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David Byrne hat nicht nur was gegen Streamingdienste, sondern auch gegen kommerzielle US-Radios

Es ist noch gar nicht so lange her, da grollte Davd Byrne mit einem  Artikel im Guardian gegen Spotify und andere Streaming-Services. Doch jetzt muss er an ihnen doch ein gutes Haar lassen, denn sie zahlen wenigstens  Tantiemen an Musiker – ganz im Gegensatz zu den kommerziellen US-Radio-Stationen. Dagegen wendet sich Byrne und unterstützt die Petition „I Respect Music“.

Der New Yorker David Byrne ist ein international bekannter Musiker. Er war Kopf der Talking Heads, erfolgreich mit Kollaborationen mit Brian Eno, St. Vincent und vielen anderen, zudem ist er Label-Betreiber (Luaka Bop Records), Buch-Autor und Videokünstler. Anhand konkreter Cent-Beträge rechnete in seinem Artikel für den britischen Guardian hoch, wie wenig Tantiemen von Spotify – beziehungsweise ähnlichen Services, wie Deezer, Pandora und anderen – bei den einzelnen Künstlern ankommen, und wie unmöglich es sei, mit solchen Erlösen überhaupt Musik zu schaffen, geschweige denn davon zu leben.

Dieses Übel würde auf lange Sicht verhindern, dass neue, gute Kunst entstünde und es wurzele für David Byrne im Internet selbst. Gleichwohl unterhält er seine eigene Website, die unter anderem einen Shop und einen Radiokanal enthält, der non-stop Musik von ihm und Luaka-Bop-Künstlern spielt. Byrne unterscheidet aber zwischen jenen Promotionmethoden und Vertriebsmodellen, die fair, also künstlergerecht und kreativitätsfördernd seien, etwa wenn unabhängige oder musikergeführte Labels ihre Musik online präsentieren, und solchen, bei denen zwar zwar ordentlich Geld aus den Deals mit Digital- und Streaming-Plattformen für die Rechtevergabe an die Plattenfirmen fließe, aber wenig Tantiemen an die Musiker selbst. Das sei meist bei den Majors der Branche der Fall.

Daher steht Byrnes Musik bei den Streaming-Diensten nicht zur Verfügung. Und damit ist er nicht der einzige Profimusiker seines Ranges – also ein Musiker, der weltweit bekannt ist, über einen reichhaltiger Backkatalog verfügt und auch aktuell gut im Geschäft ist.

Doch seine jüngsten Äußerungen überraschen: Byrne hält ausgerechnet jenen Streaming-Diensten, die er vor einigen Wochen noch als Profiteure des Musik-Ausverkaufs brandmarkte, nun etwas zugute, nämlich dass sie überhaupt Abgaben (Royalties) an Musiker zahlen. Denn genau das täten hunderte US-amerikanische, kommerzielle Radiostationen nicht, wenn sie kommerzielle Musik spielen, und das schon seit Jahrzehnten – weil sie es laut Gesetz gar nicht müssten. So jedenfalls erklärt es Byrne in seinem Newsletter von Ende Januar, in dem er explizit dazu aufruft, eine Petition zu unterschreiben, die auf eine entsprechende Gesetzesänderung hinwirken soll.

So kurios es klingen mag, die fehlende Regelung bezüglich „Royalties for Radio-Airplay-Performances“ ist in den USA seit Jahrzehnten ein Streitpunkt zwischen Plattenfirmen und kommerziellen Radiostatioen (öffentlich finanzierte Sender sind nicht betroffen). Damit befinden sich die USA in der Gesellschaft von weltweit gerade einmal fünf weiteren Ländern, in denen es keine Radio-Airplay-Tantiemen-Regelung gibt: Iran, Nordkorea, China, Vietnam und Ruanda. Und das findet Byrne nicht nur peinlich sondern höchst ärgerlich.

Zwar würden bei Komponisten gewisse Airplay-Tantiemen landen, aber eben nicht bei den ausübenden Künstlern, also Sängern, Instrumentalisten und sonstigen Mitwirkenden, egal ob bei Band-Songs oder Cover-Versionen.  Dies zeuge von mangelndem Respekt den Kunstschaffenden und Musikern gegenüber, so Byrne. Folgerichtig heißt die erwähnte Petition „I Respect Music“. Bis dato (5. Feburar 2014) zeigten sich etwa 7.800 Unterstützer zu einer digitalen Unterschrift bereit, darunter zahlreiche Profimusiker, von denen Byrne aber hierzulande der bekannteste sein dürfte.

Der Kampf um Zahlungen von Radiosendern mutet aus heutiger Sicht fast nostalgisch an: Scheint doch die einstige Dominanz des klassischen Radios vorbei, weil die Musik-Übertragung mehr und mehr über das Internet erfolgt, via Mobilfunk, Festnetz und WLAN. Trotzdem handelt es sich hier um sehr viel Geld: In Deutschland hat die GEMA 2012 laut Geschäftsbericht mehr als 200 Millionen Euro für die Senderecht von Funk und Fernsehen eingenommen. Das ist circa ein Viertel ihrer Gesamteinnahmen für das Jahr 2012. Die potenziellen Einnahmen in den USA dürften höher ausfallen. Es geht also um viel Geld – und das ist etwas, was die meisten Musiker brauchen können.

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Schweinderl