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March 01 2013

Neue Schritte für Open Access: EFI-Gutachten und Zweitveröffentlichungsrecht

Die EFI-Kommission fordert von der Bundesregierung mehr Open Access. Ein Gesetzentwurf des Justizministeriums sieht nun auch ein Zweitveröffentlichungsrecht vor, bleibt allerdings hinter den Empfehlungen der Wissenschaft zurück.

Die Expertenkommission für Forschung und Innovation (EFI) der Bundesregierung betont in ihrem neuen Jahresgutachten, (PDF), das diese Woche Kanzlerin Merkel übergeben wurde, die Bedeutung von Open Access für den Wissenschaftsstandort Deutschland. Die sechs Wissenschaftler, die die Bundesregierung mit Analysen und Empfehlungen beraten, kommen zu dem Schluss, dass Open Access in Deutschland gefördert werden müsse. Ein offener Zugang zu den Ergebnissen öffentlich geförderter Forschung führe „zu mehr Wettbewerb und zu einer verstärkten Erschließung der Potenziale des Internets bei der Verbreitung von Wissen.”

Über diese Feststellung hinaus fordert die Kommission ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht. Dieses Recht, wissenschaftliche Beiträge erneut zu veröffentlichen, impliziert keinerlei Zwang. Die Regelung würde Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern die rechtlich abgesicherte Möglichkeit eröffnen, Publikationen, die in Zeitschriften oder Sammelbänden erschienen sind, nach einer Embargofrist auf Repositorien frei zugänglich zu machen. Dazu würde Paragraf 38 Urheberrechtsgesetz geändert werden. Das Ergebnis: Wissenschaftlich Urheber könnten selbst über den Grad der Sichtbarkeit ihrer Forschungsergebnisse entscheiden.

Aktuell sind Publizierende in der Wissenschaft auf die Regelungen der Verlage angewiesen. Die fallen unterschiedlich aus und bieten keine umfassende Rechtssicherheit. Der sogenannte „Grüne Weg” des Open Access lässt sich daher nur langsam umsetzen. Die Wissenschaft fordert das Zweitveröffentlichungsrecht seit Jahren. Der Bundesrat hat das Anliegen bereits 2006 auf die politische Tagesordnung gesetzt. Eine weiterer Anlauf der Länder folgte im letzten Jahr.

Justizministerium für Zweitveröffentlichungsrecht

Seit einigen Tagen liegt nun ein Referentenentwurf (PDF) des Justizministeriums vor: Im Rahmen einiger Änderungen am Urheberrechtsgesetz ist auch ein Zweitveröffentlichungsrecht vorgesehen. Der Entwurf fokussiert Beiträge, die „im Rahmen einer mindestens zur Hälfte mit öffentlichen Mitteln finanzierten Lehr- und Forschungstätigkeit entstanden und in einer periodisch mindestens zweimal jährlich erscheinenden Sammlung” erscheinen. Diese Beiträge sollen nach einem Embargo von zwölf Monaten in einer Manuskriptversion frei zugänglich gemacht werden können.

Die Vorstellungen des Justizministeriums weichen hier allerdings von den Empfehlungen der Wissenschaft ebenso wie von denen der Internet-Enquete des Bundestags ab. Diese hatten empfohlen, auch Beiträge in Sammelbänden zu berücksichtigen und formatgleiche Beiträgen – das heißt: im Verlagslayout – zu gestatten. Darüber hinaus hatten die Wissenschaftsorganisationen eine kürzere Embargofrist vorgeschlagen. Nach deren Vorstellung sollten zum Beispiel Zeitschriftenaufsätze bereits nach sechs Monaten über das Netz zugänglich gemacht werden können. Interessant wird nun sein, wie sich die Diskussion um das Finetuning beim Zweitveröffentlichungsrecht in den kommenden Wochen entwickelt.

Open Access in der Forschungsförderung

In anderen Ländern wird vermehrt auf eine verpflichtende Verankerung von Open Access gesetzt. Auch die Internet-Enquete hat sich in ihren Handlungsempfehlungen dieses Themas angenommen. Sie empfiehlt,

„die Zuwendung öffentlicher Mittel für Forschungsprojekte an die rechtlich verpflichtende Bedingung, zu knüpfen, dass die daraus  entstehenden, qualitätsgesicherten Publikationen [...], zeitnah nach der Erstveröffentlichung frei zugänglich gemacht werden.”

Die Expertenkommission für Forschung und Innovation greift diese Forderung auf und empfiehlt der Bundesregierung, Open Access verpflichtend in der Forschungsförderung zu verankern.

Die Empfehlung liegt im internationalen Trend: Erst diesen Monat hat die US-Regierung eine entsprechende Verordnung erlassen. Publikationen, die im Rahmen der öffentlich geförderten Forschung entstehen, sollen nach einer Embargoperiode von nicht mehr als zwölf Monaten frei zugänglich gemacht werden. Der Schritt der US-Regierung ist eine Reaktion auf die Petition “Access2research” die im vergangenen Jahr von mehr als 65.000 Menschen unterzeichnet wurde. In Deutschland wurde eine ähnliche Petition im Jahr 2009 von etwa 24.000 Bürgerinnen und Bürgern unterzeichnet. Sie gehörte damals laut Petitionsausschuss zu den bisher am meisten beachteten öffentlichen Petitionen.”


