dort bewährt, wo Rechte massenhaft genutzt werden und haben immer wieder bewiesen, dass ein geordneter Rechtserwerb möglich ist. Sie haben die Funktion eines Vermittlers, der rasch, umfassend und kostengünstig den Zugang zu geschützten Werken – an einer Adresse – ermöglicht.

Grundprinzipien: Aufsicht – Transparenz – Effizienz – Verhältnismäßigkeit

Seit mittlerweile sieben Jahren verfügt Österreich über ein neues, modernes Gesetz, das die Rahmenbedingungen für Verwertungsgesellschaften absteckt. Die Eckpfeiler sind Monopolstatus, staatliche Kontrolle, Transparenz der Finanzen, Mitbestimmung der Urheber an der Willensbildung, Effizienz, aber auch Verhältnismäßigkeit. Es gab für dieses „Verwertungsgesellschaftengesetz“ keine europarechtliche Verpflichtung.

Österreich hat freiwillig eine ganze Branche für die modernen gesellschaftspolitischen und sozio-ökonomischen Anforderungen fit gemacht. Die jüngsten Disziplinierungsmaßnahmen der *EU-Kommissio*n, ausgehend von teilweise berechtigter öffentlicher Kritik wegen Unzulänglichkeiten in Organisations- und Transparenzfragen sowie Misswirtschaft in einzelnen großen europäischen Musikgesellschaften, kommen in Österreich jedenfalls zu spät und sind überflüssig.

Von den Künstlern für die Künstler

Verwertungsgesellschaften sind nicht die Gegenspieler ihrer Bezugsberechtigten. Sie wurden von den Rechteinhabern gegründet und sind für diejenigen Rechteinhaber da, die an der Willensbildung der Gesellschaft teilnehmen. So ist es gesetzlich vorgesehen.

Daher sind öffentlichkeitswirksame, aber unqualifizierte Aussagen wie vor kurzem im EU-Parlament, die in der neu erarbeiteten Verwertungsgesellschaften-Richtlinie endlich ein Reglement entdecken, das die Bezugsberechtigten „gegen ihre Verwertungsgesellschaften stärkt“, nur billige Polemik auf Kosten anderer und letztlich ein Ausdruck tiefer Ignoranz.

Aufklärung ist dringend erforderlich. Das komplexe System muss einfach aufbereitet werden. Dem wollen wir uns gerne stellen.

Literar-Mechana – Partner der Autorinnen, Autoren und Verlage

In der Literar-Mechana ist ein Partnerschaftsmodell verwirklicht – alle Kategorien von Bezugsberechtigten (über 17.000 Autorinnen und Autoren von Sprachwerken jeder Art und Verlage) nehmen gleichberechtigt an der Willensbildung teil, keine Gruppe von Rechteinhabern kann überstimmt werden.

Die wichtigsten Einnahmequellen der Autorinnen und Autoren sowie der Verlage liegen in der so genannten Erstverwertung, also im Buch-, E-Book- oder Zeitschriftenverkauf, oder im Verkauf der Sende- und Aufführungsrechte. Diese werden vom Autor oder vom Verlag selbst abgewickelt, eine literarische Verwertungsgesellschaft hat damit nichts zu tun.

Die Literar-Mechana verteilt die Tantiemen aus der Wahrnehmung der Zweitverwertung, also zum Beispiel in den Bereichen der Privatkopiervergütung, des Kabelfernsehens und der öffentlichen Wiedergabe. Das ist in der Regel nur ein Zusatzverdienst für die Rechteinhaber. Mittelgroße Gesellschaften wie die Literar-Mechana können nicht mit den großen musikalischen Gesellschaften über einen Kamm geschoren werden, über die ein Gutteil der Gesamteinnahmen aus der Lizenzierung von Werknutzungen ausgeschüttet wird.

Verteilung als Spiegel der Erstverwertung

Immer wieder kann man lesen, die Verteilung sei ungerecht, das Geld kommt nicht bei den Künstlern an, nur die wichtigen Künstler oder „großen Verwerter“ erhalten alles oder alles Geld fließt ins Ausland. Aber Verteilungspläne der Verwertungsgesellschaften sind nun einmal komplex. Das liegt an den unterschiedlichen Wahrnehmungsbereichen und daran, dass ein Drehbuch anders genutzt wird als ein wissenschaftlicher Aufsatz. Das macht sie per se nicht ungerecht, sondern zeigt nur das redliche Bemühen, alle Berechtigten angemessen zu berücksichtigen.

