Newer posts are loading.
You are at the newest post.
Click here to check if anything new just came in.

August 01 2010

Slavoj Zizek, hinreißend stringent - über die Widersprüche im Auftreten des Kommunismus, Kapitalismus und aktuellen Varianten des Liberalismus

Der Titel der Konferenz »Idee des Kommunismus«, die Ende Juni in Berlin stattfand, signalisierte den Versuch, eine Diskussion über den Kommunismus erneut anzustoßen. Im Zentrum des Interesses stand die Frage, was aus den Ruinen jener Experimente zu retten sei, die unter diesem Namen gescheitert sind. Als die Volksbühne, der Ort der Veranstaltung, schon wieder umdekoriert wurde und die letzten Teilnehmer längst gegangen waren, trafen sich SAMI KHATIB, JAN ROLLETSCHEK und BENEDIKT WAHNER zu einem Gespräch mit dem Philosophen SLAVOJ ZIZEK, der die Konferenz zusammen mit Alain Badiou initiiert hatte.

Noch einmal Kommunismus

Slavoj Zizek über die inneren Widersprüche des Kapitalismus, das Versagen der Linken und ein Schicksal, das es zu ändern gilt

ND: Herr Zizek, warum sollten wir den Kommunismus – die Idee, das historische Phänomen – heute erneut in Betracht ziehen, während die meisten Leute sich doch einig sein dürften, dass der Fall abgeschlossen ist?
Zizek: Als Hegelianer behaupte ich, dass der Moment des Sieges immer auch der Moment der Niederlage ist, in genau diesem Sinn: Wenn eine bestimmte Tendenz obsiegt, entfaltet sie ihre Widersprüche und zerfällt. Und ich denke, genau dies ist mit dem Kapitalismus geschehen. Es schien, als hätte er gesiegt. Die neunziger Jahre waren die fröhliche Fukuyama-Ära: »Oh, wir sind angekommen!« und so weiter. Wenn jedoch das erste Jahrzehnt dieses Jahrtausends eine Bedeutung hat, dann ist es eben jene, dass wir nicht am »Ende der Geschichte« sind; neue Antagonismen bilden sich heraus.

Mit anderen Worten: Ich denke, es gibt genügend Antagonismen, um zu behaupten, dass das System als solches ihnen nicht begegnen, dass es sie nicht lösen kann. Ich denke hier nicht nur an einzugrenzende Exzesse, sondern an die fundamentale Struktur des Systems. Und da sie alle im Grunde die alten kapitalistischen Antagonismen sind, die auf neue Weise explodieren, und da sie alle das betreffen, was ich unsere »Commons«, unser Gemeinsames, nenne, gehe ich bewusst das Risiko ein und benutze den Begriff des »Kommunismus«. Der einzige Weg, den ich sehe, ist es, wieder vom Null-Punkt zu beginnen, aber vom Null-Punkt im Kommunismus.

Meinen Sie, was die Linke heute benötigt, könnte – um eine religiöse Metapher zu verwenden – eine ernsthafte »missionarische« Anstrengung sein?
Ich würde sagen: Okay, wir brauchen eine große »missionarische« Bewegung. Aber das entscheidende Problem ist, dass die gesamte herrschende Ideologie gegen uns ist. Warum? Die gesamte herrschende Ideologie ist nicht nur gegen das, was wir als unsere Mission erachten könnten, sondern gegen das Prinzip der Misson als solches. Deshalb erwähnte ich gestern das Problem des Zynismus. Was ist Ideologie heute? Hier hat Badiou recht: Sie ist »weltlos«. Sie ist keine »Weltanschauung«, sondern eine Art generalisierter, spiritualisierter Hedonismus, eine Mischung aus dem Dalai Lama und Judith Butler: »Sei wahrhaft du selbst, nimm keine feste Identität an!«

Wir stehen immer wieder vor demselben Schlüsselproblem: Wir, die Linke, kritisieren das heutige Geschehen aus der Perspektive eines Sollens, eines Ideals.

