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January 31 2014

In eigener Sache: Was passiert, wenn wir die Kontrolle verloren haben?

Michael Seemann alias @mspro schreibt bis zum Sommer 2014 das Buch “Das neue Spiel – Nach dem Kontrollverlust”. Das Thema ist spannend, will er doch neue Perspektiven zur Frage von Plattformneutralität und Strategien des gesellschaftlichen Umgangs mit dem digitalen Umbruch und seinen Folgen beleuchten. Seemann finanziert das Projekt dabei über die Crowdfunding-Plattform Startnext. Unser Verlag iRights.Media wird eine E-Book-Fassung des Werkes produzieren.

Im Untertitel zum Projekt spitzt Seemann zu:

Wir haben die Kontrolle verloren. Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die nicht vorgesehen waren und sagen Dinge aus, auf die wir nie gekommen wären. Wir wurden in ein neues Spiel geworfen und niemand hat uns die Regeln verraten.

Und:

Der Kontrollverlust ist das Scheitern an falschen Erwartungen. Unser Handeln basiert immer noch auf der Erwartung einer Kontrolle, die es längst nicht mehr gibt. Daten, von denen wir nicht wussten, dass es sie gibt, finden Wege, die wir nicht für möglich hielten und sagen Dinge aus, auf die wir nie gekommen wären. Mit anderen Worten: Wir wurden in ein neues Spiel geworfen und niemand hat uns die Regeln verraten.

Dass das Thema ankommt, zeigt die massive Unterstützung die Seemann bei seiner Crowdfunding-Kampagne erfährt. Nach wenigen Tagen war die Finanzierungsschwelle von 8.000 Euro erreicht, aktuell haben die Nutzer bereits über 17.000 Euro in das Projekt investiert. Heute endet die Frist. Seemann hat inzwischen mehrere Upgrades für das Buch versprochen. So soll es ein Hörbuch geben, geplant ist – wenn die Schwelle von 20.000 Euro erreicht wird – auch eine englischsprachige Fassung der wichtigsten Thesen des Buches. Der Erfolg lässt sich bereits in Zahlen messen: “Es ist jetzt schon das dritterfolgreichste Crowdfunding-Buchprojekt in deutscher Sprache”, so Seemann.

Hier kann man einen ersten Blick in das Inhaltsverzeichnis werfen. Ein Thema liegt Seemann dabei besonders am Herzen, die Frage nach neuen Regeln für Plattformen, er nennt es “Plattformneutralität” In einem Interview mit Carta.info führt er dazu aus:

Mein Vorschlag der Plattformneutralität orientiert sich an der Idee der Netzneutralität. Als erstes muss es einen diskriminierungsfreien Zugang zu Plattformen geben, denn wenn sich dort vermehrt Gesellschaft abspielt, kann ein Ausschluss ein Ausschluss aus wichtigen gesellschaftlichen Zusammenhängen sein. Das ist gar nicht so einfach, weil Plattformen speziellen ökonomischen Gesetzen unterworfen sind, wie ich im Buch ausführen werde.
Darüber hinaus ist das Konzept der Plattformneutralität ebenso gut auf andere politische Bereiche übertragbar. Der ständig lauter werdende Ruf nach einem bedingungslosen Grundeinkommen ist z.B. ein plattformneutraler Gedanke.

Wer die Entstehung dieses Buches unterstützen will, kann dies heute via Startnext noch tun. Neben verschiedenen Unterstützungsmöglichkeiten offeriert Seemann auch gewidmete Nudeln.

Unser Verlag iRights.Media begleitet Seemann bei diesem Projekt und wird auf jeden Fall zumindest die elektronische Fassung des Buches als E-Book produzieren und zur Frankfurter Buchmesse im Herbst 2014 veröffentlichen.

January 20 2014

Der letzte Stand zu Redtube-Abmahnungen, Urmann + Collegen, The Archive AG und itGuards: Mediengespräch bei DRadio Wissen

Was ist der aktuelle Stand im so genannten „Fall Redtube“, den man wohl besser den Fall „Urmann, The Archive AG und itGuards“ nennen sollte? Das habe ich heute in meinem montäglichen Mediengespräch mit den Kollegen von Deutschlandradio Wissen besprochen, das leider wegen einer Programmreform des Senders nach rund knapp eineinhalb Jahren mein letztes dieser Art war.

Wir haben bei iRights.info bereits ausführlich über den Fall und seine Verwicklungen berichtet, die offenbar nicht enden wollen (Links im Text). Daher veröffentlichen wir hier das Skript des Gesprächs, das einen aktuellen Überblick geben soll (der natürlich bei einem fünfminütigen Radiogespräch nicht erschöpfend sein kann). Der Wortlaut kann abweichen, Hörfassung bei Deutschlandradio Wissen (MP3).

Anmoderation:

Das Schweizer Unternehmen The Archive ist durch die Abmahnwelle rund um die Porno-Plattform Redtube bekannt geworden. The Archive beauftragte die Anwaltskanzlei Urmann + Kollegen, Internetnutzer tausendfach abzumahnen. Die Sache mit den Abmahnungen und die Frage, ob Streaming mit Download gleichzusetzen ist. Die Bundesregierung hatte zumindest kürzlich gesagt: Streaming ist nicht gleich Download.

Damit ist dieser ganze Fall aber noch lange nicht beendet. Es sind viele Fragen offen. Zwei deutsche Rechtsanwälte haben daher Strafanzeige gegen einen Anwalt der Abmahn-Kanzlei gestellt. Denn hinter den Vorgängen könnte ein Verstoß gegen das Bundesdatenschutzgesetz stecken. In der Zeit war ein großes Interview mit dem Abmahnanwalt, der sich keiner Schuld bewusst ist. Jetzt sind aber die Pornostream-Abmahner untergetaucht… Alles ein bisschen kurios. Ein Fall für Matthias Spielkamp von iRights.info. Sind die Abmahnungen berechtigt?

Matthias Spielkamp: Wahrscheinlich nicht. Im Gesetz steht, dass eine Kopie dann nicht erlaubt ist, wenn sie von einer offensichtlich rechtswidrigen Quelle gemacht wurde. Unsere Einschätzung ist, dass es in den meisten Fällen dem normalen Nutzer nicht offensichtlich sein wird, dass ein Film unerlaubt angeboten wird, den man bei einem Streaming-Portal wie Redtube ansehen kann. Denn Redtube funktioniert ja wie Youtube: Viele Filme sind da zu Werbezwecken, andere sind vielleicht gar nicht geschützt usw. Dass es für einen normaler Nutzer offensichtlich sein soll, dass ein ganz bestimmter Film unerlaubt angeboten wird, geht an der Realität vorbei. Und wichtig ist hier ja auch: Wenn man bei Redtube dieser Ansicht ist, dann muss man das bei Youtube und Vimeo und Sevenload auch sein.

DRadio Wissen: Und wie sind sie an die Nutzerdaten gekommen?

Matthias Spielkamp: Das ist bis heute nicht komplett geklärt. Aber der Verdacht ist sehr plausibel, dass sie die über eine Art Phishing bekommen haben. Wenn Menschen in Tauschbörsen Filme anbieten, gibt es bekannte technische Mittel, um an ihre IP-Adresse zu kommen und damit an ihre Identität. Aber bei Streaming-Portalen ist das eigentlich so nicht möglich, da kennt die IP-Adresse nur der Anbieter, also in dem Fall Redtube. Und die geben die ja nicht raus bzw. haben es in diesem Fall nicht getan. Und jetzt sind auch noch die Auftraggeber von Abmahnanwalt Urmann in der Schweiz abgetaucht, wie die Recherchen unter anderem von Kai Biermann für Zeit Online gezeigt haben. Das stinkt natürlich zum Himmel.

DRadio Wissen: Urmann selber sieht sich ja als Kämpfer für eine gerechte Sache.

Matthias Spielkamp: Das Problem ist, dass die Idee der Abmahnungen selbst nicht schlecht ist und viele Menschen schützen kann. Wenn Du einen journalistischen Beitrag machst und veröffentlichst und jemand anderes nimmt ihn und veröffentlicht ihn ohne Deine Erlaubnis und ohne Dich zu bezahlen, dann kannst Du zum Beispiel selber durch einen Anwalt abmahnen lassen und so ein langwieriges und teures Gerichtsverfahren vermeiden.

Aber wenn man das so massenhaft macht, auf rechtlich so dünnem Eis und mit so unklaren Methoden, wie das im Redtube-Fall geschehen ist, dann ist die Wahrscheinlichkeit einfach enorm hoch, dass das einfach nur zum Geldverdienen gemacht wird. Und nicht um den Rechtsfrieden wieder herzustellen, wie es so schön heißt.