Ein Verteilungsplan einer Verwertungsgesellschaft kann immer nur Spiegel der Erstverwertung, also der Realität etwa auf dem Buchmarkt sein: Werke, die stärker nachgefragt werden, erhalten entsprechend ihrer Nutzung mehr, aber sowohl Autoren als auch Verlage werden angemessen beteiligt. Dieses demokratische und partnerschaftliche Modell darf nicht in Frage gestellt werden, soll die kollektive Verwaltung weiterhin funktionieren.

Und natürlich kommt das Geld bei den Autorinnen und Autoren an. Dazu genügt ein Blick in die öffentlich zugänglichen Geschäftsberichte: Rund 9.500 österreichische Autorinnen und Autoren und 300 österreichische Verlage haben in den letzten Jahren zweimal im Jahr eine Abrechnung erhalten. In den letzten zwanzig Geschäftsjahren hat sich der von der Literar-Mechana an Verlage ausbezahlte Anteil an der Verteilungssumme – das waren zuletzt rund 20 Millionen Euro – jeweils zwischen 27 und 33 Prozent bewegt. Rund 65 Prozent der verteilten Beträge verblieben in Österreich.

Transparenz für Bezugsberechtigte und Nutzer

Good Governence, Transparenz, Effizienz bei bestmöglichem Service für die Bezugsberechtigten, aber auch für die zahlungspflichtigen Nutzer – das sind die Wegweiser für die Tätigkeit der Literar-Mechana. Dies ist nicht zuletzt an dem konstant niedrigen Satz für die Verwaltung ableitbar. Die Aufwendungen für den Gesamtbetrieb betrugen im letzten Jahr 5,9 Prozent der Gesamterträge. Das bedeutet, dass von 100 eingenommenen Euro rund 94 Euro in die Tantiemenausschüttung fließen.

Wir haben nichts zu verbergen. Dem tragen die weitreichenden Informationen auf unserer Webseite (www.literar.at) Rechnung. Die Verpflichtungen des österreichischen Gesetzes haben allesamt dazu ausgereicht, dass ein Bezugsberechtigter die Organisation seiner Verwertungsgesellschaft auch beurteilen kann. *

Die EU-Kommission erlegt allen Verwertungsgesellschaften unabhängig von ihrer Größe, also auch solchen wie der Literar-Mechana, in ihrem Richtlinien-Entwurf Informationspflichten gegenüber der Öffentlichkeit und ihren Bezugsberechtigten auf, die den Bogen weit überspannen.* Dies wird auf Kosten der Bezugsberechtigten gehen, weil dies mit erheblichen Mehrkosten verbunden ist.

Stichwort Creative Commons

Was in netzpolitischen Blogs als Sieg über die starren Systeme der Verwertungsgesellschaften gefeiert wird, ist bei der Literar-Mechana seit langem umgesetzt. Wünscht der Bezugsberechtigte keine Verwaltung über uns, hat er selbst lizenziert oder möchte er das Werk von der Lizenzierung ausschließen, meldet er entweder sein Werk nicht zur Verrechnung an oder er gibt bekannt, dass er bestimmte Rechte selbst verwaltet. Davon wird bereits in den „klassischen“ Wahrnehmungsbereichen immer wieder Gebrauch gemacht. Wir werden dies weiterhin so flexibel handhaben.

Soziale und kulturelle Förderungen

Wir setzen uns für Kunst und Kultur ein. Allein aus den sozialen und kulturellen Einrichtungen der SKE wurden zuletzt zwischen 1 und 1,2 Millionen Euro für soziale Notfälle, Stipendien, Veranstaltungen von besonderem kulturellen Wert ausgegeben.

Die derzeitige sehr kontroversiell geführte Urheberrechtsdebatte zeigt deutlich, dass die Verwertungsgesellschaften im In- und Ausland mehr denn je gefordert sind, das Bewusstsein für die Rechte und Ansprüche ihrer Mitglieder zu stärken und sich für ihre Rechte einzusetzen.

Sandra Csillag ist Geschäftsführerin der Verwertungsgesellschaft Literar-Mechana.