Sie sagen selbst, und identifizieren es als ein Problem, dass es heute kein überzeugendes Gegenprojekt gibt, mit dem die Linke aufwarten könnte.
Ja, hier bin ich ein ziemlicher Pessimist. Manche Kritiker benehmen sich, als wären all die Kompromisse und liberalen Alternativen der Grund, warum die radikale Linke versagt hat. Ich behaupte, es ist genau anders herum. Die Linke hat in sich selbst versagt und diese liberalen Kompromisse sind »Ersatz-Phänomene«, um die Lücken zu stopfen. Die Krise ist also viel tiefer. Und das ist es, was ich mit meinen, ich weiß, langweiligen und repetitiven Interventionen während der Konferenz sagen wollte: Machen wir es uns nicht zu leicht! Ich mochte diese Vorträge nicht, die alle mit irgendeiner triumphalen Formel endeten, wissen Sie? Verdammt! Okay, das ist schöne Poesie: »Wir hier beginnen bereits.« Scheiß drauf, die Linke beginnt so schon seit 50 Jahren, das ist das Problem! Und ich denke, um das Problem zu lösen, müssen wird diese schwierigere, pragmatischere Frage stellen: Was sind die Lücken und Inkonsistenzen der Realität, der sozialen Wirklichkeit, die einen Raum für ein kommunistisches Engagement eröffnen. Und mein Problem mit Badiou ist, dass er dies nicht wirklich in Angriff nimmt.

Aber stößt nicht Badiou, gerade gegenüber der heutigen Ideologie, wie Sie sie beschrieben haben, in eine solche Lücke, indem er etwa der »Treue zur Wahrheit« oder der »Idee des Kommunismus« wieder Gewicht verleiht?
Badiou kann vom Kommunismus reden, wie er es hier getan hat, aber wenn Sie sein Werk kennen, ist doch das Erste, was ins Auge fällt, die völlige Abwesenheit der Kritik der politischen Ökonomie. Es ist zwar Antikapitalismus, aber für Badiou verschwindet diese Dimension einfach. Die Ökonomie ist für ihn ganz Teil dessen, was er so geringschätzig die »animalische Dimension« nennt: bloßes, utilitaristisches Überleben, und dann kommt die Gnade der Subjektivierung, das »Ereignis« und so weiter. Hier bleibe ich mit Negri Marxist. Mein Punkt ist, dass es absolut zentral ist, die Kritik der politischen Ökonomie – kritisch natürlich – zu rehabilitieren, wenn wir heute den globalen Kapitalismus bekämpfen wollen.

Ebenfalls mit Badiou führen Sie eine Diskussion bezüglich seines Diktums einer Politik in Distanz zum Staat. Sie hingegen scheinen den Staat in nicht-staatlicher Weise gebrauchen zu wollen. Ließe sich Ihrer Meinung nach sagen, dass die Opposition von parteiförmiger und nicht parteiförmiger Organisation in der Tat eine falsche ist, weil die tatsächliche »Partei« – um nochmals auf eine religiöse Metapher zurückzugreifen – eine »pneumatische«, eine ideelle Angelegenheit ist, die sich nicht direkt mit einer organisatorischen Position identifizieren lässt?
Parteilich, außerparteilich, das hat mich nie sehr interessiert. Das ist Badious Thema, ich bin hier weit ambivalenter. Ich würde die Parteiform nicht so schnell fallen lassen. Ich denke noch stets und akzeptiere also vollauf dieses hegelianische Paradox, dass man, wenn man eine Politik der Universalität möchte, eine »Partei« braucht, die paradoxerweise ein Teil ist, der beansprucht: Im Gegensatz zu euch und euch, die ihr für das Partikulare steht, stehen wir für das Universale. Ich denke, das ist notwendig. Für mich ist das ein ganz und gar pragmatisches Problem: Wir machen, was wir wollen, und was besser funktioniert! Das ist doch der schlimmste Teil der Linken: anstatt es pragmatischen Entscheidungen zu überlassen, verwickelt man sie in endlose Diskussionen darüber, ob man sich in der Partei oder außerhalb der Partei zu organisieren habe. Schauen Sie sich etwa Evo Morales an. Der hat so eine Art Partei, um Wahlen zu gewinnen und gleichzeitig hat er all diese indigenen Organisationen.

