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January 18 2014

„The Day We Fight Back“: Konzertierte Web-Aktion gegen staatliche Massenüberwachung

Ein US-amerikanisches Aktionsbündnis will am 11. Februar einen breiten Protest gegen die staatliche Massenüberwachung initiieren. Mit „The Day We Fight Back“ wollen die Initiatoren zugleich an die Anti-SOPA-Proteste von vor einem Jahr anknüpfen und des verstorbenen Netz-Aktivisten Aaron Swartz gedenken.

Mit einem groß angelegten Aktionstag wollen zwölf US-amerikanische Bürgerrrechts-Initiativen, Organisationen, Unternehmen und Websites – darunter die Electronic Frontier Foundation, die Freedom of the Press Foundation, Freepress, boingboing und weitere – gegen die massenhafte Überwachung der Bevölkerung protestieren. Sie rufen dafür den 11. Februar vorab als den „Tag, an dem wir zurückschlagen“ aus.

Doch im Slogan „The Day We Fight Back – Against Mass Surveillance“ verankern sie zugleich die Erinnerung an den breiten, internationalen und als erfolgreich betrachteten Widerstand gegen die US-Gesetzentwürfe SOPA und PIPA. So schreiben sie auf der Website des Aktionstags:

Im Januar 2012 wehrten wir die Zensurvorhaben SOPA und PIPA mit dem größten Protest ab, den es im Internet je gab. … Heute sehen wir uns einem ganz anderen Angriff gegenüber, der nicht nur das Internet unterminiert, sondern auch unsere Vorstellung, wir würden in einer wirklich freien Gesellschaft leben – dem Angriff durch massenhafte Überwachung.

Darüber hinaus soll „The Day We Fight Back“ auch Aaron Swartz gedenken, einem international bekannten Netz-Aktivisten und treibendem Kopf der damaligen Anti-SOPA-Proteste:

„Würde Aaron Swartz noch leben, stände er heute in vorderster Front, um sich dagegen zu wehren, dass Regierungen unsere täglichen digitalen Verrichtungen beobachten, sammeln und analysieren.“

Um sich deutlich gegen die Überwachungen durch die  NSA auszusprechen, sollen am 11. Februar möglichst viele Mails und Anrufe aus der Bevölkerung direkt an die Abgeordneten des US-Kongresses gehen. Ziel ist es, die Politiker dazu zu bewegen, sich gegen den sogenannten FISA Improvements Act (Gesetz) auszusprechen und für den USA Freedom Act, sowie dafür zu sorgen, das Nicht-Amerikaner vor Überwachung geschützt werden.

Zwei  Gesetzesentwürfe zur Reform der Geheimdienstkontrolle

Der FISA Improvements Act ist die Vorlage des eigens eingerichteten US-Kongressausschusses, der die Geheimdienste kontrollieren soll. FISA steht für Foreign Intelligence Surveillance Act, ein  1978 beschlossenes „Gesetz zum Abhören in der Auslandsaufklärung“. Nach dem Aufdecken der NSA-Abhörpraktiken durch Edward Snowden soll der FISA Improvements Act eigentlich die Überwachung und Regulierung der US-Auslandsgeheimdienste reformieren. Doch in seiner jetzigen Form steht der Gesetzentwurf heftig in der Kritik. Er führe nicht dazu, die flächendeckenden Abhörpraktiken zu entschärfen.

Demgegenüber beabsichtigt der alternativ eingebrachte Entwurf für einen „USA Freedom Act” „die Beendigung von Lauschangriffen, Schleppnetz-Sammlung und Online-Überwachung“. Doch auch dessen Reformvorschläge gehen manchen nicht weit genug. Beide Gesetzesvorhaben sind zwar noch in der parlamentarischen Diskussion, doch schon weit genug, um beispielsweise die Bürgerrechtsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU) auf den Plan zu rufen. Die ACLU unterstützt den USA Freedom Act. Darauf beruft sich auch das Aktionsbündnis „The Day We Fight Back“ beruft und für den es die Bevölkerung gewinnen und aktivieren will.

Protest-Banner und -Layer für Websites und Profilbilder

twibbon

*Das „Twibbon“ für Avatare

Für den angestrebten Massenprotest gestalteten die Aktivisten Internet-Banner. Sie sollen von Personen, Firmen, Organsiationen, Initaitiven oder Institutionen platziert werden, etwa auf Webseiten,  Blogs oder Profilen in sozialen Netzwerken. Zudem legt das Bündnis eine Grafik mit dem Slogan „Stop the NSA“ vor. Diese soll man am 11. Februar über das eigene Profilfoto auf Social-Media-Plattformen oder bei Communities legen, um sich so dem Protest anzuschliessen.

