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02mydafsoup-01
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Im taktischen Dispositiv übertrifft der Autor die Manifeste aus den sechziger und siebziger Jahren, auch die neuen französischen Aufstandsautoren bei weitem. Die Schreckensherrschaft ist auf seiner Seite. So will er den Feind überraschen, seine bessere Geländekenntnis nutzen, situative Vorsprünge und Entschlossenheit nutzen. Der Rest ist operatives Handbuch, Tagebuch, Logistik, Autobiographie, Sozialreform in reaktionärer Replik auf Ideen der Frühsozialisten. Das Manifest bezeugt einen umsichtigen Planer, als hätte er in einer Elitehochschule den MBA mit Bravour gemacht. Einkauf, Cash Flow, Lager, Assessment, Controlling, alles hat er auf dem Schirm. Sein Produkt aber, darauf läuft es hinaus, ist nicht der Schrecken. Der ist eine Beigabe.

Sein Produkt ist der auf 1516 Seiten niedergelegte innere Monolog aus der gesellschaftlichen Mitte, ein Echo der endlosen Tiraden gegen die Welt, wie sie ist, ein Echo aus den Foren in den Weiten des Netzes. Aus seinem Text spricht der Chor der Erniedrigten und Beleidigten, die im Ausdruck ihres Hasses auf alle und alles zu grandioser Form finden. Er ist ein gut erzogenes Kind aus der Mitte der Gesellschaft, der den Stolz der arabischen Straßenkämpfer bewundert, ihn sich zu eigen macht, um sie zu schlagen. Der Kämpfer, der aus ihm spricht, ist nicht zu schlagen – nicht wegen seiner Waffen, seiner Umsicht, seiner Klugheit, sondern weil er bloß ein Kopf unter vielen dieser Hydra ist, die sich aus dem Manifest erheben.

Die Idee der schärferen Überwachung, die gleich wieder erklang, noch ehe die Auswertung begonnen hat, verkennt den Befund am Ende der Lektüre. Breivik ist ein Kind der Mitte. Die Überwachung wäre der Versuch, dieser Selbsterkenntnis mit vergeblichem Aufwand aus dem Weg zu gehen.

[END]

Die Normalität des Attentäters: Ein Kind unserer Welt || Hintergründe - Feuilleton - FAZ.NET - 2011-07-26

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Schweinderl