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Bei Youtube gehen die Lichter zur ursprünglich gehegten Idee eines organisch sich entwickelnden Video-Universal-Archivs unwiederbringlich aus


Mittlerweile wird auch im Klassischen-Musik-Bereich mit zunehmender Härte verfahren. Ein über die Jahre hin hochgeschätzter User-Account, spezialisiert u.a. für alte Musik, Margotlorena, wurde kurzerhand von administrieller Seite gesperrt. Einem anderem in Portugal registrierten Youtube-Account, dem Klassikportal auf Youtube schlechthin, droht Ähnliches, worauf in den Kommentarzeilen zum jüngsten und wahrscheinlich letzten Upload des betreffenden Accounts ausführlich eingegangen wird.

Von der gehandhabten Praxis geben die ehedem begleitenden Youtube Videos zur US-amerikanischen Satire-Seite "Better Call Saul" (der Anwaltskanzlei, der kein Geschäftsmodell fremd ist) ein nicht minder beredtes Zeugnis.

Wer oder was auch immer hinter Abmahnung und Three-Strikes die treibende Kraft ist, es lässt sich bereits heute absehen, dass Youtube, das zentrale internationale Video-Archiv, für von nichtinstitutioneller Userseite zusammengestellte aktuell oder urheberrechtlich relevante Inhalte gleich welcher Couleur, seien sie politischen oder kulturschaffenden Ursprungs, nicht mehr zur Verfügung steht - was hinsichtlich politischer Inhalte für einen großteil der Länder ohnehin zutrifft. Ich will mir eingestandenermaßen noch kein abschließendes Urteil darüber erlauben, wie in diesem Zusammenhang die Whistleblower-Erfolge von Wikileaks einzuordnen sind.

Youtube zieht unter das Kapitel seiner ursprünglichen Idee, die potentiell in ihm angelegt war und seitens der Gründer allenthalben als PR-Strategie genutzt wurde, von eigenem Interesse geleitet einen Schlussstrich - der Idee eines sich aktuell und historisch unzensiert und transparent nach und nach entwickelnden Video-Archivs - was im Großen und Ganzen unkommentiert als eine politisch höchst gern gesehener side-effect des sich weitestgehend ungestört ausbreitenden Abmahnwesens anzusehen ist.

Bezüglich des einkommenstärkeren Teils der sogenannten 'freien Welt' versteige ich mich wohl nicht in allzu gewagte Spekulationen, wenn ich behaupte, wir befinden uns bereits in der Phase der Entzugserscheinungen einer in Download- und Anklickverliebtheit schwelgenden User-Kultur. Die Urheberrechts- und Abmahndiskussion fungiert, bei aller praktischen Relevanz für die Betroffenen, hinsichtlich der politischen Zielsetzungen vorrangig als eine bei der Schaffung vollendeter Tatsachen öffentlichkeitswirksam agierende Vorhut - sie leistet der schleichenden Tabuisierung nicht institutionalisierter Netzinhalte Vorschub.

Langfristig gefährden offene Web2.0-Video-Portale in der hochgradig verflochtenen Welt des Internets die Geschichts- und Deutungshoheit politischer Großakteure jedweder ideologischen Provinienz - hierin ist wohl die tiefere Ursache für den restaurativen Umgang (ACTA, Three Strikes, Datenvorratsspeicherung) mit jenen Lösungs-Vorschlägen zu suchen, die von den nach wie vor unermüdlich gegensteuerenden Interessen-Gruppen in Vertretung der internationalen Netzgemeinschaft, wie hier z.B. durch OpenACTA, zur Aufrechterhaltung des freien Netzzuganges in die anhaltende Diskussion eingebracht werden.

oanth - muc - 20100412/14

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Schweinderl