Außerdem regt der Aufruf an, während des Aktionstages in sozialen Netzen – Hashtag: #StopTheNSA – und in Communities oder Foren ganz gezielt Themen und Links zu setzen. Beispielsweise auf der verbreiteten Bookmarking-Plattform Reddit, die zum Aktionsbündnis gehört – wie schon bei ähnlichen, vorangegangenen Initiativen – und den Protest nicht ganz ohne Eigennutz unterstützt. Gleichfalls, so die Organisatoren, könne man am 11. Februar Artikel zu NSA und Überwachung veröffentlichen oder entsprechende Events  organisieren.

September 20 2013

Pioneer Awards 2013 der EFF für Aaron Swartz, James Love, Glenn Greenwald und Laura Poitras

Im altehrwürdigen Regency Center hier in San Francisco hat gestern Abend die amerikanische Bürgerrechtsorganisation Electronic Frontier Foundation (EFF) die Gewinner des Pioneer Award 2013 feierlich gewürdigt. Der verstorbene Aaron Swartz, der Access-to-Knowledge-Aktivist James Love und die Journalisten Glenn Greenwald und Laura Poitras sind die Preisträger in diesem Jahr.

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Alle vier Preisträger verbindet, dass sie polarisieren. Und dass alle vier ihre Arbeit für das Gemeinwohl über persönliche Nachteile gestellt haben, die ihnen drohten. Rechtsprofessor Lawrence Lessig führte in seiner Würdigung der Preisträger sehr bewegt aus, dass die Preisträger eigentlich gar keine Pioniere seien. Sie seien vielmehr normale Bürger, die als Vorbild handeln und gehandelt haben. Lessig machte in bewegenden Worten deutlich, wie schwer es ihm fällt, ein Amerika, eine Welt zu akzeptieren, in der ein Handeln ausgezeichnet werden muss, dass doch eigentlich selbstverständlich sein sollte.

Zur Begründung der Auszeichnung an Glenn Greenwald und Laura Poitras, beide Schlüsselfiguren bei der Aufdeckung des Überwachungsskandals, heißt es in der Mitteilung der EFF:

Glen Greenwald and Laura Poitras brought the word clear and credible news and analysis about the massive domestic surveillance programs currently conducted by the NSA – transforming leaked documents by whistleblower Edward Snowden into riveting narrative that everyone could understand.

Beide konnten nicht persönlich in San Francisco bei der Verleihung sein, schließlich besteht die Gefahr weiter, bei Einreise in die USA verhört und verhaftet zu werden. Per Video aus Brasilien und Deutschland waren sie live zugeschaltet. Neben der Freude über die Verleihung des Awards machten beide noch einmal darauf aufmerksam, in welcher schwierigen Situation Whistleblower wie Edward Snowden und Chelsea Manning sind. Sie wünschten sich ein Amerika, in dem auf das Aufdecken von ungesetzlichem Verhalten Unterstützung folgt – und nicht jahrzehntelange Haftstrafen.

Preisträger James Love ist im wahrsten Sinne des Wortes ein digitaler Pionier und kämpft seit Jahrzehnten an vorderster Front als

one of the leading champions in the international battle for access to knowledge, defending everyone’s right to free speech, privacy, fair competition, and health across the globe for more than 20 years

so die EFF in ihrer Würdigung für den Direktor von Knowledge Ecology International. Dem ist wenig hinzuzufügen. Um keine Sekunde ungenutzt vorüberziehen zu lassen, ging Love in seiner Festrede sogleich auf die heftigen weltweiten Lobbyschlachten im Urheberrecht ein. Am WIPO-Blindenvertrag, der in diesem Sommer im marokkanischen Marrakesch nach jahrelangen Kämpfen doch noch verabschiedet wurde, wurde deutlich, wieviel langen Atem es braucht, um zumindest kleine Erfolge erreichen zu können. Diesen langen Atem hat James Love.

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Und schließlich Aaron Swartz. Bis zu seinem Tod im Alter von nur 26 Jahren hat Swartz das Internet verändert und mitgestaltet. Bereits mit 14 Jahren trat er als einer der Entwickler des RSS-Feeds in Erscheinung und begeisterte fortan nicht nur seine Alterskollegen, sondern nahezu die gesamte Internetwelt in Forschung und Lehre. Nicht zuletzt Laudator Lawrence Lessig hatte eine sehr enge Beziehung zu Swartz. Sein tragischer Tod und die Vorgeschichte haben weltweit für Entsetzen gesorgt.

