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November 28 2013

Die Aufzeichnerin: Marion Stokes nahm 35 Jahre Nachrichten auf Videokassetten auf

Die US-Amerikanerin Marion Stokes nahm 35 Jahre lang die Nachrichtensendungen mehrerer Kanäle auf Video auf: rund um die Uhr, ohne Unterbrechung, ohne Unterlass. So entstand ein einzigartiges Archiv, gespeichert auf insgesamt 140.000 VHS-Kassetten. Wann und wie der Fundus öffentlich zugänglich sein wird, ist aber noch offen. Er liegt nun in den Händen des Internet Archive. Für Medienhistoriker könnte das unglaubliche Vermächtnis von Stokes ein Glücksfall sein.

Illustration: US Navy, PD

Illustration: US Navy, PD

Roger McDonald ist seit 2000 zuständig für die Sammlung und Bereitstellung nationaler Fernsehsendungen beim Internet Archive. Dass man seinem Team private Nachlässe von Speichermedien anbietet, kommt immer wieder vor. Meist handelt es sich um 200 bis 300 Kassetten. Bei der emsigen Privatarchivarin Marion Stokes aber stapelten sich insgesamt 140.000 VHS-Kassetten, verteilt auf mehrere Räume unterschiedlicher Wohnungen.

Das Internet Archive ist eine gemeinnützige Organisation in San Francisco, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, ein ebenso umfassendes wie offenes und online zugängliches Medienarchiv anzulegen. Neben Momentaufnahmen von Webseiten und Usenet-Beiträgen speichert es auch Filme, Fernsehsendungen und Tonaufnahmen (einschließlich von Live-Konzerten), sowie Bücher und Software.

Familienmitglieder und Assistenten halfen mit

Das US-Magazin Fast Company berichtet, dass Stokes 1977 damit begann, Fernsehnachrichtensendungen der fünf US-amerikanischen Hauptsender MSNBC, Fox, CNN, CNBC und CSPAN sowie mehrere Regionalsender aufzunehmen, rund um die Uhr, Tag für Tag, Jahr für Jahr. Dafür hatte sie bis zu acht Videorekorder gleichzeitig in Betrieb, gefüttert mit Kassetten von 240 Minuten Lauflänge. Um nichts zu verpassen, schlief sie nie länger als sechs Stunden, ließ schon mal das Essen in Restaurants kürzer ausfallen, damit sie rechtzeitig für den Bandwechsel zu Hause war, und spannte auch Familienmitglieder ein. Später beschäftigte sie einen Assistenten, der ihr half, das Aufnahme-Equipment zu bedienen, es zu warten und die Bänder zu wechseln.

Das ging 35 Jahre. 2012 starb Marion Stokes im Alter von 83 Jahren an den Folgen einer Lungenkrankheit. Bis zu ihrem Tod ließ Stokes die Maschinen laufen und aufnehmen. Für Außenstehende ging es bei ihr vollkommen chaotisch zu: Überall surrten Apparate, flackerten stumm geschaltete Bildschirme. Gleichwohl sei sie durchaus bei der Sache gewesen, erzählt Sohn Michael Metelits den Reportern. Sie konnte zwei Sendungen gleichzeitig anschauen und bekam dennoch die Inhalte mit.

Ihm zufolge war seine Mutter der festen Überzeugung, dass die Aufzeichnungen am Ende für irgendwas gut seien. Irgendjemand würde einen Weg finden, sie zu indizieren, zu archivieren und aufzubewahren – um sie nutzbar zu machen. Wenn sie gefragt wurde, was sie da eigentlich treibe, habe sie nur gesagt: „Ich archiviere, sonst nichts.“

Allein der Transport kostet 12.000 Dollar

Als Roger McDonald vom Internet Archive von Stokes‘ Archiv hörte, war er sofort fasziniert, auch wenn es anfangs nicht ganz sicher war, ob das Internet Archive logistisch in der Lage sein würde, das 140.000 Bänder umfassende Vermächtnis der Marion Stokes zu übernehmen, zu digitalisieren und zu indizieren. Es ist ein Mammutprojekt: Allein der Transport der Kassetten zu einem klimaregulierten Lagerraum kostet 12.000 US-Dollar. Wie viele Stunden und Kosten für das systematische Erfassen der Aufnahmen erfordert, vermag niemand abzuschätzen.

Solch eine gewaltige, zudem offenbar lückenlose Sammlung von Nachrichten-Fernsehsendungen ist abseits der TV-Archive wohl einmalig – ihr wahrer Wert ist jedoch schwer zu bemessen. Den einen mag es um Zeitgeschehen und mediale Zeugnisse gehen, den anderem um Nostalgie oder Amüsement, wieder anderen um die Art der Nachrichtenpräsentation und journalistische Arbeitsweisen im Wandel von Zeit und Produktionsmitteln.

