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W3C-Direktor Berners-Lee verteidigt Kopierschutz für Webstandard HTML5

Soll HTML als Standard des offenen Web Kopierschutz unterstützen? Schon seit einiger Zeit wird darüber nicht nur in den Kreisen des Web-Gremiums W3C erbittert diskutiert. Genau genommen geht es um „Encrypted Media Extensions” – Schnittstellen, über die kopiergeschützte Inhalte auch direkt im Browser abspielbar werden sollen. Netflix, Microsoft und Google haben dazu einen Entwurf vorgelegt.

Nun hat sich Web-Erfinder und W3C-Direktor Tim Berners-Lee erneut zu Wort gemeldet und das Vorhaben gegen Kritik („Hollyweb”) verteidigt. Nach den Designprinzipien von HTML hätten die Nutzer zwar Vorrang – es sei aber besser, wenn die Diskussion über DRM im W3C statt außerhalb stattfinde. Denn verhindern werde man Kopierschutz für Video-Inhalte mit einer Verweigerung nicht, so Berners-Lee. Man könne aber die Folgen für’s offene Web mildern:

if content protection of some kind has to be used for videos, it is better for it to be discussed in the open at W3C, better for everyone to use an interoperable open standard as much as possible, and better for it to be framed in a browser which can be open source, and available on a general purpose computer rather than a special purpose box.

Die Kritik war Anfang Oktober wieder lauter geworden, als das W3C in einer neuen Charta schließlich festschrieb, dass HTML-Unterstützung für geschützte Inhalte zu seinem Aufgabenfeld gehört. Die Electronic Frontier Foundation sprach von einem „gefährlichen Schritt” und einer Machtverschiebung vom Nutzer zum Inhalteanbieter:

We’re deeply disappointed. (…) That breaks a—perhaps until now unspoken—assurance about who has the final say in your Web experience, and indeed who has ultimate control over your computing device.

Deutlich wird allerdings, dass die Entscheidung auch für Berners-Lee nicht nur eine über die Rolle des W3C ist, sondern strategisch begründet wird: Ohne Beteiligung des W3C würde der Kampf um Kopierschutz von vornherein auf fremdem Terrain stattfinden, entsprechend schlechter wären die Ausgangsbedingungen.

Im gleichen Posting ruft Berners-Lee nun zu mehr Beteiligung am Prozess auf. Doch im Gegenzug muss sich die HTML5-Arbeitsgruppe jetzt an der Quadratur des Kreises versuchen: Offen und geschlossen, WWW und DRM soll sie in Einklang bringen.

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Schweinderl