DRadio Wissen: Wie kann man denn mit sowas Geld verdienen?

Matthias Spielkamp: Man kann sich ja mal vorstellen, eine Kanzlei verschickt eintausend Abmahnungen mit einer Gebühr von je 500 Euro. Das ist jetzt keine ungewöhnlich hohe Summe – im Gegenteil, viele Anwälte fordern erheblich höhere Gebühren. Gehen wir davon aus, dieser Betrag ist gerechtfertigt, um eine Abmahnung zu erstellen. Jede weitere Abmahnung kosten dann vielleicht noch etwa zwei Euro: Serienbrief erstellen und ausdrucken, Porto, Briefumschlag, eintüten und zum Briefkasten bringen.

Dann kommen wir bei 1.000 Abmahnungen auf knapp 2.500 Euro. Die geforderten Gebühren sind aber 500 mal 1.000 – also 500.000 Euro. Gewöhnlich zahlen längst nicht alle Abgemahnte, aber wie viele es sind, wissen wir nicht. Gehen wir davon aus, dass es nur 20 Prozent sind, liegen die Einnahmen immer noch bei 100.000 Euro.

DRadio Wissen: Bei Kosten von 2.500 Euro.

Matthias Spielkamp: Ja, aber es gibt noch eine große Unbekannte. Das sind die Firmen, die die IP-Adressen besorgen. Das können die Kanzleien nicht selbst, sondern lassen das von hoch spezialisierten Firmen machen, die sehr gut wissen, was ihre Dienstleistung wert ist. Die nehmen sicher auch sehr viel Geld dafür. Aber bei unserem Rechenbeispiel bleiben etwa 97.500 Euro zu verteilen. Da bleibt bei beiden sicher einiges hängen.

DRadio Wissen: Jetzt wurde ein Gutachten veröffentlicht, mit dem die umstrittenen Abmahnanwälte im Fall Redtube die Richtigkeit ihres Tuns beweisen wollen. Gelingt Ihnen das?

Matthias Spielkamp: Im Gegenteil. Das Gutachten ist so dünn, dass man es im Grunde geschäftsschädigend finden muss für die Kanzlei, die es erstellt hat. Es geht um das Gutachten, das schon vor langer Zeit dem Kölner Landgericht vorgelegt wurde, damit das Gericht gestattet, dass die Nutzer hinter den IP-Adressen ermittelt werden. Das Gericht hat das Gutachten nie veröffentlicht, sondern das hat jetzt eine Kanzlei getan, die es vom Gericht angefordert hatte.

Und da sieht man, dass dieses so genannte Gutachten an keiner Stelle darlegt, wie die IP-Adressen tatsächlich ermittelt werden konnten. Das kann man also entweder peinlich finden für die Kanzlei, die das erstellt hat, oder es als Versuch werten, das Gericht zu täuschen – jedenfalls beweist es nicht, dass irgend etwas rechtmäßig getan wurde, sondern ist eher noch ein weiterer Hinweis darauf, dass da was faul ist.

DRadio Wissen: Trotz allem – es ist ein sehr lukratives Geschäft. Warum machen das denn nicht alle Anwälte?

Matthias Spielkamp: Weil es so unseriös ist, oft genug am Betrug zumindest vorbei schrammt und zum Glück nur die wenigsten Anwälte Betrüger sind.

DRadio Wissen: Und warum sagst Du, dass das Auswirkungen auf das Urheberrecht selber hat?

Matthias Spielkamp: Weil die meisten Menschen, die mit so etwas konfrontiert sind, sich natürlich verschaukelt und ausgenommen fühlen. Und dazu alle, die das mitbekommen – enge Freunde, die Familie. Meiner Ansicht nach zu Recht, denn es geht überhaupt nicht darum, die Urheber zu schützen, sondern die Leute zu melken. Und wenn der Eindruck bei Millionen von Menschen (PDF, S. 17 ff) der ist, dass das Urheberrecht in erster Linie Gaunern dazu dient, sich zu bereichern, dann trägt das natürlich nicht zu seiner Anerkennung bei. Im Gegenteil.

DRadio Wissen: Was sollte denn Deiner Ansicht nach getan werden?

Matthias Spielkamp: Zwei Bundesregierungen haben inzwischen Gesetze erlassen, die dazu dienen sollen, diese windigen Geschäfte mit Abmahnungen zumindest zu erschweren. Bei beiden haben Experten schon während des Gesetzgebungsprozesses gesagt: was getan wird, reicht nicht aus oder führt sogar zu nichts. Bei dem ersten Gesetz kann man sagen, genau so ist es gekommen. Es hat nichts geändert. Das zweite, das Gesetz gegen unseriöse Geschäftspraktiken, ist noch sehr neu und soll Ende 2015 evaluiert werden. Meine Prognose ist: Es wird auch so gut wie nichts ändern. Vielleicht wird bis dahin dann der Druck auf das Bundesjustizministerium, das ja jetzt auch das Verbraucherschutzministerium ist, hoch genug sein, dass wirklich ein wirksames Gesetz gemacht wird. Möglich wäre es.

January 09 2014

In eigener Sache: Broschüre „Online-Ratgeber – Seniorinnen und Senioren sicher im Netz” veröffentlicht

Immer mehr ältere Menschen nutzen das Internet. Die wenigsten Grundregeln sind für diese Bevölkerungsgruppe selbstverständlich, wenn es um Social Media, Urheberrecht oder Einkaufen im Netz geht. iRights.info hat im Auftrag des SPD-Parteivorstandes eine neue Broschüre entwickelt, die diese Themen leicht verständlich aufgreift. Die 30-seitige Broschüre „Online-Ratgeber – Seniorinnen und Senioren sicher im Netz” (PDF) richtet sich an alle, nicht nur an SPD-Mitglieder, die sich über grundsätzliche Fragen von Rechten, Risiken und Chancen im Internet informieren wollen.

Oftmals ist bei älteren Nutzern die Unsicherheit groß, in die nächste Falle im Netz zu tappen oder Opfer eines Betruges oder einer Rechtsverletzung zu werden. Wir setzen wichtige Informationen dagegen – keine Angstmache, wie man sie viel zu oft in den klassischen Medien findet. Unter der Frage „Um was geht es?“ heißt es folglich: um Neugier und Experimente im Internet. Auch ältere Nutzer sollen wachsam, aber ohne Angst oder zu große Vorsicht die neuen Möglichkeiten des Netzes aktiv nutzen. Dazu wollen wir mit dieser Broschüre beitragen.

Gestatten: Herr und Frau Netzbach

Durch die Broschüre und die Themen führt das fiktive Paar Herr und Frau Netzbach. Sie erklären den Lesern den digitalen Alltag. Als Mitglied eines Internetforums für Hobbyköche gerät Herr Netzbach schnell mit dem Urheberrecht in Konflikt, als er sein Lieblingsrezept ins Netz stellen will. Frau Netzbach geht es ganz ähnlich, als sie Fotos aus ihrem Fotokurs bei der örtlichen Volkshochschule in einer Ausstellung verwenden will. Es geht um alltägliche Veröffentlichungen, um das Nutzen von Videostreams, um die Frage, wie man am besten selber Videos online stellt, um Lizenzfragen und freie Inhalte, die man für Remixes oder andere Zusammenstellungen verwenden kann. Weitere Themen sind Datenschutz im Netz, soziale Medien, Online-Einkauf, das private WLAN-Netzwerk und wie man Passwörter richtig erfindet.

Die Inhalte sind so einfach und verständlich wie möglich beschrieben. Ergänzt durch Erklärkästen, Checklisten, ein Glossar mit den wichtigsten Begriffen und Lesehinweisen. Die in Großdruck gesetzten Texte stehen unter der Creative-Commons-Lizenz BY-ND. Das heißt, dass sie – bei Nennung des Autoren und ohne inhaltliche Veränderung – kostenlos weitergegeben, kopiert und wieder veröffentlicht werden dürfen.

iRights.info und Parteien

Wir vom Informationsportal iRights.info arbeiten unabhängig von Parteien und Unternehmen nach journalistischen Grundsätzen. In diesem Fall ist der SPD-Parteivorstand an uns herangetreten und hat uns gebeten, eine solche Broschüre zu entwickeln und inhaltlich zu gestalten. Darüber freuen wir uns sehr. Einflussnahme seitens der SPD gab es dabei nicht. An dieser Stelle sei ausdrücklich gesagt, dass wir – sofern diese Bedingung gegeben ist – auch mit anderen Parteien zusammenarbeiten, indem wir unser Know-How zur Verfügung stellen. Einfluss auf die sonstige Berichterstattung von iRights.info – gerade auch in Zeiten großer Koalitionen – kann man damit ebenfalls nicht gewinnen.