Ein doppelter Glücksfall

Es muss ja nicht gleich eine mit medienwissenschaftlicher Systematik erstellte Analyse beim Blick auf Stokes’ Aufzeichnungen herauskommen: Ein von impulsivem Erkenntnisdrang getriebener Blick auf die Nachrichtenvermittlung von gestern gestattet ganz gewiss Erkenntnisse für das Verständnis der Nachrichtenrezeption von heute und der Wertigkeit des Nachrichtenjournalismus von morgen.

So gesehen ist das Vermächtnis der Marion Stokes ein doppelter Glücksfall: Nicht nur, dass ihre bewundernswerte Stoik der internationalen Medienwissenschaft einen vermutlich kaum ermesslichen Fundus bescherte. In den Händen des Internet Archive könnte er zu einer offenen und frei nutzbaren Quelle werden. Bleibt zu hoffen, dass es nicht zu langwierigen, teuren oder gar unüberwindlichen lizenz- und urheberrechtlichen Querelen kommt. Und wenn, dann möge der amerikanische Pragmatismus obsiegen.

Denkt man an hiesige Rechtsstreits um die Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sender, an „Depublikation“ und gesperrte Online-Videos, mag man sich gar nicht vorstellen, wo hier die 140.000 Kassetten landen würden. Vermutlich in der nicht klimagesteuerten Asservatenkammer eines Gerichts, das erst einmal beschlagnahmt und dann irgendwann berät.

Als Marion Stokes’ Sohn Michael Metelites beim Internet Archive in San Francisco das erste Mal sah, dass jemand mit dem Nachlass seiner Mutter wirklich was anfangen konnte, sei das, heißt es im Fast Company-Artikel, für ihn ein sehr bewegender Moment gewesen.

November 09 2013

Verheerendes Feuer im Gedächtnis des Netzes – Internet Archive ruft zu Spenden auf

Die gemeinnützige Organisation Internet Archive ist bei sehr vielen Netznutzern ungemein beliebt. Sie sorgt dafür, dass Milliarden von Websites archiviert und für die Zukunft gesichert werden. Besonders beliebt ist dabei die Wayback-Machine. Nun hat es gebrannt. Durch das Feuer wurde der Technikraum zerstört. Die Organisation ruft nun zu Spenden auf.

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Feuer im Scan-Center des Internet Archive in San Francisco

Glück im Unglück, nur das Scan-Zentrum, nicht aber das Hauptgebäude der Organisation ist komplett ausgebrannt. Der Schaden ist trotzdem immens. Technische Geräte und Ausrüstung im Wert von 600.000 US-Dollar sind ein Raub der Flammen geworden. Der Gründer des Internet Archive Brewster Kahle schreibt dazu im Blog der Organisation:

This episode has reminded us that digitizing and making copies are good strategies for both access and preservation. We have copies of the data in the Internet Archive in multiple locations, so even if our main building had been involved in the fire we still would not have lost the amazing content we have all worked so hard to collect.

Um den Schaden schnellstmöglich zu kompensieren, ruft das Internet-Archive nun einerseits dazu auf, an anderen Orten technisches Equipment bereitzustellen, damit die Arbeit möglichst reibungslos weitergehen kann. Andererseits werden dringend Spenden benötigt. Auf der Seite Donate to the Internet Archive! finden sich alle nötigen Informationen.

August 19 2013

Four short links: 19 August 2013

  1. choir.io explained (Alex Dong) — Sound is the perfect medium for wearable computers to talk back to us. Sound has a dozen of properties that we can tune to convey different level of emotions and intrusivenesses. Different sound packs would fit into various contexts.
  2. Identity Single Point of Failure (Tim Bray) — continuing his excellent series on federated identity. There’s this guy here at Google, Eric Sachs, who’s been doing Identity stuff in the white-hot center of the Internet universe for a lot of years. One of his mantras is “If you’re typing a password into something, unless they have 100+ full-time engineers working on security and abuse and fraud, you should be nervous.” I think he’s right.
  3. What Does It Really Matter If Companies Are Tracking Us Online? (The Atlantic) — Rather, the failures will come in the form of consumers being systematically charged more than they would have been had less information about that particular consumer. Sometimes, that will mean exploiting people who are not of a particular class, say upcharging men for flowers if a computer recognizes that that he’s looking for flowers the day after his anniversary. A summary of Ryan Calo’s paper. (via Slashdot)
  4. Life Inside Brewster’s Magnificent Contraption (Jason Scott) — I’ve been really busy. Checking my upload statistics, here’s what I’ve added to the Internet Archive: Over 169,000 individual objects, totaling 245 terabytes. You should subscribe and keep them in business. I did.