Wir befinden uns in einem historischen Moment, da der Kapitalismus sich gerne als die neutrale Oberfläche sähe, auf der die Differenzen verteilt sind. Wir befinden uns in einem historischen Moment, da der Kapitalismus sich gerne als die neutrale Oberfläche sähe, auf der die Differenzen verteilt sind. Könnte es daher gerade die Überwindung des Kapitalismus sein, die allein in adäquater Weise unseren Ehrgeiz zu beschäftigen vermag? Der Kapitalismus: eine Art großer Endgegner, abgesehen vielleicht vom politischen Islam?
Ja vielleicht; andererseits sollte deutlich sein, dass ich nicht dieser Ansicht bin, der Negri mich gerne beschuldigt: diese Vorstellung von einer hegelianischen Totalität, wo alles immer schon vereinnahmt ist. Was das Großartige am Kapitalismus ist, großartig im Sinn, dass er uns trotz allem eine Chance gibt, ist, dass er zutiefst inkonsistent ist und kein völlig stabiles System. Und hier haben wir eine gewisse Öffnung, um zu handeln. Nochmals, wenn wir den Kapitalismus bekämpfen, bekämpfen wir kein monolithisches Monster, sondern ein System voller Widersprüche.

Am Ende der Konferenz wurden Sie gefragt, warum so wenige Frauen auf den Podien waren. Da sagten Sie, dass etwa Judith Butler ihre Teilnahme abgelehnt hätte, weil Sie nicht mit dem Begriff des Kommunismus assoziiert werden wollte.
Judith ist für mich das perfekte Beispiel für die Logik dessen, was Saroj Giri gestern als einen »demokratischen Antikapitalismus« beschrieb: »Ooooh, einige sind deprivilegiert. Lasst sie uns hineinholen!« Das ist mein Problem mit ihr; und hier bleibt ihr grundlegendes Bezugssystem liberal. Das ist für mich das typisch liberale Problem der minoritären Stimmen: »Können wir unsere Arme weit genug machen?«

Sind es in einer solchen Situation aber nicht – in Butlers Sinn – die Ausgeschlossenen, ist es nicht der Anteil der Anteillosen, der für das Universale, für die Menschheit als solche steht?
Das ist ein guter Einwand, aber was sie nicht akzeptiert, ist eben meine hegelianische Wendung des Problems, dass dieser Anteil der Anteillosen das Universale verkörpert. Sie vertritt diese typische postmodern liberale Ansicht, dass wir verstreute Partikularitäten sind und jede Universalität, wenn sie zu unmittelbar behauptet wird, unterdrückerisch ist.

Ihr Antiliberalismus hat Ihnen viele Anfeindungen eingetragen. Was, denken Sie, läuft schief mit der Demokratie, wie wir sie kennen?
Ich habe nichts gegen die Demokratie. Ein Paradox riskierend, kann ich nur sagen, dass die Demokratie nicht demokratisch genug ist. Was ich gestern kurz entwickelte, als ich mich implizit auf Claude Lefort bezog, ist, dass es einen wunderbaren Kern der Demokratie gibt. Das wirkliche Wunder der Demokratie ist es, Terror in gewisser Weise in eine neue positive Form zu übertragen. Denn es gibt Demokratie nur nach dem Terror, im symbolischen Sinn. Der ganze Sinn des Terrors, ich meine des egalitären Terrors, ist es, all jene einen Kopf kürzer zu machen, die so tun, als hätten sie das Recht, zu herrschen. Wissen Sie, niemand sollte höher stehen. In der Demokratie wird dies dann institutionalisiert. Lefort hat das sehr schön entwickelt. Das heißt, was in vorangegangenen Ordnungen das Problem war: Der Thron ist leer und Panik bricht aus, wird in der Demokratie zur Lösung: Man akzeptiert, dass es niemanden gibt, der legitimerweise herrschen dürfte.

Man nimmt gelegentlich Anstoß an Ihrer Vorstellung eines unbegründeten und selbst gründenden »Aktes«. Ihren Kritikern gilt er regelmäßig als willkürlich und terroristisch.
Es geht mir um die sehr einfache Behauptung, dass ein Akt etwas ist, das nicht in gewöhnlicher Weise »möglich« ist, keine strategische Kalkulation. In gewissem Sinn machen Sie eine riskante Geste, die rückwirkend ihre eigenen Voraussetzungen schafft. Es ist etwas, das sogar intuitiv verständlich ist. Nehmen wir ein sehr privates Beispiel, sagen wir, Sie sind in einer persönlichen Situation mit Ihrem Partner, Freunden, wie auch immer. Eine ausweglose Situation. Und dann, auf einmal, macht jemand die richtige Bemerkung und die gesamte Situation erscheint in einem völlig anderen Licht, die Zwickmühle zerfällt, die Lösung ist offensichtlich. Das ist ein Akt!

