Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

September 24 2013

Gedichte schreiben im Labor: Wie Forscher das Urheberrecht untersuchen

Sarah Laskow berichtet in der Columbia Journalism Review über einen neuen Schwung an Forschungen zum Urheberrecht, die empirisch und nicht nur rechtstheoretisch arbeiten. Bemerkenswert daran ist zunächst, dass es solche Untersuchungen überhaupt gibt:

Interest groups in Washington DC are not known for their strict adherence to facts. But in this particular debate, ideas and intuitions hold unusual sway. Not only does real-world evidence not matter much, it often doesn’t exist. (…) It’s strange that this is the case: Intellectual property is a legal idea rooted in economic assumptions that can be tested.

Vorgestellt werden unter anderem Arbeiten von Christopher Buccafusco, Professor am Illinois Institute of Technology, und Christopher Sprigman, Rechtsprofessor an der New York University. Sie haben in einem Experiment untersucht, wie sich Teilnehmer auf einem Markt für Haikus verhalten:

In one experiment, they had one group of subjects write three-line haikus, to be entered in a contest with a prize of $50. These authors had the option of selling their poems (and the chance to win $50) to another group, the bidders. Both the authors and the bidders were asked to value how much a particular haiku was worth.

Das Ergebnis bestätigt für die Wissenschaftler „Endowment-Effekte”: ein Konzept der Verhaltensökonomik, nach dem der Wert eines Guts höher eingeschätzt wird, wenn man es besitzt. Das gelte auch für geistige Werke, die man selbst geschaffen hat, sagen sie. Ihre Schlussfolgerung: Solche Märkte sind danach weniger rational als in den Modellen angenommen wird, die auch das Copyright begründen.

US-Forscher haben es gut: Ob Urheberrechte geistiges Schaffen und Innovation fördern oder nicht (so die Idee des US-Copyrights), lässt sich leichter untersuchen als die Konzepte, die in Europa hinter dem Urheberrecht stehen. Das „unsichtbare Band” zwischen dem „Schöpfer“ und seinem Werk werden sie wohl lange suchen. Man kann ja auch nicht alles im Labor klären. Aber, wie Laskow über die Motivation der Forscher schreibt:

Mostly, they’re hoping that, in the next round of copyright lawmaking, they’ll have some evidence to present lawmakers to help them better understand how the laws they’re making work—that the debate will be informed, just a little bit, by empirical, independent research.

Hier der ganze Bericht, hier das im Artikel nicht verlinkte Experiment von Buccafosco und Sprigman.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl