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Stefan M. Seydel vom mit mehreren Preisen9 ausgezeichneten Internet-Projekt "Rebell-TV"10 führte am 18.5.2007 ein Interview mit Michael von Cranach11 .
Seydel: Heute beschäftigst Du Dich noch eher mit, wie sagt man, Romas, Sintis?
Cranach: (...) in Kaufbeuren, in dieser Klinik, die eine der schlimmsten Kliniken in der Nazizeit war (...) haben wir dann sehr intensiv versucht, die Nazivergangenheit der Psychiatrie in Kaufbeuren zu erforschen und daraus wurde dann ein grosses Projekt, [so] dass wir die ganze Psychiatrie in der Nazizeit in Bayern dokumentiert haben und darüber einiges geschrieben haben und Gedenkstätten eingerichtet haben. Diese Arbeit lässt mich nicht los, so dass ich mich jetzt noch um manche Aspekte kümmere. Da gibt es zwei Aspekte. Das eine ist ein bisschen das Schicksal der jüdischen Patienten und, ganz aktuell im Augenblick, das Schicksal der jenischen Patienten.
Seydel: Jenische sagst Du?
Cranach: Der Jenischen, ja, oder "das fahrende Volk" heissen sie auch in Deutschland. Darüber ist gar nichts [publiziert], da gibt es gar keine Literatur. Eine Doktorarbeit gibt es, die aber die psychiatrische Seite überhaupt nicht sieht. Wir haben einen Bub gefunden, Ernst Lossa, der in Kaufbeuren mit 14 Jahren getötet wurde von den Nazis. Der war gar nicht mal psychisch krank, sondern der ist nur in die Psychiatrie gekommen, der Vater, der war jenisch, und sein Onkel sind ins KZ gekommen und der Vater ist dort umgebracht worden. Die Kinder hat man in ein Waisenhaus getan und in dem Waisenhaus war unser Patient sozusagen, Ernst, so aufmüpfig und vielleicht ein schwieriges Kind auf Grund der Umstände, dass man ihn begutachtet hat als Zwölfjährigen und nach Kaufbeuren geschickt hat. Und in Kaufbeuren, das ist ja das Eindrucksvolle, wissen wir ganz viel über ihn, weil wir ganz viele Zeugen noch gefunden haben und auch weil die Amerikaner kurzfristig nach 45 sehr gut recherchiert haben. Dieser hat noch, das ist unglaublich, Widerstand geleistet, weil in der Klinik gab es eine Kinderabteilung und da gab es Hungerkuren. Man liess ja Patienten verhungern. Und dieser Bub ist in die Speisekammer eingebrochen, häufig, hat Lebensmittel geklaut und an die hungernden Kinder verteilt. Und deshalb hat der Direktor gefordert, dass er umgebracht wurde, der Verwaltungsdirektor. Und der ärztliche Direktor, der ein Schlimmer war, hatte aber Bedenken, weil dieses Kind nicht wirklich psychisch krank war. Aber schliesslich hat er unter dem Druck des Verwaltungsdirektors auch den umgebracht. Wir haben jetzt die Schwester von diesem Bub, die überlebt hat, gefunden und ich habe ganz viel recherchiert und so bin ich drauf gekommen, dass die Jenischen in Deutschland auch systematisch verfolgt wurden. Und jetzt versuche ich halt in die Archive zu gehen. Die Jenischen hiessen in der Naziterminologie "Zigeunermischlinge".
Seydel: Warum Mischlinge?
Cranach: Sie haben mit "Zigeunern" eigentlich gar nichts zu tun. Sie leben vielleicht ähnlich oder nomadisch oder so (...) in der Naziideologie waren sie arisch. Aber um sie umbringen zu können, brauchte es einen andern Namen, brauchte es eine diskriminierende Zugehörigkeit.


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Nachtrag (1) von oanth


Ernst lossa
Ernst Lossa, ein jenischer Junge als Opfer der nationalsozialistischen Psychiatrie

Bemerkungen zur Aufarbeitungsgeschichte der jenischen Opfergruppe

von Venanz Nobel
Basel, 4.12.2007
Die Jenischen „wurden und werden bis in die Gegenwart ausgegrenzt und diskriminiert und gehörten – wie Roma und Sinti – zu den aus „rassischen“ Gründen Verfolgten des Nationalsozialismus.“A
Alfred Ploetz stellt die „Rasse“ als mögliches Objekt der Eugenik in den Mittelpunkt und nennt in seiner Definition explizit die „Ausschaltung von ..... Unterrassen ... aus dem Rasseprozess“, also die „Reinigung“ einer bestehenden Rasse von „rassefremden“ Elementen als Dimension der Rassenhygiene.B
Die Jenischen in Deutschland wurden auch systematisch verfolgt. Die Jenischen hiessen in der Naziterminologie "Zigeunermischlinge". Um sie umbringen zu können, brauchte es einen andern Namen, brauchte es eine diskriminierende Zugehörigkeit.C
Es liegt vielmehr ein für die Gemeinschaft besonders gefährlicher Erbtypus vor, der ausgemerzt werden muß.D
[...]

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Schäft qwant: Ernst Lossa
danke für die transkription
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Nachtrag (2) von oanth - Podcast auf rebell.tv vom 18.05.2007 mit Michael von Cranach 

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