In der Begründung für den Preisträger Swartz betont EFF-Rechtschefin Cindy Cohn nun wehmütig:

Aaron was nominated for a Pioneer Award regularly over the years, and we always thought we’d have a long time to give it to him – he had done amazing work so far, and we knew that over time he would continue to contribute to building a better future for the Internet and digital rights.

Im Rahmen der Verleihung des Preises, der stellvertretend von zwei Freunden entgegengenommen wurde, wurde auch ein Brief der Eltern von Aaron verlesen. Die Botschaft war eindeutig: „Wir sind tief berührt über diese Auszeichnung und wollen das Vermächtnis von Aaron auch an das Auditorium weitergeben: wissenschaftliche Texte und Informationen müssen frei verfügbar sein, jetzt und für immer. Lasst uns gemeinsam für ein freies und offenes Internet kämpfen.“

August 27 2013

Lawrence Lessig wird deutlich politischer und offensiver

Bei bisher jedem der alle zwei Jahre irgendwo auf der Welt stattfindenden Treffen der Aktivisten und Unterstützer von Creative Commons hat Lawrence Lessig aufgrund seiner Rolle als maßgeblicher „Erfinder” von Creative Commons eine Keynote gehalten. Bei bisher keinem „CC Global Summit” war diese Keynote allerdings so offensiv und so auf politische Einmischung gerichtet wie dieses Jahr, am vergangenen Freitag in der Law School der Universität von Buenos Aires.

CC Summit 2013. Foto: Colores Mari, CC BY

CC Summit 2013. Foto: Colores Mari, CC BY

Nicht nur verkündete Lawrence Lessig darin, dass er eine eigene Klage gegen die missbräuchliche Sperrung eines seiner Videos angestrengt hat. Er würdigte auch umfassend die Verdienste von Aaron Swartz, den er als seinen Mentor bezeichnete – nicht etwa als seinen mentee.

Es sei Swartz gewesen, der ihn davon überzeugt habe, sich mit dem Projekt „Change Congress” gegen die Korruption im amerikanischen Gesetzgebungssystem zu wenden. Und ihm sei es zu verdanken, dass mit der Verhinderung der Gesetzesvorhaben SOPA und PIPA etwas erreicht wurde, was bis dahin für unmöglich gehalten worden war: dass ein Vorhaben gestoppt wurde, das von Hollywoods Hardlinern vorangetrieben worden war.

Lessig rief dazu auf, dies ebenso als Inspiration zu begreifen, wie die erfolgreiche Opposition gegen ACTA in Europa, und stellte sich demonstrativ hinter die Initiative „Recht auf Remix” der Digitalen Gesellschaft. Damit wich Lessig deutlich von seiner früheren Lesart ab, nach der Creative Commons eher ein „Hack”, eine Art Ausbesserung für die Mängel sei, die das Urheberrecht gegenüber den heutigen Umständen aufweise.

Das klang stets eher danach, als seien CC-Lizenzen ein willkommenes Hilfsmittel, die Organisation dahinter und die dazugehörige Community aber letztlich umso weniger ein aktiver Teilnehmer der Debatten um ein verändertes Urheberrecht. In Buenos Aires hat Lessig nun klargestellt, dass es aus seiner Sicht heute mehr aktives Eingreifen braucht, um das kreative Potenzial der Online-Welt zu schützen.

Hier meine Aufzeichnung der Keynote im Handkamera-Wackelmodus™:

March 04 2013

Four short links: 4 March 2013

  1. Life Inside the Aaron Swartz Investigationdo hard things and risk failure. What else are we on this earth for?
  2. crossfilter — open source (Apache 2) JavaScript library for exploring large multivariate datasets in the browser. Crossfilter supports extremely fast (<30ms) interaction with coordinated views, even with datasets containing a million or more records.
  3. Steve Mann: My Augmediated Life (IEEE) — Until recently, most people tended to regard me and my work with mild curiosity and bemusement. Nobody really thought much about what this technology might mean for society at large. But increasingly, smartphone owners are using various sorts of augmented-reality apps. And just about all mobile-phone users have helped to make video and audio recording capabilities pervasive. Our laws and culture haven’t even caught up with that. Imagine if hundreds of thousands, maybe millions, of people had video cameras constantly poised on their heads. If that happens, my experiences should take on new relevance.
  4. The Google Glass Feature No-One Is Talking AboutThe most important Google Glass experience is not the user experience – it’s the experience of everyone else. The experience of being a citizen, in public, is about to change.