November 26 2013

Wer die Freiheit der Kunst verteidigen will, darf die Künstler nicht zum Freiwild machen

Die österreichische Schauspielerin und Drehbuchautorin Eva Spreitzhofer erklärt die Bedeutung eines starken Urheberrechts im digitalen Zeitalter. Urheber brauchen Schutz, um neue Werke zu schaffen. Dafür müssen innovative Wege beschritten werden.

Ein Debattenbeitrag im Rahmen der Sendereihe „U-Ton. Urheberrecht im Digitalen Zeitalter“.

Das Urheberrecht wird in der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte im selben Paragraphen garantiert, in dem allen Menschen die offene Teilnahme und Teilhabe an Kunst, Kultur und Wissenschaft zugesagt wird.

Es ist falsch, das eine Interesse gegen das andere auszuspielen. Die Forderung, das Urheberrecht in Zeiten der elektronischen Reproduzierbarkeit zu bekräftigen, richtet sich nicht gegen die vielen, die geistige Werke genießen, sondern zielt gegen diejenigen Kräfte, die ihren Gewinn aus der Kunst auf Kosten der Kunstschaffenden ziehen wollen. Wer die Freiheit der Kunst verteidigen will, darf die Künstler nicht zum Freiwild machen.

Das Urheberrecht ist meine Arbeitsgrundlage

KünstlerInnen müssen selbst bestimmen können, ob ihre Arbeit kostenlos verbreitet werden soll oder nicht. Es ist an mir, zu entscheiden, wer meinen Text in welchem literarischen, politischen oder ökonomischen Kontext veröffentlicht.

Im Unterschied zum amerikanischen Copyright ist es mir beim kontinentalen Urheberrecht nicht möglich, meine Persönlichkeitsrechte zu verkaufen.

Das Urheberrecht ist meine Arbeitsgrundlage. Im Kern geht es in der Urheberrechtsdiskussion um die Frage, wie viel uns Kreativität wert ist, ob sie überhaupt einen materiellen Wert hat. Für die Kreativen, die KünstlerInnen, die wir von der Vergütung der Nutzung unseres kreativen Schaffens, unserer Ideen leben, ist die Antwort klar. Denn das macht den Unterschied zum Hobbygeschichtenschreiber aus. Unsere Arbeit ist keine Freizeitbeschäftigung, wir bestreiten damit unseren Lebensunterhalt.

Keinen Film, kein Drehbuch hätte es gegeben ohne eine Idee. Ohne Menschen, deren Beruf es ist, sich etwas auszudenken, daran zu glauben und andere Menschen davon zu überzeugen, dass daraus ein Film entstehen muss.

Kreative Vorleistung

Die schwierigste Arbeit für AutorInnen ist die Phase des Entwickelns, des Konzipierens. Das Drehbuchschreiben ist vergleichsweise eine Erholung. Aber genau dieser Zeitraum ist der unterbezahlteste. Wir sind kreativ, gehen in Vorleistung, nicht wissend, ob wir für unsere Arbeit je entsprechend entlohnt werden.

Irgendwann einmal ist der Film dann gedreht und wir bekommen dafür regelmäßig Tantiemen. Das Geld dafür kommt auch aus der Leerkassettenabgabe. Die logische Weiterentwicklung ist die Festplattenabgabe. Kunst im Zeitalter elektronischer Reproduzierbarkeit braucht die Festplattenabgabe. Wichtige Händler in Österreich behalten sie ohnehin schon ein, aber aufgrund eines Gerichtsverfahrens leiten sie sie nicht an die UrheberInnen weiter. Die Festplattenabgabe gefährdet nicht die Freiheit im Netz, sichert aber die Interessen von UrheberInnen. Sie ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber unverzichtbar.

Die Festplattenabgabe existiert in Frankreich, Holland, Schweden, Deutschland. Daher bekomme ich mittlerweile aus Deutschland mehr Tantiemen als aus Österreich. Die DVDs sind in Deutschland trotzdem billiger.