Die Publikation gibt es sowohl als gedruckte Broschüre als auch in digitaler Form. Die gedruckte Broschüre können SPD-Mitglieder unter spd-shop.de und alle interessierten Nichtmitglieder per E-Mail an <vertrieb@spd.de> oder per Telefon unter 030-25991-200 gegen ein geringes Entgelt auch in größeren Mengen bestellen. Die digitale Fassung haben wir hier zum kostenlosen Download (PDF) bereitgestellt. Wir wünschen eine gute und spannende Lektüre:

„Geistiges Eigentum“ – Schutz oder Hindernis? Workshop in Essen

„Heute sind immer mehr Autoren, Bibliothekare, Verlage und nicht zuletzt auch Wissenschaftler mit dem Problem konfrontiert, dass der bestehende Schutz des ‚geistigen Eigentums’ und die verschiedenen neuen Vertragsvarianten ihre digitale Textproduktion und -distribution eher behindern als schützen.“ So die These des Workshops „Nach dem geistigen Eigentum? Digitale Literatur, die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht“, der morgen in Essen stattfindet.

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Foto: neelaka, CC by

Organisiert von Thomas Ernst vom Fachbereich Literatur- und Medienwissenschaft der Universität Duisburg-Essen, werden sich Akademiker und Praktiker in dem Workshop mit den Fragen beschäftigen,  die aus dem digitale Wandel resultieren: Wie lassen sich eigenständige Werke noch als solche abgrenzen, wenn zum Beispiel Texte intermediale Verbindungen eingehen, durch Hyperlinks in einen sich wandelnden Raum über sich hinausverweisen, User Generated Content integrieren oder auf ihre kontinuierliche Modifikation angelegt sind?

Wie sinnvoll ist der Schutz von Werken noch, wenn die digitale Kopie ungekannte Potenziale zur schnellen und identischen Vervielfältigung von Inhalten bereithält und jeder heutige Schutz morgen schon wieder umgangen werden kann? Inwiefern ist die Rede vom Urheber angesichts einer neuen Intensität der kollektiven Textproduktion noch zeitgemäß und die Grenze zwischen Urheber und Leser zum Beispiel in Crowdsourcing-Projekten nicht ohnehin bereits aufgelöst?

Livestream, Hashtag, Blog

iRights.info ist Medienpartner des Workshops, der am morgigen Freitag, dem 10. Januar von 13 bis 19 Uhr im Bibliothekssaal des Campus Essen stattfindet, und auch als Livestream übertragen wird  (öffnet externen Player – bei Problemen die URL im VLC-Player öffnen):

http://duepublico.uni-duisburg-essen.de/servlets/DerivateServlet/Derivate-28422/NdgE_Live.asx

Der Hashtag für Feedback ist #ndge; der Workshop wird vom Weblog Digitur – Literatur in digitalen Medien begleitet, das von der studentischen Webredaktion des MA-Studiengangs „Literatur und Medienpraxis“ gestaltet wird.

Programm

12:30 Ankunft und Anmeldung

Eröffnung des Workshops ‚Nach dem geistigen Eigentum?‘

13:00 Prof. Dr. Rolf Parr (Universität Duisburg-Essen):Grußwort des Studiengangleiters ‚MA Literatur und Medienpraxis‘ 13:10 Dr. Thomas Ernst (Universität Duisburg-Essen):Nach dem geistigen Eigentum? Die Literaturwissenschaft und das Immaterialgüterrecht

Praktische Potenziale und (rechtliche) Probleme des digitalen Publizierens

13:30 Dirk von Gehlen (Leiter Social Media/Innovation, Süddeutsche Zeitung; Crowdfunder):War Crowdfunding besser als Suhrkamp? ‚Eine neue Version ist verfügbar‘ – Probleme und Potenziale digitaler Buchveröffentlichungsformen 14:15 Kaffeepause 14:45 Klaus-Peter Böttger (Vorsitzender EBLIDA – European Bureau of Library, Information and Documentation Associations; Leiter der Stadtbibliothek Essen):Warum das Urheberrecht ein Problem für die ‚Onleihe‘ ist. Oder: Was macht für Bibliotheken den Unterschied zwischen einem Kauf und einer Lizenz aus?

Interdisziplinäre Lösungsansätze zu (rechtlichen) Problemen des digitalen Publizierens

15:30 Prof. Dr. Katharina de la Durantaye (Juniorprofessorin für Bürgerliches Recht, Humboldt-Universität zu Berlin):‚Geistiges Eigentum‘ vs. Immaterialgüterrecht. Rechtswissenschaftliche Perspektiven für die Literaturwissenschaft 16:15 Kaffeepause 16:45 Podiumsdiskussion zum Thema Digitale Literaturen, Geschäftsmodelle digitalen Publizierens und das Immaterialgüterrecht. Probleme und Perspektiven mit
  • Prof. Dr. Hermann Cölfen (Kustos der Germanistik an der Universität Duisburg-Essen; Gründer des Universitätsverlags Rhein-Ruhr);
  • Dorothee Graf (Fachreferentin Germanistik der Universitätsbibliothek der Universität Duisburg-Essen);
  • Matthias Spielkamp (Redaktionsleiter iRights.info – Urheberrecht in der digitalen Welt);
  • Dorothee Werner (Leiterin Unternehmensentwicklung, Grundsatz- und strategische Fragen beim Börsenverein des Deutschen Buchhandels);
  • Moderation: Dr. Thomas Ernst
18:30 Ausklang des Workshops im Unperfekthaus, Friedrich-Ebert-Straße 18,  45127 Essen

Ort

Universität Duisburg-Essen
Campus Essen
Bibliothekssaal
Universitätsstr. 9-11
45117 Essen

Zwischen den Gebäuden R09 und R11, siehe auch: Anfahrtbeschreibung.

December 20 2013

E-Learning-Magazin: „Open Access und OER sind bei der zukünftigen Regierung angekommen“

Vor kurzem erschien die elfte Ausgabe des „Hamburger E-Learning-Magazins“. Als Schwerpunkt-Thema wählte die Redaktion die „Open Educational Resources“ (OER), also freie Bildungsmedien. Auf über 30 Seiten geht es dabei unter anderem um Begriffsdefinitionen und Ökosysteme für OER, anhand zahlreicher Projekte beleuchtet das Magazin die Praxis und den Status quo bei den freien Bildungsmedien. In eigener Sache: Zu den urheberrechtlichen Aspekten hinsichtlich OER steuerte iRights.info einen Artikel bei, der die OER-Studie von Medienrechtsanwalt Till Kreutzer in den wesentlichen Punkten zusammenfasst.

Mit aktuellem Bezug zum Koalitionsvertrag der neuen Regierung schreibt die E-Learning-Beauftragte der Universität Hamburg, Angela Petz, in ihrem Vorwort:

 „Im Koalitionsvertrag der Großen Koalition steht: ‘Schulbücher und Lehrmaterial auch an Hochschulen sollen, soweit möglich, frei zugänglich sein, die Verwendung freier Lizenzen und Formate ausgebaut werden.‘ Open Access und OER sind bei der zukünftigen Regierung angekommen.  … Die EU-Kommission ist mit dem Aktionsplan ‘Die Bildung öffnen‘ schon einen Schritt weiter, auch mit der deutlichen Aussage, dass ‘sicherzustellen ist, dass alle aus öffentlichen Haushalten finanzierten Lehrmittel für jeden zugänglich sind.‘“

Herausgeber des kostenlosen Magazins ist das Zentrale E-Learning-Büro der Universität Hamburg, es erscheint seit Dezember 2008 halbjährlich, jeweils als PDF-Datei. Hier der Direktlink zur aktuellen Ausgabe #11 mit OER-Schwerpunkt (PDF).

December 03 2013

In eigener Sache: „Das Netz 2013-2014 – Jahresrückblick Netzpolitik“ erschienen

Die Zeit für Jahresrückblicke bricht an und auch wir haben zurückgeschaut: Wie schon im vergangenen Jahr erscheint „Das Netz 2013-2014 – Jahresrückblick Netzpolitik“ von iRights.

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„Das Netz 2013-2014“ versammelt dreißig Autorinnen und Autoren wie Sascha Lobo, Miriam Meckel, Dirk von Gehlen, Kai Biermann, Stefan Niggemeier und Constanze Kurz.

