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Mit Kreativität gegen das digitale Misstrauen

„Netzkultur – Die stumme Masse“ ist nur eines von mehreren Events, die in Berlin zum Thema Netz in nächster Zeit stattfinden. Wir haben die Kuratorin Nikola Richter über die Hintergründe befragt.

iRights.info: Sie haben die Veranstaltungsreihe Netzkultur kuratiert. Was war der Anlass gerade jetzt ein solches Event zu machen?

Nikola Richter: 2013 war durch die Snowden-Affäre und das nun herrschende Gefühl der Dauerüberwachung eines jeden Bürgers ein Jahr der großen Netz-Enttäuschung. Sascha Lobo sprach ja gerade in der FAZ von der „digitalen Kränkung des Menschen“. Wir wollen uns mit der Netzkultur, die den bekennenden Untertitel „Freunde des Internets“ trägt, nicht von der Utopie des Netzes verabschieden, sondern zeigen, wie und wo man das Netz immer noch mitgestalten kann – und muss. Wir richten dabei den Blick besonders auf die digitalen Einflüsse innerhalb der Kultur, darauf, welche Strategien Künstler und Kulturschaffende wählen. Vielleicht kommt man nur mit Kreativität gegen das digitale Misstrauen an.

iRights.info: Was kann man mit einer solchen Veranstaltung erreichen?

Nikola Richter: Aufklärung, Bewusstsein, neue Bündnisse, Solidarisierung untereinander. Bei der ersten Netzkultur-Veranstaltung haben wir etwa einen Kryptographie-Workshop und einen Remix-Workshop angeboten, die beide gut besucht waren. Es geht ja auch darum, sich selbst zu ermächtigen. Nicht nur zu konsumieren. Sondern zu gestalten. Bei der Netzkultur am 18. Januar, die sich unter dem Titel „Die stumme Masse“ neuen Konzepten von Gemeinschaft widmet, geht es unter anderem um die Möglichkeit anderer Finanzierungsmodelle in der Kultur – durch E-Kampagnen –, um Liquid Feedback oder Social Media als künstlerische Intervention. Darüber spricht Geert Lovink.

iRights.info: Warum der Titel „Die stumme Masse“?

Nikola Richter: Weil die stumme Masse das Doppelgesicht des Netzes darstellt: Sie ist einerseits stumm (und vielleicht dumm), andererseits ist sie auch aktivierbar, sie hat Macht, sie greift ein, sie organisiert sich, oft selbst. Es sind viele, die hier mitdenken, -schreiben, -liken können. So wie das Netz weder gut noch schlecht ist, ist auch die Masse erstmal weder gut noch schlecht.

iRights.info: Ist das nicht „zu den Bekehrten predigen“? Kann man eine größere Öffentlichkeit erreichen?

Nikola Richter: Erstaunlicherweise ist das Netzthema ja kein Nischenthema mehr für ein paar vereinzelte Hacker und Nerds. Es ist da und wir alle sind drin. Ich bin mir absolut sicher, dass es eine größere Öffentlichkeit interessiert und erreichen kann. Nur Massen sind ja bekanntlicherweise etwas träge …

iRights.info: Was passiert mit den Ergebnissen?

Nikola Richter: Wir halten alles fest. Wir speichern alles! Nein, ohne Witz, wir versuchen wirklich, möglichst nachhaltig Inhalte zu produzieren. In einem kostenlosen digitalen Programmheft, das für jede Veranstaltung eigens als ePub und als PDF produziert wird, finden sich Extramaterialien der Referenten, downloadbar von unserer Website netzkultur.berlinerfestspiele.de/media. Dort werden wir auch Audiomitschnitte der Panels und Vorträge zur Verfügung stellen, ebenso Fotos, Presse- und Blogberichte. All dieses ist schon für die erste Netzkultur zu „Technologie-Evolutionen“ erhältlich, etwa die Vorträge von Juli Zeh und Frank Schirrmacher oder ein Gespräch zu technologischen Entwicklungen in der Musik mit dem Sample-Vorreiter Deutschlands Holger Hiller von „Palais Schaumburg“.

iRights.info: Worum geht es bei der Veranstaltung am 22. Februar?

Nikola Richter: Um digitale Identitäten, darum, wie Künstler ihre Arbeit und ihr Selbstverständnis mit dem Netz oder über das Netz prägen. Der New Yorker Autor Tao Lin wird etwa das Internet in den Kontext der Menschengeschichte stellen, ausgehend von frühen Landwirtschaftskulturen (125.000 Jahre zurück) bis zu unserer Gegenwart und Zukunft, mit dem Fokus darauf, wie sich die Vorstellung von Privatsphäre verändert hat. Ebenso kommt der globale Nomade Momus für ein Konzert und die Verlegerin und Autorin Daniela Seel (kookbooks) gibt zusammen mit dem Lyriker Tristan Marquardt einen Workshop zum Dichten mit Google Translate oder Erasure-Services.

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