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May 12 2011

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November 21 2010

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»Ein Polizist sprang auf die am Boden liegende Frau«

Bildjournalist fotografierte im Wendland Polizeibrutalität – er wurde gezwungen, die Aufnahmen zu löschen. Gespräch mit Michael Schittenhelm

Interview: Gitta Düperthal
Michael Schittenhelm ist freier Fotograf in Lindau am Bodensee

Bei den Castorprotesten im Wendland haben Sie mit einer Digitalkamera Fotos von einem gewaltsamen Polizeieinsatz gegen Blockierer geschossen. Anschließend haben Polizisten Sie gezwungen, die Fotos zu löschen. Wie kam es zu dieser Konfrontation?

Das ist mir unerklärlich. Am Freitag, 5. November, hatte ich sogar meine Akkreditierung zur Polizei geschickt – obgleich mir bekannt ist, daß Kollegen das nicht richtig finden, weil auf diese Weise der Presseausweis entwertet wird. Aber ich hatte eine weite Anreise von 770 Kilometern und wollte sicherstellen, am 7. November zu Einsatzorten vorgelassen zu werden und in Ruhe arbeiten zu können.

Ich war mit den ersten Demonstranten unterwegs, die zu Fuß durch den Wald zu den Gleisen in der Nähe von Hitzacker gingen. Die Polizei war in der Unterzahl und trat dementsprechend aggressiv auf, um zu verhindern, daß Aktivisten die in einer Art Graben gelegenen Schienen blockierten. Die haben sich jedoch von Drohgebärden nicht beeindrucken lassen. Obgleich Polizisten mit Pfefferspray und Knüppeln auf die Demonstranten losgingen, saßen später etwa 2000 Leute auf den Gleisen. Dann hieß es: »Keiner darf mehr runter!« Vereinzelt haben Polizisten an Demonstranten ihren Unmut ausgelassen; vor allem jüngere hatten Freude daran, den starken Mann zu spielen.

Und dabei wollte die Polizei sich nicht fotografieren lassen?

Richtig. Ich hatte diese Szenen aufgenommen und Polizisten per Teleobjektiv porträtiert, im Hintergrund den Damm und Demonstranten. Dann traten zwei oder drei Polizisten der Bundespolizei sehr nah an mich heran: »So, jetzt haben wir ein Problem mit Ihnen, ein großes sogar.« Eine unangenehme Situation! Man behauptete, ich hätte gegen ein Gesetz verstoßen, Polizisten im Dienst dürfe man nicht fotografieren.

Ich fragte, was denn mit der Pressefreiheit sei. Er wies auf meine Kamera: »Löschen, sofort!«. Ich protestierte: »Das ist Zensur«, begriff aber, daß die Hemmschwelle bei den Polizisten niedrig war und jedes weitere Wort bedeuten könnte, daß sie gewalttätig würden. Im nachhinein ärgere ich mich, daß ich nachgegeben habe. Einer hat mir gedroht: »Mit den Herren der Bundespolizei wird nicht diskutiert.« Ich habe aktuelle Bilder gelöscht, aber ein Foto genau dieses Polizisten hatte ich zuvor geschossen, ich besitze es noch.

Ihr Job besteht hauptsächlich darin, Hochzeiten, Immobilien und Stilleben zu fotografieren. Was hat Sie veranlaßt, nach Wendland zu fahren?

Ich arbeite gelegentlich als freier Journalist für Zeitungen und das Fernsehen. Für lokale Blätter in Bayern oder Bild berichte ich über Verkehrsdelikte oder Hausbrände. Ins Wendland bin ich gefahren, weil mir ein Bekannter erzählt hatte, daß Medien stets berichteten, bei den Protesten gegen den Castor gehe es relativ gewaltfrei zu – was seiner Beobachtung nach nicht stimme. Ich wollte aber selbst erleben, wie es da zugeht.

Welchen Eindruck hinterläßt dieses Vorgehen der Polizei bei Ihnen?

Ihre Aufgabe ist es, Demonstranten von den Gleisen zu »räumen«, damit der Castor störungsfrei nach Dannenberg und Gorleben kommt. Dafür habe ich Verständnis, aber das muß in angemessener Form passieren. Es darf nicht sein, daß Mütter mit ihren Kindern friedlich demonstrieren und die Polizei dann ohne Vorwarnung mit Schlagstock und Pfefferspray auf sie losgeht. Eine Demonstrantin ist derart verprügelt worden, daß sie nicht mehr aufstehen konnte. Ein Polizist sprang auf die am Boden liegende Frau. Da möchte man als Fotograf die Kamera zur Seite legen und sich zu den Demonstranten setzen.

Gab es weitere Angriffe auf die Pressefreiheit?