Der Schutz der UrheberInnen ist ein Menschenrecht

Wer die Zensur im Netz bekämpfen will, sollte die Menschenrechte nicht preisgeben, sondern stärken; eines der Menschenrechte ist der Schutz der UrheberInnen. Es gibt sehr wohl Lösungen und Geschäftsmodelle jenseits von gewerblicher Piraterie, aber ohne repressive Überwachung. Wenn nicht solche innovativen Wege gesucht werden, dann werden jene Praktiken vorherrschen, in denen die einen um ihre geistigen Werke gebracht und die anderen von Anfang an als Verdächtige gehandelt werden.

Der Bruch des Rechts wird zum Normalfall. Dabei geht es keineswegs bloß um das Kopieren von Dateien unter Freunden oder Gleichgesinnten. Mächtige Konzerne machen Geld mit Kunst, aber auf Kosten von Kunstschaffenden. Dass man im Internet gratis downloaden kann, ist kein Naturgesetz: Es hat sich entwickelt, weil es möglich war. So wie bei vielen anderen Dingen muss man im Nachhinein dafür Regeln erfinden. Als es noch keine Autos gegeben hat, gab es auch noch keine Ampeln und keine Zebrastreifen. Trotzdem würde niemand heute gegen Ampeln reden, obwohl sie unsere Freiheit einschränken.

Gleichzeitig ist es natürlich völlig absurd, dass es oftmals nicht möglich ist, Filme und Serien entgeltlich im Internet ansehen zu können. Die Jungen, die sich jetzt einreden lassen, dass das Urheberrecht sie in ihrer Kreativität behindert, werden in ein paar Jahren merken, dass sie hineingelegt wurden. Dass es kein Spleen ist, von unserer Arbeit leben zu wollen.

Ein Urhebervertragsrecht für Österreich

Im Unterschied zu Deutschland gibt es in Österreich kein Urhebervertragsrecht. Es regelt die Beziehungen zwischen UrheberInnen eines Werkes und deren VertragspartnerInnen, denen Nutzungsrechte und Verwertungsrechte eingeräumt werden. Es stellt fest, dass es einen Anspruch auf angemessene Vergütung gibt und enthält den sogenannten Bestsellerparagraphen. Falls also ein Werk nach der Buy-out-Bezahlung ein ungeahnter Erfolg wird, muss dieser auch den UrheberInnen angemessen vergütet werden.

Allerdings hat ein Urhebervertragsrecht selbstverständlich nur Sinn, wenn es auch ein starkes Urheberrecht gibt.

Eva Spreitzhofer ist Schauspielerin und Drehbuchautorin. Sie ist Gründungsmitglied und im Vorstand der Akademie des Österreichischen Films sowie Obfrau des österreichischen Drehbuchverbands und Mitglied der Projektkommission des Österreichischen Filminstituts.

November 25 2013

U-Ton – Meinungen zum Urheberrecht aus Österreich

Auch in Österreich reden Urheber, Verwerter und Nutzer über das Urheberrecht in der digitalen Welt – ähnlich leidenschaftlich wie in Deutschland. In der Radiosendung „U-Ton – Urheberrecht in der digitalen Welt“ befragt Kulturhistoriker Joachim Losehand die Betroffenen zu ihrer Meinung. iRights.info dokumentiert die Beiträge.

In den nächsten zehn Wochen melden sich Autorinnen und Autoren, Wissenschaflter, Bibliothekare, Verbandsvertreter von Verwertungsgesellschaften, Urheberverbänden und Verwerter aus Österreich zu Wort und erklären in der Radiosendung „U-Ton – Urheberrecht in der Digitalen Welt“, welche Auswirkungen die digitale Technik und die Vernetzung für Urheber, Verwerter und Nutzer hat. Sie geben einen Einblick in die österreichischen Debatten rund um die ökonomischen und juristischen Herausforderungen. Dabei  werfen sie ihren eigenen persönlichen und beruflichen Blick darauf, wie Kunst, Kultur und Wissen im 21. Jahrhundert geschaffen, verbreitet und bewahrt wird.

U-TonJeden Dienstag um 17 Uhr sendet Radio FRO aus Linz einen Debattenbeitrag. iRights.info dokumentiert die Beiträge zeitgleich. Die Sendung wurde gestaltet und produziert von Joachim Losehand, Kulturhistoriker, Textautor und Komponist.

In der ersten Folge – am Dienstag, den 26.11.2013 – erklärt die Schauspielerin und Drehbuchautorin Eva Spreitzhofer, wieso für sie ein starkes Urheberrecht wichtig ist.

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