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January 02 2014

Auch 2014 wird Open Access auf der Tagesordnung stehen

Zehn Jahre nach der Berliner ­Erklärung über den ­offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen ist Open Access im politischen Raum angekommen. Ein Zweitveröffentlichungsrecht im Urheberrecht soll zukünftig die Position von Forschenden gegenüber Verlagen stärken. Doch es gibt weiter viel zu tun.

Vor zehn Jahren wurden die „Berliner Erklärung über den offenen Zugang zu wissenschaftlichem Wissen“ von führenden Wissenschaftsorganisationen verabschiedet. In dem visionären Statement wird das Potenzial des Internets für die Wissenschaft skizziert. Zentrales Anliegen der Erklärung: Publikationen und Forschungsdaten sollen über das Netz entgeltfrei zugänglich und offen nachnutzbar gemacht werden.

Die „Berliner Erklärung“ war 2003 eine Antwort auf einen dysfunktionalen Publikationsmarkt, in dem die finanziellen und rechtlichen Bedingungen der Informationsversorgung durch Verlage diktiert werden. Ein Zustand, der die Innovationsfähigkeit der Wissenschaft bis heute bremst. Denn Wissenschaft lebt von Kommunikation. Der Zugriff auf die Ergebnisse der Scientific Community ist eine unabdingbare Grundlage für den wissenschaftlichen Fortschritt.

Doch selbst die reichsten Hochschulen der Welt, wie die Universität Harvard, sind nicht mehr in der Lange, die ständig steigenden Kosten für wissenschaftliche Zeitschriften zu tragen. Open Access, der offene Zugang zu qualitätsgesichertem wissenschaftlichem Veröffentlichen, will diese Situation überwinden. Für jeden Interessierten soll es möglich sein, die Ergebnisse der öffentlich geförderten Forschung zu rezipieren. Darüber hinaus eröffnet Open Access der digitalen Wissenschaft neue Möglichkeiten im Umgang mit Wissen und Information.

180 Open-Access-Repositorien nur in Deutschland

Auch wenn noch immer viele wissenschaftliche Ergebnisse auf kostenpflichtigen Verlagsplattformen versteckt sind, hat sich seit der Verabschiedung der Berliner Erklärung einiges getan. Nach einer Studie der Europäischen Kommission sind bereits bis zu 50 Prozent der wissenschaftlichen Publika­tionen frei im Netz verfügbar. Alleine in Deutschland werden 180 Open-Access-Repositorien an wissenschaftlichen Instituten betrieben. Auf diesen Datenbanken werden­ Publikationen, die in einer Verlagsveröffentlichung erschienen sind, nach einer Embargoperiode von sechs oder zwölf Monaten frei zugänglich gemacht.

Darüber hinaus gibt es eine rasant wachsende Zahl von Open-Access-Zeitschriften. Der Betrieb dieser Zeitschriften wird häufig von wissenschaftlichen Einrichtungen finanziert. Daneben gewinnt das Geschäftsmodell der Publikationsgebühr an Bedeutung. Hier zahlt eine Förder­organisation oder die Institution des ­Publizierenden eine Gebühr bei der Veröffentlichung eines begutachteten Artikels an den Verlag. Dank offener Lizenzen wird nicht nur der freie Zugang, sondern auch die Nachnutzung der Artikel in digitalen Forschungsumgebungen ermöglicht.

Die Wissenschaftsverlage haben den Wunsch nach Open Access längst erkannt. So kaufte zum Beispiel die renommierte Nature Publishing Group im Februar 2013 den von Forschenden gegründeten Frontiers-Verlag. Alleine der Wissenschaftsverlag Springer betreibt mittlerweile über 400 Open-Access-Zeitschriften. Und das Open-Access-Journal PLOS ONE ist mit 23.400 Artikeln im Jahr 2012 das größte wissenschaftliche Publikationsorgan.

Mit dem Wachstum von Open Access wird auch das Geschäftsverhältnis zwischen Wissenschaft und Verlagen auf neue Beine gestellt. Anliegen der Wissenschaft ist es, den Transformationsprozess von Subskription zu Open Access aktiv zu gestalten und den sich formierenden Open-Access-Publikationsmarkt im Sinne der Wissenschaft zu realisieren.

Politik entdeckt Open Access

Der Blick auf das Jahr 2013 zeigt, dass Open Access längst ein wissenschaftspolitisches Thema ist. Die US-Regierung erließ im Februar eine Verordnung, nach der die öffentlichen Forschungseinrichtungen Open Access in ihren Statuten verpflichtend verankern müssen. Publikationen müssen bis spätestens zwölf Monate nach Erscheinen auf einem Repositorium frei zugänglich gemacht werden.

Darüber hinaus soll auch die Nachnutzung der Forschungsdaten, die Grundlage der Publikationen sind, verbessert werden. Ähnliche Entwicklungen gibt es auf europäischer Ebene. Auch im kommenden Forschungsrahmenprogramm Horizon 2020 der EU wird Open Access verpflichtend verankert werden. Alle Publikationen, die ab 2014 in Horizon 2020 entstehen, müssen frei zugänglich gemacht werden.

In Deutschland hat die Enquete-Kommission „Internet und digitale Gesellschaft“ Anfang 2013 empfohlen, Open Access verpflichtend in der Forschungsförderung zu verankern. Auch die Expertenkommission Forschung und Innovation der Bundesregierung betont in ihrem Jahresgutachten 2013 die Bedeutung von Open Access für die Innovationsfähigkeit Deutschlands. Denn der freie Fluss von Wissen und Information ist ein potenzieller Wachstumsmotor.

Vor allem urheberrechtliche Fragen

Laut einer 2013 veröffentlichten Studie zahlt sich Open Access in Deutschland auch volkswirtschaftlich aus, da zum Beispiel der Transfer der Forschungsergebnisse in die Wirtschaft verbessert wird. Vor diesem Hintergrund haben die G8-Staaten im Juni 2013 angekündigt, Open Access verstärkt fördern zu wollen. Die deutschen Wissenschaftsorganisationen arbeiten bereits seit 2008 in einer gemeinsamen Initiative an der Förderung von Open Access. 2013 hat etwa die Helmholtz-Gemeinschaft eine Open-Access-Richtlinie verankert und damit auf die genannten Empfehlungen reagiert.

Da aufgrund der jungen Geschichte des Themas Open-Access-Zeitschriften noch nicht in allen Disziplinen etabliert sind, gilt es aktuell, insbesondere die freie Zugänglichmachung von Publikationen über Open-Access-Repositorien zu fördern. Hier werden Forschende häufig mit urheberrechtlichen Fragen konfrontiert: Wann darf welche Version des Artikels auf das Repositorium gestellt werden? Um Forschenden Rechtssicherheit bei diesen Fragen zu geben, wurde 2013 nach langer Debatte ein unabdingbares Zweitveröffentlichungsrecht im Urheberrecht verankert.

Ein wichtiger Schritt, der jedoch nur wenige zufriedenstellt, da der enge Anwendungsbereich des Gesetzes an den Anforderungen der Wissenschaft vorbeigeht. So beschränkt sich die Regelung auf Publikationen, die im Rahmen der außeruniversitären und der drittmittelgeförderten Forschung entstehen. Diese Einschränkung wurde vom Bundesrat und den Wissenschaftsorganisationen als Diskriminierung von Forschenden an Hochschulen kritisiert. Die Länder haben bereits Nachbesserungen gefordert.

Die Diskussion um Open Access wird also auch 2014 auf der Tagesordnung stehen. Bis zur Realisierung der in der Berliner Erklärung beschriebenen ­Vision einer offenen Wissenschaft ist weiterhin noch viel zu tun. Packen wir es an.

Foto: Privat

Foto: Privat

Heinz Pampel arbeitet für das Open-Access-Koordinationsbüro der Helmholtz-Gemeinschaft am Deutschen Geo­Forschungszentrum GFZ. Er bloggt auf wisspub.net über Open Access und verwandte Themen der digitalen Wissenschaft.