Der Ermittlungsausschuß hat berichtet, daß zwei beim Schottern anwesende Kollegen verletzt wurden, obgleich sie Westen mit der Aufschrift »Presse« trugen. Was ich zudem höchst bedenklich finde: Aktivisten von Greenpeace wollten die radioaktive Strahlung des Castors von einem Privatgrundstück aus messen, und sie wurden von der Polizei daran gehindert. Auf diese Weise wird versucht, der Bevölkerung wichtige Informationen vorzuenthalten.
18.11.2010: »Ein Polizist sprang auf die am Boden liegende Frau« (Tageszeitung junge Welt)
Reposted fromkellerabteil kellerabteil

March 23 2010

02mydafsoup-01

Bemerkungen zu 
polit-camp 2010

von Thomas Knüwer

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... Fünf junge Piraten waren gekommen, sie trugen abwechselnd eine Parteifahne über den Schultern, gefühlt waren sie die jüngsten Gesichter vor Ort. Via Twitterwall durften sie sich als “peinlich” bezeichnen lassen. Oder als “süß”. Warum? Weil sie jung sind und das aus Sicht der geistig unterbelichteten Autoren dieser Tweets das falsche Parteibuch haben.

[...]

Sprachlos hinterließ es mich, wie auf dem Planeten Berlin nicht mehr vorstellbar ist, dass jemand überfordert ist, attackiert ihn einen Macht, die scheinbar überlegen ist. Beim Thema Abmahnanwälte waren sich fast alle einig, dass ungerechtfertigte Abmahnungen doch kein großes Problem sein, “Sie können sich doch wehren”. Dass so mancher Bürger gar nicht weiß, was er in so einem Fall tun soll, dass er Angst hat hinterher noch höhere Kosten (die seines Anwaltes) tragen zu müssen, als die, die ihm angedroht werden – das scheint für Müller-Sönksen so unvorstellbar wie für den Grünen Volker Beck.

Der gerierte sich als Google Streetview-Gegner. Leider konnte nicht mehr vor dem Mikro geklärt werden, was ich mir schon gedacht hatte. Dass es Marketing-Dienstleister gibt, die jedes Haus in Deutschland fotografiert und mit soziodemographischen Daten versehen haben, das es in Köln ein deutsches Unternehmen gibt, das ganz ähnlich agiert wie Google – Beck wusste es nicht.

... Es ist vollkommen verständlich, wenn sich ein Volksvertreter erst durch Googel Streetview mit dem Thema Ablichten des öffentlichen Raumes beschäftigt. Dass er aber losplappert, bevor er vernünftig recherchiert – das ist für mich nicht akzeptabel. Von Parlamentsangehörigen erwarte ich fundierte Meinungen, fundiertere als von jedem anderen Menschen in der Republik.

[...]

.... Der Online-Wahlkampf sei ein Nischenthema, habe viel zu wenig bewegt, hieß es. Stimmt. Nur: Wer hat denn tatsächlich die Instrumente genutzt, um sich zu öffnen? .... Munter werden auch Prozesse als “offen” und “transparent” tituliert, nur weil gelegentlich mal ein PDF-File mit einem unverständlichen Gesetzesentwurf veröffentlicht wird.

Das trifft gewaltig auf den Jugendmedienschutzstaatsvertrag, zu dem ich eine Diskussion moderierte. .... Man darf aber wohl sagen: Es handelt sich um das nächste Stück sinnlose Symbolpolitik in die zu viel Hirnressourcen und Geld fließen. Was der rheinland-pfälzische Staatssekretär Martin Stadelmaier sich dafür anhören musste war heftig – und gerechtfertigt.

Die Jugend soll geschützt werden vor Inhalten, die Jugendliche besser nicht sehen sollten – ein sinnvolles Ziel.

Doch das geht eben nicht mit der nun geplanten Software, die Eltern herunterladen müssen und die alle Seiten sperrt, außer jenen, die sich zu einer freiwilligen Kontrolle melden. Alle anderen sind nur zu sehen, wenn Eltern sie freischalten. Das mag bei Siebenjährigen noch gehen. Bei Teenagern aber ist dies utopisch. ....

[...]

Es sind Ideen, die nur von einem Haufen Weltfremder und Frühvergreister, ich möchte fast sagen -verkalkter, entworfen werden können. ...

[...]

Wieder einmal kam viel zu kurz, dass jenes Internetzdingsbums nicht nur eine Freizeitbeschäftigung ist, sondern ein Wirtschafts- und Standorfaktor. Es ist die wichtigste Technik unserer Zeit – und Deutschland hat zu ihr herzlich, besser: erschreckend, wenig beizutragen.

[...]

.... Familienministerin Kristina Schröder ..... Die war auch auf jenem ersten Podium. Und sagte ein paar gute Dinge, so wie sie dies auch im Interview mit Spiegel Online tat. .... und schien ebenfalls genervt vom Betragen einiger anderer Diskutanten.

Sie scheint den Willen zu haben, zumindest so zu tun, als beschäftige sie sich intensiver und ernsthafter mit dem Thema als ihre Vorgängerin Ursula “Zensursula” von der Leyen. ....

[...]



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vgl. @henteaser Permalink


vollständiger Blogeintrag Unter Polit-Campern | Thomas Knüwer 20100322 auf indiskretionehrensache.de

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