Sie schreiben über die Ereignisse des Jahres: die NSA-Affäre, Datenschutz und Privatsphäre, das Leistungsschutzrecht für Presseverleger und was sonst noch alles passiert ist. Interviews mit Brigitte Zypries, Dorothee Bär oder Dirk Brengelmann geben Einblick in die politischen Entwicklungen.

„Das Netz 2013-2014“ richtet sich an alle, die sich für die netzpolitischen Debatten des noch laufenden Jahres interessieren und wissen wollen, was in den nächsten Monaten wichtig ist. Denn spätestens seit den NSA-Enthüllungen sind alle, die das Internet nutzen, egal ob privat oder bei der Arbeit, von netzpolitischen Fragen betroffen. „Das Netz 2013-2014“ versucht einen Einblick zu geben und Entwicklungen transparent zu machen – für alle, nicht nur Experten.

Das Heft erscheint als Printmagazin und als E-Book. Die Printausgabe illustriert die komplexen Themen mit großformatigen Fotos und wurde wie im letzten Jahr gestaltet vom beworx-Team. Das Titelbild wurde entworfen vom Berliner Zeichner Tim Dinter.

Das Printmagazin kostet 14,90 Euro und kann online und in allen Buchhandlungen bestellt werden. In den nächsten Tagen wird es beim Kulturkaufhaus Dussmann in der 3. Etage in der Friedrichstraße in Berlin und bei allen Filialen der Bahnhofs- und Flughafenbuchhandlungen „K Presse + Buch” zum Verkauf ausliegen. Das E-Book gibt es für 4,99 Euro in den üblichen E-Book-Stores wie Amazon, iTunes oder Beam. Mehr Infos zur Bestellung und den Kaufmöglichkeiten bei iRights.Media.

Mit dem Launch des Online-Reading-Tools Pressbooks kann man „Das Netz 2013-2014 – Jahresrückblick Netzpolitik“ komfortabel und kostenlos online lesen. Zusätzlich werden alle Artikel, Beiträge und Interviews nach und nach bei iRights.info veröffentlicht.

Das Titelbild des Berliner Zeichners Tim Dinter gibt es in kleiner Auflage als Kunstdruck in der Größe A2. Eine limitierte Auflage von 100 Stück ist vom Künstler signiert. In beiden Varianten kann der Druck bei iRights.Media bestellt werden:

  • Kunstdruck „Das Netz 2013-2014“ unsigniert: 15 Euro zzgl. 6 Euro Versand und Verpackung
  • Kunstdruck „Das Netz 2013-2014“ vom Künstler Tim Dinter signiert: 50 Euro zzgl. 6 Euro Versand und Verpackung

Bei Interesse einfach eine E-Mail an info@irights-media.de schreiben.

Journalisten und Blogger, die über „Das Netz 2013-2014 – Jahresrückblick Netzpolitik“ berichten wollen, schicken bitte eine E-Mail an info@irights-media.de.

November 19 2013

WDR5-„Politikum” zur Entscheidung im Google-Books-Streit

Die Sendung „Politikum” im WDR5 hat sich mit der jüngsten Entscheidung im Streit um Googles Buchsuche beschäftigt. Christine Watty kommentiert und hat in ihrem Beitrag auch Till Kreutzer von iRights.info um Einschätzung befragt. Hier kann man die Sendung (MP3) nachhören:


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November 11 2013

„Netzpolitik und Netzkompetenz für eine nächste digitale Zukunft“ bei Internet & Tacos am 16.11.2013 in Hildesheim

Hinter dieser Wortkombination verbirgt sich eine Veranstaltungsreihe von Studierenden der Uni Hildesheim und interessierten Nutzer_innen vom 9. bis zum 30. November. Am 16. November gibt es eine Veranstaltung mit Kathrin Ganz, Michael Seemann und yours truly Valie Djordjevic unter dem Titel „Netzpolitik und Netzkompetenz für eine nächste digitale Zukunft“.

Internet and Tacos, Flickr, CC-BY-SA

Wir sprechen dabei über die Möglichkeiten des Netzes, Einfluss auf gesellschaftliche Entwicklungen zu nehmen und sie zu verändern:

Dabei fragen wir uns zunächst: Wie hat das alles angefangen? Was waren die Projekte, die die Ideen vom Cyberspace als utopischen Ort in konkrete Versuche überführt haben? Welche Formen der Aushandlung der Zukunft des Internets wurden seither gefunden, verworfen, reformuliert? Und was ist der aktuelle Stand des Netzes und seiner Gemeinde: Kann das Internet Werkzeug für mehr Demokratisierung und Teilhabe sein? Oder im Gegenteil: Quittieren wir als User_innen mit der permanenten Produktion von Daten unsere eigene Überwachung? Oder ist genau dieser Kontrollverlust der einzige Weg zu mehr Selbstbestimmung? Welche Konsequenzen hat die Architektur des Internets für eine Gesellschaft, die zunehmend digitaler wird? Wir wollen die Möglichkeiten und Handlungsspielräume zur Gestaltung unserer Lebenswelt in der nächsten digitalen Zukunft diskutieren.

Ich erzähle etwas über Diskurse und Diskussionen der letzten 20 Jahre Internet, Kathrin Ganz setzt sich mit dem aktuellen Stand der Netzbewegung in Deutschland auseinander und Michael Seemann nimmt den Begriff „Kontrollverlust“, um mit ihm aktuelle Themen wie Datenschutz und Privatsphäre im Netz zu untersuchen.

Auch nach dem 16. finden noch jede Menge interessanter Veranstaltungen statt, wie man im vollständigen Programm der Reihe nachlesen kann.

November 01 2013

Open Access in Berlin: Zwei Gespräche und eine Ausstellung der Max-Planck-Gesellschaft

Soll das Wissen in Museen und Sammlungen frei im Netz zugänglich sein? Dieser Frage widmet sich die Berliner „Science Gallery” der Max-Planck-Gesellschaft mit einer rund vierwöchigen Veranstaltungsreihe. Begleitend zu einer ständigen Ausstellung finden zwei Podiumsdiskussionen statt.

Museen, Archive und Bibliotheken sind die traditionellen Orte, Wissen zu speichern. Was bedeutet „Open Access“ für sie? Welche Regeln und Regelungen wären notwendig? Aus Anlass des zehnten Jahrestages der „Berliner Erklärung“ gibt es in der Max Planck Science Gallery am Berliner Gendarmenmarkt vom 25. Oktober und bis zum 23. November die Reihe „30 Tage für Open Access“. Matthias Spielkamp, Projektleiter bei iRights.info, moderiert die Podiumsgespräche. (Eintritt frei, Anmeldung erbeten bei <mpgberlin at gv.mpg.de>).

Am 4.11.2013 um 19 Uhr heißt esKulturgut im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit. Was bringt Open Access Museen und Sammlungen?“. Es diskutieren Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Jürgen Renn, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte:

Mit Open Access verbunden sind nicht nur praktische Probleme der Datenerfassung, sondern auch die Angst, dass die neue digitale Museumswelt in Konkurrenz tritt mit dem Original. Wo bleibt die Aura des Objekts? Kommen Besucher noch ins Museum, wenn alles digital verfügbar ist? Viele Museen stellen sich der Herausforderung und beginnen digitale und analoge Präsentationen kreativ miteinander zu verbinden. Was ist zukunftstauglich? Welche Rolle spielt das Museums in einer digitalisierten Welt, und kann Open Access den Wert von Sammlungen als Wissensspeicher auch unterstützen?

Am 18.11.2013 um 19 Uhr geht es um die Frage, ob Open Access die Position der Bibliotheken stärkt oder noch mehr Arbeit auf sie zukommt: „Who’s afraid of red tape? Open Access for a next generation science library”.

Vielfach sind die Bibliotheken noch nicht einmal auf dem aktuellen Stand der Technik angekommen. Zu wenige Ressourcen, schwierige Sammlungsgeschichten und die zunehmende Flut von Publikationen lassen die angestammten Wissensspeicher oft als Nachzügler erscheinen.

Darüber sprechen Jens Vigen, Leiter der Forschungsbibliothek am Forschungszentrum CERN und Richard E. Luce, Dekan der Bibliotheken der University of Oklahoma.

Seit dem 25.10.2013 ist in der Science Gallery auch die ständige Ausstellung „Wissen für alle” zu sehen. Sie handelt von der Welt des wissenschaftlichen Publizierens, der Globalisierung von Wissen und der Entwicklung der Open-Access-Bewegung. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr, Montag und feiertags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

October 30 2013

Einladung: Zugang gestalten! – Konferenz am 28. und 29. November 2013 in Berlin

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Was die Digitalisierung für Museen, Bibliotheken, Archive und andere Einrichtungen bedeutet, davon handelt die Konferenz „Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe”. 

Mancher wird sich erinnern: Es ist nicht die erste Konferenz zum Thema. In der Einladung heißt es:

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren das Ob und das Wie der Digitalisierung des Kulturellen Erbes diskutiert wurde, stellt die Konferenz “Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe” in diesem Jahr die Frage nach dem Warum.

Im Rahmen der dritten Konferenz der Reihe soll eine Rückbesinnung auf die zentralen Werte der Gedächtnisinstitutionen im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang wird die Frage erörtert werden, welche Aufgaben die Museen, Archive und Bibliotheken mit öffentlicher Mitteln erfüllen sollen und wie sie dieser Verantwortung auch in der Digitalen Welt gerecht werden können.

So wird die Konferenz in diesem Jahr das Selbstverständnis der Gedächtnisorganisationen, die Aufgabe des Staates, die Rolle von bürgerschaftlichen Initiativen und der Privatwirtschaft und nicht zuletzt die rechtlichen Rahmenbedingungen behandeln; neue Projekte werden sich in einer Werkschau vorstellen.

Wann:

Am Donnerstag und Freitag, dem 28. und 29. November 2013.

Wo:

Im Jüdischen Museum Berlin, Lindenstraße 9–14.

Veranstaltet wird die Konferenz zusammen vom Jüdischen Museum Berlin, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Internet & Gesellschaft Collaboratory, der Deutschen Digitalen Bibliothek, dem iRightsLab Kultur, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Sponsoren sind EMC und Google, geleitet wird die Konferenz von Paul Klimpel.

Mehr Infos und Anmeldung:

Detaillierte Informationen zum Programm, Referentinnen und Referenten gibt es auf der Konferenzwebsite zugang-gestalten.de. Dort auch das Formular zur Anmeldung.

Wer sich ins Thema einlesen will, findet mehr dazu auch im gerade von Paul Klimpel und Jürgen Keiper herausgebenen Band „Was bleibt?”. Bei iRights.info nachzulesen sind Beiträge von Andreas Lange über die Bewahrung von Games und von Eric W. Steinhauer über das Urheberrecht als „Rechtspflicht zur Amnesie”. Und die Konferenz im letzten Jahr lässt sich hier nachsehen:

Einladung: Zugang gestalten! – Konferenz am 28. und 29. November 2013 in Berlin

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Was die Digitalisierung für Museen, Bibliotheken, Archive und andere Einrichtungen bedeutet, davon handelt die Konferenz „Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe”. 

Mancher wird sich erinnern: Es ist nicht die erste Konferenz zum Thema. In der Einladung heißt es:

Nachdem in den vergangenen beiden Jahren das Ob und das Wie der Digitalisierung des Kulturellen Erbes diskutiert wurde, stellt die Konferenz “Zugang gestalten! – Mehr Verantwortung für das kulturelle Erbe” in diesem Jahr die Frage nach dem Warum.

Im Rahmen der dritten Konferenz der Reihe soll eine Rückbesinnung auf die zentralen Werte der Gedächtnisinstitutionen im Vordergrund stehen. In diesem Zusammenhang wird die Frage erörtert werden, welche Aufgaben die Museen, Archive und Bibliotheken mit öffentlicher Mitteln erfüllen sollen und wie sie dieser Verantwortung auch in der Digitalen Welt gerecht werden können.

So wird die Konferenz in diesem Jahr das Selbstverständnis der Gedächtnisorganisationen, die Aufgabe des Staates, die Rolle von bürgerschaftlichen Initiativen und der Privatwirtschaft und nicht zuletzt die rechtlichen Rahmenbedingungen behandeln; neue Projekte werden sich in einer Werkschau vorstellen.

Wann:

Am Donnerstag und Freitag, dem 28. und 29. November 2013.

Wo:

Im Jüdischen Museum Berlin, Lindenstraße 9–14.

Veranstaltet wird die Konferenz zusammen vom Jüdischen Museum Berlin, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, dem Internet & Gesellschaft Collaboratory, der Deutschen Digitalen Bibliothek, dem iRightsLab Kultur, der Open Knowledge Foundation Deutschland und Wikimedia Deutschland. Sponsoren sind EMC und Google, geleitet wird die Konferenz von Paul Klimpel.

Mehr Infos und Anmeldung:

Detaillierte Informationen zum Programm, Referentinnen und Referenten gibt es auf der Konferenzwebsite zugang-gestalten.de. Dort auch das Formular zur Anmeldung.

Wer sich ins Thema einlesen will, findet mehr dazu auch im gerade von Paul Klimpel und Jürgen Keiper herausgebenen Band „Was bleibt?”. Bei iRights.info nachzulesen sind Beiträge von Andreas Lange über die Bewahrung von Games und von Eric W. Steinhauer über das Urheberrecht als „Rechtspflicht zur Amnesie”. Und die Konferenz im letzten Jahr lässt sich hier nachsehen:

September 30 2013

Was ist iRights.info? – Logos und Banner

Logos für Druckerzeugnisse

Logos für digitale Veröffentlichungen

Wir freuen uns über Links auf unsere Site. Alle Logos stehen unter der Lizenz Creative Commons Namensnennung-keine Bearbeitung 2.0 Deutschland (CC by-nd 2.0 de) .

September 27 2013

In eigener Sache: John Hendrik Weitzmann erhält den Dieter-Meurer-Förderpreis

John-Hendrik Weitzmann, Mitglied der Redaktion bei iRights.info, Rechtsanwalt bei iRights.Law, Legal Lead bei Creative Commons Deutschland und Regionalkoordinator bei Creative Commons Europa, wurde in diesem Jahr für seine Arbeiten an der Schnittstelle zwischen Informatik und Recht mit dem Dieter-Meurer-Förderpreis ausgezeichnet. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis wird vom EDV-Gerichtstag und der Juris GmbH verliehen. Gestern Abend gab es die feierliche Preisverleihung.

Die Preisverleihung auf dem EDV-Gerichtstag. Foto: Iris Speiser, CC BY-ND

Die Preisverleihung auf dem EDV-Gerichtstag. Foto: Iris Speiser, CC BY-ND

In der Pressemitteilung zur Auszeichnung heißt es:

Für herausragende Leistungen und Verdienste in der Rechtsinformatik verleihen der Deutsche EDV-Gerichtstag und die juris GmbH seit zehn Jahren den Dieter Meurer-Förderpreis an internationale Wissenschaftler. Der diesjährige Preisträger John Hendrik Weitzmann engagiert sich in vielfacher Weise für die wechselseitigen Beziehungen von Recht und Informatik. Ausgezeichnet wird er unter anderem für seine Arbeit an so genannten Rechteflussmodellen, die im Bereich künstlicher Intelligenz eingesetzt werden können, sowie für seine Beiträge zur Weiterentwicklung der „Creative Commons Rights Expression Language (ccREL)“. Mittels dieser ist es möglich, die in Creative-Commons-Lizenzen gewährten Rechte – also Nutzungsrechte, die Autoren an ihren Werken einräumen – standardisiert zu vermitteln. Hierdurch können unter anderem Internet-Suchmaschinen die Treffer nach Nutzungsrechten filtern.

Wir freuen uns sehr und gratulieren: Herzlichen Glückwunsch, John!

September 24 2013

Die Internationalisierung der Recherche – und wie Kriminelle und Regierungen versuchen, sie zu verhindern. Öffentliche Diskussion in Berlin

Wie koordiniert man eine internationale Armada verschiedener Akteure dabei, 2,5 Millionen Dokumente auszuwerten, wie etwa bei den Offshore-Leaks? Wer finanziert solche Recherchen, und wie schützt man sie davor, von Regierungen und Unternehmen ausgespäht und blockiert zu werden? iRights.info und Reporter ohne Grenzen laden für den kommenden Sonntag, 29. September, in den Supermarkt Berlin ein, um diese Fragen zu diskutieren.

Ob Iraq War Logs oder PRISM, ob Abu Ghraib oder XKeyscore: Nicht nur Finanz-, Arbeits- und Medienmärkte sind international, sondern auch digitale Kommunikation und organisierte Kriminalität. Da kann Recherche nicht an Sprach- und Ländergrenzen halt machen.

Schon seit Jahren gibt es unabhängige Organisationen, die sich auf diese Entwicklungen eingestellt haben, wie das Organized Crime and Corruption Reporting Project oder das International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ). Bei den Recherchen und Veröffentlichungen zu den sogenannten Offshore-Leaks hat das ICIJ mit mehr als 80 Journalisten von 38 Zeitungen, Hörfunk- und Fernsehsendern aus 46 Ländern kooperiert.