Foto: mibuchat, CC BY-NC-SA.

July 17 2012

England und Europäische Kommission wollen mehr Open Access

The Cost of KnowledgeIllustration: Giulia Forsythe, The Cost of Knowledge, CC BY-NC-SA, [via]

Großbritannien soll ab 2014 auf Open Access in der Wissenschaft umsteigen, gerade hat der Staatsminister für Universitäten und Wissenschaft, David Willetts, entsprechende Pläne angekündigt, wie unter anderem der Guardian berichtet:

The government is to unveil controversial plans to make publicly funded scientific research immediately available for anyone to read for free by 2014, in the most radical shakeup of academic publishing since the invention of the internet. Under the scheme, research papers that describe work paid for by the British taxpayer will be free online for universities, companies and individuals to use for any purpose, wherever they are in the world.

Grün oder Gold?

In Open-Access-Terminologie geht es dabei um die „Golden Road” zum freien Zugang, also die Erstveröffentlichung von Artikeln und anderen Publikationen. Die Kosten für die Publikation von Artikeln würden also nicht mehr von den Bibliotheken getragen werden, sondern auf die Autorinnen und Autoren – indirekt also auf die Forschungseinrichtungen – umgelegt. Ein Gesetzenwurf ist noch nicht bekannt, das grundsätzliche Argument für Open Access dagegen schon lange: Die öffentliche Hand bezahlt für Forschungsergebnisse doppelt, in dem sie Forschung finanziert und deren Ergebnisse dann von den Wissenschaftverlagen zurückkaufen muss.

Argumentative Rückendeckung für die Regierung (und Anlass für die jüngste Ankündigung) bietet der im Juni veröffentlichte Finch-Report, den ein Team um die Soziologin Janet Finch erarbeitet hat. Dort schlagen die Autoren ebenjenen „goldenen Weg” vor und betonen die volkswirtschaftlichen Gewinne durch Open Access. Die Regierung hat sich den Folgerungen des Berichts nun weitgehend angeschlossen.

Aber auch die Auseinandersetzungen um Wissenschaftsverlage wie Elsevier, die im breit unterstützten Boykottaufruf „The Cost of Knowledge” mündeten, dürften zum Umschwung beitragen haben. Zuletzt gab etwa Winston Hide, einer der Herausgeber des Elsevier-Journals „Genomics”, demonstrativ seinen Rückzug bekannt.

Aus dem Open-Access-Lager gibt es aber auch Kritik am Vorhaben, genauer gesagt: am Weg dorthin. Im Blog „Impact of Social Sciences” der LSE verteidigt Steven Harnard die „Green Road”, also den Weg der Zweitveröffentlichung unabhängig von den Verlagen. Ähnlich äußert sich Peter Suber, der Direktor des Harvard Open Access Project, über den Finch-Report:

One can see the effect of publisher lobbying on the group’s misinformed disparagement of green OA and the group’s high priority to save incumbent publishers from risk.

Eine andere, weiter gehende Kritik am Modell der „Golden Road“ zielt darauf, es würde lediglich die Kosten eines ineffizient gewordenen Systems umverteilen. So schreibt etwa die Historikerin Maria Pretzler in ihrem Blog:

In the end, the question is whether we do need a much more radical overhaul of academic publication. Journals originally were the best (and often the only) way to make research results known to the scholarly community. (…) In the age of the internet, journals are, however, non longer the most efficient mode of disseminating research, and scholars continue to use them because they need the recognition which only publication in a reputable journal can provide.

Auch EU-Kommission will Open Access fördern

Daneben hat heute auch die Europäische Kommission bekannt gegeben, bei den von ihr finanzierten Forschungsprojekten verpflichtende Open-Access-Publikationen einzuführen. Die Presseerklärung spricht von einem „allgemeinem Grundsatz, der zunächst beim Förderprogramm „Horizon 2020” (Gesamtumfang etwa 80 Mrd. Euro) umgesetzt werden soll. Ob grün oder gold, ist der Kommission dabei gleich:

As of 2014, all articles produced with funding from Horizon 2020 will have to be accessible:
- articles will either immediately be made accessible online by the publisher (‘Gold’ open access) – up-front publication costs can be eligible for reimbursement by the European Commission; or
- researchers will make their articles available through an open access repository no later than six months (12 months for articles in the fields of social sciences and humanities) after publication (‘Green’ open access).

Und hierzulande? Passiert nicht viel, obwohl der freie Zugang zu Forschungsergebnissen in der Urheberrechtsdebatte noch das größte Konsenspotenzial haben dürfte. Vom dritten Korb, ursprünglich als Wissenschaftskorb angekündigt, hat man schon lange nichts neues mehr gehört. Übrig geblieben ist im Moment nicht viel mehr als das Leistungsschutzrecht.

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