Es gibt in Ihren Büchern andere paradoxe Formulierungen, die in diese Richtung weisen. Sie sagen, es gehe heute darum, »gegen die historische Notwendigkeit zu handeln«, darum, »sein Schicksal zu ändern«. Wie ist das zu verstehen?
Der gesamte Protestantismus dreht sich um nichts anderes. Wissen sie, Frederic Jameson hat mir diese Idee zugetragen, eine wunderbare Idee. Er sagte mir: »Wenn es eine theologische Vorstellung gibt, die für den historischen Materialismus von Nutzen sein kann, dann ist es die Vorstellung der Prädestination.« Und dann lenkte er meine Aufmerksamkeit auf diese wunderbare Tatsache. Wir kennen alle die Gemeinplätze: Der Katholizismus ist eher mittelalterlich, der Protestantismus ist die Religion des Kapitalismus. Aber halt! Wenn es etwas gibt, das den Kapitalismus auszeichnet, dann doch, dass er eine unglaubliche Aktivität auslöst. Wie aber geht das mit der Vorsehung im Protestantismus zusammen? Wenn alles vorherbestimmt ist, wäre es dann nicht logisch zu sagen, ich bleibe zuhause und masturbiere und schaue mir schmutzige Filme an, was auch immer? Was kümmert es mich, wenn doch alles entschieden ist? Nun, der Kniff ist die zeitliche Dimension. Alles ist entschieden, aber Sie wissen nicht, was die Entscheidung ist. Erst dadurch, dass Sie etwas tun, konstruieren Sie rückwirkend dessen Notwendigkeit. Dies ist auch der Grund – jetzt werden Sie sagen, dass ich träume, aber ich träume nicht –, warum Hegel für mich materialistischer ist als Marx. Warum, meinen Sie, fliegt die Eule der Minerva erst am Abend? Wenn die Substanz auch das Subjekt ist, ist die einzige konsequente hegelianische Antwort, dass die Dinge »in der Sache selbst« noch nicht entschieden sind.

Übersetzung aus dem Englischen: Jan Rolletschek

Neues deutschland
See more at www.neues-deutschland.de
 

July 30 2010

July 29 2010

July 28 2010

www.wdr.de Links zu den Ereignissen auf der Loveparade in Duisburg und verlinkte Blogs aus dem Netz

www.wdr.de:

- Dokumentationsseite - Panorama


- Mediathek


—————————————————————


Alvar Freude - Rekonstruktions der Ereignisse am und im Tunnel mittels Video-Clips, die von diversen Teilnehmern ins Netz gestellt wurden.

—————————————————————


2 Erlebnisberichte:


- Ich verstehe es nicht! - Julias Loveparade Blog

- Loveparade 2010 – Mein Gedächtnisprotokoll « Twitgeridoo!

     

July 27 2010

02mydafsoup-01

Duisburger Sitzungsprotokoll vom 18.6.2010 - Pdf-Download

(PDF, 371 KB)
"DerWesten hat jetzt das Duisburger Sitzungsprotokoll vom 18.6.2010 online gestellt. Das wird eng für manchen" (tweet auf http://twitter.com/udovetter)

ACTA: Behind closed doors, the European Union, United States, Japan and other trade partners are negotiating …

"...While citizens have a clear interest in being informed about ACTA, they do not get access to the ACTA documents. … The Ombudsman observes that, although ACTA “could have far-reaching legislative consequences for the EU, this does not mean that the procedure for concluding the ACTA is the same as a legislative procedure, and that the rules governing the latter …. apply by analogy to the former. [??… ]

FFII analyst Ante Wessels comments: “This is a loophole (dt. Ausflucht) …”

Clipped from press.ffii.org

Citizens have a clear interest in being informed about ACTA, EU Ombudsman concludes

Brussels, 27 July 2010 — According to the EU Ombudsman, citizens have a clear interest in being informed about the Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA). Despite this, he concludes for formal reasons that there was no maladministra

Brussels, 27 July 2010 — According to the EU Ombudsman, citizens have a clear interest in being informed about the Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA). Despite this, he concludes for formal reasons that there was no maladministration by the Council of the European Union when it denied access to the ACTA documents. The Foundation for a Free Information Infrastructure (FFII) had filed a complaint with the Ombudsman concerning the Council’s refusal to grant access to ACTA documents.