Die Herausforderungen dieser Recherchen sind enorm. Dabei geht es nicht nur um die Organisation, sondern vor allem auch darum, wie Journalisten sich selbst, ihre Quellen und Dokumente schützen – vor Kriminellen, aber auch vor dem Zugriff des Staats.

Ein Gespräch mit Gerard Ryle, Director, ICIJ (International Consortium of Investigative Journalists) und Christian Mihr, Geschäftsführer Reporter ohne Grenzen Deutschland – Moderation: Matthias Spielkamp, Redaktionsleiter iRights.info.

Wann?

Am Sonntag, dem 29. September 2013 von 17 bis 19 Uhr.

Wo?

Im Supermarkt, Brunnenstrasse 64, 13355 Berlin.

Der Eintritt ist frei.

ryle

Gerard Ryle arbeitet seit mehreren Jahrzehnten als investigativer Journalist und Reporter, darunter für die australischen Zeitungen Sydney Morning Herald und The Age. Nach seinen Recherchen über das betrügerische, von der australischen Regierung geförderte Unternehmen „Firepower International” wurde er 2011 zum Direktor des International Consortium of Investigative Journalists (ICIJ) ernannt. Später wurde ihm eine Festplatte zugespielt, deren Daten die 2013 in Kooperation mit internationalen Medien veröffentlichten Offshore-Leaks bargen.

mihr

Christian Mihr ist Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen. Zuvor war mehrere Jahre bei n-ost als Redaktionsleiter Eurotopics tätig und organisierte Austausch- und Fortbildungsprojekte in und mit Belarus sowie zum Thema Informationsfreiheit in Europa. Weitere Berufsstationen bei Print- und Onlinemedien in Deutschland und Ecuador, in der journalistischen Aus- und Weiterbildung für eine Stiftung in Russland sowie in der Pressearbeit für einen entwicklungspolitischen Think Tank. Journalistik/Lateinamerikanistik-Studium in Eichstätt und Santiago de Chile. Foto: Stefan Günther.

September 23 2013

Buchvorstellung am 25.9. in der DNB Frankfurt: „Was bleibt? Nachhaltigkeit der Kultur in der digitalen Welt”

In eigener Sache: Was bleibt von den Zeugnissen des kulturellen Schaffens und der Wissenschaft, die auf digitalen Trägern festgehalten werden, in 5, in 20 oder in 100 Jahren? Das fragt eine neue Publikation von iRights.Media. Am 25.9. wird sie in der Deutschen Nationalbibliothek in Frankfurt am Main vorgestellt.

cover_was_bleibtDie Publikation hält die Diskussionen der Initiative „Nachhaltigkeit in der digitalen Welt” fest. Vor welchen Herausforderungen traditionelle ebenso wie neuartige Gedächtnisorganisationen bei der Erhaltung des kulturellen Erbes und beim Übergang zu digitalen Trägermedien stehen, hat die Initiative des Internet und Gesellschaft Collaboratory in Kooperation mit dem Langzeitarchivierungs-Netzwerk Nestor, dem iRights.Lab Kultur und dem Institut für Museumsforschung in Expertenworkshops untersucht. Finanziell unterstützt wurde die Initiative von EMC2 und Google Deutschland.

Die Vorstellung des von Paul Klimpel und Jürgen Keiper herausgegebenen Buchs findet am 25. September 2013 von 17 bis 19 Uhr in der Deutschen Nationalbibliothek (Adickesallee 1, 60322 Frankfurt am Main) statt. Dann erscheint das Buch zugleich als Print und E-Book.

Hier kann man sich zur Veranstaltung anmelden.

Einen Einblick in die Arbeit und Themen der Initiative bietet auch die Dokumentation und Linksammlung zur Abschlussveranstaltung im Mai.

September 17 2013

Neu als E-Book: „Überwachte Gesellschaft – Recht, Technik und Politik nach Prism und Tempora”

In eigener Sache: Das E-Book „Überwachte Gesellschaft. Recht, Technik und Politik nach Prism und Tempora” ist jetzt erhältlich und beschäftigt sich mit den Folgen der Überwachungs- und Spionageaffäre.

Heute sind es 100 und drei Tage, seit mit den ersten Berichten im Guardian und in der Washington Post die Überwachungs- und Spionageaffäre um die NSA, sein britisches Pendant GCHQ und weitere Geheimdienste ins Rollen gekommen ist. Nicht nur „Prism” und „Tempora”, viele weitere Namen wie „Boundless Informant” „XKeyscore”, „Bullrun” stehen dafür.

dw-002-ueberwachte-gesellschaftSeitdem erklärten die einen die Affäre für beendet, andere erfanden das Supergrundrecht Sicherheit, Bürger spazierten zu Geheimdienst-Komplexen, Edward Snowden erhielt vorläufiges Asyl in Moskau, Snowdens Partner David Miranda wurde am Londoner Flughafen festgesetzt, tagte ein Ausschuss im Europaparlament – und und und.

Inmitten der Ereignisse hat iRights.info sich mit den Folgen der Enthüllungen für Politik, Recht und Technik beschäftigt. Mit ausführlichen Artikeln, in Interviews mit Datenschützern, Völkerrechtlern, Menschenrechtsaktivisten, Juristen und Journalisten. Das hat iRights.info nun in einem E-Book gebündelt: „Überwachte Gesellschaft: Recht, Technik und Politik nach Prism und Tempora””:

Überwachte Gesellschaft. Recht, Technik und Politik nach Prism und Tempora versammelt Texte und Interviews, in denen diesen Veränderungen nachgegangen wird. Sie stellen die Frage, wie wir als Gesellschaft damit umgehen wollen, dass unsere Leben und unsere Daten vor den Geheimdiensten dieser Welt offenliegen.

Das E-Book lässt sich als ein Zwischenbericht lesen, denn die Nachrichten zum Thema reißen nicht ab. Updates werden folgen. In der Gemengelage werfen die Texte einen ruhigen Blick auf die Dinge und versuchen fundierte, aber keine letztgültigen Antworten zu geben. Ist das Internet, so wie wir es kennen, noch zu retten? Lässt sich die Datenschnüffelei noch einhegen? Wie entwickelt sich der Konflikt zwischen technischen Möglichkeiten und Grundrechten? Was heißt das für mich als Nutzer, als Bürger? Welche Aussichten gibt es beim internationalen Datenschutz, welche Rolle spielt das Völkerrecht?

Davon handelt das E-Book mit Texten von Tilman Baumgärtel, Nico Ernst, Jürgen Geuter, Friedhelm Greis, Torsten Kleinz, Felix Knoke, Lorenz Matzat, David Pachali, Jan Schallaböck, Anja Seeliger, Henry Steinhau und Jörg Thoma sowie in Interviews mit Nikolaus Forgó, Matthias Hartwig, Matthias C. Kettemann, Erich Moechel und Peter Schaar. Eine Chronologie der Ereignisse und ein Glossar gehören ebenfalls dazu – vielen Dank dafür an den Perlentaucher und die Kollegen bei Golem.de.

Die Beiträge des Bandes lassen sich auch frei im Netz nachlesen. Aber wer sich das E-Book besorgt, bekommt sie gesammelt im praktischen Bündel, das verschiedene Perspektiven zusammenbringt und Beiträge versammelt, die über den Tag hinausgehen. Wie auch bei anderen Veröffentlichungen von iRights.Media gilt: Wer die Inhalte weiterverbreitet, wird keine Anwälte auf den Hals gehetzt bekommen, sondern kann das – unter Beachtung der Creative-Commons-Lizenz „Namensnennung – Keine Bearbeitung” gern tun. Was das im Detail heißt, lässt sich hier in der menschenlesbaren, hier in der Juristenfassung nachlesen.

Überwachte Gesellschaft. Recht, Technik und Politik nach Prism und Tempora kostet EUR 4,99 und ist bei Amazon*, bei iTunes* (*Affiliate-Link) bei Beam (restlos frei von DRM und auch von Wasserzeichen) und vielen anderen E-Book-Shops erhältlich. Es ist die zweite Veröffentlichung aus der Reihe „Digitale Welt” bei iRights.Media.