February 13 2013

January 28 2013

Four short links: 28 January 2013

  1. Aaron’s Army — powerful words from Carl Malamud. Aaron was part of an army of citizens that believes democracy only works when the citizenry are informed, when we know about our rights—and our obligations. An army that believes we must make justice and knowledge available to all—not just the well born or those that have grabbed the reigns of power—so that we may govern ourselves more wisely.
  2. Vaurien the Chaos TCP Monkeya project at Netflix to enhance the infrastructure tolerance. The Chaos Monkey will randomly shut down some servers or block some network connections, and the system is supposed to survive to these events. It’s a way to verify the high availability and tolerance of the system. (via Pete Warden)
  3. Foto Forensics — tool which uses image processing algorithms to help you identify doctoring in images. The creator’s deconstruction of Victoria’s Secret catalogue model photos is impressive. (via Nelson Minar)
  4. All Trials Registered — Ben Goldacre steps up his campaign to ensure trial data is reported and used accurately. I’m astonished that there are people who would withhold data, obfuscate results, or opt out of the system entirely, let alone that those people would vigorously assert that they are, in fact, professional scientists.

January 25 2013

Aaron was one of us

I sat last night at Aaron Swartz’s memorial in San Francisco, among the very people who built the Internet, the web, the culture of young entrepreneurialism and Web 2.0 startups. Among the pioneers of Creative Commons, Electronic Frontier Foundation, open source software and those fighting to keep the public domain public.

Aaron was one of them.

It was a family reunion, under dreadful circumstances nobody would have wished for.

In his life Aaron had worked and learned among the thoughtful leaders who built the web we now benefit from today. He worked with the W3C, when the web was still “1.0,” and then in the social web and the hotbed of innovation and startup culture at Y Combinator.

Aaron’s passion for providing access to knowledge drove the most recent years of his life, from the campaign against SOPA to the liberation of public court records from PACER. And of course the downloading of journal articles, leading to the events that has brought his death so much into the public eye. Yet as Carl Malamud passionately insisted last night, Aaron was not a lone actor, but part of a peaceful army of reformers.

A young man who had accomplished more in his time than many of us will in our full allotment, Aaron truly inspired. Not just in the causes that dominate the headlines around his death, but in all his involvement with our world, no matter who we are. Web standards, open source, startups and copyright activism.

Aaron wasn’t a distant celebrity, or a saint. Aaron was one of us, and we can learn from that.

We can learn from his death, but there is even more to learn from his life, and from the lives of the host of pioneers, leaders, thinkers and geeks who have so eloquently paid tribute to him. Every day we have a choice about our actions, and have opportunity to contribute rather than withhold.

Are we generous with our knowledge, are we liberal with our creations? Is our involvement in our business, technical or social communities helping others, or more oriented to our own enrichment?

These are the questions I’m asking myself today.

Some of the things we can do seem small — being patient and helpful to others, considering how we license our content and where we choose to publish, contributing to open source, being aware of issues of freedom — but these are things we can build on.

We have lost one of us, but we have it in our reach to grow and encourage many more, and to be a better version of ourselves.

January 18 2013

We’re releasing the files for O’Reilly’s Open Government book

I’ve read many eloquent eulogies from people who knew Aaron Swartz better than I did, but he was also a Foo and contributor to Open Government. So, we’re doing our part at O’Reilly Media to honor Aaron by posting the Open Government book files for free for anyone to download, read and share.

The files are posted on the O’Reilly Media GitHub account as PDF, Mobi, and EPUB files for now. There is a movement on the Internet (#PDFtribute) to memorialize Aaron by posting research and other material for the world to access, and we’re glad to be able to do this.

You can find the book here: github.com/oreillymedia/open_government

Daniel Lathrop, my co-editor on Open Government, says “I think this is an important way to remember Aaron and everything he has done for the world.” We at O’Reilly echo Daniel’s sentiment.

January 14 2013

Zum Tod von Aaron Swartz: Er hat die Welt bereits verändert

Aaron Swartz hat mit 26 Jahren Selbstmord begangen. Er war ein Nerd wie er im Buche steht und doch selbst unter Nerds eine Ausnahme.