The Ombudsman “agrees that the conclusion of the ACTA may indeed make it necessary for the EU to propose and enact legislation. In that case, the ACTA would constitute the sole or the major consideration underpinning that legislation, and citizens would have a clear interest in being informed about the ACTA.”

While citizens have a clear interest in being informed about ACTA, they do not get access to the ACTA documents. The Ombudsman observes that, although ACTA “could have far-reaching legislative consequences for the EU, this does not mean that the procedure for concluding the ACTA is the same as a legislative procedure, and that the rules governing the latter (including those with regard to public access to documents as set out in the Turco case) apply by analogy to the former.”

FFII analyst Ante Wessels comments: “This is a loophole, it is possible to force legislation upon democracies while the public can not scrutinize all documents. The EU legislation on access to documents needs to be repaired. In the meantime, parliaments should not accept the usage of this loophole. The Vienna Convention on the Law of Treaties stipulates that the history of a treaty plays a role in the interpretation of that treaty. Without full disclosure, parliaments will have to decide on a proposal with unknown aspects, a dark horse.”

Background information

Behind closed doors, the European Union, United States, Japan and other trade partners are negotiating the Anti-Counterfeiting Trade Agreement. ACTA will contain new international norms for the enforcement of copyrights, trade mark rights, patents and other exclusive rights.

The FFII endorses the Washington Communique: International Experts Find that Pending Anti-Counterfeiting Trade Agreement Threatens Public Interests

Links

Ombudsman decision

FFII information page on ACTA

FFII analysis

Washington Communique

Permanent link to this press release

Read more at press.ffii.org

July 26 2010

Journalism.nyu.edu blog - PressThink: Jay Rosen’s remarks on Wikileaks’ releases - History and Overflow

Journalism.nyu.edu blog -PressThink - Permalink: Jay Rosen’s remarks on Wikileaks’ releases - The last two Paragraphs 8 & 9


[...]


8. I’ve been trying to write about this observation for a while, but haven’t found the means to express it. So I am just going to state it, in what I admit is speculative form. Here’s what I said on Twitter Sunday: “We tend to think: big revelations mean big reactions. But if the story is too big and crashes too many illusions, the exact opposite occurs.” My fear is that this will happen with the Afghanistan logs. Reaction will be unbearably lighter than we have a right to expect— not because the story isn’t sensational or troubling enough, but because it’s too troubling, a mess we cannot fix and therefore prefer to forget. Last week, it was the Washington Post’s big series, Top Secret America, two years in the making. It reported on the massive security shadowland that has arisen since 09/11. The Post basically showed that there is no accountability, no knowledge at the center of what the system as a whole is doing, and too much “product” to make intelligent use of. We’re wasting billions upon billions of dollars on an intelligence system that does not work. It’s an explosive finding but the explosive reactions haven’t followed, not because the series didn’t do its job, but rather: the job of fixing what is broken would break the system responsible for such fixes. The mental model on which most investigative journalism is based states that explosive revelations lead to public outcry; elites get the message and reform the system. But what if elites believe that reform is impossible because the problems are too big, the sacrifices too great, the public too distractible? What if cognitive dissonance has been insufficiently accounted for in our theories of how great journalism works… and often fails to work? I don’t have the answer; I don’t even know if I have framed the right problem. But the comment bar is open, so help me out.


