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Bild.de beweist: Amazon-Chef kann lesen (SEO-Schlagwort Leiharbeiter)

Amazon Deutschland-Chef Ralf Kleber hört sich im Video-Interview mit Bild.de irgendwie seltsam an. Warum betont er so komisch? Wohin wandern seine Augen?

Im Video-Interview mit Bild.de verteidigt Amazon-Manager Kleber sein Unternehmen gegen aktuelle Vorwürfe (Ausbeutung von Leiharbeitern, fehlende Betriebsräte usw.). Doch wer sich beim Zuschauen auf die Augen und die Betonung von Herrn Kleber konzentriert, könnte den Eindruck gewinnen: Der Mann liest die Antworten ab, und zwar nicht besonders flüssig. Als stünde da ein Helfer im Off, Plakate mit vorproduzierten PR-Statements hochhaltend. Klebers Pausen zwischen den Sätzen, das Atemholen, die verblüffend stimmigen Anschlüsse an die Fragen. Die gestanzten PR-Formeln (“Amazon ist ein verantwortungsvoller Arbeitgeber”). Die irgendwie unspontane Ausdrucksweise (aus welcher “Gesprächssituation” kommt wohl der Impuls für das “Bedenken Sie”?). Weiß da etwa einer, wie der Text weitergeht? Auch die Fragen scheinen Kleber nicht aus der Fassung zu bringen. Dabei handelt es sich laut Bild.de um ein “Verhör”.

Sollte Herr Kleber wirklich vorlesen, es wäre der Beweis für das, was wir schon lange ahnten. Diese Internetkonzerne aus den USA sind  irgendwie komisch (frei nach Frank Schirrmacher). Können die keine Realität? Lesen die vielleicht nur vor, was ihnen PR-Algorithmen als beste Antwort ausgerechnet und ausgedruckt haben? Das wäre ein Ding. Und führt zu neuen Zeitgeist-Fragen. Denn wenn mehr Betriebsräte die spieltheoretisch beste Reaktion auf Amazons PR-Krise sind, was bedeutet das für den Kapitalismus?

Andererseits: Es kann gar nicht sein, dass Kleber die Antworten vorliest. Bild.de würde das nicht zulassen. Bild.de würde die Verhör-Fragen nicht vorher mit ihm abkaspern. Bild.de würde knallhart nachfragen, bis Herr Kleber alleine antworten muss, ohne fremde Hilfe quasi, selber irgendwie.

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Schweinderl