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Reaktionen auf den Tod von Aaron Swartz: PDF-Tribute, Kritik an Justizbehörden

Aaron Swartz (r.). Foto: Fred Benenson, CC BY.

Die Nachricht vom Tod des Internet-Aktivisten Aaron Swartz hat am Wochenende weite Kreise gezogen. Cory Doctorow, Tim Berners-Lee, Lawrence Lessig, Danah Boyd, Brewster Kahle und viele andere trauern um Swartz, haben Nachrufe verfasst und Erinnerungen zusammengetragen. Der 26-jährige Swartz war Mitentwickler des RSS-Feeds, Mitgründer von Reddit, Entwickler für Creative Commons, Verfasser des Guerilla Open Access Manifesto, Aktivist gegen das SOPA-Gesetz, – die Liste könnte weiter gehen. Und er litt an Depressionen, worüber er in seinem Blog schrieb. In einem im Frühjahr anstehenden Prozess drohte ihm eine Haftstrafe von theoretisch bis zu 35 Jahren, weil er sich unerlaubt Zugang zum Netzwerk des Massachusetts Institute of Technology verschafft haben soll, um Millionen wissenschaftlicher Artikel aus dem JSTOR-Archiv zu laden.

#pdftribute

Die größte Resonanz findet im Moment ein Aufruf an Wissenschaftler, ihre Aufsätze frei ins Netz zu stellen – als Hommage an Swartz’ Eintreten für Open Access. Auslöser war ein Kommentar bei Reddit von Micah Allen. Es ist beeindruckend, die vielen Tweets unter #pdftribute zu lesen. Wie viele wissenschaftliche Autoren sich tatsächlich daran beteiligen, lässt sich aber schlecht abschätzen. Die provisorische Seite pdftribute.net sammelt Links.

Kritik an Justizbehörden

Eine Petition kritisiert das Vorgehen gegen Swartz als unverhältnismäßig und fordert, die zuständige Staatsanwältin Carmen Otiz abzusetzen. Aktuell hat sie etwa 10.500 Unterzeichner. Swartz’ Familie und seine Freundin halten die Staatsanwaltschaft und die Verwaltung des MIT für mitverantwortlich am Selbstmord Swartz’. In einer Erklärung schreiben sie:

Aaron’s death is not simply a personal tragedy. It is the product of a criminal justice system rife with intimidation and prosecutorial overreach. Decisions made by officials in the Massachusetts U.S. Attorney’s office and at MIT contributed to his death.

Ähnlich hat auch Lawrence Lessig argumentiert und die Staatsanwaltschaft als „Tyrann” (prosecutor as bully) bezeichnet:

For the outrageousness in this story is not just Aaron. It is also the absurdity of the prosecutor’s behavior. From the beginning, the government worked as hard as it could to characterize what Aaron did in the most extreme and absurd way.

Das MIT hat am Sonntag eine interne Untersuchung zur eigenen Rolle in den Ereignissen angekündigt. JSTOR, das den Streit mit Swartz nach Rückgabe der Dateien selbst einstellte, veröffentlichte eine Kondolenzerklärung.

An Aaron Swartz erinnert eine Gedenkseite, ein Tumblr und eine Sammlung beim Internet Archive.

September 17 2012

Four short links: 17 September 2012

  1. Aaron Swartz Defense Fund — American computer systems are under attack every day of the week from foreign governments, and the idiot prosecutor is wasting resources doubling down on this vindictive nonsense.
  2. Baghdad Community Hackerspace Workshops (Kickstarter) — Makerspace in Baghdad, built by people who know how to do this stuff in that country. (via BoingBoing)
  3. Teaching Web Development in AfricaI used the resources that Pamela Fox helpfully compiled at teaching-materials.org to mentor twelve students who all built their own websites, such as websites for their karate club, fashion club, and traditional dance troupe. One student made a website to teach others about the hardware components of computers, and another website discussing the merits of a common currency in the East African Community. The two most advanced students began programming their own computer game to help others practice touch typing, and it allows players to compete across the network with WebSockets.
  4. Transient Faces (Jeff Howard) — only displaying the unchanging parts of a scene, effectively removing people using computer vision. Disconcerting and elegant. (via Greg Borenstein)

August 03 2011

Aaron Swartz: Mehr als Bücher aus der Bibliothek

Aaron Swartz wurde am 19. Juli verhaftet, weil er zu viele Bücher aus einer Bibliothek ausgeliehen hat. Nicht direkt, aber so lautet der in dieser Angelegenheit wohl am häufigsten zitierte Vergleich, den David Segalin, ein Kollege von Demand Progress zog.