9. Few people realize how important leaking has been to the rise of the political press since the mid-18th century. Leaks were actually “present at the creation” of political reporting. I’m moving quickly this morning, so I only have time for a capsule version. Those with a richer knowledge of the British Parliament’s history can confirm or correct this outline. Once upon a time, Parliament’s debates were off limits to newspapers. But eventually, through a long period of contestation, the right to report on what was said in Parliament was securely won (though not constitutionally guaranteed.) John Wilkes is the pivotal figure and 1770 the date when the practice became institutionalized. A factor in that struggle was the practice of leaking. The way it worked then is essentially the same as it works today. There’s a bitter dispute in Parliament and people line up on one side or the other. Unable or unwilling to accept defeat, the losing faction decides to widen the battlefield by leaking confidential information, thus bringing the force of public opinion into play. It’s a risky maneuver, of course, but the calculation is that fighting it out in public may alter the balance of forces and lead to a re-decision. Each time the cycle is repeated, the press becomes a bigger factor in politics. And internal struggles for power remain to this day a major trigger for leaks. Conscience, of course, is a different trigger. Whistleblowers can be of either type: calculating advantage-seekers, or men and women with a troubled conscience. We don’t know which type provided the logs to Wikileaks. What we do know is that a centuries-old dynamic is now empowering new media, just as it once empowered the ink-on-paper press.
02mydafsoup-01
02mydafsoup-01

Wikileaks Releases 91,000 Afghanistan War Documents Online

wikileaks_logo_nov09.jpgThe wiki-based site for whistler-blowers, Wikileaks, today released what it called "an extraordinary compendium of over 91,000 reports covering the war in Afghanistan from 2004 to 2010."

"The reports, while written by soldiers and intelligence officers mainly describing lethal military actions involving the United States military, also include intelligence information, reports of meetings with political figures, and related detail."

Sponsor

On a dedicated page for the reports, WarDiary, the editors explained their choice in releasing these documents.

"This archive shows the vast range of small tragedies that are almost never reported by the press but which account for the overwhelming majority of deaths and injuries resulting from the war."

The information on the site is provided in a number of formats data, including CSV, SQL formats, month-by-month and KML mapping data.

One of the main points in the introductions, that soldiers tend to minimize the value of the lives of those they fight and maximize the value of their own men might be shocking to anyone who's never had experience with the military. Or a passing relationship with common sense. (Members of the military tend to engage in war - which is sui generis).

Wikileaks says it has held back some material.

"We have delayed the release of some 15,000 reports from total archive as part of a harm minimization process demanded by our source. After further review, these reports will be released, with occasional redactions, and eventually, in full, as the security situation in Afghanistan permits."

It is possible the information came to Wikileaks via Army intelligency's Pfc. Bradley E. Manning, who is currently under military arrest on a variety of charges. Wikileaks' founder,

Julian Assange, spent some time hiding out in his native Australia, apparently out of fear of U.S. prosecution, before appearing at a TED conference in Oxford, England on July 19. Although he wasn't before, it wouldn't be altogether surprising to see Mr. Assange indicted now, though on what and by which court is uncertain. Should the material prove useful for Afghani insurgents, however, and directly result in loss of life, the lengths to which U.S. officials will go will doubtless increase substantially.

However, the material is dense and jargon-ridden. It will take time to assess.

wikileaks_afghan_screen.png

More from ReadWriteWeb on Wikileaks

Discuss


July 21 2010

Merkel must have heard something about the New US-Federal Online Identity Plan | via @EFF

Merkel must have heard something about the New US-Federal Online Identity Plan [by @eff http://sho.gg/?yG via @rmack ] for today she came out lamenting with a statement that the internet makes politics so much more difficult - well, I guess it’s a hint for her dear “followers” in Berlin to find some more appropriate remedes against this certainly avoidable kind of dysfunctional social behaviours which quite obviously must be seen as the very source for her sincerely declaimed sufferings. I am anxiously waiting for the first proposals in the German Springer and Bertelsmann media - nevertheless a really solvable challenge, for the bluepringts are already done in the US, China ( @globalvoices http://bit.ly/dkwRhM ) and in a many other countries in the world, from which the daily newspapers show their readers a overwhelming variety of examples with useful applications.


oanth -muc - 20100721

July 19 2010

On Islamic Banking in Malaysia | (lang_de) www.dradio.de 20100717

Clipped from www.dradio.de
17.07.2010 · 18:40 Uhr

Religiös-moralische Anlage boomt in Malaysia

mp3
 

Von Michael Frantzen

Der Prophet Mohammed hatte strikte Ansichten in Bezug auf Bankgeschäfte. Das moralisch-ethische Bankgeschäft auf der Grundlage des Korans erlebt Zuwachs - auf Grundlage etablierter Bankphilosophien. Besonders Malaysia ist hier Vorreiter.