Dieser Text ist im Rahmen des Heftes „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ erschienen. Sie können es für 14,90 EUR bei iRights.media bestellen. „Das Netz – Jahresrückblick Netzpolitik 2013-2014“ gibt es auch als E-Book, zum Beispiel über die Affiliate-Links bei Amazon und beim Apple iBook-Store, oder bei Beam.

November 19 2013

Fünf öffentliche Kultureinrichtungen unterzeichnen Berliner Erklärung zu Open Access

Heute treten die Stiftung Preußischer Kulturbesitz und vier weitere öffentliche Kultureinrichtungen der „Berliner Erklärung zu Open Access“ bei. Damit schließen sich nun auch renommierte deutsche Archive der international anerkannten Deklaration an – zehn Jahre nach deren Verabschiedung. Eine kommerzielle Nutzung ihrer Werke wollen die Einrichtungen allerdings nur gegen Bezahlung zulassen.

Neben der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK) unterzeichnen heute auch die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten Berlin-Brandenburg, das Bundesarchiv, das Deutsche Archäologische Institut und die Stiftung Jüdisches Museum Berlin die Erklärung. Damit schließen sich diese von Bund und  Ländern finanzierten Einrichtungen den bisher rund 450 Unterzeichnern aus aller Welt an – und dem erklärten Ziel, die Nutzung von digitalisiertem Kulturerbe in Wissenschaft und Bildung zu erleichtern.

Die Berliner Erklärung wurde am 22. Oktober 2003  von Open-Access-Aktivisten aus Wissenschaft und Gesellschaft ins Leben gerufen; seitdem hat sie international schnell an Unterstützung und Bedeutung gewonnen. Wenn sich jetzt auch fünf wichtige deutsche Gedächtnisorganisationen dazu bekennen, sollte das die Deklaration weiter aufwerten. Die 1957 gegründete Stiftung Preußischer Kulturbesitz hat mit ihren 2.000 Mitarbeitern und fünf Einrichtungen, die alle Sparten der kulturellen Überlieferung repräsentieren, eine besondere Stellung: Sie ist der bundesweit größte Arbeitgeber im Kulturbereich und gilt international als eine der bedeutendsten Einrichtungen ihrer Art.

Nicht für kommerzielle Nutzung

Der Zeitpunkt des Beitritts ist bewusst gewählt: Aus Anlass des zehnjährigen Jubiläums der Berliner Erklärung findet heute und morgen eine weitere Folgekonferenz statt, die „Open Access Berlin 2013“ (bereits ausgebucht). Als einer der über 20 Redner ist Herrmann Parzinger angekündigt, Präsident der SPK. Er machte bereits im Vorfeld deutlich, dass die SPK in einem wichtigen Punkt von der Berliner Erklärung abweichen wird. In den Best-Practice-Empfehlungen der SPK heißt es:

Die Nutzung der Digitalisate für kommerzielle Zwecke erfolgt gegen Entgelt auf Basis von Creative Commons-Lizenzen.

Denn diese Einschränkung mit dem Gedanken der Berliner Erklärung vereinbar ist, ist seit ihrer Veröffentlichung durchaus umstritten.

Konkret heißt es in der Berliner Erklärung:

„Die Urheber und die Rechteinhaber solcher Veröffentlichungen gewähren allen Nutzern unwiderruflich das freie, weltweite Zugangsrecht zu diesen Veröffentlichungen und erlauben ihnen, diese Veröffentlichungen – in jedem beliebigen digitalen Medium und für jeden verantwortbaren Zweck – zu kopieren, zu nutzen, zu verbreiten, zu übertragen und öffentlich wiederzugeben sowie Bearbeitungen davon zu erstellen und zu verbreiten, sofern die Urheberschaft korrekt angegeben wird. (Die Wissenschaftsgemeinschaft wird, wie schon bisher, auch in Zukunft Regeln hinsichtlich korrekter Urheberangaben und einer verantwortbaren Nutzung von Veröffentlichungen definieren)“.

