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Das Wort „Sinti und Roma“ ist eine deutsche Erfindung. Fast überall in Europa wird „Rom“ – Mensch – als Oberbegriff verwendet, entstanden aus den Bürgerrechtsbewegungen der europäischen Roma in den siebziger Jahren. Das Wort ist vor allem ein politisches Konzept. Stéphane Laederich, Autor des Standardwerkes „The Rroma“ schreibt: „Die Familie ist das Zentrum im Leben eines Roms. Die erste Loyalität gilt immer den Verwandten.“ Man sei Angehöriger einer Großfamilie, dann eines Verbundes von Großfamilien, dann einer Sub-Ethnie – wie der Kalderara, der Lovara oder der Sinti. Zuletzt gelte die Identifikation allenfalls der Weltgemeinschaft der Roma.

Die meisten empfänden „Zigeuner“ als diskriminierend, sagt Herbert Heuß vom Zentralrat. „An dem Begriff hängt der Rassenhass der Hitler-Zeit und die vielen alten Vorurteile, über angeblichen Dreck, Kriminalität, Faulheit, dass alle nomadisch leben und am Lagerfeuer sitzen.“ 68 Prozent der Deutschen wollten nichts mit Sinti und Roma zu tun haben, zitiert Heuß aus einer älteren Umfrage, und das habe mit eben diesen Bildern zu tun.

Abseits der beiden Dachverbände wird weniger emotional diskutiert. Manuel Trollmann macht Öffentlichkeitsarbeit für den Sinti Verband Niedersachsen mit 5.000 Mitgliedern, in keinem der verstrittenen Dachverbände organisiert, „weil wir hier ganz praktische Arbeit machen.“ „Ich selbst habe kein Problem damit, wenn mich jemand Zigeuner nennt“, sagt Trollmann. „Es kommt darauf an, wie das gemeint ist – und es ist nicht grundsätzlich diskriminierend gemeint.“ Die Älteren in seiner Familie könnten das Wort aber in keinem Fall aushalten. „Wer mit dem eintätowierten Z im KZ leben musste, verbindet unfassbares Leid mit dem Wort.“ Trollmanns Großonkel – Johann Rukeli Trollmann – war 1933 Boxweltmeister im Halbschwergewicht. Weil er Sinto war, wurde ihm dieser Titel nach acht Tagen aberkannt, er starb 1944 im KZ. „Nach 600 Jahren Sinti-Geschichte in Deutschland ist mein Großonkel der erste, nach dem eine Straße benannt wurde“, sagt Manuel Trollmann.

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Identität: Mehr als ein Streit um Worte — Vielleicht ist „Sinti und Roma“ doch keine gute Bezeichnung für jene, die ­„Zigeuner“ heißen wollen. Die Debatte zeigt, wie viel ­Politik im Namen steckt | freitag.de - Miriam Bunjes - 2011-06-02

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