Swartz hatte sich von einem Laptop aus im Universitätsnetzwerk des Massachusetts Institute of Technology (MIT) angemeldet und über vier Millionen Artikel aus der wissenschaftlichen Datenbank JSTOR heruntergeladen. Er hätte die Informationen einfacher und ohne ausufernde rechtliche Begleiterscheinungen beziehen können, wenn er keinen Crawler gebastelt hätte, der ein Datenleck dieser Größenordnung ermöglicht und sich einfach über das Datenbank-Abonnement des MIT einzelner Artikel bedient hätte. Aber im vergangenen Herbst, als Swartz mit dem massenhaften Download begann, verschaffte er sich stattdessen Zugang zum Serverraum des MIT, um die Sperrung einer größeren Bandbreite von IP-Adressen seitens JSTOR zu umgehen. Er hatte nicht vor, sich mit einzelnen Artikeln zufrieden zu geben, die er auf gesetzlicher Basis hätte erlangen können.

Sowohl das New York Times Bits Blog als auch netzpolitik.org und der Tagesspiegel sehen die Aktion in der Tradition der Open-Content-Bewegung, der auch Aaron Swartz angehört. Swartz selbst hat sich bislang nicht zu seinem eigenen Motiv geäußert, sodass vorerst ungeklärt bleibt, was er mit den vier Millionen Artikeln vorhatte.

Die Dokumente, die ausgedruckt und gebunden 13.000 Regalmeter füllen würden, lassen verschiedene Verwertungsmöglichkeiten zu. Man kann es Hacktivismus nennen, die Datensätze im Gesamtpaket zu veröffentlichen und damit frei zugänglich zu machen, aber auch eine Datenanalyse über die finanziellen Unterstützungsstrukturen zwischen Unternehmen, Verlagen und universitärer Forschung würde eine klare politische Botschaft beinhalten. Spätestens hier wird deutlich, dass der oben erwähnte Vergleich – sowohl politisch als auch aus urheberrechtlichen Gesichtspunkten – die Lage kaum erfasst. Einstweilen drohen Swartz jedenfalls 35 Jahre Haftstrafe – vermutlich der am meisten Aufsehen erregende Teil der Geschichte für die deutsche Medienöffentlichkeit.

Innerhalb dieses Themenspektrums aus urheber- und lizenzrechtlichen Fragen nach der Verfügbarkeit von Informationen ist bereits erstaunlich, dass der Fall Aaron Swartz hier überhaupt Erwähnung in klassischen Medien findet. Denn in der Regel  werden Hacktivisten maximal von netzpolitischen Blogs beziehungsweise innerhalb eines juristischen Diskurses beachtet, während ihre Tätigkeit gesamtgesellschaftlich betrachtet vom Mainstream viel zu weit entfernt scheint. Eine Nerd-Ecke, zu der nur wenige Zugang finden.

Julian Assange ist vor einigen Monaten vielleicht als erstem der Sprung aus einer solchen Nische heraus in die Massenöffentlichkeit gelungen. Auch wenn es auf den ersten Blick wenige Gemeinsamkeiten zwischen Wikileaks und Aaron Swartz zu geben scheint, so ist doch interessant zu beobachten, wie viel Aufmerksamkeit dem einen IT-Aktivisten zuteil wurde, während von Swartz, zumindest in Deutschland, bereits niemand mehr spricht. Die Repressionen gegen Assange wurden als Verletzungen der Pressefreiheit angeprangert, der Inhalt der veröffentlichten Dokumente bot international Stoff für politische Skandale. Auch die vorgeworfene Begehung eines Sexualdelikts machte die Wikileaks-Story anrüchig und damit verwertbar. Swartz’ politische Motivation scheint zunächst abstrakter und auch sein Vorgehen für Laien nur schwer greifbar.

Was aber hält uns davon ab, uns eingehender mit der Informationsfreiheit zu beschäftigen? Selbst ohne juristische oder informationstechnische Fachkenntnisse können Meinungen und Vorstellungen davon entwickelt werden, für wen ein Essay, eine Dissertation, eine Studie zugänglich sein soll. Aus den Kreisen seiner Mitarbeiter heißt es, die hohe Haftstrafe, die Swartz nun droht, sei “ein Exempel der Irrationalität und Grausamkeit des bestehenden Copyright-Regimes”. Ein Statement, dass mindestens eine breitere Diskussion verdient.

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