June 28 2013

Four short links: 28 June 2013

  1. Huxley vs Orwellbuy Amusing Ourselves to Death if this rings true. The future is here, it’s just not evenly surveilled. (via rone)
  2. KeyMe — keys in the cloud. (Digital designs as backups for physical objects)
  3. Motorola Advanced Technology and Products GroupThe philosophy behind Motorola ATAP is to create an organization with the same level of appetite for technology advancement as DARPA, but with a consumer focus. It is a pretty interesting place to be. And they hired the excellent Johnny Chung Lee.
  4. Internet Credit Union — Internet Archive starts a Credit Union. Can’t wait to see memes on debit cards.

April 17 2013

Four short links: 17 April 2013

  1. Computer Software Archive (Jason Scott) — The Internet Archive is the largest collection of historical software online in the world. Find me someone bigger. Through these terabytes (!) of software, the whole of the software landscape of the last 50 years is settling in. (And documentation and magazines and …). Wow.
  2. 7 in 10 Doctors Have a Self-Tracking Patientthe most common ways of sharing data with a doctor, according to the physicians, were writing it out by hand or giving the doctor a paper printout. (via Richard MacManus)
  3. opsmezzo — open-sourced provisioning tools from the Nodejitsu team. (via Nuno Job)
  4. Hacking Secret Ciphers with Pythonteaches complete beginners how to program in the Python programming language. The book features the source code to several ciphers and hacking programs for these ciphers. The programs include the Caesar cipher, transposition cipher, simple substitution cipher, multiplicative & affine ciphers, Vigenere cipher, and hacking programs for each of these ciphers. The final chapters cover the modern RSA cipher and public key cryptography.

January 26 2013

Brewster Kahle: “The best way to preserve things is to make things accessible”

Schöner Ausschnitt aus der Dokumentation „Archive” von Jonathan Minard: Brewster Kahle führt durch das von ihm gegründete Internet Archive in einer ehemaligen Kirche in San Francisco und erklärt dessen Arbeitsweise und Philosophie:

[via]

January 22 2013

ASCII für alle: Von Project Gutenberg bis heute

Online-Archive wie „Project Gutenberg” und das „Internet Archive” arbeiten beharrlich daran, die Public Domain ins Netz zu bringen.

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January 17 2013

Mind the Gap – Audiovisuelles Erbe im Jahr 2012

Digitalisierung macht alles einfacher – denkt man. Aber was die Archivierung angeht, stellen digitale Medien mehr Fragen als sie Antworten geben.

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September 19 2012

Four short links: 19 September 2012

  1. /r/Scholar — Reddit board for tracking down research articles of interest.
  2. sweet.js (GitHub) — macros for Javascript. (via Brendan Eich)
  3. The Rapture of the Nerds (Charlie Stoss, Cory Doctorow) — this is the HTML version of the book, which is also available for purchase, and is released under a CC-A-NC-ND license.
  4. Conversations Network Closes DownThe remaining assets of the Conversations Network (cash and intellectual property) will be acquired by the Internet Archive, another U.S. 501(c)(3) non-profit organization. All existing programs will be moved to the Internet Archive where the world will be able to continue to listen to them for free. (via Jon Udell)

June 16 2012

USA: Haftung von Providern und Informationsmittlern befürchtet

Die Electronic Frontier Foundation (EFF) berichtet über eine Klage des Internet Archives gegen ein neues Gesetz des Staates Washington, durch das die sexuelle Ausbeutung Minderjähriger bekämpft werden soll. Das Internet Archive stört sich vor allen Dingen an folgender Formulierung des Gesetzes:

A person commits the offense of advertising commercial sexual abuse of a minor if he or she knowingly publishes, disseminates, or displays, or causes directly or indirectly, to be published, disseminated, or displayed, any advertisement for a commercial sex act, which is to take place in the state of Washington and that includes the depiction of a minor.

Die Unschärfe der Gesetzesformulierung lässt eine weitreichende Haftung von jedermann möglich erscheinen, der direkt oder indirekt die Veröffentlichung oder die Anzeige von Content verursacht, der sexuellen Kontakt mit Minderjährigen bewirbt. Das Internet Archive befürchtet deshalb, dass gerade Informationsmittler wie Internet-Service-Provider, Internet-Cafes oder Bibliotheken von dem Gesetz betroffen sein werden. Das Internet Archive stützt seine Klage auf amerikanisches Bundesrecht, insbesondere auf die Meinungs- und Informationsfreiheit.

Der Versuch, Informationsmittler und technische Dienstleister für fremde Inhalte verantwortlich zu machen, ist also keineswegs ein deutsches oder europäisches Phänomen.

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