Weshalb Parzinger mit den Empfehlungen der Stiftung Preußischer Kulturbesitz von diesem Gedanken bewusst abweicht, erläuterte er kürzlich in einer Pressemitteilung der SPK:

„Die Digitalisierung ihrer Bestände ist die große Zukunftsaufgabe für Kultureinrichtungen wie die Stiftung Preußischer Kulturbesitz, die neben die klassischen Aufgaben Sammeln, Bewahren, Erforschen und Vermitteln tritt. Dazu gehört es selbstverständlich auch, dieses Wissen allen Interessierten zugänglich zu machen. Um dieses Ziel zu verwirklichen, setzen wir erhebliche Ressourcen ein und halten es deshalb für angemessen, für kommerzielle Nutzungen eine Gebühr zu erheben.“

Ob die Open Access-Bewegung dieser Refinanzierungs-Argumentation folgt, dürfte abzuwarten sein. In der Pressemitteilung äußert Parzinger die Hoffnung, mit den Empfehlungen weitere öffentliche Kultureinrichtungen davon überzeugen zu können, dass diese der Berliner Erklärung beitreten und die Prinzipien des Open Access anwenden.

November 01 2013

Open Access in Berlin: Zwei Gespräche und eine Ausstellung der Max-Planck-Gesellschaft

Soll das Wissen in Museen und Sammlungen frei im Netz zugänglich sein? Dieser Frage widmet sich die Berliner „Science Gallery” der Max-Planck-Gesellschaft mit einer rund vierwöchigen Veranstaltungsreihe. Begleitend zu einer ständigen Ausstellung finden zwei Podiumsdiskussionen statt.

Museen, Archive und Bibliotheken sind die traditionellen Orte, Wissen zu speichern. Was bedeutet „Open Access“ für sie? Welche Regeln und Regelungen wären notwendig? Aus Anlass des zehnten Jahrestages der „Berliner Erklärung“ gibt es in der Max Planck Science Gallery am Berliner Gendarmenmarkt vom 25. Oktober und bis zum 23. November die Reihe „30 Tage für Open Access“. Matthias Spielkamp, Projektleiter bei iRights.info, moderiert die Podiumsgespräche. (Eintritt frei, Anmeldung erbeten bei <mpgberlin at gv.mpg.de>).

Am 4.11.2013 um 19 Uhr heißt esKulturgut im Zeitalter der digitalen Reproduzierbarkeit. Was bringt Open Access Museen und Sammlungen?“. Es diskutieren Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz und Jürgen Renn, Direktor am Berliner Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte:

Mit Open Access verbunden sind nicht nur praktische Probleme der Datenerfassung, sondern auch die Angst, dass die neue digitale Museumswelt in Konkurrenz tritt mit dem Original. Wo bleibt die Aura des Objekts? Kommen Besucher noch ins Museum, wenn alles digital verfügbar ist? Viele Museen stellen sich der Herausforderung und beginnen digitale und analoge Präsentationen kreativ miteinander zu verbinden. Was ist zukunftstauglich? Welche Rolle spielt das Museums in einer digitalisierten Welt, und kann Open Access den Wert von Sammlungen als Wissensspeicher auch unterstützen?

Am 18.11.2013 um 19 Uhr geht es um die Frage, ob Open Access die Position der Bibliotheken stärkt oder noch mehr Arbeit auf sie zukommt: „Who’s afraid of red tape? Open Access for a next generation science library”.

Vielfach sind die Bibliotheken noch nicht einmal auf dem aktuellen Stand der Technik angekommen. Zu wenige Ressourcen, schwierige Sammlungsgeschichten und die zunehmende Flut von Publikationen lassen die angestammten Wissensspeicher oft als Nachzügler erscheinen.

Darüber sprechen Jens Vigen, Leiter der Forschungsbibliothek am Forschungszentrum CERN und Richard E. Luce, Dekan der Bibliotheken der University of Oklahoma.

Seit dem 25.10.2013 ist in der Science Gallery auch die ständige Ausstellung „Wissen für alle” zu sehen. Sie handelt von der Welt des wissenschaftlichen Publizierens, der Globalisierung von Wissen und der Entwicklung der Open-Access-Bewegung. Geöffnet ist sie Dienstag bis Sonntag von 12 bis 18 Uhr, Montag und feiertags geschlossen. Der Eintritt ist frei.

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