September 09 2013

Berliner Appell fordert: Jetzt handeln, um digitales Kulturerbe zu erhalten

Was bleibt von den Zeugnissen des kulturellen Schaffens und der Wissenschaft, die auf digitalen Trägern festgehalten werden, in fünf, in zwanzig oder in hundert Jahren? Eine Reihe von Experten hat sich mit dem Thema „Nachhaltigkeit” und digitaler Langzeitarchivierung beschäftigt. Ungeachtet aller Unterschiede eint sie die Überzeugung, dass jetzt gehandelt werden muss, um die Grundlagen dafür zu schaffen, das kulturelle Erbe in der digitalen Welt zu erhalten und zu sichern.

Der Berliner Appell zum Erhalt des digitalen Kulturerbes ist das Ergebnis. Darin heißt es:

Das Wissen unserer Tage wie die Kultur unserer Gesellschaft werden aber zunehmend mittels elektronischer Medien gespeichert und sollen über diese überliefert werden. Die Bewahrung dieses Wissens und dieser Kultur steht auf tönernen Füßen. Die Bereitschaft, auch in der elektronischen Welt in die Bestandserhaltung zu investieren, ist nicht sehr groß. Die Einsicht in die Notwendigkeit, die Prozesse der digitalen Langzeitarchivierung nachhaltig und dauerhaft zu finanzieren, ist noch nicht ausgeprägt. Die Möglichkeiten der Informations- und Kommunikationstechnologie zur Bestandserhaltung auch von analogen Informationsträgern sind noch lange nicht ausgeschöpft.

Langzeitarchivierung im Zuse-Institut Berlin. Foto: Jürger Keiper, CC BY-SA

Langzeitarchivierung im Zuse-Institut Berlin. Foto: Jürger Keiper, CC BY-SA

Hervorgegangen ist der Berliner Appell aus der Initiative „Nachhaltigkeit in der Digitalen Welt”, einer Veranstaltung des Internet und Gesellschaft Collaboratory, die unter Leitung von Jürgen Keiper und mir stattfand – in Zusammenarbeit mit dem Langzeitarchivierungs-Netzwerk Nestor, dem iRights.Lab Kultur und dem Institut für Museums­forschung. Dokumentiert wird der Diskurs bald in der Publikation „Was bleibt?“, die am 25. September in der Deutschen Nationalbibliothek vorgestellt wird.

Bemerkenswert ist, dass im Appell ein breiter Konsens zum Ausdruck kommt: Zu den Erstunterzeichnern gehören so unterschiedliche Persönlichkeiten wie Michael Hollmann (Präsident des Bundesarchivs), Verena Metze-Mangold (Vizepräsidentin der Deutschen UNESCO-Kommission), Jan Engelmann (Leiter Politik und Gesellschaft bei Wikimedia Deutschland), Ellen Euler (Geschäftsstellenleiterin der Deutschen Digitalen Bibliothek), Andreas Lange (Direktor des Computerspielemuseums) und Stefan Gradmann (Direktor der Universitätsbibliothek Leuven) – um nur einige zu nennen.

Unmittelbar nachdem der Appell veröffentlicht wurde, haben ihn auch die Deutsche Digitale Bibliothek und Wikimedia Deutschland als Institutionen unterstützt. Weitere institutionelle Unterstützung zeichnet sich ab. Hier lässt er sich unterzeichnen.

September 07 2013

Von Schranken und Geschäftsmodellen – Verlage und Wissenschaftler kommen nicht zusammen

Im dritten und letzten Block des Urheberkongresses 2013 ging es um Wissenschaft und Bildung. Auf der einen Seite fürchten Verlage ihre Geschäftsmodelle in der digitalen Welt, auf der anderen sind Lehrer und Wissenschaftler in ihrer Arbeit durch das geltende Recht eingeschränkt. Beide sind unzufrieden mit der jetzigen Situation. 

Im dritten Block des Urheberkongresses*, der gestern in Berlin stattgefunden hat, stand die „Werknutzung in Schule, Hochschule und Wissenschaft“ zur Debatte“. In einem Impulsreferat reflektierte Professor Bernd Schorb von der Universität Leipzig die Praxis des Lernens mit digitalen Medien in Schulen und Hochschulen. Urheberrechtliche Fragen seien durch die alltägliche Mediennutzungspraxis dabei zunehmend von Interesse, doch mitunter abstrakt, so sein Tenor. Das Urheberrecht werde aber für Schüler verständlicher, wenn „aus Urhebern Menschen werden“.

Nachdem Prof. Dr. Karl Riesenhuber einführend die Situation von Urhebern in Schulen, Universitäten und in der Wissenschaft erläutert hatte, thematisierten die nachfolgenden Podiumsdiskussionen hauptsächlich die herrschenden Ausnahmeregelungen des Urheberrechts, die in den Zusatzparagrafen 52a bis 53b festgeschrieben sind. Als sogenannte Schrankenregelungen erlauben sie bestimmte Nutzungen und Verwendungen von Lehrmedien und urheberrechtlich geschützten Werken in bestimmten Rahmen, ohne dass weitere Lizenzen nötig sind. Das ist unter anderem das Kopieren und Versenden von Dokumenten in gewissen Grenzen und Anteilen.

Hierbei kritisierte der Diplom-Pädagoge Jöran Muuß-Merholz erneut, dass die für Lehrer so wichtige Zusammenstellung eigener Lehrmaterialien aus vorhandenen Medien mit digitalen Medien eher schwieriger geworden sei, obwohl es technisch eigentlich einfacher ist. „Remix und Mashup ist Kernaufgabe eines Lehrers, früher tat er dies mit Schere und Klebestift. Doch aufgrund der Urheberrechtsregelungen wird ihm dies mit digitalen Materialien erschwert und das verunsichert viele.“ Generell sei er aber optimistisch, dass sich die Situation, auch durch das wachsende Angebot an OER-Materialien, für die Lehrer sukzessiv verbessere, so Muuß-Merholz.

Demgegenüber betonte Urlich Pokern vom Klett-Verlag, dass Schulmedienverlage „auf Strecke“ bauten. Schulbücher sind ein Leitmedium für ein ganzes Schuljahr. Die Verlage würden dafür großen Aufwand betreiben, bis hin zur Zertifizierung in den Bundesländern. Den Vorwurf, die Schulmedienverlage würden hinsichtlich digitaler Lehrmedien hinterherhinken, wies er mit Hinweis auf ein breites Angebot zurück. Gleichwohl könne es eben auch Probleme bei der Bereitstellung geben: „Wir kaufen ja auch Lizenzen von anderen Anbietern ein, etwa von der BBC und vielen anderen Quellen. Dafür haben wir aber nicht immer aller Rechte und können daher nicht alles digital zur Verfügung stellen“, so Pokern.

Nahezu unversöhnlich erscheinende Auseinandersetzungen entspannen sich zwischen der Repräsentantin der Bibliotheken, Gabriele Beger von der Universitätsbibliothek  Hamburg, Ulf Rödde von der Lehrergewerkschaft GEW und dem Vertreter der VG Wort, Robert Staats. Laut Beger zahlen die Bibliotheken pro Jahr rund 25 Millionen Euro als Abgaben an die VG Wort und 400 Millionen Euro aus Erwerbungsmitteln an die Verlage, Agenturen und Autoren. Doch weil bei elektronischen Medien die bezahlten Lizenzen in der Regel nur ein Jahr gelten, würden diese jährlichen Lizenzzahlungen bereits ein Drittel der Erwerbungsmittel ausmachen.

„Der Ruf nach höheren Budgets für die Bibliotheken ist daher nicht gerechtfertigt. Auf diese Weise würde der Staat ja den wirtschaftlichen Interessen der Verlage entsprechen, und das kann doch nicht sein“, so Beger, die sogleich die erwähnten 25 Millionen Euro für die VG Wort zur Disposition stellte und anbot, über diese Summe – „ich erhöhe gerne auf 30 Millionen“ – komplett neu nachzudenken, was deren Verteilung anbeträfe, um sie sinnvoller einzusetzen.

Für VG Wort-Manager Robert Staats war dies keine Überlegung wert. Es gehe darum, zu überlegen, um was für Nutzungen in den Bildungseinrichtungen es sich handele und wie relevant sie für die Rechteinhaber und Verlage seien. „Ich bin kein Freund einer Schrankenregelung als Generalklausel, der sogenannten Wissenschaftsschranke. Wir haben jetzt bereits Ausnahmen, die muss man gewiss erläutern, aber sie funktionieren“, so Staats. Er wies auf Informationsbroschüren für Lehrer und Hochschullehrer hin, gab aber zu, dass man noch mehr aufklären müsse. „Das müssen wir ausbauen,“ meinte er.