Studien des korans: islamic banking wächst. (bild: ap)
Studien des Korans: Islamic Banking wächst. (Bild: AP)
Es mangelt an nichts - am “Institute of Islamic Banking and Finance” - der Internationalen Universität von Malaysia. Der Computer-Pool, die Seminarräume, das Studentenwohnheim - alles hochmodern, alles perfekt ausgestattet. Untergebracht ist das “Institut für islamische Bank- und Finanzgeschäfte” auf dem weitläufigen Gelände einer alten Villa in einem der besseren Vororte der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur.

120 Studierende forschen hier - zwei Drittel davon sind Ausländer. Saudis sind darunter, Indonesier und Doktoranden aus Bosnien. “Die Nachfrage ist enorm”, betont der Dekan des Instituts, Azmir Omar. Allein letztes Jahr hätten sich 400 Nachwuchswissenschaftler auf 40 freie Plätze beworben.

“Malaysia hat sich einen Namen gemacht als eines der Zentren für islamische Bank- und Finanzgeschäfte weltweit. Es kommen Leute aus allen möglichen Ländern, um bei uns mehr über Islamic Banking zu erfahren. Islamic Banking in Malaysia ist eine Erfolgsgeschichte - genau wie unser Institut. Wir forschen sehr intensiv. Etliche unserer Absolventen sitzen heute in wichtigen Positionen im Bankgeschäft. Im Nahen Osten, in Europa, in Asien.”

“Islamic Banking” - auch “Sharia Banking” genannt - wurde 1983 in Malaysia eingeführt - gut zwei Jahrzehnte, nachdem in Ägypten erstmals Banken damit experimentiert hatten.

Islamic Banking liegen streng ausgelegte Vorschriften des Koran zugrunde:

“Gott hat den Kauf erlaubt und den Riba verboten”, heißt es im Koran in Sure II Vers 275. Riba steht für den Zins. Wie Jesus war auch der Prophet Mohammed gegen die Zinswucherer seiner Zeit vorgegangen.

Das Verbot, Geld zu einem festen Zins zu verleihen, gilt bis heute. Genauso wie es als unethisch gilt, zu spekulieren, betont Rithuan Mohamed Shamsudin, der Direktor der Vereinigung islamischer Banken in Malaysia, kurz IBIM.

“Islamic Banking basiert auf wirtschaftlichen Aktivitäten. Es ist uns nicht erlaubt, Geld zu verdienen an Geschäften, wo nichts produziert wird. Man darf Geld nur in Aktivitäten investieren, die die Wirtschaft voranbringen. Und es muss auch klar sein: Die Banken und ihre Geschäftspartner teilen Gewinne wie Verluste. Es wird von Anfang an mit offenen Karten gespielt. Man kann nicht irgendwelche Details vor dem anderen verstecken.”

Und es gibt noch weitere Tabus, ergänzt Azmir Omar vom “Institute of Islamic Banking and Finance”. Dennoch sei dem gelernten Kaufmann Mohammed trotz allem ein guter Profit nicht fremd gewesen

“Islamische Banken dürfen sich nicht im Glücksspiel engagieren. Alkohol und Pornografie sind ebenfalls tabu. Diese ethische Komponente unterscheidet islamische Banken von Standard-Banken.”

Die über zwanzig Banken in Malaysia, die entweder rein islamisch sind oder sogenannte “islamische Fenster” haben, bieten ihren Kunden Finanzdienstleistungen auf Basis zinsfreier Transaktionen an. Anstatt ihnen Zinsen zu versprechen, werden sie an den Bank-Gewinnen beteiligt.

Immer mehr Malaysier nutzen dieses Angebot. “Islamic Banking” bringt es inzwischen auf einen Anteil von 20 Prozent am Gesamtmarkt, Tendenz steigend.

Das bekräftigt auch Asyraf Wajdi Dusuki von der “International Sharia Research Academy for Islamic Finance” - kurz ISRA genannt. ISRA ist ein relativ neuer Spieler auf dem Feld der islamischen Bankgeschäfte. Das Forschungsinstitut wurde vor gut zwei Jahren von der malaysischen Zentralbank ins Leben gerufen - um Islamic Banking weiter zu “professionalisieren”.