Die Broschüre sei bekannt und auch ganz gut, erwiderte GEW-Vertreter Ulf Rödde, doch sie löse nicht die Probleme der Lehrer vor Ort: „Im Zuge der Inklusion müssen wir für die Kinder individuelle Lernkonzepte entwickeln. Dafür müssen Lehrer zum bereits erwähnten Remixer werden und brauchen mehr Möglichkeiten zur Nutzung des Materials.“ Wenn große Industrieunternehmen mit eigenen freien Lehrmaterialien an die Schulen drängen und dabei durchaus ihre Ideologien transportierten, könnte das eine Demokratie nicht wollen. Hierfür müsse durch liberalisierte Zugänge eine Lösung geschaffen werden.

Unmittelbar darauf entwickelte sich eine Kontroverse an den Fragen, ob es im Bildungsbereich und in der Wissenschaft zum einen mehr offene Werke (Open Access) geben soll und ob zum anderen eine generelle Wissenschaftsschranke mit einfachen, klaren und leicht verständlichen Regelungen den Wissenschaftsverlagen die wirtschaftliche Grundlage erschweren oder gar entziehen würde.

Rainer Kuhlen von der Universität Konstanz plädierte für eine Spielart des Open Access, nach der die durch Wissenschaftler  und Bildungseinrichtungen geschaffenen Publikationen offen zugänglich wären, Verlage dafür aber Lizenzen erwerben und diese dann kommerziell nutzen können sollten. Demgegenüber vertrat Guido Herrmann vom Thieme Verlag die Ansicht, der bessere Weg sei, die Erstveröffentlichung eines Werkes als Open Access nur nach Erhebung einer Autoren-Gebühr – also von den Autoren an die Verlage – zur Verfügung zu stellen, während das Zweitveröffentlichungsrecht dann der kommerziellen Nutzung dienen solle.

„Wir haben dieses Zweitverwertungsrecht, aber es ist schlecht“, entgegnete Rainer Kuhlen. „Erstens, weil es erst nach einem Jahr greift und zweitens, weil es mehr auf die Verlage zugeschnitten ist, nicht auf die Urheber. Denn privilegiert, es zu nutzen, sind nur die institutionelle Forschung und die Drittmittelforschung.“ Seiner Ansicht nach werde sich auf mittel- und langfristige Sicht Open Access als durchgängiges Publikationsmodell im Wissenschaftsbereich durchsetzen.

Auch die abschließenden Podiums- und Publikumsrunden offenbarten gegensätzliche Positionen und Haltungen. Insbesondere, wie Till Kreutzer von iRights zwischendurch bemerkte, wurde auf dem Urheberkongress am Ende nur noch über Verlage diskutiert, nicht mehr über die Urheber. Nach einem Schlagabtausch zu den Inhalten, Optionen und Wirkungen des Ausnahmereglungs-Paragrafen 52a, stellte Jöran Muuß-Merholz süffisant fest: „Wenn sich hier auf dem Urheberkongress die Urheberrechtsexperten über diese spezifischen Urheberrechtsregelungen streiten und sie unterschiedlich erklären – wie soll ihn dann bitte ein Lehrer in der Schule verstehen?“

Auch Till Kreutzer monierte (wie auch weitere Teilnehmer), dass er als Lehrkraft in der Lehrerausbildung bestimmte urheberrechtliche Ausnahme-Sachverhalte nicht mehr erklären könne und noch öfter auf Fragen der Studierenden keine Antworten geben könnte. Auch deshalb müssten Vereinfachungen und pauschale Schranken her.

Dem stellte ein Vertreter des Verbandes der Bildungsmedienverlage die Ansicht gegenüber. dass Lehrer sehr wohl den Auftrag hätten, über aktuelle Urheberrechtsfragen informiert zu sein und aufklären zu können, so wie beispielsweise auch zu Gefahrenstoffen. Ihm pflichtete Professor Riesenhuber in seinem Abschuss-Statement bei: „Lehrer müssen sich damit auseinandersetzen und ihre Verantwortung kennen, wahrnehmen und weitergeben.“

In versöhnlicher Geste betonten Philipp Otto von iRights.Lab und Gerhard Pfennig von der Initiative Urheberrecht, sie hätten viele ausgestreckte Hände gesehen und sich über faire Diskussionen gefreut. „Dieser Urheberkongress war die erste große Urheberrechtsveranstaltung, die von Urhebern ausgegangen ist“, so Pfennig. Und: „Die Urheber müssen noch viel stärker an den Diskussionen ums Urheberrecht teilnehmen als bisher.“

* Der Urheberkongress 2013 wurde veranstaltet von der Initiative Urheberrecht zusammen mit dem iRights Lab

September 06 2013

Neue Vergütungsmodelle bleiben umstritten

In eigener Sache: Mit der Suche nach neuen Finanzierungs- und Vergütungsmodellen für Urheber beschäftigte sich der zweite Block des Urheberkongresses* in Berlin. Auch hier entwickelten sich heftige Diskussionen und Wortgefechte über die Frage, wie neue Nutzungen vergütet werden sollen.

Zu Beginn der Diskussion beleuchtete Gerald Spindler, Professor für Bügerliches Recht an der Uni Göttingen die Frage, ob und wie Internetprovider und andere Plattformbetreiber zu Abgaben oder Zahlungen herangezogen oder verpflichtet werden könnten. Umstritten sei, ob diese schon bei der Schaltung und Abrechnung von Werbung so an der Verwertung beteiligt seien, dass dies zur Vergütungspflicht führen könne. Gleiches gelte für die Störerhaftung, weshalb Spindler diesen Vergütungsansatz als ein rechtlich völlig offenes Gebiet betrachtet.

Pauschal- vs. Individualvergütung

Zwischen der Pauschalvergütung von Urhebern etwa über Verwertungsgesellschaften und individueller Lizenzierung müsse man abwägen. Pauschalmodelle stünden immer wieder wegen der Erhebungs- und Verteilungsgerechtigkeit in der Kritik – etwa, wenn ohnehin gut verdienende Künstler überproportional viel ausgezahlt bekämen. Demgegenüber stünde aber häufig ein Chaos bei Einzellizenzen, wovon besonders kleine Internetradio-Betreiber betroffen seien, die bei GEMA-Zahlungen, Rechteklärung und geographischen Abdeckungen von Lizenzen schnell überfordert seien.

Gleichwohl sieht Spindler im Finetuning der vorhandnenen Verteilungssysteme einen Ausweg. „Auch bei der heutigen Geräteabgabe gibt es sehr wohl Unterscheidungen: auf die Art der Geräte bezogen, und auch bei den Verteilungen der Einnahmen gibt es eine Ausdifferenzierung nach Beliebtheitsgrad, Sendelisten, das sind funktionierende Mechanismen.“

Private Nutzungen ließen sich nur mit statistischen Verfahren erheben. „Um Vervielfältigungs- und Streamingvorgänge zu erfassen, muss aber keine Sonde in die Datenleitungen gesetzt werden“, meint Spindler. Vielmehr gehe es um statistische Modelle wie etwa bei Einschaltquoten. Für mehr Verteilungsgerechtigkeit regte er an, Dämpfungsmechanismen für Superstars einzuführen.

Bitkom will Geräteabgabe abschaffen, VG Bild-Kunst widerspricht

In der Podiumsrunde platzierte der Vertreter des IT-Verbands Bitkom, Markus Scheufele, die Forderung, die geltende Geräteabgabe abzuschaffen. Für ihn sei es nicht mehr zeitgemäß, wenn die Hersteller und Produzenten von Geräten und Leer- und Speichermedien an die Verwertungsgesellschaften zahlen müssten. Privatkopien würden immer seltener angefertigt. Vielmehr würden urheberrechtlich geschützte Inhalte mehrheitlich gestreamt und heruntergeladen, die Geräte damit nur noch „Durchgangsgeräte”. Auch könne man heutzutage den ursprünglichen Nutzer identifizieren zu Zahlungen verpflichten, daher sei die Pauschalvergütung über Geräteabgaben abzuschaffen.

In einer prompten Replik gab Urban Pappi von der VG Bild-Kunst zu bedenken, dass es gerade seit der Spähaffäre der Geheimdienste mehr Sensibilität entstanden sei, wenn auf Geräte und Nutzungsverhalten des Einzelnen zugegriffen werde. „Denn gerade weil es heute die Möglichkeit gibt, in die Wohnzimmer reinzugucken, wollen diesen Zugriff immer weniger Leute“, so Pappi. Das habe sich auch an der Diskussion um Microsofts Xbox-Konsole und deren always-on-Architektur gezeigt.

*Am heutigen 6. September veranstaltet die Initiative Urheberrecht zusammen mit dem iRights Lab den Urheberkongress 2013.

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