“Malaysia hat jetzt schon das am stärksten ausgeprägte islamische Finanzsystem. Wenn ich “am stärksten ausgeprägt” sage, dann meine ich, dass wir nicht nur islamische Bankgeschäfte haben, sondern auch einen islamischen Kapitalmarkt und Takaful, also islamische Versicherungen. Und noch etwas unterscheidet uns: Unser Finanzsystem ist viel stärker reguliert, wir arbeiten nach klaren Scharia-Prinzipien, die vom Staat vorgegeben werden. Ich denke, alles in allem hat Malaysia von allen muslimischen Ländern das am meisten ausgeklügelte islamische Finanzsystem.”

Weltweit kommen Koran-konforme Bankgeschäfte nur auf gut ein Prozent des weltweiten Marktes. Doch die Geschäfte im Zeichen des Propheten wachsen um zwanzig Prozent pro Jahr. Nach Schätzungen der US-Depotbank “State Street” werden mehr als 500 Milliarden US-Dollar nach Scharia-Vorschriften verwaltet, einige Ratingagenturen sprechen sogar von rund 800 Milliarden. Read more at www.dradio.de

July 18 2010

02mydafsoup-01
Play fullscreen
How do Americans commonly judge upon the European wellfare state - especially now during the internation financial crisis?

Social Europe Columnist Steven Hill speaks about his new book ‘Europe’s Promise’ | Social Europe Journal
Reposted bykrekk krekk

Von der bildungsbeflissenen Arroganz der besseren Kreise - TAZ 20100718

Das Ergebnis des Volksentscheids spiegelt lediglich die standardisierte Chancenungleichheit auf dem Bildungsweg in Deutschland wieder - von der selbstverständlichen Einforderungen gleichverteilter Bildungschancen sind wir Lichtjahre entfernt und bewegen uns mittlerweile kontinuierlich im internationalen Maßstab demokratischer Sozialisierungspädagogik zu den Zeiten vor Ende des 1. Weltkrieges zurück.

   
Clipped from www.taz.de

Volksentscheid in Hamburg

Die Primarschule ist gescheitert

Anhängerinnen der Initiative «Wir wollen lernen» jubeln nach ihrem Sieg. Foto: dpa

Insgesamt beteiligten sich rund 491.600 Hamburger - knapp 40 Prozent der Wahlberechtigten - an der Abstimmung. 427.000 wählten per Brief, rund 64.600 gaben ihr Votum am Sonntag in den Wahlstellen ab. Von ihnen stimmten 35.000 den Reformgegnern zu und 31.000 den Reformplänen des schwarz-grünen Senats.

Entscheidend für das Ergebnis war, dass in den Hochburgen der Reformgegner, den Wohnorten der Besserverdienenden in Hamburgs Norden und Westen, die Beteiligung per Briefwahl eminent hoch war. Nienstedten (54,7 Prozent), Blankenese (54,0%) und Othmarschen (53,8%) erreichten eine Rekordwahlbeteiligung und auch Stadtteile wie Wellingsbüttel, Volksdorf und Wohldorf-Ohlstedt knackten die 50-Prozent-Hürde. Auch in den innerstädtischen Villenvierteln Harvestehude, Rotherbaum und der neu gebauten Hafencity lag die Beteiligung weit über dem Hamburger Durchschnitt.

Dagegen pendelte die Wahlbeteiligung der Quartiere mit einer niedrigen Sozialstruktur um die 25-Prozent-Marke. In Hammerbrook (17,7%), Dulsberg (22,2%), Steilshoop (26 %) oder St. Pauli (27,3%) machten die meisten Bewohner zumindest von der Briefwahl-Möglichkeit keinen Gebrauch.

Read more at www.taz.de
Reposted bykrekk krekk
Older posts are this way If this message doesn't go away, click anywhere on the page to continue loading posts.
Could not load more posts
Maybe Soup is currently being updated? I'll try again automatically in a few seconds...
Just a second, loading more posts...
You've reached the end.

Don't be the product, buy the product!

Schweinderl